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TDIBIKER

Europa und Nordafrika auf zwei Rädern.

21.06.2016 10:39    |    TDIBIKER    |    Kommentare (35)    |   Stichworte: Hosteria de Guara, Lourdes, Santiago de Compostella, Sierra de Guara

Die drei vor der Grotte, in der Bernadette die Jungfrau Maria erschienen ist.
Die drei vor der Grotte, in der Bernadette die Jungfrau Maria erschienen ist.

Wie Lew hier im Forumstreffen-Blog so schön beschrieben hat:

 

http://www.motor-talk.de/.../ich-bin-dann-mal-kurz-weg-t5716266.html

 

Und Andreas bei den Ziegelfliegern:

 

http://www.flyingbrick.de/index.php?...

 

Wir waren Motorrad-Pilgern.

 

Erst nach Lourdes, dann nach Santiago de Compostella. Tausende

Kilometer in wilden und z.T. unwirtlichen Gebirgen: Zuerst die Pyrenäen, das Baskenland mit dem Hochplateau von Urbasa, dann das Cantabrische Gebirge, die Picos d'Europa, und schliesslich Galizien.

Trotz der oft widrigen Witterung mit Schauern, Nebel und Kälte war es eine tolle Tour: Schnell, mit Hotels in grandioser Lage und beeindruckenden Klöstern, Kirchen und Kathedralen. Aber all das ist Menschenwerk, und war, kaum gesehen, schon vergessen. Zur Erinnerung muss ich schon die beiden Rosenkränze hervorkramen - einen aus Lourdes, den anderen aus Santiago.

 

Was bleibt, sind andere Bilder: Eine Herde Wildpferde, die im dichten Nebel neben unseren Motorrädern galoppieren, so dass man sie fast mit der Hand berühren könnte. Die Adler und auch die Geier über uns. Die Abgründe und Wasserfälle, die im weissen Nichts enden. Die Felsen, in Millionen Jahren aus

Meeresgrund gefaltet. Und die gewaltigen Wellen der Bucht von Biskaya und des Atlantischen Ozeans,

die an ihnen nagen...das ist meine Kirche, die Gipfel mein Altar, die dräuenden Wolken mein Glockenstuhl, die Seen mein Weihwasserbecken, und der laufende Motor mein Gebet...das alles ist soviel grösser, kraftvoller, wilder, als diese trockenen Blattgoldheiligen, diese bemalten Steindecken,

die von den Neonlichtern der Souveinrläden gebadeten Kirchenschiffe!

 

Der Jakobsweg ist überall, das ist wahr. Aber nachdem wir unser Ziel erreicht hatten, Fotos gemacht,

fein gegessen...was nun? Ein Moment der Unsicherheit, der Trauer fast. Rückweg. Kein klar definiertes Ziel mehr. Da ist es gut, wenn man einen begnadeten Planer wie Lew dabei hat, und einen immer gut gelaunten Mitfahrer wie Andreas. Lew hat uns nach Bilbao gelotst, Schwebefähre, Guggenheim - Museum, Hotel nah dran, wie macht der Mann das nur.... perfecto! Aber im Touri-Getümmel der grossen Hafenstadt, denke ich an unsere nächste Etappe, an der mein Herz hängt:

 

Die Sierra de Guara.

 

Dieses wenig besiedelte Vorgebirge der Pyrenäen kenne ich gut, von anderen Touren, mit ganz anderen Leuten. In der Sierra de Guara hat die Natur Kunstwerke geschaffen. Es gibt dort tiefe Canyons mit kristalklarem Wasser, schroffe Felsen, Höhlen, wilde Tiere. Die Natur ist unglaublich abwechslungsreich. Und für den Motorradfahrer gibt es zig Kilometer Kurven auf engen Strassen. Das ist für den einen Heizer-und Rennstrecke, für den anderen ein Ort der Besinnung, der Liebe fast. Ich war hier mit der 125er, auf dem Rückweg von Marokko, mit der Bulldog,

mit den Guzzi-Brüdern, mit Menschen, die schon nicht mehr sind, und heute mit meiner Gudrun, dem alten Eskort-Girl, die dank ihres neuen Getriebes, welches perfekt funktioniert, und der Sachs-Kupplung gerade die 105.000 Km geknackt hat und auf diesen kleinen Strassen immer noch mit ihren jüngeren Schwestern mithalten kann...wenn sie denn wirklich muss.

 

https://drive.google.com/folderview?...

