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veni vidi vega

Mit einem Fiesta fing alles an, seitdem habe ich alle möglichen Autos sämtlicher Typen hier behandelt.

30.11.2016 00:03    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (36)    |   Stichworte: Sonstiges

Mahlzeit allerseits,

 

lange hat man nichts mehr von mir gehört, weil ich (mal wieder?) Job und Wohnort geändert habe. Vom jungen Volk wird ja stets Mobilität und Flexibilität erwartet.

 

Um direkt zur Sache zu kommen: Ich habe nun eine Stelle mit einer doch recht weitreichenden Fahrtätigkeit. Und da machen sich ein Fiesta 1.25 und ein Audi B2 halt nicht so geil - auch wenn beide Autos grundsätzlich auch Langstrecken abkönnen, es geht doch irgendwie besser.

 

Natürlich steht da das Thema Dienstwagen im Raum. Im Betrieb üblich, sofern man einen möchte, sind Mercedes-Modelle, die langjährigen Mitarbeiter fahren E, die neueren C. Also eine C-Klasse Diesel? Ich meine, es kann einen ja wirklich schlechter treffen. :D

 

Wie der Schlag trifft einen dann allerdings das Finanzamt. Ein C 200d- Kassengestell kommt ohne nenneswerte Vielfahrerextras auf stramme 45.000 Euro. Dank der Ein-Prozent-Regel also monatlich 450 Euro zum Versteuern. Das Fahrzeug auf den Bildern, dass ich mir aus Interesse etwas großzügiger konfiguriert habe, kommt mit Automatik und etwas Holz in der Hütte auf 48.000 Euro!

 

 

 

Da drängt sich dann natürlich die Frage auf, ob man für die Summe nicht auch einen eigenen Wagen finanzieren kann. Für das Geld bekommt man einen gut ausgestatteten Kompaktwagen mit Diesel in derselben Leistungsklasse. Den Verschleiß hat man über die Kilometerpauschale ja locker raus, sofern der Wagen 150.000 Kilometer ohne Kapitaldefekt mitmacht.

 

Gut, dann kann man sich das ja mal gedanklich durchspielen. Ein VW-Produkt fällt schon mal raus. Man hört ja doch recht viel über die Macken der Modelle und der Abgasbetrug tut sein Übriges.

 

Der Fiat Tipo war auch mal in der Überlegung, immerhin bietet der mehr als ordentlichen Nutzwert für einen fast schon unverschämt guten Preis, ohne dabei hässlich wie ein Lodgy zu sein. Da ich allerdings schon sehr viel Zeit im Wagen verbringe, war mir ein guter Innenraum besonders wichtig - und da ist mir der Tipo dann doch zu nüchtern. Für den reinen Privatgebrauch wär's ne gute Nummer gewesen, aber im Vergleich zu einer C-Klasse ist der "Abstieg" zu groß.

 

Der Peugeot 308 sieht ja schon echt gut aus - aber der Innenraum mit einem einzelnen Touchscreen und dem mickrigen Lenkrad ist so gar nicht mein Fall. Was ist denn, wenns wie jetzt frostig ist? Am Ende reagiert der Bildschirm nicht mehr und man bekommt die Heizung nicht mehr an? Oder wenn was kaputt geht? Auch habe ich persnlich aus meinem privaten Umfeld nur Unmut mit PSA-Fahrzeugen erlebt. Also lieber nicht.

 

Der Mégane fällt optisch raus, einfach nicht mein Fall. Da finde ich ja noch den Tipo schöner.

 

Auch die Außenseiter blieben nicht unbetrachtet. Der Nissan Pulsar konnte mich bei einer Testfahrt wenig begeistern. Für ältere Leute, die keinen SUV wollen, ist das wahrscheinlich ein guter Kauf, doch die eher unterwältigende Fahrdynamik ist, wenn man vom Fiesta kommt, eher nicht so der Bringer. Im Vergleich zum glücklosen Tiida ist der Pulsar aber schon deutlich besser.

