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Toyota Yaris GRMN mit 212 PS: Test, Fahrbericht, Daten, Preis - Der brave Yaris mit ganz viel Grrr

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Mit dem Yaris GRMN bringt Toyota eine Taschenrakete im GTI-Format. Wir waren mit dem Kraftzwerg in der Eifel, dort, wo er vom Namen her hingehört: am Nürburgring.

Die wenig eingängige Abkürzung "GRMN" steht für „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“. Und genau da dreht der sportliche Toyota Yaris letzte Abstimmungsrunden Die wenig eingängige Abkürzung "GRMN" steht für „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“. Und genau da dreht der sportliche Toyota Yaris letzte Abstimmungsrunden Quelle: Toyota

Nürburgring – Toyota sucht den nächsten Germany‘s Racing Model Nimbus. Oder wie dürfen wir die Abkürzung GRMN verstehen? Genau die trägt bald der soeben geliftete Kleinwagen Yaris am Heck. Unter der Haube sitzt dann kein Hybrid, sondern ein 1,8-Liter-Vierzylinder-Kompressor mit etwa 212 PS.

GRMN steht für „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“ und gibt einen Hinweis, wo der schnelle Yaris entwickelt wurde: Die Ingenieure konzipierten den Motor rund um den Ring in der Eifel und stimmten das Fahrwerk auf der Nordschleife ab. Der Sport-Yaris soll die (wohl eher theoretische) Lücke zwischen dem normalen Yaris und dem WRC-Yaris schließen.

Anders gesagt: Er wird zum schnellsten Serien-Yaris. Und soll beim Sprintwert zum heißesten Hatch seiner Klasse werden. In Japan steht das Kürzel GRMN für alle schnellen Straßenfahrzeuge von Toyotas Motorsport-Abteilung Toyota Gazoo Racing – ähnlich OPC bei Opel, R bei VW oder AMG bei Mercedes.

MOTOR-TALK Autor Fabian Hoberg mit dem Toyota Yaris GRMN MOTOR-TALK Autor Fabian Hoberg mit dem Toyota Yaris GRMN Quelle: Toyota Ganz bei Null mussten die Ingenieure beim kleinen Yaris nicht anfangen. Viele Details wie die Front stammen direkt vom WRC-Yaris, mit dem Toyota in der Rallye-Weltmeisterschaft seit diesem Jahr antritt. Auch der Motor ist ein alter Bekannter, dient seit Jahren bei Toyota-Modellen und der Lotus Elise als Kraftquelle.

Weniger Leistung – warum?

„Wir haben aber nur den Grundmotor genommen und alle weiteren Bauteile erneuert oder verändert“ sagt Toyota-Entwickler Stij Peters. Statt 220 PS leistet die Neuabstimmung nach dieser „Verbesserung“ „nur“ noch zwischen 212 und 215 PS. Warum? „Weil wir bei mehr Leistung Probleme mit der Thermik bekommen würden“, sagt er.

Statt der langen Luftkühlungsleitung beim Heckmotor-Sportler Elise muss sich der Vierzylinder im Yaris vorn unter die Haube quetschen. Für einen ausgeglichenen Temperaturhaushalt installierte Toyota zwei separate Kühlkreisläufe: einen für den Motor und einen für den Eaton-Kompressor.

Der Kompressor schiebt den Kleinwagen beeindruckend an. Schon ab 3.500 Umdrehungen packt der Vierzylinder bissig zu. Von 0 auf 100 km/h soll der kleine Japaner in 6,3 Sekunden sprinten. Messen konnten wir das nicht, aber fühlen. Nagelt man das Gaspedal aufs Blech, schnellt der Drehzahlmesser bis 6.800 Touren und geht kurz in den Begrenzer. Dann kurz kuppeln und den Gang wechseln.

Das manuelle Sechsgang-Getriebe mit seinen sehr kurzen Schaltwegen arbeitet fast wie ein sequenzielles Getriebe. Zweiter, dritter, vierter Gang liegen nach einem kurzen Anriss sofort an. Bei ausgedrehtem sechstem Gang wird der Yaris bei 230 km/h elektronisch eingefangen.

Zu laut für Serien-Ohren

Doch auf die Hochgeschwindigkeit kommt es beim kleinen Japaner nicht an, auch wenn sich 212 PS bei 1.135 Kilogramm Leergewicht wirklich gut lesen. „Wir wollten nicht das stärkste Auto im Segment bauen, sondern das leichteste mit dem besten Leistungsgewicht und den besten Beschleunigungswerten“, sagt Peters.

Der Motor dreht ab 2.000 Touren kernig hoch, ab 3.000 Touren wird der mittig angeordnete Auspuff laut, ab 4.000 Touren für auf Serie eingestellte Fahrer-Ohren unerträglich. Auf dem Ring kann man das machen, aber für den Alltag: zu laut. „Bis zum Serienstart werden wir den Auspuff rund 5 dbA leiser machen“, sagt ein Ingenieur. Der WRC-typische Klang soll aber bleiben.

