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Mercedes C-Klasse Coupé: Erster Test - Ein Hintern wie J.Lo, nicht wie Kim Kardashian

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Oberklasse-Heck, Mittelkasse-Maße und Kompaktklasse-Front. Fertig ist das neue C-Klasse Coupé? Nicht ganz. Unter dem Blech haben die Ingenieure fleißig Hand angelegt. Erster Test.

Das neue C-Klasse Coupé sieht dem größeren S-Klasse Coupé sehr ähnlich Das neue C-Klasse Coupé sieht dem größeren S-Klasse Coupé sehr ähnlich Quelle: Mercedes-Benz

Malaga – Das Heck eines Autos kann nerven. Wenn es lange Zeit vor einem steht, im Stau, an der Ampel oder bei der Autobahnfahrt. Manche Blechhintern sind hässlich, manche schön, andere zeitlos. Das Heck des Mercedes S-Klasse Coupé hat auf MOTOR-TALK schon für viel Diskussionen gesorgt. All diejenigen Daimler-Fans, die es als zu üppig empfinden, müssen nun stark sein. Denn der Hintern fährt nun auch am Ende des C-Klasse Coupés über die Straße. Die gute Nachricht: Beim kleineren Coupé geht er eher in Richtung Jennifer Lopez und nicht in Richtung Kim Kardashian.

Das Heck des C-Klasse Coupé wirkt allerdings weniger wuchtig als das des größeren Modells Das Heck des C-Klasse Coupé wirkt allerdings weniger wuchtig als das des größeren Modells Quelle: Mercedes-Benz Trotz der optischen Ähnlichkeit zum S-Klasse Coupé fährt die zweitürige C-Klasse völlig anders, aktiver, leichter, besser. Das gilt auch im Vergleich zum Vorgänger und zur Limousine – obwohl das Coupé 80 Kilogramm mehr wiegt als der Viertürer. Das lässt sich Mercedes übrigens mit 1.875 Euro Aufpreis bezahlen.

Mercedes hat das S-Coupé geschrumpft

Lange Motorhaube, flacher Rücken, elegante Seite. Nicht so wuchtig wie die S-Klasse, nicht so geschrumpft wie der CLA. Im Vergleich zum Vorgänger verlängerten die Ingenieure das Coupé um 8 Zentimeter, verbreiterten es um 4 Zentimeter und dehnten den Radstand um 9,5 Zentimeter. Gleichzeitig senkten sie die Karosserie im Vergleich zur Limousine um 1,5 Zentimeter ab. Das macht die dritte Variante optisch eigenständig und sorgt für mehr Platz im Innenraum. Selbst im Fond können Erwachsene bequem sitzen.

Die breiten, rahmenlosen Türen öffnen weit. Ich lasse mich in die tiefen Sitze fallen. Die sind neu, Mercedes spricht von „Integral-Sportsitzen“. Ich sage dazu: weich, nicht so eng wie andere Sportsitze. Dazu federn sie bequem auf langen Strecken und bieten ausreichend Seitenhalt bei schneller Kurvenfahrt. Sonst bleibt vorn alles wie bei der C-Klasse. Sprich: edle Materialien und eine akkurate Verarbeitung, breite Mittelkonsole mit Dreh-Drück-Touch-Regler, ein paar Knöpfe für Klima, Navi und Radio sowie der aufgesetzte Monitor.

Der brummige Diesel passt nicht

MOTOR-TALK-Reporter Fabian Hoberg und das neue C-Klasse Coupé MOTOR-TALK-Reporter Fabian Hoberg und das neue C-Klasse Coupé Quelle: Mercedes-Benz Im Coupé sitzt man deutlich tiefer als in der Limousine und im T-Modell. Der Blick geht gerade so über die Haube, nach hinten ist er eingeschränkt. Doch wen juckt das? Es soll ja vorwärts gehen. Zündschlüssel drehen (ja, drehen), Fahrprogramm „D“ einlegen und losrollen. Der 250d fährt mit einem 2,2-Liter-Vierzylinder, 204 PS bei 3.800 Touren und 500 Newtonmeter Drehmoment zwischen 1.600 und 1.800 Umdrehungen. Der NEFZ liegt bei 4,2 Liter.

Bereits ein leichtes Tippen auf das Gaspedal genügt, und das Coupé sprintet los. Leider nicht sonderlich zurückhaltend. Der Motor brummt, vibriert und rappelt - und passt zum C-Klasse Coupé ungefähr so wie Cowboystiefel zum Jogginganzug. Dabei zieht der Diesel sportlich los, die famose Neungang-Automatik schaltet schnell durch, das Coupé rennt von 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden. Erst bei 247 km/h ist Schluss. Die Dröhngeräusche und Vibrationen nehmen aber nicht ab, werden nur durch Windgeräusche untermalt.

