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Europa und Nordafrika auf zwei Rädern.

27.06.2019 19:15    |    TDIBIKER    |    Kommentare (22)    |   Stichworte: 900, Kawasaki, Z

Una vuelta en EspañaUna vuelta en EspañaDynamisch, sportlich, hängt am Gas: Die Peña Hincada ist Z 900 Land.Dynamisch, sportlich, hängt am Gas: Die Peña Hincada ist Z 900 Land.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Motorrad ist man den Einflüssen der Umwelt ausgesetzt.

Dem Wind. Der sengenden Sonne, wenn die Luft über dem Asphalt flimmert.

Dem Regen. Dem bitteren Frost, wenn die fahle Februarsonne schon gesunken ist.

Dem Staub. Den Insekten, die wie Krusten Jacke, Hose und Helm verzieren. Den Schlaglöchern, die das Sitzfleisch gerben. Den Steinchen, die vom Vorderrad springen....

 

Manche Motorräder versuchen, die Umwelteinflüsse abzuschwächen, für den Fahrer erträglicher zu machen: Mit dicken Verkleidungen, Windschildern, Sitz-und Griffheizungen, langen Federwegen. Das sind Tourer, Reisemaschinen, Reiseenduros. Man erkennt sie an den dicken Koffern.

 

Die Anfahrt war AUCH im RegenDie Anfahrt war AUCH im RegenNeben den mächtigen Aufbauten der GS sieht die Kawa fast wie ein Kindermöpp aus...obwohl sie erheblich mehr Dampf hat.Neben den mächtigen Aufbauten der GS sieht die Kawa fast wie ein Kindermöpp aus...obwohl sie erheblich mehr Dampf hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber es gibt Motorräder, die bewusst auf all das verzichten. Die Z 900 ist so eine. Zwei Räder, ein potenter Motor, zwei dicke Bremsscheiben, ein schickes Design. Mehr braucht sie nicht, um ihren Fahrer zu beglücken. Heizgriffe? Windschild? Schnick-Schnack!! Mit ihr beisst die Sonne, klatscht der Regen, wirbelt der Staub. Sie kann ihren Fahrer ohne zu schalten von 30 auf über 200 Km/h schiessen, nur mit einer Drehung des Handgelenk, ohne RideByWire, ohne Helferlein.

 

Ich hatte Ende 2017 solch eine Kawasaki erworben, natürlich in grün. Die durfte immer bei schönem Wetter meine 50 Km Hausstrecke fahren, und das war's im Wesentlichen. Nur einmal hatte sie aus Versehen etwas Regen abbekommen. Immer mit diesem raubtierhaften Fauchen aus dem dicken Auspuff.

Hach, schön. So sollte es bleiben, zwischen ihr und mir. Und dann hat Lewellyn mit AndreasDU eine Tour in die Sierra de la Cebollera geplant. Ein paar tausend Km auf den kurvigsten Strecken des Kontinents, immer mit der Hand am Gas, in Hochgebirge und Halbwüste, mit und ohne Aspalt...da will ich natürlich dabei sein! Und mangels Enduro oder Reisenduro muss jetzt die Z 900 zeigen, was in ihr steckt. Nicht nur Eisdiele und Hausstrecke ;)

Messen muss sich meine erst 5000 Km alte Z 900 auf noch guten Angel GT mit einer 11er GS auf ganz neuen A41 und einer F 650 GS auf ganz neuen Metzeler Tourance.

Los geht's zur wüsten Tour durch die Pyrenäen in die Sierra de la Cebollera!

 

Unser Ausgangspunkt in Südfrankreich ist von Regenwolken überschattet, es soll mindestens bis zum Pyrenäen Hauptkamm regnen. Also Regenzeug an und los. Die ersten Km fahre ich vor und führe unsere kleine Truppe auf den mir bekannten Wegen, danach fährt meist Lewellyn vor, der die Route perfekt geplant hat. Ich habe ja kein Navi, sportlicher Roadster pur. Und so'n Navi auf Tour ist schon praktisch. Andererseits habe ich eine gute Karte dabei...

Den Regen kriegt man auch mehr ab als auf meiner Gudrun. Das alles stört mich aber nicht, und ich freue mich darüber, dass mein Sattel mit dickem Schaumstoff bequemer gemacht wurde. Sportlicher Roadster hin und her: Auf Tour sollte man sich nicht wund reiten.

 

Nach einer halben Stunde fährt der Streckenposten das Pace Car weg....Nach einer halben Stunde fährt der Streckenposten das Pace Car weg....Die Sierra de Guara. In den Höhlen nisten die Geier, die unsere Tour begleiten.Die Sierra de Guara. In den Höhlen nisten die Geier, die unsere Tour begleiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In St-Lary beginnt der eigentliche Aufstieg in die Pyrenäen, und da ist durch einen Felsrutsch erstmal die Strasse für ein paar Minuten gesperrt. Ein Engländer auf einer Kawasaki 1000 SX gesellt sich zu uns an die Ampel. Als der orangene Streckenposten uns durchfahren lässt, heisst es GAS! Und nach den beiden ersten Kurven ward der Engländer im Rückspiegel nicht mehr gesehen - obwohl die F 650 an erster Position ist und einen deutlichen PS-Nachteil hat, gerade bergauf! PS sind überbewertet.

80% Fahrer, 20% Mopped...

Kurz vor dem Tunnel Bielsa-Aragounet wird der Regen zu Nebel, und es wird kalt! Selbst im Regenzeug.

Und einen Pullover habe ich nicht eingepackt, in meinen Minimal-Koffern von Motec.

 

Irgendwo im nichts.Irgendwo im nichts.StaubtrockenStaubtrocken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber kaum im Tunnel Ausgang, wird es wärmer, und am Ausgang glost die Sonne! Jetzt sind wir in Spanien, und jeder Gedanke an Pullover ist für den Rest der Tour verflogen. Wir ballern vergnügt nach Ainsa runter, und dann in die Sierra de Guara. Da wird die Hüfte wieder beweglich, in hunderten von engen Kurven, und ich setzte zweimal links mit der Stiefelspitze auf (obwohl nur der Fussballen auf den Rasten sitzt), und die 11er GS mit den Koffern (obwohl die an den Ecken schon abgeflext wurden).

 

Stausee mit AbflussStausee mit AbflussPasst perfekt.Passt perfekt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem erquickenden Abend und einem guten Frühstück in der Hosteria de la Guara ging es dann los in die Sierra de la Cebollera. Die Z 900, die auf breiten Strassen überlegen ist, auf schmalen Flickenteppichen zumindest mithalten kann, ist auf Schotter etwas überfordert. Und genau den muss sie heute fahren, irgendwo im Nichts unter einer zu heissen Sonne und kreisenden Geiern. Zum Glück nur so etwa 10 Km. Dem Reifen und der Kette tut das alles nicht gut. Dem Luftfilter auch nicht...

 

Nach dem Staub kommen wir dann zum Stausee des Ebro. Die weite Wasserfläche zieht uns magisch an. Fast wie eine Fata Morgana. Besonders wenn man sich den Auslauf des Beckens anschaut, das hat etwas Unwirkliches. Hat mir die Sonne schon so das Hirn unterm schwarzen Helm verdörrt, dass ich da den Abfluss der heimischen Spüle zu erkennen meine??

 

San FeliceSan FeliceSchon zu römischen Zeiten als Heilquelle bekannt: Die Becken im CidascoSchon zu römischen Zeiten als Heilquelle bekannt: Die Becken im Cidasco

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt darf Andreas mal Z fahren, und ich die F 650 GS. Die geht erstaunlich gut und ist leicht von rechts nach links zu werfen. Ein echtes Spassgerät. Irgendwann rauscht Andreas auf einer langen Geraden von hinten mit meiner Z und einem irren Speed an uns GS Treibern vorbei. Hat sie mal in den Begrenzer gedreht, der Schelm. Sie steht ihm gut, besser als mir jedenfalls.

 

Abends machen wir Rast in Arnedillo an einer heissen Quelle im Fluss. Das Wasser ist leicht radioktiv und enthält Rubidium, und Chlor- und Bromsalze. Mit dem Flusswasser gemischt, hat es eine Badetemperatur von 34° in den Becken und ist es tags und nachts "gerammelt" voll. Das Hotel ist so lala.

 

Berge von Dinosauriern...Berge von Dinosauriern...Das Team wie angesagt in der Sierra de CebolleraDas Team wie angesagt in der Sierra de Cebollera

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen fahren wir nach einem schlechten Frühstück die tolle Heizerstrecke am Stausee. Das ist Z 900 Land! Spielerisch leicht zieht sie von einer Kurve zur nächsten. Das Wetter ist perfekt, so sollte das bleiben. Aber nein, jetzt muss natürlich wieder Schotter gefahren werden...kaum hat man 2 Km hinter sich, werden wir von einem Iguanodon angegriffen. Wer's nicht glaubt...Foto ist nicht gephotoshopped.

Die Schichtflächen des Trias in diesen verlorenen Bergen unter der sengenden Sonne sind mit Fusspuren dieser und andere Saurier überzogen. Die gefährlichsten Tiere für den Motorradfahrer sind ausser dem Iguanodon und Stegosaurus übrigens die Bullen mitten auf der Strasse (die echten jetzt, zum Glück ohne Hörner, aber mit Eiern wie Honigmelonen), und die Pferde in den Tunneln. Die kriegen Panik vom Heulen des Vierzylinders, sind von den Tunnelwänden eingepfercht, und geraten in Bewegung. Besonders ein Fohlen sprintet vor mir rum, keilt aus, und eine schwarze Stute (wahrscheinlich die Mutter) verfolgt mich ein Stück. An die Schafs-und Ziegenherden auf der Strasse hat man sich schnell gewöhnt, an die riesigen Hütehunde die, mitte auf der Strasse liegend, uns wachsam beäugen, schon weniger. Die Geier bleiben in sicherer Entfernung. Ausser wenn man sich bewegungslos neben das Mopped legt. Dann werden ihre kreisenden Shilouetten plötzlich riesig gross (3 M Spannweite). Wer sich hier verschnetzelt, von dem bleibt nicht viel übrig....

 

Nix für schreckhafte NaturenNix für schreckhafte NaturenAm Rande des AbgrundsAm Rande des Abgrunds

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danach geht es wieder Pässe rauf, Pässe runter, wieder Asphalt, richtig Spass. Doch leider haben sich die GS Treiber etwas seltsames ausgedacht: Die wollen einen Bergpfad fahren, der auf keiner Karte existiert. Von dem wir nicht wissen, ob er befahrbar ist, und der von 1000 auf 2000 M NGF führt, also tausend Höhenmeter. Ob ich unten warten will? Nee, natürlich nicht. Und so muss die arme Kawa wieder rein in die Pampa....nach ein paar Minuten bin ich wie ein richtiger Endurofahrer total nass geschwitzt. Die Kiste taumelt von einer Auswaschung in die nächste. Die Gser haben es da leichter: Stellen sich auf die Rasten und pflügen in einer Welle von Gestein die Hügel hoch... ich warte, bis der Staub sich gelegt hat, und fahre denen schön Piano hinterher. Nach ein paar Km brauche ich eine Pause, ein bisschen Wasser aus den Packtaschen.

Da stelle ich fest: Ich kann nicht mehr Anfahren! Der mittlerweile bereits abgenutze Pirelli bringt nicht den nötigen Grip auf, dreht durch und sendet höchstens mal ein Steinchen nach hinten. Da hilft mir der seidige Vierzylinder, der kurz übersetzt, auch niedrigste Drehzahlen toleriert. Es wäre der ideale Enduromotor, wenn das Gewicht nicht wäre... irgendwie komme ich wieder ins Rollen (im wahrsten Sinne des Wortes, und bin endlich auf der Gipfelstrasse (die natürlich auch nur geschottert ist). Ich muss noch einige Km hinter mich bringen, diesmal bergrunter, im Wald auch durch Matsche, bis ich endlich endlich wieder festen Asphalt unter den Reifen habe. Dann gibt es schön Kaffee und ein paar Tapas, die habe ich mir redlich verdient...

 

vom See hoch nur Schotter und spitze Steine, die mein Strassengummi ritzen.vom See hoch nur Schotter und spitze Steine, die mein Strassengummi ritzen.Anfahren im lockeren Geröll bei 10% Steigung ohne Grip....Anfahren im lockeren Geröll bei 10% Steigung ohne Grip....

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag ist nur Asphalt angesagt, und es wird ein doller Tag für die Kawa. Auf zum Teil 12 Meter breiten Strassen könnte sie ihre Leistung ausspielen. Muss aber nicht sein. Wir sind auch so schnell genug unterwegs. Und plötzlich tauchen zwei identische grün-weisse R 1200 RT als kleine Pünktchen im Rückspiegel auf...was zum Teufel! Ist das Guardia Civil? Jawoll! Was tun? Einfach weiter fahren, sie überholen lassen, rangewunken werden...und dann habe ich Glück und der Guardist Pech. Denn als er von der RT runterhopsen will, setzt er den Ständer in ein Loch und droht mitsant Möpp die Erde seiner Heimat zu küssen. Geistesgegenwârtig springe ich dazu und halte die RT fest, bis sie wieder sicher steht. Wir bekommen dann nur eine Ermahnung, und ich einen behandschuhten Händedruck. Klar unter Motorradfahrern hilft man sich, auch wenn man als Rennleitung unterwegs ist.

 

Am nächsten Morgen sieht mein Hinterradreifen nicht mehr wirklich taufrisch aus. Aber heute ist Rückfahrt in die Sierra de Guara, und zwar durch die Wüste. Die hiesige heisst "Las Bardenas Reales". Ob das nun Wüste oder Halbwüste ist sei dahin gestellt - bei knapp 40C° im nicht vorhandenen Schatten ist sie mir wüst genug. Die beiden wollen wieder dadurch schottern, das spare ich mir angesichts des glatten Reifens, und wir treffen uns in Sadaba.

Die Strecke nach Ayerbe ist eine einzige Kurvenswingerei, 73 Km lang!

Noch einen kleinen Schlenker, und in der Guara angekommen, hat der Angel GT z.T. überhaupt kein Profil mehr. Kagge. Ob ich damit noch die 400 Km nach Hause schaffe, über die Pyrenäen?

 

mit den GS klappt das viel bessermit den GS klappt das viel besserlas Bardenas Reales, eine Halbwüstelas Bardenas Reales, eine Halbwüsteverlassene Häuser, vertrocknete Flüsseverlassene Häuser, vertrocknete FlüsseDas Wasser, das LebenDas Wasser, das Leben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein improvisiertes Jazzkonzert beim Schlemmen in der Hosteria de Guara vertreibt aber schnell diese kleine Sorge. Dann, am Morgen, heisst es Abschied nehmen von meinen treuen Mitfahrern. Vielleicht eines Tages fährt man wieder zusammen. Schön war's gewesen, jedesmal.

 

Allein on the road bremse ich nur noch vorn, und beschleunige nur ganz sachte. So komme ich doch noch nach hause...Die Z hat jetzt 8400 Km auf der Uhr. Die Bremsbelâge vorn sind bereits halb runter, die Kette ist gelängt (kein Wunder), der Reifen hat alles gegeben, aber sonst ist alles im GRÜNEN Bereich :D:D

 

Das beantwortet jetzt die Frage, ob die offene (125 PS) Z 900 ABS tourentauglich ist.

