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01.10.2020 13:01    |    Tobner    |    Kommentare (24)

..Ich hatte bei einer Youngtimerausfahrt im Frühsommer 2019 mit dem Audi einen Gutschein für eine komplette Fahrzeugaufbereitung gewonnen. Das spielte mir direkt in die Karten und ich quatschte einen Termin ab. Die Strecke zum Aufbereiter war 85km einfach. Es war Mitte August und es war kochend heiß. Das Kühlerproblem hatte ich ja soweit im Griff, aber trotzdem war mir etwas mulmig zumute. Und wie das meist so ist, bestätigte sich mein Misstrauen, denn in einer Baustelle auf der Autobahn schnappte die Temperaturanzeige direkt durch den roten Bereich hindurch in den Anschlag am Tachogehäuse. Natürlich gab es keinen Standstreifen. Anhalten wäre keine Option, also war Bangen und Schwitzen angesagt. Ich drehte die Heizung voll auf, kurbelte alle Fenster runter und starrte auf die Temperaturanzeige. Leider war es so laut, dass ich auch den Lüfter nicht hören konnte. Bis zum Ende der Baustelle zuckte sich die Nadel nicht einen Millimeter und ich hatte wirklich Panik, dass ich mir den Motor kaputt fahre. Am Ende der Baustelle dann auf die mittlere Spur in den Fahrtwind, etwas beschleunigt und bergab beim rollen lassen fing sich die Temperaturanzeige wieder. Herr im Himmel.

Kuroiserweise lief der Lüfter dann im Stadtverkehr (Freitag nachmittag in der Rush-hour) dann ohne Probleme. Auch die Temperatur war völlig im Rahmen. Vielleicht hat auch die Anzeige kurz gesponnen.

Ne Woche später konnten wir das Auto wieder abholen. Und die Jungens haben echt gute Arbeit geleistet. Das Auto glänzt wie neu und stinkt innen nicht mehr nach Schimmel. Grandios.

 

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Die Heimfahrt ging mit einem Aufsetzen an der Einfahrt gut los. Der Gurt ließ sich nicht herausziehen und es waren 35°C im Schatten. Aber es half nichts, rauf auf die Piste. Die Temperatur im Maschinenraum war im Rahmen, aber in der Fahrgastzelle war es wirklich unangenehm. Ich dachte an eine Klimaanlage :D

Der Lüfter hatte voll zu tun und ging nur selten mal aus. Nach einer Stunde Autobahn rollerte ich noch 35 Minuten über Land und durch die Stadt und der Lüfter lief wirklich die ganze Zeit. Ich denke, das war aber auch der thermische Worst-case.

Zufrieden, dass die Technik funktionierte und das Auto optisch jetzt etwas her machte, stellte ich den E30 in den Garage. Das Auto gefiel mir von Tag zu Tag besser. Dass es mich an den Rand der Verzweiflung bringen sollte, konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen.

 

 

Nachrüstung Stabi

 

Im letzten Artikel berichtete ich über furchtbares Kurvenverhalten des Autos. Es kam auch einiger Input hier im Kommentarbereich (Danke dafür :) ) und es war klar, dass an die HA ein Stabi nachgerüstet werden muss. Ein guter Kumpel hatte noch einen E30 Touring rumstehen. Die Tourings hatten alle serienmäßig an der HA einen 13.5mm Stabi, an der VA einen 20mm Stabi. Meine Limosine hat vorne 18mm, hinten kein Stabi. Ich dachte, es wäre eine gute Idee, beide Stabis vom Schlachter zu ernten und bei mir einzubauen. Kurzum, ich kaufte ihm die Stabis ab, ließ sie pulverbeschichten und baute sie mit neuen Koppelstangen, Gummis und Halteblechen ans Auto. Die Aktion hat mich ca. 250€ gekostet und ging recht schnell von der Hand. Leider kam es am Tag des Einbaus zu keiner ausgiebigen Probefahrt mehr, denn es war spät und bereits dunkel. Ich fuhr nur noch kurz zum Dönerladen und wieder zurück. Das Auto lief grandios.

 

Hier sind mal noch 3 Bilder vom Unterboden.

