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veni vidi vega

Mit einem Fiesta fing alles an, seitdem habe ich alle möglichen Autos sämtlicher Typen hier behandelt.

28.06.2016 20:04    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (18)    |   Stichworte: 028, Marbella, Seat, VEGA Motors

Den Fiat Panda kennt fast jeder. Die "tolle Kiste", clever konstruiert und vermarktet, galt als Anti-Statussymbol und automobiler Meilenstein durch geniale Einfachheit. Ein Image, dass er wohl noch heute hat.

Aber was ist mit seinem spanischen Zwilling, der von 1985 bis 1998 angeboten wurde? Der Seat Marbella erreichte nie die Popularität des Panda und ist heute weitgehend vergessen, und wenn nicht, dann ist er für die meisten eine lächerliche Schrottkiste.

 

Der Marbella entspricht weitesgehend dem Ur-Panda.Der Marbella entspricht weitesgehend dem Ur-Panda.Ich habe in der Folge mit dem Audi 100/200 C3 und dem V8 D11 versucht, mehrere Autos, die in bzw. mit einer Baureihe zusammenhängen, in einem Artikel sinnvoll zu integrieren. Das scheiterte leicht, die Eigenständigkeit des V8 hatte ich wohl nicht genügend betont. Ich hoffe, diesmal gelingt es mir besser. Denn auf den Panda - wie bereits geschrieben, er ist ein Meilenstein - lohnt es sich an dieser Stelle ebenfalls mit einigen Worten einzugehen.

 

Der von Giugiaro gestaltete Panda beeindruckte bei seiner Markteinführung 1980 mit Minimalismus. Nacktes Blech im Innenraum, plane (also gerade und flache) Scheiben und Flächen, Stahlrohrsitze mit waschbarem Stoffbezug. Die Rückbank ließ sich komplett ausbauen, man konnte aber durch Umklappen des gesamten Gestühls eine ebene Liegefläche erzeugen - mit Kopfstützen als Kissen. Verschiedene Verstellpositionen für die Rückbank gab es natürlich auch. Und als Krönung gab es kein richtiges Armaturenbrett, sondern einen wackeligen, mit dünnem Stoff bespannten Ablagekasten mit daran montierten Instrumenten, an dem man den Aschenbecher lustig hin und her schieben konnte. Motoren (aus dem Fiat 127 und 850 mit 45 bzw. 34 PS) und Fahrwerk waren konstruktiv veraltet, aber bewährt und vor allem billig zu produzieren.

Mit anderen Worten: Es gibt wohl kein Auto, dass gleichzeitig so praktisch und billig ist.

 

Dieses Exemplar ist in typisch schlechtem Zustand.Dieses Exemplar ist in typisch schlechtem Zustand.Seine Konkurrenten waren die Ente, der Renault R4 und auch der Fiat 126, welcher noch auf dem alten 500 basiert. Es wird oft behauptet, der Panda sei der Nachfolger des 126, was ich aber für falsch halte. Das ist vielmehr der bei Vega Motors schon vorgestellte Cinquecento. Der Panda macht alles anders, er hatte kein Vorbild, sondern entstand konsequent auf einem leeren Blatt Papier.

Gegenüber den bereits erwähnten Konkurrenten war sogar die wenig innovative Technik des Fiat Panda vergleichsweise modern. Was ihn aber gegenüber der antiquierten Billigkonkurenz abhebt, ist das innovative Konzept des rollenden Haushaltsgerätes.

