• Online: 5.847

MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

veni vidi vega

Mit einem Fiesta fing alles an, seitdem habe ich alle möglichen Autos sämtlicher Typen hier behandelt.

09.08.2018 01:59    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: Sonstiges

Heute mal ein anderes Thema.. oder nicht ganz anders, es hat sicherlich der ein oder andere bemerkt, dass ich meinen Horizont stark in Richtung Japan verändert habe.

 

 

Wer kennt ihn nicht, den Begriff der Reisschüssel? Oft abwertend, manchmal ironisch, aber selten ein Kompliment.

Meist bezog sich das Wort auf Modelle der 80er, aber die typisch alten Japan-Tugenden repräsentieren am besten die Modelle von 1992-1998. Das wären:

volle Ausstattung

große Karosserie

niedriger Preis

hohe Zuverlässigkeit

geringer Preis

schlichtes, uninspiriertes Design

ultimative Kombination aus Plüsch und Plastik.

 

Am ehesten bringen das die Biodesign-Modelle auf die Spitze, die immerhin auch wie Schüsseln aussehen. Dank Airbag und ABS halbwegs sicher, aber schon im Youngtimer-Alter.

 

 

TOYOTA CARINA

 

Gerade Toyota hat den Ruf der unbedingten Zuverlässigkeit. Der Avensis-Vorgänger hat diesen Ruf neben dem Corolla begründet - noch heute sieht man vereinzelt Exemplare, die selbst im verlebten Zustand noch mit frischer Plakette durch die Gegend fahren, als wären sie gerade vom Band gerollt.

EIn Vorteil ist die Karosserievielfalt - Limousine, Fließheck und Kombi waren zwischen 1992 und 1997 erhältlich.

Die Modelle wurden explizit für Europa entwickelt und in Großbritannien gefertigt. Das tut der schlichten, aber sehr sauberen Konstruktion keinen Abbruch. Zum betont sachlichen und gebrauchsorientierten Auftritt passt die Motorenpalette mit einer Spanne von 1,6 bis 2 Litern. Die kleinen Motoren gelten als am Haltbarsten und verbrauchen überraschend wenig - 7 Liter sind für die meisten Fahrer ohne Schleichtempo im Durchschnitt machbar. Mit 60 Litern Tankvolumen dauert es eine Weile, bis dem Carina mit den damals neuen Magermix-Motoren der Saft ausgeht. Ein Defekt stoppt ihn auch nur sehr selten, mitte der 90er war er der Musterknabe in der Pannenstatistik.

 

Schwachstellen hat er kaum. Rost ist selten, Kühler lecken mal, Schlüssel klemmen und Fahrwerksbuchsen sind ausgeschlagen. Dafür, dass die jüngsten Exemplare auch schon über 20 Jahre alt sind, eine beeindruckende Vorstellung.

 

Wie fährt er sich? So wie er aussieht. Angenehm und langweilig. Innen dominiert gut verarbeitetes , robustes Hartplastik, das Fahrverhalten ist untersteuernd, ohne sportliche Ambitionen zu zeigen. Also der ideale Gebrauchsgegenstand. So sieht es auch auf dem Gebrauchtmarkt aus, wo Fahrzeuge mit kleinen Motoren zu finden sind. Meist ist es dann auch die Basis, aber bereits die hat Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber.

 

Nach dem Carina dreht sich damals wie heute niemand um. Höchstens der Besitzer, der ihm nach vielen problemlosen Fahrten ab und zu mal einen anerkennenden Blick zuwirft, weil er treu seinem Herren dient.

 

Für wen ist er eine gute Wahl?

Sparfüchse ohne emotionale Ansprüche sind in einem Carina 1.8 Kombi gut bedient. Er ist kein Facility Manager, sondern Hausmeister. Vielleicht etwas einfach, aber bodenständig, verlässlich und kompetent.

 

 

MAZDA 626

 

Er verkörpert für mich die ultimativste Reisschüssel aller Zeiten. Sein Design ist so rundgelutscht wie es sich nur Mazda getraut hat, sein Interieur ist die schlimmste Plastikwüste der Kandidaten und er legt mit japanischen Schrulligkeiten á la Heizungs-Schieberegler noch einen drauf. Seine mechanische Zuverlässigkeit (bis auf die Automatik) kann mit dem Toyota mithalten und ist so legendär wie seine Rostanfälligkeit.

 

Sein Problem war, dass der ultrabiedere Vorgänger von Kunden gekauft wurde, die teils noch konservativer waren als die des Toyota Carina. Er wurde geschmäht und gilt als das schwarze Schaf der 626-Reihe. Damit traf ihn der gefürchtete Scorpio-Effekt - er verschreckte die Stammkunden mit seinem progressiven Äußeren, dass auch noch in das Interieur übertragen wurde. Auch die um ca. 4500 DM. gestiegenen Preise gefielen nicht jedem. Von 1992-1997 gab es ihn als Stufenheck und Fließheck. Der Vorgänger blieb als Kombi im Programm.

Motorisch war vom 1.9i mit 90 PS bis zum 2.5 V6 alles dabei. Der Basismotor gilt als zu schwach. Fahrwerk und Lenkung sind auf Komfort ausgelegt, die Ausstattung zählt zu dem Komplettesten, was es damals in der Klasse gab. 100% Reisschüssel eben.

 

Für wen ist er eine gute Wahl?

Besonders das Fließheck mit integriertem Spoiler ist optisch einzigartig. Obwohl die klassische Reisschüssel einen beschedenen Vierzylinder hat, kann man beim außergewöhnlichen 626 ruhig in die Vollen greifen. Ein V6 mit Lederausstattung und Vierradlenkung sticht aus der Masse hervor.

 

 

MITSUBISHI GALANT

 

Der Galant ist selten, da er nur von 1993 bis 1996 gebaut wurde - dass die sportlicher designten Vorgänger und Nachfolger sehr erfolgreich waren, verbessert seinen Wiedererkennungswert auch nicht gerade. Das tut seinen Qualitäten aber keinen Abbruch. Gegenüber dem Vorgänger ist die Elektronik ausgereifter, gegenüber dem Nachfolger die Rostresistenz deutlich besser.

Zur Reisschüssel qualifiziert ihn auch das Interieur - die graue Wüste kann mit dem Mazda mithalten, dazu gibt's das obligatorische, plüschige Velours. Schieberegler gibt es hier nicht, dafür aber den schrulligen Plastikfaltenbalg als Schaltsack, ein Überbleibsel der 80er. Doch auch hier gibt die Verarbeitung keinen Anlass für Tadel.

 

Das Basismodell 1.8 GLi fällt hinsichtlich der opulenten Ausstattungsorgien in Reisschüsseln etwas ab, so muss hier noch an den Fenstern gekurbelt werden. Dafür bietet der Galant viel Luft nach oben. Vom 1,8 mit bereits guten 126 PS bis zum 2.5 V6 mit 170 PS ist alles dabei.

 

Was zeichnet den Galant aus? Der Name ist Programm. Nicht nur, dass auch er die Werkstatt nur äußerst selten sieht, er ist auch das Fahrerauto der vorgestellten Reisschüsseln. Stabile Straßenlage, sauberer Geradeauslauf, guter Federungskomfort (da haperte es früher gern bei den Japanern), aber wenig Seitenneigung und spaßiges Kurvenverhalten - der Galant ist ein angenehmer Gleiter. Dazu passt natürlich der V6 ideal, auch wenn die Vierzylinder bereits gute Werte abliefern.

 

Für wen ist er eine gute Wahl?

Wer Fahrspaß sucht, auf Ausstattung Wert legt und dafür wenig zahlen möchte ist mit dem E50 gut bedient. Wer gleiten und genießen will, nimmt den V6. Für den Alltag ist der 2.0 GLSi die beste Wahl. Er ist nicht wesentlich langsamer als der V6, aber deutlich wirtschaftlicher zu bewegen.

 

 

HONDA ACCORD

 

Wie bei Mitsubishi passt der Name: Der Wagen gilt als Akkord-Arbeiter. Der Accord CE9 wurde von 1993 bis 1997 angeboten und erinnert formal an den 626, wenn auch nicht ganz so konsequent rund und eierig. Die Aerodynamik ist erstklassig, so ist allerdings auch die Front mit winzigem Kühlergrill gewöhnungsbedürftig - im Stadtverkehr sieht man diese Wagen oft mit laufendem Lüfter. Ein Facelift zum Modelljahr 1996 änderte dies ein wenig und sorgte für ein gefälligeres Design. Den Accord gab es weltweit in diversen Ausführungen, der europäische Accord basierte auf dem Honda Ascot aus Japan.

Gebaut wurde er wie der Toyota in GB als Stufenhecklimousine. Der Kombi ist wiederum ein "echter" Accord aus den USA und kein Ascot, daher passt nicht viel untereinander.

In der Limousine gab es zu Beginn zwei Benziner mit 2 oder 2,3 Litern - die Spanne nach oben und unten ist also gering.

 

Was zeichnet den Accord aus? Er hat mMn das schönste Interieur. Ich sehe hier Einflüsse von Mercedes im Layout. Spätere Modelle mit Rosenholzimitat verstärken diesen Eindruck noch weiter. Die Fensterheberschalter zwischen den Sitzen erinnern wiederum mehr an einen BMW.

Preislich lag er auch am unteren Ende der Kandidaten, was beim grundsätzlich eher preisbewussten Japanklientel kein Nachteil war.

 

An die Zuverlässigkeit eines Carina oder auch Galant kommt er nicht ganz heran, was allerdings nichts daran ändert, dass auch der Accord insgesamt sehr verlässlich ist und eine in der Altersklasse überdurchschnittliche Haltbarkeit vorweisen kann. Rost ist selten ein Thema, die Motoren sterben fast nie und auch die elektrischen Komfortextras erweisen sich als dauerhaft funktionstüchtig.

Das obligatorische 1800-Kubik-Einstiegsmodell wurde mit dem Facelift nachgereicht und ist heute noch am ehesten auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Ein 1.8 LS (mittlere Ausstattung) bietet kleinen Luxus und für den Alltagsgebrauch ausreichend Leistung.

