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Dynamisches Lastmanagement für Tiefgarage
Moin zusammen,
seit mehreren Jahren bereite ich mich vor, unsere Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses mit einer Ladelösung zu versehen. Allerdings gestaltet sich der Markt noch immer recht unübersichtlich. Daher würde ich gerne hören, ob ihr Erfahrungen oder Ideen habt, die ich noch nicht in Betracht gezogen habe.
Hier die Fakten:
13 Wohneinheiten (Eigentumswohnungen) mit je 1 Tiefgaragenstellplatz ( = 13 Tiefgaragenstellplätze)
Hausanschlussleistung 78 kW (125A/Phase), Erhöhung der HA-Leistung wurde vom Netzbetreiber zunächst abgelehnt
Installiert werden sollen zunächst 3-5 Wallboxen für Miteigentümer mit Ladebedarf auf dem jeweils eigenen Stellplatz. Das System soll aber skalierbar/erweiterbar sein auf bis zu 13 Wallboxen, damit auf lange Sicht keiner benachteiligt wird.
Die jeweilige Wallbox soll durch den Lieferanten des jeweiligen Wohnungseigentümers versorgt werden - also Anschluss hinter dem Haushaltszähler. Separat die Energiemengen unter uns aufteilen wollen wir eigentlich nicht.
Um die Hausanschlussleistung bestmöglich auszureizen, benötigen wir also dynamisches Lastmanagement, welches die zur Verfügung stehende Leistung des Hausanschlusses optimal auf die Wallboxen verteilt. Wenn also ein Mitbewohner seine Sauna anschmeißt, dann müssen die Wallboxen entsprechend Ladeleistung reduzieren.
Ich habe eine kleine Skizze im Anhang angefertigt, um das Anschlussvorhaben zu verdeutlichen.
Was ich bisher herausgefunden habe:
Innogy: Kein Angebot für Privatkunden.
BS Energy: Vertrieb von Mennekes-Produkten, derzeit noch keine Lösung im Portolio. Bisher nur statisches Lastmanagement.
Charge.ON: Nur Statisches Lastmanagement.
ChargeIT: Hat u.a. das Dörnberg in Regensburg ausgestattet, Ladelösung für 400+ Stellplätze. Ist tauglich, aber mit Kanonen auf Spatzen und dementsprechend sehr teuer.
The Mobility House: Dynamisches Lastmanagement als Kauflösung ohne Folgekosten, jedoch müssen alle Wallboxen (Alfen Eve Single) über eine separat gemessene Unterverteilung angeschlossen werden. Macht einen Beschluss zu einem gemeinsamen E-Mobility-Energielieferanten sowie eine separate Energiemengenabrechnung erforderlich.
Keba: Kombination aus P30x (Master) und P30c (Slave) beherrscht nur statisches Lastmanagement bzw. dynamisches Lastmanagement der Wallboxen bei statischer Vorgabe der Gesamtladeleistung.
Webasto: Wallbox als Master- und Slave-Kombination ermöglicht genau das, was wir benötigen. Energiebezug über den Haushaltsstromlieferanten, dynamisches Lastmanagement unter Einbeziehung des Gebäudebezugs, dynamische Verteilung der Leistung an die Wallboxen.
Bisher sind also nur Webasto und ChargeIT in der Lage, unseren Bedarf zu bedienen. Dabei ist Webasto deutlich günstiger, da das Lastmanagement offline in der Wallbox stattfindet und nicht wie ChargeIT ein Online-Backend nebst zentraler Infrastruktur erfordert.
Daher würde ich mich freuen, wenn ihr vielleicht weitere Tips oder Erfahrungen habt, die ich im Vorfeld unserer kommenden Eigentümerversammlung im April aufnehmen kann.
Beste Grüße
Martin
Beste Antwort im Thema
Ich danke euch für die kontroverse Diskussion, die mir auch einige Denkansätze bieten. Ich kann nicht auf jedes Argument detailliert eingehen. Aber in Summe:
Wenn nach Holgors Ansatz jeder sein eigenes Ladesüppchen kocht, dann wird die billige 400 EUR-Wallbox gekauft oder ein CEE16-Anschluss gelegt zum Stellplatz. Das machen 4 Leute und dann ist die Anschlussleistung erschöpft. Das ist Wildwuchs pur, das muss vermieden werden.
