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Schlawiner98

Berichte eines autoverrückten '98ers

24.11.2014 19:22    |    Schlawiner98    |    Kommentare (29)    |   Stichworte: Automobile Randerscheinungen

Tigra TwinTop- Top oder Flop?

Meine neue Reihe "Automobile Randerscheinungen" erzählt die Geschichte von Autos, denen kein Erfolg am Markt vergönnt war. Sie wurden missachtet oder verstoßen, teilweise gar mit Füßen getreten. Ich möchte darauf hinweise, dass die Menschheit dies größtenteils zu Unrecht tat. Denn auch automobile Nischenprodukte haben ihre Vorzüge und können Menschen durchaus begeistern.

 

Den Anfang dabei macht der Opel Tigra TwinTop.

 

Die Idee

 

Nachdem Mazda im Jahre 1989 mit dem MX-5 eine wahre Roadster-Euphorie ausgelöst hatte, die bis in die 2000er nicht abzureißen schien, wollte Opel auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Schließlich hatten Modelle wie Fiat Barchetta, Audi TT, Peugeot 206 CC und Mini vorgemacht, dass man auch mit Frontantriebskonzept ein ordentliches Cabrio auf die Beine stellen kann.

Besonders wichtig war es Opel, sein mittlerweile ziemlich biederes Image durch einen kleinen Sportler auszubessern und auch deutlich jüngere Kunden, besonders junge Frauen, mit dem Auto anzusprechen. Dabei sollte auch eine gewisse Variabilität gewährleistet werden. Eine allgemein ziemlich knifflige Aufgabe, die sich Opel da gestellt hatte.

 

 

Die Produktion

 

Als sich die Obrigkeiten nun über alle Formalitäten einig war, begann im Juni 2004 die Produktion beim französischen Karosseriespezialisten Heuliez, der in den 20er Jahren mit der Herstellung von Pferdefuhrwerken beschäftigt war. Im Jahre 1925 wurde dort das erste Automobil, der Peugeot Typ 177B, produziert. Auch andere französische Autos wie Peugeot 604 oder Citroen BX gingen auf das Konto von Heuliez. Der Tigra TwinTop war das erste ausländische Produkt, welches dort entstand. Neben PKW's hat sich das Unternehmen auch auf Omnibusse spezialisiert.

Angedacht waren rund 50.000 Einheiten pro Jahr des kleinen Opel. Doch diese Erwartungen konnten nicht erfüllt werden.

 

 

Karosserie und Technik

 

Technisch basiert der Tigra TwinTop auf GM's Gamma-Plattform, wie auch der Corsa C. Das bedeutet einen Radstand von 2,49 Metern und eine Gesamtlänge von 3,92 Metern. Dabei ist der Tigra mit 1362 Millimetern angenehm flach, gute 8 Zentimeter weniger als der Corsa C. Im Gegensatz zur Basis bietet er aber nur 2 Sitzplätze- Ein richtiger Roadster eben. Das Fahrwerk ist gutmütig und komfortabel abgestimmt, die Lenkung spricht angenehm direkt an. Trotz des teilweise etwas unruhigen Vorderwagens kann man von einer insgesamt gelungenen Fahrwerksabstimmung sprechen. Einzig die etwas hakeligen Schaltgetriebe können die gute Stimmung im Tigra vermiesen. Zum Start bot Opel zwei Benzinmotoren an: Der 1.4er mit 90 PS reicht zum fröhlichen Dahingleiten vollkommen aus. Er beschleunigt den Tigra auf bis zu 180 km/h. Der Verbrauch hält sich dabei mit rund 6,5 Litern im Rahmen. Wer es schneller mag, greift zum 1,8-Liter-Aggregat mit 125 PS. Er genehmigt sich etwa einen Liter mehr und schiebt den Opel in knapp über 9 Sekunden auf 100, maximal rennt er 204 Kilometer pro Stunde. Später schob Opel den kleinen Diesel mit 1,3 Litern Hubraum und nur 70 PS nach. Diese Maschine passt nicht zum sportlichen Grundton im kurzen Opel und wurde deshalb extrem selten bestellt.

 

Verdeck und Kofferraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem Peugeot 206 CC und Mercedes-Benz SLK sich durchaus großer Beliebtheit erfreuten, beschloss Opel, seinen kleinsten ebenfalls mit einem Stahlklappdach auszustatten. Allerdings sollte die Konstruktion eine gänzlich andere sein: Statt unter dem Heckdeckel über die gesamte Länge des Kofferraumes wie bei den Konkurrenten, klappt das Dach senkrecht hinter die Sitze. Damit bleiben 250 der ansonsten verfügbaren 440 Liter des Kofferraumes erhalten, was in dieser Klasse quasi ein Alleinstellungsmerkmal ist.

