Forum850, S70, V70, V70 XC, C70
  1. Startseite
  2. Forum
  3. Auto
  4. Volvo
  5. 850, S70, V70, V70 XC, C70
  6. ABS-Steuergerät selbst repariert

ABS-Steuergerät selbst repariert

Volvo 850 LS/LW
Themenstarteram 4. Februar 2009 um 9:13

Nachdem das ABS erst sporadisch, dann immer öfter und zum Schluß fast überhaupt nicht mehr funktionierte und der :) sagte, die Fehlermeldung sei „Radsensor defekt“, erwies sich wieder mal der Wert unseres Forums hier. Das sind ja ziemlich genau die Symptome des typischen Lötstellenproblems im ABS-Steuergerät.

Was der :) für eine Standardreparatur nimmt, darüber scheigen wir lieber. Es gibt Firmen, die die Steuergeräte aufarbeiten, aber da sind dann auch 200 € fällig. Es gibt weiterhin diese und diese nette Anleitung zum Selberreparieren, und da das eh in mein Berufsbild fällt, habe ich mich also drangemacht.

Die Einzelheiten sind in den o. g. Anleitungen ja gut illustriert, von mir daher nur ein paar ergänzende Anmerkungen:

Da man nur den Elektronikteil abmacht, kann man sogar mit ohne fahren, sollte aber nicht, weil der Tacho nicht funktioniert. Die vier Schrauben sind etwas exotisch, so eine Art inverses Torx, d. h. Zapfen statt Loch, aber man kann sie problemlos mit einem 4-mm-Steckschlüssel rausdrehen. Da das ganze nach schräg unten hängt, sieht man nix, es geht aber trotzdem ganz gut.

Die Ringklemmen auf den vier Schraubenhülsen habe ich mit einem kleinen Schraubenzieher heil runtergekriegt und zum Schluß auch wieder draufgesetzt.

Das Öffnen der Versiegelung geht garantiert nicht ohne Beschädigung des Gehäuses. Das ist aber nicht so schlimm. Ich habe ringsum den äußeren Kragen des Unterteils weggebrochen (der bricht eh fast von allein), dann möglichst viel Silikon aus der Fuge gekratzt und bin vorsichtig unter dem Kragen des Oberteils langgegangen. Der sollte weitgehend heil bleiben. Und nicht so tief ins Gehäuse reinstechen, die Leiterplatte sitzt dicht am Rand. Hat man genügend Silikon zerstört, kriegt man den Deckel gut runter.

Auf der Leiterplatte liegt ein transparenter Überzug, der sicht abziehen läßt. Den am besten um die nachzulötenden Bereiche komplett entfernen, er liegt zum Schluß eh nicht mehr luftdicht auf.

Nachgelötet habe ich alle Kontakte beider Stecker, das geht mit einem normalen (nicht ganz kleinen) Elektroniklötkolben, etwas Kolophonium und zusätzlichem Lötzinn ganz prima, ggf. muß man so lange draufbleiben, bis alles richtig durcherhitzt ist und das Lot ordentlich fließt.

Wieder versiegelt habe ich das ganze mit einer Uhu-Polymerdichtmasse, Silikon geht auch, aber ich wollte keine komplette Patrone anbrechen für die paar Gramm.

Fazit: Knapp zwei Stunden Arbeitszeit und ein paar Cent für das Dichtmaterial, und das ABS geht wieder.

Wer das öfter macht, braucht sicherlich nicht mehr als eine Stunde. Insofern haben Firmen wie diese eine ganz interessante Marge ... gut, Marktwirtschaft eben, außerdem muß man als gewerblicher Anbieter Gewährleistung geben, insofern liegt mir da jede Kritik fern.

Beste Antwort im Thema
Themenstarteram 4. Februar 2009 um 9:13

Nachdem das ABS erst sporadisch, dann immer öfter und zum Schluß fast überhaupt nicht mehr funktionierte und der :) sagte, die Fehlermeldung sei „Radsensor defekt“, erwies sich wieder mal der Wert unseres Forums hier. Das sind ja ziemlich genau die Symptome des typischen Lötstellenproblems im ABS-Steuergerät.

