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19.08.2020 08:57    |    Tobner    |    Kommentare (48)

Moin liebe MT´ler,

 

der letzte Stand war folgender: Der BMW steht bereit zur Vollabnahme. Am 20.06. hatte ich den Termin, ich sollte schon 07:00 Uhr da sein, damit wir genügend Zeit hatten, alles ordentlich zu checken. Ich hatte mir vorher noch alle Papiere ausgedruckt, damit man das am Auto auch alles etwas besser handhaben kann.

 

Wochen vor dem Termin habe ich das Auto noch einmal komplett durch geschaut. Anfangs leckten die beiden Sensoren für Öltemperatur und Öldruck wie verrückt. Die konischen Gewinde musste ich extra noch mit Teflonband umwickeln, bevor es wirklich 100% dicht wurde. Danach habe ich an der Hinterachse noch 10mm Spurplatten verbaut. Jetzt stehen die Räder hinten satt im Radkasten drin.

 

Leider habe ich keine Detailfotos gemacht, nach der kompletten Aufbereitung werde ich aber eh ein Fotoshooting machen.

 

Ich habe die Kabel am Pluspol noch aufgeräumt und die orignale E30-Abdeckkappe dranaddaptiert und einen anderen Wischwasserbehälter eingebaut. Mein Eigenbau ist leider innen verrottet gewesen durch schlechte Farbe und Wassereinschlüsse. Der Hallennachbar hatte noch einen Behälter samt Pumpe von einem Fiesta I rumliegen. Der passte von der Form gleich recht gut und ich passte ihn mit einem selbstgebauten Halteblech in den Motorraum.

 

Die Räder vorne gingen bei Volleinschlag vorne an den Radhausschalen an. Ich habe die Luftführungskanäle etwas modifiziert und verschraubt (original sind die bloß gesteckt). Dadurch habe ich die fehlenden 4-5mm im Radkasten gewonnen.

 

Der Spallüfter hing leider 1,5-2cm vom Kühler weg. Beim Testlauf mit gebrücktem Lüfterschalter fiel mir aber sofort auf, dass die Luft nicht durch den Kühler, sondern eher durch den Spalt am Lüfter herausgedrückt wurde. Also experimentierte ich etwas herum und setzte den Lüfter fast direkt an den Kühler. Ich hätte das gleich noch machen sollen... Jetzt drückt die Luft richtig schön durch den Kühler.

 

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Dann kam auch schon der Tage der Wahrheit. Die Fahrt zur Vollabnahme stand an. Wir trafen uns 06:00 Uhr vor der Halle, klemmten die roten Nummern dran und fuhren los. Es war früh ziemlich kalt, diesig, neblig und stellenweise regnerisch. Es war die erste Fahrt, bei der es nicht darum ging, angespannt zu lauschen und bangen. Wir konnten einfach qautschen und herumrollern. Ab und zu auf den Tacho schauen, ab und zu auf die Öltemperatur, sonst nichts. Am Tag zuvor installierte ich noch neue Wischerblätter, die mir jetzt die Regenfahrt fast schon versüßten. Der V8 drehte munter und unangestrengt an der Kardanwelle und so waren wir nach 50 Minuten am DEKRA-Standort. Der Prüfer war schon da und empfang uns mit Kaffee.

 

Dann ging es ans Eingemachte. Wir fingen an mit der Lichtanlage. Danach die Klassiker wie Gurte, Scheibenwischer, Bremsen, Abgasverhalten. Danach ging es auf die Bühne und unters Auto. Nach einiger Zeit und vielen Fragen des Prüfers war er angetan von der Arbeit, dem Baukastenprinzip der BMWs und meiner Umsetzung der Ideen. Einzig die Bremsbetätigung gefiel ihm nicht gleich. Die Stange, die direkt vom Bremspedal aus quer durch den Motorraum und an den Bremskraftverstärker geht sorgte für Bauchschmerzen. Er wollte nochmal die Papiere sehen, die ich dazu erstellt habe. Ich musste ja, bevor ich angefangen hatte mit dem Umbau, bereits die Verformung der Bremsstange simulieren und ihm zuschicken. Damals konnte ich das als Student noch via Autodesk Inventor gut machen. Die Simulationen nahmen dem Prüfer jetzt etwas die Bauchschmerzen. Eine ausführliche Probefahrt mit einigen Bremstests überzeugte ihn dann schließlich. Danach ging es ans Eintragen. Die Papiere, die es zum V8-Umbausatz dazu gibt, gefielen ihm gut. Auch die Tragfähigkeitsnachweise der Felgen (die sind ja vom BMW X1) und die Tragfähigkeiten des Fahrwerks in Verbindung mit dem erstellten Wiegeschein gefielen ihm. Kurzum: Alles eingetragen. Und das stellenweise sogar mit den BMW-Teilenummern und den Bezeichnungen. Vorallem die Bremsanlage und Abgasanlage nahm er penibel auf.