Zudem befindet sich hinter den Sitzen ein 53 Liter großes Staufach. Mit speziell für den Tigra TwinTop hergestellten Koffern kann jeder Zentimeter genutzt werden. Der Heckdeckel öffnet auf Knopfdruck elektrisch.

18 Sekunden dauert die Metamorphose vom Coupe zum Cabrio und anders herum. Doch bevor das Dach elektrisch nach hinten fahren kann, muss es an den A-Säulen entriegelt werden.

 

 

 

 

 

 

Das Design

 

Außen lässt der Tigra seine Basis in keinster Weise auch nur ansatzweise erahnen. Er ist komplett eigenständig gestaltet. Die Front erinnert jedoch recht stark an den Opel Astra H, ist aber deutlich schmaler. Auffällig sind die sogenannten "Bügelfalten", die Motor- und Kofferhaube in zwei Hälften teilen. Die Silhouette ist besonders bei geöffnetem Dach sehr stimmig. Geschlossen fallen das lange Heck und die kurze Kuppel auf. Ersteres versuchte Opel mit übergroßen Heckleuchten zu kaschieren. Der hintere Überhang ist sehr kurz gehalten.

 

 

 

 

 

Das Cockpit zeigt die Verwandschaft zum Corsa C ganz deutlich. Bis auf die bumerangförmigen Bügel an der Mittelkonsole, die Pedalerie im Edelstahldesign und die serienmäßigen Sportsitze sind keine Unterschiede erkennbar. Oft wurde der Tigra mit Lederlenkrad und Multifunktion geordert. Besonders markant ist der wellenförmige Überrollbügel. Ansonsten ist wirklich alles aus dem Corsa bekannt, was wirklich sehr schade ist. Hier hätte ich mir mehr Eigenständigkeit gewünscht. Ein sportlicher Roadster muss sich doch auch im Innenraum von seiner Kleinwagenbasis abheben!

 

 

 

 

 

Ausstattung

 

Serienmäßig wurde jeder Tigra mit dem Schleuderschutz ESP und vier Airbags ausgerüstet. Die Aufpreisliste ist lang. Häufig gewähltes Extra war die Klimaanlage für ~1.100 Euro. Auch Ledersitze wurden gern geordert.

 

Mängel

 

Der Tigra schneidet beim TÜV besser ab als der Durchschnitt an Gleichaltrigen. Rost ist dem vollverzinkten Opel gänzlich fremd. Bekannt ist aber, dass das Stahldach im Bereich der A-Säulen gern mal undicht ist. Ein Abstecher in die Wachanlage während der Probefahrt ist also Pflicht! Hin und wieder kommt es vor, dass der elektrische Kofferraumöffner seinen Dienst quittiert. Relativ häufig treten allerdings Defekte am Fahrwerk auf. Achten sollte man auf Spurstangen, Federn, Dämpfer sowie Antriebswellen. Auch die Beleuchtung fällt gern mal aus. Bremsen und Auspuff verursachen dagegen selten Probleme.

 

Der Markt

 

Der durchschnittliche Tigra kostet heute rund 5.500 Euro. Dabei reichen die Preise von 2.500 Euro bis knapp ins fünfstellige. Scheckheftgepflegte Ersthandwagen gibt es für rund 5.000 Euro. Tipp: Auf die Volllederausstattung achten, denn die ist sehr strapazierfähig, besonders bei offenen Fahrten.

 

Fazit: Der Tigra TwinTop ist ein gut durchdachtes Auto mit allerlei Raffinessen. Leider zeigt er im Innenraum seine enge Verwandschaft zum Corsa C zu deutlich. Dafür ist er in der Regel sehr zuverlässig und mittlerweile günstig. Für entspannte Cruiser reicht der kleine Benziner. Finger weg von der anfälligen Easytronic!

Ich persönlich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich mir irgendwann einen Tigra als Zweit- oder Drittwagen für schöne Sommertage holen werde.

 

Gruß Schlawiner

 

Bildquelle: netcarshow.com, wikipedia.de und autobild.de

Hat Dir der Artikel gefallen? 5 von 6 fanden den Artikel lesenswert.

24.11.2014 21:19    |    Christian8P

Ich finde die erste Tigra-Generation ansprechender. Damals war man bei GM auch noch erheblich mutiger und brachte die Studie, die man auf der IAA 1993 bewundern konnte, weitestgehend in die Serie, auch wenn es am Ende ein Coupé wurde. Der Tigra TwinTop mag seine Reize haben, mir ist er optisch allerdings zu "hausbacken".