Was der :) für eine Standardreparatur nimmt, darüber scheigen wir lieber. Es gibt Firmen, die die Steuergeräte aufarbeiten, aber da sind dann auch 200 € fällig. Es gibt weiterhin diese und diese nette Anleitung zum Selberreparieren, und da das eh in mein Berufsbild fällt, habe ich mich also drangemacht.

Die Einzelheiten sind in den o. g. Anleitungen ja gut illustriert, von mir daher nur ein paar ergänzende Anmerkungen:

Da man nur den Elektronikteil abmacht, kann man sogar mit ohne fahren, sollte aber nicht, weil der Tacho nicht funktioniert. Die vier Schrauben sind etwas exotisch, so eine Art inverses Torx, d. h. Zapfen statt Loch, aber man kann sie problemlos mit einem 4-mm-Steckschlüssel rausdrehen. Da das ganze nach schräg unten hängt, sieht man nix, es geht aber trotzdem ganz gut.

Die Ringklemmen auf den vier Schraubenhülsen habe ich mit einem kleinen Schraubenzieher heil runtergekriegt und zum Schluß auch wieder draufgesetzt.

Das Öffnen der Versiegelung geht garantiert nicht ohne Beschädigung des Gehäuses. Das ist aber nicht so schlimm. Ich habe ringsum den äußeren Kragen des Unterteils weggebrochen (der bricht eh fast von allein), dann möglichst viel Silikon aus der Fuge gekratzt und bin vorsichtig unter dem Kragen des Oberteils langgegangen. Der sollte weitgehend heil bleiben. Und nicht so tief ins Gehäuse reinstechen, die Leiterplatte sitzt dicht am Rand. Hat man genügend Silikon zerstört, kriegt man den Deckel gut runter.

Auf der Leiterplatte liegt ein transparenter Überzug, der sicht abziehen läßt. Den am besten um die nachzulötenden Bereiche komplett entfernen, er liegt zum Schluß eh nicht mehr luftdicht auf.

Nachgelötet habe ich alle Kontakte beider Stecker, das geht mit einem normalen (nicht ganz kleinen) Elektroniklötkolben, etwas Kolophonium und zusätzlichem Lötzinn ganz prima, ggf. muß man so lange draufbleiben, bis alles richtig durcherhitzt ist und das Lot ordentlich fließt.

Wieder versiegelt habe ich das ganze mit einer Uhu-Polymerdichtmasse, Silikon geht auch, aber ich wollte keine komplette Patrone anbrechen für die paar Gramm.

Fazit: Knapp zwei Stunden Arbeitszeit und ein paar Cent für das Dichtmaterial, und das ABS geht wieder.

Wer das öfter macht, braucht sicherlich nicht mehr als eine Stunde. Insofern haben Firmen wie diese eine ganz interessante Marge ... gut, Marktwirtschaft eben, außerdem muß man als gewerblicher Anbieter Gewährleistung geben, insofern liegt mir da jede Kritik fern.

502 weitere Antworten
Ähnliche Themen
502 Antworten
Themenstarteram 18. Februar 2018 um 12:00

Ich schwanke noch. Ihr Wissenden, wie viele verschiedene Varianten gibt es denn nun zwischen MJ 1996 und 2000? Ich kenne bislang:

* nur ABS, 6 Spulen

* ABS+TRACS, 8 Spulen

Es gibt aber offenbar auch Varianten mit 7, 9 und 10 Spulen, siehe https://www.google.de/search?...

Einige davon könnten natürlich für andere/spätere Volvos sein.

am 18. Februar 2018 um 21:10

Zitat:

@bukowski3008 schrieb am 17. Februar 2018 um 08:00:51 Uhr:

Ich nehme an, dass dann kein Interesse mehr an dem Gerät besteht?

@ 10rokoko: Kannst Du das Ding als Deckellieferant gebrauchen?

Also den Deckel könnte ich gut gebrauchen, der müsste passen. Ich will aber auch nicht dem Forengerät im Wege stehen, falls es dazu bestimmt werden soll :)

Meins hat übrigens Tracs und 7 Spulen. MJ97.

LG und danke schonmal!

