• Online: 2.471

Taxi, Taxi im offenen Chrysler 300 C - Deutschlands einziges Cabrio-Taxi

verfasst am

Taxen haben ein festes Dach und einen Dieselmotor. Immer? Nein. Ein Unternehmer aus dem Ruhrgebiet setzt auf einen dicken V8 und auf freien Blick zum Himmel.

Das Chrysler 300C Cabrio stammt aus den USA Das Chrysler 300C Cabrio stammt aus den USA Quelle: Fabian Hoberg

Recklinghausen – Laut nagelnde Dieselmotoren lehnt Daniel Wolf ab, und zwar privat und beruflich. Er liebt einen runden, weichen Motorlauf. Untenrum zäh, dann mit steigender Drehzahl bissiger. Dabei ruhig und gleichmäßig, ganz ohne Nageln. Damit ist er sicherlich nicht allein auf der Welt.

Bei seinem Job könnte das allerdings ein Problem werden, denn der 50-Jährige ist Taxiunternehmer in Herten und Recklinghausen. Mitten im Ruhrgebiet, wo vor nicht allzu langer Zeit noch die Schlote qualmten – und das viele Menschen dort auch okay fanden. Eine Branche, in der rund 90 Prozent aller Fahrzeuge Diesel tanken.

Qualm hieß in Recklinghausen Arbeit. Das war einmal. Mittlerweile sind die Zechen gestorben und die Kamine kalt. Und Daniel Wolfs verzichtet ebenso auf Qualm. Er setzt lieber auf Ottomotoren – und ganz spezielle Fahrzeuge.

Viel Power für den Sommer

Für die warmen Tage steht ein Chrysler 300C Cabrio in seiner Garage. Ein Viertürer mit einer ganz dicken Maschine: Hemi, 5,7-Liter-V8, 340 PS, 525 Newtonmeter Drehmoment, rund sieben Sekunden auf Tempo 100 und 250 km/h Spitze. Schon der Motor ist, sagen wir, ungewöhnlich für ein Taxi. Und dann noch als Cabrio?

Den 300C kaufte Wolfs sich bei einem Berliner Händler Den 300C kaufte Wolfs sich bei einem Berliner Händler Quelle: Fabian Hoberg Chrysler verkaufte den 300C zwischen 2004 und 2010 nur als Limousine und Kombi, ein Cabrio gab es nicht. Dieser 300C verlor schon in Kalifornien beim Tuner „Newport Convertible Engineering“ sein Dach. Ende 2008 kam das Auto nach Deutschland, Daniel Wolf entdeckte den Chrysler im Netz bei einem Händler in Berlin, wurde sich mit dem Verkäufer einig und schlug zu.

„Ich war auf der Suche nach etwas Besonderem, für den Betrieb, aber auch für mich. Denn meine Autos müssen auch mir gefallen“, sagt Wolfs. Praktisch, dass der Chrysler schon die helle Farbe und einen Überrollbügel hatte. Ein Muss, denn laut Zulassungsverordnung muss ein Taxi unter anderem ein Dachzeichen haben – schwierig bei einem Auto ohne Dach. Dazu kommen noch ein Taxameter und vier Türen. Fahrzeuge, die der Personenbeförderung dienen, müssen auf der rechten Seite mindestens zwei Türen haben. Und welches Cabrio hat das schon?

Spießroutenlauf mit den Behören

Zurück im Pott, klemmte er Taxameter und Funkgerät an und rollte vor die Zulassungsstelle Recklinghausen. Dort war man direkt überfordert und schob den Fall ins Verkehrsministerium nach Düsseldorf ab. Das Verkehrsministerium musste die Gefahren für die Fahrgäste einschätzen, vor allem bei einem möglichen Überschlag.

