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05.06.2020 12:25    |    Tobner    |    Kommentare (13)

Fertigstellung. Jeder definiert den Begriff anders und prinzipiell muss ich sagen, dass so ein Auto nie wirklich fertig wird. Es werden immer Kleinigkeiten (oder auch "Großigkeiten") auftreten, die man an so einem Oldie zu erledigen hat. In diesem speziellen Falle sind es aber wirklich nur noch Kleinigkeiten, wie eine andere Schaltkulisse oder ein Sperrdifferential :D

 

Der Rest ist fertig.

 

Ja. Fertig.

 

Seit dem letzten Beitrag sind noch einige Dinge passiert, ich versuche das man chronologisch nieder zu schreiben. Das erste Problem (Ende 2019) war die Abgasanlage. Von der Stange passte nichts und so hieß es: Es wird Marke "Selbermach". Was der Dekra-Mann dazu zu sagen hatte, war deutlich: Geräuschemissionen dürfen nicht lauter sein als im Fahrzeugschein des E30 eingetragen sind und die Kats müssen die vom Motor sein. Außerdem müssen die Katalysatoren ungefähr im selben Abstand vom Motor eingebaut werden. Im letzten Artikel habe ich schon von den Jungens von Edel01 geschrieben, die hier extrem kompetent extrem gute Arbeit gemacht haben. Ich war dann 2,3 mal dort und habe sehr nett mit den beiden gequatscht. Wir haben dann einen Plan ausgearbeitet: Ich baue noch die Kats an, danach wird eine sondergefertigte Anlage gebaut und vorläufig abgenommen. Die Frage mit der Eintragung der Abgasanlage und der Geräuschemission stellte auch die beiden Auspuffbauer auf die Probe, denn es ist garnicht so einfach, einen so großen Motor so leise zu bekommen. Zudem ist der Platz unter dem E30 auch sehr begrenzt, weshalb man nicht ewig große Schalldämpfer bauen kann.

 

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Ursprünglich wollte ich eine doppelflutige Abgasanlage haben und wir hatten auch den Preis dieser aufwändigeren Variante ausgemacht, aber letzendlich ist es nur einflutig geworden. Der Preis blieb, deshalb war ich erst etwas knatzig. Aber der Preis von 1500€ für die beiden Schalldämpfer in einer Qualität, die keine Wünsch offen lässt, ist dennoch fair. Außerdem hatte es einen Grund für die Änderung: die Auspuffrohre gehen aus dem Mittelschalldämpfer, dann schräg unter der Achse durch und dann in den Endschalldämpfer. Wenn man jetzt 2 parallele, schräg verlaufende Rohre verbaut, kann es durch die Hitzeausdehnung und den beiden Knicken zu Spannungen kommen. Erfahrungsgemäß kann das wohl zu Rissen kommen. Deshalb entschieden wir uns für eine einflutige Variante.

 

Nach dem Bau wurde die Anlage einem Dekra-Prüfingenieur vorgeführt. Dieser hat dann auf einer eingemessenen Straße die Stand- und Fahrgeräusche gemessen und ein Dokument mit den Messwerten erstellt. Der Prüfer, der den kompletten Umbau einträgt, hatte vorher darum gebeten, weil ihm die Möglichkeiten so einer Messung nicht offen stehen. Die Messung schlug nochmal mit 225€ zu buche.

 

Als das Telefon klingelte und es hieß: "Dein Auto ist fertig, hat alles geklappt." fiel mir ein gigantischer Stein vom Herzen. Nicht nur, weil die Edel01-Jungs es geschafft hatten, den Auspuff "Tüv-konform" zu bauen, sondern weil die Messfahrt auch glatt lief. Das war nicht selbstredend, weil die Jungfernfahrt nicht durch mich, sondern durch den Auspuffbauer bei der Messfahrt absolviert wurde. Ich habe ihm das natürlich gesagt und er hatte Vorsicht walten lassen. Aber trotzdem war mir etwas mulmig, einen fremden mit dem Konglomerat an wild zusammengesuchten Teilen fahren zu lassen. Ich hätte das Auto gern selbst etwas getestet, aber ohne Auspuff hätten sie mich spätestens am Ortsausgang wegschnappt und in den weißen Gummiraum gesperrt :D

 

