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„Ich glaube, das Design ist das Wichtigste.“ – Teil 3 des Interviews mit Jürgen Stackmann

Teil 3 des Expertenchats mit SEAT-Boss Jürgen Stackmann widmet sich Fragen zum Design und der Ausstattung bei SEAT. Gibt es eine einheitliche Designsprache und Markenidentität, wie vernetzt man sein Handy mit dem Auto und warum funktionieren Konfiguratoren in verschiedenen Ländern unterschiedlich? Die Fragen stellte die MOTOR-TALK-Community vorab und während des Chats. Der Chat wurde per Videostream übertragen.

Sabine: Ich habe hier eine Frage von Tisty: Er findet die aktuelle Modellpalette sehr schön, nicht aber das Logo. Er fragt, ob es Pläne für ein neues Logo gibt?

Jürgen Stackmann: Es ist wie immer glaube ich, wenn man Logos beurteilt, eine persönliche Meinung. Wir haben das Logo überarbeitet, als wir den Leon auf den Markt gebracht haben und setzten das Leon-Logo, das SEAT-Logo jetzt weltweit sehr konsequent um. Wir finden es sehr schön präzise. Genau wie unsere Fahrzeuge. Es hat einen sehr schönen Charakter. Wir glauben, es passt gut zur Marke, es ist auch sehr gut zukunftsfähig. Es ist simpler geworden, wenn man sich die Logo-Entwicklung der letzten Jahre anschaut, haben wir das sehr stark reduziert und wir sind doch der Meinung, dass es für uns und für die nächsten Jahre der richtige Leuchtturm ist. Es gibt keinen Plan es zu verändern, wir finden es sehr schön.

Schießscharten als Fenster - Design und Aerodynamik

Constantin: karltimmer möchte wissen, wie das mit dem Design der Fenster aussieht. Bis vor einigen Jahren war es ja so, dass man eine recht gute Rundumsicht hatte. Die Fenster werden kleiner, zu „Schießscharten“. Liegt das daran, dass man das wirklich für das Design braucht, oder möchte man damit auch die elektronischen Helfer besser verkaufen, wie Rückkamera und Parkpiepser?

Jürgen Stackmann: Das ist eher nicht der Fall. Wir machen sicher nicht Autos bewusst schlecht, damit wir die Rückfahrkamera besser verkaufen. Ich glaube, wenn man sich das Hauptmodell unserer Familie anschaut, den Leon, der hat eine hervorragende Rundumsicht.

Es hat sich in der Aerodynamik der Fahrzeuge viel verändert. Wenn man so 20 Jahre zurückblickt, vermisst man diese eher pagodenhaften, sehr dünnen Säulen. Diese sind heutzutage aus Sicherheitsgesichtspunkten gar nicht mehr umsetzbar. Sie brauchen ja Crashsicherheit im Fahrzeug. Deswegen werden einige Bestandteile einfach dicker, als sie vor 20 Jahren noch gewesen sind.

Aber ganz klares Konstruktionsziel ist eine saubere Rundumsicht, das wird es immer bleiben. Letztlich ist es immer der Kompromiss, den die Designer mit den Ergonomen und den Sicherheitsleuten gehen, um ein Fahrzeugkonzept sinnvoll nutzbar zu machen und trotzdem eine sehr schöne Markenhandschrift und ein Design zu finden.

Constantin: Also nicht unbedingt funktionell, aber ein bisschen Design muss mit drin sein?

Jürgen Stackmann: Ja, ein Fahrzeug, das nicht wirklich funktionell ist, ist nicht auf Dauer verkaufbar. Wir machen ja viel Arbeit mit dem Kunden im Entwicklungsprozess, schauen uns an, wie unsere Fahrzeuge performen. Und ich glaube, wir haben einen sehr schönen Weg gefunden, genau diesen Grad zu finden - zwischen Design, den Sicherheitsvoraussetzungen und eben auch der Praktikabilität im Fahrverhalten.

SEATs Designsprache und wie sich Käufer in Autos verlieben

Sabine: Bleiben wir beim Design. Die Frage kommt von VT74BB. Er möchte wissen, was Sie über eine Designsprache im unteren und mittleren Preissegment denken. Ist das quasi unnötiger „Schnickschnack“, ist das Luxus, oder ist es eine Chance, sich zu profilieren? Er schreibt auch, dass ja Ford mit dem Mustang zurzeit viel Wirbel macht und dass auch Opel eine kreative Strategie hat. Wie sieht denn die Strategie von SEAT da aus?

