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Blog vonstelen

08.10.2020 10:27    |    stelen    |    Kommentare (9)

44Ich habe mir die Kritik vom letzten Blog zu Herzen genommen und biete Euch heute die "doppelte Dröhnung" :D

 

Zu meinem Video über den ersten Monat mit dem Audi E-Tron 55 quattro hatte ich mir ein Script erstellt, welches ich Euch nun zusätzlich zum Video hier einstelle. Der Text ist nicht 1:1 der aus dem Vdieo, der Inhalt schon, ihr könnt also wählen, ob ihr Euch lieber berieseln lassen wollt oder selber lest.

 

Viel Spaß

 

 

Das Auto habe ich heute genau einen Monat. Ich habe in dieser Zeit knapp 7000km und 90h im Auto verbracht und möchte Euch heute meine ersten Eindrücke schildern.

Wie der Videotitel schon erahnen läßt gibt es bei dem Wagen Licht und Schatten, man könnte es auch so formulieren:

Auto Top, Software flop.

 

Das Video wird mehr oder weniger aus drei Teilen bestehen: Anfänglich kommt -leider- viel Gemecker, dann das Lob und zum Schluß gehe ich natürlich auch noch auf die bisherigen Verbrauchdaten und das Laden an sich ein. Also besorgt Euch schonmal Popcorn und Cola und abonniert natürlich diesen Kanal, denn in diesem Video kann ich viele Themen nur anreissen, die später noch präzisiert werden.

 

Ich hatte Euch im letzten Video ja schon über die Ungereimtheiten beim E-Tron Routenplaner berichtet und ich habe noch so ein paar Dinge gefunden, wo ich mich unwillkürlich frage: Haben die Tester bei Audi das Ding jemals im ganz normalen Leben, außerhalb steriler Testumgebungen bewegt. Ich zeige Euch einfach mal ein Beispiel was ich meine.

 

Werfen wir dafür aber zuerst einen Blick in einen ladenden Tesla. Öffnet man bei dem die Tür, wird auf dem Hauptbildschirm alles zur Ladung angezeigt man tippt einmal auf Limit einstellen und dann kann man einfach per Wischen den gewünschten State of Charge einstellen.

 

Nun schauen wir uns an, wie das ganze im Audi funktioniert. Zuerst müssen wir den Wagen starten, denn das Mitteldisplay ist während des Ladens aus. Wir warten nun bis das Auto gebootet hat, dann müssen wir auf den Home-Bildschirm wechseln, auf Fahrzeug klicken, auf Laden und Effizienz tatschen, auf Laden tatschen und dann unten auf Ladeziel. Nun können wir endlich durch tatsch auf + oder - das gewünschte Ladeziel einstellen.

 

Nun wird der Ein- oder Andere sagen: Du Vollpfosten nimm doch einfach die App. Ja richtig mit der geht es theoretisch einfacher, blöd nur, das bei der zumindest bei mir immer wieder Murphy zuschlägt. Möchte ich nur mal eben schaun ob er noch lädt funktioniert sie eigentlich immer. Möchte ich etwas wichtiges wie eben den Ladestand ändern, oder die Vorklimatisierung starten klappt das eher selten da die App just dann mal wieder keine Verbindung zum Auto bekommt.

Die Geschichte mir der schlechten Bedienbarkeit setzt sich auch an anderen Stellen nahtlos fort

 

Beim VOLVO hatte ich drei Hauptbildschirme, die ich ganz easy durch wischen erreichen konnte. Auf dem linken Bildschirm waren alle wesentlichen Fahrzeugfunktionen versammelt und man konnte sich den auch wie man wollte konfigurieren, also die Icons hinschieben wo man wollte. In das große Fahrzeughauptmenü mußte man praktisch nie.

 

Beim Audi kann man sich zwar im oberen Teil des Klimadisplays (Umblendung auf Klimadisplay) sogenannte Shortcuts einrichten, da passen aber nur 4 auf eine Seite und man ist wild am Hin- und Herwischen, mal davon abgesehen das sich nicht alles dorthin legen läßt.

 

Noch so eine Sache, bei der ich bezweifle, das das Auto jemals im richtigen Leben außerhalb reiner Fahrtests bewegt wurde betrifft das Navi. Audi-Navis sind seit jeher -mein 99er Navi+ im A6 war schon so- autobahngeil. Das bedeutet, wenn es berechnet, das es 1min einsparen könnte wenn es einen Riesenumweg über eine Autobahn nimmt, dann tut es das. Der Extremfall ist, wenn ich vom Ionity Demminer Land in die Firma fahre. Von dort kann man 101 km über die Autobahn und den Rest Überland fahren, oder 69km nur Überland. Von der Theorie ist die längere Strecke 3min schneller und da will er auch immer lang. Meiner Meinung nach ist es aber ziemlicher Irrsin, bei einem E-Auto mit etwa 300km Realreichweite einen Umweg von 30km, also 10% Akku-Kapazität zu verschwenden um 3min schneller zu sein. Im Endeffekt ist man aber langsamer, da die 30km Umweg ja erst noch nachgeladen werden müssen.