 

Wieder daheim. Passte so gerade...Wieder daheim. Passte so gerade...Staub.... Dust in the wind. All we are is dust in the wind...Staub.... Dust in the wind. All we are is dust in the wind...Braves Möpp. Ganz orginal ausser den selbst gebastelten Sturzpads, dem "Tourensattel" +6,5 cm, den Köfferchen (Motec) und dem Tanküberzug von Bagster.Braves Möpp. Ganz orginal ausser den selbst gebastelten Sturzpads, dem "Tourensattel" +6,5 cm, den Köfferchen (Motec) und dem Tanküberzug von Bagster.Fussrasten zu hoch, Lenker zu tief, Reifen zu glatt, die arme Z 900 ausserhalb ihres Wohlfühlbereichs.Fussrasten zu hoch, Lenker zu tief, Reifen zu glatt, die arme Z 900 ausserhalb ihres Wohlfühlbereichs.Swinging on the roadSwinging on the road

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung: Für Motorräder sind Reifen noch wichtiger als für Autos, sie sind das A und O.

Durch den kommerziellen Erfolg der Reiseenduros wird auf Touren heute gerne mal abseits der Strasse gefahren, und moderne Trailreifen stehen normalen Strassenreifen auf dem Asphalt in nichts mehr nach. Normale Strassenmotorräder, Nakedbikes, Sporttourer, Roadster haben heute die Reifendimension 180/55/17 hinten. Leider gibt es in dieser Dimension keinen Trailreifen, wie den A41, Tourance, TKC 70, der ausser Strasse auch ein bisschen Gelände kann. Eine echte Marktlücke...

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13.06.2019 14:53    |    TDIBIKER    |    Kommentare (28)    |   Stichworte: 1100, BMW Motorrad, R

Pfingsten 2019. Ich muss mich entscheiden. Zwischen der fast neuen aufgepolsterten Z 900 mit den Stoffpacktaschen oder der dicken alten Gudrun (R 1100 RT). Die hat gerade 135928 Km auf der Uhr und noch den Hinterradreifen von den Lofoten, der jetzt schon glatt wie ein Kinderpopo ist. Anscheinend ist 160/60/18 keine gängige Dimension mehr. Ich hatte schon vor Wochen neue Reifen für mich und ein paar Forums-Freunde bestellt. Die Forums-Freunde sind jetzt neu besohlt, aber meinen T31 hatte man glatt vergessen...den Ausschlag gibt das Zelt. Das passt einfach besser auf die Gudrun als auf den grünen Flitzer, und trotz glattem Reifen wird die RT aufgesattelt.

 

Waren das noch Zeiten, als es bei den Reifenhändlern Lagerhaltung gab! Jetzt muss der Roadsmart II noch die 1300 Km bis NRW halten. Die werden an einem Tag abgespult, und der Reifen ist immer noch nicht auf dem Stahl. Er hatte damals in Norwegen zwar 400 Euro gekostet, will jetzt nicht sagen dass er soviel Wert war, aber ein guter Reifen ist es allemal. In NRW gibt es wieder einen Angel GT für 144 Euronen...Rad ausbauen und wieder einbauen muss ich selbst. So - die ersten 1300 Km sind überstanden, und weiter geht's erst nach Hessen, wo andere Kollegen mich bereits erwarten, und schliesslich stossen noch andere dazu, und los gehts auf Nebenstrecken ins Badische.

Ein paar schicke Strecken gibt es linksrheinisch und so nehmen wir wieder eine Fähre.

 

Wieder genug Wasser im RheinWieder genug Wasser im RheinAbends am Schloss StaufenAbends am Schloss Staufen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein paar neue (gebrauchte) Werkzeuge sind dabei, zwei KTM SMT 990, aber auch eine alte Bekannte, Corinna, die Z 750 Twin mit 240.000 Km auf der Uhr...

Aber, die Moppeds sind egal, die Fahrer machen's. Und die sind alle liebe treue Freunde, seit Kindertagen, und gute Fahrer auf allen Strassen.

Wir treffen uns in Bennies Hütte in Durbach. Wie immer wird gegrillt und es gibt ein paar Bier.

 

Lustiger AbendLustiger AbendIm Schwarzwald...Im Schwarzwald......findet man Zuflucht...findet man Zufluchtkleine kurvige Strassen, wenig Verkehrkleine kurvige Strassen, wenig Verkehr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen scheint die Sonne, und es geht auf kleinen kurvigen Strassen gen München.

Der Verkehr im Schwarzwald war nicht so übel wie befürchtet, und es wurde eine tolle Tour. Abends, in Starnberg, gab's Krustenbraten und Weizenbier.

 

gutes Wettergutes WetterDon't mess with 'emDon't mess with 'emNach dem Ritt die Tränke...Nach dem Ritt die Tränke...Unten am TatzelwurmUnten am Tatzelwurm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am morgen war das Wetter eher durchwachsen, und wir wollten mal zum Tatzelwurm ins Sudelfeld.

Da war natürlich ordentlich was los, jede Menge seltene und teure Moppeds, aber auch Trikes, Quads und edle Autos. Eine besondere Bemerkung für die 1125er Buell und die 2 Vincent.

Vom Fahrerischen her war das alles weniger spannend. Jetzt aber ab nach Österreich! Da gibt es doch sicher Pässe zuhauf!

 

Äh, nö, wir fahren lange Kilometer durch Täler und Täler und Täler...und rechts und links winken schroffe Gipfel aber man kommt nicht hin. Da hat Norbert die glorreiche Idee, auf die Stockeralm zu fahren. Wir fragen im Ort, wo das denn wäre, aber niemand scheint sie zu kennen. Nur eine Bäuerin erklärt uns, wir müssten zu einer Schranke, die wäre aber zu und danach hätt's keine Strasse mehr nur noch eine 7 Km lange Piste....

 

Auf der StockeralmAuf der StockeralmAlm-MusikAlm-MusikAbschiedsfoto mit Michaela, Sepp und Schweisshund NapoleonAbschiedsfoto mit Michaela, Sepp und Schweisshund Napoleonglückliche Kühe auf der Stockeralm - leider auf unserer Piste :)glückliche Kühe auf der Stockeralm - leider auf unserer Piste :)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich kriege meine Gudrun irgendwie um die Schranke herum, passt so gerade, rechts der Abgrund...

und dann windet sich die Schotterpiste in Serpentinen den Berg hinauf. 3 Schmelzbâche gilt es zu durchqueren mit losem Geröll. Ab und an mal eine Abzweigung in den Forst. Sind wir hier überhaupt richtig? Plötzlich ein Lagerfeuer, um das 3 Gestalten hocken, und dahinter eine Berghütte. Jawohl, hier sind wir goldrichtig! Wir finden gleich liebevolle Aufnahme von der dynamischen Wirtin Michaela, kriegen ein Bier in die Hand gedrückt und hocken uns ums Feuer. Sepp, der Almvater, ist Gamsjäger und feiert heute seinen 70ten Geburtstag. Er schiesst Rehe und Gemsen in den Bergen, weidet sie an Ort und Stelle aus und trägt das Fleisch im stundenlangen Marsch zur Hütte hinunter...damit wir es uns als Ragout schmecken lassen können! Wir feiern seinen Geburtstag mit Singen und Gitarrenspiel bis in den frühen Morgen. Es war ein toller Aufenthalt. Wer keine Angst vor der Auffahrt hat: Die Stockeralm ist genau das richtige für echte Moppedfahrer.

 

Alpengasthof Stockeralm, Josef Kaiser

Sulzau 42

Neukirchen am Großvenediger

Salzburg

A-5741

Österreich

+43 (0) 664 98 61 041

http://www.stockeralm.at

 

Mergelpiste mit Serpentinen und Schmelzwasserbach. ABS aus und durch....Mergelpiste mit Serpentinen und Schmelzwasserbach. ABS aus und durch....Das GlocknermassivDas Glocknermassiv

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem herzlichen Abschied von unseren lieben Wirtsleuten ging's den Glockner rauf. Endlich ein bisschen schnetzeln! Das letzte mal war ich mit der Bulldog hier, da war mehr Eis und weniger Wasser. Witzig sind durchnumerierten Kehren, da konnte man sich anschliessend präziser über die Fahrerlebnisse austauschen "Wow in Kehre 13 ordentlich gerutscht - in Kehre 18 aufgesetzt - usw."

Die Pasterze ist nur noch ein müdes Rinnsaal, aber auf den Gipfeln liegt noch Schnee. Und ein paar Gletscher-Reste.

Es gibt am Glockner so etwas wie das Ende der Strasse - end of the road - Sackgasse, Umkehrplatz.

Ein ganzer Haufen Südamerikaner aus Venezuela auf geliehenen BMWs - anscheinend hungert dort nicht jeder - ein paar Lambos und Porsches....die Mautstrecke ist auch nicht gerade billig zu befahren.

 

Nach einer guten Mahlzeit im Glocknerhaus verabschieden wir uns: Ein paar von uns fahren nach Slowenien, ich aber fahre mit meinem alten Kumpel Chri über den Stallersattel, den Jaufenpass (passo di Giovo) auf's Timmelsjoch. Der Staller Sattel in Italien ist

fahrerisch sehr anspruchsvoll, weil die Strasse gerade breit genug für ein Fahrzeug ist. Man muss zum Teil eine dreiviertel Stunde oben warten, bis die Ampel grün wird. Dann kann man aber ohne Angst vor Gegenverkehr die Serpentinen runter knallen...sollte doch einer von unten kommen, hätten wir beide Pech.

 

strenge Schönheit des Hochgebirgesstrenge Schönheit des HochgebirgesAm Ende der MautstreckeAm Ende der Mautstrecke Blick vom Staller SattelBlick vom Staller SattelUnten am SeeUnten am See

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir fahren den Jaufen nach einem Regenguss, es ist schon abends und zum Glück kaum noch jemand unterwegs, und wir lassen es auf der noch feuchten Strasse richtig knallen. Der Jaufenpass wird gern unterschätzt. Er ist fahrerisch aber doch recht anspruchsvoll. Dann geht es an das Timmelsjoch. Es ist aber schon 20 Uhr 30, und richtig kalt. Und jetzt sehen wir: Der Pass ist nach 20 Uhr gesperrt! Und das ist auch besser so, denn herabfallende Steine müssen morgens erst von der Fahrbahn geräumt werden. Nachts durch die Trümmer fahren, ist zu gefährlich. Wir finden zum Glück noch Aufnahme in einer Herberge auf halber Höhe.

Am nächsten Morgen trennen wir uns und ich muss wieder 1300 Km...durchs Meran nach Genua, San Remo, Monaco, und die Côte d'Azur. Abends zwingt mich ein Gewitterschauer zu einer einsamen Hotelübernachtung im Salon de Provence. Am Morgen fahre ich dann nach Montpellier und durchs Zentralmassiv nach hause. Das Tarntal ist eigentlich viel besser zum Moppedfahren als der ganze Rest der Tour, Grossglockner eingeschlossen. Serpentinen, viele schnelle Kurven, liebliche Vegetation...aber natürlich sind die Alpen eine andere Nummer. Und es kommt ja weniger drauf an, wo man fährt, sondern mit wem... 141295 Km auf der Uhr, glücklich und den Kopf voller Eindrücke. Eine Woche, 5000 Km: Gudrun hat durchgehalten. Ich auch.

 

Nachts gesperrt: Das Timmelsjoch (passo di Rombo)Nachts gesperrt: Das Timmelsjoch (passo di Rombo)Kein Wunder, dass das Timmelsjoch nachts gesperrt wird...Kein Wunder, dass das Timmelsjoch nachts gesperrt wird... Zuhause im lieblichen Südfrankreich. jetzt mit dem Glockner-Aufkleber auf dem rechten Hinterteil :)Zuhause im lieblichen Südfrankreich. jetzt mit dem Glockner-Aufkleber auf dem rechten Hinterteil :)Das Tarntal hier bei Brousse-le-ChâteauDas Tarntal hier bei Brousse-le-Château

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25.09.2018 12:54    |    TDIBIKER    |    Kommentare (0)

Amigas, Amigos,

 

Un weekend mémorable: Plus que 700 bornes, 1 crash, des petites routes bucoliques, des routes rapides, des parties offroad très chauds, un super Hôtel (Els Caçadores), des sidecars, des roadsters affutés, des rats, des 125, des gros tourer, des points de vue époustouflants, des routes ou personne ne va...des milliers de virages, mal au bras et mal au cul :):D

 

Bref...

 

...c’était génial!! merci à tous

 

Droit&fier

 

 

Die Bilder sprechen für sich. Der diesjährige Indian Summer Ride meines kleinen französischen Clubs. Von den Gorges d'Aveyron in die Pyrenées Orientales, abseits der bekannten Routen. Eine gute Tour ist, wenn man an die Grenzen kommt. Eine denkwürdige, wenn alle Moppeds anschliessend (trotz abgerissenen Plastikteilen) noch fahrbar sind...:D

 

 

Droit&fier

dscf3952dscf3952dscf3953dscf3953dscf3955dscf3955dscf3957dscf3957dscf3962dscf3962dscf3975dscf3975dscf3980dscf3980dscf3984dscf3984dscf3986dscf3986dscf4001dscf4001dscf4016dscf4016dscf4019dscf4019dscf4021dscf4021dscf4023dscf4023dscf4045dscf4045dscf4031dscf4031dscf4046dscf4046dscf4052dscf4052dscf4054dscf4054dscf4056dscf4056dscf4057dscf4057dscf4073dscf4073dscf4082dscf4082dscf4069dscf4069dscf4059dscf4059dscf4065dscf4065

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29.07.2018 14:30    |    TDIBIKER    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: 1100, BMW Motorrad, R

Unter ElchenUnter ElchenEine Moppedtour über 11000 Km, vom Fusse der Pyrenäen bis zum Nordkap und zurück, würde euch das gefallen? Also, los gehts....

 

In der Edda wird der Ragnarök, die Götterdämmerung und das Ende dieser Zeit, etwa so beschrieben:

Die Welt, entstanden aus Wasser, Frost und Reif, vergeht in der letzten Schlacht der Götter gegen die Riesen, die Naturgewalten. Odin wird vom Wolf gefressen, Thor tötet die Midgardschlange und alle Frostriesen, stirbt aber vergiftet. Alle Menschen sterben ebenfalls in dieser letzten Schlacht.Wer bleibt übrig? Surtur, der Feuerriese, und die Welt vergeht in Hitze, anstatt in Frost zu erstarren...bis Widar, Sohn Odins und Gott des wilden Urwaldes, die Welt wieder mit Wald überzieht und ein neues Weltalter beginnt...

 

1. Tag: Meine Frau Claire, mein Mopped Gudrun, die alte R 1100 RT Ex-Präsidenteneskorte, und ich fahren von den Gorges d'Aveyron Richtung Vercors. Surtur kitzelt mir den Rücken mit seinem Flammenschwert, dass die Suppe nur so herunter rinnt. Ein Glück, dass wir nicht nach Kreta fahren, wie ursprünglich geplant, sondern an die kältesten Stellen dieses Kontinents: Vom Montblanc bis zum Polarmeer. In der Ardeche wird die Hitze einfach unerträglich, besonders im Rhônetal, und wir hopsen, kaum im Hotel angekommen, direkt ins Pool.