 

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In den kommenden Tagen habe ich noch ein kleines Problemchen behoben. Die Batterie war alle 3 Tage leer und es stellte sich heraus, dass ich beim Verkabeln einen Fehler gemacht hatte. Dadurch "zogen" die Verbraucher 250mA Ruhestrom. Nach vielen vielen Stunden Fehlersuche hatte ich das aber im Griff. Ärgerlich war, dass es wirklich ein sehr blöder Fehler gewesen ist und ich deshalb wieder so ewig herumgesucht hatte. Aber Schwamm drüber, das gehört halt dazu.

 

 

Der Frust - Part 1

 

Am Wochenende darauf wollte ich eine ausgiebige Testfahrt unternehmen. Also stieg ich Sonntag Nachmittag ins Auto, fuhr es aus der Halle, stellte es draußen ab und räumte noch etwas in der Halle herum. Nach ein paar Minuten war ich fertig, setzte mich in den E30 und wollte ihn starten. Aber er sprang nicht mehr an. Der Anlasser leierte wie verrückt, aber der Motor wollte nicht anspringen. Nichtmal ein kleines Patschen. Die kleine 55Ah-Batterie war nach einigen Sekunden am Ende und so blieb mir nichts weiter übrig, als das Auto wieder in die Halle zu schieben. Schonwieder Fehlersuche...

An der Ersatzbatterie kam der Motor auch nicht. Merkwürdig, ich war ja vor 10Min noch mit dem Auto herausgefahren. Ich weiß nicht mehr genau, in welcher Reihenfolge ich was probiert hatte, aber es half alles nichts. Luftmassenmesser (LMM) abgesteckt, Benzinpumpenrelais gebrückt, mit Starterspray vorne vor den LMM gesprüht (wichtig, merken), Spannungen an den Verbrauchern gemessen, Nockenwellensensor getauscht (hatte noch einen da). Aber er wollte nicht mehr. Nach 3h habe ich aufgegeben. Frustriert gegoogelt. Wegfahrsperre. Kann nicht sein, ist ja aus dem Steuergerät herauscodiert. LMM. Hatte ich testweise abgesteckt. Nockenwellensensor. Habe ich getauscht. Kurbelwellensensor. Der musste es sein. Also am Montag bei Stahlgruber für 115€ (HUNDERTFÜNFZEHN EURO!) den Sensor bestellt und abends eingebaut. Nichts. Kein Zündfunken. Dann kam ein Kumpel mit der BMW-Auslesesoftware INPA vorbei (die er natürlich rechtmäßig besitzt). Im Fehlerspeicher standen folgende Dinge:

 

- LMM (klar, hatte ich abgesteckt)

- Lambdasonden vor Kat (ebenfalls abgesteckt)

- Can-Kommunikation Tacho (klar, weil der E39-Tacho irgendwie fehlt)

- Taktventil Tankentlüftung (wer weiß...)

- Kennfeldthermostat (klar, fehlt auch seit dem Umbau auf das starre Thermostat)

- EWS (Wegfahrsperre, Konflikt. Das stande meines Wissens von Anfang an da drinnen, hatte mit der Auscodierung zu tun)

 

Ich musste malwieder in der E30-Umbautengruppe in Facebook zu Kreuze kriechen. Die Jungs dort haben Ahnung, das macht echt Spaß. Das übliche hatten wir schnell abgefrühstückt: Nockenwellen- und Kurbelwellensensor, LMM, Falschluft.

Ich postete ein Bild vom Fehlerspeicher, da schrie einer sofort: Deine EWS ist aktiv. Ich antwortete: Kann ja nicht sein, ist doch auscodiert. Keine weiteren Fragen. Nur noch Ratlosigkeit und Rauschen im Äther.

Ich habe dann die komplette Verkabelung des Motors geprüft. Es war alles in Ordnung. Dann habe ich mit meiner Spezial-Test-LED Marke "Selbermach" die beiden OT-Sensoren geprüft. Blinkerten Sauber. Motormann angerufen. Der Meinte nur "Nockenwelle und Kurbelwelle liefern Signal, springt trotzdem nicht an? Ist sicher dein Steuergerät gestorben.". Die Idee war mir auch schon gekommen. Steuerzeiten stimmten.

