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veni vidi vega

Mit einem Fiesta fing alles an, seitdem habe ich alle möglichen Autos sämtlicher Typen hier behandelt.

09.07.2016 23:20    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (19)    |   Stichworte: Der Audi

Lange kam nichts mehr, was meine Fahrzeuge anging. Zumindest beim Audi ging der Gesprächsstoff aber nicht aus. Im letzten Artikel kam er ja noch ganz gut weg. Er lief ja auch ganz gut. Am Wochenende um den ersten Mai wollte ich mir eine neue Tür abholen, um die alte, spachtelreparierte, auf den Müll zu befördern und den Wagen an sich von Leuten checken zu lassen, die ihr Handwerk verstehen und vor allem auch mit dem Modell sehr erfahren sind.

So führte es mich in die Mannheimer Umgebung, wo zwei Mitglieder der Typ 81/85- IG warteten. Zwei Tage vor der Anreise fing der Motor aus heiterem Himmel an, wieder heftig zu stottern. Es war zuvor tagesabhängig, mal lief er super, mal nicht ganz so rund, aber im Ganzen ging es. Das war jetzt anders, der lief einfach nur durchgehend beschissen.

Besonders deutlich wurde es an den Kasseler Bergen, wo ich stellenweise Mühe hatte, im Vierten die 80 zu halten und dann doch den Dritten bemühen musste. Fahrer von VW T3 oder Hyundai Atos würden mich jetzt natürlich fragen, wo mein Problem ist, aber ich konnte merken, dass der Audi unter seinen Möglichkeiten fuhr. Er verbrauchte erschreckend viel Öl, aber unglaublich wenig Benzin. Mit 40 Litern legte er 700 Kilometer zurück. Für einen nicht einwandfrei laufenden Mittelklassewagen von 1984 mit G-Kat ist das ein hervorragender Wert.

 

Schlussendlich rollte (fahren konnte man es im niedertourigen Bereich nicht mehr nennen) ich auf den Hof, und die beiden Profis machten sich sogleich ans Werk. Auch max.tom war anwesend und half mit. Die Bestandsaufnahme war etwas ernüchternd, man hatte sich den Wagen besser vorgestellt als das, was da nun in der Halle stand. Vielleicht war ich vor Freude, dass die Karre mal eine Zeit lang gut lief, völlig geblendet. Wahrscheinlich habe ich auch den Mund zu voll genommen, was meine Arbeiten am Wagen betraf. Na ja, im Nachhinein ist es quatsch darüber zu sinnieren. Die beiden waren fachliche Profis und ließen, obgleich der Wagen nicht den Erwartungen entsprach, nichts anbrennen und schraubten zügig und systematisch los.

 

- Die Dichtringe der Injektoren waren schon teilweise zerbröselt. Eine typische Schwachstelle. Wurde mir mal geraten, dann sagte mir aber der Vogel in der Werkstatt, sei nicht nötig. Im Nachhinein war mir auch klar warum: Die Injektoren saßen bombenfest, es hätte also gut etwas beschädigt werden können.. das wollte sich der wohl nicht antun. Die beiden IG-ler störte das nicht, sie gingen trotzdem ran. Und nun das Beste: Ein Injektor zerbrach dann tatsächlich, was man den beiden wirklich nicht zum Vorwurf machen konnte.

 

Binnen einer Stunde war ein neuer, den sie sofort aus ihrem Lager besorgten, drin, und nachdem ich später fragte, ob man für diese nicht selbstverständliche Leistung noch etwas von mir bekäme, wurde keine Unkostenerstattung erbeten, obwohl es durchaus angebracht gewesen wäre. Die Geste fand ich wirklich klasse.

 

- Die Stauscheibe der KE war verschmutzt und verstellt.

 

- Die Elektrik war, man kann es nicht ander sagen, noch immer brandgefährlich. Ein bisschen mildern konnten die versierten Bastler das Ganze, aber ein neuer Kabelbaum wäre besser. Nur will ich so viel nicht auch noch investieren.

 

- Die Heckklappe passt wieder. Die Scharniere waren gar nicht verbogen, da bin ich einem Irrtum aufgesessen. Dank tatkräftiger Unterstützung von max.tom sitzt sie nun viel besser. Gleichzeitig haben wir die Dichtung des Schlosses erneuert, damit der Kofferraum endlich trocken ist. Weiterer Pfusch kam zutage, so habe ich die schwarze Plastikblende nicht richtig montiert und derjenige, der die Kennzeichenhalter montierte, hat einfach mal Schrauben in die Heckklappe gejagt. Ganz großes Kino!...

 

- Der Rost im Verborgenen ist leider umfangreicher als angenommen. Nicht KO-Kriterium, aber auch nicht so, dass man das ignorieren könnte. Eine Konservierung ist fürs erste eine zeitwertgerechte Sofortmaßnahme, aber eigentlich müsste man da noch mal ran...

 

- Man förderte einen Luftfilter von 2006 zutage. Völlig zugesetzt. Ich hatte ja schon vor der Abholung des Wagens kaum mehr als ein Jahr zuvor bereits einen bestellt, bekam aber den Falschen geliefert. Schließlich habe ich es in einer Werkstatt beim Federwechsel hinten mit in Auftrag gegeben. Da man den bei diesem Modell relativ zugebauten Filter als Laie nicht mal eben kontrollieren kann, sparte man sich den Wechsel wohl, berechnete ihn aber. Die Federn waren übrigens falsch eingebaut, wie sich an dem Tag noch herausstellte.

 

Zu blöd, dass ich an dem Tag mehr und mehr komplett neben mir stand. Ich hab's nicht mal hinbekommen, die Kerzen richtig rauszudrehen. Wenigstens konnte ich sehen, wie die Experten den ein oder anderen Handgriff vornahmen...

Ich hatte wieder Migräne, traute mir sogar nicht mal mehr zu, den Wagen rückwärts vom Hof zu fahren. Einer sprang ein, monierte aber, der Wagen lenke sich selbst für ein servoloses Modell viel zu schwer.

Der Motor lief übrigens am Ende astrein, am Folgetag tat er das nich mehr. Es stank zudem nach Benzin.

Bereits beim TÜV-Termin im April 2015 sagte der Prüfer, die Leitungen sähen stellenweise weniger gut aus und könnten die nächsten Winter möglicherweise nicht überleben. Ich möge sie mir dann also regelmäßig ansehen. Trocken waren sie noch und nach Benzin roch es auch nicht. Glück gehabt, aber eben nicht lange. Nun waren sie bei den Reparaturarbeiten, die auch mal Grobmotorik erforderten, kaputt gegangen.

 

 

Ja, nun, Zu- und Rücklauf waren jetzt hin. Besonders kritisch war die Stelle unterm Batteriekasten, wo naturgemäß wohl einige Dämpfe entweichen sollen. Nach 32 Jahren war sie hier nun undicht. Vor Ort konnte man das mangels Material nicht mal eben beheben. Auch sonst war die Meinung der IG-ler, dass man hier weder Zeit noch Motivation hätte, noch groß etwas an dem Wagen zu machen - es wäre einfach zu viel geworden, wenn man noch etwas Neues angefangen hätte. Am Folgetag stand ein Termin in Nürnberg an, sodass ich bereits am frühen Sonntagnachmittag abreiste. Die Fahrten nach Nürnberg und Berlin spulte der Audi ohne Probleme ab, sogar der Ölverbrauch war geringer als auf der Hinfahrt, was technisch eigentlich nicht sein kann, da dahingehend nichts gemacht wurde. Schön war's aber. Trotzdem mussten die Leitungen zügig repariert werden, denn nun war's umgekehrt, der Benzinverbrauch war gestiegen. Er lief zu fett, was der Kat auch nicht auf Ewig wegstecken kann.

 

 

Für mich war schnell klar, dass ich die Reparatur nicht selbst durchführen werde. Ein Kumpel meinte, er hätte das bei seinem Wagen sehr schnell gemacht, es gäbe diese Leitungen doch als Meterware. Er nannte mir den Händler in Berlin-Spandau, wo er die Leitungen kaufte. Der sagte jedoch, diese Leitungen gäbe es nicht. Ich habe den ganzen Tag so ziemlich jeden erdenklichen Händler abgeklappert, niemand hatte etwas. Ich habe teils widersprüchliche Aussagen gehört, aber wenn ich das richtig verstanden habe, werden die wegen irgendwelcher EU-Regularien seit Kurzem nicht mehr vertrieben.