Natürlich hat auch der VOLVO öfter mal so einen Schwachsinn berechnet, da tippte ich dann aber einfach auf Route, Route ändern und er schlug mir drei Routen vor: Schnell (also die über die Autobahn), Eco oder Schön. Eine von denen haben wir z. B. gern im Urlaub genommen, wenn wir von A nach B wollten ohne über die Bahn zu prügeln. Sowas ist bei Audi Fehlanzeige, man muß sklavisch der Unsinnroute folgen, oder sich Alternativen suchen, ich sehe mich schon einen Brodit-Halter besorgen, um per google-maps fahren zu können. Alternativ kann man auch im Audi händisch per Drag and Drop die Route selber vernünftig gestalten, aber ob das bei einer Marke deren Slogan "Vorsprung durch Technik" lautet der richtige Weg ist? Zum Glück fahre ich zu 90% meine Standardstrecken, da kenne ich die vernünftigsten Wege. Nur so am Rande erwähnt finde ich es schon etwas seltsam, wenn ein Auto mit 300km Realreichweite bei 100km Rest schon mit einer Alarmmeldung kommt, das man laden solle.

 

Ein für mich ja ganz wichtiges Thema ist die Fahrassistenz und wenn wir da mal schaun

 

Ist in dem Auto so ziemlich alles verbaut. Nur der Parklenkassistent fehlt, da der -aus Gründen, die wohl nur Audi kennt- nicht mit den 360° Kameras kombinierbar ist. Das assistierte Fahren ist in einem aktuellen Audi schon sehr entspannt, aber leider gibt es auch hier katastrophale Softwaremängel, die teilweise wirklich lebensgefährlich sind und bei denen ich mich frage ob die noch niemand bemerkt hat, oder Audi die Kunden völlig egal sind. Ich mache Euch da auch noch detaillierte Videos zu, heute erstmal nur meine ersten Beobachtungen. Prinzipiell klappt das richtig gut, er regelt die Geschwindigkeit passend zu den Limits und berücksichtigt auch topographische Herausforderungen, er nimmt also vor Kurven ausreichend Gas raus, das man die sauber durchfahren kann und bremst Kreuzungen sauber an. Leider kann er nicht wie die BMWs das können Ampeln und Stopschilder berücksichtigen. Es gibt zwar einen "Ampelassistenten" der funktioniert aber nur an ein paar wenigen Ampeln in Ingolstadt, die da extra Sender für bekommen haben. Aus meiner Sicht ist das dummes Zeug, das muß über Kameras funktionieren, wie halt bei BMW oder auch Tesla.

Leider klappt das Ganze, wie eingangs erwähnt nur prinzipiell. Wenn Ortschaften unverändert sind und Tempolimits außerorts seit Ewigkeiten bestehen gibt es keine Probleme. Leider ist das System so schlecht programmiert bzw. die Daten auf die er zurückgreift sind dermassen veraltet, das es an manchen Stellen wirklich gefährlich wird. Ich befahre z. B. eine Strasse, wo vor 3 oder ich glaube es ist schon 4 Jahre her länger eine Baustelle war, wo nur 30 erlaubt war. Nun ist da schon lange 70 erlaubt, er erkennt die 70 auch über die Kamera haut aber an der Stelle wo früher 30 war in die Eisen. Offensichtlich überschreiben die Navi Daten die mindestens so veraltet sind, wie die in den von mir gefahrenen Teslas mal eben die Kameradaten. Wer bitte läßt sowas auf die Strasse? Aber ich hatte ja gesagt, wenn man nicht aufpaßt wird es sogar richtig gefährlich, denn er kann auch das genaue Gegenteil. In einer 60er Baustelle meint er auf einmal das die Autobahn unbeschränkt wäre und beginnt auf 130 zu beschleunigen. Da das Auto ja recht gut beschleunigt heizt man dann recht heftig durch eine Baustelle, wenn man nicht sofort gegenbremst.

Was auch eher schlecht als recht funktioniert, sind Streckentempolimits, z. B. 30 auf 200m vor einer Schule. Das kann er meist überhaupt nicht handeln und würde -wenn ich nicht von Hand eingreife- bis zum Ortsausgang mit 30 herumeiern.