 

Wer angesichts des Markenimages auf sportliches Fahrverhalten hofft, wird aber enttäuscht. Der Accord ist mehr Limousine als Sportler und fährt eher behäbig. Hondas legendäre VTEC-Technologie findet man nur im 2.2 ab der Modellpflege.

 

Für wen ist er eine gute Wahl?

Wer eine gediegene Limousine sucht, die kalkulierbares Reparaturrisiko und gute Ausstattung bietet, sollte einen 2.0 suchen, der auch mindestens die bereits gute LS-Ausstattung mitbringt. Der 2.2 ist allein wegen VTEC sehr reizvoll, aber kaum zu finden, da dieser Accord ohnehin schon sehr selten zu finden ist. Als eher durstig gelten alle Motoren.

 

 

NISSAN PRIMERA

 

Der Primera ist hier schwer einzuordnen, die Zeitspanne umfasst zwei Modellgenerationen. Auch hier hat der Kombi wenig mit der Limousine gemeinsam.

Limousine und Schrägheck wurden bereits 1990 vorgestellt - das merkt man dem Primera auch an. Die Basisversion LX ist sehr karg, für das Reisschüsselgefühl sollte es schon der SLX sein. Der Basismotor der ersten Jahre hatte sogar noch einen Vergaser.

Auch wurde der P10 oft und gern (sicherlich nicht ganz unbegündet) als Opel-Vectra-Kopie geschmäht. Im Vergleich zu den anderen ist der Primera P10 etwas zu alt.

 

Der Nachfolger P11 ist wiederum etwas zu neu, wurde 1996 vorgestellt. Trotzdem ist er einen Blick wert. Die Motoren sind langlebig, das Handling überraschend gut und der Innenraum geräumig. Auch die Ausstattung konnte sich sehen lassen. Das Basismodell GX ist selten, die verbreitete SLX-Version bringt bereits Vieles mit.

 

Auch hier scheint die Zuverlässigkeit nicht das Niveau des Carina zu erreichen, auch Rost kommt öfter mal vor. Trotzdem - schlecht ist der Primera in dieser Disziplin nicht und verdient das Prädikat "Reisschüssel".

 

Für wen ist er eine gute Wahl?

Wer ein preiswertes Gebrauchsauto sucht, dass auch heute noch gut unterwegs ist, nimmt einen Primera P11 SLX. Motorisch gibt es ohnehin nur brave, aber ausreichend starke Vierzylinder.

 

 

Was spricht für eine Reisschüssel?

 

Die Preise sind niedrig, die Ausstattung meist sehr gut für das Alter und die vorgestellten Modelle bieten eine hohe Zuverlässigkeit auch im Alter.

Wer für wenig Geld viel Auto sucht, ist hier richtig.

 

Was spricht gegen eine Reisschüssel?

 

Das Image ist nahe Null. Auch die Ersatzteilpreise sind saftig, und bei seltenen Teilen wird auch schon die Beschaffung schwierig bis problematisch. Das sollte man wissen, auch wenn selten etwas kaputt geht.

Von den Dieselmotoren, auf die ich nicht eingegangen bin, sollte man Abstand nehmen. Sie dürfen nicht in Umweltzonen, kosten heftig Steuer und sind allesamt eher lahm. Durch die schon damals sehr geringe Verbreitung ist ein vernünftiges Exemplar ohnehin in Deutschland kaum auffindbar.

 

 

 

So, viel Spaß beim Diskutieren!

Hat Dir der Artikel gefallen? 4 von 4 fanden den Artikel lesenswert.

06.01.2017 13:17    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (18)    |   Stichworte: 1 (C13), Nissan, Pulsar, Sonstiges

Über den Nissan Pulsar hatte ich mich in meinem letzten Artikel ja nur kurz zwiespältig geäußert.

Ich fuhr ihn nur kurz unter Stress als Mietwagen und hatte gar nicht die Zeit, mich wirklich mit ihm auseinanderzusetzen.

 

Nun wollte ich den Pulsar Diesel als Vergleich zum Astra noch einmal fahren. Beim Händler standen nur Benziner, der Diesel war in einer anderen Filiale. Da diese genauso weit weg war wie die in der ich stand, lehnte ich das Angebot, den Wagen bringen zu lassen ab und fuhr am nächsten Tag selbst hin.

Das reservierte Fahrzeug war jedoch nicht da - es wurde leider als Ersatzwagen herausgegeben. Überschüttet von gutem Kaffee und Worten der Entschuldigung bekam ich die Schlüssel für einen Benziner mit Automatik. Ja meine Güte, sowas kommt halt mal vor, erst recht so kurz nach Neujahr.

 

Wer sich für den Pulsar wirklich interessiert, kann ja auch noch den entsprechenden Testbericht lesen, der zum Text auch nochmal eine einheitliche, möglichst objektive Bewertung der jeweiligen Eigenschaften bietet.

Nur hätte ich wirklich gern den Diesel gehabt, da ich wissen muss, ob mir die 110 PS überhaupt für meine Bedürfnisse ausreichen, ich befürchte ja eher nicht. Andererseits sind Renault-Dieselmotoren durch die jahrelange Erfahrung des Herstellers oft überraschend gut unterwegs.

 

Nun stand er also da, ausgerechnet auch noch in biederem Mausgrau, was das Unscheinbare dieses Autos noch zusätzlich betont. Der Einstieg ist höher als üblich, aber noch nicht auf dem Niveau eines Golf Sportsvan, also eigentlich genau richtig. Dazu sind die Vordersitze endlich ausreichend dimensioniert (bei japanischen Modellen sonst oft ein Problem) und schön weich gepolstert. Das Raumangebot vorne ist so gut, in alle Richtungen ist mehr als genug Bewegungsfreiheit, sodass man problemlos alle denkbaren Sitzpositionen durchprobieren kann, vom SUV-artigen Throngefühl unter voller Ausnutzung der großen Innenhöhe bis hin zum entspannten Halbliegen.

 

Bei der Sitzprobe fällt auch schnell auf, wie übersichtlich das Auto ist. Während der Astra fast schon ein Designerstück ist, im Gegenzug aber nur Schießscharten statt Scheiben hat, ist der Nissan außen ..ähm... ähm.. konservativer gestaltet, hat aber echte Fenster! Gefällt mir richtig gut! Übersichtlicher fand ich nur den Golf bis jetzt, und der hat auch eine zu breite C-Säule.

 

Das macht den Pulsar für mich eigentlich schon zum idealen Seniorenauto, wenn es denn kein teurerer SUV sein muss. Der Einstieg ist leicht, die Sitzposition kann wirklich jeder für sich finden, das Gestühl fängt die künstlichen Hüftgelenke weich auf und man sieht alle Ecken, ohne sich den Hals verdrehen zu müssen. Sogar die Motorhaube ist im Blick. Senioren- und kinderfreundlich sind auch die niedrige Ladekante und der weite Öffnungswinkel der Türen.

 

 

Noch mehr Lob gibt es für Reihe zwei, wo der Platz gut und gerne mit einer B-Klasse mithalten kann. Der Pulsar dürfte hier der Klassenbeste sein, er würde auch als Taxi eine gute Figur abgeben. Leider sind die Sitzflächen hinten wieder japantypisch zu kurz, doch die bequeme Polsterung und eine Mittelarmlehne mit Cupholdern bemühen sich erfolgreich um Ausgleich.

Auch der Kofferraum enttäuscht nicht, im Alltag dürfte der Pulsar so ziemlich alles schlucken - im Nutzwert bügelt der Nissan Pulsar seine Gegner.

 

Es wäre aber noch mehr drin gewesen, denn ein Variabilitätswunder ist er nicht. Sitze asysmetrisch geteilt umklappen geht, mehr aber nicht. Und dann bleibt da noch eine fette Stufe. Schade, dass im Detail nicht weiter gedacht wurde.

 

In manchen Tests wird über die Innenraumqualität geschimpft, das kann ich so nicht nachvollziehen. Ich fand weder schiefe Spaltmaße noch unzureichend entgratetes Plastik. Klar, man kann hier keine handschmeichelnden Wunder erwarten, doch es ist alles solide zusammengebaut, was beim ersten Qasquai ja noch ganz anders war. Das Lederlenkrad fühlt sich auch nach Leder an und die Kunststoffe sind auch nicht wirklich schlechter als im 3er BMW. Vergleich gefällig?

Der Pulsar muss sich in seiner (Preis-) Klasse nicht verstecken, sticht aber auch nicht positiv aus der Masse heraus.

 

 

Der Motor ist soweit ich weiß auch von Renault oder zumindest unter Beteiligung von Renault entwickelt worden. Das muss ja kein Nachteil sein. Der Motor ist angenehm leise und dürfte für Otto Normalfahrer genau richtig sein. Die 115 PS kommen subjektiv genau hin, er reicht stets aus, macht aber keinen Spaß. Dank Turbo kommt er für den berühmten Sprint über gelbe Ampeln oder Einfahren auf stark befahrene Straßen rechtzeitig in die Puschen, beim Auffahren auf die Autobahn oder beim Überholen fehlt ihm dann aber doch ein längerer Atem. Für 1200ccm macht er seine Sache aber unterm Strich gut. Mehr Dampf hätte ich mir zwar gewünscht, aber notwendig ist es nicht.

 

Auffallend ist, dass der Motor recht lange brauchte (ca. 15 Minuten), um warm zu werden, und das Start-Stop-System hat bereits bei eindeutig noch kaltem Motor eingesetzt. Was soll das denn? Darauf angesprochen, hatte mich der Verkäufer nur mit ungläubigem Staunen angesehen.

 

Die trotz leichten Gasgebens unveränderte Drehzahl und die entsprechenden Sprünge bei mehr/weniger Gas haben die Automatik als CVT enttarnt. Vor Jahren hatte die B-Klasse alle Vorurteile bezüglich bauartbedingter Nachteile eines stufenlosen Getriebes bestätigt. Bis auf die Haltbarkeit, da hat Mercedes die markentypische Ausgereiftheit bewiesen. Man denke aber an die Getriebe des Honda Jazz, die sich sehr schnell in ihre Bestandteile auflösen. Hoffentlich hat Nissan hier gute Arbeit geleistet.