 

Die Sierra de Guara ist kaum besiedelt, da kommt ein Mensch auf viele Quadratkilometer Steppe.

Da kommen sich diese wenigen Menschen natürlich näher. Man redet gern miteinander, auch mit Fremden. Und ganz besonders herzliche Aufnahme finden wir in der Hosteria de la Guara, in Bierge.

Eva Viñuales spricht alle Sprachen (wenig deutsch, perfekt englisch, spanisch, französisch), und ich fühle mich eher wie ein Freund, der zu Besuch kommt, als ein zahlender Gast.

Nicht umsonst ist die Hosteria de Guara ein Tourenfahrer-Partnerhaus.

Es gibt Unterstände für die Motorräder. Heute sind sie voll mit Briten. Auch echte alte Motorradfahrer,

mit Aufklebern der Alpen und Geschichten von Moschusochsen auf Norwegenfahrt....:D

 

Zwei Tage lang fahren wir durch die Guara, sehen Ziegenherden, Geier, Ruinen mitten in wuchernder Natur, ohne Weg und Steg: In der Guara ist die Natur noch stärker als der Mensch. Und die Brujas,

die Hexen der Guara, um die sich viele Legenden ranken, kichern in der Luft dazu: Hier herrschen wir.

Eure Rosenkränze, euer heiliger Jakob, eure Mauern aus Stein: Ein Unwetter, ein Bitzschlag, ein rollender Felsen und seht, was aus ihnen wird.

Zum Abschied gibt uns Eva noch als Gastgeschenk ein Fläschchen Olivenöl mit.

Wir kommen wieder!

 

https://www.google.fr/.../uv?...

 

Nachtrag: Wir haben oben auf dem Tourmalet den Otto Adnan getroffen.

Dieser junge Schwede ist allein auf einer 650 Mono-GS nach Marokko unterwegs, und von da aus über Italien in den Balkan. Wir wünschen ihm viel Glück für seine 3-monatige Reise... FB:Adnan Otto

 

So. Zeit, meinen Haupständer zu tauschen. Der ist rechts und links so angeschrappt, dass man für seine Stabilität fürchten muss. Ich denke mal, wir waren die schnellsten Pilger auf dem Jakobsweg.

Zumindest hat uns keiner überholt...:D

Einkehr gab' es zwar, aber mehr abends in der Herberge.

Besinnung nur, wenn's mal wieder gefährlich geschrappt hat.

Die spinnen, die Deutschen....:D

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21.06.2016 16:21    |    Lewellyn

Schön geschrieben. Nimmt mich noch mal mit und läßt Bilder aufploppen. :)

 

Beim lesen der letzten Zeilen fällt mir wieder ein, dass das Olivenöl noch im Regenhandschuh im Koffer steckt. ;)


21.06.2016 16:31    |    TDIBIKER

Lass' dir schmecken. Verdient hast Du's allemal! Der beste Tourguide diesseits des Atlantiks...:cool:


22.06.2016 08:20    |    kandidatnr2

Chapeau!


22.06.2016 09:24    |    TDIBIKER

Danke, Kandidat! Das wäre sicherlich auch was für euch. Zumindest die Sierra de Guara (nur 400 mm Jahresniederschlag),

während Teile des cantabrischen Gebirges auf 1300 kommen. Deshalb ist Galizien immer grün. Und deshalb laufen die Pilger alle in Plastik-Pelerinen oder Müllsäcken 'rum.


22.06.2016 10:49    |    kandidatnr2

Wir waren 2012 dort. Nicht speziell in der Sierra, aber auch im spanischen Teil der Pyrenäen. Waren damals sehr beeindruckende nagelneue Straßen.


22.06.2016 11:12    |    TDIBIKER

Mal schauen. Vielleicht gibt es ja ein Video, mit der verlorenen Kamera. Es ging so zur Sache, dass

der Halter glatt weggebrochen ist....aber zwei Karten haben wir gerettet.


22.06.2016 16:47    |    Nette Hexe

Das ist ja eine Liebeserklärung und eine tiefe Verbundenheit zur Natur und zum Motorrad fahren.

 

Sehr schön.


22.06.2016 17:01    |    TDIBIKER

Ja, liebe Hexe, das kann man so sehen. Ich lebe nicht umsonst mit 5 Motorrädern mitten im Wald :)

 

Also, *knicksmach* :) und danke sehr!