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Danach kam MEINE erste Fahrt im Auto. Achja, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass es Mitte Januar war und auf dem Auto Sommerreifen montiert waren. Es war ja schon nicht nervenaufreibend genug, die erste Testfahrt im öffentlichen Straßenverkehr mit roten Nummerschildern zu machen :D

 

Meine Ängste, dass irgendwas infernal schief lief, blieben unbegründet. Das Auto verhielt sich vom ersten Moment an ganz normal. Fast brav. Die Lichtanlage hatte ich natürlich komplett instandgesetzt und so rollerten wir unauffällig durch die Dörfer. Auf den ersten Metern habe ich gleich die Bremse gequält. Wäre ja auch blöd, wenn da irgendetwas gebockt hätte... Nach einem heftigen Nicken der Insassen war klar: Bremse packt. Meine wilde Bastelei am Tacho funktioniert auch tadellos, die Geschwindigkeit passt exakt mit einigen % Abweichung nach unten. Die Abweichung habe ich gewollt eingestellt, weil nach unten eine Toleranz erlaubt ist, jedoch nach oben nicht. Getriebe schaltet, nur sind die Schaltwege noch viel zu lang. Der Ganghebel stößt vorne und hinten am Ausschnitt in der Mittelkonsole an. Das Rühren mindert auch extrem ein knackiges Fahrgefühl. Die Lenkung im E30 ist nach dem Umbau auf das Lenkgetriebe des E36 ein Traum. Kurzum: Ich war begeistert.

 

Kommen wir zum Herz. Wie läuft der Alutrümmer denn nun, der vorne auf der Achse hockt und eingepfercht ist wie nichts Gutes?!

Grandios. Eine absolute Wonne. Schon beim vorsichtigen Anfahren merkt man, man muss garkein Gas geben. Wozu aus? Der Motor ist so rießig, dass er sich rangieren lässt wie ein Diesel. Beim losfahren und beschleunigen in den ersten Gängen muss man nicht über 1300-1400U/min. Auch wenn man so untertourig schaltet und im nächsten Gang fast bei Leerlaufdrehzahl ist, genügt ein streicheln des Gaspedales und die Fuhre kommt in Wallung. Beim normalen herumrollern ist der Motor extrem unauffällig, nur das sonore bollern von hinten erinnert einen, das es auch anders geht.

 

So sind wir über die Dörfer gefahren. Immer ein Auge auf Öldruck und Öltemperatur, immer ein Auge auf die Wassertemperatur und ein Ohr Richtung Maschinenraum. Es fiel recht schnell auf, dass das Getriebe so garnicht mit dem Einmassenschwungrad zufrieden war. Es schimpfte. Es schimpfte so laut, dass ich Angst hatte, es könnte kaputt gehen. Es jaulte und kreischte wie ein verletztes Tier aus den Unweiten des vollgestopften Getriebetunnels. Ich erinnerte mich aber, dass der Motormann das schon erwähnt hatte. Ein anderes Öl sollte Ahilfe schaffen.

 

An einem Ortsausgang, wir waren inzwischen 25 Minuten unterwegs, hielt ich es nicht mehr aus. Ich musste sehen, was der Motor kann. Also bin ich, zunächst vorsichtig, im 3. Gang bei immerhin 1600U/min mal ans Gas gegangen. Der Motor erwachte und fing innerhalb eines Lidschlages an, wie wild an der Kardanwelle zu zerren. Jesus Maria. Die Kiste kann was. Ängstlich habe ich schon bei 3500U/min geschaltet. Man muss es ja nicht gleich übertreiben. Mein Grinsen ging von einem Ohr zum Anderen. Vorallem, weil dabei nichts zerflogen ist. Am nächsten Ortsausgang wiederholten wir es im 2. Gang bis 4000Touren. Macht Lust auf mehr.

 

Der Sound ist durch die einflutige Anlage etwas "weicher". Das blubbern eines V8 kommt nicht so gut zur Geltung wie bei einer zweiflutigen Anlage und so denke ich halt schon immer mal "was wäre wenn". Vielleicht kommt es auch nicht so gut rüber, weil die Anlage im Stand auch recht leise ist. Nichts genaues weiß man nicht.

Beim Fahren hingegen klingt der Motor gigantisch. Die Soundkulisse ist ein Genuss. Beim Arschtritt fängt der V8 das Fauchen an und katapultiert den kleinen E30 förmlich davon.