 

Gummibandeffekt wie in der B-Klasse? Nö. Gasbefehle werden spontan umgesetzt, die Drehzahländerungen erfolgen fast unmerklich, die Automatik ist im Alltagsverkehr, der zugegebenermaßen durch den harten Wintereinbruch gemächlicher als sonst rollte, ein guter Begleiter. Wer unsensibel die 0/I - Stellung des Gaspedals exzerziert, wird jedoch feststellen, dass das Getriebe eher die ruhigere Gangart schätzt, doch gänzlich aus der Fassung lässt sich die X-Tronic nie bringen. Nissan hat seine Hausaufgaben gemacht und dürfte hier den aktuellen technischen Stand von CVTs anbieten.

 

Im Berliner Stadtverkehr, der durch den heftigen Wintereinbruch wie erwähnt langsamer vonstatten ging, bin ich mit ca 7 Litern gefahren, mit deaktiviertem Start-Stop und einigen roten Ampeln. Für einen Benziner in einem Kompaktwagen ist das ein zeitgemäßer Wert, doch auf schnellen Autobahnetappen dürfte der kleine Turbo Durst bekommen. Der Tankinhalt von 46 Litern ist dann nicht mehr ganz so der Brüller, reicht aber für Otto Normalfahrer sicher aus.

 

Dank der Übersichtlichkeit überzeugt auch der gefühlte Wendekreis, ich bin da aber auch sehr indifferenziert, entweder ein Auto lässt sich gut manövrieren oder eben nicht. Der Nissan ist aus meiner Sicht Ersteres. Die Lenkung ist recht leicht, entkoppelt aber für meinen Geschmack zu sehr von der Fahrbahn, das Glatteis ließ sich kaum erfühlen. Hm.

Dafür waren die Bremsen tadellos, das Auto stand immer sehr schnell und hat nicht schiefgezogen, die Dosierung gelang auf Anhieb. So soll es sein.

 

Kurven sind nicht so sein Ding, er ist etwas schaukelig abgestimmt und schwingt nach, was bei flott überfahrenen Bodenwellen etwas verunsichert. Dennoch bleibt der Pulsar sicher in der Spur, das ESP regelt auch nicht zu grob und erschreckt den Fahrer nicht. Die Traktion war stets gut. Erst harte Lenkeinschäge á la Elchtest bringen das ESP auf die Palme und verleiten es zu Eingriffen, die mehr Feingefühl vermissen lassen.

 

Leider sorgt die künstliche Lenkung mit der etwas unglücklichen Dämpferabstimmung dafür, dass der Wagen recht träge und gesetzt wirkt. Sportfahrer dürften aber auch nicht die primäre Zielgruppe des Pulsar darstellen. Dumm nur, dass der Komfort auch nicht so ganz passt, denn auf kurze Stöße wie z.B Bodenwellen reagiert der Nissan kaum, die Schläge kommen direkt durch und das Auto wippt dazu noch unangenehm nach, es ist permanent Unruhe in der Karosserie, was auf Dauer nervt.

 

Nerven ist auch eine Domäne des Infotainments, die Bedienung ist für mich zu unlogisch und die Grafik des Navis ist ein Witz. Pixeliges 2D? Ich bitte euch! Der Klang des Radios war dazu auch noch erschreckend dumpf, der Bass ging, aber die Höhen waren mies. Zwar ist die Rückfahrkamera gut (siehe Bild), aber da kommen wir zum Nächsten. Parksensoren hat er nicht, aber eine Kamera. Dürfte wohl einmalig sein, diese Kombi.

 

Auch lässt es sich Nissan nicht nehmen, die japanische Tradition (insbesondere auch Nissans!!) der Zwangskoppelungen fortzusetzen. Für das Basismodell gibt es nämlich keine Extras, von der Farbe abgesehen. Für das Topmodell auch nicht, aber das soll ja auch das Rundum-Sorglos-Paket sein. Wer auch nur eine Sache mehr haben will, muss die nächsthöhere Linie nehmen, da sind die Optionen auch nur wieder als Pakete zu haben, die einander auch teilweise bedingen. Puh!

 

Auch gibt es nicht viel zu individualisieren, der Innenraum ist immer Schwarz und Extras nach Belieben wählen geht ja nun wie erwähnt auch nicht. Allerdings: Die volle Hütte mit allem, wirklich allem kostet keine 28.000 Euro. Drin sind dann ein kräftiger 190-PS-Benziner, eine Assistenzarmada mit 360-Grad-Kamera und mehr, ein Navi, Lederausstattung, große Alus, und so weiter. LED-Scheinwerfer gibt es auch als Krönung, aber die dürften gegen das IntelliLux-Matrixlicht des Opel Astra weitgehend chancenlos sein. Das Basismodell kostet ca. 17.000, kommt aber direkt mit dem hier vorgestellten Motor, der schon eine solide Vorstellung abgeliefert hat und bietet Tempomat und Bluetooth, aber z.B. keine hinteren Luftausströmer, die wegen der großen Scheiben doch angebracht sind. Die Preise würde ich also als fair und im direkten Vergleich insbesondere ausstattungsbereinigt als günstig bezeichnen. Leider muss man oft zwangsweise in die Paketfalle tappen.

 

 

 

FAZIT:

 

Der Pulsar ist durchaus interessanter, als es das gähnend langweilige Äußere vermuten lässt. Motor und Getriebe sind nicht die besten auf dem Markt, zeigen sich aber rundum zufriendestellend. Das Platzangebot ist überragend und die Übersichtlichkeit ausnehmend gut. Das qualifiziert den Pulsar zum tadellosen Familienauto auf geringer Verkehrsfläche. Fahrsicher ist er auch, und die Preise sind für mein Empfinden günstig.

 

Der Nissan ist einerseits ein echter Europäer, man merkt, wie sehr man unseren hiesigen Geschmack treffen wollte, gleichzeitig aber auch ein Japaner alter Schule: Gute Komfortausstattung, die man dann wieder in zig dämlichen Kombinationen bei den Extras zwangskoppeln und zusammenwürfeln muss, unsagbar biederes Styling und Schwächen im Detail, dafür aber mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis und gutem Gebrauchswert.

 

Zum Facelift würde ich mir ein neues Navi, eine feinere Abstimmung und einen stärkeren Diesel mit ca. 140 PS wünschen. Dann würde ich ihn vielleicht sogar dem Astra vorziehen.

Hat Dir der Artikel gefallen? 5 von 5 fanden den Artikel lesenswert.

30.11.2016 00:03    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (36)    |   Stichworte: Sonstiges

Mahlzeit allerseits,

 

lange hat man nichts mehr von mir gehört, weil ich (mal wieder?) Job und Wohnort geändert habe. Vom jungen Volk wird ja stets Mobilität und Flexibilität erwartet.

 

Um direkt zur Sache zu kommen: Ich habe nun eine Stelle mit einer doch recht weitreichenden Fahrtätigkeit. Und da machen sich ein Fiesta 1.25 und ein Audi B2 halt nicht so geil - auch wenn beide Autos grundsätzlich auch Langstrecken abkönnen, es geht doch irgendwie besser.

 

Natürlich steht da das Thema Dienstwagen im Raum. Im Betrieb üblich, sofern man einen möchte, sind Mercedes-Modelle, die langjährigen Mitarbeiter fahren E, die neueren C. Also eine C-Klasse Diesel? Ich meine, es kann einen ja wirklich schlechter treffen. :D

 

Wie der Schlag trifft einen dann allerdings das Finanzamt. Ein C 200d- Kassengestell kommt ohne nenneswerte Vielfahrerextras auf stramme 45.000 Euro. Dank der Ein-Prozent-Regel also monatlich 450 Euro zum Versteuern. Das Fahrzeug auf den Bildern, dass ich mir aus Interesse etwas großzügiger konfiguriert habe, kommt mit Automatik und etwas Holz in der Hütte auf 48.000 Euro!

 

 

 

Da drängt sich dann natürlich die Frage auf, ob man für die Summe nicht auch einen eigenen Wagen finanzieren kann. Für das Geld bekommt man einen gut ausgestatteten Kompaktwagen mit Diesel in derselben Leistungsklasse. Den Verschleiß hat man über die Kilometerpauschale ja locker raus, sofern der Wagen 150.000 Kilometer ohne Kapitaldefekt mitmacht.

 

Gut, dann kann man sich das ja mal gedanklich durchspielen. Ein VW-Produkt fällt schon mal raus. Man hört ja doch recht viel über die Macken der Modelle und der Abgasbetrug tut sein Übriges.

 

Der Fiat Tipo war auch mal in der Überlegung, immerhin bietet der mehr als ordentlichen Nutzwert für einen fast schon unverschämt guten Preis, ohne dabei hässlich wie ein Lodgy zu sein. Da ich allerdings schon sehr viel Zeit im Wagen verbringe, war mir ein guter Innenraum besonders wichtig - und da ist mir der Tipo dann doch zu nüchtern. Für den reinen Privatgebrauch wär's ne gute Nummer gewesen, aber im Vergleich zu einer C-Klasse ist der "Abstieg" zu groß.

 

Der Peugeot 308 sieht ja schon echt gut aus - aber der Innenraum mit einem einzelnen Touchscreen und dem mickrigen Lenkrad ist so gar nicht mein Fall. Was ist denn, wenns wie jetzt frostig ist? Am Ende reagiert der Bildschirm nicht mehr und man bekommt die Heizung nicht mehr an? Oder wenn was kaputt geht? Auch habe ich persnlich aus meinem privaten Umfeld nur Unmut mit PSA-Fahrzeugen erlebt. Also lieber nicht.

 

Der Mégane fällt optisch raus, einfach nicht mein Fall. Da finde ich ja noch den Tipo schöner.

 

Auch die Außenseiter blieben nicht unbetrachtet. Der Nissan Pulsar konnte mich bei einer Testfahrt wenig begeistern. Für ältere Leute, die keinen SUV wollen, ist das wahrscheinlich ein guter Kauf, doch die eher unterwältigende Fahrdynamik ist, wenn man vom Fiesta kommt, eher nicht so der Bringer. Im Vergleich zum glücklosen Tiida ist der Pulsar aber schon deutlich besser.