 

Warum eigentlich nicht wieder ein Ford? Den Focus bin ich schon gefahren und da enttäuschte er nicht. Standfeste Motoren kann Ford, noch besser sogar hervorragende Fahrwerke. Spricht denn etwas gegen Markentreue? Ja, der Innenraum ist ziemlich unübersichtlich, ich würde fast sagen hässlich, und da gibt es noch einen Wettbewerber, der unterm Strich noch besser dasteht.

 

Es ist der Opel Astra.

 

1) Das Teil sieht einfach richtig scharf aus.

2) Der Innenraum ist gut verarbeitet, nett anzusehen und gut zu bedienen

3) Das Modell ist brandneu, das heißt, neue Motoren, Technologien, etc.

4) Opel bietet nette Vielfahrerextrass an

5) Die Preisgestaltung ist fair.

6) Opel hat die Kritik am Vorgänger ernst genommen - ich mag Hersteller, die auf ihre Kunden hören.

 

Es hat nicht lange gedauert, bis ich einen guten Händler fand. Die C-Klasse und den Focus als bisherigen Favorit für eine Privatwagenlösung kannte ich ja schon. Nun stand also ein Astra für mich bereit. Der Motor ist der 1.6 CDTI mit 136 PS - die Vernunftlösung. Für die vielen Autobahnkilometer braucht's schon etwas Musik auf dem Dampfer, der Biturbo muss es aber auch nicht sein. Das ist schließlich ein Astra, der vor 10 Jahren noch mit Saugern um die 90 PS "normal" motorisiert war.

 

 

Beim Getriebe soll es die Handschaltung bleiben, zumindest im Prospekt hemmt die mittlerweile auch nicht mehr so ganz aktuelle Sechsstufenautomatik Leistung und Sparsamkeit. Das Testfahrzeug ist der Kombi in der sportlich-hochwertigen Ausstattung "Dynamic". Den Kombi würde ich nicht zwingend nehmen, denn mit 4,7 Meter Länge ist der fast schon auf dem Niveau, was vor 10 Jahren obere Mittelklasse war. Da ich in Innenstädten wohne und auch Kunden in verwinkelten Seitenstraßen aufsuchen muss, ist der normale Fünftürer wohl meine Wahl.

 

Bei der Ausstattung reicht für den Otto Normalfahrer die zweitniedrigste Stufe "Edition", am Ende steht "Innovation", die im Umfang fast schon an die Japaner der 90er erinnert. Also fast alles ab Werk drin, ohne ein Vermögen zu kosten.

 

Was braucht man mehr?

Nun, das Matrix-LED-Licht ist für mich ein Muss, trotz der erstmal deftigen 1400 Euro mehr. Doch ich fahre auch viel nachts, dazu in Gegenden, die ich kein bisschen kenne, und auch bei widrigem Wetter muss ich Termine einhalten. Ein gutes Licht ist für den Außendienstler aus meiner Sicht unverzichtbar, auch weil ich viele Stunden am Stück runterfräse und schlechtes Licht da einfach ermüdet.

 

Zweites Extra: Schiebedach. Für mich ein Muss.

 

Drittes Extra: Einparkautomatik. Ich kann fette Lieferwagen zügig durch den Verkehr peitschen, egal wie eng es wird. Aber wehe, ich muss rückwärts einparken. Da geht's mit Fiesta (klein) und Audi (übersichtlich) noch einigermaßen, ansonsten ist das aber ein düsteres Kapitel bei mir. Der Innovation hat schon die Rückfahrkamera, die der nach hinten fast blinde Astra auch braucht, die Automatik setzt aber noch den Punkt auf das i.

 

Wie war denn nun die Probefahrt?