 

Zum Glück noch Wasser drin: Die RhôneZum Glück noch Wasser drin: Die RhôneLes Gorges de la BourneLes Gorges de la Bourne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.Tag: Zum Glück geht es jetzt in etwas höhere Gefilde, nach Chambery, Albertville und Chamonix, am Fusse des Montblanc. Es ist bedeckt und schwül. Immer noch zu warm. In Chamonix erlebe ich einen kleinen Schock: Das "Mer de Glace" der berühmte Gletscher, ist halbiert: die untere Hälfte fehlt!

Am Montblanc zwingt uns ein fast subtropischer Regenguss in einen Busunterstand: Die Strasse wird von Sturzbächen überschwemmt. Als der Regen aufhört, kommt die Sonne raus, und fahren über den Forclaz in die Schweiz, und dort auf Nebenstrecken durch endlose Aprikosenhaine.

 

Sturzbäche am Fusse des MontblancSturzbäche am Fusse des MontblancForclazForclaz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.Tag: Jetzt aber mal richtig! Wir wollen hohe Pässe fahren! Den Furka, leider im Nebel, aber mit Schnee hinter dem Passhäuschen, und den Oberalppass, wo sich eine Horde wilder Mofafahrer in den Kehren austobt: Während wir das Feld von hinten aufrollen, bemühen sich die Hintersten an den Pedalen, damit die Kiste überhaupt den Berg raufkommt. Nach gefühlt 100 Mofas, besetzt mit gewichtigen älteren Herren, zum Teil mit Hörnern auf dem Helm, kommen wir zur Vorhut: Die fahren Herkules :D Die spinnen, die Schweizer...

 

FurkaFurkaHochalpHochalp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Tag: Wir fahren zu einem Kumpel nach Starnberg, der macht Party! Und baden im Starnberger See. Das Wasser ist schön warm, die Getränke erfrischend, und es wird ein richtig toller Abend.

Dort befindet sich auch die charmante Birgit, die im hohen Norden Deutschlands lebt und uns zu sich einlädt.

 

5. Tag: Wir brettern hoch zu Birgit, von Starnberg bis ungefâhr Kiel, über Berlin. Ein Tag auf der Autobahn, bei glühender Hitze. 950 Km! Toll, dass meine Frau auf dem Rücksitz das mit macht, ohne direkt die Scheidung einzureichen...wir kommen abends total erledigt bei Birgit an und kriegen dort ordentlich was auf die Gabel und gute Tipps für Skandinavien von ihrem Mann Stefan.

 

6. Tag: Wir wollen uns mit meinem alten Kumpel Chri treffen, der ist schon seit Monaten "on the road", mit seiner Frau Monika und seiner Triumph Tiger. Ihre Tour hat sie über Wien nach Rumânien, Bulgarien, die Ukraine, Moldawien nach Russland geführt: Moskau, St-Petersburg, Karelien....eine tolle Leistung, und unglaublich viel zu erzâhlen! Wir wollen uns in Tornio, ganz oben am bottnischen

Meerbusen treffen, und gemeinsam zum Nordkap. Ich muss also in nur 4 Tagen in Tornio sein!!

Deshalb nehme ich die Nachtfähre der Stena-Line von Kiel nach Göteborg. Kann ich sehr empfehlen, die Kabine ist korrekt ausgestattet mit Dusche, Toilette und Fussbodenheizung, und der ganze Spass kostet nur 380 Euro für zwei Personen und ein Motorrad, es ist fast eine richtige Kreuzfahrt die fast 14 Stunden dauert. Es ist angenehm frisch auf der Ostsee, und ich frage mich ob mein einer Pulli reicht, für den hohen Norden...

 

unser Kahnunser KahnClaire an BordClaire an Bord

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. Tag: Wir kommen frohgemut um 9Uhr morgens in Göteborg an, die Sonne scheint, es ist warm und wir fahren Richtung Stockholm. T-shirt reicht lang, zumal es Mittags richtig heiss wird. Seltsam, ich hatte Schweden doch etwas frischer in Erinnerung. Wir nehmen uns eine Hütte in einem Camping bei Lindesberg und gehen im See schwimmen: Das Wasser ist 23 C° warm...

 

BadenBadenGudrun als Wäscheständer.Gudrun als Wäscheständer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8. Tag: Weiter geht's Richtung Norden. Die Tage werden irgendwie immer länger :D

Claire sieht zwei Elche. Ich nicht - muss mich auf die Strasse konzentrieren, denn wir fahren Nebenstrecke mit vielen Wellen drin, und die Stossdämpfer sind auf. Abends wieder Hütte, See (Diesmal nur 21 C°, das Wasser), wir trinken Blaubeersuppe und essen Fisch...nachts stehe ich mal kurz auf, es ist 3 Uhr, aber hellichter Tag.

 

UmeaUmeaUnter Moppedfahrern macht man immer nette BekanntschaftenUnter Moppedfahrern macht man immer nette Bekanntschaften

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

9. Tag! Highlights sind eine Fischbräterei am Bottnischen Meerbusen und natürlich: Unsere Ankaunft in Haparanda (so heisst die schwedische Seite) und Tornio (so heisst die finnische Seite). Und: Alter Schwede, da sind sie dann! Chri und Moni, unsere langjährigen Mitfahrer, frisch aus Russland importiert! Chri geht in die Finnensauna, wir grillen schön und haben einen netten Abend. Die Beiden haben unglaublich viele interessante Geschichten, von Odessa, dem Gorki-park, Iwan dem Moppedhändler im 4. Stock eines Mietshauses...und wir trinken - natürlich - selbst exportierten Wodka.

 

Meine beiden Damen. Und mein Daumen.Meine beiden Damen. Und mein Daumen.Echte TDIbiker. 3 Monate on the road und noch immer nicht genug. Chri und Moni.Echte TDIbiker. 3 Monate on the road und noch immer nicht genug. Chri und Moni.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10. Tag: Los geht's zum Nordkapp, jetzt mit 2 p. Dazwischen liegt allerdings noch Lappland und die Finnmark. Moppedfahrerisch ist das alles nicht so spannend, es geht meist geradeaus. Aber die Stimmung ist klasse. Wir besuchen den Weihnachtsmann in Rowaniem und finden ein tolles Haus mit allem erdenklichen Komfort (inklusive Sauna) in Kittiläa, für 'nen kleinen Euro (den die Finnen ja zum Glück haben). Abends gibt's natürlich Lachs. Und die Sonne, anstatt unterzugehen, kreist nur am Horizont...

 

Rudi...Rudi......und die Weihnachtsmänner....und die Weihnachtsmänner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11. Tag: Wir fahren durch die Hitze (si, si !) durch Lappland, das Land der 1000 Seen, Richtung Lakselve. Erstaulich wenig Tundra, meist Taiga. Wir baden in einem See, diesmal wieder 23 Grad Wassertemperatur. Schwärme von Mücken und Moskitos setzten uns greulich zu, aber Gudrun rächt uns, indem sie mit ihrer breiten Shilouette ein schreckliches Gemetzel unter ihnen anrichtet : Am Abend ist sie über und über mit Kadavern übersät. Manchmal kreuzen wir Rentiere, die auf der Strasse rumlaufen. Am Abend sind wir in Norwegen, in der sogennaten Finnmark. Die obligatorische Hütte ist nicht so dolle und kostet richtig Kroners.

 

nach Norden, immer geradeausnach Norden, immer geradeausDas Polarmeer. Kein Eisberg in Sicht.Das Polarmeer. Kein Eisberg in Sicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12. Tag: Endlich liegt es vor uns, das Nordkapp! Die Strasse dorthin ist unglaublich schön. Wir fahren durch die Tundra, vorbei an den Buchten des Nordpolarmeeres, durch Tunnel, über schroffe Hügel. Einziges B-Moll sind die zahllosen Touristenbusse, die überholt werden müssen.

Das Nordkapp selbst wäre auch sehr schön - wenn die Idioten dort nicht alles mit Souvenirshops und Gedenkstätten verschandelt hätten. Ich habe schon gar keine Lust, die 27 Euro pro Person für einen Schotterparkplatz zu bezahlen, aber erst wenn man löhnt, war man wirklich da, nicht wahr? Also, sei's drum. Gerührt fallen wir uns in die Arme. So viele Kilometer, und endlich geschafft. So viele Strassen, Landschaften, Tage... Auf dem Rückweg finden wir eine Fischbräterei, wo russische Touristen fischen und ihren Fang zubereiten lassen. Dummerweise bekommen wir nichts ab. Immerhin erzählen sie uns, dass Frankreich die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Vive la France!..Wir trinken also einen Tee und essen das Knekkebröd aus unseren Packtaschen. Abends finden wir Unterkunft - richtig, in einer Gemeinschaftshütte. Wir machen ein Feuerchen aus Schwemmholz gegen die Mücken (nützt nix) und unterhalten uns mit dem Schweizer, der auch Tiger fährt, aber eine dicke, moderne, mit Kardan. Und die erstaunlicherweise keine Kadaver auf ihren Frontteil aufzuweisen hat :D. Die Schweiz und Norwegen sind die teuersten Länder für Touristen. Die haben auch sonst einiges gemein.

 

*Tusch* Das Nordkapp*Tusch* Das NordkappNicht jeder fährt mit dem Mopped zum Nordkapp...Nicht jeder fährt mit dem Mopped zum Nordkapp...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Rückweg in unser kleines gallisches Dorf geht über Norwegen, das Land der Fjorde, für mich das schönste Land der Welt. Rückweg ist immer so eine Sache. Moni gesteht mir, sie würde am liebsten immer so weiter fahren.

 

13. Tag: Wir fahren nach Alta und schauen uns die Nordlyskadrale an.

Ich schnappe mir eine Norwegische Bibel und frage eine der jungen Empfangsdamen, ob sie mir die Genese vorlesen könnte. Das tat sie, und war selbst bewegt.

 

"I begynnelsen skapte Gud himmelen og jorden. Og jorden war öde og tom, og det var mörke over det store dyp, og guds Änd svevde over vannense. Da sa gud: Det bli lys! Og det blev lys..."

 

Etwas später, im Sennaland, werden meine Augen feucht, aber nicht vom Fahrtwind - die Landschaft ist so wunderschön und völlig einsam, keine Menschenseele bis zum weiten Horizont. Der Tag klingt in Tromsö aus, der Möwenstadt, in einem guten Hotel mit netten Menschen.

 

Die Polarlicht-KathedraleDie Polarlicht-KathedraleDas SennalandDas SennalandLys over vanneneLys over vanneneRentierherden längs der Strasse. Wenn die ins Laufen kommen um die Strasse zu überqueren, sollte man sehr vorsichtig sein.Rentierherden längs der Strasse. Wenn die ins Laufen kommen um die Strasse zu überqueren, sollte man sehr vorsichtig sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

14.Tag: Es stehen die Lofoten auf dem Programm. Um die Lofoten oder überhaupt die Nordwestküste Norwegens zu befahren, nimmt man häufig eine Fähre, das spart viele Kilometer. Meist fährt man einfach drauf und zahlt auf dem Schiff. An diesem Tag nehmen wir 2 Fähren. Wir sehen zwar keine Wale, aber einen Zug Robben Steuerbords. Whalewatching ist eine wichtige Tourismusaktivität In Tromsö und auf den Lofoten, aber z.Zt. ist es den Walen zu warm, die kommen erst im Herbst wieder, und die 700 PS Schlauchboote bleiben am Kai. Unser Ziel ist Andernes, der Walfanghafen Norwegens. Eigentlich soll und darf man ja keine Wale töten, höchstens zu "Forschungszwecken" darf man den einen oder anderen Wal abknallen. Aber anscheinend wird das Innenleben dieser Meeressäuger so intensiv erforscht, dass in jedem Restaurant "Walsteak" auf dem Menü steht. Ich wûrde zwar, aus kulinarischen Gründen, wie Mr. Starbuck in "Moby Dick" gerne mal so ein Steak probieren, aber aus ethischen Gründen esse ich lieber Rentierfleisch..:cool:

 

Rast am FjordRast am FjordOlderdalenOlderdalenDas Team auf der Fähre. Claire knipst.Das Team auf der Fähre. Claire knipst.Warum heisst Kielwasser eigentlich Kielwasser? :DWarum heisst Kielwasser eigentlich Kielwasser? :D

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Andernes nehmen wir uns zu viert einen Bungalow, trinken Bier zu 8 Euronen die Dose und schauen

uns die Mitternachtssonne an. Die Kreist am Horizont, die Möwen kreisen um ihre Nester auf den Dächern, und wir sind glücklich...Wenn da nicht mein Reifen wäre. Den habe ich mir eckig gefahren, und ich komme damit nicht nach Hause. Woher bekomme ich auf den Lofoten einen Reifen in meiner Dimension?? Zum Glück ist da die Managerin des Hotels in Andernes, die in Hamburg gelebt hat und perfekt Deutsch spricht. Die lässt die Drähte für mich heisslaufen, während ich in ihre klaren Augen schaue, so klar und blau wie das Polarmeer - und findet nur 100 Km weiter eine Esso-Tankstelle, die mir den Pneu wohl aufziehen würde - natürlich erst, wenn er geliefert wird.

 

Mitternacht in AndernesMitternacht in AndernesRentierragoutRentierragoutpeinlich. "ich war das nicht - das war die Strasse!!" :Dpeinlich. "ich war das nicht - das war die Strasse!!" :Dnoch peinlicher - ein Asphaltcowboy ohne Pferd...noch peinlicher - ein Asphaltcowboy ohne Pferd...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während wir Fussgängerpause hatten, wollten Chri und Moni weiter die Lofoten erkunden. Man könnte sich in Mo I Rana treffen. Aber uns geht so langsam die Kohle aus, Norwegen ist teuer (besonders Moppedreifen: Satte 400 Euronen für einen 160er Roadsmart 2), und ich denke so langsam wieder an meine Tomaten im fernen Südfrankreich...

Tag 17: Wir fahren auf Trondheim zu, aber es ist heiss! Wir kommen in Storjord im kleinsten Hotel Norwegens unter: Das Haus ist von 1923, und die Zeit ist dort stehengeblieben. Echt irre. Die reinste Zeitreise - und natürlich kein WiFi ;)

 

Surturs Flammenschwert. Und ich darf nur 80 Km/h...Surturs Flammenschwert. Und ich darf nur 80 Km/h...3 Zimmer - ein Bad3 Zimmer - ein Bad

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18. Tag: Am nächsten Morgen ist es schwül, die Wolken ballen sich und auf dem Weg nach Süden drischt Thor, der Donnergott, mit seinen Blitzen auf die umliegenden Hügel ein. Also Regenzeug? Nö.

Wir lassen uns einfach ein bisschen nass werden, und Thor hat schnell ein Einsehen mit uns und lässt uns ziehen.

 

19. Tag: Jetzt will ich aber endlich in die Kälte! Wenn es auf dem Kontinent irgendwo kalt ist, dann in Jötunheim, der Heimat der Eisriesen nach der nordischen Sage. Bei 65 Grad nördlicher Breite geht es da auf 2400 Meter rauf! Ich fahre die 51 von Randsverk nach Fagernes, eine tolle Strecke. Aber oben, in der Heimat der Eisriesen, liegen nur die schweren Felsbrocken, mit denen Ymir und seine Brut einst gespielt hat. An den Bergflanken verstecken sich ein paar Schneereste in Felsspalten. Ist es schon so weit? Endzeit, Ragnarök? Die Eisriesen erschlagen?