 

Der nächste Ansatz waren Stahlflexleitungen. Doch die gab es nicht als ausreichende Meterware in der bestimmten Ausführung, die ich benötigt hätte (2 mal 4 Meter, 8 mm Außendurchmesser, und viele mehr).

Ich habe viel herumtelefoniert, bis ich bei einer der wenigen Werkstätten, denen man halbwegs vertrauen kann, auf einen Kaffee vorbeikam. "Nimm vernünftigen Gummi und ersetz Teilstücke. Das hält, wenn es richtig gemacht ist, mehr Druck aus als eine KE überhaupt maximal auf den Leitungen aufbauen kann"...

Der TÜV würde das immerhin durchgehen lassen, wenn es denn auch wirklich dicht hält - als Zwischenlösung ideal, bis mir endlich dämmert, wie man das Problem dauerhaft beheben kann. Bis dahin gilt: Nicht schön, aber selten.

 

Die Reparatur auf diese leider etwas provisorische Weise war naturgemäß recht preiswert und hält tatsächlich bislang absolut dicht. Es sieht halt nur richtig scheiße aus. Spätestens nächstes Jahr habe ich das hoffentlich geändert.

Nun lief der Motor besonders in der Warmlaufphase aber immer noch nicht so gut wie an dem Samstagabend, als ich in Mannheim/Umgebung vom Hof fuhr.

Das kann natürlich der Temperatursensor sein, der mir auch schon sagt, mein Motor koche nach fünf Minuten Fahrt und würde gleich in Rauch aufgehen... Der ist zwar neu, aber der Stecker, auf den der Sensor kommt, hat Grünspan angesetzt. Vielleicht ist das schon des Rätsels Lösung? Nein, Kontaktspray half nicht wirklich. Also entweder die Kontakte ersetzen oder weitersuchen.

Obwohl ich nach wie vor zwei linke Hände habe, schnappte ich mir dann doch mal die Tage mein Selbsthilfebuch und fand recht schnell heraus, dass an der Unterdruckdose die Verschlauchung teilweise fehlt. Das war auch nicht schwer, weil ziemlich offensichtlich. Na sowas. Wo ist die bitte hin??? Meterware hilft, das wird die Tage gemacht.

 

 

Sehr ätzend ist das Ableben des Lenkgetriebes. Dies habe ich erst vor einem 3/4 Jahr erneuert. Nun ist es wieder hin, Anzeichen gab es ja schon, siehe Kommentar der Person, die ihn vom Hof steuerte. Eine Ursache ist jedoch auch an dem besagten Wochenende in Betracht gekommen: Die Schutzmanschette am Lenkgetriebe ist hin. Das war bereits bei dem Wechsel der Fall, doch da ich die nicht zum Tausch auf dem Schirm hatte, wurde die Gerissene also wieder von mir montiert nach dem Motto "is' halt so..". Vielleicht verlor das Lenkgetriebe Fett und nahm dafür Dreck auf, die Mechanik hielt dem nicht lange Stand. Das wird man ja herausfinden können. Vielleicht habe ich auch beim Wechsel etwas falsch gemacht, es war zwar letzendlich richtig montiert, aber davor habe ich mich ziemlich dämlich angestellt und eventuell etwas beschädigt. Ich werde den Tausch diesmal nicht selbst machen, um ganz sicher zu gehen. Bei dieser Gelegenheit könnte man gleich den Getriebeölverlust stoppen - der ist auch neu. Zum Glück ist der marode Simmerring recht einfach zu wechseln, Gelenk von der Schubstange trennen, Ring wechseln, was wohl etwas popelig werden könnte, Öl auffüllen, und das wars schon. Wäre es auf der anderen Seite passiert, hätte das Getriebe rausgemusst, wenn ich den Etzold richtig gelesen habe.

 

Ich weiß es nicht, aber die Kombination aus mir und dem Auto ist einfach schlecht. Ich brauche ein Auto, an dem ich nicht viel machen muss, und mein Audi braucht einen Besitzer, der am Werkzeug eben nicht völlig talentbefreit ist. Da dieses Jahr relativ wenig Reparaturkosten angefallen sind (noch unter 500 Euro), lasse ich das ganze erstmal noch weiter laufen. Denn trotz aller Unzulänglichkeiten läuft er immer weiter, seltsamerweise habe ich in ihm das Gefühl, wirklich immer anzukommen. Auch dann noch, wenn er an der Ampel wegen schwankendem Benzindruck abgesoffen war und erst auf den dritten Schlüsseldreh wiederkam.

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13.03.2016 20:46    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: Der Audi

Ich hatte selbst nicht mehr daran geglaubt, aber ich kann seit dem letzten Artikel im November erstmals ein positives Fazit ziehen. Scheinbar ist er einigermaßen genesen. Na gut, er ist ja so gut wie komplett neu. Was soll da also noch sein?

 

Seit den letzten Dramen habe ich ca, 1500 Kilometer mit dem Audi abgespult, davon 600 in den letzten zwei Wochen. Und jetzt kommts: Dabei gab es keine Ausfälle.

 

Lediglich der Gebläsemotor für den Innenraum macht nun hässliche Geräusche, da ist wohl ein Lager trockengelaufen. Ersatz war nicht teuer und bei der Laufleistung kann das mal passieren.

 

Noch immer sponn die Kühlwassertemperaturanzeige. Diesmal baute ich den Kühler selbst aus und spülte ihn durch.

Den Kühler selbst hab ich nach einigen Schwierigkeiten doch noch raus bekommen (Lüfterblech war verbogen, wodurch auch immer, und ging schlecht ab, Kühlerbefestigungsschrauben unten drehten durch, mit dem Gegendrücken mittels Zange ging es aber doch) und durchgespült. Da kam dann doch etwas Dreck raus, aber nicht so viel, dass man ihn als verstopft hätte bezeichnen können. Dennoch steigt die Temperatur jetzt nicht mehr bis 110, sondern nur bis maximal 105 Grad, auf der Autobahn sind es ca. 97. Die Heißlampe blinkt nur, wenn er erstmals die 90 bis 95 Grad überschreitet, geht dann aber schnell wieder aus. Ich vermute, da öffnet dann das Thermostat und fertig ist's. Am Kühlsystem gibt es keine Defekte. Es ist durchgespült, das Thermostat öffnet, alle Sensoren sind neu, es wird kein Wasser verloren und die Wasserpumpe ist neu und von SKF, also jetzt nicht vom billigsten Hersteller. Der Lüfter geht bei Anzeige 110 an, sofern der Wagen steht. Ich vermute, die Anzeige übertreibt einfach ein wenig bzw. spinnt. Gestern hatte ich die groteske Situation, dass die Lampe blinkte, ich anschließend hochtourig den Berg hochfuhr, ging sie aus, die Temperaturanzeige blieb die ganze Zeit konstant.

 

Die Tür hinten links wollte ich endlich ausbeulen, doch was ich sah, war weniger schön: Sie war an der Unterseite fast völlig weggerostet und bestand fast nur noch aus Spachtel. Zu retten ist da nicht mehr viel. Ergo habe ich eben wieder Spachtel eingesetzt, ehe mal eine Neue hereinkommt. Manchmal müssen es erstmal auch Provisorien tun.

 

Der rappelige Motorlauf hat auch eine Ursache, die jetzt bekannt ist. Wenn er jetzt nach dem Tausch von quasi Allem noch nicht geht, muss wohl etwas falsch gemacht worden sein. Die genaue Untersuchung aller Arbeiten zeigte es dann auch: Die Verteilerkappe wurde falsch eingebaut und zwei Kontakte sind abgebrannt, einer ist noch nachschleifbar gewesen, der andere war nicht mehr zu retten. Nachdem das Teil also falsch montiert wurde, hat der Pfuscher, der das tat, am Zündverteiler ratlos herumgedreht und damit die Kerzen zum Hades geschickt. Leider bekam ich die falschen Ersatzteile. Als ich die dann endlich tauschen konnte, bekam ich defekte Teile von Bosch. Von Bosch! Man kann ja auf gar nichts mehr vertrauen. Dem Audi kann man diese Macke jedenfalls ausnahmsweise nicht anlassen, was kann er dafür, wenn an ihm gepfuscht wird.