Nun, zuerst überrascht mich die Qualität. Alles ist solide verarbeitet und wirkt hochwertig, das Design im Innenraum stünd auch einem Premiumhersteller gut. Die Sitze (noch nichtmal das AGR-Langstreckengestühl!) sind kein Vergleich zu den Fiesta-Schraubstöcken und Platz ist genug da.

Der Wagen hatte eine elektrische Parkbremse, die es ab "Innovation" zwingend gibt, daher wollte ich damit auch mal umgehen. Ich mag die Dinger nicht, aber im Alltag machte sie keine Probleme. Wenn es Serie ist habe ich kein Problem damit, extra bestellen würde ich sowas aber nicht.

Schaltung und Kupplung harmonieren gut, die Gänge gehen exakt durch die Gassen, Anfahren und Schalten klappte sofort ruckfrei. Die Automatik ist angesichts dessen wirklich verzichtbar. Für Unmut sorgte ausgerechnet der Motor, denn im ersten Gang kommt er einfach nicht in die Puschen. Mal eben zügig in eine Kreuzung einfahren ist nicht, die Anfahrschwäche ist ein ziemliches Übel. Erstmal in Fahrt, bessert sich das Ganze und der Antrieb wirkt souveräner, fühlt sich aber eher nach 120 statt 136 PS an. Opel nennt das Aggregat "Flüsterdiesel" - keine Werbelüge, denn aus dem Motorraum nagelt nichts und auch an der Laufruhe gibt es keinen Tadel. Ein Motor für gelassene Cruiser. Den Biturbo würde ich allerdings trotzdem nicht bestellen, irgendwo muss auch nach oben eine Grenze sein. Dann vielleicht doch lieber die überraschend fairen 340 Euro für AGR-Sitze zum Matrixlicht ausgeben, um die beiden Vertreterextras zusammen im Boot zu haben.

 

Zum Rest gibt es nicht allzuviel zu sagen. Das Fahrwerk kommt mit der Agilität des Fiesta nicht ganz mit, ist jedoch komfortabel, ohne aber das Niveau einer C-Klasse zu erreichen. In jedem Fall ist das Fahrverhalten idiotensicher, sofern man die STVO im Hinterkopf behält. Poltergeräusche und Knarren/Quietschen waren weder auf fiesen Gullideckeln oder beim Parken auf Bordsteinen vernehmbar. Die gute Nachricht zum Schluss: Im Nürnberger Verkehr bin ich unter sechs Litern geblieben.

 

Da frage ich mich natürlich, braucht es da noch einen Mercedes? Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Der Benz fährt in seiner eigenen Liga, da kommt ein Astra nicht ran. Dafür allerdings auch nicht preislich.

Als Innovation hat der Astra Zierelemente in warmem Dunkelbraun, Ambientebeleuchtung und die untere Hälfte des Armaturenbretts ist mit Kunstleder verkleidet, sodass ich auf langen Fahrten mein Knie schmerzfrei anlehnen kann. Beim Fiesta habe ich mich dabei am Hartplastik verbrannt, weil bei meinem Baujahr noch die Isolierung vom Wärmetauscher eingespart wurde.

Wenn man also bedenkt, in welcher Preisklasse ich also derzeit unterwegs bin, dürfte es sicherlich nicht weiter verwundern, dass mich der Astra überzeugt hat. Das, was der Opel bietet, ist für mich Aufstieg genug.

 

Natürlich könnte ich auch wirtschaftlich sinnvoller arbeiten und eine abgewirtschaftete E- oder S-Klasse mit Gasanlage kaufen und alle zwei Jahre ein anderes Exemplar zu Tode reiten. Aber ich muss bei jedem Wetter in jeden Ort raus und bewerte Sicherheit (aktiv und passiv) als das Wichtigste. Sprich: So viele Helfer wie möglich, so viele Airbags wie möglich und so weiter. Und: Unbedingte Zuverlässigkeit ist für mein Arbeitsmittel nötig. Ein E350 mt Gas mag zwar mehr für's Geld bieten, aber da kann auch schneller was dran sein.

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