Nein an sowas ist kein böser Datenlieferant dran schuld sondern einzig und allein Audi, denn beim VOLVO hatte ich diese Probleme überhaupt nicht mehr. Der hat exakt an der richtigen Stelle Tempolimits wieder aufgehoben und niemals in einer Baustelle zu viel angezeigt. Ganz selten mal versagte auch bei dem die Schildererkennung, das war dann aber eher bei Tagesbaustellen, wo die Schilder hinter Bäumen erst spät einsehbar waren oder ähnliches.

Aprospos Tagesbaustellen, bzw. neue Baustellen. Wie man es richtig macht zeige ich Euch jetzt einfach mal in einem Videoausschnitt, von meiner Probefahrt mit dem X5 letztes Jahr.

 

Der zeigte sogar die Entfernung in m zu dem erkannten Schild an. Der Audi fährt an einem Tempolimitschild vorbei aber erst diverse m später zeigt er das dann an und fängt auch an zu bremsen. Wie gesagt: Auf Strecken wo seit Jahrhunderten nichts geändert wurde fährt der Audi echt klasse, auf allen anderen Abschnitten ist das ziemlich inakzeptabel was die da abliefern. Ich habe ja das Glück fast nur auf mir bekannten Strecken unterwegs zu sein. D. h. ich weiß jetzt schon recht genau wo er wieder Mist baut und kann darauf reagieren, ein Armutszeugnis bleibt es trotzdem.

 

Wie schaut es nun mit der Lenkunterstützung aus? Zum Glück für mich zumindest auf der Autobahn ganz gut, sonst hätte er mich wohl schon in den Wahnsinn getrieben. Die Grundfunktionalität: Auto auf der Autobahn in der Spur halten, macht er soweit gut. Ich weiß zwar nicht wie er darauf kommt das auf der A20 scharfe Kurven wären, die man anbremsen müßte, aber seis drum. Was leider ziemlich nervt ist das Verhalten im Stau. Nicht nur das er da auch beim Kriechen ständig nach einer Hand am Lenkrad schreit, nein er pendelt da auch noch von Fahrbahnmarkierung zu Fahrbanhmarkierung wie ein besoffener Fahranfänger. Meine Autobahntestkurve bin ich mit ihm bisher noch nicht gefahren, kommt aber demnächst, da bin ich schon gespannt. Gefühlt schafft er etwas mehr Lenkwinkel als der VOLVO, aber an BMW oder Tesla kommt er vermutlich nicht ran. Das er sich an manchen Stellen sang- und klanglos deaktiviert kenne ich ja schon vom VOLVO, aber Zwei Dinge gehen aus meiner Sicht gar nicht und sind wirklich saugefährlich.

Das Erste ist in Kurven, die er -aus welchen Gründen auch immer- nicht schafft. Da kommt dann nachdem er schon voll auf der Gegenfahrbahn ist eine Meldung "Bitte übernehmen" und er schaltet sich komplett weg, von jetzt auf gleich nimmt er jegliche Lenkunterstützung raus. Das ist gefährlicher Mist und kann so nun wirklich nicht sein. Auch der VOLVO schaltete den PA in zu engen Kurven weg, aber er hat dann immer noch mit dem Spurhalter mitgelenkt. Der Audi fährt dann in der Kurve munter geradeaus. Mindestens genauso gefährlich ist sein Verhalten in Alleen ohne Mittelstreifen, da fährt er mitten auf der Strasse, ich blende Euch mal ein schnelles Video

 

ein, etwas genauer werden wir uns das in einem speziellen Video noch ansehen, wo ich ihn habe fahren lassen und dann so wie ein vernunftbegabter Autofahrer fahren würde. Fährt man dann übrigens so wie es richtig ist, kommt eine mit penetrantem Gebimmel unterstützte "Warnung" das man in der Spurmitte fahren solle. Natürlich bin ich diese Strecke hundertemale mit dem VOLVO gefahren, und natürlich orientierte der sich immer ausschließlich an der rechten Fahrbahnmarkierung und fuhr nicht mitten auf der Strasse.

Dazu kommen noch diverse andere Punkte die selbst mein oller Volvo schon besser konnte, aber an dieser Stelle soll es das erstmal gewesen sein. Das Kapitel Fahrassistenz grob zusammengefaßt: Gut für Audi, das der OnDemand Wagen kein Tour-Paket hatte und bei der 1-stündigen Probefahrt mit Tour-Paket alles leidlich funktionierte, denn sonst hätte ich ihn nicht bestellt. Es war für mich zugegegeben bisher nicht vorstellbar, das meine einstige Lieblingsmarke mi dem Slogan Vorsprung durch Technik, eben bei dieser Technik dermassen weit abgehängt ist, das es schon beängstigend ist.