 

Das Leerlaufventil arbeitet verzögert, aber es arbeitet. Eventuell hilft ihm ein Tausch der Lambda auf die Sprünge. Ja, ansonsten fährt der Wagen problemlos.

 

Der Fiesta hat mit dem TÜV etwas Schwierigkeiten, und so steht er vor der Werkstatt und wird gemacht, wenn gerade mal etwas Zeit ist. Der Audi ist somit wieder das vorübergehende Hauptfahrzeug und bringt mich zur Arbeit, schluckt die Einkäufe und muss bei jedem Wetter ran.

Einmal musste er auch auf Schnee und Glatteis ran, da der Fiesta zugeparkt war. Ohne ABS oder Servo war das nicht so meins. Er bleibt das Auto für schöneres Wetter.

Auch Tempo (laut Tacho, real etwas weniger) 200 erreichte er, macht aber den Eindruck, als würde er dabei gleich auseinander fallen. Problematisch war es auch, den Wagen aus diesem Tempo wieder zum Stehen zu bringen, voll Durchtreten geht nicht, da es beim Blockieren nicht viel zu Lachen gibt, und selbst bei der Stotterbremse zog er etwas schief. Zum Rasen ist er allerdings auch das falsche Auto. Lieber zieht er gemütlich seine Bahnen, da auch die Kupplung einem Duell mit einem 230 CE nicht standhielt und überhitzte. Ja, mein Gott, die ist dem Anschein nach schon uralt und darf auch mal Schwächeln. Ich habe seit Januar nur 250 Euro an Reparaturen gehabt, inklusive Werkstattkosten. Damit kann ich leben.

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01.12.2015 19:55    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (30)    |   Stichworte: Der Audi

Ja, der alte Blechmichel lebt noch - und findet noch immer Gefallen daran, mir das Leben schwer zu machen.

 

Da ich ja nun im Sommer und Herbst nicht fahren konnte und verletzungsbedingt noch länger beim Audi brauchte, da der höhere Bedienkräfte hat, habe ich den Wagen einer Familie gegeben, die kein Geld für ein Auto hatte, es durch die ländliche Wohnlage aber dringend brauchte (Ärzte, Einkaufen, etc). Dort lief er für ca. 40 Kilometer in der Woche, also wirklich eher im langsamen Schonbetrieb.

Bis ich einen Anruf bekam: "Das Auto bringen wir dir vorbei, es ist am Ende." Ich holte den Wagen lieber trotz Schmerzen selbst ab (ich möchte es nicht verantworden, wenn etwas passiert wäre) und noch auf der Fahrt in die Werkstatt stand das linke Vorderrad in Flammen! Mit einem Feuerlöscher bewehrt konnte ich jedoch Schäden sofort effektiv verhindern. Ursache war das Radlager - alle vier waren indes defekt, die Räder konnte man wie Wackelpudding bewegen. Hätte ich mal auf die ekelhaften Quietschgeräusche von vorne links á la sich paarende Meerschweinchen geachtet, die geschwindigkeitsabhängig immer lauter wurden. Vorne waren die Radnaben ebenfalls defekt, die mussten neu. Hinten schwammen die Trommeln in Bremsflüssigkeit, der Bremszylinder war kaputt.

Die Vorderreifen waren natürlich beide erneuert worden, da ja auch der Linke nach dem Feuer definitiv keinen Meter mehr benutzbar war.

Ach ja, die Räder: Einzelne Radschrauben waren gerissen. Vorne Links hätt ichs nach der Hitze ja noch kapiert, aber so? Argh.

Beinah beiläufig konnte ich das drehzahlabhängige Jaulgeräusch eliminieren, der Zahnriemen war nicht ganz korrekt eingestellt. Er war jedoch noch i.O. und musste nicht ersetzt werden.

 

Die Wasserpumpe (mal wieder eine bestellt) passte abermals nicht, bis mein findiger Mitschauber in meiner Abwesenheit das Teil so zurecht gefeilt hat, dass es passte. Ich selbst hätte ihn erwürgt, wenn ich dabei gewesen wäre. :D Ich vermute, da stimmt was mit dem Stirnrad nicht. Nun funktioniert aber alles tadellos, bis die schon lange summende Lichtmaschine ihren Geist aufgab - die Batterie wurde nicht mehr geladen. Es ist nun eine Nagelneue drin, das Thermostat wurde mit der Wapu mit getauscht.

 

Als wäre das noch nicht genug gewesen, lief der Motor immernoch schlecht. Falschluft konnte ich mit der Nebelmaschine in einer engen Garage ausfindig machen, und zwar an der Stellschraube der KE. Die wurde ersetzt, besser wurde es. Doch noch immer nicht so, wie es sein soll. Als ich frustriert über dem laufenden Motor eine Beruhigungszigarette rauchte und diese achtlos richtung Krümmer hielt, zog er den Rauch zwischen Krümmer und Drosselklappe rein! Hurra, gefunden und mit Hylomar abgedichtet, nun läuft er annähernd perfekt.

 

Nachdem auch dies erledigt war, wurde das Fahrzeug von Profis aufbereitet. Zwar nicht so, wie es MonaLisa_22 mit dem Nachkommen unglaublich gut schaffte, aber durchaus gut. Man erkennt den ehemaligen Schrotthaufen kaum wieder.

Leider ist noch am selben Tag die Feder hinten links gebrochen und das Auto hing fortan. Wird diese Woche noch gemacht...

 

Für die Optik wurde der originale Frontspoiler, den Volker mir schenkte, noch in Wagenfarbe lackiert und angebracht. Sieht doch gleich ganz anders aus. Weit kam ich leider nicht, danach gingen die Hitzeprobleme los.

 

Der Motor zeigt bereits nach 5-10 Minuten Fahrt 110 Grad an, die Heiß-Warnlampe blinkt jedoch nicht. Ein Einschalten der Heizung bringt wenig. Die Heißlampe bimmelt erst, wenn das Auto dann steht und der Fahrtwind wegfällt.

Problem: Anzeige und Lampe sind getrennt gesteuert: Sind sich beide nach zähen Verhandlungen einig, dass der Motor heiß ist, dann ist er das auch...

 

Alle Schläuche sind jedoch warm, das Thermostat öffnete also. Ebenso habe ich den Deckel direkt nach einigen Fahrten leicht geöffnet und "zischen" lassen, d.h. es sollte korrekt entlüftet sein, da mittlerweile nichts mehr hörbar entweicht. Kühlmittel verbraucht er zumindest nicht in dem Maße, dass es mir auffiel. Der Lüfter ging ebenfalls NICHT an obwohl der Thermoschalter gewechselt wurde, zusammen mit dem berühmten G62... - als wir den Lüfter direkt an eine Quelle schlossen, lief er.

 

 

 

Nachdem ich dieses Jahr 5 Mal das Wasser gewechselt und auch durchgespült hatte, bin ich nun direkt ins Detail gegangen. Mir fiel nämlich schon länger auf, dass die sonst zum Braten geeignete Heizleistung nachgelassen hat. Also doch das neue Thermostat im Eimer. Nun aber ging die Heizung wieder ein wenig und bis zum Heißwerden brauchte der Motor etwas länger. Es hängt also, arbeitet wenn es Lust hat. Bei der Inspektion des Kreislaufes zeigte sich, dass alles verkalkt ist. Da hat wohl jemand mal statt destilliertem Leitungswasser eingefüllt!

Also wurde alles mit dünner Zitronensäure durchgespült, nun blinkt die Heißlampe nicht mehr und die Temperatur pegelt sich bei 105 Grad ein, wird nur auf der Autobahn gemütlich im E-Gang sichtbar weniger. Na ja, solange die Heiß-Lampe nicht blinkt würde ich da nichts weiter machen, da auch die Heizleistung wieder besser wird.

Ist aber noch lange nicht von der Agenda das Thema..

Lieber habe ich dann einfache Dinge in Angriff genommen, beispielsweise die Isolierbuchsen gewechselt. Das sind die Dinger, die das Mittel-bzw Hupteil in Position halten. Steht eine der vier Seiten ab, sind die Buchsen hin. In meinem Fall war unten links gar nicht erst eine drin... lustigerweise da, wo die Feder kurz davor nachgab.. und andere Kleinigkeiten wie den abgefallenen Auspuff mitten im Schneeregen wieder befestigt..oder, oder, oder.