 

Wie aber kommen wir jetzt zum Marbella? Das spanische Staatsunternehmen Seat fertigte früher ausschließlich Fiat-Lizenzprodukte. Doch nach dem Ende der Franco-Diktatur und mit Beginn der 80er-Jahre wollte und musste Seat eigenständig werden (da die hohen Zölle und geringen Kontingente für Importe mit dem ende der Diktatur verschwanden), 1982 kam ein neues Logo, dass sich nun erstmals vom Fiat-Emblem unterschied, der Kooperationspartner wurde nun Volkswagen. Eigene Modelle wurden entwickelt, der europäische Markt außerhalb Spaniens sollte erschlossen werden, den Beginn machte ab 1984 der Seat Ibiza. Die Beziehungen zu Fiat hatten sich seit 1980 abgekühlt (Fiat kündigte die Kooperation ungefähr bei der Vorstellung des Panda auf und verlangte hohe Lizenzgebühren), und VW übernahm Seat schließlich 1986. Seat baute bereits ab 1980 den Panda in Lizenz, kurz vor der Trennung von Fiat überarbeitete man in der VW-Kooperation das Fahrzeug und brachte es als Marbella als eigenständiges Modell auf den internationalen Markt.

 

Der Panda mit zweitem Facelift.Der Panda mit zweitem Facelift.Identisch waren Seat und Fiat Panda ab 1985/1986 somit nicht mehr. Optisch unterschied er sich durch andere Scheinwerfer und einen anderen Kühlergrill. Mehr allerdings auch nicht.

Fiat legte noch 1986 mit einer großen Überarbeitung nach, wohl auch, um sich vom Marbella abzusetzen. Ebenfalls mit anderem Kühlergrill, usw., dann auch mit neuen Motoren der FIRE-Generation (komplett robotergefertigt mit wenig beweglichen Teilen) und einer neuen Hinterachse, zwar immer noch starr, aber in der Mitte zusätzlich aufgehängt und schraubengefedert.

 

Ein Ersthand-Panda - selten.Ein Ersthand-Panda - selten.1991 bekam der Panda ein weiteres, kleines Facelift und ein erneuertes Motorenangebot, im Folgejahr brach für Panda und Marbella endlich das G-Kat-Zeitalter an.

Doch für die 90er waren die doch nicht so gleichen Zwillinge dann nicht mehr modern genug. Auf den Komfort hätte man angesichts des großen Praxisnutzen vielleicht noch verzichtet, doch die mittlerweile ungenügende Sicherheit war ein K.O.-Kriterium.

 

Konzentrieren wir uns wieder auf den Marbella: Viel wurde an ihm während der Bauzeit nicht verändert, überwiegend betraf des die Motoren, die bis zum Schluss im Grunde die bereits 1980 nicht gerade modernen Fiat-Aggregate waren. Der größere Motor hatte nach und nach immerhin Einspritzung, G-Kat und eine wartungsfreie Zündanlage. Ich habe mal gehört, das aufgefrischte Uralttriebwerk sei sogar sparsamer als der modernere Panda-FIRE-Motor.

Popularität bei Gewerbetreibenden erlangte der Marbella als Kastenwagen, dieser hieß Terra. Klar, die Karre ist gelinde gesagt eine spartanische Gurke, aber wo bitte gab es ein in Anschaffung und Unterhalt so billiges Nutzfahrzeug mit 82% Raumausnutzung? Wer mit spitzem Bleistift rechnen musste, war froh, dass es den Terra gab. Ganz selten begegnet einem sogar noch einer im Einsatz, mir zuletzt dieses Jahr als Gärtnereiwagen und letztes Jahr als Stadtbote. Nur für den Terra gab es auch zwei Dieselmotoren von VW.

 

Der Marbella wurde natürlich in erster Linie von weniger finanzstarken Kunden gekauft. Doch auch zwei Lehrer an meinem Gymnasium fuhren bis 2009 Marbella, ehe sie im Zuge der Abwrackprämie (beide!) gegen einen Toyota Yaris tauschten. Wer nur Kurzstrecken in der Stadt fährt und nicht viel Wert auf die Art und Weise legt, wie er von A nach B kommt, freut sich über die geringen Ausmaße und die gute Rundumsicht und zahlt für seine Mobilität obendrein nicht viel Geld.

