Einen McLaren in Silverstone zu fahren fühlt sich für Petrolheads an wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Zwei MOTOR-TALKer konnten die Supersportwagen McLaren 570GT und 570S in England erleben. Auf der Landstraße und der berühmten Rennstrecke.
Zwei MOTOR-TALKer in SilverstoneSilverstone, DIE Rennstrecke in Großbritannien, legendär seit den 50er-Jahren. Hier hat McLaren zum ausgiebigen Fahren eingeladen und die beiden MOTOR-TALKer Shrekmachine und 3lit3 durften mit dabei sein. „Als der Anruf kam, habe ich zuerst gar nicht kapiert, worum es geht“, sagt der 35-jährige 3lit3. Doch die Überraschung wich schnell der Vorfreude. Mit schnellen Autos kennt sich der IT-Leiter zwar aus, er fährt einen modifizierten Audi S5 Sportback mit 380 PS, aber einen Supersportwagen hatte er bis dahin auf der Rennstrecke noch nicht bewegt. Der 47-jährige IT-Manager Shrekmachine fährt einen Panamera GTS. Der macht schon ordentlich Dampf, „im Vergleich zum McLaren ist mein Porsche aber ein schweres Vieh“, sagt er. Blick hinter die Kulissen vom Technology Centre McLaren baut seit 1963 Rennwagen, eigene Sportwagen seit sieben Jahren. Die Geschichte des Gründers Bruce McLaren ist allgegenwärtig: Im Foyer parkt sein erstes Rennauto – das fuhr er mit 15 Jahren. Dahinter stehen 12 Rennwagen unter anderem von Fittipaldi, Lauda, Prost, Senna, Häkkinen, Räikkönen und Hamilton. „Spannend zu sehen, wie sich die Rennwagen in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben“, sagt Shrekmachine. Im Hintergrund surren Schlagschrauber. Ein paar Mitarbeiter wechseln in Dreier-Teams die Reifen eines aktuellen Formel 1-Renners. Mit der Stoppuhr, gegeneinander. Zeitvertreib in der Mittagspause eines F1-Teams. Rennwagen sind nur noch eine Sparte des Unternehmens. Bisher fühlten die sich Fahrzeuge von McLaren nur auf der Rennstrecke wohl – so extrem waren sie. Der neue 570GT kann nun auch Innenstadt, ist mehr Supersportwagen als Rennauto: Neben dem alltagstauglichen Kofferraum mit 370 Litern besitzt er sogar einen Schminkspiegel. Genau das richtige Fahrzeug, um von der Fabrik zum Hotel und am nächsten Morgen weiter zur Rennstrecke zu fahren. Die Scherentüren schwingen weit nach oben, geben einen kargen Innenraum frei. Ohne große Verrenkung lassen sich die MOTOR-TALKer in die schmalen, aber sehr bequemen Carbon-Sportsitze fallen. Ein Tipp auf den Startknopf und das TFT-Display zeigt die Betriebsbereitschaft. Der 3,8-Liter-V8-Biturbo im Rücken brüllt kurz auf. Der 570GT beschleunigt aus dem Stand auf 100 km/h in 3,4 Sekunden, die Spitze liegt bei 328 km/h. Die beiden MTler reizen das nicht aus. Die Landstraßen sind dafür zu schmal und löchrig. Die 570 PS verlocken zwar dazu, den Gasfuß durchzustrecken, nötigen beiden Fahrern allerdings Respekt ab. „Und dann auch noch mit einem Rechtslenker. Ne, ich warte auf die Rennstrecke“, sagt 3lit3. Keine schlechte Idee bei einem 195.350 Euro teuren Auto. Lieber genießt er den Sound, die Drehfreude und Agilität des Motors auf dem Weg zum Hotel. Der 570GT liegt gut auf der Straße, lässt sich präzise durch die Kurven scheuchen. Auch Shrekmachine will es nicht übertreiben, groovt sich mit dem Rechtslenker locker ein, genießt die Fahrt. „Das Ziel ist die Reise, nicht die Ankunft“, sagt er. Power ist das eine. Gewicht das andere: Das Carbon-Monocoque wiegt nur 75 Kilogramm, das ganze Auto leer knapp 1.350 Kilogramm. Zwecks Leichtbau setzen die Ingenieure auf superschmale Scheinwerfer und Rückleuchten. Ideal für den Einsatz auf der Rennstrecke. „Da gehört ein McLaren einfach hin“, sagt Shrekmachine. Ein Rennfahrer als persönlicher InstruktorAm nächsten Tag geht es nach dem Frühstück deshalb zur Rennstrecke. Endlich. Nach der Anmeldung folgen ein Fahrerbriefing, kurze Flaggenkunde und ein paar mahnende Worte des Guides. Mit den beiden MOTOR-TALKern sitzen noch rund 20 andere Petrolheads im Raum. Sie alle haben Kurse bei der Pure McLaren Performance Academy gebucht, Anfängerkurse (Dynamic Principals und Club Level), Aufbaukurse (Track Level) und Kurse für semi-professionelle Rennfahrer mit ihren Sprint-Fahrzeugen (Sprint Level). Für 3lit3 und Shrekmachine hat sich McLaren etwas Besonderes einfallen lassen: Sie bekommen einen eigenen Instruktor an die Hand, der sie den ganzen Tag begleitet. Zwei McLaren 570S stehen bereit, 570 PS stark, von 0 auf 100 km/h in 3,2 Sekunden, Spitze 328 km/h. Passt. Und da sind wir wieder bei Olivier. Der Rennfahrer, der sonst gern auf der Nordschleife bei der VLN Langstreckenmeisterschaft seine Runden dreht, erklärt 3lit3 zuerst den Rennstreckenverlauf, danach darf der MTler selbst sieben Runden fahren – bis seine Konzentration nachlässt, die Arme weich werden und das Shirt verschwitzt ist. Zeit für eine Pause – mit Debriefing, Telemetrie-Auswertung und vielen Tipps für den nächsten Stint. Er fährt noch zu vorsichtig. „Ich bremse zu früh und zu sanft, gebe zu sachte Gas. Außerdem soll ich weiter schauen. Das muss ich jetzt ändern“, sagt 3lit3. Gesagt, getan. Hotlaps mit dem ProfiAuf den anschließenden sieben Runden spult er schnelle Runden ab, trifft die Ideallinie stetig besser und zirkelt genauer durch die Kurven. „Naja, ein Profi bin ich noch lange nicht, aber ich weiß jetzt, dass Rennfahren sehr, sehr anstrengend ist“, sagt 3lit3. „Leistungsstarke Autos bauen andere Hersteller auch. Aber wie sich der 570S in den Kurven fährt, so direkt und agil, wie ein Go-Kart, das hätte ich nicht gedacht, der absolute Knaller“, sagt 3lit3. Auch Shrekmachine ist nach den insgesamt 17 Runden auf dem Silverstone Circuit platt. „Ich fand mich schon schnell, aber als ich zum Schluss noch eine Hotlap bei meinem Instruktor mitfahren konnte, habe ich gesehen, dass bei mir noch Luft nach oben ist“, grinst Shrekmachine. TECHNISCHE DATENMcLaren 570S Coupé
McLaren 570GT Coupé
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