 

 

Was soll ich noch sagen? Kauft euch bloß nicht so ein Auto! :D

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24.08.2015 00:00    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (33)    |   Stichworte: Der Audi

Weiter geht es mit dem Audi - auch wenn ich zurzeit erstmal nicht mehr Auto fahren kann, heißt das ja nicht, dass ich nicht weiter basteln kann.

Schon länger ist es her, dass das Lenkgetriebe getauscht wurde. Die Aktion dauerte sieben (!) Stunden, das Teil war unter anderem auch fest mit der Karosserie verschraubt. Wer baut denn sowas?

Da kam dann auch gleich raus, dass der Lenkungsdämper höchstens noch die Fahrfreude dämpft... gut, wer weiß, wo da welche Schraube versteckt ist, macht das in einer halben Stunde.

 

Ultraseltene Teile (Clip vom Plastikrahmen um die Scheinwerfer) oder schweineteure Dinge (Fahrertürdichtung neu) bekam ich preiswert über Kontakte und wurden auch schnell noch getauscht.

 

Am Wichtigsten ist aber die neue Innenausstattung. Ja, die passt nicht so ganz. Der Farbkontrast fällt auf, keine Frage. Allerdings ist braun/blau zwar grenzwertig, geht aber noch... zumal die Karre ja eh außen Rot ist und das schon vorher leicht absurd aussah.

 

 

Der Umbau war die reinste Katastrophe. Das alte Zeugs raus war ein Kinderspiel, aber die neuen Sitze wollen einfach nicht in den Schienen einrasten. Vier Stunden später und nach einigen Schnitten und Quetschungen war aber auch dieses Werk vollbracht. Nie wieder! Das wäre auf jeden Fall etwas, wofür ich besser einen erfahrenen Schrauber hinzugezogen hätte. Die Verstellungen gehen alle verflucht schwer, aber mit etwas Fett sollte sich das noch beheben lassen.

 

 

Das Gestühl entstammt dem Audi 90, hat daher auch einen hochwertigeren Veloursstoff als im Audi 80 üblich, die Rückbank hat auch eine Armlehne (sehr selten, sonst nur im Topmodell Audi 80 CD). Ebenso gibt es die Sitzhöhenverstellung (na ja, die Sitzfläche wird gekippt), die mein Sportsitz auch hatte. Leider, wirklich leider, ist es wider Erwarten doch kein Sportsitz. Der Komfort stimmt aber dennoch, nur der Seitenhalt ist perdu,

 

Zwar hätte ich den Sportsitz auch aufpolstern lassen können, aber wirtschaftliche Überlegungen sprachen dagegen:

 

a) Der Stoff aller Sitze inkl. Rückbank ist verblichen, Ersatz kostet mehrere hundert Euro.

b) Die Gestelle sind verschlissen, ob das bei einem Unfall hält?

c) Sattler sind auch nicht billig.

 

So gesehen war der Einbau einer noch sehr guten "fremden" Ausstattung noch am Sinnvollsten.

 

Leider bleiben auf technischer Seite noch genug Baustellen, sodass mir der Gesprächsstoff wohl nie ausgehen wird.

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28.06.2015 22:50    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Der Audi

Hallo zusammen,

 

lange war es wieder stiller um meine beiden Fahrzeuge, weshalb ich von beiden einen Zwischenbericht geben möchte.

Heute ist erst einmal der Audi dran, da da natürlich mehr zu verzeichnen ist.

 

Zuletzt standen die Zeichen auf Abschied, ein Verkauf hätte sich fast ergeben, aber eben auch nur fast.

Danach hörte die katastrophale Pannenserie auch schon auf. Na ja, viel mehr, was kaputt gehen könnte, gibt es ja auch nicht.

 

Was hab ich also in der Zwischenzeit getan? Den Innenraum wieder mal gereinigt, diesmal die Teppiche. Sorry Vorbesitzer, aber die Karre war wirklich aufs Übelste versifft. Festgetretenen Kleber o.Ä. konnte ich immer noch nicht entfernen. Auch wenn das Fahrzeug nun nicht mehr ganz so verschlissen wirkt, der grauenhafte Fahrersitz ruiniert es immer noch. Mal sehen, wann ich das mal in Angriff nehmen kann. Sattler sind ja nun nicht allzu günstig.

Schaut euch die Bilder einfach an, ich denke, dass ich schon eine Menge rausgeholt habe.

 

Dann habe ich noch ein neues Glasdach vom Typ Farmont F500/ F520 gekauft. Wer die vorherigen Audi-Artikel kennt, weiß ja, dass es zugeklebt und hoffnungslos defekt war. Wie der Zufall es so wollte, konnte ich für einen einigermaßen guten Preis ein passendes Dach bekommen. Zu Letzterem braucht man ja schon Glück und wenn das dann auch noch nicht überteuert ist, umso besser.

Der Wechsel war gar nicht so schwer, aber es geht nur zu zweit. Zuerst wird innen der Dachhimmel aus dem Rahmen gezogen, nachdem die innere Dichtung abgenommen ist. Ein Lösen des mit Sprühkleber befestigten Dachhimmels war also glücklicherweise nicht nötig.

Im Anschluss löst man die Schrauben, dann kann man das innere Teil herausnehmen und das Dach oben abheben.

 

Danach habe ich oben die Reste des Karosserieklebers größtenteils mit einem Cuttermesser vorsichtig entfernt und Dichtmasse auf das neue Glashubdach aufgetragen, damit es auch ja dicht bleibt. Die Einbaureihenfolge ist eigentlich die umgekehrte Ausbaureihenfolge. Oben einsetzen, dann unten schrauben und gleichzeitig von oben an der richtigen Stelle gegendrücken.

 

Und genau in dem Moment, als die letzte Schraube fest saß, fing es auch schon an, wie aus Eimern zu gießen. Schwein gehabt. :D

 

Zu einem Geduldsspiel erwies es sich, den Dachhimmel wieder festzuklemmen. Auch hier gilt: Nur zu zweit möglich. Einer hält den Himmel gespannt, der andere drückt ihn vorsichtig mit einem Schlitzschraubendreher in den Spalt und legt dann die Dichtung vorsichtig und präzise ein. Fertig!

 

Damit wirkt das Auto gleich mal etwas weniger schrottig, und wenn ich mal beim Verwerter stehe, um nach Teilen zu suchen, muss ich mittlerweile auch nicht mehr fürchten, dass der Magnet aus Versehen mein Auto angelt, weil der Kranführer denkt, es handle sich um Nachschub. :D

 

Mechanisch ist noch einiges an kleineren Sachen zu machen, aber das Problem ist, dass viele Teile zwar schon da sind, ich aber nicht zum Einbau komme. Ich muss mich langsam mal beeilen.

 

Karosserieseitig muss auf der linken Seite auch noch nachgebessert werden: Die Türunterkanten bzw. die Ecken sind leicht angeknuspert, ich muss am besten noch vor dem Winter reagieren, um ein Ausbreiten zu verhindern.

 

Optisch bin ich ebenfalls noch nicht fertig: Vom Profi möchte ich den Wagen polieren lassen (ich als Laie hole bei Weitem nicht raus, was die Substanz hergibt) und die Kunststoffteile habe ich mit diversen Mitteln auch noch nicht wirklich frischer bekommen. Bevor ich es verschlimmbessere, lasse ich lieber jemanden ran, der davon mehr Ahnung hat.

 

 

Ja und was kommt sonst noch?

 

Der Wagen soll so aussehen, als wäre er direkt aus den 80ern/frühen 90ern. Das heißt: Keine Verbastelungen, alles original.

An Originalteilen soll nur noch der Frontspoiler der gehobenen Ausstattungen ran. 100% Auslieferungszustand ist ja durch die GT-Innenausstattung nicht mehr gegeben, dann kann man sowas noch mal machen. Eine Rückrüstung auf Basis käme mir nicht in den Sinn. Wenn ich das bessere Armaturenbrett mit Mittelkonsole und die Sportsitze schon drin habe, will ich sie ehrlich gesagt auch nicht mehr missen.

 

Klebereste an der Heckscheibe kündeten davon, dass dort ein länglicher Auflkleber gewesen sein muss. Ich kenne diese Aufkleber noch von Früher, entweder war's Kat oder Durchrostungsgarantie, ich vermutete eher Ersteres, weil das ja damals das Aushängeschild war und die Zehnjahresgarantie auf Rost glaube ich erst mit der Vollverzinkung kam, die die B2 nicht mehr erlebten.