 

Aprospos Vorsprung durch Technik: Die tollen Matrixscheinwerfer haben in Verbindung mit dem tollen Nachtsichtassitenten eine ganz tolle Funktion: Radelt ein Radfahrer ahnungslos vor einem auf der Strasse, dann wird er vom Nachtsichtassi (und das ist wirklich ziemlich Assi) markiert. Das bedeutet nichts anderes als das einzelne Leds genau auf den armen Radler ein Lichthupenkonzert veranstalten. Ich möchte lieber nicht darüber nachdenken, was die Leute über diesen Audi-Proll denken. Bei Fußgängern kann er das übrigens auch, ich hoffe der arme Pole, der auf dem Rasthof zu seinem LKW ging kann inzwischen wieder etwas sehen.

 

War das bisher sehr negativ? Ja war es, aber was soll ich anderes berichten, für mich ist Elektronik / Software und Bedienung bei dem Auto eine einzige Katastrophe. Noch eine kleine Anekdote zum Abschluß dieses Kapitels: Wir waren letztes Wochenende mit dem Pferdeanhänger unterwegs.

 

Ladevideo

 

Ich hatte mir vorher auch das Pferdehängervideo vom Blauzahn angeschaut, der hatte kurz eingeblendet, das man die ACC-Geschwindigkeit im Hängerbetrieb einstellen könne. Tja nach 20 Minuten Suchen haben meine Frau (ausgebildete EDV-Kauffrau / Programmierin) und ich aufgegeben. Wo auch immer diese Option versteckt sein mag, ist es jedenfalls kein Ort an dem ein normaler Mensch suchen würde. Später habe ich im Handbuch noch gefunden, das es sich unter Routenkriterien verstecken soll. Ich könnte zwar schwören, das wir auch da gesucht und nichts gefunden haben, das werde ich aber bei der nächsten Anhängerfahrt noch klären.

 

So, nach all diesen negativen Geschichten machen wir erstmal einen kurzen Break

 

 

Nun wird sich der Ein- oder Andere mit Sicherheit fragen, warum steht die Möhre nicht längst bei mobile drin? Ist der Typ ein blinder Audi-Fanboy? Können wir wohl nach den bisherigen Aussagen in diesem Video ausschliessen. Kann er es sich nicht leisten die Kiste jetzt schon wieder wegzutun? Wäre auch eher weniger ein Problem, ich habe für die vorfristige Leasingablöse eines Mercedes ML, um auf den ersten VOLVO Hybrid umsteigen zu können über 10.000 € auf den Tisch des Daimler-Händlers legen müssen. Ist der Typ vielleicht nicht ganz klar im Oberstübchen? Das kann ich zugegeben nicht wirklich beantworten, ich denke jeder der fast 100K für einen Verbrauchgegenstand wie ein Auto ausgibt muß irgendwo einen kleinen Schatten haben.

 

In Wirklichkeit liegt es schlicht daran, das es bei einem Auto immer noch Qualitäten zu beachten gibt, die mindestens ebenso wichtig sind. So etwas wie Fahrkomfort, Fahrgefühl, Sicherheit (auch wenn das scheinbar meiner vorherigen Beschreibung mit Lebensgefährlich widerspricht.)

Ich habe zwar eine Weile gebraucht bis ich eine passende Sitzposition gefunden hatte, aber nun sitze ich sogar noch besser als in meinen heißgeliebten VOLVO-Sitzen. Auch die Massagefunktion ist noch intensiver und besser einstellbar als beim Volvo. Das Luftfahrwerk ist von all meinen bisherigen SUV also Mercedes ML und dem XC90 das mit Abstand beste. Die weite Spreizung, die manch einer spürt empfinde ich zwar nicht, aber mit Drive-Mode auf Auto ist es auf der Autobahn straff genug um Wanken zu unterbinden und auf schlechten Überlandstrecken so komfortabel, das es die meisten Unebenheiten wegbügelt. Dabei verliert man aber nie das Gefühl für die Strasse. Dazu kommt noch der "akustische Komfort" durch die excellente Dämmung und natürlich den E-Antrieb. Das Strassenbahnsummen, das viele beim E-Tron zwischen 40-70km/h beklagen hat meiner auch, aber bei weitem nicht so laut wie das On-Demand Auto. Komplett von der Aussenwelt abgeschirmt ist man natürlich nicht, es kommen auch weiterhin Geräusche von außen ins Auto, aber viel leiser als ich es je zuvor kannte. Einer meiner Hauptgründe den XC90 zu verkaufen war ja, das mir der Vierzylinder einfach zu viel Lärm machte. Als ich diesen jetzt zum Verkauf fuhr war mir klar das die Entscheidung richtig war. Im direkten Vergleich ist der eigentlich auch leise VOLVO unglaublich laut, nicht nur vom Motor her, sondern vom gesamten Geräuschniveau.