Die Idee, später ein Lastmanagement zu kaufen, funktioniert nur, wenn die Wallboxen von vornherein kompatibel dazu sind, sonst wird das Lastmanagement zu teuer. Und ja, das Lastmanagement soll auf die mitmachenden Nutzer umgelegt werden, später hinzukommende Miteigentümer können sich dann in die Lösung einkaufen. Daher gefällt mir die Webasto-Lösung so gut, da gibt es keine zentralen Komponenten (von ein bisschen Netzwerktechnik und einem MBUS-Zähler mal abgesehen).
Den Vergleich mit der Küche und dem Küchenbauer verstehe ich nicht. Eine Küche hat recht standardisierte Verbraucher (Ofen, Kochfeld, Mikrowelle) und die Hausanschlussleistung ist von vornherein auf 13 Wohneinheiten MIT Küche konzipiert. Und ein Kochfeld muss auch nicht heruntergeregelt werden, da es in der Regel nicht 3-8 Stunden mit Volllast läuft. Da ist die Wahrscheinlichkeit einer hohen Gleichzeitigkeit sehr gering und statistisch gesehen gibt die Hausanschlussleistung das locker her.
Bei 3-4 unter Volllast ziehenden Autos (11kW) ist jedoch ein großer Block der Hausanschlussleistung dauerhaft blockiert. Das geht nicht. Es darf keiner am Kochen gehindert werden, weil andere ihre Autos laden. So ist zumindest mein Empfinden von Fairness. Daher müssen die Autos bei Engpässen immer zurückstecken.
Gewollt ist, dass jeder seinen Stromlieferanten nutzen kann und keine separate Abrechnung stattfindet. Gewollt ist eine Lastmanagementlösung, die die Wohnungen priorisiert und die restliche Leistung den Autos zur Verfügung stellt, alles andere wird nicht mehrheitsfähig. Und gewollt ist auch, dass die Verdrahtung hinter dem Wohnungszähler stattfindet, ein späterer Stellplatzwechsel ist nahezu absolut ausgeschlossen, da die Stellplätze alle im jeweiligen Eigentum des Wohnungseigentümers sind. Dies ist kaufvertraglich und notariell fixiert, ein späterer Wechsel ist so gut wie ausgeschlossen und wenn dann nur in Absprache einzelner Eigentümer untereinander leihweise möglich. Und selbst wenn jemand tauschen will (Wahrscheinlichkeit nahe 0 %), dann ist das deren Sache das neu zu verdrahten. Sind dann halt ein paar Kabel im Hausanschlussraum.
Was das Template angeht: Wenn ich die Idee richtig verstanden habe, dann mache ich genau das jetzt gerade. Das System wird so konzipiert, dass insgesamt 13 teilnehmen können. Und wenn's zu Anfang nur n=2 sind, dann tragen die alle anfallenden Kosten (zentrale Kosten geteilt durch n, jeder trägt seine eigenen Wallbox-Kosten). Da ist das Lastmanagement zwar etwas unterfordert, aber problemlos skalierbar, wenn's dann mal 4 oder 13 werden. Erneut: Webasto hat kaum zentrale Kosten und ist auf 13 skalierbar.
Wenn die Eigentümergemeinschaft einen Beschluss fasst, dann ist der bindend. Wenn später jemand seine eigene ungeregelte Wallbox an die Wand baut, darf die Eigentümergemeinschaft die Entfernung verlangen. Wenn also jemand eine Wallbox will, dann muss er halt das beschlossene System verwenden und sich an den zentralen Kosten beteiligen. Das ist in meinen Augen Fairness. Niemand wird bevorteilt oder verschafft anderen einen Nachteil. Ebenso ist es in meinen Augen Fairness, dass eine Sauna (die's immer noch nicht gibt bei uns), ein Elektrogrill oder ein Kochfeld technisch bevorzugt wird und den Autos Ladeleistung nimmt, weil die letztgenannten Verbraucher nur kurzzeitig laufen. Sind die wieder aus, bekommt das Auto die Ladeleistung zurück. Das wird immer noch reichen, dass das Auto am nächsten Tag voll sein dürfte.
