Sicher Motorrad fahren

Tipps und Wissenswertes für Motorradfahrer

So kommen Zweiradfahrer gut durch die Saison

Motorradfahrer auf Landstraße

Das Visier ist nach oben geklappt, der Wind kitzelt in der Nase und die Sonnenstrahlen malen ein Muster auf die Oberschenkel. Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, erlebt die Straße pur. Motorrad fahren gilt als Zeichen von Freiheit, ein Fahren mit allen Sinnen. Bei gutem Wetter, einer sauberen Straße und vielen Kurven gibt es nichts Schöneres.

Doch Motorrad fahren ist nicht ohne: Die Gefahr, bei einem Unfall zu sterben ist auf dem Zweirad nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 18-mal höher als in einem Auto. Zwar werden über 40 Prozent der Unfälle durch Autofahrer verursacht. Aber viele Motorradfahrer fahren zu risikoreich, zu schnell und überholen falsch.

MOTOR-TALK erklärt, wer mit welchem Führerschein was fahren kann, wie Ihr sicher unterwegs seid und was Ihr beim Mitnehmen von Beifahrern beachten müsst.

Verschiedene Führerscheinklassen – Wer darf was fahren?

Bevor Ihr aufs Motorrad steigt, muss ein spezieller Führerschein her. Früher hieß der Klasse 1, heute unterteilt er sich in A1, A2 und A. Grundsätzlich müssen Fahranfänger die gleichen gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen wie beim Erwerb eines Pkw-Führerscheins. Heißt: einen Sehtest bestehen und körperlich fit sein.

Der Preis für den Motorradführerschein hängt maßgeblich von der Vorbildung des Fahrschülers ab. Muss nur die Aufstiegsprüfung von A1 auf A2 oder von A2 auf A absolviert werden, wird es günstiger. Auch die Dauer der Ausbildung unterscheidet sich: Während die Aufstiegsprüfung auf die großen Maschinen in drei bis vier Wochen geschafft werden kann, benötigen Fahrschüler für die Komplettausbildung zwischen sechs Wochen und drei Monaten.

  • FS Klasse A1
  • FS Klasse A2
  • FS Klasse A

Mit dem Motorradführerschein A1 dürfen Fahrer ab 16 Jahren Krafträder mit einem Hubraum von nicht mehr als 125 ccm und einer Nennleistung von nicht mehr als 11 kW/15 PS fahren. Darüber hinaus darf das Verhältnis von Leistung zu Leergewicht 0,1 kW pro Kilogramm nicht übersteigen. Mit dem Führerschein dürfen auch dreirädrige Kraftfahrzeuge, sogenannte Trikes, bis 15 kW/20,4 PS bewegt werden.

Die Klasse A2 bezeichnet einen Stufenführerschein für „kleine“ Motorräder mit bis zu 35 kW/47,6 PS und maximal 0,2 kW Leistung pro Kilogramm Leergewicht. Allerdings darf die gedrosselte Leistung nicht von einem starken Motorrad mit mehr als 70 kW/95 PS abgeleitet sein. Motorradfahrer dürfen Maschinen mit dem A2-Führerschein ab 18 Jahren bewegen. Wer vorher schon zwei Jahre im Besitz der Klasse A1 war, muss lediglich eine praktische Prüfung ablegen. A1 ist aber keine Vorbedingung, um den Führerschein A2 zu erwerben.

Mit der Klasse A im Führerschein dürfen Motorradfahrer ab 24 Jahren direkt alle Krafträder und dreirädrigen Kraftfahrzeuge bewegen – ganz gleich mit welcher Leistung. Den „großen“ Motorradführerschein gibt es aber auch nach zwei Jahren Klasse A2 nach einer praktischen Prüfung.

  • FS Klasse A1

    Mit dem Motorradführerschein A1 dürfen Fahrer ab 16 Jahren Krafträder mit einem Hubraum von nicht mehr als 125 ccm und einer Nennleistung von nicht mehr als 11 kW/15 PS fahren. Darüber hinaus darf das Verhältnis von Leistung zu Leergewicht 0,1 kW pro Kilogramm nicht übersteigen. Mit dem Führerschein dürfen auch dreirädrige Kraftfahrzeuge, sogenannte Trikes, bis 15 kW/20,4 PS bewegt werden.

