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17.10.2017 12:17    |    Tobner    |    Kommentare (32)

Moin MTler,

 

wie man aus dem Titel erahnen kann, habe ich mir, aus einer Kurzschlussreaktion heraus, einen Trabant gekauft. Wie kam es? Ein Kumpel besitzt einen 601 aus 1967. In einer ruhigen Minute schaute ich mir das Fahrzeug an, setzte mich hinein, spielte etwas herum .... und fand schließlich gefallen am Trabant. Dieses Auto ist so "anders", ich behaupte, so ein eigenwilliges und faszinierendes Auto gibt es nicht noch einmal.

 

Anfangen möchte ich mit einem Link zu einem kleinen Artikel aus der Auto Classic. Der Artikel ist gut geschrieben und gibt einen Einstieg in die besondere Technik des Trabbis.

 

http://autoclassic.de/kaufberatung/trabant-p-601-ein-guter-muss-her

 

 

Ich werde in diesem Bereich natürlich über meine Reparaturen/Instandsetzungsarbeiten schreiben, aber auch über die technischen Eigenheiten des Trabanten (bspw. quer eingebaute Blattfeder durch den Motorraum,...) berichten. Ich kann mir vorstellen, dass das für viele hier doch recht interessant ist.

 

Ich begab mich auf die Suche nach einem Trabanten. Ich dachte anfangs, ich habe die Chance einen gutes Exemplar für 300-400Euro bekommen. Warum auch teurer? Die Autos sind mit einfachster Technik ausgerüstet und wurden nach der Wiedervereinigung sogar verschenkt/entsorgt/im Baggersee versenkt/im Wald abgestellt/zerlegt und als Bewährung in die Fundamente geworfen... Die DDR-Fahrzeuge waren tatsächlich mal weniger Wert als ein wenig Bewährungsstahl... Ich habe schnell merken müssen, dass die Zeiten vorbei sind. Es gibt noch viele Trabis auf dem Markt, doch sind viele nur noch Objekte für eine Vollrestauration. Leider sind die wirklichen Schäden auf den ersten Blick unsichtbar da die nicht rostende Außenhaut vom Problem Nr. 1 ablenkt: Rost! Ich habe mir 5 Trabanten angeschaut, bei 3 Stück bin ich nach einer Minute aufgrund massivster Rostschäden wieder gegangen, einer war mir zu teuer (>2200€) und der letzte Trabant war ursprünglich nicht zu verkaufen, ich musste die gute Frau sehr gut bereden. Für knapp 1000€ habe ich das Auto gekauft (obwohl ich nicht so viel Geld ausgeben wollte.....)

 

 

Ein Trabant 601S, bj89. Nur ein Schweller verrostet, der Rest sehr passabel. Die Bremsen waren fest, das passiert bei Trommelbremsen doch recht schnell. Ansonsten ist er, für einen Trabant, gut ausgestattet und gut erhalten. 12V Bordelektrik, Elektronikzündung (keine Unterbrecherzündung mehr), Austellfenster, Anhängerkupplung. Der Plan war simpel. Fit machen, fahren, Spaß haben.

 

 

Tja, ging leider nicht auf :D

 

Bremsen

 

Nachdem der Trabant in der Garage stand, nahm ich die Räder ab und wollte die Bremstrommel abnehmen. Das ging nicht, die Trommeln waren festgerostet. Nach 30 min hlarter Arbeit mit dem Hammer war die erste Trommel ab. Die Bremsanlage war leider ein Fall für den Schrottcontainer. Die Beläge waren herunter und die Radbremszylinder fest. Für den Trabant gibt es alles neu zu kaufen, ich entschied mich aber für eine Regeneration der Originalteile, weil die Qualität der nachgefertigten Teile gern mal zu wünschen übrig lässt. Da ich sowieso einmal dabei war, habe ich gleich den Hauptbremszylinder mit eingeschickt. Bezahlt habe ich insgesamt 125Euro für 6 Radbremszylinder und den HBZ. Dazu kamen Bremsbeläge, die Bremsleitung zwischen den beiden Radbremsern vorne und Kleinkram. Nach dem Entlüften bremst der Trabant wieder wie eine Eins.

 

Rost

Ein Trabant rostet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Meiner wurde von der braunen Pest fast vollständig verschont. Dachte ich. Ich würde die Blecharbeiten gern mit einem Kumpel erledigen, der viel Erfahrung mit Karosseriearbeiten hat. Er schaute sich das an und meinte "Kein Problem, wenn erst einmal die hintere Seitenbeplankung ab ist". Mist. Genau das wollte ich vermeiden... Aber es geht nicht anders, die "Pappe" reicht etwas über den Schweller hinaus, dort schweißen geht nicht. Ich popelte die Seitenverkleidung ab. Diese war nur mit ein paar Schrauben an der Ober- und Unterkannte befestigt. Ansonsten sind die Teile geklebt. 3h habe ich damit zugebracht vorsichtig den Kleber zu lösen.

 

Jetzt sah man das Ausmaß des Rostes. Der Schweller ist fertig. Reparaturbleche Schweller kostet aber nur 15Euro, der Einstieg knapp 20€. Doch die hintere Ecke am Übergang Radlauf siehts schon sehr mitgenommen aus. Vorne im Radlauf tauchte ein Riss auf und der Einstieg ist soweit auch hin. Nachdem ich den Kotflügel vorne und die Seiterverkleidung hinten abgebaut hatte, fing ich an den Einstieg und Schweller heraus zu trennen und neue Bleche einzuschweißen. Das ist echt mal keine Arbeit für Anfänger, selbst ich als sattelfester Schrauber bin stellenweiße an die Grenzen gekommen. Aber es hilft alles nix, ich wollte ja auch fertig werden...

 

Die Bilder taugen leider echt nix, das Moto G5 macht einfach nur schlechte Bilder. Ich hoffe, ihr erkennt trotzdem was.

 

Es wurde dann mit Kovermi der übrige Rost behandelt und mit Brantho 3in1 lackiert. Die Schweller werden noch mit Hohlraumwachs geflutet und nach Anbau der Karosserieteile kann ich endlich (fast) zum Tüv.

 

 

Hier noch eine Kleine Auswahl an anderen Bildern des Trabants. Ich habe bspw. Stoßstangen der früheren Version gefunden. Diese werden aufbereitet, lackiert und angebaut.

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Tobner Tobner


Infos zur Person... hmmm mal sehen...

 

Ich bin BJ 92 und vom Beruf Medizintechniker. Damit verdiene ich das Geld, was ich gleich wieder in meinen Fuhrpark investiere :rolleyes:

Ich schraube an so ziemlichen Allem, was Räder oder Ketten hat, sich fortbewegt, oder einfach nur Lärm und Qualm fabriziert. Mein Motto ist dabei: Normal kann jeder.

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