 

..Wir hielten kurz am Fahrbahnrand, knipsten ein Foto und fuhren zur Halle. Beim herumrangieren in der Halle fiel mir ein leicht süßlicher Geruch nach Kühlmittel auf. Anfangs dachte ich, dass noch irgendwo Kühlmittel klebte, was ich bei der Undichtigkeit unter der Ansaugbrücke verteilte. Beim letzten Meter, ich war schon in der Halle angekommen, gab es ein Knacken, gefolgt von einem Zischen und ich merkte, wie 100°C heißes Wasser in meine Schuhe lief. Zum Glück habe mich mir die Füße nicht verbrüht. Dennoch war ich bedient, weil ich wusste, dass der Wärmetauscher unter dem Armaturenbrett geplatzt ist. Die Laune, die vorher von Euphorie bestimmt war, kippte nun. Schade.

 

..Am nächsten Tag baute ich das Auto (malwieder) auseinander. Im Innenraum die gesamte Mittelkonsole, alle Verkleidungen in den Fußräumen, das halbe Armaturenbrett, den halben Motorraum, weil der Heizungskasten unter der Frontscheibe verschraubt ist. Da kommt man auch super dran, weil der Motor ja auch überhaupt nicht im Weg ist :D

 

Den Wärmetauscher habe ich gleich noch am Katastrophenabend bestellt. Jetzt stellte sich heraus, dass nicht der Wärmetauscher, sondern das Heizungsregelventil geplatzt war. Dieses regelt elektrisch den Durchfluss des warmen Kühlwassers durch den Wärmetauscher. Das Teil kostet gleich mal um die 190,- ohne MWst. Ich habs gebraucht gekauft und eingebaut, weil ich den Wucher manchmal nicht mitmachen muss. Die Herstellung des Magnetventils kostet sicher keine 10€...

 

 

 

 

 

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Als dann alles wieder dicht war, wollte ich den Teppich trocknen. Nach einigen fruchtlosen Versuchen mit Lappen und Tüchern musste ich auch den Teppich noch ausbauen, was gleich die nächste Strafarbeit gewesen ist. Unter dem Teppich dann ein Rostloch :D

 

Ich habe einige Zeit gebraucht, bis alles wieder zusammen war.

 

Danach ging ewiges hin und her mit dem Lackierer los. Ich habe einen grandiosen Lackierer an der Hand, der leider nicht mehr "nebenbei" schaffen kann. Ich hatte ihn gefragt, er wollte wiederrum seinen Chef fragen. Der meinte, es geht nur mit Rechnung, anbei ein Angebot. Ich wollte die Radläufe hinten, die Kotflügelunterkanten vorne und das Heckblech lackieren lassen. Er wollte ne viereckige Zahl, mir war das etwas zu dolle. Danach habe ich es für 650€ in einer anderen Firma lackieren lassen. Diese hat gute Arbeit gemacht, nur haben die Jungs dort die Türen nicht mit einlackiert. Ich hoffe nach dem Polieren sieht man keinen Farbunterschied...

 

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Die Nummer hat dann in Summe 2 Monate gedauert. Gut Ding mag Weile haben. Stört mich auch nicht, schließlich kam ja auch so ne kleine Pandemie dazwischen.

 

Die Fahrten zum Lackierer und zurück durfte ich wieder mit den roten Nummern absolvieren. Es war ein absoluter Hochgenuss. Das Getriebe macht nach dem Ölwechsel auch kaum noch Geräusche.

 

..Vor 2,3 Wochen ging es dann vor der Vollabnahme zur letzten Etappe: Die Leistungsmessung. Ich wollte gern auf den örtlichen Rollenprüfstand, doch die Firma vergibt durch Corona Samstags keine Termine mehr. In der Woche schaffe ich es nicht. Also war ich beim nebenörtlichen Tuner, der bietet Insoric-Messungen auf der Straße an. Vorteil daran: Das Auto wird gleich gewogen (mit Protokoll, was ich für die Abnahme brauche). Nachteil: Leistungsmessung auf offener Straße. Folgende Erkenntnisse: Das Auto wiegt leer (Tank halb voll) 1130kg. Der 2. Gang geht bis knapp über 100, der 3. Gang bis knapp 180. Der Motor leistet ernüchternde 280PS und 401Nm Drehmoment. Ich war etwas frustriert, weil ich mir mit dem Motor und den Nockenwellen und Einmessen und allem viel Mühe gegeben hatte und mehr erhoffte. Der Motormann meinte, das Ergebnis ist aber klar, weil der Motor noch nicht abgestimmt ist. Vielleicht läuft der Motor auch im Notlauf, denn bei genau 5000U/min knickt die Leistung urplötzlich ab. Habe da aber noch nicht weiter geforscht. Interessant ist aber, wie das Auto anschiebt, wenn er dann wirlkich mal 320PS und >450Nm hat...