Selbst mit den großen 21 Zöllern ist der Audi unglaublich leise und bietet allein schon dadurch einen fantastischen Reisekomfort, mit den bereits erwähnten Sitzen zusammen ist er ein noch besseres Langstreckenfahrzeug als es der VOLVO schon war. Wer bei einer Probefahrt im E-Tron mit Normal- oder Sportsitzen unbequem sitzt, sollte aus meiner Sicht unbedingt versuchen ein Auto mit den Individualkomfortsitzen probezufahren, die sind eine komplett andere Liga.

Dazu kommt noch das -zumindest wenn man selber fährt- große Gefühl der Sicherheit. Das Auto liegt supersatt auf der Strasse, Wankneigung ist kaum vorhanden, es fühlt sich beim Fahren immer so an, als ob noch mehr als genug Sicherheitsreserven vorhanden sind. Das Einzige was man diesbezüglich bemängeln könnte ist ein etwas seltsames Verhalten des Bremspedals, das eines sehr heftigen Druckes bedarf um in den Bereich der mechanischen Bremsen zu kommen.

Zum sehr angenehmen Fahren mit dem E-Tron trägt auch ein weiterer Punkt bei für den ihn Vertreter der "reinen Elektroautolehre" verurteilen: die Rekuperation, bzw. das im Normalfall nicht vorhandene One-Pedal-Driving. Der E-Tron versucht so viel wie nur möglich zu segeln, d. h. nimmt man den Fuß vom Strompedal so kuppelt er die Motoren aus und rollt, bis man auf die Bremse tritt oder am linken Lenkradpedal zieht. Man kann im Menü auch die Rekuperation auf Auto stellen, das ist auch meine Einstellung der Wahl, dann beginnt er auch ohne aktiviertes Tourpaket vor Stellen an denen er langsamer werden müßte automatisch leicht zu rekuperieren. Für mich fühlt sich eine solche Fahrweise viel natürlicher an, denn so bin ich auch die letzten 400.ooo km mit meinen Volvo Hybriden gefahren.

Im direkten Vergleich mit dem i3, der eine fest eingestellte Rekuperation hat finde ich das Verhalten des E-Tron für mich passender. Beim i3 muß ich -außer zum Anhalten- immer den Fuß auf dem Pedal haben, da die Rekuperation so stark ist, das er ganz schnell anhalten würde. Beim E-Tron habe ich keinen Fuß auf den Pedalen und wenn ich Anhalten möchte mache ich das aktiv mit dem Bremspedal, welches wie bei meinen Volvos sowohl Rekuperation als auch mechanische Bremse ansteuert. Auch aus rein energetischer Sicht ist die Auslegung des E-Tron die sinnvollste. Ein Elektroauto erreicht zwar beim Rekuperieren einen recht hohen Wirkungsgrad, trotzdem ist es natürlich besser, die im System vorhandene Energie komplett für die Bewegung zu nutzen und nicht umzuwandeln.

Mit aktivem ACC und richtigen Navidaten funktioniert das auch vollautomatisch nahezu perfekt. Das Fahrzeug beginnt z. B. auf einer Bundesstrasse schon weit vor einer Ortschaft zu segeln und wird dabei minimal langsamer, nähert man sich dem Ort an wird die Rekuperation langsam bis zum Ortsschild gesteigert und man ist rechtzeitig auf den erlaubten 50km/h. Leider kann man nicht wie bei BMW oder Tesla eine gewisse Toleranz eingeben, um zumindest die Tachoabweichung zu kompensieren, aber damit kann ich inzwischen leben.

Noch ein Thema, bei dem der E-Tron zumindest teilweise punkten kann ist der Anhängerbetrieb. Die Anhängelast ist zwar mit 1,8to für ein SUV dieser Größe sehr gering und über die Frechheit eine manuelle AHK in dieser Fahrzeugklasse anzubieten habe ich mich schon im Vorstellungsvideo genug aufgeregt, aber fahren tut er vor einem Anhänger sehr schön. Ich zeige Euch demnächst noch ein Video zum Anhängerbetrieb (deshalb auch unbedingt ans Abonnieren des Kanals denken, falls noch nicht geschehen) da zeigt er selbst mit einem großen Pferdeanhänger ein hervorragendes Fahrverhalten. Allerdings steigt da dann auch der Verbrauch in schwindelerregende Höhen und die Reichweiten schwinden beängstigend was uns direkt zum letzten Kapitel dieses Videos führt.