 

Die 51: Landschaftlich wunderschön und man kann ausnahmsweise auch illegaler Weise mal die Reifenflanken wetzen..Die 51: Landschaftlich wunderschön und man kann ausnahmsweise auch illegaler Weise mal die Reifenflanken wetzen..Jötunheim. Haben wir mit unserem verbrannten Benzin den Donnerer in seiner Wut nicht angestachelt, zum Gletschermord?Jötunheim. Haben wir mit unserem verbrannten Benzin den Donnerer in seiner Wut nicht angestachelt, zum Gletschermord?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man könnte noch viel mehr erzählen, von unserer Rückreise von Larvik nach Hirtshals mit der Colorline (die günstigste Fähre von Norwegen nach Dänemark: Nur 70 Euro).

Von den Argentiniern und Engländern, die wir getroffen haben: Die einen reden vom Gletschersterben in Feuerland, die anderen waren auf dem Grossglockner, wo der Gletscher weg ist. Von der Autobahn von Hamburg nach Bremen, wo sich die LKW's in der Hitze auf der rechten Spur die Reifen platt stehen. Wir fahren über die Eifel nach Luxembourg, und von da in die Champagne. Kaum Moppeds auf der Strasse - zu heiss! Wir besuchen die Ruhestätte des grossen Charles in Colombey-les-deux-églises, dem Wahrzeichen der Résistance. Auf den letzten 250 Kilometern habe ich keine Vorderradbremse mehr und fahre schön Piano - die Floater sind mir glatt gebrochen.

11000 Km, 600 Liter Super, ein Reifen, eine neue Bremsscheibe - und eine Gewissheit: Keep it cool.

 

Den hätte Gudrun gern eskortiert! Ich auch...Den hätte Gudrun gern eskortiert! Ich auch...Sämtliche Floater gebrochen: Jetzt schwimmt die Scheibe wirklich :DSämtliche Floater gebrochen: Jetzt schwimmt die Scheibe wirklich :D

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26.05.2018 16:50    |    TDIBIKER    |    Kommentare (28)    |   Stichworte: 1100, BMW Motorrad, R

Werden Moppedfahrer zu sehr geblitzt in Europa?

Die ersten Kilometer über dem NebelmeerDie ersten Kilometer über dem Nebelmeer Gudrun wird fit gemachtGudrun wird fit gemacht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Morgen des 18.Mai stieg die Sonne über das Nebelmeer unten im Tal. Gudrun, meine R 1100 RT Ex- Präsidenten-Eskorte, stand in ihrem Stall in den Gorges d'Aveyron, Midi Pyrenées, und scharrte mit den Hufen.

118540 KM standen auf der Uhr, aber die Ventile waren eingestellt, die Kerzen und Batterie neu, sogar der Benzinfilter, der Poly-V Riemen, die 50er Bosch-Einspritzung synchronisiert. Heute sollte sie mich 1074 Km zum Bodensee tragen, sagte das TomTom V40. Dass es noch ein paar mehr werden sollten, konnte ich nicht ahnen.

Nach den ersten Kilometern an der Aveyron-Schlucht, in einer der tollsten Motorradgegenden der Welt, wo "Radar" noch ein Fremdwort aus der Luft- und Schiffahrt ist, muss ich anhalten um die Nebel über dem Fluss zu betrachten. Wie blöd muss man sein, um hunderte Kilometer durch langweilige Ebenen zu düsen, wo es hier doch alles gibt, was des Moppedfahrers Herz begehrt! Meine Hausstrecke ist schwer zu toppen. Aber am Ende der Strasse warten nunmal Freunde, leckeres Essen, das Jura, der Bodensee, das Allgäu, die Alpen, das Piemont, Ligurien, die Côte d'Azur, das Zentralmassif...und wer rastet, der rostet.

 

Also Brrrrt schiebt der Boxer an, und ich fahre in Caussade auf die A 20, um kurz nach Brive auf der A 89 auf Clermont-Ferrand zu halten. Autobahn fahren, langweilig halt. Immer knapp 140 Tacho, echte 134, damit der Blitz ungestraft bleibt. Und manchmal lasse ich die Füsse baumeln, oder rutsche auf den Beifahrersitz, oder lass den Lenker los für ein paar Lockerungsübungen. Waren das noch Zeiten, als man konzentriert am Gas fahren konnte....Zum Glück muss ich alle 300 Km tanken. Das heisst, eigentlich gingen auch 400 - aber mein Hinterteil findet es besser, den Tank nicht ganz leer zu fahren :)

Bei Montluçon auf die Landstrasse, wo gefühlt 50 Radarfallen auf mich lauern, dann Châlon-sur-Saône, die Jurabahn A 36 und dann, kurz vor Mühlhausen, will das Navi, dass ich rechts ab nach Basel fahre. Naja, warum nicht...ist mal was anderes als Freiburg und die Quälerei am Nordufer des schwäbischen Meeres.

Nur - da habe ich nicht aufgepasst - will das TomTom natürlich durch die Schweiz. Plötzlich stehe ich vor der Zollschranke um die EU zu verlassen. Habe keine Lust, die Vignette zu kaufen. Der sehr nette Zollbeamte hat Verständnis und meinte, ich sollte doch einfach umkehren. Also, das Navi umprogrammieren, und da sehe ich die Route über den Schwarzwald, Richtung Villingen...kenne ich gut, kommt mir von Basel aus aber schrecklich lang vor. Da muss es doch eine Alternativroute geben...und hopp, stehe ich schon wieder vor einer Zollschranke. OK, jetzt ist es gleich. Ich zahle die 40 Franken (genau 34 Euro und 86 Cent) für die Vignette und los geht es durch Basel nach Zürich. Und von dort nach Lindau.

In jeder grösseren Stadt ist Stau. In Franzosenmanier fahre ich rechts vorbei, links vorbei, mitten durch...aber die Schweizer müssen noch erzogen werden, einige fahren brav zur Seite und machen die Gasse frei, andere bleiben stur in der Mitte, andere wiederum machen die Gasse extra zu...das entspricht den französischen, italienischen, aber auch germanischen Einflüssen der Helveten :(

 

Nach über 1100 Tageskilometern und einem ordentlichen Gewitterguss am See komme ich ans Etappenziel, wo Gaby uns erwartet und fürstlich bewirtet. Es gibt auch reichlich destilliertes Obst...

 

Das Südufer des BodenseesDas Südufer des Bodenseeshausgemachter Leberkäshausgemachter Leberkäs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andy kommt nächtlicherweise mit viel Verspätung eingeflogen. Sein Hinterrad schwabbelt nur so in der Schwinge, die ZRX ist praktisch unfahrbar. Er hat einen neuen Reifen aufziehen lassen, und das Distanzstück wurde falsch herum eingebaut, was das Radlager nicht gut fand. Ein bekanntes ZRixen Problem. Wenn man nicht alles selber macht :rolleyes: Jedenfalls können wir so nicht los, und Schrauben ist angesagt.

 

Irgendwas ist immer: Diesmal die Radlager der ZRX.Irgendwas ist immer: Diesmal die Radlager der ZRX.Der Kringel war mal eine LagerschaleDer Kringel war mal eine Lagerschale

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lager sind Standard, aber es ist Pfingstsamstag, und es dauert bis zum späten Nachmittag, bis alles repariert ist. Und gerade dann beginnt es zu regnen.

 

 

Egal - wir fahren Martins Hausstrecke nach Voralberg: 110 Km tolle Kurven. Und essen fein zu Abend. Auf dem Rückweg fällt den Kollegen auf, dass ich nur mit Standlicht fahre - das Abblendlicht funktioniert nicht. Zum Glück habe ich eine Ersatzbirne dabei. Nur ist das Mopped für kleine germanische Händchen gedacht - da komme ich mich meinen Wurstfingern nicht dran (Spass). Jedenfalls brauch ich die Hilfe von zarteren Händen als meinen, um die Staubmanschette wieder draufzuwürgen. Beim Birnetauschen fällt mir auf, dass das Telelever voll Öl ist: Aus den Simmerringen spritzt das Öl nur so, wenn die Gabel auf einer Bodenwelle eintaucht.

Egal jetzt, das muss noch die 3000 Km bis zum Ende der Tour halten.

 

Sulzberg im österreichischen Allgäu.Sulzberg im österreichischen Allgäu.Semmelknödel auf Spinat - auch vegetarisch schmeckt'sSemmelknödel auf Spinat - auch vegetarisch schmeckt's

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir fahren dann erst am Sonntag wirklich los - mit der Fähre von Friedrichshafen über den Bodensee.

Das ist immer recht spassig. Dummerweise wird uns erst in der Schweiz klar, dass die meisten hohen Pässe aufgrund der Witterung noch zu sind. Wir müssen also über den Bernadino. Ab und an giesst es, das kann uns aber die Laune nicht verderben. Mir schon gar nicht, mit dem dicken elektrischen Windschild :). Die Fährt über den Bernadino wurde nach unserer einhelligen Meinung zur schlimmsten Passfahrt der letzten 30 Jahre. Kilometerlanges Stop&Go, alles zugepackt mit Wohnmobilen, die nicht um die Kehren kommen, von oben und von unten...wir überholen ein bisschen, sehen aber schnell ein, dass das hier keinen Sinn macht. Die Autos ötteln Stosstange an Stosstange hoch. Kein Alpentraum - ein Alptraum! Das geht soweit, dass unserem Spitzkehrenprofi (R 80 GS) vor lauter Langsamkeit die Maschine umfällt, weil der Motor ausging. Während wir ihm aufhelfen, sehen wir das hämische Grinsen der Wohnmobiltreiber, die wir gerade überholt haben...und mir raucht die Kupplung, weil der erste Gang zu lang ist.

 

Auf der BodenseefähreAuf der BodenseefähreWasserflugzeuge am Lago di ComoWasserflugzeuge am Lago di Como

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich Italien! Im Piemont finden wir ein paar Flaschen Wein und Grillfleisch, und schlagen uns nach altem Brauch in die Büsche. Wir finden eine Kilometerlange Piste, die leider vom starken Regen völlig aufgeweicht ist, mit tiefen Spurrillen, wo die Gudrun über beide Räder rutscht. Und endlich eine nasse Wiese, bei der mein Stiefel bei jedem Schritt ein paar Zentimeter einsinkt. Zudem werden wir, kaum angehalten, von Myriaden von Mücken heimgesucht. Es ist das erste Mal, dass ich mein Zelt mit Helm und Handschuhen aufbaue. Naja, wir machen ein Feuerchen auf der Fahrspur, der Mond kommt raus, das Fleisch ist lecker, und der Wein vorzüglich...

 

In der MatscheIn der MatscheEin Angel GT ist prima - aber DAFÜR ist er nicht gemacht.Ein Angel GT ist prima - aber DAFÜR ist er nicht gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag ist recht gutes Wetter, trotz eines nächtlichen Schauers und wir fahren frohgemut Richtung Ligurien. Da kann auf Nebenstrecken im Piemont auch mal richtig geschnetzelt werden, dass die Rasten nur so kratzen. Nun ja, bei Gudrun ist's eher der Ständer...der von Jahr zu Jahr immer kleiner wird :) Wir haben richtig Spass.

In Ligurien dann wird das Relief schroffer und abrupter, die Strassen noch schmaler und schlechter.

Das mag Gudrun dann überhaupt nicht mehr, da ist Kehre an Kehre, Felsbrocken und Äste auf der Strasse, zum Teil fehlt der Asphalt völlig. Das ist eher etwas für unsere Enduros..

 

Hübsch und GeländetauglichHübsch und GeländetauglichOb Gelände fahren damit gut geht? :DOb Gelände fahren damit gut geht? :D

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Geheimtipp für Trails: Der Pass von Rezzo nach Molina.

Dort passiert Folgendes:

Ich komme um eine der zahllosen Kehren

und vor mir kommt eine riesige weisse Wand auf mich zu, welche die gesamte Strassenbreite einnimmt.

Ein Reisebus. Erster Gedanke - jetzt bist Du tot. Aber irgendwie schaffe ich es, die breite Gudrun zwischen Felswand und Bus zu quetschen, ohne diese zu berühren. Danach rechne ich mit allem Möglichen - zu Recht!

Das Navi sagt, nur noch eine Stunde bis Perinaldo, wo wir ein Häuschen haben. Da wird der Freund, der vor mir fährt, einfach über den Haufen gefahren. Während er vor Schmerzen stöhnend auf der Strasse liegt, kommt die alte Italienerin, die ihm die Vorfahrt genommen hat, aus dem Auto und schimpft auf ihn ein.

 

Die arme Cagiva Navigator stumpf umgeputztDie arme Cagiva Navigator stumpf umgeputztStarke Leistung der Ambulanzfahrer aus Bozen.Starke Leistung der Ambulanzfahrer aus Bozen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir kümmern uns um das Unfallopfer und halten die Dame in Schach, während wir die Carabieri und den Rettungswagen verständigen. Zum Glück ist einer von uns Arzt. Die Dame beteuert vor den Carabinieri, dass sie seit 25 Jahren in dem Dorf wohne und deshalb die Vorfahrt hätte... Als der Rettungswagen kommt, folgen wir ihm zum Krankenhaus nach San Remo. Dort wird geröngt. Zum Glück ist nichts gebrochen, und wir können den unglücklichen Fahrer per Taxi zu unserer Etappe in Perinaldo mitnehmen, während wir mit den Moppeds im einsetzenden Regen hinterher fahren. Wir folgen dem Taxi zu unserem Haus in Perinaldo. Mittlerweile ist 22 Uhr, dunkel, es regnet in Strömen, und ich bin total erschöpft. Die letzten 2 Km zu diesem Haus bestehen aus einer schlammigen Piste direkt am Hang, kaum breiter als ein Auto. Zunächst weigert sich der Taxifahrer, dorthinein zu fahren. Aber nach gutem Zureden und einigen "Mamma Mia" :) kommen wir doch glücklich an. Er brauchte erstmal eine Zigarette und sagte, er wäre der einzige Taxifahrer im Umkreis von 50 Km, der sich getraut hätte, seinen Wagen über diese Piste zu fahren.

 

Seltsamerweise hatte die ZRX am Morgen Keramik-Krümmer...Seltsamerweise hatte die ZRX am Morgen Keramik-Krümmer...Meine und Gudruns Schluffen vor Ollis Landhaus. Voll mit Mudke.Meine und Gudruns Schluffen vor Ollis Landhaus. Voll mit Mudke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen regnet es immer noch, und ich fahre allein zu den Carabineri nach Pigna, um meine Zeugenaussage zu machen. Wir verbringen einen langen regnerischen Nachmittag mit Lesen, kümmern uns umdie Unfallmaschine, und organisieren ihren Rücktransport. Am nächsten Morgen ist die Ambulanz da, vom ADAC bestellt: Aus Bozen! Die beiden Fahrer waren um 4 Uhr morgens aufgebrochen, und waren schon vor 9 da. Auch sie brauchten etwas gutes Zureden, um zum Haus zu fahren :D

Sie fuhren das Unfallopfer aus Italien nach Deutschland und wieder zurück nach Bozen. Bravo!!

