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Diesel-Rückkauf in den USA: Geschlachtete Autos - „Solange er anspringt“

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In den USA bezahlt VW enttäuschten Dieselkunden bis zu 10.000 US-Dollar Entschädigung. Einigen ist das zu wenig, sie schlachten ihre Autos vorher aus. Den Händlern ist das egal.

Einzelteile bringen Geld: Einige US-Amerikaner schlachten ihre Skandal-Diesel, bevor VW sie zurückkauft Einzelteile bringen Geld: Einige US-Amerikaner schlachten ihre Skandal-Diesel, bevor VW sie zurückkauft Quelle: Volkswagen USA

San Francisco – Viele Diesel-Fahrer hatten die gleiche Idee. Einer hat sich getraut: Reddit-Nutzer „Tacoboutnachos“ hat seinen VW Golf 6 TDI ausgeschlachtet, bevor VW ihn zurückgekauft hat. Scheinwerfer, Frontschürze und der Kühlergrill fehlten. „Der Zustand war egal“, schreibt er in seinem Thread im TDI-Unterforum von Reddit. Als Beweis lädt er einen Screenshot hoch: VW bezahlte 21.436,73 US-Dollar für seinen unvollständigen Golf – mehr als 20.000 Euro.

In den USA kaufen VW-Händler im Rahmen des Diesel-Skandals Fahrzeuge mit den betroffenen Motoren zurück. Ihr Preis richtet sich nach dem Wert am 18. September 2015, der Tag vor dem Bekanntwerden des Skandals. Hinzu kommt eine Entschädigung von 5.100 (4.900 Euro) bis 10.000 US-Dollar (9.600 Euro), abhängig von Zustand, Laufleistung und Ausstattung.

Geschlachtete Diesel-VW: Rückkauf, obwohl Teile fehlen

So gab Reddit-Nutzer "Tacoboutnachos" seinen Golf 6 bei VW ab So gab Reddit-Nutzer "Tacoboutnachos" seinen Golf 6 bei VW ab Quelle: Tacoboutnachos via reddit 300 Dollar (288 Euro) habe ihm der Händler abgezogen, erzählt „Tacoboutnachos“. Das liege aber nicht an den fehlenden Teilen, versichert er. Vermutlich sei die Laufleistung Schuld. Ein Heckschaden sei ihm ebenfalls egal gewesen. „As long as it runs“, zitiert er den Händler. Übersetzt: „Solange er anspringt“. Zunächst sei es ihm peinlich gewesen, das halbe Auto abzugeben. Mittlerweile bereut er, dass er seine neuen Reifen nicht gegen alte austauschen konnte.

Andere TDI-Fahrer bestätigen das Verhalten des Händlers. Im „TDI Club“ Forum schreibt Nutzer „Cayman“, er habe versehentlich die Windschutzscheibe zerbrochen. Der VW-Mann habe alles dokumentiert, aber sich an nichts gestört. „Der Zustand des Autos hat keinen Einfluss auf den Rückkauf. Es ist ihnen egal“, fasst „Cayman“ zusammen.

In der Übereinkunft zwischen VW und den US-Umweltbehörden wird von den Diesel-Besitzern tatsächlich wenig gefordert. Das Auto müsse „operable“ sein, also betriebsfähig. Und es darf vor dem Stichtag (18. September 2015) nicht als Schrott registriert worden sein. Damit sollte vermieden werden, dass jemand aus einem verschrotteten Unfallwagen Geld macht.

Zwischen Diebstahl und Genugtuung

Geld lässt sich eben auch auf anderem Wege verdienen. Schrauber wissen, wie viel Geld Einzelteile bringen können. Für alle anderen zur Einordnung: Ein Satz Xenon-Scheinwerfer für einen Golf 6 kostet bei eBay USA gebraucht mehr als 700 Dollar (670 Euro). Ein Navi („RNS315“) liegt bei rund 250 Dollar (240 Euro), eine Lederausstattung bringt ungefähr 550 Dollar (530 Euro) ein. Brisant: Besonders solche Zusatzausstattungen erhöhen den Rückkaufpreis.

Die amerikanischen Diesel-Piloten diskutieren das Thema kontrovers. Einige trauen sich nicht, den Zigarettenanzünder einzustecken. Andere überlegen, ob der Motor auch mit zwei Einspritzdüsen noch zum Händler fährt. Manche gönnen VW nicht mal die Gummifußmatten, andere halten es für Diebstahl.

Wir haben bei VW USA angefragt, ob es eine offizielle Regelung zu diesem Thema gibt und ob Händler geschlachtete Autos annehmen müssen. Die Antwort reichen wir nach, sobald sie bei uns ankommt.

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