 

Und siehe da, ich fand einen B2 mit JN-G-Kat-Maschine, der diesen originalen Aufkleber noch hatte. Kann man sowas reproduzieren lassen? Hätte den gerne wieder drauf.

 

Ansonsten heißt es für mich: Hoffen, dass nichts kaputt geht, und die Liste der Baustellen gewissenhaft abarbeiten.

Und natürlich den Fiesta nicht vergessen, von dem man bald auch wieder etwas lesen wird.

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16.05.2015 18:29    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (53)    |   Stichworte: 80, Audi, B2/81/85, Der Audi

Wer kennt diese Entscheidung nicht? Ein Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?

 

Es ist ja kein Geheimnis, dass der Audi immer wieder mit neuen Defekten überrascht. Und es ist auch keine Überraschung, dass ein altes Auto eigentlich immer irgendetwas hat.

 

Mittlerweile werden die Probleme wieder kostspieliger und teilweise sogar gefährlich, was mich an den Punkt führt, obige Entscheidung zu treffen.

Ja, natürlich möchte ich den Audi behalten und zum H-Kennzeichen bringen, aber zu welchem Preis?

 

Man kann so ein Fass ohne Boden durchreparieren, wenn man folgende Voraussetzungen erfüllt:

 

Genügend Zeit

Fachliches Können

Motivation

Solide finanzielle Reserven

Eigene Werkstatt

 

Nr.1 ließ sich schon irgendwie machen, für Nr.2 hatte ich immerhin Kontakte die mir stets aushalfen, wenn ich nicht weiterkam (was neuerdings wieder zunimmt) und Nr.3 war erst recht nicht das Problem. Nr.4 war zwar vorhanden, aber aufgrund des wirklich großen Pechs einfach trotzdem nicht genug. Nr.5 habe ich unterschätzt.

 

Nr.1 lässt ein wenig nach, Nr.2 hat sich bei mir selbst verbessert, aber die helfenden Freunde können das Auto langsam nicht mehr sehen und Nr.3 ist mittlerweile im deutlichen Sinkflug, einfach, weil kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Und Nr.4 ist eben auch noch das Problem so viel kann ich gar nicht ansparen, wie ich jeden Monat nachschmeißen muss.

 

Folgendes passierte in den letzten Wochen:

 

a) bei Regen geht der Motor aus. Meine Vermutung: Zündspule. Neue ist bestellt.

b) er startet immer noch nicht gut, außerdem schwankt der Leerlauf bei kaltem Motor extrem. Meine Vermutung: Thermozeitschalter. Auch schon bestellt.

c) Dauerbaustelle Elektrik: Hier wird's wirklich gefährlich.

 

Der Zigarettenanzünder ist ja defekt, aber ein Freund auf dem Beifahrersitz wollte es dennoch probieren, da er dringend Saft fürs Handy brauchte. Er steckte den Adapter rein und es kam tatsächlich Strom. Sekunden später gab es einen grellen Blitz, es qualmte fürchterlich und es stank ekelhaft. Der Adapter stand in Flammen und schmolz bereits. Das brennende und tropfende Ding (Hose mit Brandlöchern, ich und Beifahrer mit leichten Verbrennungen) flog aus dem Fenster und wurde anschließend gelöscht. Seitdem geht das Licht wieder ohne Wackelkontakt, aber die Heizung springt zwischendurch mal an und die Scheibenwischer gehen manchmal eine Zeit lang aus, wenn sie in Benutzung sind.

 

Mit einem Elektriker hatte ich schon einen Termin gemacht, wir müssen endlich die Ursache finden.

 

Dann kam der Himmelfahrtstag. An dem Tag war eine Tour mit dem Audi geplant, die er meisterte. Er sprang sofort (!) an, drehte rund, das Jaulgeräusch der Wasserpumpe war weg und alles lief ohne Zwischenfälle. Ich war im Rausch des Glückes, endlich zahlte sich die Mühe aus? Konnte es wirklich sein?

 

Nein, konnte es nicht. Kurz darauf saßen die hinteren Bremsen fest. Nun gut, das kann ja mal passieren, sicherlich auch die Standzeit, da hängt bestimmt das Handbremsseil. Auf dem Weg in die Werkstatt spann die Elektrik mal wieder, und, noch übler: Die Kupplung ist hin. In der Regel gehen die Lamellen recht schnell kaputt bei den B2, aber ich habe eine andere Vermutung: Der Belag der Scheibe verglaste, und durch die stärkere Beanspruchung an dem Tag ist der dann abgeplatzt. Weitere Kleinigkeiten addierten sich dann während der Fahrt und ich überlegte, den Audi abzustoßen.

 

Viele rieten mir eh schon lange dazu - dass es zum Aufhören nie zu spät ist, zeigt ja der BER, einfach, weil der Schrecken ohne Ende so groß ist, dass ein Ende gar nicht zu viel Schrecken haben kann. Oft habe ich darüber nachgedacht, hoffte aber, dass der nächste Euro der letzte ist. Immer und immer wieder, sodass einige schon vor Verzweiflung energisch an meine Vernunft appelierten.

 

Andere sagen immer wieder, der Audi ist es wert erhalten zu werden und es lohnt sich. Habe ich - auch weil ich selber immer optimistisch war - bislang immer "Gruppe 2" geglaubt, so berichtete ich "Gruppe 1" mal, was der Audi wieder so "angestellt" hat. Einfach, um mich zu einem Abschied zu motivieren, da ich es selbst nicht so recht schaffte.

 

Die Reaktion war leider gänzlich anders bzw energischer als erwartet, was mich dann kurzzeitig sehr verstimmte, aber letzendlich kann dies nur eine Warnung sein: Nie den Verstand ausblenden!

 

Ich machte ja direkt nach der Katastrophenfahrt bereits einige Telefonate. Es gibt aus "Fach-" Kreisen nun konkrete Angebote für den Audi, bei denen ich verdammt viel Federn lasse, aber die vielen Neuteile werden immerhin noch einigermaßen honoriert. Sogar eine Schlachtung steht im Raum, sollten sich genug finden lassen, die genügend der Teile nehmen. Ich persönlich wünsche mir natürlich, dass der Audi erhalten bleibt. Notfalls schalte ich meinen Verstand dafür so weit wieder aus, dass ich in Kauf nehme, unterm Strich weniger raus zu bekommen. Wie gesagt, es gibt mehrere Leute, die ihn auch als Ganzes nehmen würden. Die haben dann sogar Nr.1 bis Nr.5 erfüllt, und hätten sicherlich bessere Möglichkeiten, diesen Pflegefall zu erhalten.

 

Daher steht nun folgender Entschluss fest: Alle bestellten Teile werden noch verbaut, der Elektriker hat sich extra schon frei genommen, also wird das auch noch erledigt.

 

Sollte beides keinen großen Erfolg haben, wird der Audi abgegeben. Denn die Kupplung wäre bestimmt nicht die letzte größere Reparatur.

 

Ich denke, viele werden sich jetzt erst recht an den Kopf fassen und mich als Vollidioten abstempeln, weil ich den Audi nicht sofort auf der Stelle loswerden will. Es steckt aber einfach zu viel Begeisterung und Herzblut fernab jeder betriebswirtschaftlichen Betrachtung darin. In einigen Jahren werde ich mir für diesen Satz rückblickend sicher selbst den Vogel zeigen, aber ich habe mit dem Audi eins gemeinsam: Wir haben unsere Fehler. Das verbindet.

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09.04.2015 16:46    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: 80, Audi, B2 (81/85), Biographie, Der Audi, Fahrzeughistorie, Sonstiges

Jedes Auto erzählt aus seinem Leben, naturgemäß umso mehr, je länger es "lebt".

Alltagsfahrzeuge haben da sehr viel zu erzählen. Auch ein Audi 80.

 

Oft ist es problematisch, die Historie nachzuvollziehen, wenn Papiere fehlen. Da ich dieses Problem kaum habe, habe ich hier einmal das Leben meines Audi 80 rekonstruiert.

 

 

Zugelassen wurde er in Heppenheim als HP-EK 909 am 03.01.1985 auf den 40-jährigen Volker S.