Andy musste auch schon fahren. Jetzt waren wir nur noch fünf...Also sind wir im strahlenden Sonnenschein nach Ventimiglia aufgebrochen, um den Tende zu fahren.

 

Das ging so zur Sache, dass selbst meine Ruecklichtleiste rausgerappelt ist. Zum Glueck hing die noch an der Strippe.Das ging so zur Sache, dass selbst meine Ruecklichtleiste rausgerappelt ist. Zum Glueck hing die noch an der Strippe.LigurienLigurien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Weg dorthin ging es wieder richtig zur Sache. Unten von Tende aus konnten wir das alte Fort der Grenzkammhöhenstrasse sehen, wo wir vor Jahren schon übernachtet hatten (damals war ich mit der XJ 900 dort). Diesmal fahren wir aber nur durch den Tende-Tunnel :D Ein glücklicher Umstand (ein übler Regenguss) wollte es, dass wir bei Zoreh und Mike im Piemont Aufnahme gefunden haben. Mike ist Engländer und hatte früher in Dubai an dem 700 Meter Kratzer mitgebaut, und jetzt in Niella Belbo eine alte Farm umbgebaut. Ausser einer Enfield hat er zwei GS und einen ganzen Stall voll Softails :D

Wir wurden dort wie alte Freunde behandelt und können den Laden nur empfehlen! Wanderer kommst

Du nach Niella Belbo, kehre bei Zoreh und Mike ein. Du bekommst eine Harley, und fährst mit Mike durch eine der schönsten Gegenden der Welt, während Zoreh Dir zeigt, was liebevolle Gastlichkeit ist...

 

Cascina Belbo, Pian Canale 24, 12050 Niella Belbo, Italy www.cascinabelbo.com

 

Mikes Harley-SchuppenMikes Harley-SchuppenGutes Team: Zoreh und MikeGutes Team: Zoreh und Mike

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen ist Trennung angesagt. Zoreh macht noch schnell ein Foto unserer kleinen Truppe. Die einen fahren nach Müchen und Thüringen, die anderen nach Westfalen, aber ich fahre an die Côte d'Azur! Da macht nämlich gerade ein Forumsgenosse Urlaub. Der Lewellyn :)

 

Los geht's zu den 2 letzten Etappen.Los geht's zu den 2 letzten Etappen.Den Burschen und seine reizende Frau wird wohl der eine oder andere trotz Sonnenbrille erkennen..Den Burschen und seine reizende Frau wird wohl der eine oder andere trotz Sonnenbrille erkennen..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich schnetzel erst über kleine Strassen nach Ceva, wâhrend die schneebedeckten Gipfel der Alpen in der hitzeflimmernden Luft rechts an mir vorübergleiten. Und schliesslich gebe ich auf der spektakulären Autobahn nach Savona mal richtig Gas, dass fast die Rasten schleifen. Ist etwas illegal, aber hat man nicht oft, Autobahnen mit rechts-links Kombinationen. Dann San Remo, Monaco, und endlich bin ich wieder in Frankreich. In La Ciotat werde ich von Lewellyn empfangen, wir gehen spazieren, baden, Calanques gucken und schön essen, und ich schlafe gut und fest auf dem Balkon der Ferienwohnung. Am Morgen geht die Sonne strahlend über dem Meer auf, wir frühstücken schön, und dann bin ich wieder allein on the road, auf der wunderschönen Passtrasse Richtung Marseille.

 

Les CalanquesLes CalanquesCoucher du soleil sur MarseilleCoucher du soleil sur Marseille

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt zwickt es mich aber, schnell nach Hause zu kommen, und fahre auf der A 75 mit hoher Geschwindigkeit durch das Plateau de Larzac, und anschliessend "wie früher" auf Landstrassen von Millau nach Albi. Wie früher heisst: Für Autos vor Dir wird nicht mal Gas weggenommen...Aber vor Albi bin ich schon geblitzt worden und lasse es gaaanz langsam gehen. Zum Glück, da stand schon wieder ein Auto der Gendarmerie auf Lauer...Das kostet dann, nach Abzug der Messungenauigkeit von 5%, 95 Euronen für 1 bis 20 Km/h drüber. Bei sofortiger Zahlung nur 50. Danach wird's RICHTIG teuer.

Bei solch einer Europatour fährt man in kurzer Zeit durch soviele Länder mit verschiedenen Regeln und unbekannten Strecken, dass da zwangsläufig mal die eine oder andere Regel übertreten wird - ohne den Verkehr im geringsten zu gefährden oder zu behindern, im Gegenteil, auf dem Motorrad muss das Fahren intuitiv bleiben.

 

Endlich bin ich wieder im Lande! Home, sweet home! Gudruns Uhr zeigt 121801 Km.

 

Die "route des crêtes" zwischen La Ciotat und CassisDie "route des crêtes" zwischen La Ciotat und CassisDas Team noch komplett auf der Fähre. Bis zur nächsten Tour, die Linke zum Gruss!Das Team noch komplett auf der Fähre. Bis zur nächsten Tour, die Linke zum Gruss!

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26.11.2017 13:40    |    TDIBIKER    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: 900, Kawasaki, Z

26.11.2017. Heute morgen hat es gefroren, - 4 C°, aber die Sonne kam raus, und ich habe mir gedacht: Hol' die Z 900 mal für eine kleine Hausstreckenrunde 'raus. 40 Km. Einziges Problem: Der Reifen muss warm werden, und im Bergschatten Gas weg.

 

In Haute Serre, nach 4 Km ist die Z 900 auf TemperaturIn Haute Serre, nach 4 Km ist die Z 900 auf Temperatur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Dunlop ist noch kalt.Der Dunlop ist noch kalt.Der wilde Westen FrankreichsDer wilde Westen Frankreichs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und ja, ich weiss...ich hab' Schwein wie Sau :D:D

 

Und mal sportlich: Bis 10.000 RPM und schön das Knie 'rausUnd mal sportlich: Bis 10.000 RPM und schön das Knie 'rausMal beschaulicherMal beschaulicherDie Gorges d'AveyronDie Gorges d'AveyronAm Manjo-CarnAm Manjo-CarnBrousseBrousseklasse Möppklasse MöppIm Schatten lieber Gas wegIm Schatten lieber Gas weg

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04.09.2017 17:23    |    TDIBIKER    |    Kommentare (46)    |   Stichworte: 1100 Bulldog, BT, Yamaha

Die Bulldog in schwarz/rotDie Bulldog in schwarz/rotSo begann es...aus der Presse, anno 2001: "Der neue 1100er-Big Twin 1100 mit Namen Bulldog ist eine europäische Züchtung. Entworfen wurde die Maschine im italienischen Yamaha-Werk nahe Mailand, und da rollt sie auch vom Band.

Oliver Grill, Produktplaner der Yamaha Europazentrale in Amsterdam, sieht seinen Traum endlich verwirklicht: "Ich konnte mich nie von meiner TR 1 Baujahr 1982 trennen. Damals galt die Maschine als echtes Multitalent, und ich habe den Punch, das satte Drehmoment und den tollen Sound immer gemocht. Die Bulldog übertrifft die TR 1 selbstverständlich in allen Belangen und kommt meinem entspannten Fahrstil sehr entgegen. Der überarbeitete V-Twin aus der XV 1100 Drag Star stellt den idealen Antrieb dar, um auf der Drehmomentkurve zu surfen, denn er liefert beeindruckend viel Dampf und Durchzug. Die Maschine deckt ein breites Einsatzspektrum ab und eignet sich für den sportlichen Ritt über kurvige Landstraßen ebenso wie für die ausgedehnte Tour. Im Gegensatz zu anderen Allroundern kommt auf der Bulldog niemals Langeweile auf, und selbst Pärchen werden den Beifahrerkomfort zu schätzen wissen......."

 

WINTER 2005/6

 

"Die "Turbine", XJ 900 4 BB, hatte mich viele Tausend Km durch die verschiedensten Länder Europas getragen. Vor der Jahrtausendwende gab es noch keine automatischen Blitzer, und abseits der Metropolen kaum Kontrollen. Da konnte man mit sehr hohen Geschwindigkeiten cruisen, und dafür war die XJ 900 das perfekte Gerät. Bei 90 KM/h, in der Welt der totalen Überwachung, machte sie keinen Spass. Einschläfernd fast, ihr Summen bei niedriger Drehzahl, ruhig gleitend, "Gas auf" in den Kehren ging zwar, aber da wurde aus dem Summen nur gaaanz laaangsam ein Crescendo, ausser wenn es gleich zwei Gänge runter ging. Bei legalen Geschwindigkeiten war sie, nun , langweilig.

 

Ich begann also zu träumen...von einem bollernden, urigen Zweizylinder, der brüllt wie ein Stier, antritt wie ein Bulle, der eine Dogge an den Fersen hat. Hahn auf, und da schüttelt es, rüttelt es, und ab geht die Post. Ordentlich Bodenfreiheit, vernünftige Bremsen und Kardan wäre auch nicht schlecht...das beste aus 4 Welten eben: Japanische Zuverlässigkeit, amerikanisches Grollen, deutsche Bequemlichkeit, italienisches Design...aber das gibt es ja nirgends, oder?

 

Und dann musste ich mal zu Yamaha, neue Reibscheiben für die XJ kaufen, und da stand sie:

 

Die BT 1100 Bulldog

Ein Blick in den Katalog:

Fetter Zweizylinder, 1063 ccm,

nur 65 PS ABER bei nur ca. 6000 U/min

nur 8,8 M/Kg bei 4500 U/min, ABER ab praktisch 2000 U/min vorhanden: Die Zahlen hauen einen nicht um, aber das Feeling ist gut: Ein Traktor, ein Trecker, wie der von Lanz! :D

Luftgekühlt (noch nicht mal ein Ölkühler), Zweiventiler, und von zwei 37 mm Vergasern gespeist -

oldschool wie man es liebt. Und genauso muss das auch sein, wenn man diesen Poum-Poum-Charakter will. Ein Einlass-, ein Ausslassventil pro Zylinder, die Gaskanäle nicht zu gross, der Ventildurchmesser auch nicht, und dadurch eine hohe Frischgasgeschwindigkeit. Wenig Spitzenleistung, aber kaum abzuwürgen, und selbst bei niedrigen Drehzahlen kriegt man den Hi-Reifen zum durchdrehen...der Kraftschluss vom Motor zur Strasse ist sehr direkt.

Genau das richtige für einen Dieselbiker.

 

Dazu perfekter Kardan ohne Lastwechsel, Bremsen der R1, eine entspannte Sitzhaltung, einstellbare Gabel, Zentralfederbein, fast 170 mm Bodenfreiheit, mit dem 20 Liter Tank 300 Km Reichweite, nur 233 KG trocken...que demande le peuple?

Die bessere Sportster, dazu noch günstig: Neupreis lag bei 8900 Euronen.

Da war ich verloren, ich musste sie besitzen...

...und hatte von Anfang an richtig Spass. Bei 80 im grossen Gang flanieren und dann den Hahn aufreissen? BRRRTTT ist sie auf 120. Auf einer kleinen Tour habe ich mit Hervé (RIP) getauscht:

Er fuhr damals eine (selbst umgebaute) 1200er Buell. OK, die Buell war lauter, brutaler, härter, richtiges Männermotorrad, aber ich war froh, als ich meine Bulldog wieder hatte. Sie war einfach viel bequemer, man konnte die Kupplung ohne Krafttraining ziehen, und im Endeffekt das bessere Motorrad - ausser auf dem Bikertreff : Da riss' die Buell eher die Schau, alle Mädchenaugen hingen an ihr, als sie erdbebengleich eingeflogen kam. Die arme Bulldog wurde eher geringschätzig taxiert. Das lag nicht zuletzt an den Journalisten der damaligen Zeit. "Bellt, aber beisst nicht" war noch nett.

Trotzdem hatten die Buell und die Bulldog eine ähnliche Philosophie: Choppermotor in einem schnellen Fahrwerk. Das ging soweit, dass Halbkundige die BT "Buelldog" genannt haben :D:D

Nur dass die Buell sportlicher war, die Dogge alltagstauglicher.

Hier mal ein noch recht neutraler Auszug aus Motorradonline:

 

"Reichlich Schwungmasse verleiht dem luftgekühlten V2 nicht nur einen sympathisch-altmodischen Charme ähnlich dem der Guzzi-Motoren, sondern auch tadellosen Rundlauf und Leistungsbereitschaft schon bei niedrigen Drehzahlen. Ab 1200 Umdrehungen drückt er kräftig vorwärts, wenig darüber wandelt sich der Auspuffton in ein leicht rauchig klingendes Geprassel. Der Fahrer lauscht erfreut, dreht zunächst bis höchstens 2500/min und legt in rascher Folge Gänge nach. Obendrein genießt er eine ideale Mischung aus Kernigkeit und Laufkultur. So könnte es bis zum Ende des Drehzahlbandes weitergehen.

Tut es aber nicht. Bei 3000/min wird´s rumpelig im Kurbelgehäuse, das Drehmoment bricht ein, und bis 4000 Umdrehungen kurbelt der Motor mit wenig Motivation. Darüber legt er sein depressives Geschüttel zwar wieder ab, aber da kommt dann auch nicht mehr viel an Drehmoment.

Es liegt also sicher nicht am Biss des Zweizylinders, dass die Bulldog so heißt wie sie heißt. Mehr Leistung als gemessene 61 PS bei 5700 Umdrehungen und höhere Drehzahlen als 6200/min wollten und konnten die Ingenieure der italienischen Yamaha-Tochter Belgarda, die sie entwickelt haben, dem V2 nicht entlocken. Im letzten Gang ist damit bei 174 km/h Schluß."

 

Soweit die Presse, zurück in meine Welt. Nach den ersten 5000 Km lief der Motor befreiter, leichter, er braucht etwas Zeit, er muss lange und sorgsam eingefahren werden. Dann aber ist das "depressive Geschüttel" :rolleyes: Geschichte. Hatte es eigentlich nie wirklich bemerkt - die Depressionen waren eher für den einen oder anderen "Sportler", der nach Lektüre der einschlägigen Fachpresse die Bulldog mal eben ablaschen wollte. Für den Fahrer produziert der bullige Doggenmotor nur "good Vibrations" und vor allen Dingen eine breite Banane :D

Meine Bulldog rannte erst bei Tacho 185 vehement und drehfreudig in den Begrenzer.

Natürlich ist sie für so etwas nicht gemacht: Ideal ist sie zwischen 70 und 120 Km/h, also im Landstrassen-Nutzbereich.

 

Aber nicht nur der Motor will sorgsam eingefahren sein, auch der Fahrer muss sich zunächst etwas eingewöhnen. Mein alter Kumpel Chri sagte mir "das ist ja ein schönes Mopped, aber auf der XJ warst Du DEUTLICH schneller..." Mag sein, die XJ hat immerhin 30 PS mehr, die wurden damals noch brutal ausgequetscht. Der Sprung von einem 120/90/18 hinten auf einen 170/60/17 ist auch eine Hausnummer. Es braucht Zeit, sich an das etwas eigenwillige Fahrverhalten anzupassen. Das war im ersten Jahr.

 

Danach habe ich sie etwas modifiziert. Quadlenker, IXIL Tüten....Später habe ich mal mit einem anderen Kumpel getauscht. Der sagte nach 30 KM: " Ich versteh' nicht, wie Du mit dem Kackstuhl soo schnell sein kannst". Tja. 30 Km sind nicht genug, damit die Bulldog dem Herrchen gehorcht.