Oder liege ich mit der Beurteilung völlig falsch?
Der Vorschlag einer GbR ist begründet, wäre im Falle einer PV auf dem Dach ja auch zu überlegen. Aber ich glaube, in unserem Fall ist das nicht unbedingt notwendig, solange das Wallbox-System von jemandem koordiniert wird (und das bin in diesem Fall ich - sollte ich mal ausziehen: nach mir die Sintflut :D ).
VG
Martin
PS: Hab's noch nicht geschafft, dem Elli-VW-System hinterherzutelefonieren.
PS2: ups, sorry, sehr langer Beitrag...
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383 Antworten
Naja die Software Nachrüstung muss garantiert sein sonst hat die Firma sicherlich irgendwann ein Problem.
Andererseits wäre eine Voraussetzung auf aktuell machbare OCPP 2.0 und Tests eine Einengung des Angebots gewesen welches zu ganz massiven Lieferproblemen geführt hätte.
Zitat:
@holgor2000 schrieb am 1. Juni 2021 um 08:22:39 Uhr:
Einfach eine steuerbare Box kaufen. Bspw. die Keba P30 Serie. Da kann man später jedes Lastmanagement der Welt davor klemmen, wenn man es benötigen sollte.
...
Und ja, wenn der Netzbetreiber den Trafo vergrößern muss, dann kann er das machen. Das ist sein Job. Genau dafür ist er da.
Ja klar, die Keba P30 lässt sich prima durch das in Webasto oder Mennekes integrierte, proprietäre Lastmanagement steuern. Wenn sich die Eigentümergemeinschaft zu so einem System entschließt, ist die Keba P30 über.
Und die Leistungserhöhung greift auch nur bis zu einer für den Netzbetreiber zumutbaren Grenze und kann somit nicht gegen unendlich streben, zumindest nicht für 100 EUR/kW.
Zitat:
Befindet sich vor dem anzuschließenden Grundstück eine nicht ausreichende Verteilungsanlage und kann eine notwendige Veränderung dieser Verteilungsanlage der BS|NETZ zu den genannten BKZ aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugemutet werden, so können neben dem genannten BKZ die tatsächlichen Kosten für die Veränderung der Verteilungsanlagen zur Leistungsvorhaltung an diesem Netzanschluss berechnet werden.
(Quelle)
Jeder soll entweder machen wie er möchte oder lieber vorher einen Elektriker seines Vertrauens sowie die Hausverwaltung befragen.
Zitat:
@Alfa.Tiger schrieb am 2. Juni 2021 um 08:50:23 Uhr:
Zitat:
@holgor2000 schrieb am 1. Juni 2021 um 08:22:39 Uhr:
Einfach eine steuerbare Box kaufen. Bspw. die Keba P30 Serie. Da kann man später jedes Lastmanagement der Welt davor klemmen, wenn man es benötigen sollte.
...
Und ja, wenn der Netzbetreiber den Trafo vergrößern muss, dann kann er das machen. Das ist sein Job. Genau dafür ist er da.
Ja klar, die Keba P30 lässt sich prima durch das in Webasto oder Mennekes integrierte, proprietäre Lastmanagement steuern. Wenn sich die Eigentümergemeinschaft zu so einem System entschließt, ist die Keba P30 über.
Deswegen kauft man in einer Eigentümergemeinschaft auch keine proprietäre Lösungen, wenn die Anschaffungen zeitlich nicht exakt gleich erfolgen.
Zitat:
@Alfa.Tiger schrieb am 2. Juni 2021 um 08:50:23 Uhr:
Und die Leistungserhöhung greift auch nur bis zu einer für den Netzbetreiber zumutbaren Grenze und kann somit nicht gegen unendlich streben, zumindest nicht für 100 EUR/kW.