 

Der E-Tron gilt ja gemeinhin als unglaublicher Säufer und meiner sollte "dank" der fetten 21er ein ganz besonders schlimmer Vertreter sein. Werfen wir erstmal einen Blick auf die nackten Daten (Bild). Das Auto hatte also auf den ersten 6810km einen Schnittverbrauch von 25,8kWh (was ziemlich genau dem WLTP-Verbrauch entspricht). Mit diesem Schnitt und meinem 86kWh Akku komme ich rechnerisch auf eine Gesamtreichweite von 333km, was klar unter der WLTP-Reichweite von 370km liegt. Dies liegt schlicht daran, das beim WLTP-Verbrauch die Ladeverluste eingerechnet sind, bei der Reichweitenangabe jedoch nicht. Um also auf die 370km Reichweite gemäß der technischen Daten des Autos zu kommen dürfte ich nur einen Bordcomputer-Verbrauch von 23,2 kWh haben.

Jetzt bringen solche theoretischen Zahlenspielereien aus meiner Sicht nicht viel. Daher schauen wir uns meine Werte etwas genauer an und es fällt sofort auf, das meine Schnittgeschwindigkeit mit 75km/h dtl. Höher ist als beim WLTP mit mal gerade 46,6km/h. Mein E-Tron ist ja bekanntermassen ein reines Langstreckenfahrzeug, d.h. er wird überwiegend auf Autobahnen und Landstrassen eingesetzt. Das der Temposchnitt trotzdem relativ gering ist liegt schlicht daran, das derzeit meine Strecken mal wieder heftigst mit Baustellen zugepflastert sind. Ich komme mit dem E-Tron und Tempomat auf 140 auf meiner Pendelstrecke derzeit nur auf 102km/h, mit dem XC90 und 135 waren noch bis zu 109km/h drin.

Auf dieser Fahrt hatte ich auch meinen bisher höchsten Verbrauch im Bordcomputer stehen. "Dank" 21" Rädern und tlw. Leichtem Regen zeigte der am Ziel 27,3kWh an, was bei einer Abfahrt mit 100% und 10% Ankunft am Ziel auf eine Reichweite von 283km herauslaufen würde. Auf der anderen Seite habe ich bei optimalen Bedingungen von 25° trockener Strasse und Tempomat auf 120 auch schon die 23,2 kWh auf dieser Strecke erreicht, die dann zu den 370km Reichweite laut technischen Daten führen würden. Die Strecke mit 130km/h lt. Tempomat gefahren führte zu einem Verbrauch von 24,8kWh. Bisher bin ich jedenfalls von den Horrorwerten des Björn Nyland noch weit entfernt. Ich bin mal gespannt, wie sich das ab nächster Woche entwickelt, denn dann lasse ich ihn auf die 19" Winterräder umrüsten.

 

Natürlich habe ich noch viel zu wenige Daten gesammelt um da wirklich valide Aussagen treffen zu können, aber Tendenzen lassen sich für mich da schon ableiten und das gilt dann auch für das zweite Thema beim E-Auto fahren: Dem Laden. Selbst mit den 370km Reichweite würde ich meine 384km Strecke nicht ohne nachladen schaffen, mal ganz davon abgesehen, das ich nicht mit 0% ankommen kann, da ich an meiner Dienstwohnung keine Lademöglichkeit habe.

Betrachten wir uns deshalb mal kurz die Gesamtzeiten inkl. Laden bei den bisher von mir gefahrenen Geschwindigkeiten. Wie gesagt, das Ganze ist noch mit etwas Vorsicht zu geniessen, da ich noch viel zu wenig Daten habe, aber derzeit sieht es so aus, das ich bei einer Steigerung der Geschwindigkeit von 120 auf 130 inkl. Laden etwa 12-13 min schneller werde, eine weitere Steigerung auf 140 nur etwa 5 min bringt. Teilweise hatte ich das ja in einem vorherigen Video bereits hergeleitet, ich verlinke Euch das am Besten nochmals. Auf der anderen Seite liegt das indirekt auch an der Ladedauer. Ich habe auf dieser Strecke eine "Stammladestelle" an einem Ionity-Lader auf einem Autobahnrasthof. Das ist insofern günstig, das die An- und Abfahrt inkl. Des Handshake des Autos mit der Säule in Summe nur etwa 1min beträgt. Nichtdestotrotz ist der prozentuale Anteil für diese 1 min natürlich höher wenn ich nur 5-6min nachladen im Vergleich zu 9-10min. Je nachdem wie weit der Lader entfernt ist wird sich das noch mehr auswirken können. Aktuell würde ich sagen, das der "Sweet-Spot" also die optimale Kombination aus Geschwindigkeit und Ladedauer auf meiner Strecke mit meinem E-Tron bei 130-140km/h liegt. Ich werde natürlich auch noch einen Versuch mit 150km/h fahren, könnte mir aber vorstellen, das es da schon kippt, also der Zeitgewinn auf der Autobahn durch die längere Ladedauer wieder "aufgefressen" wird.