Demnach muss er in den letzten Wochen des Jahres 1984 vom Band gelaufen sein. Ein lustiger Zufall, am 03.01.2009 wurde mein Fiesta produziert.

 

Herr S. passt ziemlich gut ins Schema der Erstkäufer, die nicht selten an Hansjörg Felmy als Tatortkommissar Heinz Haferkamp erinnerten, der wohl der prominenteste Audi-80-Fahrer sein düfte. Ab 1979 fuhr auch er einen hellblauen B2, die Nachfolger Schimanski und Thanner allerdings Ford Taunus TC3.

 

Bürgerliche Herren mittleren Alters waren auch die Zielgruppe des Audi, er war ausgereift, zuverlässig, ohne Schnickschnack. 1979 und 1985 wurde der B2 "Auto der Vernunft", ein Titel, den auch Vorgänger- und Nachfolgermodelle gewannen, galt als solider Kauf ohne viele Emotionen. Das Faceliftmodell ist recht selten, lief nur knapp zwei Jahre ab September 1984. Verändert wurde nicht viel, äußerlich erfolgte eine Anpassung der Leuchten an den Audi 100 Typ 44, Detailänderungen im Innenraum und neue Motoren wurden angeboten. Am Bedeutendsten war die enorme Vergrößerung der Heckklappe. Enge Luke und hohe Ladekante (besonders Letzteres wurmte ja auch bei den Konkurrenten MB W201 und BMW E30) gehörten der Vergangenheit an.

 

Herr S. könnte Handwerksmeister, Lehrer oder Finanzbeamter gewesen sein - oder auch Kommissar. Er gönnte sich bereits einen Wagen, der mit dem neuen und zukunftsweisenden G-Kat ausgerüstet war. Er wurde dem Wagen nur beigelegt, da es noch nicht ausreichend bleifreies Benzin gab, das Tankstellennetz war zu dünn. Der "Katalsyator"-Aufkleber auf der Heckklappe war original und wurde sehr oft bei Nachrüstungen vom VAG-Partner angeklebt, dieser dürfte beim späteren Einbau des Kat der Fall gewesen sein.

 

Mit 90 PS wählte Herr S. ein Modell mit relativ hoher Leistung, viele wurden mit 75 ausgeliefert. Ob er diesen Motor nur wegen dem Kat wählte, weiß man nicht. Großer Motor und Buchhalterausstattung ist aber sonst nicht sehr häufig zu finden.

 

Herr S. konnte oder wollte kein Vermögen für seinen Neuwagen ausgeben. Er orderte nur zwei Extras: Handbremskontrolleuchte und rechten Außenspiegel. Auf die gern genommene CC-Ausstattung verzichtete er ebenso wie auf eine Servolenkung oder Nebelscheinwerfer.

 

Vielleicht hat Sebastian Vettel den Wagen mal in Heppenheim gesehen - möglich ist es, er lief bis zu Herrn S. Umzug im Sommer 1995 dort. Von nun an lief der Wagen als DA-AE 139 im 50 Kilometer entferten Darmstadt, außerdem brachte er ihn auch nicht mehr zum VAG-Service, denn der Aufkleber an der fahrerseitigen B-Säule ordnet noch heute eine nächste Inspektion im August 1994 an, ersatzweise bei 82 000 Kilometern. Grob geschätzt fuhr Herr S. also 8500 Kilometer im Jahr, das ist nicht viel.

 

Ab April 2000 griff Frau Sonja B., 47 Jahre alt, ins Lenkrad des Audi. Sie wohnte im Kreis Itzehoe, der Audi erhielt das Kennzeichen IZ-SD 299. Erstaunlich, wie der Wagen in Zeiten, als Autos noch in der Zeitung gekauft wurden, so weit weg einen neuen Besitzer fand. Vielleicht eine entfernte Verwandte von Hr. S.?

Lange fuhr sie den Audi nicht, zwei Jahre später (vielleicht Probleme mit dem TÜV?) ging der Audi an Siegfried L, 64 Jahre alt, sein neues Kennzeichen lautete PI-DD 244.

Wenn das Rentenalter eintritt, kaufen sich viele Leute ja noch einmal einen "großen Wagen". Der Audi war aber damals schon nicht mehr viel wert, gut situiert dürfte Herr L. wohl kaum gewesen sein. Nach nur einem Monat wurde der Audi bereits außer Betrieb gesetzt.

 

Erst ein halbes Jahr später meldete die 45-jährige Karin K. den Wagen wieder an, gefahren hatte ihn aber der Sohn.

Der Audi erlitt, wie sich bei den Reparaturen herausstellte, ja einen sehr schweren Heckschaden. Wahrscheinlich dürfte dies Hr. L. passiert sein, das erklärt die lange Abmeldezeit. Nicht ganz sicher ist, ob der Wagen von Frau K. als Unfaller gekauft wurde, oder sie den Wagen bereits repariert übernahm. Die Reparatur war gepfuscht, soviel steht fest. Wahrscheinlich wurde der Audi Familie K. als Blender untergeschoben, vielleicht hatte der Sohn aber auch als Laie versucht, sich den Wagen selbst herzurichten.

 

Frau K. sammelte gewissenhaft alle TÜV-Belege, weshalb man die Historie nun gut nachvollziehen kann. Der Sohn von Frau K., gemäß dem Kennzeichen IZ-K 980 wahrscheinlich Jahrgang 1980, baute ein damals teures Radio samt Verstärker und CD-Wechsler ein (das Radio stammt auch aus der Zeit um 2003) und tauschte die Innenausstattung irgendwann gegen die eines GT. Diese hatte eine Sitzhöhenverstellung und eine vollwertige Mittelkonsole, der Farbkontrast ist allerdings recht derb.

 

2004, als eine Anhängerkupplung eingebaut wurde, hatte der Audi bereits 208 000 Kilometer auf der Uhr. Zwischen 1994 und 2004 wurde er also über 120 TKM gefahren. Vielleicht hatte Herr S. aus Darmstadt einen weiteren Arbeitsweg zu seiner Stelle? Dies wird wohl ein Geheimnis bleiben.

 

2006 und 2008 wurde beim TÜV Korrosion moniert, der Sohn von Frau K. behob dies selbst, wie optisch dilettantische, aber bis heute haltende Reparaturen von Schwellern und Radläufen zeigen. Es sieht nicht gut aus, aber scheint gar nicht mal so schlecht gemacht worden zu sein.

Ansonsten fiel der Audi beim TÜV kaum auf, wohl auch deshalb hielt er dem montanaroten 80er neun Jahre die Treue. Es muss eine schöne Zeit gewesen sein, denn danach kam wieder ein Audi 80.

 

2012 wurde er mit 256 TKM an Volker N. aus Itzehoe verkauft, der einen günstigen Ersatz für seinen Passat GT B2 suchte. Der Audi war ja eng verwand und günstig im Angebot (der Sohn von Frau K. hatte einen besseren Audi 80 gekauft, der alte musste weg), also griff er zu. Mit 290 TKM holte ich ihn schließlich aus der Scheune, in der er wegen Wartungsstau seit 2012 genau ein Jahr stand.

 

Wie es weitergeht, das wird die Zukunft zeigen. Der Audi hat bis jetzt jedenfalls schon viel zu erzählen gehabt. :)

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03.04.2015 20:45    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (19)    |   Stichworte: 80, Audi, B2 (81/85), Der Audi, Desaster, Restaurierung

Den Titel habe ich mir mal von nick_rs geklaut, beschreibt er doch sehr treffend, was mit dem Audi geschah.

 

Immerhin kann ich nun ein wenig verstehen, wie es zu Elbphilharmonie, BER und Stuttgart 21 kommen konnte. :D

 

 

Nachdem ich das Auto ohne Licht und Wischer im Dauerdrift überführte, war mein Kumpel erstmal etliche Stunden nicht mehr gesehen. Der musste sich erstmal den Frust wegfeiern, ich hingegen fiel ins Bett und schlief erstmal aus - war ja schon Sonntagmorgen.