Jürgen Stackmann: Wir haben für die Marke SEAT eine ganz klare Design-DNA formuliert, die völlig unabhängig von den Segmenten funktionieren muss. Wir glauben daran, dass wir eine Familiensprache brauchen, da erkennt man immer den Zusammenhang in der großen Familie. Es gibt einen großen Wiedererkennungsbereich, trotzdem hat jedes einzelne Familienmitglied einen eigenen Charakter. Es geht also nicht darum, immer gleich zu sein, aber doch wollen wir die Marke SEAT sehr stark mit einem festen Charakter verbinden.

Die Designsprache ist für uns nicht zwingend segmentabhängig, sondern sollte segmentunabhängig im Grundsatz funktionieren können. Wir beschäftigen uns mit einem Mii genauso wie mit einem SEAT Leon, genauso wie mit einem Modell, das zukünftig kommen wird. Für uns ist die Designsprache das A und O im Autobau. Marken differenzieren sich vor Kunde sehr stark über das Fahrzeugdesign. Es muss schlüssig sein, es muss eine klare Sprache sprechen und es muss in einem kleinen Fahrzeug genauso gut aussehen und umgesetzt sein, wie in einem größeren.

Design ist das A und O

Sabine: Kann man das vielleicht auch in Zahlen fassen? Sie sind ja auch Marketingexperte. Wie wichtig ist Design beim Fahrzeugkauf?

Jürgen Stackmann: Ich glaube, das Design ist das Wichtigste. Ein Kunde verliebt sich eigentlich immer über das Design in ein Auto. Natürlich spielen rationale Beweggründe wie Verbrauch, wie Preis-Leistungs-Verhältnis eine große Rolle im Kauf. Trotzdem ist es weiterhin so, dass sich unsere Kunden zuerst einmal in ein Fahrzeug verlieben müssen. Das Design ist für mich ganz klar der Schlüssel zum Erfolg. Es ist sicherlich für die nächsten Jahre auch unsere Schlüsselaufgabe, die Marke SEAT durch eine klare Designsprache zu profilieren. Wir haben mit dem SEAT Leon die Grundformel für die Sprache gefunden und die gilt es jetzt sehr konsequent zu übertragen.

Sabine: Ich habe noch eine Frage zum Design. Unser Nutzer „X-Point“ fragt: Warum haben Skoda und SEAT ein so ähnliches Design? Die SEAT-Studie IBL oder der VenteVente, den Sie gerade in Genf gezeigt haben, könnten auch ein Skoda sein. Warum ist das so?

Jürgen Stackmann: (lacht) Gut, da habe ich eine völlig andere Meinung. Aber Meinungen sind frei. Der IBL ist 2011 in Frankfurt als eine Studie für die Fortentwicklung der Designsprache einer möglichen Limousine aus dem Hause SEAT gezeigt worden. Daraus ist im weiteren Verlauf dann der Toledo geworden. Einen IBL haben wir als Fahrzeug ja so nie übersetzt, weil wir natürlich für die Vertriebsregion in unserem Kernland, in Europa, eigentlich für uns keinen großen Limousinenmarkt mehr sehen.

Die Europäer, also die sogenannten Volumenmarken, haben sich aus diesem Markt weitestgehend verabschiedet. Der Markt geht nach Westen, also nach Amerika oder nach Osten, nach China. Die Studie VenteVente, die wir in Genf gezeigt haben, spricht 100 % Design-DNA von SEAT. Ich weiß nicht, wo der Kollege Skoda darin gesehen hat, aber alles, was wir umsetzen können und wollen, diese wunderschöne zeitlose Handschrift im Blech, diese sportliche Spannung haben wir in den VenteVente eingebracht. Er verkörpert eigentlich zu 100 % die Markensprache für die Zukunft. Diesen Weg wollen wir gehen und wenn Sie die Fahrzeuge nebeneinander sehen, haben diese wirklich nichts miteinander zu tun.

