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veni vidi vega

Mit einem Fiesta fing alles an, seitdem habe ich alle möglichen Autos sämtlicher Typen hier behandelt.

03.09.2018 19:10    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: 5, Accord, Der Accord, Honda

Honda Accord oder Rover 600?

ACCORDACCORD

Ich hatte ja versprochen, über die Erfahrungen mit dem Accord zu berichten - das will ich dann mal tun.

 

Überrascht hat mich beim ersten Artikel, dass über das Auto nur Gutes gesagt wurde. Das wurde nicht besser: Egal wo ich bin und man auf das walförmige Vehikel zu sprechen kommt, jeder ist voll des Lobes. Er wird gern neuer und vor allem teurer geschätzt, als er wirklich ist.

 

Inzwischen habe ich auch einige Kilometer heruntergefräst und genug Erfahrungen gesammelt, um einen ersten Testbericht zu verfassen.

 

Der Freude über den vermeintlichen Schnapper weicht Stellenweise Ernüchterung. Die Antenne geht nicht, die Radläufe beginnen das Blühen und der Zahnriemen ist fällig. Die Antriebswellen schlagen beim flotten Gangwechsel. Gleichermaßen rappelt der Motor ein wenig im Leerlauf, das wird die Zündspule sein, vermutlich noch Erstausrüstung.

Andererseits: Für 1.500 Euro kann man auch nicht mehr erwarten als ein Auto, dass gerade noch im Dezember über den TÜV hüpft und dann eben zwei Jahre hält, ehe es auseinanderfällt. Zumindest nicht in der Mittelklasse, in einen Arosa oder Corsa B wollte ich mich nicht quetschen.

 

Will man, dass der Billigwagen wirklich lange hält, muss man eh den Kaufpreis x2 nehmen. Dann geht auch hier die Rechnung auf. Anders als der Audi muss der Honda im Alltag laufen und auch die Basis, auf der aufgebaut werden kann, scheint deutlich besser. Ich sehe gute Chancen, dass der Honda nach etwas Investition wieder wie eine flotte Biene läuft. Da setze ich auch an und protokolliere genau die Ausgaben für Wartung und Reparatur, denn ich will wissen:

 

- Wie schlägt sich ein Youngtimer (ja, er ist über 20) im Stresstest (über 50 TKM/Jahr)?

- Stimmt der Mythos des unzerstörbaren Japaners?

- Lohnt es sich gegenüber einem neuen Leasinggkleinwagen?

 

Kommen wir erstmal zu den ersten Erfahrungen.

Vorn sitzt man sehr gut und bequem, man fühlt sich sofort zuhause, vielleicht nicht wie in einer C-Klasse, aber das erste Einsteigen passt wunderbar.

Wie es sich für so ein großes Auto gehört, ist das Geräuschniveau angenehm, wenngleich nach heutigen Maßstäben nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

 

Sportlich fährt sich die Kiste nicht, im Gegenteil. Die Lenkung geht recht schwer, der Motor hält unter 3.000 Umdrehungen Schönheitsschlaf, die Schaltung ist so knackig wie der eine Woche alte Salat im Kühlschrank und das Motorengeräusch klingt nicht nach S2000, sondern nach altem Polo. Während der Accord der Nachfolgegeneration ein gutes Fahrwerk hat, wirkt der Accord der frühen 90er wie auf Stelzen und holzt ungelenk über Unebenheiten, ohne ansatzweise sportlich zu fahren.

 

Das ist mir aber herzlich wurst, denn den Accord habe ich zum gelassenen Gleiten gekauft - und will dafür nicht viel ausgeben. Da reicht dann eben auch mal der Basismotor.

Wenn man sich damit abfindet, dass er nun mal eine Schlaftablette ist und ihm seine Ruhe gönnt, kann man konstante 120 mit 7,5 Litern durchfahren. Straufrei mit einigen langen Baustellen kommt man sogar auf glatte sieben Liter, wenn man es darauf anlegt. Nur in der Stadt, wo er die große und schwere Karosserie aus dem Stand anschieben muss, wird er zum Säufer. Und wenn man es mal fliegen lässt, weil - typisch Honda - im oberen Drehzahlbereich fühlt er sich wohl, obwohl dieses Modell noch nicht mal VTEC hat.

