Am 21.11.2014 um 13:00 war es soweit, meine Ankunft in Hannover zum Continental Event. Nach tagelanger Vorfreude und mehr als 500 km Fahrt war ich sehr gespannt was mich nun an diesem Wochenende erwarten würde. Bei meiner Ankunft am Parkplatz von Continental wurde ich von den Motor-Talkern freundlich begrüßt und Nico, der Leiter des Events Seitens Motor-Talk, übergab mir eine Geschenktüte, welche u.a. ein T-Shirt für das Wochenende beinhaltete. Nach kurzer Wartezeit am Parkplatz betraten wir das Continental-Gebäude und wurden dort schon mit Getränken und einem VIP-Pass für das Wochenende erwartet. Es folgten Begrüßungen und Vorträge der Verantwortlichen Seitens Continental für dieses Wochenende und ein Ingenieur der Reifen-Entwicklung gab uns einen Einblick in die Entwicklungsarbeit und das Fachwissen, mit welchem einer der führenden Premium-Reifen-Hersteller ständig neue Reifen entwickelt und produziert. Zum Abschluss der Vorträge gab es noch einen Snack, um für die darauf folgende Werksführung bestens gestärkt zu sein. Wir wurden durch diverse Labore geführt, in welchen an Gummimischungen getüftelt und optimiert wird. Es ist sehr erstaunlich, welchen Aufwand und welche Zeit es benötigt, bis aus dem CAD-Model eines Reifens ein fertiger Reifen wird, der dann die geforderten Fahrdynamischen Eigenschaften aufweist. Besonders eindrucksvoll war der Besuch in den Reifen Schnitzerei. Dort arbeiten speziell geschulte Mitarbeiter von Continental an Reifen-Rohlingen, welche nach 120 Stunden Handarbeit, einen fertigen Satz Reifen präsentieren können. Die Männer schnitzen mit Spezialwerkzeug und einer Genauigkeit von 0,2 mm das Profil eines Reifens, welches von Laien nicht von dem eines industriell erzeugten Reifens zu unterscheiden ist. Im Anschluss an die Werksführung standen die individuelle Fahrt zum Novotel Hotel und der Check-In auf dem Plan. Jeder hatte Zeit sein Zimmer zu beziehen und sich für das folgende Abendessen frisch zu machen. Das Abendessen im Restaurant „12 Apostel“ war einfach köstlich, denn es wurde ein 3 Gänge Menü serviert. Den Anfang machte eine italienische Vorspeisenplatte, gefolgt von Pizza und zum Ende gab es eine Dessertvariation, welche in „Traumschiff-Manier“ serviert wurde. Gut gestärkt und sehr zufrieden machte sich ein Teil der Motor-Talk-Gruppe auf den Weg zurück zum Hotel, auf direktem Weg an die Hotel-Bar. Dort wurde über Autos gefachsimpelt und es wirkte, als hätte man einen Forum-Chat ins real-life übertragen. Leider war für den folgenden Tag bereits 08:00 Uhr als Treffpunkt vereinbart worden, wodurch wir den Abend an der Hotel-Bar früher beenden mussten als wir wollten. Am Samstagmorgen trafen sich alle Beteiligten, nach ausgiebigem Frühstück im Hotel, am ADAC Fahrsicherheits-Zentrum in Laatzen, wo wir bereits vom Conti-Team erwartet wurden. Nach der Begrüßung folgten Einweisungen und Theorie zum Ablauf des Tages und der anstehenden Stationen. Insgesamt gab es 5 Stationen. Schmal vs. Breit (205 vs. 225, Continental WinterContact TS850) An der ersten Station wurde der Unterschied verdeutlicht, zwischen schmalen und breiten Winterreifen. Die weit verbreitete Meinung, Winterreifen möglichst schmal zu kaufen, ist nicht mehr zeitgemäß. Zum einen erzeugt eine größere Auflagefläche auch mehr Reibung und zum anderen haben Winterreifen, aufgrund Ihrer Gummimischung, einen höheren Bremsweg, welcher durch eine größere Auflagefläche wieder verringert werden kann.
Premium vs. Billig Wie der Name vermuten lässt, wurden hier minderwertige Reifen mit hochwertigen (TS850) verglichen. Leider lässt sich anhand des Preises eines Reifens meist nicht auf die Qualität schließen. Zwar wird kein Hersteller seinen besten Reifen zum Spottpreis verkaufen, jedoch der Umkehrschluss, teure Reifen wären somit automatisch besser ist absolut falsch. Bei dieser Station wurde eine Gefahrenbremsung in einer Kurve bei Glatteis gefahren. Mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten sind wir beide Reifentypen gefahren. Das Ergebnis ist absolut erstaunlich. Während in den niedrigen Geschwindigkeitsbereichen der Unterschied noch sehr gering ausfiel, sah das Ergebnis nach einer Steigerung um 10 km/h bereits ganz anders aus. Neu vs. 3mm Das neue Reifen besser sind als abgefahrene, ist vermutlich jedem Autofahrer klar, dass jedoch der Bremsweg bei Winterverhältnissen so viel länger ist, glaubt man kaum. Hier wurde mit den beiden Profiltiefen auf eine gerade, glatte Strecke gefahren und eine Gefahrenbremsung durchgeführt. Die Aufgabe war es, frühzeitig zu bremsen, um die Markierung nicht zu überfahren, was beim ersten Durchgang nahezu niemandem gelang. Glaubte man seinen „Bremspunkt“ dann zu kennen, wurde die Profiltiefe gewechselt und das Spiel begann von neuem. TPMS (tire pressure monitoring system) An dieser Station wurden die Reifendrücke verändert, bzw. ganz ohne Druck in einem Reifen gefahren und mit dem Fahrverhalten verglichen. Auch hier waren die Ergebnisse erstaunlich. UHP (Ultra High Performance) Die letzte Station war zwar die kürzeste, aber auch die schnellste von allen. In einem Audi TTRS wurde uns demonstriert, welche Kurvengeschwindigkeiten mit dem TS850P möglich sind und da ein Profi am Steuer des Fahrzeug saß, wurde dieser Effekt besonders deutlich. Gegen 16:00 Uhr war die Veranstaltung zu Ende und wir wurden Verabschiedet durch das Team von Continental.