 

Wie "schlimm" ist es denn nun eigentlich mit der Laderei, schließlich kann ich derzeit keine meiner Strecken ruhigen Gewissens durchfahren, muß also immer nachladen. Das müssen wir in zwei Teile zerlegen, wobei ich beim zweiten einen fatalen bzw. dummen Denkfehler hatte. Part 1 ist meine Pendelstrecke. Dort habe ich besagten Ionity ziemlich genau in der Mitte und nach etwa 2h lade ich kurz nach. Anfänglich war ich sicher so langsam wie möglich zu fahren, um möglichst kurz nachladen zu müssen. Das hat sich inzwischen stark relativiert denn ob ich 5-6min nachlade weil ich 120 fuhr, oder 9-10 bei 130 macht gefühlt keinen Unterschied, es ist im Gegenteil sogar so, das ich die kurze Ladezeit als nerviger empfinde, da sich de An- und Abfahrt dann ja quasi gar nicht gelohnt hat. Bei 140 reden wir dann schon über mehr als 1/4h Ladezeit und das erscheint mir wiederum als zu lang. Ich weiß das klingt jetzt komisch, aber die ersten 5min Verlängerung "merke" ich noch nicht wirklich, da ich die Pausen auch aktiv zum Beine vertreten nutze, nochmals 5min mehr ist mir aber eigentlich schon zu viel.

Auf meiner Stammstrecke ins Mecklenburger Werk sieht das leider etwas anders aus. Dort steht auch ziemlich in der Mitte ein Lader, aber der hat dummerweise nur 75kW Peakleistung nicht 150 wie die bei Ionity und das führt -simple Mathematik- zu einer Verdopplung der Ladezeit. Das war mir natürlich im Vorfeld schon irgendwie bewußt, wie stark sich das aber real auswirkt zeigte sich halt jetzt erst in der Realität. Das führte nun dazu, das ich bei den letzten Touren etwa 10km Umweg fahre und nicht in der Mitte sondern nach 280km bei einem Ionity lade. Dort muß ich dann -obschon nur noch 70km zum Ziel- auch relativ hoch nachladen, denn im Laufe des Entscheidungsprozesses hatte ich etwas aus den Augen verloren, was sich nun bitter rächt.

Ein Tesla Model X mit seinem 16,5kW Lader würde ich in den 5-6h, die ich üblicherweise dort bin locker auf 90-100% bringen können, den E-Tron mit seinem 22kW Lader sowieso. Tja, das der E-Tron derzeit ja noch gar keinen 22kW Lader verbaut hat und ich ihn nur auf 60-70% hochgeladen bekomme hatte ich irgendwo im Entscheidungsprozeß verdrängt oder vergessen, oder was auch immer. Definitiv mein Fehler nicht der des E-Tron, aber ich fürchte das wird mir -so wir einen richtigen Winter bekommen sollten- noch einige Graue Haare in Form von superlangen Ladezeiten bescheren. Und ja, besonders jetzt mit dem Supercharger in Wismar der der dritte auf dieser Strecke ist, wäre diese Route mit einem MX gewaltig entspannter, ohne jeden Zweifel.

 

Trotzdem seht ihr vermutlich, das meine Haare in den letzte 4 Wochen nicht grauer geworden sind, denn zum Glück bleib ich bisher von jeglichen Ausfällen der ach so schrecklichen deutschen Ladeinfrastruktur verschont. Der Lader in Dummerstorf hat ein kleines Thermoproblem, will heissen bei >20°C bricht er nach 10-12kWh die Ladung ab, läßt sich aber sofort wieder neu starten und ich hatte 2x an Ionities das Problem, das das Laden nicht starten wollte. Seit ich den Stecker festhalte, bis er lädt, also die grüne LED blinkt gab es kein Problem dieser Art mehr. Bisher hatte ich aber auch das Glück, das das Wetter immer mitspielte, ich mußte noch nicht einmal im strömenden Regen, oder gar Sturm laden. Von daher sehe ich zumindest Stand heute das Laden auch noch recht entspannt. Das war eigentlich meine Hauptsorge, das ich schon nach 1-2 Ladevorgängen so genervt wäre, das ich mir wieder einen PHEV holen würde.