 

Lobenswert ist auch, dass bei der Elektronik alles bis auf die Antenne funktioniert. Das ist gar nicht so selbstverständlich, weil der Accord eigentlich kein Japaner ist. Zwar stammt die Konstruktion aus Japan (Honda Ascot Innova), er wurde aber in Swindon (GB) gefertigt und 90% seiner Teile stammen aus europäischer Produktion - vor allem aus Deutschland (Siemens, Bosch, etc) und England. Immerhin wurde wohl auf Lucas-Elektrik verzichtet...

 

Mit dem eigentlichen Accord hat der europäische Accord eigentlich nichts gemeinsam, abgesehen vom Namen. Leider dauerte es, bis in GB auf japanischem Niveau produziert wurde. Die frühen Honda aus Swindon gelten als luschiger verarbeitet, und leider stimmt es meistens auch. Toyota lieferte in England von Beginn an die gleiche Qualität, an den Briten selbst kann es also nicht nur gelegen haben.

 

Ach ja: Wem der Accord zu langweilig ist, kann sich gern nach einem Rover 600 umsehen. Der ist mit dem Accord nahezu identisch, nur dass er ein klassischeres Design nach englischer Tradition bietet und im Innenraum mit (Plastik-) Holz und Leder um sich wirft. Wer schon lange auf Autos aus dem Empire schielt: Der 600 gilt oft als zuverlässigster Rover aller Zeiten. Während der Rover damals deutlich teurer war als das Original, sind die Preise heute nur noch unwesentlich über denen eines vergleichbaren Accord.

 

Drum habe ich mal eine Umfrage gestartet - Accord oder 600? Ich bin gespannt.

 

Übrigens: Ich spiele mit dem Gedanken, den Accord eventuell als Youngtimer aufzuheben. Er macht nicht mal ansatzweise so viel Spaß wie der Audi.

Aber er ist inzwischen selten geworden und sticht mit seinem 90er-Biodesign im Straßenbild schon ziemlich hervor. Außerdem ist er bequem und relativ sparsam...

Eigentlich wollte ich ihn bei der 180-000-Marke loswerden und durch den Nachfolger ersetzen, der einfach alles etwas besser kann.

Aber dieses Eierdesign gepaart mit diesem typischen 90er-Jahre-Innenraummuff.. da werde ich schon nostalgisch.

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04.09.2018 07:52    |    PIPD black

Bei über 50 tkm p. a. wird wohl nicht mehr viel übrig bleiben, was noch lohnt aufzuheben.


04.09.2018 07:54    |    Goify

Und willst du ihn nun durchreparieren oder aufbrauchen und dann meinen, ein aufhebenswertes Fahrzeug zu haben? So ganz klar ist mir deine Sicht noch nicht.


04.09.2018 08:09    |    PIPD black

Bevor man da in Reparaturen investiert, sollte man sich erstmal ganz genau die Basis angucken. Nicht dass es so endet wie mit Rusty von @Trottel2011 .

 

Die Reparaturen werden sicherlich den Zeitwert des Fahrzeugs deutlich überschreiten. Der große Selbstschrauber warst du gerade nicht, wenn ich mich recht erinnere.


04.09.2018 16:05    |    Taxidiesel

Ich würde auch nicht mit sowas wie "aufheben" anfangen und auch keine Schönheitsreparaturen machen, sondern das Auto schlicht verbrauchen. Ich habe mir für einen ähnlichen Kurs auch ein recht großes Fahrzeug gekauft und es läuft bisher echt gut und über alles betrachtet auch recht günstig.

 

Aber wenn ich jede Macke beseitigen würde, angefangen von den zahlreichen Dellen und Kratzern über die allgegenwärtigen Roststellen bis hin zu Pixelfehlern im KI oder der defekten Schminkspiegelbeleuchtung, würde eine Menge Geld und Zeit in dem Auto verschwinden. Ich repariere daher nur die Dinge, die objektiv (zuletzt KWS, Fensterhebermotor, Hydraulikölleitung, bald werden auch die vorderen Bremsen fällig) oder subjektiv (Klimaanlage) unbedingt erforderlich sind.

 

Generell: Wieso kaufst du dir einen Benziner bei 50TKM / Jahr? Ich kann ja verstehen, wenn man lieber einen Otto- als einen Dieselmotor haben möchte, aber dann würde ich doch eher nach einem bereits umgerüsteten LPG-Fahrzeug suchen.


06.09.2018 22:05    |    HelldriverNRW

Ob's wirklich die Antriebswellen sind, die beim Gangwechsel "schlagen"?