  • FS Klasse A2

    Die Klasse A2 bezeichnet einen Stufenführerschein für „kleine“ Motorräder mit bis zu 35 kW/47,6 PS und maximal 0,2 kW Leistung pro Kilogramm Leergewicht. Allerdings darf die gedrosselte Leistung nicht von einem starken Motorrad mit mehr als 70 kW/95 PS abgeleitet sein. Motorradfahrer dürfen Maschinen mit dem A2-Führerschein ab 18 Jahren bewegen. Wer vorher schon zwei Jahre im Besitz der Klasse A1 war, muss lediglich eine praktische Prüfung ablegen. A1 ist aber keine Vorbedingung, um den Führerschein A2 zu erwerben.

  • FS Klasse A

    Mit der Klasse A im Führerschein dürfen Motorradfahrer ab 24 Jahren direkt alle Krafträder und dreirädrigen Kraftfahrzeuge bewegen – ganz gleich mit welcher Leistung. Den „großen“ Motorradführerschein gibt es aber auch nach zwei Jahren Klasse A2 nach einer praktischen Prüfung.

Schutzkleidung kann Leben retten

Hier findet Ihr die wichtigsten Komponenten einer Schutzbekleidung für Motorradfahrer. Denn: Zweiradfahrer leben gefährlich. Eine schützende Blechhülle wie bei einem Auto besitzen sie nicht. Sie können sich lediglich mit Helm, Handschuhen, Hose, Jacke, Stiefeln und Protektoren schützen.

So funktioniert es: Einfach nach links oder rechts die Galerie durchklicken.

Sicher auf dem Motorrad unterwegs

Motorrad fahren macht viel Spaß, erfordert aber auch viel Voraussicht und einige Vorbereitung. Wir haben hier Tipps zusammengetragen, die Euch gut durch die Zweiradsaison bringen.

  • Richtiges Bremsen

    Besitzt die Maschine kein ABS, kommt es auf die richtige Bremstechnik an. Eine Notbremsung ist eine Gratwanderung zwischen möglichst kurzem Bremsweg und nicht blockierendem Vorderrad. Mit viel Feingefühl und beherztem Zupacken tasten sich Motorradfahrer auf abgesperrten Strecken oder leeren Parkplätzen an diesen engen Bereich heran. Am besten jedoch bei einem jährlichen Sicherheitstraining.

  • Sicheres Fahren

    Nach einer Pause sollten Motorradfahrer es langsam angehen lassen, um sich allmählich wieder an die Gesetzmäßigkeiten auf zwei Rädern zu gewöhnen. Vor allem ein behutsames Herantasten an Schräglagen ist hilfreich. Regelmäßiges Üben hilft, in Gefahrensituationen richtig zu reagieren. Neben Vollbremsungen aus mittleren Geschwindigkeiten trainiert auch langsames Fahren das Gefühl für die Maschine.

  • Fahren bei Hitze

    Im Gegensatz zum Fahren mit Autos ist man auf dem Motorrad nicht gegen Hitze geschützt. Doch auch wenn es sehr heiß ist, darf auf die Schutzausrüstung mit Helm, Jacke, Hose, Handschuhe und Stiefel nicht verzichtet werden. Dafür sollten die Fahrer regelmäßige Pausen einlegen und viel Wasser trinken. Von langen Touren ist eher abzuraten. An ganz heißen Tagen kann auf alten Autobahnen aus Beton die Fahrdecke aufreißen – und zu gefährlichen Stürzen führen.

  • Fahren bei Kälte

    Bei Kälte sollten Fahrer darauf achten, dass sie warm genug angezogen sind, ohne in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu sein. Und auch da gilt: Lieber kurze Touren als bei langen zu frieren. Bei Schnee und Eis ist generell wegen erhöhter Sturzgefahr vom Fahren abzuraten. Motorradfahrer, die ihre Maschinen auch im Winter bewegen wollen, sollten daran denken, dass die situative Winterreifenpflicht auch für Zweiräder gilt.

    Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte muss ein Motorrad mit geeigneten Winterreifen (M+S-Kennung) unterwegs sein. Bei schönem Winterwetter mit trockenen oder nassen Straßen reicht die normale Bereifung. Da es aber kaum echte Winterreifen für Motorräder gibt, wird diese Regelung weiterhin diskutiert.

  • Fahren bei Regen

    Es kann immer passieren, dass die sommerliche Tagestour im Trockenen beginnt und als Regenfahrt endet. Dann ist vor allem ein gleichmäßiger Fahrstil wichtig. Heißt: Fahren ohne abruptes Bremsen und Beschleunigen. Denn durch die Nässe bietet die Fahrbahn weniger Haftung und schränkt so die mögliche Schräglage ein. In Senken und Tunneln ist dann langsames Fahren angesagt – dort können tiefe Pfützen warten. Gegen durchnässte Haut schützen sich Motorradfahrer mit einer speziellen Regenkombi. Die sollte bei jeder längeren Tour im Gepäck mit dabei sein.