Zitat:
Befindet sich vor dem anzuschließenden Grundstück eine nicht ausreichende Verteilungsanlage und kann eine notwendige Veränderung dieser Verteilungsanlage der BS|NETZ zu den genannten BKZ aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugemutet werden, so können neben dem genannten BKZ die tatsächlichen Kosten für die Veränderung der Verteilungsanlagen zur Leistungsvorhaltung an diesem Netzanschluss berechnet werden.
(Quelle)
Damit ist nicht deine 11kW Wallbox gemeint. Sondern eher, wenn Du morgen eine Industriehalle zubauen möchtest um dort Eisen zu schmelzen.
Zitat:
@motor_talking schrieb am 1. Juni 2021 um 13:41:50 Uhr:
Daß der Netzbetreiber wegen eines einzigen Anschlusses einen Trafo von z.B. 1000kVA auf nur 1020kVA erweitern kann oder muss, glauben wir wohl nicht.
Und dass die nächsthöhere Stufe von z.B. 2000kVA dann von Holgor alleine zu bezahlen ist, während alle weitere Auslastung von 1020 bis 2000kVA wieder kostenlos ist, glauben wir wohl auch nicht.
Absolut richtig!
Bei Westnetz nennt sich das Baukostenzuschuss.
Jedes Gebäude hat abhängig von der Anzahl der WE einen gewissen Freibetrag an Leistung (z.B. Einfamilienhaus: 30kW). Ein Teil davon wird für normalen Haushaltsstrom "reserviert". Sobald der freie Wert durch Anmeldung von Wallboxen, Wärmepumpen oder Durchlauferhitzer überschritten wird berechnet der Netzbetreiber einen einmaligen Baukostenzuschuss pro kW Überschreitung (ca. 25€ pro kW).
So sammelt er Geld ein wenn irgendwann ein Trafo aufgestockt werden muss und verteilt die finanzielle Belastung auf diejenigen, die die Erweiterung auslösen.
Ich vermute mal wir haben beide Recht... Hab meinen Chef noch mal gefragt: Er wollte seinerzeit 2x 11 kW haben (hatte 3 E-Autos zu der Zeit gehabt). Netzbetreiber meinte er könne 1 haben. Oder 2 wenn sichergestellt ist das nicht beide gleichzeitig in Betrieb sind.
Gruß
@MrBerni
Das ist ziemlicher Standard.
1x 11kw (für eine Wallbox oder verteilt auf mehrere) geht eben immer.
Wer mehr haben will, muss entweder Glück haben (ausreichend Reserven vorhanden und kulanter Netzbetreiber), einen Zuschuss oder eine Leistungserhöhung zahlen oder bekommt eben gar keine Genehmigung.
Oder 2 oder 3 Boxen an die Wand hängen und mit einem Lastmanagement sicher stellen, dass die gleichzeitig nur max. 11kW aus dem Netz ziehen.
Das reicht auch schon für >160.000 km im Jahr, wenn man nur 10 Stunden Standzeit pro Nacht rechnet bei 25kWh/100km Verbrauch.
Zitat:
@WalterE200-97 schrieb am 14. März 2021 um 16:06:29 Uhr:
[...]
Wichtig erscheint mir, dass sich kein Miteigentümer bedrängt und überfordert fühlt und frei entscheiden kann, zu welchem Zeitpunkt er sich anschließen lässt.
[...]
Hallo zusammen,
erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Im Verlauf der ETV hat sich kein weiterer Miteigentümer zur Installation einer Wallbox entschlossen und der zunächst favorisierte Elektriker hat sich am Ende nicht mehr gemeldet.
Den Auftrag hat nun ein anderer Elektriker erhalten. Die Ladestation des Herstellers Schneider Elektronik, Modell EVlink G4 Smart Wallbox EVB1A22P2RI, Stecker Typ 2 ohne Shutter und mit RFID-Leseeinheit, wurde auf 11 kW gedrosselt und bereits am eigenen Stromzähler installiert. Diese Wallbox kann in Lastmanagementlösungen eingebunden werden. Datenblatt im Anhang.
