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Kfz-Sachverständige: "Auto Bild" testet Gebrauchtwagen-Prüfer - "Kein Gutachten war sein Geld wert"

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Wer sich bei der Suche nach Gebrauchtwagen unnötige Wege sparen will, kann Fern-Gutachter engagieren. "Auto Bild" hat drei Anbieter getestet, mit erschreckendem Ergebnis.

Für den Test hat "Auto Bild" einen BMW 3er Touring präpariert und anschließend vier Gutachter bestellt Für den Test hat "Auto Bild" einen BMW 3er Touring präpariert und anschließend vier Gutachter bestellt Quelle: Auto Bild

Hamburg - Mit dem Hintern auf der Couch macht die Suche nach einem Gebrauchten am meisten Spaß. Einfach auf www.motoragent.de das passende Auto und die entsprechenden Angebote suchen. Doch lohnt sich die Fahrt in die Eifel oder nach Hohenlohe wirklich? Oder wartet dort nur Schrott?

Drei Internetanbieter, ein freier Sachverständiger

Diese berechtigten Fragen wollen unabhängige Experten den Kaufinteressenten beantworten. Klingt gut, doch was taugen die Tester? „Auto Bild“ hat drei Anbieter und einen freien Sachverständigen um ihre Urteile zu einem Gebrauchtwagen gebeten, mit erschreckendem Ergebnis.

Der BMW 3er Touring "E91" gehört zu den beliebtesten Gebrauchtwagen in Deutschland Der BMW 3er Touring "E91" gehört zu den beliebtesten Gebrauchtwagen in Deutschland Quelle: carfacto Das Magazin präparierte zusammen mit der Dekra einen BMW 3er Touring aus dem Jahr 2009 und beauftragte die vier Sachverständigen. Keiner lieferte eine zufriedenstellende Arbeit ab. „Vor Ort wurde viel zu oberflächlich gecheckt, kein Gutachten war sein Geld wert“, sagt Auto-Bild-Redakteur Malte Büttner.

124 Euro für 30 Minuten Kontrolle

Am konsequentesten waren noch die Ferntester – trotz sechs Anläufen reagierte keiner auf die Anfrage und „Auto Bild“ gab auf.

Der Anbieter "diepruefer.de" verlangte für sein Gutachten stolze 124 Euro. Dafür schaute sich der Sachverständige das Auto lediglich 30 Minuten lang an. Eine Probefahrt hielt er nicht für notwendig. Er entdeckte einen Streifschaden an der Seite, das defekte Flexrohr und fand heraus, dass die Farbe in der Annonce falsch angegeben war.

Er übersah allerdings einen Schaden am Heck, die abgenutzten Bremsen, falsch aufgezogene Reifen und die defekten Heckklappendämpfer. Die Motorhaube öffnete er nur, um ein Foto zu machen. Ohne Kontrolle urteilte er, dass alle Flüssigkeitstände o. k. seien. Das Urteil von "Auto Bild": "Ohne Probefahrt ist die Untersuchung nichts wert und schon gar nicht 124 Euro."

80 Minuten Begutachtung und 99 Euro

Bei einem Gebrauchtwagen-Check muss man sich auch anschauen, was unter der Haube steckt Bei einem Gebrauchtwagen-Check muss man sich auch anschauen, was unter der Haube steckt Quelle: picture alliance / dpa Der Prüfer der Huesgen-Gruppe brauchte acht Tage, bis er Zeit für eine Begutachtung fand. Dabei verspricht der Anbieter einen Termin innerhalb von 24 Stunden. Immerhin nahm der Mann sich für seine Inspektion 80 Minuten Zeit und unternahm auch eine Probefahrt – das alles für 99 Euro.

Leider hatte auch er, wie alle anderen Prüfer auch, die Anzeige nicht dabei. Deshalb fiel ihm weder der falsche Lack (Uni statt Metallic) noch die zu kleinen Felgen oder die fehlende Einparkhilfe vorn auf.

Eine Alternative zu den Internet-Testern sind freie Sachverständige vor Ort. "Auto Bild" beauftrage einen von ihnen in Bremen. Nach einem Tag war er vor Ort, allerdings nach 15 Minuten auch schon wieder weg. Er notierte sich nichts und lieferte am Ende lediglich eine mündliche Beurteilung per Telefon. Dafür verlangte er 94 Euro.

Fazit

"Die Idee vom Autocheck vor Ort ist gut und passt in die Zeit. Doch sie muss auch richtig umgesetzt werden", schreibt das Magazin. Klar ist, dass nicht alle Prüfer so arbeiten wie die bei der Stichprobe des Magazins. Das Ergebnis wird dadurch allerdings nicht besser: Das gesamte Geschäft basiert schließlich auf Vertrauen.

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