Der 300er-Benziner passt besser

Deshalb ist der 300er-Benziner aus meiner Sicht die bessere Wahl: 245 PS, leise säuselnd und schnell. Von 0 auf 100 km/h geht es in 6 Sekunden, die Spitze liegt bei 250 km/h. Der aufgeladene Vierzylinder drückt im Ladebereich das Coupé leicht, aber bestimmt nach vorn. Zwischen 1.300 und 4.000 Touren zeigt der Benz seine Muskeln und bietet ein Drehmoment von 370 Newtonmetern.

Im Vergleich zur Limousine und dem T-Modell hat das Coupé andere Sitze Im Vergleich zur Limousine und dem T-Modell hat das Coupé andere Sitze Quelle: Mercedes-Benz Fuß vom Gas. Der Lader zwitschert beim Ablassen kurz sein Turbo-Liedchen, bleibt sonst aber ruhig – eine wohldosierte Abstimmung zwischen Komfort und Sportlichkeit. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe arbeitet dabei gewohnt forsch und gönnt sich nur beim An- und Rückwärtsfahren eine Gedenksekunde. Die bollernden AMG-V8-Versionen mit 476 und 510 PS sind nur etwas für Fahrer mit einem großen Ego: zu laut, zu schrill, zu teuer - und total geil.

Neben den beiden gefahrenen Motoren verkauft Mercedes das Coupé auch mit weiteren Antrieben, darunter:

  • C 180 (1,6 Liter, 156 PS, 35.581 Euro)
  • C 200 (2 Liter, 184 PS, 37.604 Euro)
  • C 250 (2 Liter, 211 PS, 42.840 Euro)
  • C 300 (2 Liter, 245 PS, 44.803 Euro)
  • sowie die beiden Diesel C 220d (2,2 Liter, 170 PS, 39.567 Euro)
  • und 250d (2,2 Liter, 204 PS, 45.041 Euro).

Eine Hybridversion wird wahrscheinlich noch kommen.

Neue Vorderachse für mehr Komfort

Die technischen Feinheiten des Coupés spüre ich auf einer Bergstraße. Und zwar heftig. Vorn kommt eine Vier-Lenker-Vorderachse mit vom Federbein entkoppelter Radaufhängung zum Einsatz. Die reagiert schneller, arbeitet präziser und lässt das Coupé zielgenauer durch Kurven lenken als die Limousine. An der Hinterachse verbessert eine modifizierte Raumlenker-Hinterachse mit Fünf-Lenker die Fahreigenschaften.

Mit dem Dreh-Drück-Touch-Schalter lässt es sich einfach durchs Menü navigieren Mit dem Dreh-Drück-Touch-Schalter lässt es sich einfach durchs Menü navigieren Quelle: Mercedes-Benz Das Fahrwerk lässt sich durch die optionale Luftfederung (1.416 Euro) und größere Räder verbessern oder straffen. Mit einem Fingertipp verwandelt sich der Benz dann vom Gleiter zum Racer. Das Fahrwerk wird straffer, Gaspedal und Lenkung reagieren schneller auf Befehle und der Motor dreht höher. Für mehr Sportlichkeit gibt es die AMG-Line mit speziellen Stoßfängern, Schwellern und Kühlergrill. Dazu kommen 18-Zoll-Räder für ein härteres Abrollen.

Bis 200 km/h hilft das Coupé beim Lenken

Ebenso wie die Assistenzsysteme. Das Coupé warnt serienmäßig bei Unaufmerksamkeit, Müdigkeit und bevorstehenden Kollisionen. Gegen Aufpreis hält es den Abstand zum Vordermann, fährt im Stau eigenständig und bleibt in der Spur. Bis 130 km/h folgt das Coupé anderen Autos, bis 200 km/h unterstützt es den Fahrer beim Lenken. Teilautonomes Einparken und das Filmen der Umgebung hat der Benz ebenso drauf.

Für Frischluftfans: Die Klimaanlage kommuniziert mit dem Navigationssystem und aktiviert im Tunnel automatisch die Umluft-Funktion. Gegen die Schnappatmung, falls einem das Heck des Vordermanns nicht gefällt.

Technische Daten: Mercedes C 250d Coupé

  • Motor: 2,2-Liter-4-Zylinder-Diesel
  • Leistung: 204 PS
  • 0-100 km/h: 6,7 s
  • Vmax: 247 km/h
  • Getriebe: Neungang-Automatikgetriebe
  • Verbrauch: 4,2 l
  • CO2-Ausstoß: 109 g/km
  • Länge: 4,68 m
  • Breite: 1,81 m
  • Höhe: 1,40 m
  • Kofferraum: 400 l
  • Preis ab 45 041 Euro

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