Was sagen die Experten zu der technischen Ausrüstung dieser Wallbox?
LG, Walter
Zitat:
Andererseits wäre eine Voraussetzung auf aktuell machbare OCPP 2.0 und Tests eine Einengung des Angebots gewesen welches zu ganz massiven Lieferproblemen geführt hätte.
Na und? Dafür hätten Kunden wie Netzbetreiber sicher gestellte Features bekommen. Und die Anbieter hätten sich endlich mal ratzfatz Gedanken gemacht und Mühe gegeben, ihre Boxen auch mit sinnvoller Software auszuliefern. Anstatt dass die Bananen beim Kunden reifen. Und dann doch wieder entweder Austauschprogramme kommen, oder aber die Netzbetreiber mauern, weil die Fernsteuerbarkeit nicht garantiert ist. Oder die Updates nochmal Geld kosten und umständlich sind.
Und die Tests an sich: müssen nicht ewig dauern.
Man hätte so bestimmt Faktor 5-10x mehr Wallboxen von Netzbetreiberseite zulassen können.
Also nicht mehr: jeder darf eine anmelden ohne Genehmigung. Sondern jeder darf 5-10 mit Lastmanagement anmelden ohne Genehmigung. Gerade den großen Verbünden (Tiefgaragen, große Parkplatze, Vermieter, Immobilienunternehmen, Gewerbe etc.) hätte das sehr geholfen.
Boxen mit LM wären so gleich zum Commodity-Produkt geworden, das man auch für 300 EUR mal beim Discounter einsackt. Und da muss es eigentlich hin, wenn das in Masse was werden soll.
Neuigkeiten von heute: Bei unserem Netzbetreiber wird es kein dynamisches Lastmanagement geben. Punkt.
Dies ist die Aussage der Vertriebsmutter des Netzbetreibers, die uns ebenfalls ein Angebot mit dynamischem Lastmanagement erstellen wollte.
Somit verbleiben für uns nur wenige Lösungen:
1. Zusätzlicher Hausanschluss (ca. 23 TEUR Elektriker zzgl. Kosten vom Netzbetreiber)
2. Erweiterung bestehender Hausanschluss (ca. 100 EUR pro kW) plus statisches Lastmanagement
3. Kleinere Lösungen (ChargeX, teilen einer gemeinsamen Wallbox etc.).
Ich rege mich über dieses Verhalten des Netzbetreibers ziemlich auf. Zwar verhält er sich absolut konform zu seinen TAB Nord, aber diese Blockadehaltung widerspricht jeglichen politischen Bemühungen um Klimawandel im Mobilitätssektor (ebenso wie die TAB Nord...). Daher möchte ich gerne eine Beschwerde loswerden. Hat einer eine Idee, wohin man sich mit einer Beschwerde am besten wenden kann? BNetzA, BMWi, lokale Presse, Geschäftsführung? Gibt es einen Kanal für so etwas?
Es gibt doch Wettbewerb. Und damit mehrere Anbieter.
Meine Sicht: ein Netzbetreiber liefert erstmal "nur" elektrische Energie für die Gesamtsumme, also quasi eine Energiesumme am Hausanschluss. Was der Kunde damit macht, liegt am Kunden.
Wenn der Kunde seine Energiesumme dynamisch aufteilen will zwischen Wohnungen und Wallbox-Ladern, dann soll er das halt so machen. Mit irgendeinem, der ihm die technische Lösung dafür hinstellt. Das muss nicht der Netzbetreiber selbst sein, der ihm diese Lösung konzipiert.
Ich würde an deiner Stelle nochmal über PV und Pufferspeicher nachdenken. Das ist an sich der moderne Weg, wenn eine Summenanschlussleistung knapp aussieht oder nicht ausreicht. Ja, das kostet auch was, aber es bringt auch richtig viel, weil es den Strom kostenlos von der Sonne holt. Und nutzt so vor allem auch den Wohneigentümern, die erstmal kein BEV/PHEV laden wollen.
