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EU-Geräusch-Verordnung 540/2014: Richtlinien für Auspuff-Lautstärke - Die Sound-Taste bleibt

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Lärm ist ein Stressfaktor und damit ungesund, findet die EU. Deshalb sollen Neuwagen bald leiser werden. Trotzdem werden Sportwagen in Zukunft weiter brüllen.

Autos sollen leiser werden: Diese Grenzwerte gibt die EU vor Autos sollen leiser werden: Diese Grenzwerte gibt die EU vor Quelle: MOTOR-TALK, Datenquelle: Amtsblatt Europäische Union

Berlin – Autos sollen leiser werden. Am 16. April veröffentlichte das EU-Parlament die Verordnung mit der Kennung 540/2014. Sie definiert, mit welcher Lautstärke zukünftige Auspuffanlagen röhren dürfen, und wie genau das gemessen werden muss. Wie bereits im November 2013 angekündigt, soll das Fahrgeräusch von Pkw bis zum Jahr 2026 schrittweise auf eine Lautstärke von 68 Dezibel sinken. So laut ist etwa ein Fernseher auf Zimmerlautstärke. Aktuell dürfen Pkw mit 74 Dezibel lärmen, leistungsstarke Sportler mit 75 Dezibel und Lkw mit 80 Dezibel.

Auf Knopfdruck Sound: Porsche steuert die Klappenauspuffanlage mit einer Taste im Cockpit Auf Knopfdruck Sound: Porsche steuert die Klappenauspuffanlage mit einer Taste im Cockpit Quelle: Porsche Seit der Veröffentlichung der neuen Richtlinie berichten einige Medien vom möglichen „Ende des Klappenauspuffs“. Dieses Bauteil erhöht in sportlichen Autos per Knopfdruck die Lautstärke und sei deshalb künftig nicht mehr zulässig. Tatsächlich dürfen Sportwagen vorerst laut bleiben.

Auspuffrichtlinie: Pkw werden bald leiser, Sportler erst später

Die EU teilt Pkw in verschiedene Klassen ein. Nur Autos mit maximal 120 Kilowatt (163 PS) pro Tonne Gewicht müssen die strengen Lärmvorschriften einhalten. Ab dem 1. Juli 2016 gilt der Grenzwert von 72 Dezibel, vier Jahre später 70 Dezibel. Am 1. Juli 2024 sind sie mit maximal 68 Dezibel die leisesten Autos.

Diese Termine sind vorerst nur für die Hersteller relevant. Sie beziehen sich auf die Typgenehmigung von komplett neuen Fahrzeug-Generationen. Die Phasen zwei und drei sind für Neuwagen mit einer Erstzulassung ab dem 1. Juli 2022 bzw. dem 1. Juli 2026 vorgeschrieben. Für alle älteren Fahrzeuge besteht Bestandschutz, bei ihnen ändert sich nichts.

Mit der Motorleistung darf die Lautstärke steigen. Bei 120 bis 160 kW (163 bis 218 PS) pro Tonne Leergewicht steigt der Grenzwert um jeweils ein Dezibel. In dieser Klasse fahren sportliche Kompaktwagen und flinke Mittelklasse-Limousinen. Fahrzeuge mit mindestens 160 Kilowatt pro 1.000 Kilogramm Gewicht haben zwei weitere Dezibel Spielraum. Zu ihnen gehören die schnellsten Mittel- und Oberklasse-Fahrzeuge, zum Beispiel Mercedes E63 AMG und Audi RS6.

Die erste Stufe der neuen Richtlinien gilt für Fahrzeuge, die Hersteller nach dem 1. Juli 2016 erstmals prüfen lassen Die erste Stufe der neuen Richtlinien gilt für Fahrzeuge, die Hersteller nach dem 1. Juli 2016 erstmals prüfen lassen Quelle: Jaguar Sportwagen mit mehr als 200 kW (272 PS) pro Tonne Leergewicht, höchstens vier Sitzplätzen und einem niedrigen Fahrersitz dürfen in Phase zwei und drei ein zusätzliches Dezibel lauter fahren. Die lautesten Autos werden also erst ab 2026 leiser – und dann nur um drei Dezibel. Zum Vergleich: Wir nehmen eine Senkung um zehn Dezibel als Halbierung der Lautstärke wahr. Eine Veränderung um drei Dezibel können wir zumindest erkennen.

Lauter Sound innerhalb der Grenzwerte

Für Klappen- und Sportauspuffanlagen gilt dieselbe Regel wie bisher: Sie dürfen die vorgegebenen Grenzwerte nicht überschreiten. In elf Jahren werden neue Sportwagen also etwas leiser. Dafür haben die Hersteller aber längst eine Lösung parat. Ein Porsche-Sprecher sagte auf Nachfrage von MOTOR-TALK, dass aufgrund des neuen Gesetzes zwar der Pegel gesenkt werde, das jedoch auf die Klangzusammensetzung kaum einen Einfluss habe. Kurz: "Der Ton macht die Musik, nicht die Lautstärke."

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