 

Er meinte noch "Fährt sich echt sauber, kein Rappeln, kein Hackeln, nichts. Wie ein normaler E30. Gefällt mir gut. Glückwunsch zum sauberen Umbau."

 

Das geht runter wie Öl :D

 

Ein kleiner Wermutstropfen: Bei diesem Termin lief der Motor malwieder extrem heiß. Der Lüfter ging entweder garnicht oder zu spät los. Der Prüfer sagte nichts dazu, aber für mich war das schon recht peinlich. Da musste ich unbedingt nochmal dran. In der Mittagszeit rollerten wir wieder heim. In langsamen Stadtverkehr mussten wir wieder mit der Temperaturnadel im roten Bereich herausfahren und den Motor abkühlen lassen. Ansonsten lief das Auto wie geschmiert.

 

..In den kommenden Tagen machte ich gleich einen Termin auf der Zulassungsstelle. Wartezeit waren 2.5 Wochen. Mit dem Gedanken an das Cruisen im V8 fällt das Warten schwer :D

In der Wartezeit konnte ich mich aber noch um das Temperaturproblem kümmern. Ich habe den Motor warmlaufen lassen und an einigen Punkten die Temperatur gemessen. Der Motor wird schnell sehr heiß, der Kühler bleibt sehr lange kalt. Fehlersuche. Der M62-Motor hat ein Kennfeldgesteuertes Thermostat. Dieses regelt die Motorwassertemperatur auf über 100°C im Leerlauf und bei Teillast. Das verbessert (angeblich) das Abgasverhalten. Irgendwie verträgt sich dieses Kennfeld aber nicht mit dem großen Kühler. Eh der Kühler das Wasser heruntergekühlt hat, kocht der Motor. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und das Thermostat ohne Kennfeld aus dem 840i E31 kaufen. Das kostet über 100€.Ich habe gleich die Tropenausführung gewählt, die bereits bei 85°C öffnet. Danach wechselte ich noch den Lüfterschalter. Der "alte" schaltete bei 95-90°C, der "neue" bereichts bei 90-85°C.

 

Beim Testlauf kam die Anzeige im Cockpit nicht über 90°C. Der große Spallüfter mit den 385mm Durchmesser macht zwar richtig Lärm, aber drückt auch gewaltige Luftmassen durch den Kühler. Kein Überhitzen mehr. Bis jetzt.

 

Mit dem Versicherungsmann handelte ich einen Deal aus. Da ich alle Fahrzeuge bei ihm versichert habe, kam er mir sehr entgegen. Jetzt bezahle ich 260€ Versicherung in der Saison von 04-10. Und das mit Teilkasko. Beim Anmelden musste eine nicht enden wollende Litanei an Bezeichnungen, Abkürzungen und Nummern in den Schein geschrieben werden. Die Zulassungsfrau schwitzte. Aber es lief. Und als Krönung konnte ich sogar mein Wunschkennzeichen nehmen: HOT-M62. Das Kennzeichen ist sooooo sexy. Es macht das Auto noch sexyieyier. Oder so.