Infotainmentsysteme und Vernetzung mit dem Handy oder Tablet

Constantin: Wichtig ist für viele Kunden auch ein gutes Infotainmentsystem. Unser Nutzer „golffreiburg“ möchte wissen, wie die Zukunft bei SEAT mit Apple Carplay und Google Auto aussieht, inwiefern werden Systeme da implementiert?

Jürgen Stackmann: Ja, vielleicht hat die Community auf MOTOR-TALK das mitbekommen, wir haben vor ein paar Tagen auf dem World-Mobile-Kongress in Barcelona eine Kooperation mit Samsung angekündigt. Die läuft im Hintergrund schon seit einigen Monaten und wir werden noch in diesem Jahre zu der Frage eine klare Antwort geben können. Unsere Kunden möchten die Verbindung zwischen ihrem Smartphone und damit ihrem Leben, auf ihrem Smartphone ist ja alles drauf, woran sie sich gewöhnt haben, was man liebt und schätzt.

Diese Verbindung in das Auto soll so einfach wie möglich gestaltet sein. Und so sicher wie möglich. Wir müssen dafür sorgen, dass die Kunden sich im Verkehr auch konzentrieren können und nicht irgendwie rumdaddeln mit ihren Phones. Und da haben wir gerade mit Samsung einen sehr guten Partner, um die Schnittstellen mit dem Smartphone, dem Leben auf dem Smartphone und unserer Welt sauber zu gestalten.

Ich glaube, dass wir in diesem Jahr bereits mit mehreren Neuigkeiten aufwarten werden, ich kann es heute hier live leider noch nicht verkünden. Das wäre einen Tick zu früh. Aber vieles von dem, was in der Frage steckt, wird sich in den nächsten Monaten erledigen.

Constantin: Einer unserer Nutzer schaut derzeit ein wenig neidisch nach Österreich, der Leon Cupra ST ist dort schon konfigurierbar. Er sagt in Deutschland funktioniert dass noch nicht, und selbst wenn er den kleinen Cupra konfigurieren möchte, gibt es da ein paar Zusammenstellungen, die sich gegenseitig ausschließen. Zum Beispiel das „Nürburgring-Paket“ und das große Navigationssystem. Woran liegt das, dass uns die Österreicher etwas voraus sind?

Konfiguratoren sind länderabhängig

Jürgen Stackmann: Da kann ich im Detail jetzt gar nichts zu sagen, vielleicht ein wenig allgemein zum Konfigurator: Wir haben seit Genf, seit genau einer Woche einen komplett neuen Konfigurator in der Gruppe eingeführt. Ich würde den Nutzer darum bitten, ob er vielleicht heute Abend noch einmal guckt, ob es noch Probleme gibt. Das sollte natürlich nicht so sein. Der Konfigurator ist vor allem multiscreenfähig, sie können also auch mobil mit dem Smartphone reingehen und dort konfigurieren.

Die Märkte untereinander haben immer eine Landeshoheit, welche Kombinationen sie zulassen wollen. In den Märkten, in denen der Cupra im Verkaufsmix vielleicht nicht die große Rolle spielt, werden wir ein anderes System anbieten, als in einem Markt, in dem es eine große Rolle spielt. Die Schweiz ist z.B. einer der Performance-Träger für das Thema Cupra.

Wenn der Nutzer wirklich die Kombinatorik sucht – einen 265-PS-Cupra mit allem Klimbim zu bestellen, ist er besser bedient, wenn er den 280er nimmt. 98 % unserer Kunden nehmen den, und wenn man dann auch Performance-Packs bestellen will, macht es wirklich Sinn, den kompletten Cupra zu bestellen.

Constantin: Ich glaube, hier ging es auch um die kleine Karosserieform und nicht um die Leistung.

Jürgen Stackmann: Ach den SC, den Dreitürer. Dazu kann ich jetzt nichts sagen. An sich ist vom Grundsatz her ist jede Kombinatorik möglich, teilweise liegt es in der Hoheit der einzelnen Märkte, welche Kombinatoriken sie sinnvoller anbieten, um z. B. Lagerhaltung zu vereinfachen und Bestellsysteme zu erleichtern.