  • Fahrsicherheitstraining

    Egal, welcher Motorradtyp bewegt wird, egal, ob Anfänger oder routinierter Fahrer – ein passendes Sicherheitstraining zum Saisonstart schadet keinem. Dann sind die Reflexe wieder trainiert, das Gefühl für das Motorrad da, die richtige Selbsteinschätzung und das Bewusstsein für die Gefahren vorhanden. Es gibt verschiedene Motorradtrainings, vom Basis- über das Wiedereinstiegs- bis hin zum Perfektionstraining. Hilfreich zum Start in die Saison sind aber auch Fahrübungen auf einem Parkplatz.

Motorradfahren zu Zweit

Motorrad fahren zu zweit
Motorrad fahren zu zweit

Fahren mit Sozius

Motorrad fahren zu zweit kann schön sein. Dafür muss die Maschine einen Beifahrersitz, Haltegriffe und passende Fußrasten haben. Nur dann darf eine zweite Person mitgenommen werden. Die muss natürlich wie der Fahrer Motorradkleidung und einen passenden Helm tragen.

Der Fahrer wird sich auf den ersten paar Meter über das geänderte Fahrverhalten der Maschine wundern: Beschleunigung, Bremsen und Kurvenlage verändern sich deutlich und sollten vor einer gemeinsamen Tour ausprobiert werden.

Motorrad fahren mit Kind
Motorrad fahren mit Kind

Kinder als Sozius

Kinder dürfen unter bestimmten Voraussetzungen auf dem Motorrad mitfahren. Kleine Kinder allerdings nur auf speziellen Motorrad-Kindersitzen. Darüber hinaus sind Fußstützen und Festhaltemöglichkeiten obligatorisch. Hat das Kind genug Kraft, sich allein festzuhalten und kommt mühelos an die Fußrasten, darf es so mitfahren. Dann muss noch eine Radverkleidung oder Ähnliches dafür sorgen, dass die Füße nicht in die Speichen des Motorrads geraten können.

Die Kinder müssen hinter dem Fahrer sitzen. Auch sie benötigen Schutzkleidung und einen passenden Helm. Der Motorradfahrer fährt dann idealerweise defensiv und nicht zu schnell. Vorher vereinbarte Zeichen sorgen dafür, dass der Fahrer mitbekommt, wenn das Kind eine Pause braucht oder Angst bekommt.

Fahren mit Motorradgespann Fahren mit Motorradgespann
Fahren mit Motorradgespann Fahren mit Motorradgespann

Fahren mit Motorradgespann

Beiwagen, Seitenfahrzeug, Gespann – egal, wie man es nennt, das Fahren mit kleinem Wagen an der Seite hat seinen Reiz. Jeder Mitfahrer braucht einen eigenen Platz. Für Kinder ist das Mitfahren im Beiwagen entspannter als auf dem Rücksitz. Es muss aber auch hier Schutzkleidung und Helm tragen.

Gespanne nehmen mehr Raum ein und sind dadurch auffälliger, werden nicht so schnell übersehen. Der Beiwagen macht das Motorrad stabiler, es kann nicht mehr umfallen und fährt sich sicherer in Kurven. Allerdings ist das Handling ein anderes, als man das von einem Solofahrzeug gewohnt ist. Hier gibt es spezielle Gespann- oder Schnupperkurse.

Ihr könnt Euch entweder ein Motorrad komplett oder für den wahlweisen Betrieb zum Abnehmen umbauen (lassen), wenn Ihr nur gelegentlich mit Beiwagen fahren wollt. Wer selbst schraubt, sollte das Vorhaben vorher mit dem TÜV absprechen.

Das richtige Ein- und Ausmotten

  • Checkliste Frühjahr
  • Checkliste Winter

Bevor es in die neue Saison geht, sollte das Motorrad gründlich kontrolliert werden. Insbesondere die Flüssigkeitsstände und Reifendruck sind wichtig.

  • Bremsbeläge überprüfen und notfalls tauschen
  • Bremswirkung und Druckpunkt testen
  • Batterie checken
  • Luftdruck prüfen
  • Profiltiefe der Reifen prüfen
  • Beleuchtung durchtesten
  • Kette kontrollieren

Vor einer langen Winterpause solltet Ihr das Motorrad gründlich pflegen, damit es zum Start in die neue Saison schnell einsatzfähig ist.