 

Übrigens, die Brujas, die Hexen der Guara, sind überhaupt nicht nett...die haben es mehr mit Halsumdrehen und lebendig begraben. Nachzulesen in den "Leyendas de Guara"....

 

http://www.prames.es/img_prames/Publicaciones/temas10.jpg


23.06.2016 17:54    |    moppedsammler

Toll geschrieben, Jo, schöne Bilder, danke.

Das lässt die Vorfreude auf 2017 steigen, wenn es durch die Pyrenäen und rund um die Iberische Halbinsel gehen soll.

Und das ohne Zeitvorgabe...

 

Über das Motorrad bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Ich lebe zwar nicht im Wald, sondern am Rand desselben aber 5 Moppeds hätte ich auch. Ihr wart jetzt mit den BMW-Tourern unterwegs. Also wäre die 1300 GT erste Wahl. Oder doch die Africa Twin ? Transalp ? F 800 GS ? (kommt noch..)


23.06.2016 18:10    |    Lewellyn

Wenn Du nicht vor hast, den Asphalt zu verlassen und nicht im Hochsommer fährst, würde ich die GT nehmen. ST hast Du ja nicht...;)

 

Komfort unterwegs ist nicht zu verachten.


23.06.2016 18:26    |    Lewellyn

Ach ja: Wir waren ja zum Motorradfahren da. Das war kein Urlaub...:D


23.06.2016 19:16    |    TDIBIKER

Ich empfehle auch die GT. Die ist zwar übermotorisiert für die meisten Strecken, die wir gefahren sind,

aber dafür ist sie sehr bequem. Und Du musst ja nicht jeden Mini-Pass mitnehmen...


23.06.2016 19:46    |    TDIBIKER

Obwohl...fährst Du alleine?

Wenn keine Zeitvorgaben bestehen, würde ich vielleicht anders fahren.

Nur 250 Km pro Tag, alles mitnehmen, kleines leichtes Mopped, und

viel spanisch lernen und Bekanntschaften schliessen...

japp, ich glaube, so würde ich's machen.

Und einen zweiten Helm mitnehmen...;)


23.06.2016 20:22    |    Lewellyn

Ich kann das "ohne Zeitlimit" nicht ganz glauben. Allein für die Pyrenäen und Kantabrien bräuchte ich ohne Limit ein Jahr locker.


23.06.2016 20:28    |    TDIBIKER

Einmal auf Rente und die Kinder gross, ist das Zeitlimit im wesentlichen die Ehefrau...

 

Bei mir waren 2 Wochen schon viel. Ist ja schön, wenn man vermisst wird, aber...

wenn die Frau erzählt, wie traurig sie ist, während man die Kurve kratzt, das

lässt einen nicht kalt.*

 

*nicht ganz...:cool:


24.06.2016 11:36    |    TDIBIKER

Ich habe noch das eine oder andere Bildchen...das hier ist die andere Seite der Staumauer in Salime.


Bild

24.06.2016 11:41    |    TDIBIKER

Und hier haben wir eine K 1200 RS mit dem Bordwerkzeug unter dem Abdach

eines Deko-ladens zerlegt, während uns der Wachhund wütend angekläfft hat :D:D


Bild

24.06.2016 13:35    |    AndreasDU

Ich würde nicht mit ner K1300GT fahren... mit 260kg Trockengewicht ist das Ding zu schwer für die vielen geilen kleinen engen Kurven! Ich stell mir das Revier mit der F800 wesentlich spaßiger vor ...


24.06.2016 13:55    |    TDIBIKER

Hast auch Recht, Andreas. Das hängt davon ab, wie der Sammler fahren will.

Den steilen, steinigen Weg oder den breiten, gut ausgebauten...:cool:

Wir hatten ja alles dabei. Spass machen tut's immer...

Wenn Du 2017 losfährst, komm' hier vorbei, Sammler!

Weisst ja, Tisch und Bett gibt es hier für alle einsamen Moppedfahrer.

 

Und liebe Grüsse nach DU...


24.06.2016 14:34    |    Lewellyn

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die GT an kurvenwilligkeit nicht hinter einer RS zurücksteht.

Mit den Angel GT auf der Felge. Auch, wenn ich noch keine GT gefahren bin. Muss man halt etwas arbeiten. Dafür ist der Wetterschutz und der Komfort top.

 

Aber alleine ist es eh egal. Leistung zählt immer nur im Vergleich.


24.06.2016 14:48    |    TDIBIKER

Die Frage ist jetzt Video oder nicht Video...