 

So das soll es aber für heute gewesen sein, das Video wurde eh schon viel länger als geplant. Zu einzelnen Ausstattungen Funktionen und auch zum weiteren Verlauf des Verbrauchs kommen noch ganz viele Videos, daher auch immer dran denken den Kanal zu abonnieren.

 

Ja ich weiß, das der erste Teil des Videos sehr negativ war und ich bin mir auch im Klaren, das viele E-Tron Fahrer, die vorher einen anderen Audi fuhren manche dieser Probleme gar nicht shene werden, da sie ja nur die miese Software kennen, aber wir leben zum Glück (heute ist der 3. Oktober) in einem freien Land und ihr kennt nun meine aktuelle Meinung zu meinem Audi.

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08.10.2020 12:10    |    PIPD black

Vielen Dank für die Einblicke und den (langen) Text.:)


08.10.2020 13:05    |    Goify

Jetzt isses wieder zu viel Text. :D


08.10.2020 13:49    |    stelen

Kannst ja auch eine Stunde Video schaun :p


08.10.2020 15:56    |    PIPD black

Nein, alles OK.

Das war keine Kritik.

Wenn ich die üben wollen würde, dann an der Formatierung etc. Aber da es die Vorlage zum Video ist, ist es erklärt und akzeptabel.

 

Vielen Dank, dass du dich der Kritik angenommen hast.:)


08.10.2020 18:39    |    bronx.1965

Vielen Dank für den informativen Artikel und das interessante Video. Dezidiert, ungeschminkt und ehrlich geschrieben!


09.10.2020 11:22    |    stelen

@PIPD black

Ich hatte das auch nicht als Angriff verstanden, deswegen auch der Schmeilie. In dem Video stecken inkl. Script / Dreh / Schnitt etwa 20-30h da war mir die Überarbeitung des Textes zum Schluß einfach zu viel des Guten. Ich habe nur meine ganzen Schnittanweisungen rausgenommen.

 

@bronx.1965

Gern geschehen, ich versuche so objektiv wie möglich über meine Erfahrungen mit dem Auto zu berichten, ohne Dinge zu beschönigen oder überdramatisieren. Trotzdem bleibt das Ganze natürlich immer nur meine persönliche Sichtweise.


09.10.2020 13:58    |    der_Derk

Danke für sehr viel Text, war viel Informatives drin :).

 

Zitat:

Aprospos Vorsprung durch Technik: Die tollen Matrixscheinwerfer haben in Verbindung mit dem tollen Nachtsichtassitenten eine ganz tolle Funktion: Radelt ein Radfahrer ahnungslos vor einem auf der Strasse, dann wird er vom Nachtsichtassi (und das ist wirklich ziemlich Assi) markiert. Das bedeutet nichts anderes als das einzelne Leds genau auf den armen Radler ein Lichthupenkonzert veranstalten. Ich möchte lieber nicht darüber nachdenken, was die Leute über diesen Audi-Proll denken.

Muss kein Radfahrer sein, das zweifelhafte Vergnügen hatte ich letztens im Smart Roadster. Da konnte sich der hinterherfahrende Audi offensichlich auch nicht entscheiden, was er da genau vor sich hat - und hat rechts und links blinkend immer mal wieder die Außenkonturen meines Autos verfehlt oder getroffen. Man sieht im Dunkeln also vor sich den eigenen, eher dürftigen H7-Lichtkegel, links und rechts neben einem machen wandernde Audi-Flutlichter die Nacht zum Tag, und alle 50-100 Meter lasern sie dann auch mal voll in die Außenspiegel, und lassen mich im Blindflug. Fühlt sich wirklich an, als wenn der Hinterherfahrende abwechselnd links und rechts Lichthupe macht. Danke, lieber Fortschritt... ;)


10.10.2020 16:47    |    stelen

Das sind aber unterschiedliche Funktionen. Das was Du gesehen hast ist das die Matrix-LEDs versuchen den vorausfahrenden Verkehr "auszumaskieren".

 

Das ist quasi das Gegenteil davon den Radfaher / Fußgänger per Lichthupen "anzumalen"


11.10.2020 13:00    |    der_Derk

Aus Sicht des Audi-Fahrers funktional - sicherlich. Aus Sicht des Ge-, bzw. Betroffenen - eher nicht ;).


Deine Antwort auf "Der erste Monat mit dem Vielfahrer E-Tron"

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