 

Jetzt steht das Auto da und ich warte auf den 20.06. Da ist nämlich der TÜV-Termin. Ich sammel in der Zwischenzeit alle Papiere und Dinge zusammen und hoffe, dass der Termin dann mit einer erfolgreichen Eintragung der ganzen Komponenten endet. Ich bin jetzt schon nervös :D

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05.06.2020 12:29    |    PIPD black

Ich wollte gerade fragen, wann es hier weiter geht.:)

Den Rest des Textes lese ich später.

Das hast du doch sehr gut hinbekommen. Drücke ebenfalls die Daumen für die Abnahme.:)


05.06.2020 12:30    |    ToledoDriver82

Ich kenn ja schon ein Teil der Geschichte ;)


05.06.2020 13:33    |    bronx.1965

Geile Nummer, geiles Gerät! :cool:

Ich drücke dir für die erfolgreiche HU alle Daumen und freue mich auf den nächsten Teil.


05.06.2020 16:30    |    carchecker75

Viel Glück für die Abnahme tolles Projekt.

Einfach nur Geil :D


05.06.2020 22:40    |    E500AMG

Tolles Projekt und vor allem sehr gut das es Leute gibt, die sowas auch fertigstellen.

 

Ich wollte immer einene E30 mit dem 3,5 Liter R6 aus dem E34 535i haben :D ...mit dem konnte ich so gut mit der Hinterachse lenken :D


08.06.2020 10:53    |    pico24229

Text gefällt und macht lust auf mehr. Viel erfolg weiterhin!

 

Steht auf dem Heck dann 340i?


09.06.2020 08:56    |    Tobner

Danke für das Feedback :D

 

Nein auf dem Heck wird das originale "316i" stehen. Das Emblem habe ich mir extra neu gekauft :D

 

Und ja, mit so viel Drehmoment wird der E30 ein guter Hecklenker. Sowohl der V8, als auch der im E34 535i verbaute M30 sind Drehmomentmonster!


09.06.2020 09:03    |    PIPD black

Mal abgesehen von dem krassen Motorumbau mit allem Tüt und Tatt.....an der Optik des Wagens gefallen mir am besten die Stahlräder.:D

Irgendwie so Winterreifenoptik aber irgendwie dann doch wieder nicht (Reifenflanke). Gefällt mir.:p


09.06.2020 09:07    |    ToledoDriver82

Halt der perfekte Sleeper :D


09.06.2020 09:07    |    Tobner

Ja, wollte halt nen Sleeper bauen, und da passen die Stahlis ziemlich gut dazu. Sind halt 17" Stahlfelgen, da passen die 315mm Bremsscheiben nebst Sattel sauber drunter und sind versteckt. Hinten werde ich aber noch Distanzscheiben verbauen, damit die Räder etwas sattter im Radkasten stehen.


09.06.2020 09:10    |    ToledoDriver82

Ich war ja von anfang an dafür, die Optik zu behalten...schön das du es so gemacht hast


09.06.2020 09:12    |    PIPD black

Aber der Nordschleifenaufkleber muss dann noch runter und die Häkelrolle auf die Hutablage. Nen Filzhut hat Toledo vllt. noch für dich.:D


09.06.2020 09:17    |    ToledoDriver82

Jo, der würde da auch gut passen :D


Deine Antwort auf "E30 V8 - Fertigstellung und Probefahrten"

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Tobner Tobner


Infos zur Person... hmmm mal sehen...

 

Ich bin BJ 92 und vom Beruf Medizintechniker. Damit verdiene ich das Geld, was ich gleich wieder in meinen Fuhrpark investiere :rolleyes:

Ich schraube an so ziemlichen Allem, was Räder oder Ketten hat, sich fortbewegt, oder einfach nur Lärm und Qualm fabriziert. Mein Motto ist dabei: Normal kann jeder.

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