Den 1,8-Liter-Benziner kennt man zum Beispiel aus der Lotus Elise. Im Yaris fällt die Leistung eine Nuance bescheidener aus Den 1,8-Liter-Benziner kennt man zum Beispiel aus der Lotus Elise. Im Yaris fällt die Leistung eine Nuance bescheidener aus Quelle: Toyota Damit der kleine Yaris seine Kraft auf die Straße bekommt, sitzen ein zusätzlicher Stabilisator zwischen den Federdomen und ein Torsen-Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Verkürzte Federn, Sachs-Dämpfer, 17-Zoll-Felgen von BBS und eine große Vierkolben-Bremsanlage sorgen später für stressfreies Heizen auf der Landstraße. Die Bridgestone Potenza RE050 205/45R17 kleben zumindest bei trockener Straße wie ein Kaugummi an der Schuhsohle – egal wie man den Kleinwagen schüttelt, er lässt sich nicht abwerfen.

Das Fahrwerk passt: So laut der nervige Auspuff im Heck dröhnt, so angenehm schluckt die Federung selbst Bodenwellen und Schlaglöcher. Aus engen Kurven zieht der Fronttriebler sauber raus, ohne mit den Reifen zu stempeln. Er bleibt sehr lange neutral, um dann nur ein wenig zu untersteuern. Mit der direkten Lenkung fühlt sich die Landstraße an wie eine echte Wertungsprüfung. Guter Job bis hier, Herr Peters.

Schöner Antrieb, braves Cockpit

Doch irgendwie hat Toyota den Yaris GRMN nicht zu Ende gedacht. Was soll zu dem bissigen Motor und der krachigen Auspuffanlage die biedere Serien-Innenausstattung? Der Pilot blickt auf normale Rundinstrumente, ein bisschen Alcantara, Alu-Pedale und das Lenkrad des GT 86. Die Boshoku-Sportsitze sind hoch montiert und könnten mehr Seitenhalt geben. Vierpunkt-Gurte und Käfig müssen es ja nicht gleich sein. Würde aber besser passen als Rücksitzbank, Klimaanlage und Navi.

Die Idee, einen WRC-Ableger für die Straße zu bauen, ist nicht neu. 2012 brachte VW den Polo R WRC Street mit 220 PS und Rallye-Kriegsbemalung auf die Straße. In 6,4 Sekunden fuhr der Polo von 0 auf 100 km/h und erreichte bis zu 243 km/h Spitze. Nachteil: VW limitierte ihn auf 2.500 Fahrzeuge und setzte den Preis auf 33.900 Euro fest.

Aktuelle und künftige GTI-Ableger fahren in einer ähnlichen Leistungsliga. Der nächste VW Polo GTI soll mit 200 PS den Spurt von 0 auf 100 km/h in 6,9 Sekunden schaffen und bis zu 240 km/h schnell fahren. Der Opel Corsa OPC (ab 24.790 Euro) mit seinen 207 PS rennt in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 und fährt bis zu 230 km/h schnell.

Selten und nicht ganz billig

Die Norschleife trägt Tattoo, der Yaris noch Tarnfolie. Für ganz Europa hat Toyota nur 400 Autos eingeplant Die Norschleife trägt Tattoo, der Yaris noch Tarnfolie. Für ganz Europa hat Toyota nur 400 Autos eingeplant Quelle: Toyota

Aber Toyota wollte ja von 0 auf 100 km/h die Benchmark der kleinen, scharfen Liga einstellen. Im Angebot: Mini mit dem John Cooper Works S, dessen 2,0-Liter-Twincscroll-Turbo 231 PS leistet. Den Standardsprint schafft er in 6,3 Sekunden. Der Mini fährt zudem 246 km/h Spitze und kostet mindestens 30.700 Euro. Noch schneller rennt bei den Kleinwagen Audis S1 mit 2,0-Liter-Turbo und 231 PS: 5,8 Sekunden benötigt der aus dem Stand auf Tempo 100 und regelt erst bei 250 km/h ab. Sein Preis: 30.850 Euro.

Viel billiger wird der Yaris GRMN mit seinen 29.990 Euro auch nicht. Das wird Toyota kaum stören, denn der leichte, schnelle Yaris soll selten bleiben. Mitarbeiter montieren den starken Yaris in Handarbeit im französischen Werk Valenciennes. Nur 400 Fahrzeuge stellt Toyota für Europa bereit, bestellt werden kann online ab dem 27. Juli, 6 Uhr. Wer 1.000 Euro Anzahlung zur Seite legt und später den Gesamtpreis begleicht, kann dann ein bisschen Rallye-Luft mit Japan-Nimbus schnuppern. In Germany‘s Racing Model.

 

Technische Daten Toyota Yaris GRMN

  • Antrieb: 1,8-l-Vierzylinder-Kompressor
  • Leistung: ca 212 PS (156 kW) bei 6.800 U/min
  • Drehmoment: 249 Nm bei 5.000 U/min
  • Getriebe: Sechsgang-Getriebe, Frontantrieb
  • 0-100 km/h: 6,3 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
  • Verbrauch: ca 7,5 l/100 km (NEFZ)
  • CO2: ca 170 g/km
  • Länge: 3,945 m
  • Breite: 1,695 m
  • Höhe: 1,510 m
  • Radstand: 2,510 m
  • Leergewicht: 1.135 kg
  • Kofferraumvolumen: 286 l
  • Preis: 29.990 Euro
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