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Audi SQ7 2016: Technik, Motor, erste Details - Das Beste am SQ7 ist seine Turbo-Technik

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Mit 48 Volt gegen die Gedenksekunde: Im Audi SQ7 schiebt ein Elektromotor die Turbolader an. Er soll bei Audi künftig das Turboloch stopfen. Erste Details.

Audi SQ7: 435 PS, 900 Nm, acht Zylinder und drei Lader Audi SQ7: 435 PS, 900 Nm, acht Zylinder und drei Lader Quelle: Audi

  • Audi SQ7: V8-Diesel mit Register-Aufladung und Elektro-Verdichter
  • Ansteuerung der Turbolader über variable Ventilsteuerung auf der Abgasseite
  • Ziel: Keine Gedenksekunde oder Anfahrschwäche
  • Zusätzliches 48-Volt-Bordnetz für Elektro-Verdichter und Fahrwerk mit Wankausgleich
  • 435 PS, 900 Newtonmeter Drehmoment, 4,8 Sekunden auf 100, 250 km/h Spitze

Ingolstadt – Dieselmotoren sind stark, schnell und sparsam. Was fehlt, ist Spontaneität. Es dauert einige Augenblicke, bis die Turbinen im Turbolader sich schnell bewegen. Der Schub kommt stark, aber spät. Das Stigma der meisten Turbodiesel und vieler Turbobenziner.

Audi will die Turbo-Turbinen jetzt schneller auf Drehzahl bringen. Elektroverdichter sollen den Ladern unter die Schaufeln greifen. Den Anfang macht das größte SUV. Die Technik lässt sich jedoch mit dem normalen 12-Volt-Bordnetz nur schwer umsetzen. Deswegen bekommt der schnellste Q7 neben der Elektro-Hilfe für die Turbos ordentlich Saft in die Leitungen – und ein S im Namen.

Audi SQ7: Eine Studien-Idee geht in Serie

Ein komplizierter Abgaskrümmer und eine variable Ventilsteuerung übernehmen das Timing der Registeraufladung Ein komplizierter Abgaskrümmer und eine variable Ventilsteuerung übernehmen das Timing der Registeraufladung Quelle: Audi Das Prinzip des elektrisch angetriebenen Verdichters (EAV) hat Audi 2014 vorgestellt. Damals verschaffte der Elektrolader dem V6-Diesel in der Studie RS5 TDI ein besseres Ansprechverhalten und 385 PS. Der Basismotor war 313 PS stark und im Vergleich träger.

Für den SQ7 hat Audi die Technik gründlich überarbeitet. Basis ist ein neu entwickelter V8-Diesel mit innenliegender Abgasseite. Ingenieure sprechen von einem „heißen V“. Neu beim Audi-Diesel: Pro Ventil gibt es auf den Nockenwellen je zwei Profile. Sie bestimmen, wie weit und lange die Ventile öffnen. Auf der Einlassseite arbeitet ein Profil gut mit dem Elektroverdichter zusammen. Das zweite ist für höhere Last vorgesehen.

Elektro-Lader und Abgas-Labyrinth im Audi SQ7

Auf der Auslassseite teilt der SQ7 seine Abgase auf. Bei niedrigen und mittleren Drehzahlen bleibt je ein Auslassventil pro Zylinder geschlossen. Das jeweils andere Ventil leitet die Abgase ausschließlich zu einem kleinen Turbolader. So soll schnell ein hoher Druck vor seinem Schaufelrad entstehen, der Turbo dreht flinker hoch.

Zusätzlich hilft der Elektro-Verdichter. Er sitzt sitzt hinter dem Ladeluftkühler und erreicht binnen 0,25 Sekunden eine Drehzahl von 70.000 Touren. Genug, um schnell viel Ladedruck aufzubauen, während der Turbolader noch beschleunigt.

In der Abgasanlage steckt ein Soundaktuator In der Abgasanlage steckt ein Soundaktuator Quelle: Audi Fordert der Fahrer mehr Leistung ab, öffnet das jeweils zweite Auslassventil. Die Abgase strömen einen weiteren, größeren Turbolader an. Beide Lader zusammen liefern den maximalen Druck. Diese Zusammenarbeit zweier Turbolader heißt Registeraufladung. Normalerweise sitzen aber beide Turbos am gleichen Abgasstrom. Ein separates Ventil regelt dann das Timing der Lader. Audi baut für eine genauere Ansteuerung ein kompliziertes Labyrinth im Abgaskrümmer.

Audi verspricht: Der SQ7 spricht spontan an und leistet 435 PS. Das maximale Drehmoment von 900 Newtonmetern soll von 1.000 bis 3.250 Umdrehungen pro Minute anliegen, also schon knapp über der Leerlaufdrehzahl. Auf dem Prüfstand verbraucht er 7,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Der dreifach aufgeladene V8 schiebt die Blechburg in 4,8 Sekunden auf Tempo 100. Bei 250 km/h regelt die Elektronik ab.

48-Volt-Bordnetz für Elektrolader und Wankausgleich

Die Arbeit des Elektroverdichters kostet viel Energie. Damit er schnell anspringt und kräftig schaufelt, installiert Audi ein zweites Stromnetz mit 48 Volt. Steigt die Spannung, benötigt man zwar für die gleiche Leistung weniger Stromstärke. Der Elektrolader fordert im SQ7 bis zu 7 Kilowatt.

Für Elektroverdichter und Wankausgleich installiert Audi ein zweites Bordnetz mit 48 Volt Für Elektroverdichter und Wankausgleich installiert Audi ein zweites Bordnetz mit 48 Volt Quelle: Audi Audi steckt dafür einen Lithium-Ionen-Akku mit knapp einer halben Kilowattstunde Kapazität unter den Kofferraumboden. Er kann bis zu 13 Kilowatt abgeben. Neben dem Verdichter versorgt er zudem den Wankausgleich des Fahrwerks. Der Konzern hat die elektrische Wankstabilisierung im Bentley Bentayga vorgestellt. Im SQ7 kommt sie auch.

Der Großteil des SQ7 läuft allerdings mit der üblichen Spannung von 12 Volt. Die meisten Bauteile sind nicht für die höhere Spannung ausgelegt. Das 48-Volt-Netz unterstützt den regulären Kreislauf jedoch über einen Spannungswandler.

Bald startet das 48-Volt-Bordnetz in Serie

Die hohe Spannung bringt viele Vorteile. Die Lichtmaschine kann effektiver rekuperieren, die Start-Stopp-Automatik flinker arbeiten. Das 48-Volt-Bordnetz startet 2017 in Großserie: Der neue A8 bekommt in allen Versionen eine höhere Bordspannung.

Außerdem könnte Audi die Technik in zukünftigen RS-Modellen einführen. Audi hat im aktuellen S4 einen V6-Benziner mit ähnlichem Layout vorgestellt. Bisher sitzt ein Turbo zwischen den Zylinderbänken. Mit Elektro-Turbo und Registeraufladung könnte der Motor im RS4 die Leistungsdaten seines Vorgängers (V8-Sauger mit 450 PS) problemlos überbieten. Dabei bliebe vermutlich die Spontaneität des Saugers erhalten.

Audi SQ7: Marktstart

Neben viel neuer Technik gibt es im schnellsten Q7 die üblichen S-Merkmale, darunter silberne Spiegel, breitere Spoiler und einen sportlicheren Innenraum. Eine Luftfederung gibt es serienmäßig, Keramik-Bremsen kosten Aufpreis. Der Verkauf des SQ7 startet in Europa im Frühjahr 2016. Er kostet mindestens 89.900 Euro.

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