 

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Tja. Und dann bin ich herumgefahren. Erstmal habe ich Vollgetankt und gemerkt, dass der Tankverschluss undicht ist. Dort schwappert der Sprit etwas raus und es stinkt nach Benzin. Das war mir aber erstmal egal. Ich kurbelte das Dachfenster auf und cruiste eine gediegene Runde durch das Erzgebirge. Es war traumhaft. Das I-Tüpfelchen war ein Audi S4 B6, der in der Ortschaft gedrängelt hat. Kurz nach dem Ortsausgang war er dann recht klein im Rückspiegel. Als er näher kam, gab es kurze Lichthupe und nen Daum. Er hat sicher etwas geweint.

 

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Seitdem bin ich fast 1000km gefahren und hatte eine Menge Spaß. Der Lüfter macht was er soll. Nur manchmal schaltet er etwas spät. Zwei Dinge sind mir dennoch aufgefallen:

 

1. Die Kats hängen so tief, dass ich echt schon oft aufgesessen bin. Die hängen erstens tief und zweitens auch noch genau zwischen den beiden Achsen. Das sorgte schon für Frust.

 

2. Ich habe das Auto 2mal fast ins Gebüsch geschmissen. Und dabei war ich noch recht zahm mit der Kurvengeschwindigkeit.

Das Auto fährt um eine Kurve wie ein amerikanischer Pickup aus den 60ern. Die Vorderachse ist präzise wie ein schweizer Uhrwerk, dann folgt die Hinterachse und macht, was sie will. Beim Lastwechsel (bremse lösen beim Kurveneingang, Gasgeben am Scheitelpunkt), fühlt es sich an, als ob die Achse irgendwo anders hin möchte. Das Auto fängt an zu schlingern, rollt und giert. Und das nicht zu knapp. Man muss sogar gegenlenken beim Gieren. Und nein, ich meine nicht das Übersteuern, was durch einen schweren rechten Schuh hervorgerufen wird :p

 

Das schlimme Fahrverhalten wird wohl am fehlenden Stabi an der Hinterachse liegen. Beim Bau dachte ich auch schon über den Stabi an der HA nach. Aber ich wollte es erstmal ohne versuchen. Das sich das so schlecht fährt, hätte ich nie gedacht. Ich kümmere mich die Tage um einen Stabi und rüste ihn an meinem kleinen 316i nach. Genauso wie eine ordentliche, ausfahrbare Großeltern-E30-Radioantenne. Dann ist er der perfekte Sleeper.

 

Und das Prinzip funktioniert. Es haben schon einige Leute richtig blöd aus der Wäsche geschaut. Einigen habe ich das Ego amtlich ausgebremst. Sehr sehr viele Daumen habe ich bekommen. Es macht einfach Spaß. Man hat zwar nur knapp 300PS, aber durch die nichtmal 1200kg Gewicht und das amtliche Drehmoment drückt die Fuhre richtig gewaltig nach vorne. Ich bin schon einige PS-Boliden mitgefahren (erst kürzlich in einem S8 D3 mit V10 Motor und E63 AMG mit dem großen Sauger), aber der E30 fährt, zumindest gefühlt, vorne mit.

 

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Ich genieße das Fahren nach den (grob geschätzten) 800h Arbeit und viel Schweiß und grauen Haaren. Die Gesichter der Beifahrer, die mit weit aufgerissenen Augen tief Luft holen, wenn der V8 losmarschiert, ist zusätzlicher Lohn der langen Arbeit. Anfangs war es eine Hassliebe, aber mit jedem Kilometer macht mir das Auto mehr Freude. Anfangs dachte ich, ich verkaufe das Auto nach ein oder zwei Jahren. Aber jetzt funktioniert alles so gut, dass ich am Überlegen bin, was ich damit mache...

 

Das steht aber noch in den Sternen. Jetzt steht erstmal eines auf dem Plan: SPASS HABEN!

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Blogautor(en)

Tobner Tobner


Infos zur Person... hmmm mal sehen...

 

Ich bin BJ 92 und vom Beruf Medizintechniker. Damit verdiene ich das Geld, was ich gleich wieder in meinen Fuhrpark investiere :rolleyes:

Ich schraube an so ziemlichen Allem, was Räder oder Ketten hat, sich fortbewegt, oder einfach nur Lärm und Qualm fabriziert. Mein Motto ist dabei: Normal kann jeder.

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