Es waren zwei sehr eindrucksvolle Tage und ich danke Continental für das Erlebnis und Erfahrungen die ich in den beiden Tagen sammeln durfte. Ebenfalls möchte ich mich bei den Organisatoren von Motor Talk bedanken. Zum einen für euer Engagement, dass jeder der Teilnehmer rundum zufrieden ist und zum anderen für eure Arbeit, welche ihr täglich im Forum leistet. |

Toller Bericht, hat mir sehr gut gefallen.
Auch gut geschrieben , das man fast glaubt dabei gewesen zu sein .
Danke dafür !
Der Beitrag ist sehr anschaulich und lch kann mir vorstellen, dass es sehr interessant ist hinter die Kulissen zu schauen. Was gute Bereifung zu leisten im Stande ist, finde ich erstaunlich.
Auch von meiner Seite herzlichen Dank. Als ehemaliger Mitarbeiter von "auto motor und sport" hätte ich solch eine Veranstaltung auch sehr gerne mitgemacht. Läßt sich das ev. mal wiederholen? Continental wäre ja nicht schlecht beraten. Ich würde mich jetzt auf jeden Fall schon mal anmelden!
Herzlichen Dank an Tobiasgsa, Du hast die seltene Gabe, Alles genau auf den Punkt zu bringen,
Ohne Dich zu "verzetteln". Somit konnte man Dein "Erlebtes", nachvollziehen, ohne dabei gewesen zu sein. Du hast wohl viel dazugelernt und dabei auch Dein "Späßchen" gehabt und wir mit Dir.
Gruss aus B..............
Zunächst einmal "frohes neues Jahr" ins Land.
Vielen herzlichen Dank, für diesen umfassenden und vorzüglich abgefassten Bericht.
Du hast es geschafft, dass ich es außerordentlich bereue, von diesem Gewinn zurückgetreten zu sein. Naja, ich hatte aus beruflichen Gründen jedoch kaum die Wahl.
Du schreibst unter dem Punkt:
"Schmal vs. Breit (205 vs. 225, Continental WinterContact TS850)"
...Die weit verbreitete Meinung, Winterreifen möglichst schmal zu kaufen, ist nicht mehr zeitgemäß. Zum einen erzeugt eine größere Auflagefläche auch mehr Reibung ...
Hier hätte ich die Profis von Conti gerne gefragt, warum sie davon ausgehen können, dass eine größere Aufstandsfläche automatisch zu einer höheren Reibung führt. Denn schließlich haben wir alle im Physikunterricht gelernt, dass sich Reibung, und hier möchte ich einmal vorrangig von Haftreibung ausgehen, obgleich Gleitreibung bei Winterreifen nicht ganz von der hand zu weisen sein dürfte, sich über das Produkt von Reibungskoeffizient und Normalkraft definiert. In den Versuchen im Physiksaal war es stehts unerheblich, ob der zu ziehende Klotz mit seiner größten oder kleinsten Fläche auf dem Sandpapier lag. Schließlich verringert sich bei gleichbleibender Masse ja der Anpressdruck je Flächeneinheit, wenn die Fläche, auf die der Druck wirkt, vergrößert wirkt. Auf Reibungswinkel, Reibkegel, Tangentialkraft etc. will ich hier gar nicht erst eingehen.
Haben die Profis dazu etwas gesagt?
Mich freut es, dass Dir die Veranstaltung so gut gefallen hat. Schade, dass ich nicht mitfahren konnte.
Eines noch tobiasgsa, schreibe bitte so weiter. Sehr lesenswert, Dein Bericht. Top.
Gruß,
Jag-Man
Zunächst auch von mir ein "frohes neues Jahr und allzeit gute Fahrt".
Es ist wirklich schon eine Gabe so anschaulich ein Erlebnis zu schildern. Vielen Dank dafür.
Man kann über das Internet sagen was man will, aber hier zeigt es sich von der allerbesten Seite.
Ein Forum wie Motor Talk, die Industrie (hier Continental) zusammen mit Autofahrern (die auch noch tolle Berichte schreiben können) verbreiten so viele tolle Tipps, Berichte, Anleitungen zur Reparatur usw. einfach toll.
Bitte macht alle weiter so. Danke!
MBAEFAN
Das will uns der ADAC auch immer weismachen. Fakt ist, selbst ein Reifen mit nur 1,6 mm Profil kommt im Trocknen eher zum Stehen als als nagelneuer. Bei 2 Situationen trfft das Gegenteil ein: im strömenden Regen und auf Schnee.
Dass breite Reifen heute besser sind als schmale dürfte am ehesten am deutlich gestiegenen Gewicht der Fahrzeuge liegen.
Wer Chinchangchong-Reifen kauft ist auch selbst Schuld und hat es nicht anders verdient. Der Preis ist schon ein ganz guter Indikator für Qualität, wenn auch nicht alles.