Mit Ende des Jahres 1997 wurde der Marbella eingestellt. Nicht nur, dass er einfach zu veraltet war: Er passte auch nicht mehr zum Image von Seat, dass für sportliche Autos mit südländischem Temperament stand. Der Nachfolger, der Lupo-Zwilling Arosa, erschien bereits im Mai 1997 - also bereits ein Jahr vor dem Lupo.

 

Ich frage mich, warum man den Marbella so lange laufen ließ. Er war seit 1991, als der Toledo den Malaga ersetzte, das letzte Fiat-basierte Fahrzeug im Portfolio. Verkaufte er sich bis mitte der 90er-Jahre wirklich so gut? Der Panda wurde in Italien sogar noch bis 2003 weitergebaut, verabschiedete sich aber früher, ungefähr mit dem Marbella, aus Deutschland.

 

Oft hört man, es sei eine Qual, einen Fiat Panda in der Urversion zu finden. Das stimmt. Selbst in Italien sind sie mittlerweile nur noch mit großer Anstrengung in einigermaßen passablem Zustand zu finden.

Ich empfehle als durchaus ernst gemeinte Alternative den Marbella: Den bekommt man hinterhergeworfen, dafür sind die Motoren, Instrumente und das Fahrwerk identisch - das Fahrgefühl entspricht also fast haargenau dem Original!

 

Im Fahreindruck sollen sie sich meinen Recherchen nach übrigens nicht viel nehmen. Sie seien ungefähr gleich schnell (oder langsam), kosten im Unterhalt vergleichbar viel und auch das bessere Fahrwerk des Faceliftpanda mache im normalen Alltagsbetrieb angeblich nicht viel aus. Auch die Qualität sei vergleichbar. Die Verarbeitung ist hier wie dort bestenfalls Durchschnitt, Rost ist ein Dauerthema und lediglich die Motoren im Fiat sollen haltbarer sein.

 

Ich breche gerne mal eine Lanze für unpopuläre Autos, doch selbst der Baleno, mit dem viele von euch gefremdelt haben, hat ein viel besseres Ansehen als der Marbella. Sogar den gern verspotteten Daewoo Matiz, von dem ich sogar mal behaupte, dass er das Konzept des Panda recht gut weiterführt, möchte man neben dem Marbella fast für gut befinden.

 

Wer jetzt wirklich einen will, braucht mittlerweile auch Geduld. 4,5 Millionen Panda stehen nur insgesamt 600000 Marbella und Terra gegenüber, die Meisten davon verschrottet, die wenigen Überlebenden in beklagenswertem Zustand. Wer ein gutes Exemplar bekommt, kann dieses aber immer noch fast geschenkt erwerben und hat in zehn Jahren wahrscheinlich ein Einzelstück.

 

 

Warum ist der Panda dann der Prinz und der Marbella der Frosch? Ich weiß es nicht.

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29.06.2016 01:18    |    u41b3h9

Der Marbella ist neben einem Yugo vermutlich das schlechteste Auto das ich jemals gefahren bin. Es handelte sich um einen fast-Neuwagen aus dem Jahr 1987. Katastrophale Sitze mit Kopfstützen aus Hartplastik, Sitzposition wie auf einem Kutschbock, ein lauter, saufender Motor dessen Geräuschkulisse nur mit Ohrenstöpseln zu ertragen ist, miserable Verarbeitung, ein Getriebe ohne jegliche Führung, keinerlei passive Sicherheit.... Ich erinnere mich noch daran, das ich mir durch den nicht entgrateten Plastik Lenkstockhebel den Finger verletzte. Später soll sich die Qualität dann etwas verbessert haben....

 

VG

Markus


29.06.2016 08:09    |    pico24229

Auf den ersten Blick sehen Panda und Marbella gleich aus, deswegen sind beide kultig, wobei der panda natürlich etwas mehr das original ist.

Ich finde die Autos auch cool.