 

Der 600 eines Freundes war im Alter furchtbar rostig (wurde von einer reisenden Auto-Stuntshow mit einem spektakulären Mehrfachüberschlag endverbraucht :D) - ein Mangel welcher aber, je nach Vorgeschichte-/Schäden, natürlich viele 20 Jahre alte Fahrzeuge betreffen kann.


07.09.2018 22:10    |    HelldriverNRW

Ach so, zum Thema Reparaturen vs. Zeitwert noch:

Die Rechnung, dass Reparaturen nicht den Zeitwert überschreiten sollten, kommt ja eindeutig aus der Wirtschaft.

 

Für den Privatfahrer finde ich dies eher mäßig relevant - an allen älteren Autos ist schließlich irgendwas fällig, und längst nicht immer entdeckt man dies beim Kauf, auch Profis nicht. Es ist eben kein Jahreswagen. Beim nächsten Erwerb kann ja wieder das gleiche oder mehr kommen. Klar muss man "irgendwo" eine innere Grenze ziehen...scharf am Zeitwert würde ich das aber nicht festmachen. Gerade weil man das Fahrzeug selbst ohnehin (natürlich) nicht für 0,00 Euro bekommen hat, ist dies ohnehin eine "schräge" Rechnung bei einem frisch gekauften.

 

Die Fragestellung für mich lautet eher: Wie (und wie teuer...) sehen die Alternativen aus, die ich mir vorstellen kann?


08.09.2018 09:26    |    PIPD black

Ist schon richtig. Es ist aber auch immer die Frage: wie lange hält der Hobel nach der Reparatur, was kommt als nächstes. Wissen tut man es nicht, aber das offensichtliche kann man kalkulieren. Und Alternativfahrzeuge sollte man wohl immer im Blick haben, wenn man in dieser Preisklasse mobil ist/sein will.


08.09.2018 10:01    |    Goify

Geht an einem Auto für 1.500 € was kaputt, sodass man 2.000 € reinstecken müsste, bleibt ja immer die Frage, ob die Alternative für 3.000 € so viel besser ist und ob diese dann mind. ein Jahr lang nicht kaputt gehen kann. Und genau da hakt es dann, denn das weiß man nicht. Selbst bei einem Auto für 15.000 € kann ohne Vorwarnung was für 2.000 € oder mehr kaputt gehen, also ist das keine Garantie, dass neuere Autos keine Schäden haben können. Zudem haben neuere Fahrzeuge noch einen Wertverlust, für den man schon recht viel reparieren kann.

Am billigsten bleiben daher immer alte Autos, die zwar öfter kaputt gehen, dafür aber auf lange Sicht billiger bleiben.


08.09.2018 12:27    |    andyrx

Größter Feind ist hier der Rost ,denn der lässt die Motivation zu investieren schnell sinken....Motor und Getriebe hingegen haben bei Honda meist das längere Leben als die Karosse ;)


08.09.2018 15:17    |    tommy_c20let

Ich hatte damals einen grünen Rover 620i mit 2 Liter 133 PS Motor, der gleiche wie im Prelude BB3 verbaut war. Er hatte beiges Leder und auch sonst alles was es damals so gab. Optisch fand ich ihn um Welten schöner als den vergleichbaren Accord. Bis auf ne Abgaskrümmerdichtung und einen Riss im Wasserkühler hatte ich mit dem Fahrzeug nie Probeme, lief und lief..


10.03.2019 15:51    |    Marius514

Hab den Selben meiner hat jetzt 161000 Kilometer gelaufen und hat letztes Jahr einen Neuen Auspuff Bekommen echt ein Super Auto welches leider von vielen leuten unterschätzt wurde bzw. wird.

Ich würde meinen auch gerne wenn er 30 Wird mit H Kennzeichen Fahren.


11.03.2019 11:15    |    HerrLehmann

Mir gefällt die Generation des Accord, wobei das vorhergehende Modell schicker ist.

Aber bei 50tkm/anno hätte ich nen Diesel genommen.

Der Zahnriemenwechsel sollte ja vorher schon absehbar sein... und Rost gehört zu einem alten Japaner dazu.

Die Qualität ist aber bei den englischen Toyotas auch schlechter als bei den „Originalen“.

Aber Honda hat ja für die Zukunft die Weichen Richtung made in Japan ???? gestellt...


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