Nach vier Monaten Spießrutenlauf durch die Behörden erhielt Wolf die Zulassung zum Taxi. Mit der Ordnungsnummer 43, die jetzt hinten an der Persenning hängt. „Es war das erste Cabrio-Taxi Deutschlands“, sagt Daniel Wolfs grinsend und freut sich immer noch über seinen Coup. „Das Auto rechnet sich natürlich nicht, der Chrysler mit dem V8 verbraucht je nach Fahrweise rund 20 Liter auf 100 Kilometer“, sagt er. „Dafür macht das Auto Spaß und ist ein guter Werbeträger“, sagt er. Ursprünglich stammt das Cabrio aus den USA - Newport Convertible Engineering schnitt dem Hemi das Dach ab Ursprünglich stammt das Cabrio aus den USA - Newport Convertible Engineering schnitt dem Hemi das Dach ab Quelle: Fabian Hoberg

Ein Auto für die Stadt, nicht für die Autobahn

Bei gutem Wetter, am liebsten im Frühling und Sommer, holt er den Chrysler aus der Garage. Bei geöffnetem Verdeck zieht der Wind durchs Auto, das Blubbern des V8 geht bei schneller Fahrt unter. „Es ist eher ein Stadtauto zum Cruisen, weniger für die Autobahn“, sagt Wolf. Das weich abgestimmte Fahrwerk lädt nicht zum Heizen ein, ebenso wenig wie die gestrippte Karosserie. Doch mit dem Wind um die Nase bekommt Taxifahren eine neue Note. Es riecht nicht mehr nach Vanille-Baum, Reinigungstüchern oder der letzten Nacht, sondern nach Luft.

„Manche Gäste verlangen nach dem Auto, bei einigen ist es aber eine Überraschung, wenn ich mit dem Fahrzeug vorfahre“, sagt der Unternehmer. Der normale Tarif gilt auch für den Chrysler: Grundpreis ab 3,10 Euro, der Kilometer kostet mindestens 1,80 Euro, zehn Kilometer im Cabrio-Taxi kosten so 21,10 Euro. Für Hochzeitsfahrten oder andere Feste vermietet er den Chrysler aber auch.

Taxifahren aus Überzeugung

„Mir macht Taxifahren einfach Spaß seit ich 22 Jahre alt bin. Außerdem unterhalte ich mich gerne mit meinen Fahrgästen“, sagt Wolfs. Am liebsten nachts, so wie früher, als er noch als Student ins Lenkrad griff. Das habe sich in den vergangenen 28 Jahren nicht geändert. Einen Job als Ingenieur schlägt er nach dem Studium aus, entscheidet sich lieber für die Selbstständigkeit als Fuhrunternehmer. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Oliver Kortendiek kauft er das Taxiunternehmen, für das er fährt. Zwei Jahre später kaufen die beiden ein weiteres Unternehmen dazu und anschließend eine Werkstatt.

Dort wird unter anderem seine Firmenflotte gewartet und repariert. Die besteht größtenteils aus älteren Mercedes-E-Klasse-Modellen der Baureihe W124, produziert bis 1995. Dazu kommen Fahrzeuge für Patiententransporte und spezielle Mietwagen für Events wie Hochzeiten, Junggesellenabschiede oder Feiern. Auf dem Hof stehen dafür ein Hummer H2 6-Türer, eine 8,60 Meter lange Chrysler-300-C-Stretchlimousine, ein Mercedes S500 mit langem Radstand und ein Mercedes E320 vis-a-vis bereit. Über die Grenzen des Ruhrgebiets wurde Wolf mit seiner getunten AMG C-Klasse bekannt. Die Limousine leistet 660 PS und fährt über 330 km/h schnell. – im Gegensatz zum 300C-Cabrio ein echter Autobahnheizer. Und einer, der Super Plus tankt. So, wie Daniel Wolfs es mag.

Avatar von slimzitsch
13
Hat Dir der Artikel gefallen? 4 von 4 fanden den Artikel lesenswert.
Diesen Artikel teilen:
13 Kommentare: