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Chrysler Pacifica: Erster Fiat mit Plug-in-Hybridantrieb - Am Ende kommt es doch auf die Größe an

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Dieser Chrysler soll nicht nur das Minivan-Segment in den USA umkrempeln, er markiert bei FCA auch den Start ins Hybridzeitalter. Nach Europa kommt er vorerst nicht.

Ein feines Design, viel Luxus und ein alternativer Antrieb: Der Pacifica soll das Minivan-Segment umkrempeln. Da er die aktuellen Marktführer beerbt, stehen die Chancen dafür nicht schlecht Ein feines Design, viel Luxus und ein alternativer Antrieb: Der Pacifica soll das Minivan-Segment umkrempeln. Da er die aktuellen Marktführer beerbt, stehen die Chancen dafür nicht schlecht Quelle: Chrysler

Detroit – Mini muss nicht mini sein. Das zeigt nicht nur die gleichnamige BMW-Tochtermarke, das beweisen auch amerikanische Minivans. Der Begriff bezeichnet dort Familienbusse von der Größe eines Ford Galaxy oder VW Sharan. Entsprechend ihrer Zielgruppe „soccermom“ haftet diesen Fahrzeugen auch in den USA ein etwas dröges Image an – ein Grund, weshalb das Segment in den letzten Jahren beständig schrumpfte. Nur noch rund 500.000 Minivans kauften die Amerikaner 2015.

Das will Fiat Chrysler (FCA) nun ändern, zumindest ein bisschen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Mit dem Town & Country sowie dem Dodge Caravan ist man immerhin amtierender Marktführer, und beide Modelle löst nun der komplett neu entwickelte Chrysler Pacifica ab. Er steht auf einer völlig neuen Plattform, bietet ein für Minivan-Verhältnisse höchst elegantes Design und mehr Luxus, als Minivan-Kunden in den USA je kaufen konnten.

Um das Niveau zu verdeutlichen entschied sich Chrysler gegen den langjährig etablierten Produktnamen „Town & Country“. Der neue (wenn auch wiederverwertete) Name soll auch einen neuen Anfang markieren. Eine späte Entscheidung? Erst im November 2015 hatte FCA die entsprechende Registrierung für die Rechte am alten Namen verlängert.

Erster FCA mit Hybridantrieb

Den 3,6-Liter-Pentastar-Sechszylinder koppelt Chrysler an eine Neungang-Automatik von ZF, die FCA in Lizenz fertigt Den 3,6-Liter-Pentastar-Sechszylinder koppelt Chrysler an eine Neungang-Automatik von ZF, die FCA in Lizenz fertigt Quelle: dpa/Picture Alliance

Einen frischen Start bedeutet der Pacifica auch in anderer Hinsicht. Als erstes Fiat-Chrysler-Modell verfügt er ab der zweiten Jahreshälfte 2016 über einen Plug-in-Hybridantrieb. Wer Fiats bisherige Elektro-Strategie verfolgt hat, weiß: Für Konzernchef Marchionne gibt es nur zwei Gründe, Antriebe zu elektrifizieren. Er will damit entweder Kaliforniens Quotenregeln erfüllen oder Geld verdienen. Solange Letzteres nicht möglich war, kaufte er lieber CO2-Zertifikate.

Dass Fiat nun einen Plug-in-Hybridantrieb anbietet, legt daher nahe: Der Konzern glaubt jetzt, damit doch Geld verdienen zu können. Die Technik werden wir vermutlich bald in Autos von Fiat, Jeep und Alfa Romeo finden.

Das Hybridsystem im Pacifica basiert auf dem gleichen Motor, der den konventionellen Antrieb bildet: ein 3,6-Liter-Sechszylinder-Benziner mit 290 PS und 350 Newtonmeter maximalem Drehmoment. Hinzu kommen zwei Elektromotoren und eine Lithium-Ionen-Batterie mit 16 kWh Kapazität.

Das reicht laut Chrysler für eine rein elektrische Reichweite von 48 Kilometern, und für einen Normverbrauch von umgerechnet 3,5 l/100 km im US-Zyklus. Die Batterie sitzt unter der zweiten Sitzreihe, sodass sie den Kofferraum nicht beeinträchtigt. Das aus dem Chrysler Voyager bekannte „stow&go“-Umklappsystem entfällt dadurch jedoch.

Keiner für Europa

Bei aller Innovation und aller hübschen Innnenraum-Materialien im Pacifica: Am Ende kommt es in diesem Segment eben doch auf die Größe an. Dafür stehen bis zu 3.978 Liter Ladevolumen und ein Leergewicht von 1.964 Kilogramm – deutlich weniger als beim Vorgänger, wie Chrysler betont.

Italienische Medien spekulieren: Dieser hübsche Van (soweit man das über Vans sagen möchte) wäre doch einer für Europa. Das allerdings sieht man bei Fiat anders. Da für den Pacifica derzeit kein Dieselmotor vorgesehen sei, komme er für Europa nicht in Frage, sagte uns ein Fiat-Sprecher auf Nachfrage. Das kann sich natürlich ändern, aber wäre das klug? Vans dieser Größe haben auch in Europa einen schweren Stand, und dabei ist der Markt noch einmal deutlich kleiner als in den USA.

Avatar von bjoernmg
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