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veni vidi vega

Mit einem Fiesta fing alles an, seitdem habe ich alle möglichen Autos sämtlicher Typen hier behandelt.

25.03.2015 21:00    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (123)    |   Stichworte: 80, Audi, B2 (81/85), Der Audi

Darkwing Ducks "Kampfspruch" passt sehr gut auf dieses Unterfangen, daher nehme ich das Motto meines größten Kindheitshelden hier als Einstieg.

 

Was war passiert?

Aus Gründen, die ich einem späteren Artikel noch näher thematisiere, wollte ich einen H-fähigen Youngtimer. Der erste Versuch mit einem BMW E30 ging in die Hose, das Thema war erstmal abgeschrieben und auf die lange Bank geschoben. Da weckte ein wunderschöner silberner Audi 80 CC mit wenig Kilometern, welcher im Schrottplatzforum beiläufig auftauchte, mein Interesse. Der steht allerdings seit 2008 - und mir wurde sogleich ein seit 2014 stillgelegtes Exemplar angeboten.

Ich wollte eigentlich gar keinen Audi kaufen, doch leichtsinnig, wie ich war, sagte ich ja.

Am nächsten Tag hätte ich mir am liebsten in den Allerwertesten gebissen, wurde mir doch von Anfang an gesagt, dass es sich um ein stark reparaturbedürftiges Exemplar handelt. Doch ein Mann, ein Wort - ich blieb dabei und versuchte erstmal, mich auf das Projekt einzustimmen.

 

Glücklicherweise erklärte sich mein bester Freund, der ein sehr versierter Schrauber ist, nach anfänglichem Entsetzen bereit. Youngtimer reizen ihn dann doch, von VAG hält er allerdings, wie ich auch, nichts :D

Der Audi hat für mich aber wirklich Charme und sie sind qualitativ für ein so altes Auto recht solide. Außerdem ist das hier ein seltenes, weil nur kurz gebautes Zwischenmodell. Im Kern steckt es in den 70ern, äußerlich ist es aber total 80er - das gefällt mir! Teile wurden besorgt, die Abholung organisiert, und so weiter.

 

Sehr viele Menschen waren nicht eingeweiht, aber "der spinnt" war die überwiegende Meinung. :p

 

Am 21. März waren wir in Itzehoe und holten den Wagen, ich wollte ihn auf eigener Achse überführen. Ein Transport per Trailer wäre unterm Strich nicht teurer gekommen, zumal ein anderes MT-Mitglied seine Kontakte anbot, aber das Abenteuer wollte ich mir nicht entgehen lassen. Motoröl und Zahnriemen nahmen wir mit, um den Wagen fit für die 400 Kilometer zu machen.

 

In der Halle angekommen, in der der Audi steht, musste ich erst einmal schlucken. Er sah wirklich traurig aus - so wurde er mir auch beschrieben. Er entsprach nahezu vollständig der vorab erhaltenen Beschreibung.

 

 

Einen Zahnriemenwechsel machten wir nicht, er war erst ein Jahr drüber und der Motor Freiläufer und sah auch noch gut aus.

 

 

Der Audi sprang auf den ersten Dreh an, klackerte jedoch bedenklich mit den Hydrostößeln. Die Fahrt zur Tankstelle erlebte ich auf dem Rücksitz, mein Bester sollte die Defekte am Wagen "er-fahren".

Nach einer Wäsche sah der von Geflügelexkrementen übersähte Lack besser aus als erwartet - er war noch drauf.

Getankt wurde jede Menge frisches Benzin, um den alten Sprit einigermaßen zu verdünnen. Nach dem anschließenden Ölwechsel nahm das Klackern deutlich ab.

 

Während ich das Steuer übernahm, passierte das denkbar Ungünstigste: Der Motor springt nicht mehr an, der Audi musste ab sofort angeschoben werden, zudem lief er nur noch auf 2 1/2 Zylindern und drohte im Leerlauf abzusterben. Das war natürlich etwas viel für mich und ich sah das "Unternehmen Audi" schon beim Teufel.

Auf Rat der anderen setzte ich die Fahrt des nun rumpelnden Audi fort, während ich anfangs sehr verunsichert war, gewöhnte ich mich nach und nach an das Malheur. Das Bild entstand übrigens unmittelbar bevor sich der Wagen nicht mehr starten ließ.

 

Die Rückfahrt war ein echtes Erlebnis. Traggelenke, Stoßdämpfer, Spureinstellung, Hinterachsfedern, Spurstangen, Lenkung: Alles hinüber! Doch Schleichen kam nicht in Frage, mein Bester wollte zu der späten Stunde endlich nach hause, also wurde auf der Landstraße 80 und auf der Autobahn 100 gefahren. Das Fahrverhalten war zwiespältig: Der Audi lag schwammig und wankte, andererseits machte er richtig Spaß. Dafür, dass das Fahrwerk komplett im Eimer war, fuhr er sogar ziemlich gut! Mit defensiver und besonders aufmerksamer Fahrweise ließ sich der Audi sicher auf die Autobahn bringen, dort angekommen, dachte ich, die Sache geht nun elegant über die Bühne.

 

Falsch gedacht! Der defekte Fahrersitz gab nach und ich rutschte nach links unten, der linke Arm war eingekeilt und konnte nur mit krampfhafter Affenhaltung am Lenkvorgang teilhaben, mit dem Rechten war die Schaltung nur noch unglücklich zu erreichen - auf der AB eh nicht so wichtig, war aber bei der Stadtfahrt am Ende der Strecke etwas mühselig.

Auf der Autobahn nervten eher die Spiegel, welche sich nicht mehr verstellen ließen. Durch die vielen LKWs kam es zu mehreren Überholvorgängen, bei denen ich einen verrenkten Giraffenhals machte. Bei Nacht und Regen setzte dann mit einem Mal die Elektrik aus. Licht und Scheibenwischer, eigentlich dringend benötigt, verabschiedeten sich mit freundlichen Grüßen.

Auf den Rasthof, nachsehen, nach Möglichkeit reparieren? Geht ja nicht, ich kann den Motor nicht mehr abstellen, sonst war's das. Man konnte sich nie sicher sein, ob er beim Schieben nochmal anspringt. Bereits im Leerlauf musste er schon mit Gasstößen am Leben gehalten werden, am Bahnübergang in so einem Kaff lachte die Dorfjugend über den Trottel, der wohl zeigen wollte, wie sportlich sein abgerockter Audi klingt... :D

 

Mit Licht und Wischern verstummte auch das Radio, und so hörte ich sehr deutlich etliche undefinierbare Geräusche, die mir nicht gefielen. :D

Doch wie sagte es oben zitierter Flattermann immer: "Gefahr ist mein Geschäft." ;)

 

Meine größte Angst war es, den Wagen abzuwürgen, denn auch das hätte möglicherweise ein vorzeitiges Ende bedeutet. Da ich aber mit der Zeit immer sicherer wurde und sich die Nervosität selbst nach dem unangekündigten Warnstreik der Elektrik legte, passierte das zum Glück nicht - die Kupplung war noch recht gut.

 

Um 0 Uhr stellte ich den Wagen endlich auf den Hof der Werkstatt, stieg in den zweiten Wagen um und sah zu, dass ich von der Büchse weg komme - Abenteuer hatte ich genug!

 

Im nächsten Artikel geht es um die Arbeit in der Werkstatt und das erworbene Vehikel wird näher vorgestellt. Das "Abenteuer Audi" könnte ja schon fast ein Format auf Kabel 1 werden... :D

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