  • Motorrad gründlich reinigen
  • Fahrzeug und Metallteile konservieren
  • Öl wechseln
  • Kühlerflüssigkeit wechseln
  • Tank vollständig füllen
  • Batterie laden
  • Reifen aufpumpen und entlasten
  • Kette schmieren
  • Trocken und luftig lagern
  • Checkliste Frühjahr

    Bevor es in die neue Saison geht, sollte das Motorrad gründlich kontrolliert werden. Insbesondere die Flüssigkeitsstände und Reifendruck sind wichtig.

    • Bremsbeläge überprüfen und notfalls tauschen
    • Bremswirkung und Druckpunkt testen
    • Batterie checken
    • Luftdruck prüfen
    • Profiltiefe der Reifen prüfen
    • Beleuchtung durchtesten
    • Kette kontrollieren
  • Checkliste Winter

    Vor einer langen Winterpause solltet Ihr das Motorrad gründlich pflegen, damit es zum Start in die neue Saison schnell einsatzfähig ist.

    • Motorrad gründlich reinigen
    • Fahrzeug und Metallteile konservieren
    • Öl wechseln
    • Kühlerflüssigkeit wechseln
    • Tank vollständig füllen
    • Batterie laden
    • Reifen aufpumpen und entlasten
    • Kette schmieren
    • Trocken und luftig lagern

Wissenswertes zum Thema Motorradfahren

  • Welche Verkehrsregeln gelten für Motorradfahrer?

    Grundsätzlich bewegt sich ein Motorradfahrer im öffentlichen Straßenverkehr ähnlich wie ein Autofahrer. Deshalb gelten für ihn meist dieselben Regeln und Gesetze. Es gibt allerdings ein paar Zusatzverkehrsschilder nur für Motorradfahrer, wie das Verbotsschild für Motorräder – ein rundes Schild mit einer roten Umrandung, in der Mitte ein Motorradfahrer.

    Wichtig und gerne falsch gemacht: Das Hindurchschlängeln zwischen zwei Fahrzeugkolonnen ist immer verboten.

  • Wo darf man sein Motorrad parken?

    Wer ein eigenes Grundstück oder eine Garage hat, hat es einfach. Für alle anderen gilt: Motorräder dürfen nur auf einer dafür gekennzeichneten Parkfläche parken. Das können konventionelle Parkplätze sein oder auch spezielle Motorradparkplätze. Das Abstellen auf Fahrradwegen oder Gehwegen ist dagegen verboten. Zugelassen ist das Parken auf Gehwegen nur bei einer entsprechenden Beschilderung (Verkehrszeichen 315, blaues Schild: Pkw auf Gehweg).

    In einer Parkscheiben- oder Parkscheinzone gibt es keine Sonderregelungen für Motorräder – sie müssen eine Parkscheibe oder den Parkschein sichtbar am Motorrad befestigen.

  • Müssen Motorräder immer mit Licht fahren?

    Motorräder müssen bei Tag ihre Scheinwerfer anmachen. Es sei denn, sie haben Tagfahrleuchten integriert. Unabhängig vom Tagfahrlicht müsst Ihr gemäß § 17 StVO das Abblendlicht bei Nebel, Dämmerung, Starkregen, Schneefall und Dunkelheit einschalten.

  • Ist das ABS Pflicht?

    Seit Januar 2017 müssen alle neu zugelassenen Motorräder über 125 Kubikzentimeter mit ABS ausgestattet sein. ABS sollten dennoch alle Maschinen haben, wenn möglich, eines, das Bremsen in Schräglage zulässt. Neben dem ABS hilft eine (oft bereits integrierte) Traktionskontrolle oder eine zusätzliche Stabilitätskontrolle. Droht das Hinterrad durchzudrehen, drosselt die Motorelektronik die Leistung und das Motorrad stabilisiert sich.

  • Erste Hilfe bei einem Motorradunfall – wie verhalte ich mich richtig?

    Motorradfahrer leben gefährlicher als Autofahrer. Stürzt ein Motorradfahrer, benötigt er Hilfe. Ganz gleich, ob er ansprechbar ist oder nicht. Reagiert er nicht mehr, muss nach Erkenntnissen des ADAC der Helm auf jeden Fall abgenommen werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Verletzte an seinem Erbrochenen erstickt, an einem Herz-Kreislauf-Stillstand stirbt oder aufgrund Sauerstoffmangels irreparable Gehirnschäden erleidet.

    Ist der Gestürzte bei Bewusstsein, sollte der Helm auf dem Kopf bleiben. Es sei denn, der Verletzte bittet ausdrücklich darum, den Helm abzunehmen.

    Ansonsten gilt immer: Notruf wählen und wenn möglich beim Verunglückten bleiben, bis die Rettungskräfte eintreffen.