 

Warum eigentlich nicht wieder ein Ford? Den Focus bin ich schon gefahren und da enttäuschte er nicht. Standfeste Motoren kann Ford, noch besser sogar hervorragende Fahrwerke. Spricht denn etwas gegen Markentreue? Ja, der Innenraum ist ziemlich unübersichtlich, ich würde fast sagen hässlich, und da gibt es noch einen Wettbewerber, der unterm Strich noch besser dasteht.

 

Es ist der Opel Astra.

 

1) Das Teil sieht einfach richtig scharf aus.

2) Der Innenraum ist gut verarbeitet, nett anzusehen und gut zu bedienen

3) Das Modell ist brandneu, das heißt, neue Motoren, Technologien, etc.

4) Opel bietet nette Vielfahrerextrass an

5) Die Preisgestaltung ist fair.

6) Opel hat die Kritik am Vorgänger ernst genommen - ich mag Hersteller, die auf ihre Kunden hören.

 

Es hat nicht lange gedauert, bis ich einen guten Händler fand. Die C-Klasse und den Focus als bisherigen Favorit für eine Privatwagenlösung kannte ich ja schon. Nun stand also ein Astra für mich bereit. Der Motor ist der 1.6 CDTI mit 136 PS - die Vernunftlösung. Für die vielen Autobahnkilometer braucht's schon etwas Musik auf dem Dampfer, der Biturbo muss es aber auch nicht sein. Das ist schließlich ein Astra, der vor 10 Jahren noch mit Saugern um die 90 PS "normal" motorisiert war.

 

 

Beim Getriebe soll es die Handschaltung bleiben, zumindest im Prospekt hemmt die mittlerweile auch nicht mehr so ganz aktuelle Sechsstufenautomatik Leistung und Sparsamkeit. Das Testfahrzeug ist der Kombi in der sportlich-hochwertigen Ausstattung "Dynamic". Den Kombi würde ich nicht zwingend nehmen, denn mit 4,7 Meter Länge ist der fast schon auf dem Niveau, was vor 10 Jahren obere Mittelklasse war. Da ich in Innenstädten wohne und auch Kunden in verwinkelten Seitenstraßen aufsuchen muss, ist der normale Fünftürer wohl meine Wahl.

 

Bei der Ausstattung reicht für den Otto Normalfahrer die zweitniedrigste Stufe "Edition", am Ende steht "Innovation", die im Umfang fast schon an die Japaner der 90er erinnert. Also fast alles ab Werk drin, ohne ein Vermögen zu kosten.

 

Was braucht man mehr?

Nun, das Matrix-LED-Licht ist für mich ein Muss, trotz der erstmal deftigen 1400 Euro mehr. Doch ich fahre auch viel nachts, dazu in Gegenden, die ich kein bisschen kenne, und auch bei widrigem Wetter muss ich Termine einhalten. Ein gutes Licht ist für den Außendienstler aus meiner Sicht unverzichtbar, auch weil ich viele Stunden am Stück runterfräse und schlechtes Licht da einfach ermüdet.

 

Zweites Extra: Schiebedach. Für mich ein Muss.

 

Drittes Extra: Einparkautomatik. Ich kann fette Lieferwagen zügig durch den Verkehr peitschen, egal wie eng es wird. Aber wehe, ich muss rückwärts einparken. Da geht's mit Fiesta (klein) und Audi (übersichtlich) noch einigermaßen, ansonsten ist das aber ein düsteres Kapitel bei mir. Der Innovation hat schon die Rückfahrkamera, die der nach hinten fast blinde Astra auch braucht, die Automatik setzt aber noch den Punkt auf das i.

 

Wie war denn nun die Probefahrt?

Nun, zuerst überrascht mich die Qualität. Alles ist solide verarbeitet und wirkt hochwertig, das Design im Innenraum stünd auch einem Premiumhersteller gut. Die Sitze (noch nichtmal das AGR-Langstreckengestühl!) sind kein Vergleich zu den Fiesta-Schraubstöcken und Platz ist genug da.

Der Wagen hatte eine elektrische Parkbremse, die es ab "Innovation" zwingend gibt, daher wollte ich damit auch mal umgehen. Ich mag die Dinger nicht, aber im Alltag machte sie keine Probleme. Wenn es Serie ist habe ich kein Problem damit, extra bestellen würde ich sowas aber nicht.

Schaltung und Kupplung harmonieren gut, die Gänge gehen exakt durch die Gassen, Anfahren und Schalten klappte sofort ruckfrei. Die Automatik ist angesichts dessen wirklich verzichtbar. Für Unmut sorgte ausgerechnet der Motor, denn im ersten Gang kommt er einfach nicht in die Puschen. Mal eben zügig in eine Kreuzung einfahren ist nicht, die Anfahrschwäche ist ein ziemliches Übel. Erstmal in Fahrt, bessert sich das Ganze und der Antrieb wirkt souveräner, fühlt sich aber eher nach 120 statt 136 PS an. Opel nennt das Aggregat "Flüsterdiesel" - keine Werbelüge, denn aus dem Motorraum nagelt nichts und auch an der Laufruhe gibt es keinen Tadel. Ein Motor für gelassene Cruiser. Den Biturbo würde ich allerdings trotzdem nicht bestellen, irgendwo muss auch nach oben eine Grenze sein. Dann vielleicht doch lieber die überraschend fairen 340 Euro für AGR-Sitze zum Matrixlicht ausgeben, um die beiden Vertreterextras zusammen im Boot zu haben.

 

Zum Rest gibt es nicht allzuviel zu sagen. Das Fahrwerk kommt mit der Agilität des Fiesta nicht ganz mit, ist jedoch komfortabel, ohne aber das Niveau einer C-Klasse zu erreichen. In jedem Fall ist das Fahrverhalten idiotensicher, sofern man die STVO im Hinterkopf behält. Poltergeräusche und Knarren/Quietschen waren weder auf fiesen Gullideckeln oder beim Parken auf Bordsteinen vernehmbar. Die gute Nachricht zum Schluss: Im Nürnberger Verkehr bin ich unter sechs Litern geblieben.

 

Da frage ich mich natürlich, braucht es da noch einen Mercedes? Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Der Benz fährt in seiner eigenen Liga, da kommt ein Astra nicht ran. Dafür allerdings auch nicht preislich.

Als Innovation hat der Astra Zierelemente in warmem Dunkelbraun, Ambientebeleuchtung und die untere Hälfte des Armaturenbretts ist mit Kunstleder verkleidet, sodass ich auf langen Fahrten mein Knie schmerzfrei anlehnen kann. Beim Fiesta habe ich mich dabei am Hartplastik verbrannt, weil bei meinem Baujahr noch die Isolierung vom Wärmetauscher eingespart wurde.

Wenn man also bedenkt, in welcher Preisklasse ich also derzeit unterwegs bin, dürfte es sicherlich nicht weiter verwundern, dass mich der Astra überzeugt hat. Das, was der Opel bietet, ist für mich Aufstieg genug.

 

Natürlich könnte ich auch wirtschaftlich sinnvoller arbeiten und eine abgewirtschaftete E- oder S-Klasse mit Gasanlage kaufen und alle zwei Jahre ein anderes Exemplar zu Tode reiten. Aber ich muss bei jedem Wetter in jeden Ort raus und bewerte Sicherheit (aktiv und passiv) als das Wichtigste. Sprich: So viele Helfer wie möglich, so viele Airbags wie möglich und so weiter. Und: Unbedingte Zuverlässigkeit ist für mein Arbeitsmittel nötig. Ein E350 mt Gas mag zwar mehr für's Geld bieten, aber da kann auch schneller was dran sein.

Hat Dir der Artikel gefallen? 13 von 13 fanden den Artikel lesenswert.

24.02.2016 14:08    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (40)    |   Stichworte: 3er, BMW, E36, Sonstiges

Hallo allerseits,

heute kommt ein ganz langer Artikel, dessen Inhalt im August letzten Jahres beginnt und heute endet. Es dreht sich um mein rotes Auto. Nee, nicht den Audi.

Eins vorab: Es ist ein sehr langer Artikel. Ich hätte eine mehrteilige Serie daraus machen und einen Spannungsbogen aufbauen können, aber das halte ich hier für ungünstig. Dann lieber alles der Reihe nach zusammengefasst und in sich abgeschlossen, da das Ende bereits feststeht und ich mangels vorheriger Artikel noch bei der Stunde Null anfangen kann.

 

Am 02. August habe ich mir bei einem selten dämlichen Sportunfall den Fuß übel zertrümmert. Glück im Unglück: Es war der Linke, ergo, ein Automatikauto könnte ich theoretisch noch fahren. Und so eins brauchte ich auch, denn wie soll ich mit nur einem gesunden Fuß irgendwo hinkommen?

 

Nachdem das ganze Malheur im Laufe der Augustwochen fertig operiert war, konnte ich mich mit der Fahrzeugsuche befassen. Also fix das Sparbuch aufgelöst, was immerhin 2500 Euro hergab.

Zuerst dachte ich - von nostalgischen Gefühlen beflügelt - an einen Golf III. In Celle stand einer, wie ich ihn hatte. Sondermodell Avenue in Waldmei.. äh, Dragongreen Perleffekt. Nur eben als Viertürer mit Automatik. Dumm nur, dass der Verkäufer nicht ranging. Als der mich ein paar Minuten später zurückrief, wusste ich auch warum: Er war eben auf Probefahrt und hat die Kiste erfolgreich verkauft.

Im Anschluss stand mir der Sinn nach etwas Unvernünftigem. Ich dachte mir, das Auto habe ich ja nur temporär und da ist mir der Unterhalt auch wurstegal, solange es mindestens ein halbes Jahr TÜV gibt. Nächster Kandidat: Mitsubishi Galant EA0, dicker V6, Kombi, schwarz mit großen Alus. Stand sogar in Berlin und war mit 1500 Euro billig genug, um Reserven für's viele Tanken zu haben. Bei der Besichtigung graste ich die zuvor am Telefon genannten Schwachstellen ab: Beulen, Lackschäden und Rost. Letzterer war dann allerdings schon ziemlich deftig. Er war zwar nirgends kritisch oder sogar durch, aber dafür fast überall ein bisschen vorhanden, so auch Radläufen, Unterboden, Türunterkanten, Schwellern. Ein bekanntes Problem beim Galant dieser Baureihe.