Besonders wenn man eine Reisenduro gewöhnt ist....

Stärken der Dogge im Geschlängel sind: Gute Bremse, gute Motorbremse, viiiel Bodenfreiheit (aber man muss sich trauen), und Leistung, die einen zwar nicht umhaut, aber immer gleichmässig und beständig da ist, mal Verschalten ist kein grosses Problem. Im zweiten Jahr war die Bulldog allgemein akzeptiert als vollwertiges Heizergerät...allerdings nur bis 120 (reicht ja, in der Regel). Auf den Hochgebirgspässen, wo wir uns gern austoben, war die Bulldog immer ganz vorn mit dabei, und brauchte auch Maschinen, die auf dem Papier die doppelte PS-Zahl haben, nicht fürchten. Ein weiterer Vorteil ist ihr guter neutraler Geradeauslauf, freihändig Kurvenfahren geht mit ihr, wo der Lenker der XJ nach wenigen Sekunden von rechts nach links in den Anschlag haut.

 

Sie hat sich als sehr solide erwiesen. In 11 gemeinsamen Jahren, nie liegengeblieben, einmal von einem Auto umgeputzt, einmal von einem Wildschwein, einmal in Tschechien kopfunter im Graben gelandet, bei 80 Km/h... einen Druck aufs Knöpfchen und nach etwas Klackern im Anlasser erwacht sie immer zum Leben. Meine Frau fuhr immer gern hintendrauf mit, lieber als auf der R 1100 RT, zum Vergleich. Auf ihrer letzten Tour, durch die Provence, musste die Bulldog in sintflutartigen Regen durch einen Sturzbach. Das Wasser ging mir bis zu den Knien. Trotz ihres Öllecks zog sie unbeeindruckt dadurch.

Habe ihren Kauf nie bereut. Doch "all good things come to an end", und ich lasse sie nun ziehen - einem neuen Anfang entgegen.

Ich tausche die Bulldog jetzt mit blutendem Herzen gegen eine neue Z 900. Man soll sein Herz nicht an Dinge hängen. Die Bulldog ist etwas für Philosophen. Für Stoiker. Bonne Route, auch weiterhin...

Noch mit Original-LenkerNoch mit Original-LenkerV-TwinV-TwinZ6 ziemlich FratzeZ6 ziemlich FratzeAuch ohne Träger geht ordentlich was drauf...Auch ohne Träger geht ordentlich was drauf...On TourOn Tourin Spanienin Spanienmit leichtem Gepäckmit leichtem GepäckFarewell, ma belle....Farewell, ma belle....

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09.06.2017 18:44    |    TDIBIKER    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: 1100, BMW Motorrad, R

Vom Winde verwehtVom Winde verweht

2017. Diesmal habe ich Zeit für meine Pfingsttour. Es soll ein Revival werden, die Tour dort beginnen, wo alles begann, vor fast 40 Jahren: An Lippe und Ruhr. Und diesmal mit meiner wohlbeleibten Walküre Gudrun, die Eskort-RT der Republikanischen Garde Frankreichs, die auch schon 17 ist: Gerade im besten Alter. Sie macht auch viel her mit den breiten Chrombügeln, die beim Flanieren in der Sonne blinken wie eine Bordelltür...:cool:. Für die Anfahrt von meiner südwestfranzösischen Heimat nach NRW auf der Autobahn ist sie ja prima, bequemer geht es kaum. Leider steht danach aber Heizen auf letzter Rille auf Strassen 3ter Ordnung, Serpentinen, und die gefürchteten Geländeinlagen ohne Weg und Steg auf dem Programm. Und da ist die Gudrun ein klein wenig suboptimal...

 

.... um nicht zu sagen, ein Plastik gewordener Alptraum. ;):):cool::p:D

 

Am Sonntag vor Pfingsten geht ein langes Wochenende zur Neige, und die Verkehrsinfos melden in ganz Frankreich Verkehrschaos. Alle Departements rot, aber die gesamte Ile de France ist schwarz. Keine Chance durch Paris durchzukommen, selbst mit dem Mopped; unter anderem sind bis zu 34° im Schatten angesagt. Immerhin gilt das Sonntagsfahrverbot für LKWs. Ich fahre also über Brive und Clermont-Ferrand nach Luxemburg, und dann über Landstrasse Richtung Köln. Nach einiger Zeit, bei Dijon, wird die Hitze selbst auf der Autobahn kaum erträglich, die mit Autos, Wohnwagen und -mobilen fast verstopft ist. Die Ohrenstöpsel im Jethelm beginnen zu schmerzen, ich fahre mit offener Jacke und mir ist heisssssss. Ab Wasserbillig brauen sich dunkle Wolken zusammen, aber ich bringe es nicht über mich, anzuhalten und bei dieser Schwüle noch eine Regenjacke anzuziehen. Auf der B 51 geht es dann los: Eine regelrechte Wasserwand ergiesst sich über mich, die Strasse ist überflutet, mein Leder (trotz Fett + Wachsspray) ist in Sekunden durch bis auf die Haut, und rechts und links schlagen die Blitze ein: Ein echter Walkürenritt also. Bei Wermelskirchen muss ich tanken, ziehe zwei tropfende Zwannis aus dem Portemonnaie, was für Lachen und Beifall sorgt. Und dann bin ich da, im Ruhrgebiet, in meiner alten Heimat. Der KM-Zähler zeigt stolze 1305 Tageskilometer. Es geht also noch.

 

Die eigentliche Tour beginnt Donnerstag nachmittags. Mittlerweile ist das Leder wieder trocken und neu gefettet, die Sonne scheint, und mit einem alten Kumpel fahre ich zunächst an die Möhne, die erste Anlaufstätte für die meisten der damaligen Abenteuer auf zwei Rädern. An der Staumauer ist es zu voll, wir genehmigen uns den obligatorischen Mantateller im "Biker In" in Körbecke. Trotz unserer grauen Haare und Bärte gehen wir da noch als Jungspunde durch, viele der anwesenden Schwermoppedtreiber sind so weiss wie Johnny Winter...

 

Mantateller an der MöhneMantateller an der MöhneDas Möhne-Strandbad. Die Südsee der Ruhrbewohner.Das Möhne-Strandbad. Die Südsee der Ruhrbewohner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Marburg treffen wir uns mit 3 anderen Kameraden, wir feiern ein wenig, und am nächsten Morgen soll es zu viert durch die Mittelgebirge und über die Rheinschiene in den Schwarzwald gehen. Wir verabschieden uns liebevoll von unserer Gastgeberin, zwängen uns in Helm und Handschuhe und dann...springt die KTM nicht an. Na, prima, das geht schon gut los. Keinen Meter gefahren, und die erste Panne.

 

KTM PauseKTM PauseSchon wieder...Schon wieder...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Anschieben sagt das Biest immer noch keinen Mucks, und wir sind schweissgebadet.

Nur Überbrücken hilft. Es kann nur das neue Navi sein, welches die Restladung der Uralt-Batterie leergesaugt hat :) Jedenfalls läuft sie jetzt, aber eine neue Batterie muss trotzdem her.

Endlich geht es los, und wir wollen bei Lorch auf eine Rheinfähre. Dort steht schon ein einsamer KTM Fahrer mit einer kompletten Kameraausrüstung auf dem Mopped. Kaum erblickt er unsere 950er Adventure, gehen ihm die Schleusen der Beredsamkeit auf: Auf jetzt 47000 Km hätte er JEDE erdenkliche Panne an seiner 1190er Adventure gehabt, von den durchgerosteten Felgen bis zum kapitalen Motorschaden. Aber WENN sie führe, dann gäbe es nichts Besseres auf zwei Rädern...

Ich schaue nachdenklich auf meine Gudrun. Die hatte auch schon die eine oder andere schwere OP hinter sich, auf ihren mittlerweile 112.000 Km. Das dritte Getriebe, die dritte Kupplung...1300 Km pro Tag sind aber immer noch drin. Ob sie dann beim Fahren mit einem grossen F mithalten kann, dort wo's drauf ankommt, wird sich zeigen...am Abend stossen wir im Schwarzwald zu 3 andern Kollegen, und wir verbringen die Nacht teils in einer Winzerhütte, teils in den Weinbergen unter Schloss Stauffenberg. Gudruns erste kleine Schotterfahrt durch die Weinberge klappt ohne Probleme...

 

Die berüchtigte Rheinschiene, hier in LorchDie berüchtigte Rheinschiene, hier in LorchAuf der FähreAuf der FähreVier schnelle Jungs...Vier schnelle Jungs...Und jetzt sinds sieben..Und jetzt sinds sieben..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Packen führt uns unser Weg erneut über den Rhein in mein schönes Land, Frankreich.

Wir wollen noch kurz die paar Klassiker fahren, Col de Bonhomme, Col de la Schlucht, den Ballon, bevor es in das frz. Jura geht. Bei Gérardmer zwingen uns drohende Wolken aber, die Vogesen abzukürzen und uns gleich nach Besançon zu orientieren. Und dann machen die Wolken die Drohung wahr!

Wow, schon wieder so ein Guss wie auf der B 51! Wir finden Zuflucht in einem Bio-Laden, dessen Parkplatz schon bald völlig überschwemmt ist. Und abends in Besançon in einem Hotel: Im Regen völlig durchnässt am Doubs zelten ist nicht wirklich der Bringer, zumal Championsleague-Endspiel ist.

 

Vom Schwarzwald ins ElsassVom Schwarzwald ins ElsassDer hiesige Mantateller heisst Flammkuechle und schmeckt mit einem Gewürztraminer einfach grandios in der Auberge du Brochet.Der hiesige Mantateller heisst Flammkuechle und schmeckt mit einem Gewürztraminer einfach grandios in der Auberge du Brochet.Na, wenigstens sind die Fliegen ab...Na, wenigstens sind die Fliegen ab...Salins les BainsSalins les Bains

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einer meiner Kumpels verliebt sich ganz närrisch in die Gudrun, macht kleine Scherze mit ihr, wie z.B. den Gasgriff auf Vollgas festdrehen, so dass sie gleich beim Starten in den roten Bereich dreht, und ähnlichen Schabernak. Es ist wahr, sie hat so etwas barockes...Und dann, als ich sie abbocken will, entdeckt er den neckischen Alu-Hebel,

der ihr zu gerade diesem Zweck dient. "Hey, guckt mal, Jungs, der Griff zum Wegschmeissen!!"

Finde ich jetzt nicht mehr komisch, und muss ihm auf die Füsse treten, wonach wir uns wieder bestens verstehen.

In St-Claude ist gerade Trachtenfest, und anschliessend sehen wir Menschen über einen See fliegen:

An einem Kabel mit Rollschlitten hängend. Das wär nix für mich. Bin ja nicht der Leichteste, nachher hängt das Kabel durch und ich geh' auf Tauchstation :D:D

 

Kleine TanzeinlageKleine Tanzeinlagenette Pause, aber nicht unbedingt zum Tauchennette Pause, aber nicht unbedingt zum Tauchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann fahre ich vor, und lotse die Truppe ins Vercors, über Seyssel. Dort genehmigen wir uns ein paar Schnäpse, plauschen mit den Einheimischen, und los geht es zu Gudruns erster Geländeeinlage. Nach einem Kilometer schweren Schotter geht es eine Böschung runter in die Rhône-Aue. Soweit kein Problem, Gudrun kommt auch diesmal über Stock und Stein...

 

der knieende Kartenleserder knieende KartenleserNEIN, das ist NICHT der "Col de la bitch" :)NEIN, das ist NICHT der "Col de la bitch" :)Pastis und Rhum in Seyssel.Pastis und Rhum in Seyssel.Und ab in die Pampa - das Schwemmland der RhöneUnd ab in die Pampa - das Schwemmland der Rhöne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem Jahr, in dem wir uns kaum gesehen haben, wird aus uns Individuen wieder eine feste Truppe, die gleich schnell im Tiefflug durch die Kurven schnetzelt, wie Perlen an der Schnur.

Auch die Lagerroutine spielt sich ein: Im Fluss waschen, Zelt auf- und abbauen. Holz holen, Feuer machen, morgens Kaffe kochen.

 

LagerlebenLagerlebenDie Klippen des VercorsDie Klippen des VercorsMein Heim, mein Pferd...Mein Heim, mein Pferd...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag steht Rencurel auf dem Programm, manche aus dem Forum hier waren schon im Hotel "Le Marronnier". Die Auffahrt mit dem Felstunnel ist wirklich spektakulär, und wird mit ordentlich Gas bewältigt. Leider ist die Strasse so schmal, dass die breite Gudrun kaum neben ein Auto passt. Als dann auch noch Holzbarrieren die Strasse weiter verschmälern, und ein Geländewagen entgegen kommt, denke ich mir: "Das passt nicht " und gehe in die Eisen. Mein Hintermann sieht das anders und ist durch die Bremsung überrascht: Die Einscheiben-Bremse seiner auf 1000 ccm gebrachten R 80 ST ist überfordert und biegt einen Blinker an Gudruns Hinterteil. Mehr Angst als Schaden.

 

Mittach :)Mittach :)Schotter...Schotter wo man hinfährt...Schotter...Schotter wo man hinfährt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In "Le Marronnier" sehen die Moppeds anders aus als unsere. Sauberer, teurer, neuer. Wir trinken nur schnell ein Bier und ballern nach Süden. Auf dem perfekten Asphalt geht es schon sehr schnell zur Sache. Da will die 955er Tiger nicht mehr mitspielen und geht einfach aus...zum Glück haben die findigen Jungs gleich nebenan eine Wiese am Fluss gefunden, und unsere Maschinenbauer rupfen den Hobel in 0.Nix auseinander.

Gleich sind die Quetschverbinder des Ladekabels als Übeltäter identifiziert. Einer flitzt los und besorgt Lüsterklemmen, die Kabel werden verspleisst und isoliert, eine Probefahrt gemacht...da geht sie schon wieder aus. Aha: der Vorbesitzer hat aus unerfindlichen Gründen eine 30 A Sicherung eingebaut. Die Kontaktstelle wird heiss und der Widerstand zu gross - schnell ist die Sicherung überbrückt und alles wieder OK. Jetzt fahren wir auf nasser Wiese zum Fluss runter. Soll ich das ABS ausschalten? Ach Quatsch, es wird schon...gute Entscheidung, da regelt nix. Nasse Böschung und Wiese am Hang geht also auch, mit der üppigen Gudrun. Schon bald stehen die Zelte, aus Schwemmholz ist ein Feuer gemacht, und die Nacht nimmt ihren Lauf...plötzlich brummt ein Motor, und ein uralter C 35 mit Anhänger rumpelt auf "unsere" Wiese. Der Besitzer etwa? Nein, es ist Greg, ein moderner Nomade, der mit seinem Hund von den Kaninchen in seinem Anhänger lebt, Brot backt und Salbei raucht...wir teilen unseren Wein mit seinem Ziegenkäse, und haben einen vergnügten Abend. Am Morgen regnet es dann wieder auf die Zelte, und wir müssen nass einpacken.