Der Schmerz des Netzbetreibers ist aber an sich simpel: sein Verteilnetz ist auf bestimmte Gleichzeitigkeitsfaktoren ausgelegt, die für Wohnungen galten und da auch jahrelang gut hingehauen haben. Wenn jetzt jeder Hausanschluss noch knapp 2 dutzend Wallboxen dranhängt und seinen Hausanschuss wirklich gut auslastet, dann haut die ganze Rechnung auf der Verteilebene drüber nicht mehr hin. Also geht es am Ende um Geld: wer bezahlt den Ausbau der Verteilebene? Und das würden sie gern entweder zum Kunden bezahlt haben (zusätzlicher Hausanschluss, Erweiterung des bestehenden Hausanschlusses) oder aber von der Politik bezahlt haben (sieht man auch im Heftchen unten). Die eigenen Investitionen wollen sie - kapitalistisch verständlich - gering halten, denn es schmälert ihren Profit.
Deine Kritik über die TAB Nord sollte aus meiner Sicht erstmal an die Verfasser geschickt werden.
Also an den BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.
Die haben selbst schicke Hefte, die sich sehr grün anfühlen:
https://www.bdew.de/energie/energie-macht-zukunft/
BMWi => die sind jetzt erstmal im Urlaub. :-) Da ist Sommerpause. Im Herbst wird neu gewählt. Klar, eine Menge Beamte bleiben. Aber die Luft ist raus für diese Wahlperiode. Und es ist auch zu weit weg. Und die ganz großen Klimagötter oder Klimaretter waren das noch nie.
Bundesnetzagentur => thematisch zu weit weg.
Presse? Die verstehen nicht mal den Unterschied zwischen dynamischem und statischem Lastmanagement.
Geschäftsführung des konkreten Energieversorgers => ja, schon eher. Oder erstmal Vertriebsleiter/in.
Aber wie gesagt: Warum dort sich abmühen?
Am Ende wollt ihr als WEG auch nur wieder optimieren und eure Kosten so gering wie möglich halten. Das ist ja auch verständlich, genau so aus der egoistischen Sicht.
Am Ende kann die Reise auch in eine ganz andere Richtung gehen, um gesamtkostengünstig zu werden: nicht jeder seine Wallbox (mit dem ganzen Ausbau hin zu den Parkplätzen und Stellplätzen in Garagen, was ja trotzdem ein großer Aufwand wird), sondern 100-150 kW DC-Lader in den Wohnvierteln, wo man mal für 30 min beim Supermarkt eben 1x die Woche auch das Auto vollmacht.
Dieser Weg passt z.B. auch besser, wenn irgendwann nur noch halb so viele Autos in den Städten sind, weil man dann die ganzen Stellplätze und Verteilnetze nicht umsonst mit Ladelösungen für eine später unrealistisch hohe Anzahl Ladeautos ertüchtigt hätte.
Die Mobilität geht dann mehr zu Fahrrad und einem besseren ÖPNV.
Wettbewerb schön und gut, nur leider eben nicht beim Verteilnetzbetreiber. Dieser ist ja derjenige, der blockiert. Wettbewerb hier hieße für mich ein Umzug in ein anderes Verteilnetzgebiet.
Der Kern des Problems liegt ja darin, dass für dynamisches Lastmanagement eine Messung vor allen Haushaltszählern, also im ungezählten Bereich stattfinden muss. Dieser Bereich ist Hoheitsbereich des Netzbetreibers. Und er versagt uns mit Verweis auf die TAB Nord die Installation von Wandlerklemmen im ungezählten Bereich. Somit ist dynamisches Lastmanagement - egal von welchem Anbieter - im ganzen Stadtgebiet unmöglich.