Hinzu kam sonst auf den ersten Blick nur noch eine Ölfeuchtigkeit des Motors. Die Probefahrt machte, mit so einem dicken Brummer unter der Haube, höllischen Spaß. Doch Knacken und Poltern aus der Fahrwerksgegend, schwankende Gebläsestärke und verschlissene Bremsen missfielen mir. Der löchrige Auspuff verhalf dem V6 zu grandiosem Klang, das würde die Rennleitung aber ganz anders sehen. Dazu 200 TKM und keinerlei Wartungsheft oder Belege.

 

 

Im Endeffekt musste also noch deutlich was am Preis gehen, doch dieser Meinung war der Verkäufer nicht. Ergo: Der Galant wurde es (leider!) nicht.

Hinzu kam, dass eine einigermaßen vollständige Heilung bei mir eventuell doch nicht eintreten würde. Dieses Schwert schwebte eigentlich von Anfang an über meiner Gesundheit - eventuell würde ich auf Dauer einen Automatikwagen brauchen. Das ließ mich wieder vernünftiger werden.

 

Für einen schlappen Tausender strandete ich bei einem Baleno. Ja, das ist der Grund, warum ich im Vega Motors Artikel mal andeutete, es würde später mehr geben. Hat auf sich warten lassen, nun ist es aber soweit.

Das Auto war ähnlich abgehalftert wie der Galant, nur eben vernünftiger und billiger. Die Haube hatte eine andere Farbe, ein leichter Heckschaden wurde nicht repariert. Kaputte Stoßstange mit Panzertape-Universalreparatur? Na ja, also für 800 hätte ich ihn haben können. Oder für die 1000, dann aber mit neuem TÜV (war frisch abgelaufen). Der Motor lief gut, die Automatik zu meiner Überraschung auch. Aber der Gesamteindruck war traurig, und das Budget gab auch etwas Besseres her. Da reifte mein Entschluss, ich könnte mir ja auch einen Wagen kaufen, den ich meiner Sammlung dauerhaft hinzufüge. Es sollte also ein Youngtimer mit Charakter sein, der allerdings noch im Straßenverkehr vertreten ist ergo muss es Ersatzteile beim Schrotti und ausreichend Schlachter geben.

 

Der nächste Versuch war ein Focus MK1. Ich wollte den unbedingt in Silbermetallic, als Facelift und als Viertürer. Damit er perfekt zum Fiesta passt. Die sehen aus wie Bruder und Schwester, frohlockte ich an meinem Notebook.

Diese Modelle sind oft die gute Ghia-Ausstattung und vom Rentner, dachte ich. Das Klischee wurde auch erfüllt, ein älteres Ehepaar bot im Süden Brandenburgs einen silbernen Ghia an. Die 135 TKM waren mit durchgehend bei Ford Besico gestempeltem Scheckheft belegt, zu bemängeln gab es nur einige oberflächliche Streifspuren, da die Enkelin den Wagen als erstes Auto ab und an nutzen durfte und ihre Probleme mit dem Einparken hatte. Der ältere Herr wollte 2750 Euro, hätte ich die Zweieinhalb Bar auf die Hand geboten, hätte er sicher nicht abgelehnt.

Der Fahreindruck war sehr fiestig, und das war auch der Grund, warum ich ihn dann doch nicht nahm. Es wäre ohne Zweifel ein guter Kauf gewesen, aber ich tat es ausgerechnet aus genau dem Grund nicht, den ich mir ausgesucht hatte, um den Wagen zu kaufen: Fast das Gleiche habe ich doch schon. Schade, dass ich mich im Audi dorthin chauffieren ließ, ein Foto mit Focus und Fiesta hätte gut ausgesehen.

 

Die Zeit drängte allerdings ziemlich, der August war um, meine Arbeit im Büro war mir bald auch wieder zuzumuten, da ich ja eh nur meinen Drehstuhl pilotiere und das Privileg hatte, nur geistig arbeiten zu müssen. Nur das Hinkommen nach Brandenburg war sehr mühselig mit Gipsbein. Und zur Reha müsste ich ja auch kommen. Und das Einkaufen wollte ich auch nicht auf Dauer outsourcen.

Der nächste Kandidat war ein BMW 316i Compact. Baujahr 1994, also einer der Ersten. Dazu mit sehr guter Ausstattung (Nebler, elektrisches Schiebedach, elektrische Fenster, elektrische Spiegel, usw.). Dazu noch in Hellrot und - bei E36 ganz wichtig - völlig original und unverbastelt! Na bitte, der hat was.

Der Mittelklassewagen mit Kompaktwagen-Heck ist eine herrlich seltsame Blüte der 90er-Jahre. Ich habe mir den Wagen voller Begeisterung schöngeredet. Sämtliche biergetriebenen Argumente sind nun aufgereiht.

 

1: Im Compact lebt der wahre Geist des E30 weiter! Die modernere Hinterachse des E36 wurde gegen die einfachere des E30 geta.. au Mist, ich wollte ihn doch schönsaufen. Ok, nochmal: Es ist deshalb der Geist des E30, weil er so kompakt ist. Er bietet das Gefühl des eng anliegenden Traniningsanzuges von allen E36 noch am meisten.

 

2: Das Cockpit ist erfreulicherweise auch eher E30 denn E36. Mögen die anderen E36-Varianten das eigentlich hochwertigere Armaturenbrett haben, mit dem Design wurde ich nicht warm. Die direkt rechts an das Kombiinstrument angeklatschten Lüftungsgitter, die dann so schaurig gebogen sind um dann die Radio- und Klimabedienung so unvorteilhaft zu betonen, dass es aufgesetzt aussieht... igitt. Dann lieber das schlichte und einfache E30-Layout. Wobei ich mich meiner Angst inzwischen gestellt habe und einen E36-Kombi gefahren bin. So schlimm, wie ich dachte, ist es gar nicht, wenn man real drin sitzt.

 

3: Die anderen bilden auf der Autobahn im Stau für mich automatisch eine Gasse, weil sie denken, es kommt die Feuerwehr.

 

4: Erstes Baujahr und gute Ausstattung: Das freut den Youngtimer-Enthusiasten und bedeutet sicheren Wiederverkauf.

 

5: Stadtfreundliche Ausmaße. Erst recht mit Gipsbein ist es ätzend, wenn man keine Parklücke vor'm Orthopäden findet. Mit dem Compact sollte es gehen. Und er hat dafür sogar Parkpieper hinten!

 

6: Hinterradantrieb! Endlich ein Grund, sich auf den Schnee zu freuen.

 

7: Die 140TKM sind zwar nicht belegt, da das Wartungsheft schon lange nicht mehr geführt wurde, wirken aber absolut glaubhaft.

 

8: Durch die großen Türen kann ich mein Problembein bequem einfädeln.

 

Der Wagen sprang zur Probefahrt sofort an, fuhr klapperfrei und straff und machte keinen Ärger. Auf der negativen Seite ließ sich lediglich die vom Steinschlag zerschossene Blende um die Nieren und Rost am hinteren rechten Radlauf notieren. Ersteres würde der Verkäufer noch beheben, er hat eine in Schwarz besorgt. Na gut, das würde den ultrabraven 316i Automatik wenigstens etwas gewollt böser aussehen lassen. Die Airbagleuchte brannte dauerhaft, aber das ist bei E36 und E46 keine Seltenheit. Liegt meist an irgendeinem Kabel.

 

Das Budget wechselte vollzählig den Besitzer, allerdings gab es frischen TÜV dazu. Ja, ich weiß, ich hätte ein vergleichbares Fahrzeug deutlich günstiger haben können. Oder für das Geld einen Rostfreien bekommen. Aber die Zeit drängte und der Wagen gefiel mir.

Wie schlug er sich denn so, als Übergangswagen? Nun ja, er tat das, was er sollte: Von A nach B fahren. Die oft kritisierte Übersteuerneigung konnte ich nicht feststellen, auf Nässe blieb der Hintern auch in der Spur, wenn man seine Lenkbewegungen vernünftig dosiert. Von der "billigen" Hinterachse ist nicht viel zu merken, der Wagen fährt sich agil und wie an der Schnur gezogen. Die Federung hinten ist vielleicht etwas steifer, als bei den anderen E36, aber sonst?

 

Die Motorleistung war - wie zu erwarten - alles andere als üppig, die Automatik half vorbildlich dabei, die ca. 110 Pferdchen nachdrücklich im Zaum zu halten. Untermotorisiert ist man damit allerdings auch nicht.

Allerdings stimmt das Verbrauchs-Leistungs-Verhältnis nicht. Im Durchschnitt gingen locker 11 Liter durch, das ist selbst für die als Säufer verschriene Kombi aus 316i und Automatik zu viel. Keine Ahnung, woran das liegt. Groß investieren wollte ich nicht - denselben Fehler wie beim Audi (ein totes Pferd so lange füttern, bis es zu spät ist und man dann zwingend weiter machen muss) möchte ich kein zweites Mal machen. Lediglich den Rost habe ich machen lassen, weil das Stadium schon kritisch war. Hätt' ichs nicht gemacht, hätte es

a) munter weitergerostet und

b) Schwierigkeiten beim eventuellen Wiederverkauf gegeben.

 

Zum Ende des letzten Jahres trat ein Quietschgeräusch auf, dass nach und nach zum Schleifen wurde. Ganz klar: Der Keilriemen. Leider brachte Keilriemenfett wenig, sodass die Demontage notwendig war. Zum Glück kommt man da sehr gut ran. Das Drehen an den Rollen bestätigte meine Befürchtung: Spannrolle defekt. Ersatz kostete 100 Euro, die Montage habe ich mit meinem besten Kumpel gemacht. Ab und dran bekomme ich alles alleine, aber gerade die Dinge, die man mit etwas Gefühl einstellen/spannen/festziehen muss, sind nicht meins, ich bin Grobmotoriker.