 

TriumphpauseTriumphpauseEin netter Platz am FlussEin netter Platz am FlussAbendstimmungAbendstimmungHardy & Laurel...Hardy & Laurel...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Wetterapp sagt, es kann nur noch besser werden, und wirklich wird es richtig schön auf dem Weg in den Süden. Wir haben den Mont Ventoux auf dem Schirm. Herrliches Fahren, tolle Kurven, von den Schluchten des Vercors, wo die Geier über uns kreisen, zum Mont Ventoux.

 

gudrun-crosst-2gudrun-crosst-2Im Vercors kann einem schwindlig werdenIm Vercors kann einem schwindlig werdenUnter GeiernUnter GeiernDer windigste Aussichtspunkt EuropasDer windigste Aussichtspunkt Europas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leider schaffen wir es nicht mehr in die Gorges du Verdon, es ist trotz der Sonne kalt und windig, und wir trinken Pastis und Rhum, essen eine Pizza vom Holzfeuer und suchen uns einen Lagerplatz. Der hat es in sich: Das ist jetzt schon mehr Trial-Gelände. Während die Roadsters und

Reiseenduros mit ihrer grösseren Bodenfreiheit über die Lehmhaufen kommen, bleibt Gudrun mit ihrer Motorverkleidung gerade im Scheitelpunkt einer Kuppe hängen. Ich muss absteigen, sie kommt aus den Federn, und wir können sie über die Kuppe schieben. Danach wieder zelten, Feuerchen, trinken, singen, etcetera pp. Jetzt kommt Gudrun ( und ihr Reiter) so langsam an ihre Grenzen. Morgens kommt sie zwar mit etwas Anlauf über die Kuppe, aber jetzt steht Briançon auf dem Programm. Sie ist prima zum Flanieren, bügelt alle Teerflecken auf der Landstrasse glatt, muss selbst auf Schotter nicht die Hufe strecken, aber crossen, das geht beim besten Willen nicht. Und letzte Rille kann sie zwar, es ist aber sehr anstrengend. Auf dem Izoar, bei 2300 Metern, tun mir schon sehr die Schultern weh. Die 330 Kg mit Gepäck sind nur mit Kraft zu bändigen und "hangig off" ist nur sehr bedingt möglich, wenn man in Gudruns Sessel sitzt. Selbst ohne Schräglage hat der Hauptständer auf einer Bodenwelle aufgesetzt, und sich in Linkskurven mehrmals tief in den Asphalt gebort.

 

Nach einer schönen, aber kalten Nacht in Briançon (es hat gefroren) verabschiede ich mich von meinen Kumpels. Sie wollen über den Galibier nach Norden, ich über den Lautaret nach Westen...und jetzt spielt Gudrun ihre eigentlichen Stärken aus: Auf nicht ganz so letzter Rille und nicht ganz so schmalen Pässen geht es einfach zügig durch die Kälte. Die Heizung an, der Tank voll, überholen eine Formalität! Zupp bin ich in Grenobel, zapp, in Annonay, dann im Zentralmassif...650 KM nur kurvige Landstrasse in zehn Stunden, das kann so schnell keine andere. Zumindest nicht so, dass ich nachher noch von allein absteigen kann :D

 

Geländeübung. Hätt ich doch die XLR dabei...Geländeübung. Hätt ich doch die XLR dabei...Unten ist sie ja, die Gudrun. Leider muss sie auch wieder rauf...Unten ist sie ja, die Gudrun. Leider muss sie auch wieder rauf...Unsere Strecke, zwischen Sisteron und BriançonUnsere Strecke, zwischen Sisteron und Briançondie Auffahrt zum Izoardie Auffahrt zum IzoarAm Refuge NapoleonAm Refuge NapoleonHätte nicht gedacht, dass das Fahren mit Gudrun auf Schotter und im leichten Gelände so viel Spass macht.
Ein Alptraum ist es jedenfalls nicht...Hätte nicht gedacht, dass das Fahren mit Gudrun auf Schotter und im leichten Gelände so viel Spass macht. Ein Alptraum ist es jedenfalls nicht...Gerubbeltes Plastik und abgefeilter Ständer. Sorry, Gudrun..Gerubbeltes Plastik und abgefeilter Ständer. Sorry, Gudrun..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viele meiner Kumpels sind im Laufe der Zeit von Roadstern (Z Kawas, XSs, etc) auf Reiseenduros umgestiegen. Ein paar Zs sind noch übrig. Die Reiseenduros passen auch eigentlich am Besten zu dem, was wir machen. Aber, braucht man immer das richtige Werkzeug? Soll es immer dasselbe Mopped sein? Also, GS??

 

Das ist wie mit den Harleys. Vielleicht eines Tages...vielleicht an Sankt Nimmerlein :)

Es geht auch so, es geht auch anders...natürlich ist Gudrun viel zu schwer, viel zu breit, viel zu tief, viel zu lang übersetzt für echtes Gelände, und dazu auch nicht entsprechend bereift. Aber echtes Gelände ist ja nur manchmal morgens und manchmal abends. Und der Rest des Tages ist prima mit meiner Walküre. Sie ist nämlich erstaunlicherweise recht handlich, hat einen akzeptablen Wendekreis,

und dank der bequemen Sitzhaltung kann man viele Stunden flott im Gebirge (auch auf Nebenstrecken ohne oder mit sehr schlechtem Aspalt) fahren ohne zu verkrampfen. 21.000 Km hat sie mich jetzt schon getragen...

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21.06.2016 10:39    |    TDIBIKER    |    Kommentare (35)    |   Stichworte: Hosteria de Guara, Lourdes, Santiago de Compostella, Sierra de Guara

Wie Lew hier im Forumstreffen-Blog so schön beschrieben hat:

 

http://www.motor-talk.de/.../ich-bin-dann-mal-kurz-weg-t5716266.html

 

Und Andreas bei den Ziegelfliegern:

 

http://www.flyingbrick.de/index.php?...

 

Wir waren Motorrad-Pilgern.

 

Erst nach Lourdes, dann nach Santiago de Compostella. Tausende

Kilometer in wilden und z.T. unwirtlichen Gebirgen: Zuerst die Pyrenäen, das Baskenland mit dem Hochplateau von Urbasa, dann das Cantabrische Gebirge, die Picos d'Europa, und schliesslich Galizien.

Trotz der oft widrigen Witterung mit Schauern, Nebel und Kälte war es eine tolle Tour: Schnell, mit Hotels in grandioser Lage und beeindruckenden Klöstern, Kirchen und Kathedralen. Aber all das ist Menschenwerk, und war, kaum gesehen, schon vergessen. Zur Erinnerung muss ich schon die beiden Rosenkränze hervorkramen - einen aus Lourdes, den anderen aus Santiago.

 

Was bleibt, sind andere Bilder: Eine Herde Wildpferde, die im dichten Nebel neben unseren Motorrädern galoppieren, so dass man sie fast mit der Hand berühren könnte. Die Adler und auch die Geier über uns. Die Abgründe und Wasserfälle, die im weissen Nichts enden. Die Felsen, in Millionen Jahren aus

Meeresgrund gefaltet. Und die gewaltigen Wellen der Bucht von Biskaya und des Atlantischen Ozeans,

die an ihnen nagen...das ist meine Kirche, die Gipfel mein Altar, die dräuenden Wolken mein Glockenstuhl, die Seen mein Weihwasserbecken, und der laufende Motor mein Gebet...das alles ist soviel grösser, kraftvoller, wilder, als diese trockenen Blattgoldheiligen, diese bemalten Steindecken,

die von den Neonlichtern der Souveinrläden gebadeten Kirchenschiffe!

 

Der Jakobsweg ist überall, das ist wahr. Aber nachdem wir unser Ziel erreicht hatten, Fotos gemacht,

fein gegessen...was nun? Ein Moment der Unsicherheit, der Trauer fast. Rückweg. Kein klar definiertes Ziel mehr. Da ist es gut, wenn man einen begnadeten Planer wie Lew dabei hat, und einen immer gut gelaunten Mitfahrer wie Andreas. Lew hat uns nach Bilbao gelotst, Schwebefähre, Guggenheim - Museum, Hotel nah dran, wie macht der Mann das nur.... perfecto! Aber im Touri-Getümmel der grossen Hafenstadt, denke ich an unsere nächste Etappe, an der mein Herz hängt:

 

Die Sierra de Guara.

 

Dieses wenig besiedelte Vorgebirge der Pyrenäen kenne ich gut, von anderen Touren, mit ganz anderen Leuten. In der Sierra de Guara hat die Natur Kunstwerke geschaffen. Es gibt dort tiefe Canyons mit kristalklarem Wasser, schroffe Felsen, Höhlen, wilde Tiere. Die Natur ist unglaublich abwechslungsreich. Und für den Motorradfahrer gibt es zig Kilometer Kurven auf engen Strassen. Das ist für den einen Heizer-und Rennstrecke, für den anderen ein Ort der Besinnung, der Liebe fast. Ich war hier mit der 125er, auf dem Rückweg von Marokko, mit der Bulldog,

mit den Guzzi-Brüdern, mit Menschen, die schon nicht mehr sind, und heute mit meiner Gudrun, dem alten Eskort-Girl, die dank ihres neuen Getriebes, welches perfekt funktioniert, und der Sachs-Kupplung gerade die 105.000 Km geknackt hat und auf diesen kleinen Strassen immer noch mit ihren jüngeren Schwestern mithalten kann...wenn sie denn wirklich muss.

 

https://drive.google.com/folderview?...

 

Die Sierra de Guara ist kaum besiedelt, da kommt ein Mensch auf viele Quadratkilometer Steppe.

Da kommen sich diese wenigen Menschen natürlich näher. Man redet gern miteinander, auch mit Fremden. Und ganz besonders herzliche Aufnahme finden wir in der Hosteria de la Guara, in Bierge.

Eva Viñuales spricht alle Sprachen (wenig deutsch, perfekt englisch, spanisch, französisch), und ich fühle mich eher wie ein Freund, der zu Besuch kommt, als ein zahlender Gast.

Nicht umsonst ist die Hosteria de Guara ein Tourenfahrer-Partnerhaus.

Es gibt Unterstände für die Motorräder. Heute sind sie voll mit Briten. Auch echte alte Motorradfahrer,

mit Aufklebern der Alpen und Geschichten von Moschusochsen auf Norwegenfahrt....:D

 

Zwei Tage lang fahren wir durch die Guara, sehen Ziegenherden, Geier, Ruinen mitten in wuchernder Natur, ohne Weg und Steg: In der Guara ist die Natur noch stärker als der Mensch. Und die Brujas,

die Hexen der Guara, um die sich viele Legenden ranken, kichern in der Luft dazu: Hier herrschen wir.

Eure Rosenkränze, euer heiliger Jakob, eure Mauern aus Stein: Ein Unwetter, ein Bitzschlag, ein rollender Felsen und seht, was aus ihnen wird.

Zum Abschied gibt uns Eva noch als Gastgeschenk ein Fläschchen Olivenöl mit.

Wir kommen wieder!

 

https://www.google.fr/.../uv?...

 

Nachtrag: Wir haben oben auf dem Tourmalet den Otto Adnan getroffen.

Dieser junge Schwede ist allein auf einer 650 Mono-GS nach Marokko unterwegs, und von da aus über Italien in den Balkan. Wir wünschen ihm viel Glück für seine 3-monatige Reise... FB:Adnan Otto

 

So. Zeit, meinen Haupständer zu tauschen. Der ist rechts und links so angeschrappt, dass man für seine Stabilität fürchten muss. Ich denke mal, wir waren die schnellsten Pilger auf dem Jakobsweg.

Zumindest hat uns keiner überholt...:D

Einkehr gab' es zwar, aber mehr abends in der Herberge.

Besinnung nur, wenn's mal wieder gefährlich geschrappt hat.

Die spinnen, die Deutschen....:D

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23.05.2016 12:15    |    TDIBIKER    |    Kommentare (31)    |   Stichworte: Anakee 3, Friaul, Leihmotorrad, RD13, Transalp, Transe

Motorradtour und zelten: Wie seht ihr das?

Dies Jahr wollten wir uns in München am Freitag vor Pfingsten treffen, um von da aus in den wilden Südosten Europas aufzubrechen. Meine Chefin sah das aber anders. ich sollte noch bis Freitag Mittag arbeiten...das wäre ein bisschen knapp, um anschliessend die Gudrun von Toulouse nach München zu scheuchen. Es bliebe also nur die Option "fliegen und Leihmopped". Das hatte ich natürlich schon vorausgeplant. Und so kam es, dass ich mir bei Allround Rental eine XLV 700 Transalp, oder RD 13 für Insider gebucht habe. Mit 60 PS spielt sie zwar in einer anderen Liga als die 100 und + PS der Kollegen,

aber auf den kleinen rutschigen Pässen, auf denen wir uns austoben, spielt das nicht wirklich eine Rolle, dachte ich mir.

 

Problem: Die Wettervorhersage für unsere Pfingsttour ist übelst: Regen, 100 mm in München und am Alpennordrand, und der ganze Osten eine Regenpampe...egal! Dann sind weniger Moppeds da, die die Pässe zuparken! :D

 

Freitag mittag bringt mich meine nette Kollegin Annabel zum Flieger. Der geht schon kurz nach 13 Uhr! Ich trage Lederjacke und -hose, und in den Tourenstiefeln wird mir schnell unangenehm warm. Mein ganzes Gepäck befindet sich in meiner ollen Gepäckrolle: Schlafsack, Helm, Handschuhe, Wechselsachen, und vor allen Dingen: Regenzeug! So bleibe ich unter 8 Kilo und es geht als Handgepäck durch. Es fehlen Werkzeug, mein Messer, Isomatte, Zelt...von den Geschäftsleuten mit Rollenköfferchen werde ich scheel von der Seite angeguckt. Die gucken aber schnell weg, wenn man

sie anschaut.

 

Ein Bierchen mit Lachsbrötchen im Flieger, und der Stress lässt langsam nach. Frankreich bleibt hinter mir, und das mir relativ unbekannte München kommt schnell näher. Dabei kann der Airbus 321 die Wolkendecke nur auf maximaler Flughöhe durchdringen, so dicht ist sie... In München dann S-Bahn, U-Bahn Und schliesslich Allround-Rental. Das ist ein netter Laden, von Motorradfahrern für Motorradfahrer. Dort kann man sich jede Menge Moppeds leihen. Die sind zwar nicht mehr nagelneu (hö)

aber dafür gibt's es viele Freikilometer für Weitfahrer.

 

Und schliesslich steht sie vor mir, die Transe: Golden und hübsch anzuschauen. OK, schon über 73.000 auf der Uhr, aber erst 4 Jahre alt und nett designt. Was mich interessiert ist, dass sie läuft und noch Profil auf den Reifen hat. Es geht alles ein bisschen fix in der Vermietung, zumal wir die ganze Zeit plaudern. Solche Kleinigkeiten wie die mit Isolierband geklebte Verkleidung und den angebrochenen

rechten Handprotektor übersehe ich dabei glatt. Schnell aufpacken, und los! Der Schlüssel ist leicht verbogen, das fällt mir gar nicht auf. An der Bulldog ist's genauso...