29.06.2016 08:13    |    Goify

Ich muss ehrlich zugeben, nicht zu wissen, ob ich bei diversen Klassenkameraden in Muttis Marbella oder Panda mitfuhr. Jedenfalls sahen sie zwar innen ganz lustig aus, waren aber eng, laut und unbequem. Ich wüsste keinen logischen Grund, sich einen zuzulegen und im Alltag zu nutzen.

Heute, viele Jahre später wäre er als Spaßauto mit großem Rolldach so eine Art Enten-Ersatz und durchaus kaufbar.

 

BTW, eine Familie hatten 1997 einen nagelneuen 5er BMW und als Zweitwagen einen roten Panda. Da der BMW natürlich geschont werden musste, fuhren alle fast nur mit dem unsicheren Panda. Ob das so klug war?


29.06.2016 08:18    |    Turbotobi28

Zitat:

Warum ist der Panda dann der Prinz und der Marbella der Frosch? Ich weiß es nicht.

Ich glaube das ist bei fast allen Modellen so das "das original" beliebter ist als die in Lizenz gefertigten Derivate.

 

Die späten Panda sollen auch durchaus eine gewisse Reife und Qualität entwickelt haben, der "große" Motor macht den Panda richtig flott und die speziellen Modelle wie der 4x4 wecken auch ein gewisses Interesse.

 

der Marbella war dagegen einfach immer nur billig.

 

Mein erstes Auto war ein Lancia Y10, technisch mit dem Panda eng Verwand,aber Vorreiter der Luxus Kleinwagen von heute.

 

Gruß Tobias


29.06.2016 10:25    |    Dr. Shiwago

Bekannte hatten mit ihrem Marbella über 400.000 Km zurückgelegt, bis der TÜV sie schied. Bis auf eine abgebrochene Rücklehne, gab es wohl keine größeren Probleme mit dem Auto.


29.06.2016 10:47    |    VincentVEGA_

@Turbotobi28

 

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich den Y10 noch mit rein nehme. Es hätte sicherlich gepasst, aber dann wäre der Fokus vom Marbella verschwunden. Und sooo viel haben sie dann doch nicht gemeinsam. Der Y10 ist weit mehr, als nur ein aufgemotzter Panda. Der Y10 kommt vielleicht noch, Fotos habe ich genügend.


29.06.2016 14:25    |    wellental

Geil...Meine Mutter hatte so einen und das war dann auch das Auto, das ich nach Erwerb meines Führerscheins, mangels finanzieller Mittel für einen eigenen fahrbaren Untersatz, Jahre lang durch die Gegend geprügelt habe. Der hat echt richtig leiden müssen der Kleine. Aber war eigentlich nie was kaputt - Bis er dann irgendwann entgültig dem Rostfraß erlag und verschrottet wurde. Das schärfste war die Farbe...so ein richtig räudiges Türkis. Aber hat Spaß gemacht damals. Mit seinen asphaltzerfetzenden 34PS oder was der hatte, stets hart am Limit bewegt, quasi :D


29.06.2016 17:27    |    Multimeter48651

https://www.youtube.com/watch?v=voOlUvk2EZE

 

 

:D

 

Trotzdem eine richtig üble Dreckskarre. Sowohl Panda als auch Marbella.


29.06.2016 20:56    |    Harhir

Das der Marabella in Deutschland so selten war, lag wohl auch am damals nicht all zu dichten Haendlernetz von Seat. War letztes Jahr in Norditalien und dort sieht man noch jede Menge Pandas der ersten Generation. Vor allem die 4x4 Version. Gerade in den Bergen und bei den steilen und sehr engen Dorf oder Bergstrassen waren und sind sie noch sehr beliebt. Die meissten Allrad SUV sind zu klobig fuer viele Wege. Laut Aussage meiner Familie in Italien, koennen gut erhaltene oder restaurierte 4x4 Panda locker ueber 10,000 Euro bringen, so gefragt sind sie.


