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veni vidi vega

Mit einem Fiesta fing alles an, seitdem habe ich alle möglichen Autos sämtlicher Typen hier behandelt.

16.09.2015 22:25    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (13)    |   Stichworte: VEGA Motors

Es gibt Autos, die sind so unscheinbar, als hätten sie einen Tarnumhang, wie Harry Potter. Der Suzuki Baleno ist einer davon.

 

Dabei startete der Baleno Mitte 1995 mit guten Voraussetzungen: Der Swift war als Kleinwagen gut etabliert, der Vitara war als "Friseusenporsche" ebenfalls etabliert.

Der Baleno ist eine untere Mittelklasselimousine von 4,4 Metern Länge, die Gegner hießen VW Vento, Mazda 323 und auch der in der ersten Folge vorgestellte Kia Sephia zählte zur Konkurrenz. Obwohl er theoretisch den Swift Stufenheck ergänzt und kurz darauf beerbt, ist er ein völlig neues Modell ohne Vorgänger - und ohne Nachfolger. Aber dazu später mehr. Optisch wird ihm Beliebigkeit vorgeworfen, dabei hat er für mich (zugegebenermaßen nach ein paar Bier) sogar viel von BMW. Die Front erinnert mich entfernt an einen E36, das Heck sogar an den für mich schönsten 5er E39. Und die Heckpartie kann unmöglich kopiert sein, kamen doch beide Autos gleichzeitig auf den Markt.

Aber genug der alkoholgetriebenen Fantasie. Was bietet der Baleno? Immerhin war er um die Jahrtausendewende eigentlich an jeder Ecke zu sehen, zumindest in meiner Wahrnehmung aus der Grundschulzeit.

 

Zum einen ein gutes Raumangebot, was sich vor dem Vento nicht verstecken muss. Den Antrieb übernehmen Motoren zwischen 1,3 und 1,8 Litern. Mit der Top-Motorisierung rennt das unscheinbare Vehikel derart schnell, dass es tatsächlich fast an einen 3er-BMW erinnert. Gegen einen 318i macht der Baleno in der Fahrdynamik keinen Stich, aber auf der Geraden hält er gut dagegen.

Wo wir auch schon beim Schwachpunkt wären: Der Antriebsstrang ist viel zu schwach dimensioniert. Getriebeschäden finden schon öfter mal statt, aber die meisten Defekte betreffen Antriebswellen und Gelenke, die insbesondere Vollgasfahrten nicht überleben. Womit man dann wohl doch besser zum 1,3 greift, der immerhin 86 PS mobilisiert, aber im Durchzug gegenüber dem 98 PS starken 1.6 deutlich abfällt. Da macht dann auch das etwas schunkelige Fahrverhalten nichts aus. Immerhin: Der Komfort stimmt, auch wenn das Interieur typisch Japaner der frühen 90er ist. Alles graues Hartplastik, immerhin zufriedenstellend verarbeitet.

 

In der Zuverlässigkeit gibt es außer Getriebe und Antriebsstrang nur hin und wieder mal was am Fahrwerk, sonst ist der Baleno sehr unauffällig. Für jeden ist was dabei: Der BMW-Verschnitt-Limousine wurde auch ein Kombi gegenüber gestellt, den ich in der Heckansicht auch nicht hässlich finde und selber fast gekauft hätte - aber dazu später mehr - und einen auf 3,9 Meter verkürzten Dreitürer. Der profilierte sich als Frauenliebling, neben den geringen Bedienkräften (fast alle Baleno hatten Servo) und dem geringen Wendekreis kamen nun sehr parkplatzfreundliche Ausmaße dazu. Und auch hier schließt sich der Kreis zu BMW, man erinnere sich doch mal an den E36 Compact ;)...

Der Kombi sieht jetzt immerhin mal nicht unbedingt nach Touring aus, aber er bot ein sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wer sich beim Autokauf von Emotionen befreien kann und seine Ansprüche dem Geldbeutel unterordnet, für den könnte ein Baleno Kombi heute noch eine Option sein. In der Garage verstecken wie einen Multipla muss man ihn nicht, aber wenn man irgendwo gegen fährt macht es ihn auch nicht unansehnlicher. Im Gegenteil: So gewinnt er wenigstens Charakter. Damals gab es in der unteren Mittelklasse nicht allzu viele Kombis, die vom Toyota Corolla waren teurer und noch unansehnlicher, die vom Mitsubishi Lancer auch eher unspektakulär, und mehr fällt mir auf diesem Markt nicht ein.

 

Im Jahr 1999 gab es ein Facelift, nun fuhr der Baleno mit Klarglas-Kulleraugen durch die Gegend. Sieht ja an sich ganz süß aus, aber mit der E36-Kopie-Front gefiel er mir besser, er wirkte nicht ganz so mauerblümchenhaft. Zumal mit dem Facelift entgegen des Üblichen der Schlendrian einkehrte: Facelifter gelten als schlechter verarbeitet und ziemlich rostanfällig. Es scheint so, als hätte Suzuki keine Lust mehr auf dieses völlig lustlose Auto gehabt.

 

Das hat hierzulande heute eh keiner mehr: Baleno sind klassische Endverbraucherkarren, was den TÜV nicht überlebt, fliegt auf den Schrott. In diesen Tagen stellte Suzuki einen Nachfolger vor: Er heißt wieder Baleno...

Was auf den ersten Blick dämlich erscheint, aber eigentlich auch nicht das Schlimmste ist: Zwischen Baleno 1 und 2 liegt der Liana, und über den verliere ich besser keine Worte - da macht auch Bier keinen BMW draus.

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