 

Nach der Reparatur waren die Geräusche deutlich leiser, aber noch da. Das Lager des Lüfters spielt auch langsam das Lied vom Tod. Ersatz kostet 15 Euro, aber passieren kann da gar nichts. Bleibt dran, bis es ganz am Ende ist.

 

Nebenbei haben wir festgestellt, dass der eingebaute HJS-Kaltlaufregler für Euro 2 gar nicht notwendig ist, der Wagen hätte ohne Weiteres bei BMW umgeschlüsselt werden können... Naja, jetzt wo er drin ist, soll er eben drin bleiben.

 

 

Zum selben Zeitpunkt konnte ich wieder beschwerdefrei Fiesta fahren. Den Audi auch, sofern es keine lange Stadtstrecke ist. Die deutlich höheren Bedienkräfte gepaart mit häufigem Kupplung treten machten mir noch zu schaffen.

Ich stand also vor der Wahl: BMW behalten oder verkaufen. Ich entschied mich dafür, den BMW so lange zu nutzen, bis er eine teure Reparatur benötigt. Das können also drei Wochen oder drei Jahre sein.

Im Januar wurde ein Kühlwasserverbrauch auffällig. Ich habe zuerst geprüft, ob es ein Leck gibt. Negativ. Im Anschluss habe ich die Anzeichen auf Kopfdichtungsschaden geprüft: Alles bestens.

Nach und nach wurde es schlimmer, und seit diesem Monat steigt auch die Motortemperatur fast in den roten Bereich: Alles klar, die Wasserpumpe. Eine Fachwerkstatt bestätigte das. Da das Fahrzeug eine Steuerkette hat, fallen auch die Zahnriemenwechsel weg, bei der ein obligatorischer Tausch der Pumpe hätte stattfinden können. Es ist noch die erste!

 

Springen wir zum heutigen Datum: Letzte Woche erreichte mich ein Anruf: Es hat einen Unfall mit dem BMW gegeben. Die Fahrerin rutschte auf verschneiter Fahrbahn aus der Kurve in den Graben. Die Schäden am Fahrzeug sind minimal, der Stoßfänger ist angekratzt, eventuell ließ auch ein Nebelscheinwerfer sein Leben, ich hab's noch nicht genau geprüft.

 

Und das bringt mich an den Punkt, die aktuelle Situation zusammenzufassen:

 

1) Die Wasserpumpe ist defekt

2) Das Fahrzeug hat einen kleinen Frontschaden

3) Der Kotflügel vorne rechts zeigt erste Rostblasen - das artet bald aus wie hinten...

4) Der Verbrauch ist zu hoch

5) MINDESTENS Getriebeölwechsel, s.u.

6) Und - am Wichtigsten - ich kann seit Kurzem wieder normal laufen. Beschwerden werde ich zwar dauerhaft haben, aber nur unter hoher Belastung. Selbst den Audi kann ich mittlerweile schmerzfrei bewegen, wie ich will.

 

Fakt ist: Ich müsste in ein Auto investieren, dass ich gar nicht mehr brauche. Und das möchte ich nicht. Ich habe aus dem Desaster mit dem Audi meine Lehren gezogen. Den maroden 80er werde ich weiter mit unvernünftig viel finanziellem Einsatz am Leben halten, da ich schon lange über den letzten Ausstiegspunkt hinaus bin und er in letzter Zeit - für seine Verhältnisse - erstaunlich zuverlässig war. Seit dem letzten Artikel über ihn kam nichts mehr dazu - eventuell hat er einen Schaden am Defektomat.

 

Ich werde den BMW am Sonntagabend für 750 Euro VB im Internet einstellen. Wer ihn haben möchte, kann sich per PN bei mir melden. Mein Zielpreis liegt bei 500 Euro.

Zwar ist man mit einer neuen Wasserpumpe und einem neuen vorderen Kotflügel vom Schlachter (Hellrot ist zuhauf verfügbar) mit 100 Euro in Eigenleistung dabei, aber ich brauche dieses Auto eben nicht mehr (zum Schluss saß ich kaum noch selbst am Steuer) und man müsste mal diagnostizieren, warum er so viel schluckt. Dann wäre da noch die Tatsache, dass er seit Dezember beim Schalten vom zweiten in den dritten Gang ruckt und dabei ein leichtes "frrrrcht" von sich gibt. Wahrscheinlich reicht ein einfacher Getriebeölwechsel, aber wer weiß wirklich, was mir da noch alles blühen könnte?

 

Ich denke, ich werde hier als persönliche Verabschiedung von dem BMW noch einen wie gewohnt ausführlichen Testbericht schreiben und ein paar schöne Fotos machen, die sich eingerahmt an der Wand gut in die "Ahnengalerie" meiner ehemaligen Autos einfügen.

Hat Dir der Artikel gefallen? 10 von 10 fanden den Artikel lesenswert.

10.05.2015 17:58    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (128)    |   Stichworte: Autoverkauf, billige Gebrauchtwagen, Carisma, DA0, Mitsubishi, Mitsubishi Carisma, Sonstiges

Hallo an die Gemeinde,

 

zu diesem Artikel über kürzlich stattgefundene Ereignisse insprierte mich eben die recht präsente Werbung von diesem gewerblichen Anbieter.

 

Doch konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass es so eine Qual ist, einen Wagen im Yolobudget zu veräußern.

Das Versuchskaninchen war ein Mitsubishi Carisma, Baujahr 1996. Sehr gute Ausstattung, 116 PS, Automatik, TÜV frisch abgelaufen. Für den hätte es neue Bremsen gebraucht und die Klimaautomatik kühlte auch nicht mehr. Ein paar optische Mängel hat das Fahrzeug auf seinen 202 000 Kilometern auch bekommen. Im Vergleich zu meinem Audi war der aber noch echt gut. Der Motor war trocken und lief wie ein Uhrwerk, das Getriebe schaltete, als wenn es neu wäre. Nur 350 Euro wollte ich dafür sehen, wie ich finde ein fairer Preis.

 

In das ausführliche Inserat schrieb ich, dass ich Mail und SMS bevorzuge, da ich aus beruflichen Gründen kaum telefonieren kann. Es hat alle einen Sch...dreck interessiert.

SMS und Mails kamen trotzdem auch reichlich, fast alle sahen so aus:

Zitat:

hallo carisma 100e?

Nein, danke...

 

Das Telefon bimmelte permanent. Nicht mal zu Unzeiten wie halb vier morgens hat man seine Ruhe. Besonders beliebt:

Zitat:

hundertfunfsig euro ledsde prais? holle heute ab!

Nein, danke...

 

Sehr kreativ auch ein Balkanese (dem Akzent nach zu beurteilen):

Zitat:

hallo mache überweisen die voll preis heute gleich hole auto geggen kwittunk von der überweisen ab! ist morgen drauf die gelt!

Ja.. ehm.. sehr seriös. Von daher: Auch nein danke.

 

Der erste Kandidat war ein Afrikaner. Er war sehr temperamentvoll, wollte aber scheinbar nicht am Preis drehen. Ich habe allerdings eh kaum ein Wort verstanden.

 

Er kam drei Stunden zu spät, alle halbe Stunde davor rief er an und wollte eine Wegbeschreibung. Leider wusste er nicht, wo er war und konnte kein Deutsch und war aufgrund seines schrecklichen Akzentes nicht zu verstehen. Ich fuhr entgegen, um sie abzufangen, siehe da, es klappte. Er war extrem agressiv, stieg in den Wagen und knallte 100 Euro hin. Er wollte das Auto jetzt sofort mitnehmen, den Rest würde er überweisen. Er schrie wild herum, die gesamte Nachbarschaft kam entweder mit Besen und Nudelholz bewaffnet auf die Straße oder schloss sich in den Wohnungen ein. Erst ein eilig herbeigerufener Freund, der in der Security-Branche arbeitet, konnte schlimmeres verhindern - es wäre fast handgreiflich geworden. Stinksauer brauste er davon.

 

Der Nächste war ein Araber, er bot 200 Euro Anzahlung, würde dann aber gerne den Brief mitnehmen - ehm ja, ist klar. Durch Übergabe des Briefes hätte er de facto das Eigentum am Fahrzeug erworben und könne einen Herausgabeanspruch durchsetzen - es sei denn, schriftlich hätte man alles genau festgehalten. Auf Verträge o.Ä. reagierte der Herr aber sehr allergisch und schubste mich herum, ehe ich ihn dafür am Kragen packen konnte, zog er schon fluchend von Dannen.

 

Akt Nummer drei, wiederum Afrikaner: Sie kamen einfach nicht...

 

Finaler Akt: Abermals Afrikaner. Sie äußerten erstmal den Wunsch, abgeholt zu werden! 70 Kilometer eine Tour - aber sie würden den Wagen auch zu 100% nehmen. Im Gegenzug einigten wir uns (die Deutschkenntnisse waren auch nicht gut, aber sie konnten gutes Englisch), dass die 350 Euro ein Festpreis sind.

Tatsächlich waren die beiden Afrikaner pünktlich am Treffpunkt. Nach dem ich 140 Kilometer fuhr und die Hälfte davon Taxi spielte, waren wir am Carisma angekommen. Was machten sie? Sie fingen an, am Preis zu meckern! Entgegen aller Absprachen. 200, mehr wollten Sie nicht geben. Und da Sie anders als vereinbart auch keine rote Nummer mitgebracht hätten, baten sie mich, sie wieder nach hause zu fahren.

 

Völlig entnervt einigte ich mich auf einen Preis deutlich unter meinen und sehr nah an deren Vorstellungen. Das Auto soll einfach nur noch weg, ich will endlich meine verdammte Ruhe haben. Dafür traten sie den Rückweg per Bahn an, sie fährt ja schließlich wieder. Auf die "Taxifahrt" zum Bahnhof (10 Kilometer) bestanden sie allerdings noch...

Der Knüller ist ja, dass sie nicht mehr als 200 Euro dabei hatten - hätte ich nicht aus nervlichen Gründen die Segel gestrichen, wäre die 100%-Zusage also nichts wert und den Fahrdienst zurück hätten sie trotzdem erstmal gefordert. Wahnsinn, in was für einer Welt lebe ich eigentlich?