29.06.2016 21:20    |    VolkerIZ

Hier war der Marabella nicht wirklich selten. Der Preisunterschied zum Panda machte sich von Anfang an bemerkbar und zum Ende hin, als kaum noch Pandas verkauft wurden, legte der Marabella verkaufszahlentechnisch noch mal richtig los, war am Ende auch gut ausgereift und anständig rostgeschützt. Im Gegensatz zum Panda sind aber fast nur Billigmodelle verkauft worden.


30.06.2016 20:39    |    Himeno

der aschekasten oder elefantenrollstuhl wie ihn damals meine Berufsschul leute ihn nannten.

 

Ja ich hatte nen marbelle (so ab 2000 ) und der war ja optisch fast baugleich zum panda bis auf grill und logos. ^^

was soll man als armer lehrling den machen wenn man wenig geld hat.

da schaut man neidisch auf die besser verdienenden lehrlinge der anderen Firmen die mit Golf 3 ankamen.

 

 

ich errinnere mich im grauen an das teil.

nichtmal ein ordentliches armaturenbrett existierte.

 

im winter hatte ich mal plötzlich ne schnee dusche durch die lüftung da nach ner nacht der schnee in der lüftung lag.

 

speed konnteste damit net erwarten wobei ich auf der AB den bergab gefahren bin mit vollspeed und der tacho schon keine skala mehr hatte.

ein mulmiges gefühl bei den sägeblättern von reifen.

 

nie wieder steht für mich fest das ich das auto fahre.

ich war froh das ich als nächstes auto den golf 2 hatte den ich immernoch habe.

der ist dagegen ein komfort und raumwunder +300%.

 

war ich froh mit den Golf


30.06.2016 22:00    |    Turbotobi28

Hi,

 

ich habe hier noch ein altes ADAC Spezial Heft von 1996. Den Marbella gab es da noch als Neuwagen mit einem Listenpreis von 10700DM. (0-100km/h in 20s, Höchstgeschwindigkeit 135)

 

Wenn man mal vergleicht der günstigste Neuwagen heute ist der Dacia Sandero für knapp 7000€.

 

Ich würde sagen Inflationsbereinigt bekommt man da heute deutlich mehr für sein Geld.

 

GRuß Tobias


01.07.2016 17:45    |    Beethoven

Ich besaß auch einen, und zwar für ein Auslandssemester in Osteuropa. Kaufkriterien: Billig, stabil, wird nicht geklaut. Der schöne BMW wurde solange eingelagert.

 

Eigentlich war ich recht zufrieden, immerhin war die Raumausnutzung genial, die laufenden Kosten tatsächlich gering (der Kaufpreis sowieso) und die Diebstahlsicherheit in der Tat hoch, da man die Kiste ohne vorheriges Trockenwischen des Vergasers gar nicht starten konnte. Insofern musste man das Fahrzeug auch nicht großartig sichern.

 

Schön an dem Seat war auch die Stabilität. Ich konnte im Budapester Stadtverkehr bei Tempo 60 ohne Bremsung über die 35cm hohen Betonschweine drüberholzen, die die Straße von den Gleisen der S-Bahn trennt. Das Auto macht dann einen Satz und man landet ohne Schäden auf den Gleisen. Ist mir mehrmals gelungen, da ich diese halbkugelförmigen Verkehrstrennungs-Installationen damals noch nicht kannte und fortlaufend ignorierte.

 

Nicht so schön waren die Fahrleistungen - an den Kasseler Bergen ging die Geschwindigkeit auf 35km/h runter. Ich weiß noch genau, dass die Buchstaben "M.A.N." genau in den Rückspiegel passen, wenn ein LKW hinter einem den physischen Kontakt aufnimmt.

 

Den Zettel an der Fahrertür "VERKAUF AUTO?" hätte ich allerdings nicht wegwerfen sollen, denn drei Wochen später ist mir das Fahrzeug wehleidig verreckt, da der Vorbesitzer das Kühlwasser-Warnlämpchen ausgebaut hatte und ich den Tod der Kopfdichtung im tiefsten Budapester Winter nicht vor dem Eintritt bemerken konnte. Das hat mir dann für 300 Euro inkl. Material ein Ungar in der Puszta repariert, was eigentlich gar kein schlechter Kurs ist. Unterm Strich trotzdem ein Verlustgeschäft.