 

Die ersten Tropfen nach 50 Metern...Die ersten Tropfen nach 50 Metern... bayrisches Frühstückbayrisches Frühstück

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaum sitze ich drauf, fängt's an zu pissen. Also Regenzeug raus. Das Mopped hat einen satten Klang, ruppig gar. Aha, der Sammler ist geschweisst. Kein Wunder also. Mich stört das nicht. Die Vibrationen

von der angebrochenen Verkleidung zwischen 4- und 5.000 U/Min schon eher. Darüber hört man eh nix mehr von diesen Schwingungen...

 

Ich fahre erstmal nur nach Starnberg zu unserer Sammelstelle. Es regnet so stark, dass ich das Mopped noch nicht mal abpacke, sondern einfach meine nassen Sachen zum Trocknen aufhänge und mich mit einer geliehenen Jeans zu Tisch setze. Es gibt Thüringer Würstel und Schnitzel vom Grill.

Nach der Wetter-App ist klar: Es hat keinen Sinn, bei dem Wetter in die Karparten zu fahren.

Wir müssen so schnell wie möglich über den Brenner auf die Alpensüdseite, alles andere ist Quatsch.

 

Noch einen Absacker, dann lege ich mich in den Keller und schnarche dem Morgen entgegen.

Der kommt grau und noch immer regnerisch, und bringt erstmal jede Menge Weisswürste mit süssem Senf und Laugenbretzeln. Dazu ein Frühstücksweizen! Die spinnen, die Bayern :D

 

Erst nach dem dritten Würstel habe ich mich dran gewöhnt. Beim vierten ess' ich schon nicht mehr die Pelle mit :D:D

 

So verbringen wir den Vormittag und strecken mal kurz die Nase raus, um sie sofort wieder einzuziehen.

So stellt man sich die Sintflut vor. Ich kaufe mir bei Lidl ein Polyesterzelt für 29 Euro und eine Isomatte.

Ein Kollege leiht mir ein Klappmesser. Ist unabdinglich zum Brote machen, Fleisch vom Grill nehmen,

Korken ziehen, als Minimalbesteck und Universalwerkzeug, zum Kaffeeumrühren gar...

 

Gegen Mittag klart es auf, und es heisst anzieh'n und LOS!

 

Wir fahren auf hübscher Nebenstrecke Richtung Garmisch. Die Sonne scheint sogar, als wollte sie uns veräppeln. Überall am Horizont drohen Wolkenungetüme.

 

Die gute Monique und ihr ApfelstrudelDie gute Monique und ihr ApfelstrudelAuf dem Jaufenpass. Es schneit.Auf dem Jaufenpass. Es schneit.Selfie im Schneegestöber. Mann war das kalt!Selfie im Schneegestöber. Mann war das kalt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem Halt bei der stattlichen Monique (so stellt man sich bayrisches Urgestein vor: Sie ist aber Französin aus meiner Ecke!) geht es weiter Richtung Brenner. Das geht alles ohne Probleme und ohne Regenzeug ab, und ich fahre gar Sommerhandschuhe mit abgeschnittenen Fingerkuppen. Wir fahren die alte Brenner-Landstrasse, natürlich. Es sind kaum Moppeds unterwegs. Vielleicht wird's ja doch eine super Pfingsttour. Die Jungs sind ein bisschen eingerostet, aber routinierte alte Fahrprofis, und es geht von Stunde zu Stunde schneller und immer fixer zur Sache. Berg rauf muss sich die Transe schon etwas rauslehnen, um dran zu bleiben. Mit zunehmender Höhe wird es immer kälter. 3 Km vor dem Jaufenpass fängt es an zu schneien. Ich bin immer noch in Leder und mit meinen Handschühchen zum in der Nase bohren.

Also anhalten, Arschlecken, jetzt ziehe ich mich erstmal um und mach 2 Fotos, bevor ich mir den Tod hole. Die anderen werden schon warten...

 

Bergrunter hat die Transe keine Probleme, mitzuhalten. Eher im Gegenteil...:cool:

Es ist ja nun so, zum fixen Moppedfahren muss man schön mollig warm sein, sonst verkrampft man,

und die Hüfte swingt nicht wie sie soll.

OK, es ist Samstag, wir kaufen ein, und suchen uns einen Lagerplatz. Einen Kilometer Waldwege,

und wir zelten direkt unter einer gigantischen Felswand, auf deren Schutthalde hohes Nadelhoz wächst.

Ein paar Stämme liegen bereits, von herabfallenden Brocken zerschmettert...:eek:

 

Zelte aufbauen, grillen, Feuerchen, ein paar Pullen Wein...und der MP3-Player ersetzt die Gitarre. Die konnte ich beim besten Willen nicht auch noch in den Flieger packen.

 

EinkaufenEinkaufenMit den Möhren unter FöhrenMit den Möhren unter Föhren

 

 

 

 

Typischer ZeltplatzTypischer ZeltplatzGuat geht's, gell?Guat geht's, gell?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen scheint die Sonne, und los geht's zu einem herrlichen Fahrtag. Aber erstmal

in die Eisdiele, das muss sein :D Zwei Cappuchos, 2 Marlboros, ein Strüdelchen mit Vanilleeis...

Und erstmal in die Karte schauen, wohin es denn eigentlich gehen soll, jetzt wo wir den Osten geknickt haben. Der Plan ist: Dolomiten, Richtung Belluno ins Friaul. Die Wetterapp nickt zustimmend. Yallah!

 

Erst zwei Cappuchinos, dann das...Erst zwei Cappuchinos, dann das...Und endlich mal gutes WetterUnd endlich mal gutes Wetter

....was nicht lange....was nicht lange....anhält....anhält

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erst gegen abend fängt's dann wieder an zu regnen. Wir flüchten in eine ländliche Pizzeria an der Landstrasse, wo viel los ist, da tanzt der Bär, gewissermassen. Alles lokale Country-Italiener.

Da sind wir also goldrichtig, und wirklich wird es üppig, lecker und günstig. Ein sehr feuchter Pfingstsonntag, also. Ich bleibe bei vino bianco. Die Nacht ist bereits hereingebrochen, unsere Aufklärer kommen zurück: "Ey, Jungs, Spitzen Zeltplatz, aber doch etwas schlammig...richtig rutschig..."

 

Na super. Also doch lieber noch einen trinken. Um 11Uhr ist Feierabend, wir steigen im leichten Regen auf unsere nassen Böcke, und nach 300 Metern Landstrasse geht es rechts ab in die Pampa. Uiui...da bricht das Heck aus wie nichts. Schön auf dem nassen Grass bleiben, oder mit wenig Gas durch die Pfützen pflügen. Nach ein paar hundert Metern "Enduro speziale" zelten wir am Flussufer. Keiner hat sich lang gemacht. Eine reife Leistung, unter diesen Umständen, nachts in Schlamm und Regen...

 

Ah...der MorgenkaffeeAh...der Morgenkaffeeund dann kommt die Sonne raus!und dann kommt die Sonne raus!Im Gelände suboptimalIm Gelände suboptimal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir kriegen trotz der Nässe noch ein Feuerchen hin, und trinken den in der Pizzeria gebunkerten Wein und Obstler. Es wird ein lustiger Abend, zumal es zu regnen aufhört und de Mond durchkommt.

Am nächsten Morgen bestätigt sich mit Warnschildern, was ich mir gedacht hatte: "Vorsicht, Überschwemmungsgebiet, plötzliche Flutwellen durch Dammöffnung!" Naja, wr sind alle über 50, irgendwie muss es einen ja erwischen. Wir machen erstmal einen Kaffee, und waschen uns im Fluss.

Ein Wort zum Reifen: Der Anakee III hat einen Querschnitt, der nicht ganz so rund ist wie ein "normaler" Strassenreifen, das geht etwas in Richtung "U". Das heisst, er ist zunächst etwas träge, wird mit steigender Schräglage aber immer leichter und nervöser, was Schräglagenwechsel anbelangt.

Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist das gerade für Spitzkehren echt prima. Im echten Gelände aber unterscheidet ihn rein gar nichts von einem Strassenreifen. Es ist ein Strassenreifen mit einem leicht geändertem Querschnitt und einem lustig geschnitzten Profil, Punkt. Im Gelände hat er nichts zu suchen.

 

Auf dem Wege nach Slowenien verlieren wir uns ein wenig. Zwei von uns sind nach Venedig runter, einen neuen Reifen kaufen, während andere kleine Pässe fahren. Mal regnet es, mal ist's trocken...

Wir wollen uns hinter der slowenischen Grenze wiedertreffen. An einer Tanke in Meduno habe ich gerade den Tank voll und will ihn zuschliessen, da macht es "Klick" und der Schlüssel bricht im Tankschloss ab.

Bündig. Zunächst wird mir gar nicht klar, was das bedeutet. Aber ich habe nur diesen einen Schlüssel von der Verleihe erhalten, und die erst 4 Jahre alte Transe ist mit dem HISS - System ausgestattet. Das bedeutet: Weiterfahrt unmöglich. Und ich stehe mitten in der italienischen Pampa, wo kein Mensch eine zivilisierte Sprache spricht (:D)...Zum Glück hat ein Kollege eine Spitzzange dabei und kriegt das abgebrochene Stück raus. Der Honda-Schlüssel ist elendig lang und hat gewissermassen eine Sollbruchstelle. Mein Kollege (mein lieber, guter) flitzt los, um einen Schlüsseldienst aufzutreiben.

Es ist Pfingstmontag, und es braucht einen besonderen Rohling. Nach Stunden des Wartens kommt er wieder - ohne Erfolg. Ich schiebe die Transe zu einer noch geöffneten Autowerkstatt, setzte mich

bei einem anderen Kumpel hinten drauf und wir fahren zu einem Campingplatz, nach Tramonti di Sotto.

Dieser Campingplatz ist echt eine Wucht. wunderschön, wild, mit netten Menschen, leckeren Pizzen...

hier ist er mal. "Wanderer kommst Du in's Friaul, kehre bei Maria ein" http://www.camptramontina.com/

 

Schön, aber herbSchön, aber herbMaria, MariaMaria, Maria

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trotz aller Bemühungen will sich meine Laune nicht heben. ich mache mir Sorgen. Was mache ich nur mit der Transe, wenn sie mit diesem verdammten Elektronikmist nicht wieder an's Laufen kommt?

Selbst wenn ich hier einen geeigneten Rohling auftreibe (den ein normaler Schlüsseldienst nicht vorrätig hat), was ist mit der Magnetkennung? Reicht es, dass der Chip in der Nähe des nachgemachten Schlüssels ist, oder muss er das Metall berühren? Nie wieder Leihmotorräder!

 

Ich schlafe schlecht, das Polyesterzelt ist innen so nass wie aussen, und eine Stange ist schon gebrochen. Am nächsten Morgen habe ich kaum Appetit zum Frühstücken. Einer meiner Kumpels bringt mich die 15 Km zur Transe zurück. Dort lassen der nette Inhaber und seine schweizer Freundin

die Drähte für uns heisslaufen. Endlich findet er einen Dienst für Spezialschlüssel, die Firma Alba. Der ist in Pordenone, 40 Km von hier. Und es ist schon 11Uhr 30, und um 12 Uhr macht er zu!!

 

Jetzt muss die Kawa aber rennen...uiui...Mittellinie und GAASSS! Selbst Rossi wäre stolz auf uns :cool:

Wir schaffen es noch, und bekommen einen perfekt gearbeiteten Zweitschlüssel, allerdings ohne Chip.

Die sehr kompetente Dame hätte ihn zwar auch programmieren können, dafür bräuchte sie aber das Motorrad - und das stand ja 40 Km weiter nördlich! Trotzdem könnte es funktionieren, meinte sie, sofern der Chip am Schlüsselbund ist. Also wieder zurück, in etwas gemässigterem Tempo :cool:.

Schlüssel rein, umdrehen, Anlasser....wiuwiuwiuwiwu. Tut sich nix. Dann halte ich den Schlüsselkopf direkt an den Zweitschlüssel: VROUUMMM! Gerettet! Wir brettern zurück zu Maria, lassen die Zelte aufgebaut und lassen das Gepäck zurück. Und dann wird geheizt! Hunderte von Spitzkehren,

unglaubliche Streckenführungen, Spaghetti, Prosciutto, Sauris, die Altoplano di Cazzo (heisst wirklich so), Mann bin ich glücklich...und die Transe fährt ganz vorne mit, trotz der Kälte. Ohne Gepäck fährt sie viel neutraler und das systematische Lenkerflattern beim Freihändigfahren ist wie weggeblasen.

Eine tolle Gegend, das Friaul. Und als Motorradzigeuner mit Zelt lebt man intensiver: Die Kälte, die Hilflosigkeit, aber auch das höchste Glück, spirituelle Momente, Freiheit, Kameradschaft...was ist man ohne Freunde? Ein kleiner Lebensfunken über und unter den Wolken...auf das uns allen noch viele Kilometer beschert seien!

 

 

Vollbremsung zum Nudeln fassenVollbremsung zum Nudeln fassenSaurisSaurisGebirgsseeGebirgsseeMai, der WonnemonatMai, der WonnemonatNach der AnstrengungNach der Anstrengungdie Belohnungdie Belohnung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abends sind wir wieder bei Maria, es wird schön gegrillt. Am nächsten Morgen geht's wieder auf die Bahn nach Salzburg und München, denn der Flieger wartet nicht. Ich komme nachmittags an, nehme mir ein Hotel am Flughafen, und kaum sitze ich auf dem Bett, schlafe ich tief und traumlos...Bis mich das Shuttle wieder zum Flughafen bringt.

 

https://www.google.fr/.../...024eba452b5d7!8m2!3d46.2833829!4d12.79603

 

Als Fazit möchte ich Folgendes bemerken:

Fliegen und Motorradfahren bleibt eine Aushilfslösung für mich.

Es ermöglicht es, Motorräder kennenzulernen, die man sonst nie fahren würde. Die Transe ist z.B. super bequem und passt mir wie angegossen.

Trotzdem: Das einzig Wahre ist das Fahren mit der eigenen Maschine und Ausrüstung...

Alles in allem war es ein teurer Spass: Die Maschine war an nur 4 Tagen einsatzbereit,

dafür waren die 560 Euro Mietkosten ein bisschen happig. Und von den vielen Freikilometern hatte ich nichts: Konnte ja nur 1500 Km fahren in der kurzen Zeit, bei dem Wetter. Ausser dem nachgemachten Schlüssel in Italien wollte die Leihe noch einen neuen Schlüssel in München nachmachen lassen. Auf meine Kosten: 80 Euro. Vom Hotel am Flughafen, den Shuttles, den Flugtickets und der zurückgelassenen Campingausrüstung will ich gar nicht reden...

 

Zur Transalp: Ausser der Schwachstelle des zu langen und empfindlichen Schlüssels, ist sie eine gute und zuverlässige Allround-Maschine. Zum Schnellfahren ist sie etwas zu schwammig, dafür aber bequem, die Bremsen sind nicht gerade bissig, aber zuverlässig. Es handelt sich bei dieser letzten Transe um einen V2 mit Vierventilkopf, anders als die Vorgänger mit 600 und 650 ccm, die sich mit 3 Ventilen pro Zylinder begnügen mussten. Es fehlte ihr eigentlich nie wirklich an Leistung, für nur 680 ccm standen die Pferde auch nach 74000 Km noch erstaunlich gut im Futter. Mit Gepäckrolle

neigt sie systematisch zum Lenkerflattern, ohne Gepäck kann man allerdings auch einen Kilometer freihändig rollen, da schaukelt sich nichts auf.

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