 

Ich habe danach erstmal drei Liter Kaffee runtergekippt und dabei einen Big Pack JPS verqualmt und war einerseits frustriert, andererseits erleichtert.

Ein paar Euro müssen sie mir noch vorbeibringen, dann gibt es auch die Schlüssel und die Papiere. Ich warte schon auf den Anruf, wann ich sie wieder abholen kommen darf...

 

Und ich weiß jetzt endlich, warum wirkaufendeinauto.de oder andere unkomplizierte "Zwischenhändler" so einen Erfolg haben.

Hat Dir der Artikel gefallen? 30 von 30 fanden den Artikel lesenswert.

09.04.2015 16:46    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: 80, Audi, B2 (81/85), Biographie, Der Audi, Fahrzeughistorie, Sonstiges

Jedes Auto erzählt aus seinem Leben, naturgemäß umso mehr, je länger es "lebt".

Alltagsfahrzeuge haben da sehr viel zu erzählen. Auch ein Audi 80.

 

Oft ist es problematisch, die Historie nachzuvollziehen, wenn Papiere fehlen. Da ich dieses Problem kaum habe, habe ich hier einmal das Leben meines Audi 80 rekonstruiert.

 

 

Zugelassen wurde er in Heppenheim als HP-EK 909 am 03.01.1985 auf den 40-jährigen Volker S.

Demnach muss er in den letzten Wochen des Jahres 1984 vom Band gelaufen sein. Ein lustiger Zufall, am 03.01.2009 wurde mein Fiesta produziert.

 

Herr S. passt ziemlich gut ins Schema der Erstkäufer, die nicht selten an Hansjörg Felmy als Tatortkommissar Heinz Haferkamp erinnerten, der wohl der prominenteste Audi-80-Fahrer sein düfte. Ab 1979 fuhr auch er einen hellblauen B2, die Nachfolger Schimanski und Thanner allerdings Ford Taunus TC3.

 

Bürgerliche Herren mittleren Alters waren auch die Zielgruppe des Audi, er war ausgereift, zuverlässig, ohne Schnickschnack. 1979 und 1985 wurde der B2 "Auto der Vernunft", ein Titel, den auch Vorgänger- und Nachfolgermodelle gewannen, galt als solider Kauf ohne viele Emotionen. Das Faceliftmodell ist recht selten, lief nur knapp zwei Jahre ab September 1984. Verändert wurde nicht viel, äußerlich erfolgte eine Anpassung der Leuchten an den Audi 100 Typ 44, Detailänderungen im Innenraum und neue Motoren wurden angeboten. Am Bedeutendsten war die enorme Vergrößerung der Heckklappe. Enge Luke und hohe Ladekante (besonders Letzteres wurmte ja auch bei den Konkurrenten MB W201 und BMW E30) gehörten der Vergangenheit an.

 

Herr S. könnte Handwerksmeister, Lehrer oder Finanzbeamter gewesen sein - oder auch Kommissar. Er gönnte sich bereits einen Wagen, der mit dem neuen und zukunftsweisenden G-Kat ausgerüstet war. Er wurde dem Wagen nur beigelegt, da es noch nicht ausreichend bleifreies Benzin gab, das Tankstellennetz war zu dünn. Der "Katalsyator"-Aufkleber auf der Heckklappe war original und wurde sehr oft bei Nachrüstungen vom VAG-Partner angeklebt, dieser dürfte beim späteren Einbau des Kat der Fall gewesen sein.

 

Mit 90 PS wählte Herr S. ein Modell mit relativ hoher Leistung, viele wurden mit 75 ausgeliefert. Ob er diesen Motor nur wegen dem Kat wählte, weiß man nicht. Großer Motor und Buchhalterausstattung ist aber sonst nicht sehr häufig zu finden.

 

Herr S. konnte oder wollte kein Vermögen für seinen Neuwagen ausgeben. Er orderte nur zwei Extras: Handbremskontrolleuchte und rechten Außenspiegel. Auf die gern genommene CC-Ausstattung verzichtete er ebenso wie auf eine Servolenkung oder Nebelscheinwerfer.

 

Vielleicht hat Sebastian Vettel den Wagen mal in Heppenheim gesehen - möglich ist es, er lief bis zu Herrn S. Umzug im Sommer 1995 dort. Von nun an lief der Wagen als DA-AE 139 im 50 Kilometer entferten Darmstadt, außerdem brachte er ihn auch nicht mehr zum VAG-Service, denn der Aufkleber an der fahrerseitigen B-Säule ordnet noch heute eine nächste Inspektion im August 1994 an, ersatzweise bei 82 000 Kilometern. Grob geschätzt fuhr Herr S. also 8500 Kilometer im Jahr, das ist nicht viel.

 

Ab April 2000 griff Frau Sonja B., 47 Jahre alt, ins Lenkrad des Audi. Sie wohnte im Kreis Itzehoe, der Audi erhielt das Kennzeichen IZ-SD 299. Erstaunlich, wie der Wagen in Zeiten, als Autos noch in der Zeitung gekauft wurden, so weit weg einen neuen Besitzer fand. Vielleicht eine entfernte Verwandte von Hr. S.?

Lange fuhr sie den Audi nicht, zwei Jahre später (vielleicht Probleme mit dem TÜV?) ging der Audi an Siegfried L, 64 Jahre alt, sein neues Kennzeichen lautete PI-DD 244.

Wenn das Rentenalter eintritt, kaufen sich viele Leute ja noch einmal einen "großen Wagen". Der Audi war aber damals schon nicht mehr viel wert, gut situiert dürfte Herr L. wohl kaum gewesen sein. Nach nur einem Monat wurde der Audi bereits außer Betrieb gesetzt.

 

Erst ein halbes Jahr später meldete die 45-jährige Karin K. den Wagen wieder an, gefahren hatte ihn aber der Sohn.

Der Audi erlitt, wie sich bei den Reparaturen herausstellte, ja einen sehr schweren Heckschaden. Wahrscheinlich dürfte dies Hr. L. passiert sein, das erklärt die lange Abmeldezeit. Nicht ganz sicher ist, ob der Wagen von Frau K. als Unfaller gekauft wurde, oder sie den Wagen bereits repariert übernahm. Die Reparatur war gepfuscht, soviel steht fest. Wahrscheinlich wurde der Audi Familie K. als Blender untergeschoben, vielleicht hatte der Sohn aber auch als Laie versucht, sich den Wagen selbst herzurichten.

 

Frau K. sammelte gewissenhaft alle TÜV-Belege, weshalb man die Historie nun gut nachvollziehen kann. Der Sohn von Frau K., gemäß dem Kennzeichen IZ-K 980 wahrscheinlich Jahrgang 1980, baute ein damals teures Radio samt Verstärker und CD-Wechsler ein (das Radio stammt auch aus der Zeit um 2003) und tauschte die Innenausstattung irgendwann gegen die eines GT. Diese hatte eine Sitzhöhenverstellung und eine vollwertige Mittelkonsole, der Farbkontrast ist allerdings recht derb.

 

2004, als eine Anhängerkupplung eingebaut wurde, hatte der Audi bereits 208 000 Kilometer auf der Uhr. Zwischen 1994 und 2004 wurde er also über 120 TKM gefahren. Vielleicht hatte Herr S. aus Darmstadt einen weiteren Arbeitsweg zu seiner Stelle? Dies wird wohl ein Geheimnis bleiben.

 

2006 und 2008 wurde beim TÜV Korrosion moniert, der Sohn von Frau K. behob dies selbst, wie optisch dilettantische, aber bis heute haltende Reparaturen von Schwellern und Radläufen zeigen. Es sieht nicht gut aus, aber scheint gar nicht mal so schlecht gemacht worden zu sein.

Ansonsten fiel der Audi beim TÜV kaum auf, wohl auch deshalb hielt er dem montanaroten 80er neun Jahre die Treue. Es muss eine schöne Zeit gewesen sein, denn danach kam wieder ein Audi 80.

 

2012 wurde er mit 256 TKM an Volker N. aus Itzehoe verkauft, der einen günstigen Ersatz für seinen Passat GT B2 suchte. Der Audi war ja eng verwand und günstig im Angebot (der Sohn von Frau K. hatte einen besseren Audi 80 gekauft, der alte musste weg), also griff er zu. Mit 290 TKM holte ich ihn schließlich aus der Scheune, in der er wegen Wartungsstau seit 2012 genau ein Jahr stand.

 

Wie es weitergeht, das wird die Zukunft zeigen. Der Audi hat bis jetzt jedenfalls schon viel zu erzählen gehabt. :)

Hat Dir der Artikel gefallen? 12 von 13 fanden den Artikel lesenswert.

01.01.2015 21:41    |    VincentVEGA_    |   Stichworte: Sonstiges

AbendstimmungAbendstimmung

Liebe Leser,

 

das Jahr 2014 haben wir mit dem Beginn des heutigen Tage hinter uns gelassen.

Neben Ukraine-Krise, Fußballmärchen und sinkenden Spritpreisen hat jeder seine ganz persönlichen Höhen und Tiefen erlebt.

 

Ich habe die Kommentarfunktion bewusst deaktiviert, da ich das Geschehene einfach so stehen lassen möchte und sich an den abgeschlossenen Kapiteln keine Diskussionen mehr entzünden sollen.

 

Wie verlief mein Jahr 2014 bezogen auf diese Community? Was kann ich euch daraus mit auf den Weg geben?

Ich werde mal chronologisch vorgehen.

 

Ich wurde im März Fahrer des namensgebenden Fiesta und habe meine Begeisterung für dessen Individualisierung entdeckt, und wollte dies mit euch teilen.

Nicht immer werde ich damit euren Geschmack getroffen haben, doch hoffe ich dennoch, meist lesenswerte Artikel zu verfassen.

 

Auch war für Motor Talk das Jahr aufregend. Man erinnere sich an eine gestürzte "Forenlegende". Die Lücke, die hinterlassen wurde, füllte Schlawiner98 mit seinem Blog "Automobile Randerscheinungen". Und somit ist er eine der Personen, die ich hier erwähnen möchte. Er gab mir die Inspiration für VEGA Motors. Wir beide möchten uns nicht mit der verloren gegangenen Hitparade vergleichen - aber führen in lockerer Kooperation das interessante Thema fort.