05.07.2016 13:46    |    British_Engineering

In meiner Heimatregion war der Seat Marbella in den späten 80er und frühen 90er Jahren relativ verbreitet. Ich würde mal behaupten, dass er sogar öfters zu sehen war als der Fiat Panda, denn Seat hatte hier ein relativ dichtes Händlernetz. In meinem niedersächsischen Heimatlandkreis gab es z.B. zwei Seat-Händler, die beide recht rührig waren. Da standen immer eine ganze Reihe von Marbella-Modellen zu günstigen Mitnahme-Preisen bereit.

 

Fiat hatte die ganze Zeit über auch zwei oder drei Händler, doch kam da manchmal einer dazu, während ein anderer dichtmachte oder Fiat nur als eine von mehreren Marken führte. Seat schien mir mehr auf gute Händlerbetriebe zu achten.

 

Naja, und letzten Endes war der Seat Marbella ein recht ausgereiftes Auto. Ich hatte während des Zivildienstes eine ältere Arbeitskollegin, die damals einen relativ neuen Seat Marbella fuhr. Sie lobte die hohe Zuverlässigkeit und recht brauchbare Verarbeitung. Und der Wagen war ein farbenfrohes Sondermodell. Es gab spezielle Versionen in gelb, pfefferminzgrün, jeansblau etc.. Sie hatte einen pfefferminzgrünen Marbella. Der war bestimmt kein sensationell gutes Auto, wirkte aber optisch munterer als ein Corsa City oder Fiesta C und war viel billiger. Klar gab es viele sichere Autos und auch in Relation zur Motorleistung sparsamere, aber nur für kurze Strecken von A nach B war der Marbella nicht der schlechteste Kauf.


06.07.2016 12:47    |    cl250 s

"Seat baute bereits ab 1980 den Panda in Lizenz..."

 

Bin nicht sicher, ob das so früh war. Meines Wissens wurde der Panda sowohl bei Seat als auch Fiat gefertigt. Die spanische Produktion wurde in Spanien als "Seat Panda" angeboten, aber auch als Fiat Panda an Fiat abgegeben. Wer Anfang der 80 einen Panda 34 kaufte, konnte beim Fiat-Händler einen solchen als "Made in Spain" erwischen. Eben bei Seat produziert. Der Panda 45 jedoch war ausschließlich aus italienischer Fertigung.

 

Die Sache mit der Lizenz dürfte etwas später gewesen sein.


06.07.2016 12:55    |    cl250 s

Übrigens ist der Marbella qualitativ in einigen Baujahren durchaus gut, sogar beim Rostschutz. Es sind die Jahre 1990 bis etwa 1993. Machte sich vielleicht die Fertigung nach VW-Standards bemerkbar? Gegen Ende der Bauzeit wurde es jedoch gruselig mit dem Rostschutz. Obwohl es da den Marbella SPI mit Monopoint-Einspritzung, Polo-Getriebe und anderen VW-Zutaten wie Schalt- und Lenkstockhebel gab. Ein recht skurriler Panda-Klon war es am Ende durch den VW-Seat-Fiat-Mix.

 

Mein 91er steht jedenfalls noch sehr gut da.


Bild

06.07.2016 13:00    |    cl250 s

Wer mehr wissen möchte zum Marbella und Terra, dem sei die Seite www.marberra.de empfohlen.


17.02.2019 15:17    |    Jeens

Mein Vater hatte 18 Jahre lang Panda gefahren, bin im Panda aufgewachsen. War sogar ein Sondermodell mit besseren Sitzen und Metallic Lackierung- den einzigen Marbella im Freundeskreis hatte die Mutter meines besten Freundes. Die Technik war absolut langlebig im Grund, auch wenn es so seine Macken gab. Nur die Karosse war irgendwann durch,


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