Am Montag begann die Arbeitswoche, eingeplant waren drei Tage und 1500 Euro. Wie sehr dieser Griff ins Klo ging, kann man sich ja dank der Überschrift bereits gut vorstellen. :D

Noch während wir den Wagen anschoben, kam Ali-Export (bitte nicht rassistisch verstehen) und bot 500 bar für den Wagen, wie er war. Ich überlegte keine Sekunde, schließlich freute ich mich sehr auf das Fahren in meinem neuen 80er. Im Nachhinein hätte ich besser mal eingeschlagen, aber wer weiß, wie viel Freude mir mein Oldie noch bringen wird? Möglicherweise werde ich in zwei, drei Monaten wieder der Meinung sein, dass ich richtig entschieden habe.

 

Die Bestandsaufnahme deckte sich weitgehend mit der Beschreibung des Vorbesitzers. Von einem gestandenen MT-ler hätte ich auch nichts anderes erwartet. Die Liste ist lang, aber beherrschbar, im Eimer waren auf den ersten Blick:

 

Fahrwerk komplett

Bremsen vorne und hinten

Zahnriemen, Keilriemen

Öl und Flüssigkeiten

Zündkerzen

Innenausstattung sehr verwohnt

Äußere Gebrauchsspuren

Blinker vorne links gesplittert

etwas Rost am Kofferraum

springt nicht mehr an und läuft unrund

Heizungsregler defekt (abgebrochen)

Elektrik spinnt

größere Delle links

Reifen vorne hinüber

Spiegelverstellung geht nicht

 

Das ist gewiss kein Kinderspiel, aber auch irgendwie beherrschbar, sofern man selbst schrauben kann. Ich konnte das jetzt nicht wirklich, die paar Basteleien am Fiesta kann ein Mechatroniker-Lehrling nach drei Monaten Lehre schon besser. Aber mein bester Freund wollte das mit mir durchziehen, und der kann verdammt gut schrauben.

Grundidee: Wir arbeiten uns von vorne nach hinten vor. Also zuerst Motor, dann Vorderachse, gefolgt von der Hinterachse und dem Kofferraum, dann Elektrik und Kleinkram.

 

Warum artete das ganze Projekt dann dermaßen aus? Die ganz klare Antwort: Zeit. Aber darauf komme ich gleich zurück.

 

Problem 1: Festsitzende Schrauben.

Obwohl die letzten Vorbesitzer den Wagen nicht ganz ignoriert haben: An den meisten Stellen war die letzten 20 Jahre niemand mehr dran. Mindestens. Hinzu kommt ein Jahr Standzeit, und das Desaster ist da: Keine einzige Schraube ließ sich bereitwillig lösen. So dauert ein Zahnriemenwechsel gleich mal vier Stunden, vom Rest will ich lieber gar nicht erst erzählen. Freibrennen? Keine Chance. Eine Taktik, die funktioniert: Bohrer nehmen, festsitzende Schraube feinfühlig zerbohren, Bruchstücke sauber enfernen. So weit, so gut, aber wenn eine neue Schraube kommt, lässt die meist auch das mürbe Gewinde zerbröseln. Wut steigt auf.

 

Problem 2: Nicht passende Teile.

Dies betrifft vor allem den Motor: Die für den unter dem Kennbuchstaben JN laufenden Motor bestellten Teile passen alle nicht. Der Spritfilter ist für'n Eimer, die Ventildeckeldichtung aus Kork, obwohl eine aus Gummi verbaut ist und so weiter. Besonders blöd: Die Wasserpumpe. Sie jault und kreischt, wird fällig, aber kein Teilehändler hatte die Passende. Die sind alle minimal zu lang. Na hoffentlich löst sich das Problem bald. Es erhärtet sich der Verdacht, dass der Motor mal gemacht wurde, dabei aber Teile von einem JH-Motor aus dem VW Scirocco II verwendet wurden. Stellt man sich vor, dass die unter Problem 1 beschriebenen Schwierigkeiten bei fast allen Handlungen am Motor für die Katz waren, dann ist das schon echt bitter.

 

 

Problem 3: Kleinvieh macht auch Mist.

Türgriff, Elektrolüfter, Zündschloss... alles keine großen Sachen, die für sich alleine behebbar sind. Ätzend wird es aber, wenn alle Nase lang irgendetwas von diesen Kleinigkeiten hinüber ist. Kaum hat man den Lüfter einigermaßen zum Laufen gebracht, will man natürlich eine Belohnungszigarette aus dem Auto holen. Dumm nur, wenn die Tür nicht mehr aufgeht.

Manchmal habe ich das Gefühl gehabt, der Audi wollte mir sagen: "Zu dir will ich nicht!"

 

 

Problem 4: Böse Überraschungen

Ein vertrauenswürdiger Vorbesitzer ist nicht alles. Den symphatischen Typen, der einfach nur einen fairen Deal machen will, dabei aber gar nicht weiß, wie es um seinen Wagen steht? Den gibt's. Und Vorwürfe sind hier fehl am Platz.

 

Der Rost am Kofferraum war dramatischer als angenommen. Umso schlimmer war, dass alles, was sich nicht nicht schon von selbst aufgelöst hat, aus GFK war.

Nun ja, egal, vier Blechtafeln geholt und alles geschweißt.

Da kam ich schon ins Grübeln, ob ich nicht lieber das Projekt beenden sollte. Schließlich könnte das nur die Spitze des Eisberges sein und es gab bereits genug Anzeichen, dass das Projekt nicht glatt laufen würde. Das Budgetdelta war auch schon nahezu aufgebraucht. Dennoch entschied ich mich für das Weitermachen. Als diese Arie fast fertig war, kam es richtig dicke. Unter der zentimeterdicken Bitumschicht gammelte der Unterboden fröhlich vor sich hin. Da war dann wirklich der Ofen aus, nervlich und finanziell.

Jetzt auf den Vorbesitzer einzudreschen, das wäre zu einfach. Selbst wir haben es auf der Bühne nicht gesehen, und meinem Besten entgeht sonst fast nichts. Auch der Werkstattmeister sagte, das hatte nun wirklich niemand wissen können. Ich denke niemand hätte vermutet, dass der optisch bis auf den gepfuschten Heckschaden ziemlich gute Unterboden eine derartige Korrosion hat.

 

Zwei Tage hing ich in der Luft, es wurde zwar weitergearbeitet, aber an anderen Baustellen, wie den aufgestauten Kleinigkeiten aus Problem 3.

Der Werkstattmeister, welcher schon einen sehr stattlichen Betrag für die Miete von Halle, Spezialwerkzeug und Bühne (das summiert sich richtig übel) einnahm, überraschte mit einem noblen Zug: Die Miete für die nötigen Gerätschaften inklusive Schweißgerät wird gezahlt, aber er schweißt den Wagen komplett in zwei Tagen fertig - die Arbeit gibt es umsonst. Er hielt sich wirklich ran und schaffte es auch - der Audi gefiel ihm "Endlich mal jemand, der so etwas aufhebt" oder "Das kann man doch nicht scheitern lassen" hört man ihn sagen.

 

Problem 5: Die Zeitfalle

 

Wie nun klar ist, ist es pro Tag ganz schön teuer, in einer sehr gut ausgestatteten Mietwerkstatt zu arbeiten. Die zusätzlich angefallenen Teilekosten waren weniger das Problem. Wir planten mit drei Tagen - das war locker zu löhnen. Dumm nur, dass aufgrund der Probleme 1-4 ganze neun (!) Tage daraus wurden. Aus Problem 5 retteten mich aber meine Helfer: Als ersichtlich war, dass das Ganze beim Teufel ist, rückte ein Bekannter an, von dem ich nie gedacht hätte, dass er sich in seiner Freizeit für meinen Audi einsetzt. Und doch - unter der Anleitung meines besten Freundes schraubten wir regelmäßig zu dritt! Ein guter Bekannter, zu dem sich das Verhältnis letztes Jahr nach und nach abgekühlt hatte, sicherte das Ganze durch eine großzügige finanzielle Leihgabe, deren Bedingungen mir sehr entgegen kamen.

 

An dieser Stelle auch vielen Dank an meine Helfer - alleine hätte ich das nie geschafft.

 

Doch wie geht es weiter mit dem Audi? Nun ja, es stehen nun die Schönheitsreparaturen an, die Spur muss noch eingestellt und die passenden Ersatzteile für den Motor ermittelt werden. Aufgrund der letzten beiden Punkte wird der Audi nur wenig bewegt, einmal die Woche 15 Kilometer. Auch muss ich mich finanziell ein wenig sanieren, was das Ganze verzögert. Aber eins ist klar: Den Audi gebe ich nicht wieder her. Er machte es mir verdammt schwer, aber dennoch habe ich mich während dieser schweren Tage nach und nach für den Wagen begeistern können.