 

Kann sein, dass da ein paar haarige Kommentare kommen.

 

Aber ich würde es gern mal ansehen...


24.06.2016 14:58    |    Lewellyn

Ich hab noch nix gesehen. Die Karten sind noch bei Andreas.


26.06.2016 18:03    |    ka-ruffi

Ein schöner Bericht! Kann man schon ein bisschen nachempfinden soweit das möglich ist, danke dafür.


26.06.2016 22:20    |    TDIBIKER

Danke, Mann! Ich bin jetzt ein bisschen am rotieren... weiss nicht, wie ich das noch toppen kann.

Gerade hat man mir die Teilnahme an der Paris-Beijing nahegelegt. Bin aber noch nicht entschlossen.

Was kommt danach?? Erst mal setzen lassen. LG, Jo


26.06.2016 22:46    |    Lewellyn

Mit Gudrun?

 

Paris Beijing klingt super. Wird aber nicht in 10 Tagen erledigt sein. Eher 100. Und der Aufwand mit Visa und Führerschein.

 

Lass uns lieber über Fatima nach Gibraltar fahren. Oder in die Sierra de Cebollera. Die sieht echt nett aus und ist erheblich größer als die Sierra de Guara. Zwischen Burgos, Logrono und Soria.


26.06.2016 22:53    |    TDIBIKER

Gibraltar war ich schon. Sierra de Cebollera? kenn' ich nicht. Guck' ich mir mal an...


26.06.2016 22:58    |    TDIBIKER

http://www.sierradecebollera.com/

 

Sieht ja ganz nett aus. Aber eine Herausforderung? Eher nicht. Das heisst: Nicht nur...müsste man mit Afrika verbinden..


27.06.2016 08:49    |    Lewellyn

Herausforderung ist ja schon, das Mopped zu Dir zu bekommen und entsprechend Urlaub zu haben. Der Rest ist nur Motorrad fahren. ;)

 

Wir werden mal eruieren, was da nächstes Jahr geht und was nicht...


Bild

28.06.2016 16:46    |    TDIBIKER

Bin natürlich gern wieder mit dabei.


28.06.2016 18:53    |    Lewellyn

Dachte ich mir...:cool:

 

Irgendwie, je länger ich mich damit beschäftige, rund um die Picos gibts noch ne Menge zu sehen.


11.07.2016 19:33    |    TDIBIKER

Gerade gab es Post von der Direccion generale de Trafico DGT:

 

Am 15.6. im Léon gebltzt...100 Euronen....Spanien kostet.


04.08.2016 09:59    |    Lewellyn

Wieso haben die Dich geblitzt? Du warst Doch eher hinten? Ich hab nix bekommen.

 

Außer ein Knöllchen aus der Eifel, auf dem Andreas gut getroffen ist. Zufällig hab ich gerade im Moment des Blitzens aufs Navi geguckt und ich kann bestätigen, die messen exakt. 87 bei 70, sagte auch das Navi, 3km/h Toleranz abgezogen macht berechnete 84 außerorts, 20 € + 5 für den Anhängerbetrieb.

 

Deutschland ist preiswert. ;)


04.08.2016 17:20    |    TDIBIKER

Tja. Schonung deutscher Urlauber in Spanien? Mangelnde Deutschkenntnisse der Amtsmaus?

Wer weiss...Spanien ist sauteuer. Das geht bei 100 Euro los (50 Euro bei Sofortzahlung) und ist gleich ein

"Schweres Verkehrsvergehen", auch wenn man nur etwas über der erlaubten Geschwindigkeit war.

Ich kann mich an den Blitz erinnern...war nach Tacho sehr knapp 10 Km/h drüber, also echte 3-4 Km/h, und dachte mir: "da kommt nix". Pustekuchen...


05.08.2016 10:06    |    Lewellyn

Gibts da ein Eintreibeabkommen?

 

Aber Du willst ja auch noch mal nach Spanien, da sollte man auch zahlen. Aus Italien kostet das kleinste Knöllchen wegen der Auslandsgebühren 157 €.

 

Immer schön korrekt fahren...;)


05.08.2016 13:44    |    TDIBIKER

Das nehme ich mal an, mit dem Eintreibeabkommen.

Habe einen dreiseitigen Brief von der Jefaturura del Trafico Léon bekommen.

War allerdings kein Foto dabei.

Ich habe auch schon an einen findigen Betrug gedacht... wer weiss.

Aber ich bin recht häufig in Spanien, da muss ich zahlen.


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