Deine Argumentation hinsichtlich höherer Auslastung der Netze, Baukostenzuschüsse und Gleichzeitigkeitsfaktoren kann ich nachvollziehen. Gleichwohl ist der Netzbetreiber als natürlicher Monopolist - überwacht durch die BNetzA - grundsätzlich in der Pflicht, den Begehren des Anschlussnehmers/-nutzers nachzukommen, ggf. gegen Einwurf von Münzen. Dumm ist halt, wenn ein in die Jahre gekommenes Regelwerk wie die TAB Nord ihm diese Pflicht abnimmt und er eine simple Bockadehaltung einnehmen kann. Und genau diese Karte wird hier gezogen, der Netzbetreiber ist fein raus und muss sich nicht mit dem lästigen Thema Elektromobilität befassen.
Daher will ich ja irgendwie die Stimme erheben. Damit Öffentlichkeit und Politik mitbekommen, dass die Gesetze und Vorgaben noch nicht zu 100% auf reibungslose EMOB ausgerichtet sind. In meinem konkreten Fall wird das kurzfristig eh nichts, daher schaue ich nun nach gangbaren und vor allem bezahlbaren Alternativlösungen, die für uns stärkere Komforteinschnitte mit sich bringen (ChargeX, zentraler Ladepunkt in der Tiefgarage mit 40 Meter Kabel dran, ...).
BDEW und FNN sind eine gute Idee. Geschäftsführung/Vorstand und Lokalpresse werde ich ebenso anschreiben.
Warum der die paar Messwandler im ungezählten Bereich so strikt ablehnt, schon kurios.
Klar, ist sicher in den TAB nicht gestattet, aber naja...
Soweit ich weiß stellen sich da manch andere Netzbetreiber nicht so an (Verlinke, wenn ich es noch finde).
Wenn du dich beschweren willst, wieso nicht gleich bei allen genannten Stellen?
Bei Beschwerden an die Bundesnetzagentur habe ich bisher nur zu lesen bekommen, dass die sich meist irgendwie rauslaviert und wieder auf die Hoheit der Netzbetreiber verweist. Da muss dir wohl schon einer gesagt haben, dass er dir wegen deiner Hautfarbe keinen Anschluss legt, ehe die einschreitet...
Kleine Anmerkung zu deiner Idee mit dem zentralen Ladepunkt:
Mit 40m Typ-2-Kabel wird das wohl schwierig. Soweit ich weiß gibt es solche Kabellängen nicht und ist es auch technisch schwierig, weil dann möglicherweise die Signalisierung über das lange Kabel nicht mehr klappt.
Wenn du eine Starkstrom-Dose mit Starkstrom-Verlängerung meinst, dürfte das schon gehen. Dann braucht ihr aber halt nicht eine mobile Ladestation, beispielsweise nrgkick oder ähnliches. Hier besteht dann natürlich das theoretische Problem von Diebstahl oder Vandalismus, keine Ahnung aber wie schlimm das bei euch generell so ist.
Zitat:
Der Kern des Problems liegt ja darin, dass für dynamisches Lastmanagement eine Messung vor allen Haushaltszählern, also im ungezählten Bereich stattfinden muss. Dieser Bereich ist Hoheitsbereich des Netzbetreibers. Und er versagt uns mit Verweis auf die TAB Nord die Installation von Wandlerklemmen im ungezählten Bereich. Somit ist dynamisches Lastmanagement - egal von welchem Anbieter - im ganzen Stadtgebiet unmöglich.
Ok, jetzt sind wir am richtigen Punkt.
Ihr könnt eine entsprechende Anzahl Messwandler auf eure Seite hinter die Zähler klemmen, und dann die Summe bilden. Ja, das klingt assi, geht aber. Es ist nicht unmöglich, es ist nur teuer oder aufwendig. Aber es hätte den Charme, dass auch jeder für sich bedarfsgeregelt werden kann. Wer oben gerade die Weihnachtsgans brät oder die elektrische Innensauna aufheizt, dem wird unten individuell der Ladestrom an der Wallbox weggeregelt.
Oder du kannst zu genau diesem Punkt auch mal mit dem BDEW kommunizieren, ob er das nicht doch irgendwie was in den TAB zulassen kann. So ein Messwandler ist ja eigentlich Peanuts.