 

Die Mängelliste ist immernoch ätzend lang:

Motor läuft nicht ganz rund

Heizungsregeler immernoch im Eimer

Gebrauchsspuren innen und außen immernoch unverändert

Spur verstellt

VDD und WP müssen noch gemacht werden - wenn man denn die Teile bekommt.

Türgriff Fahrertür defekt

Spiegelverstellung defekt

Blinkerglas immernoch kaputt

Reifen vorne (oh Wunder) immernoch total fertig

 

Türgriff und Blinkerglas sind allerdings schon da, muss nur mal Zeit für den Tausch finden.

 

Der nächste Artikel mit großer Fahrzeugvorstellung wird noch diesen Monat folgen, dann aber eher zum Ende. Ich bin gespannt auf eure Kommentare! :)

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25.03.2015 21:00    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (123)    |   Stichworte: 80, Audi, B2 (81/85), Der Audi

Darkwing Ducks "Kampfspruch" passt sehr gut auf dieses Unterfangen, daher nehme ich das Motto meines größten Kindheitshelden hier als Einstieg.

 

Was war passiert?

Aus Gründen, die ich einem späteren Artikel noch näher thematisiere, wollte ich einen H-fähigen Youngtimer. Der erste Versuch mit einem BMW E30 ging in die Hose, das Thema war erstmal abgeschrieben und auf die lange Bank geschoben. Da weckte ein wunderschöner silberner Audi 80 CC mit wenig Kilometern, welcher im Schrottplatzforum beiläufig auftauchte, mein Interesse. Der steht allerdings seit 2008 - und mir wurde sogleich ein seit 2014 stillgelegtes Exemplar angeboten.

Ich wollte eigentlich gar keinen Audi kaufen, doch leichtsinnig, wie ich war, sagte ich ja.

Am nächsten Tag hätte ich mir am liebsten in den Allerwertesten gebissen, wurde mir doch von Anfang an gesagt, dass es sich um ein stark reparaturbedürftiges Exemplar handelt. Doch ein Mann, ein Wort - ich blieb dabei und versuchte erstmal, mich auf das Projekt einzustimmen.

 

Glücklicherweise erklärte sich mein bester Freund, der ein sehr versierter Schrauber ist, nach anfänglichem Entsetzen bereit. Youngtimer reizen ihn dann doch, von VAG hält er allerdings, wie ich auch, nichts :D

Der Audi hat für mich aber wirklich Charme und sie sind qualitativ für ein so altes Auto recht solide. Außerdem ist das hier ein seltenes, weil nur kurz gebautes Zwischenmodell. Im Kern steckt es in den 70ern, äußerlich ist es aber total 80er - das gefällt mir! Teile wurden besorgt, die Abholung organisiert, und so weiter.

 

Sehr viele Menschen waren nicht eingeweiht, aber "der spinnt" war die überwiegende Meinung. :p

 

Am 21. März waren wir in Itzehoe und holten den Wagen, ich wollte ihn auf eigener Achse überführen. Ein Transport per Trailer wäre unterm Strich nicht teurer gekommen, zumal ein anderes MT-Mitglied seine Kontakte anbot, aber das Abenteuer wollte ich mir nicht entgehen lassen. Motoröl und Zahnriemen nahmen wir mit, um den Wagen fit für die 400 Kilometer zu machen.

 

In der Halle angekommen, in der der Audi steht, musste ich erst einmal schlucken. Er sah wirklich traurig aus - so wurde er mir auch beschrieben. Er entsprach nahezu vollständig der vorab erhaltenen Beschreibung.

 

 

Einen Zahnriemenwechsel machten wir nicht, er war erst ein Jahr drüber und der Motor Freiläufer und sah auch noch gut aus.

 

 

Der Audi sprang auf den ersten Dreh an, klackerte jedoch bedenklich mit den Hydrostößeln. Die Fahrt zur Tankstelle erlebte ich auf dem Rücksitz, mein Bester sollte die Defekte am Wagen "er-fahren".

Nach einer Wäsche sah der von Geflügelexkrementen übersähte Lack besser aus als erwartet - er war noch drauf.

Getankt wurde jede Menge frisches Benzin, um den alten Sprit einigermaßen zu verdünnen. Nach dem anschließenden Ölwechsel nahm das Klackern deutlich ab.

 

Während ich das Steuer übernahm, passierte das denkbar Ungünstigste: Der Motor springt nicht mehr an, der Audi musste ab sofort angeschoben werden, zudem lief er nur noch auf 2 1/2 Zylindern und drohte im Leerlauf abzusterben. Das war natürlich etwas viel für mich und ich sah das "Unternehmen Audi" schon beim Teufel.

Auf Rat der anderen setzte ich die Fahrt des nun rumpelnden Audi fort, während ich anfangs sehr verunsichert war, gewöhnte ich mich nach und nach an das Malheur. Das Bild entstand übrigens unmittelbar bevor sich der Wagen nicht mehr starten ließ.

 

Die Rückfahrt war ein echtes Erlebnis. Traggelenke, Stoßdämpfer, Spureinstellung, Hinterachsfedern, Spurstangen, Lenkung: Alles hinüber! Doch Schleichen kam nicht in Frage, mein Bester wollte zu der späten Stunde endlich nach hause, also wurde auf der Landstraße 80 und auf der Autobahn 100 gefahren. Das Fahrverhalten war zwiespältig: Der Audi lag schwammig und wankte, andererseits machte er richtig Spaß. Dafür, dass das Fahrwerk komplett im Eimer war, fuhr er sogar ziemlich gut! Mit defensiver und besonders aufmerksamer Fahrweise ließ sich der Audi sicher auf die Autobahn bringen, dort angekommen, dachte ich, die Sache geht nun elegant über die Bühne.

 

Falsch gedacht! Der defekte Fahrersitz gab nach und ich rutschte nach links unten, der linke Arm war eingekeilt und konnte nur mit krampfhafter Affenhaltung am Lenkvorgang teilhaben, mit dem Rechten war die Schaltung nur noch unglücklich zu erreichen - auf der AB eh nicht so wichtig, war aber bei der Stadtfahrt am Ende der Strecke etwas mühselig.

Auf der Autobahn nervten eher die Spiegel, welche sich nicht mehr verstellen ließen. Durch die vielen LKWs kam es zu mehreren Überholvorgängen, bei denen ich einen verrenkten Giraffenhals machte. Bei Nacht und Regen setzte dann mit einem Mal die Elektrik aus. Licht und Scheibenwischer, eigentlich dringend benötigt, verabschiedeten sich mit freundlichen Grüßen.

Auf den Rasthof, nachsehen, nach Möglichkeit reparieren? Geht ja nicht, ich kann den Motor nicht mehr abstellen, sonst war's das. Man konnte sich nie sicher sein, ob er beim Schieben nochmal anspringt. Bereits im Leerlauf musste er schon mit Gasstößen am Leben gehalten werden, am Bahnübergang in so einem Kaff lachte die Dorfjugend über den Trottel, der wohl zeigen wollte, wie sportlich sein abgerockter Audi klingt... :D

 

Mit Licht und Wischern verstummte auch das Radio, und so hörte ich sehr deutlich etliche undefinierbare Geräusche, die mir nicht gefielen. :D

Doch wie sagte es oben zitierter Flattermann immer: "Gefahr ist mein Geschäft." ;)

 

Meine größte Angst war es, den Wagen abzuwürgen, denn auch das hätte möglicherweise ein vorzeitiges Ende bedeutet. Da ich aber mit der Zeit immer sicherer wurde und sich die Nervosität selbst nach dem unangekündigten Warnstreik der Elektrik legte, passierte das zum Glück nicht - die Kupplung war noch recht gut.

 

Um 0 Uhr stellte ich den Wagen endlich auf den Hof der Werkstatt, stieg in den zweiten Wagen um und sah zu, dass ich von der Büchse weg komme - Abenteuer hatte ich genug!

 

Im nächsten Artikel geht es um die Arbeit in der Werkstatt und das erworbene Vehikel wird näher vorgestellt. Das "Abenteuer Audi" könnte ja schon fast ein Format auf Kabel 1 werden... :D

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