Constantin: Ich würde noch einmal ganz gerne in die Technik gehen. Unser Nutzer nrwfrank möchte über die kleinen Mängel, reden die sich einschleichen. Im Internet ist oft zu lesen, dass es an kleinen Teilen liegt, bei denen eine bessere Version nur wenig teurer wäre. Unser Nutzer sagt, viele Käufer wären wahrscheinlich bereit, den Aufpreis zu bezahlen, wenn dafür die Teile länger halten. Warum nimmt man nicht die nächsthöhere Qualitätsstufe bei besonders wichtigen Teilen die unterm Strich dann irgendwann aussteigen?

Jürgen Stackmann: Also das unterstellt ja, dass wir absichtlich Abstriche bei der Qualität machen würden. Ich bin jetzt seit zwei Jahren für die Marke zuständig und ich muss sagen, wir gehen wirklich in jedes Detail im Auto rein, gerade wenn es in der Entstehungsphase ist. Das Commitment der Marke SEAT und auch des Konzerns ist extrem hoch.

Wir stecken eine unglaubliche Energie in das Testing von jeder Schraube und jedem Kleinstteil, damit es wirklich lange hält. In Dauertests, in Qualitätsstudien in Kundenzufriedenheitsstudien wird gezeigt, dass dies von den Kunden auch so widergespiegelt wird.

Wir gehören inzwischen mit der Marke SEAT wahrscheinlich zu den besten Marken im Bereich Qualität und auch der höchsten Kundenzufriedenheit. Wir investieren wirklich sehr konsequent in die Qualität unserer Teile. Das heißt nicht, dass nicht irgendwann einmal nicht etwas kaputt gehen kann. Unsere Produkte bewegen sich, unsere Produkte sind der Hitze und Kälte ausgesetzt, die fahren über Rüttelstrecken - das sind ja keine Kaffeemaschinen. Unsere Produkte sind unter extremen Belastungen unterwegs.

Ich kann Ihnen versichern, dass wir im Bereich der Qualität nicht sparen, obwohl natürlich der Druck extrem ist, den Kunden ein Paket anzubieten, das er sich leisten kann. Aber dafür sind wir ja da, dafür beschäftigen wir echte Profis, dafür haben wir 1.000 Ingenieure an Bord, dafür beschäftigen wir uns mit unseren Zulieferern, um das Optimum an Qualität zu einem leistbaren Preis anbieten zu können. Ich kann Ihnen nur versichern, ich wundere mich manchmal, dass man meint, wir würden etwas einsparen. Das ist natürlich nicht der Fall. Wir investieren mit Nachdruck und Nachhaltigkeit in die Qualität für den Kunden.

Verlängerte Garantie vs. verbesserte Qualität

Sabine: Bleiben wir beim Thema Qualität. Warum bieten Sie keine 5- bis 7-jährige Garantie an, wie das Wettbewerber von Ihnen machen? (Frage von Lightspeed)

Jürgen Stackmann: Die Frage kann ich wieder nachvollziehen, aber man muss sagen, es ist natürlich die Strategie nicht mancher, sondern zweier Wettbewerber am Markt, die das eingeführt haben, als viele Kunden Fragezeichen in den Augen hatten, ob diese Autos auch etwas taugen, auf gutdeutsch. Und die Garantie sollte ein wenig das Risiko nehmen, so ein Auto zu kaufen. Wir konzentrieren uns auf die Qualität am Markt.

Wir sehen, dass unsere Fahrzeuge hervorragend performen, jetzt stehen wir kurz vor dem Abschluss unseres ersten 200.000-km-Tests mit einer Redaktion. Das Ergebnis wird sicher sehr sehr gut sein. Wir sehen auch an unseren langfristigen Trends im Bereich Garantiekosten, dass unsere Produkte immer besser werden. Wir sind der festen Überzeugung, wir brauchen so etwas nicht. Wir richten uns am Wettbewerbsumfeld aus und nicht an zwei anderen Wettbewerbern, die es glaube ich aus anderen Gründen gemacht haben – einfach um den Kunden das Risiko zu nehmen, dass sie Fehler machen. Das brauchen wir nicht.

Hier geht es zu Teil 1 SEATs Modellstrategie, Teil 2 Alternative Antriebe und Teil 4 Potenziale im Unternehmen des Expertenchats mit SEAT.

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