Dann will ich auch mal meinen Senf dazu geben :)

Heute das Steuergerät vom kleinen Elch nachgelötet, der hatte schon seit längerem sporadischen Ausfall von Tacho und ABS.

Geöffnet habe ich das Steuergerät mit nem Fein Multimaster, das funktioniert sehr gut! Ich werde aber noch mal ausprobieren ob man den Deckel nicht mit einem Heißluftfön und breitem Keil oä öffnen kann. Es ist ja scheinbar eine Dauerelastische Dichtung. Die Lötstellen der Spannungsversorgung waren gerissen, das sah man sofort. Auch einige vom Mehrfachstecker.

Der größte Aufwand ist, wie hier auch schon mehrfach beschrieben, das öffnen des Gehäuses.

C7c11e83-e952-4bd3-9124-b30edf5e3d6e
800d8fef-249b-49df-8eb5-bd3b48a8f7e5
Bca56ebc-b844-46c7-8606-3bba1be610b6
+2

Das mit dem Föhn sollte man an einem abgeschriebenem Stg machen. Wenns schief geht dann egal. Ja würde mich auch interessieren ob man die verklebte Nut/Feder sauber trennen kann.

Das Problem ist nur, Ein ungeöffnetes Steuergerät zu finden welches nachweislich Schrott ist. Meistens sieht man erst nach dem öffnen ob es reparabel ist oder Kernschrott. Ich habe einen Temperatureinstellbaren HF mit ner kleinen Düse, wenn man die Hitze nur auf den äußeren Rand gibt, könnte es funktionieren.

BTW, die Platine hatte keinen Schutzfilm drauf

Bei meinem 70 I Bj 97 war das richtig dick und ging nur in kleinen Fetzen ab. Echte Popelarbeit.

Themenstarteram 14. Mai 2018 um 12:56

Fön oder Heißluftgerät wird nichts bringen. Die originale Versiegelung ist silikonbasiert und wird bei Wärme nicht schmelzen, nicht weich werden und sich auch nicht vom Untergrund lösen.

Zumindest nicht bei den Temperaturen, bei denen der Rest heil bleibt. :cool:

Trial and error...oder Versuch macht kluch :D

Es muss einfach eine Lösung geben, den Deckel sauber abzunehmen.

Benzin

Wenns Silikonbsiert ist könnte man Silikonlösemittel mit einer Spritze mittels Injektionsnadel versuchen. Nur habe ich die Befürchtung, dass das ganze länger dauert als die mechanische Lösung.

Ich gebs ja zu, habe auch gerne wenn sich so ein Problem elegant lösen lässt.

Themenstarteram 15. Mai 2018 um 10:53

Und letztendlich können Reste von Lösemitteln auch das Neuversiegeln erschweren.

Glaubt mir bitte, dass ich bei mittlerweile 23 reparierten ABS-Steuergeräten bereits intensiv über Alternativen nachgedacht habe. :cool: Aber noch keine gefunden habe. Ich öffne die Deckel nach wie vor rein mechanisch. Ja, es ist der aufwendigste Teil der gesamten Reparatur.

Ich mach das mit Dremel und Flexscheibe.

Ich habe es ja mit einem Fein Multimaster geöffnet, sauberer Schnitt und ging sehr schnell. Ich hab da aber so einen Tick..ich mag es wenn man nach der Reparatur nichts mehr davon sieht, also as good as new sozusagen.

Ich versuche es weiter :)

Zitat:

@Erwachsener schrieb am 15. Mai 2018 um 12:53:43 Uhr:

Glaubt mir bitte, dass ich bei mittlerweile 23 reparierten ABS-Steuergeräten bereits intensiv über Alternativen nachgedacht habe.

Alternative, ist aber nicht günstig. Da sollte man ja dann auch mal nach Gewährleistug fragen

für 75€ löte ich lieber selbst. Ich möchte behaupten, mit etwas Erfahrung ist die ganze Sache mit ein und Ausbau in etwas mehr als einer Stunde getan.Wobei es dabei auch auf den Kleber und dessen Aushärtezeit ankommt.

Deine Antwort
Ähnliche Themen