Als allerletzen Stohhalm schrieb ich dem Herren, der die EWS auscodiert hat, eine Mail. Kurze Zeit später die Antwort:

 

"War die Batterie öfters mal leer?"

 

Ja klar, alle 3 Tage.

 

"Da musst du über die Software so und so und hin und her und dann PENG." Genauer möchte ich nicht werden. Ich folgte seinen Anweisungen und nach 30 Sekunden lief der Motor, als wäre nie etwas gewesen. Die EWS hatte sich im Steuergerät verschluckt und blockierte den Zündfunkten und die Einspritzventile, obwohl sie ja deaktiviert wurde. Ich weiß nicht genau wie es funktioniert, aber die Wegfahrsperre scheint nur unterdrückt zu sein. Keine Ahnung.

 

Die Fehlersuche hatte mich bequem 8-9h gekostet und die 115€ für den Sensor. War mir aber wumpe, der Eimer lief wieder. Ich habe dann gleichmal eine 50km Testfahrt mit einigen engen Kurven gemacht. Geht schon ganz anders. Dennoch steckte mir irgendwie der Frust tief in den Knochen.

 

 

Der Frust - Part 2

 

Genau einen Tag später, in Zahlen EINEN TAG, stieg ich in den E30 und wollte mit 2 Kumpels fix über Land zur örtlichen Burgertanke. Der Motor sprang etwas zögerlich an, drehte kurz hoch, stotterte, spratzelte etwas, eierte dann bei 300-400U/min herum und ging aus. Danke.

Neustart brachte nichts. Das scheint nur bei Windows und Android zu funktionieren. Hm.

 

Ich hatte bei der ewigen Fehlersuche die Adaptionsdaten gelöscht. Ich dachte mir so: Naja gut, vielleicht muss er sich selbst noch etwas anlernen. Versuche mal, ob du etwas herumrollern kannst. Wir haben hier situationsbedingt ein passendes Sprichwort, was ich euch nicht vorenthalten will:

 

Nen alten Arsch.

 

Ich bin herumgehüpft wie eine junge Ziege. Den Motor musste ich die ganze Zeit mit Gasstößen am Leben erhalten und so eierte ich wie ein Anfänger durch die Stadt. Anfahren ging nur mit 2500U/min und gaaaaaaaaannnnnnnzz zartem Einkuppeln. Peinlich. Und es wurde bei warmen Motor kaum besser. Träge, wie mit 20PS schleppte ich mich hüpfend zur Halle zurück. Was war denn plötzlich los?!

Fehlerspeicher ausgelesen. Bis auf die üblichen Verdächtigen leer. So ein Ärger aber auch.

Kurz davor gesetzt, überlegt. Dann mit der Fehlersuche angefangen. Ruckeln kann prinzipiell durch Falschluft, LMM oder einen der beiden OT- Sensoren hervorgerufen werden. Diese Komponenten hatte ich ja auch alle in der Hand, vielleicht war da nur etwas schief gelaufen. Also tauschte ich wieder den Nockenwellensensor und den Kurbelwellensenor. Ruckelte weiter. Also bestellte ich den Luftmassenmesser und die Kurbelgehäuseentlüftung neu.

..Ich hatte ja bei der vorherigen Fehlersuche kühn Starterspray in den LMM gesprüht. Das überlebt dieser meist nicht und ich hoffte, dort schon den Fehler gefunden zu haben. Die Kurbelgehäuseentlüftung geht beim M62-Motor gern mal kaputt und der Motor zieht Falschluft. Die KGE besteht aus einer Membrane, die die Öldämpfe kontrolliert in die Ansaugbrücke leitet. Siehe Bild, Position 2. Gern reißt die Membrane, wodurch den Motor die Luft und das Öl aus dem Kurbelgehäuse saugt. Die KGE steckt im hinteren Deckel der Ansaugbrücke. Man muss also den kompletten Deckel hinten an der Ansaugbrücke tauschen. Genau dort, wo beim E30 wirklich kein Platz ist. Frust.