 

Ich war vorher nie sonderlich präsent auf dieser Plattform, erst durch den Fiesta wurde ich zum aktiven Mitglied.

Wenn ich bedenke, was ich vor sechs Jahren so schrieb ... aber jeder hat seine Jugendsünden. :D

Ich fing mir, ich glaube es war 2010, eine Verwarnung ein, ich hatte mal ein opelfeindliches Gedicht gepostet, welches spaßig gemeint war (ich hatte nie etwas gegen die Marke Opel), aber nicht von jedem so gesehen wurde.

Mittlerweile bin ich aus der spätpubertären Phase herausgewachsen und habe mir dennoch kurz vor Jahresende eine Zweite gefangen. Diese kann ich nicht mit jugendlichem Fehlverständnis von Humor erklären. Ich habe aus der zugrunde liegenden Situation aber gelernt, Dinge ruhiger anzugehen. Lieber einmal mehr überlegen, anstatt einmal zu wenig. Ein zweiter Blick auf eine komplizierte Angelegenheit wirkt manchmal Wunder.

Den Meisten dürften die Umstände näher bekannt sein, ich möchte das Ganze aber im alten Jahr lassen und nicht in das Neue mitnehmen.

Ich freue mich aber, dass sich bei einigen Mitgliedern die Weisheit bewahrheitet, dass nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde.

 

In der Tat habe ich auch einige Mitglieder persönlich kennen gelernt.

Da wäre zum Beispiel Profi2010. Ich fragte ihn zu einer Modifikation seines Fiesta. Als ich durchscheinen ließ. dass ich das ebenfalls durchführen möchte, bot er mir sofort Hilfe an.

 

Am letzten sommerlichen Tag des Jahres, es war der 19.10., haben wir gemeinsam an unseren Autos geschraubt, jeder half dem anderen, wie er konnte.

Sogar ein zweites Mal kam es zu einem Treffen, am 16.11. ging er mir erneut zur Hand. Ihm konnte ich dieses Mal nicht wirklich helfen, aber ein gemeinsames Abendessen in einem schönen Restaurant war ihm eine würdige Entlohnung. Das ist, verglichen mit dem Aufwand und unter der Tatsache, dass wir flüchtige Bekannte sind, nicht viel.

Ebenso nahm er sich diesen Tag Zeit, obwohl finale Prüfungen in Kürze anstanden.

 

Wenn ich nicht so weit weg wohnen würde, daraus hätte eine echte reale Freundschaft entstehen können.

Lieber Marcus, solltest du den Weg in die Hauptstadt finden, so steht dir meine Tür stets offen.

 

Der erste Real-Life-Kontakt mit einem MT-Mitglied verlief perfekt. Er ist hilfsbereit, freundlich und ich konnte etwas lernen. Als angehender Mechatroniker kennt er sich schließlich ein wenig auf dem Gebiet aus.

 

Der zweite Kontakt mit einem virtuellen Freund fand schließlich kurz vor Weihnachten statt.

Der User legooldie lud mich zum Kaffee ein, und ich zögerte nach den guten Erfahrungen mit Profi2010 nicht.

Leider hatte ich nicht viel Zeit, nach eineinhalb Stunden musste ich weiter.

Ich bin immernoch begeistert von der Gastfreundschaft, die mir entgegen gebracht wurde. Hier bei MT gibt es Gleichgesinnte, die man auch außerhalb des Forums gerne um sich hätte.

Lieber Dirk, du hattest angekündigt, mir mittelfristig eine Gelegenheit zu geben, mich zu revanchieren. Mein Trabant-Buch liegt für dich bereit.

 

Liebe User, geht 2015 verstärkt auf euch zu. Ich habe es jedenfalls nicht bereut.

Und wenn ein Besuch beim Kommen ausnahmsweise keine Freude macht, dann immerhin beim Gehen. ;)

Nicht immer passt es so gut, wie man zunächst dachte, und auch negative Erfahrungen gehören dazu, aber diese sollte man abhaken und sich deswegen nicht lange grämen. So schnell wie 2014 vorbei ging, so wird mir wieder bewusst, wie kostbar unsere Zeit ist.

Sehen wir also nach vorne, und wenn wir nach hinten sehen, lasst uns die schönen Dinge hervor holen.

 

In diesem Sinne,

alles Gute für das Jahr 2015! :)

Hat Dir der Artikel gefallen? 14 von 15 fanden den Artikel lesenswert.

30.12.2014 12:33    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (56)    |   Stichworte: Sonstiges

Zwischen den Tagen ist eine entspannte Zeit. Die Meisten müssen nicht arbeiten, das stressige, aber schöne Weihnachtsfest liegt hinter einem und das Jahr möchte abgeschlossen werden.

 

So ein Kurzurlaub wäre doch etwas Schönes.

Vom 28. zum 29. fuhr ich deshalb mit dem Fiesta in den Harz. Als ich das Ganze plante, war noch nicht sicher, ob Schnee fallen würde.

 

Als Begleitung war mein motorbegeisterter bester Freund eigentlich schon gesetzt, da er der Einzige ist, der immer meinen Fiesta fahren darf und auch von der Existenz einer Kartbahn in der Nähe weiß, doch dann kam meine Lebensgefährin und meinte, sie müsste unbedingt mit, was sie für Angst hätte, wenn ich alleine mt ihm in den winterlichen Harz fahre. Da wir zwei eigentlich immer ein harmonisches Team sind und sich die typisch weiblichen Zickereien bei ihr in erfreulich geringen Grenzen halten, wehrte ich mich auch nicht dagegen - ein Pärchenurlaub hat schließlich auch etwas.

 

Am Sonntagmittag kam ich in Hildesheim an. Eine Kartfahrt in der dortigen Indoor-Strecke ergab sich leider nicht, da ich nicht reserviert hatte und die Anlage stärker frequentiert wurde, als ich dachte. Es ist eben Ausflugszeit... ;)

 

Anstatt der Kartstrecke befuhr ich dann die winterlichen Landstraßen, die zu dem Zeitpunkt noch schneefrei waren. Endlich war der Fiesta in seinem Revier. Das Fahrwerk überzeugte wie immer durch gute Straßenlage, die Lenkung spricht perfekt an, der Motor dreht locker hoch und das Getriebe spielte sogar auch mit. Berghoch quälte sich der kleine Vierzylinder natürlich ein bisschen und dröhnt das Klagelied vom fehlenden Turbo und wenig Hubraum.

 

Nachdem wir fast den ganzen Tag auf der Autobahn und Landstraße verbracht haben, wurden wir freundlicherweise von Bekannten zum Abendessen eingeladen. So fuhren wir nach Clausthal-Zellerfeld und nahmen an der netten Runde teil.

Erst am späteren Abend machten wir uns zu unserer Unterkunft auf, da waren die Straßen schon ein wenig verschneit.

 

Das Hotel "Drei Bären" liegt in Altenau und ist 15 Kilometer von den anderen entfernt.

Es ist ein eher günstiges Hotel, die Zimmer sind mindestens 40 Jahre alt, aber das ist egal, man muss ja nicht lange drin wohnen. Der Service war sehr gut, die Zimmer auf den ersten Blick sehr sauber. Auf den Zweiten jedoch nicht: An der Toilettenbürste hing Kot und der Duschkopf war völlig verkalkt. Nach dem Duschen bekam meine Liebste, die eine sehr empfindliche Haut hat, auch sofort schweren Ausschlag. Schade, dass man im Detail dort so nachlässig war, das Hotel wäre sonst ein echter Geheimtipp. Für eine Nacht aber völlig ok. Wo sonst gibt es im Harz für 50 Euro ein Doppelzimmer?

 

Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach Clausthal, trafen uns kurz mit meinen Bekannten und machten danach einen kleinen Waldspaziergang in der winterlich-verschneiten Landschaft und traten dann die Heimreise an.

Dabei beobachteten wir eine Müllabfuhr, die mit den Tücken von ungeräumten kleinen Nebenstraßen zu kämpfen hatte, sich dank Ketten aber aus dem Malheur befreien konnte.

 

Der Räumdienst arbeitete wirklich gut, die Räumfahrzeuge waren fast überall präsent und kehrten gründlich. Natürlich war es noch etwas glatt, was bei einer Bergabfahrt nicht unbedingt angenehm ist, aber alle Verkehrsteilnehmer fuhren vorbildlich defensiv, teilweise schlichen Ortsfremde sogar. Zu einem Überholmanöver ließ sich aber niemand hinreißen, und so erlebte ich die Rücktour tief entspannt am Steuer des Fiesta, der erneut die Fahrwerkskompetenz von Ford unterstrich und ein gutmütiges Fahrverhalten an den Tag legte.

Eine große Nebelbank gab auch die Premiere für die Nebelscheinwerfer, die ich erstmals benutzte. Die wollte ich unbedingt beim Kauf dabei haben, allerdings aus optischen Gründen :D

Vielleicht habe ich ja den ein oder anderen zu einem Kurzausflug inspiriert. Nächstes Jahr werde ich versuchen, um diese Zeit wieder zwei oder drei Tage ein paar Kilometer weg zu fahren und die Tapeten für das neue Jahr zu wechseln. Ein paar Fotos hat meine Liebste vom Beifahrersitz aus gemacht, sie vermitteln einen guten Eindruck von der Landschaft.

 

Viel erlebt haben wir also nicht, ich hoffe, es ist inhaltlich nicht zu wenig für einen schönen Artikel.

Aber ich hoffe, euch gefällt dieser kurze Reisebericht.

Rutscht gut ins neue Jahr - aber nicht von der Straße! :)

Hat Dir der Artikel gefallen? 5 von 6 fanden den Artikel lesenswert.

Blogempfehlung

Mein Blog hat am 14.02.2017 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Der Übeltäter

VincentVEGA_ VincentVEGA_

Mercedes

 

Wer sich hierher verirrt hat

  • anonym
  • SantanaGX
  • c8boch
  • alpinax
  • HerrLehmann
  • jojsbo

Blog Ticker

Banner Widget