Und das mit den Verlängerungen würde ich lassen: einfach 2 dynamische Stellplätze dafür vergeben. Dann gibt einer oder zwei den Stellplatz her (z.B. jemand, der eh kein Auto hat oder will oder lieber draußen parkt), die anderen zahlen dafür eine Miete an diesen Stellplatz-Spender und dieser Extra-Stellplatz wird mit fester Wallbox und festem Kabel zum Laden z.B. mit 22 kW oder 2x11 kW ertüchtigt. Und wenn das Auto voll ist, muss man nochmal runter und umparken auf den eigenen Stellplatz. Lange Kabel da dynamisch durch die TG ziehen und immer woanders hin legen, irgendwo lang, das ist ein nogo.
Zitat:
Dumm ist halt, wenn ein in die Jahre gekommenes Regelwerk wie die TAB Nord ihm diese Pflicht abnimmt und er eine simple Bockadehaltung einnehmen kann.
2019 ist in die Jahre gekommen?
https://www.stromnetz.berlin/.../tab-ns-nord-2019.pdf
Zitat:
Daher will ich ja irgendwie die Stimme erheben. Damit Öffentlichkeit und Politik mitbekommen, dass die Gesetze und Vorgaben noch nicht zu 100% auf reibungslose EMOB ausgerichtet sind.
Bitte vergiss dabei nicht die Sichten. Für ganz, ganz viele Leute passt es heute schon wunderbar. Mit den Gesetzen und Vorgaben, die es gibt. Die haben ein Häuschen, eine Garage, einen Hausanschluss und genug Kapazität, notfalls sogar aus der Steckdose. Manche sind Laternenparker, und finden auch ihre öffentlichen Lademöglichkeiten.
Und ihr könnt Steckdosen CEE blau hinter die Wohnungszähler klemmen und jedem zumindest seine 2,3 kW bis zum Stellplatz durchziehen. Ggf. mit einem Lastabwurf zum Elektroherd der Wohnung. Da muss kein Gesetz und keine Verordnung geändert werden.
Noch ne Lösung: e-Roller statt Auto und dann die mobile Batterie mit reinnehmen und drinnen aufladen. Oder auf einem Stellplatz bekommt man locker 6 gesharete E-Roller unter und kann die auch alle laden.
Euer Problem ergibt sich erst dann, wenn ihr gesteigert optimieren wollt. Mit dem geringen Hausanschluss nun halt viele Ladeautos mit hoher Ladeleistung versorgen. Und das alles noch mega-komfortabel.
Bisher ist BEV-Mobilität noch so gemacht, dass jeder selbst seinen Weg finden muss. Es ist ja kein Geheimnis, dass da noch viel zu tun ist, gerade im Ausbau der elektrischen Bestandsinfrastruktur. Aber gerade PV eröffnet auch große Chancen, vom vermeintlichen Monopolist ein Stück wegzukommen. Die Sonne scheint für jeden, das kann man sich in den Keller holen. Und bei der Sonne brauchst du auch keine Anträge stellen oder Gesetze beachten. Im Haus, vor dem Anschlusskasten des Netzbetreibers, bist du auch vogelfrei, nur die Sicherheit muss natürlich passen. Und sobald du einspeisen wolltest, dann muss der VNB natürlich wieder mitspielen. Der kann sich darüber aber auch mal freuen, weil so auch dezentral (ohne Ausbaukosten im Verteilnetz!) in dem Verteilnetz am Abgabe-Ende auch wieder Energie reinkommt. Nur eben: seine Infrastruktur muss er dafür trotzdem passend handhaben, und das ist nicht trivial.
Den Messwandler im ungezählten Bereich des VNB - da könnten sie aber trotzdem einlenken und vielleicht von Verordnungsseite nochmal ran. Aber wie oben schon ausgeführt, nur die ersten paar Hausanschlüsse können so optimieren, dann trifft es den Summenpunkt eine Ebene höher. So wirklich fair wird das auch nicht. Der Summenverteiler müsste selbst also wieder vom Netzbetreiber begrenzbar sein.