Ich fing also erstmal beim Luftmassenmesser an. Der ist in 3 Minuten getauscht. Beim Starten änderte sich aber, wie schon zu erwarten, nichts. Nur mein Frust stieg.

Also baute ich die Ansaugbrücke aus dem Auto. Das sind so Arbeiten, die wirklich keinen Spaß machen. Glücklicherweise hatte ich einen guten Kumpel mit dabei, der nicht nur für heitere Stimmung sorgte, sondern auch mit anpackte. 3h später hatten wir alles wieder zusammen. Beim Starten zeigte sich der Motor von seiner hässlichen Seite, denn es hatte sich NICHTS verändert. Maximaler Frust.

 

Tja. Shit happens.

 

Ich hatte wieder die Online-Community gefragt, doch diesmal waren die nicht ganz so cool wie vorher. Diese störten sich daran, dass ich keine Originalen-BMW-Teile eingebaut hatte, sondern Sachen vom Zulieferer. Nach der geschlossenen Meinung kann das so nicht funktionieren. Ich bin da anderer Meinung.

 

Ich bin dann erstmal 4 Tage in den Harz gefahren. Und zwar mit einem Auto, was nie bockt: Dem Trabanten. Hinten den Hänger samt Motorrad dran gehangen, Bier und Grill eingeladen und los gefahren. Ganz spontan und ganz alleine. Und es war grandios. Hier ein paar kleine Bilder vom Trip:

 

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..Der neue Motor läuft erste Sahne. Jetzt schafft der Pappmann samt 400kg-Anhänger gut 95 Sachen auf der Geraden. Das reicht sogar für die BAB. Die Woche Urlaub hat den bitter nötigen Aufschwung gebracht.

Als ich wieder zuhause war, habe ich mir direkt eine Benzindruckmessuhr ausgeliehen. Alles andere hatte ich ausgeschlossen und so blieb nur dieser letzte Punkt. Die Messuhr habe ich in den Vorlauf eingebaut und den Motor gestartet. Zu meiner Verblüffung blieb der Zeiger des Messinstrumentes auf nur 2 Bar stehen. Trotz neuer Benzinpumpe. Sehr merkwürdig. Ich habe dann einfach und unkompliziert eine neue Benzinpumpe und einen Benzindruckregler von Bosch bestellt. Beides eingebaut und "schon" lief der Motor wieder. Meine Fresse, dachte ich mir, was für eine riesen Katastrophe mit dem E30.

Das Auto stande 4 Wochen still. Die beiden kleinen Fahrten zählen nicht :D

Ich bin hart im Nehmen mit meinen Projekten, habe viel Geduld und auch Verständnis, wenns mal nicht so läuft, aber zwischendrin hatte ich schlicht keinen Bock mehr auf das Auto. Da baut man 4 Jahre an einem alten Auto rum, fährt genau 1000km und fängt wieder an...

Das letzte mal, als mir der Gedanke "ebay und weg" kam, war damals, als mein Audi 80 monatelang herumgesponnen hatte mit der KE-Motronik. Das ist schon alle Weile her, aber ich erinnere mich noch gut an die Zeit. Genau wie sich die Zeit mit dem E30 in mein Hirn brennen wird.

 

Wie dem auch Sei, meine Liebe zum E30 wurde auf eine harte Probe gestellt. Ich weiß noch nicht so genau, wie es weiter geht, aber richtig Spaß habe ich nicht mehr mit dem Auto. Das ist äußerst schade, das weiß ich selbst. Aber ich glaube, ich brauche erstmal etwas Abstand. Dass er für immer im Fuhrpark bleibt, war von Anfang an eher unwahrscheinlich, aber dass er nach nichtmal 2000km gehen muss, ist (zumindest im Herbst 2020) nicht weit hergeholt.

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Blogautor(en)

Tobner Tobner


Infos zur Person... hmmm mal sehen...

 

Ich bin BJ 92 und vom Beruf Medizintechniker. Damit verdiene ich das Geld, was ich gleich wieder in meinen Fuhrpark investiere :rolleyes:

Ich schraube an so ziemlichen Allem, was Räder oder Ketten hat, sich fortbewegt, oder einfach nur Lärm und Qualm fabriziert. Mein Motto ist dabei: Normal kann jeder.

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