Was den Innenraum angeht: Gleichteile ermöglichen akzeptable Preise.;)


24.11.2014 23:01    |    Za4aCosmo

"Besonders wichtig war es Opel, sein mittlerweile ziemlich biederes Image durch einen kleinen Sportler auszubessern und auch deutlich jüngere Kunden, besonders junge Frauen, mit dem Auto anzusprechen."

 

Also ich fand den immer toll - aber meine damals durchaus "junge Frau" konnte dem Wagen leider nie etwas abgewinnen...

 

Hätte Opel die mal vorher gefragt! :-)))


25.11.2014 10:37    |    Dortmunder 65

Ich fand ihn als Zweitwagen gelungen. Nur hat es sich nie ergeben einen zu kaufen.:)


25.11.2014 10:40    |    Schlawiner98

Dorti, jetzt ist die Gelegenheit dazu. Die kalte Jahreszeit beginnt und die Preise für offene Autos purzeln ;)


25.11.2014 10:47    |    Dortmunder 65

Meine Frau möchte einen höheren Einstieg wegen des Rückens und ein wenig mehr Platz. :rolleyes:


25.11.2014 10:54    |    Schlawiner98

G-Klasse Cabrio?


25.11.2014 10:59    |    Dortmunder 65

Ne, kein Benz. Sie verabscheut den Stern. :D


25.11.2014 11:03    |    Schlawiner98

Den Suzuki Jimny gibt's auch Oben ohne :cool:


25.11.2014 11:06    |    Dortmunder 65

Zum Glück trennt sie sich nicht gern von Etwas, somit bleibt der Vectra B solang es geht. :rolleyes:


25.11.2014 12:17    |    andis hp

Hallo,

 

schön geschriebener Artikel. Mit allen Infos, die man wissen sollte. Nur Bauzeit und gebaute Menge fehlen mir.

Leider fuhr der Tigra TT in unserem Autofahrerleben komplett vorbei. Damals war er irgendwie nicht präsent, und heute will man (oder besser Frau) sowas nicht mehr.

Meine Frau steht jetzt auf den sg. kleinen SUV wie Captur, Peugeot 2008, Mokka oder der neue Fiat 500X.

Und ich selbst konnte dem "Kleinen" nie was abgewinnen. Zu dieser Zeit fuhr ich diverse Fiat´s, zumeist den Stilo Kombi. War also auch nicht in unserem Profil. Zu der Zeit hatten wir bei uns keine "Spaßautos".

 

Mfg

Andi


25.11.2014 13:12    |    VincentVEGA_

Der Tigra hat mir auch gefallen und war durchaus in der engeren Auswahl. Aber als Student ein Cabrio fahren? Das kann man machen, wenn man von Beruf Sohn ist.

 

Der Tigra ist für mich der bessere 206 CC. Die erste Generation finde ich allerdings optisch viel besser. Den könnte ich mir als Youngtimer und Zweitwagen für die wenig fahrende Dame sehr gut vorstellen.


25.11.2014 13:19    |    Schlawiner98

Andi, der Tigra wurde zwischen Juni 2004 und Mai 2009 produziert. Zu den Stückzahlen habe ich leider keine zuverlässige Quelle gefunden. Ich weiß nur, dass die Produktion weit hinter den erwarteten 50.000 jährlich zurückblieb.


25.11.2014 15:25    |    VolkerIZ

Schon Raymond Loewy, der Schöpfer der Colaflasche und mehrerer sonstiger Design-Ikonen, pflegte zu sagen: Häßlichkeit verkauft sich schlecht. Was hier mal wieder bewiesen ist.


25.11.2014 19:47    |    xHeftix

Also für eine Randerscheinung sieht man ihn doch relativ häufig....


25.11.2014 20:11    |    Schlawiner98

Zitat:

Also für eine Randerscheinung sieht man ihn doch relativ häufig....

Bei uns so gut wie gar nicht ;)


25.11.2014 20:13    |    xHeftix

Okay. Und deshalb kann man das auch verallgemeinern.

 

Hier sieht man auch wenig 911er, heißt aber nicht, dass es kaum welche gibt :D


26.11.2014 09:43    |    bronx.1965

Recht gelungener Artikel zum Tigra TT.

 

Anbei noch eine "Ideen-Skizze" aus der späteren Zeit der Planungsphase. (Quelle: Auto Portal)

Nach dem doch recht beachtlichen Erfolg des Tigra A war die Entstehungsgeschichte des TT eine recht schwere Geburt gewesen. An sich sehr schade, dass das Modell sich nie richtig durchsetzen konnte.

Nicht einmal der für ein Cabrio recht grosse Kofferraum (Quelle:AB) beeindruckte eine nennenswerte Anzahl von Käufern. Alles in allem, ein unterschätztes Modell.

Zum hohen Gleichteile-Anteil des Innenraumes hat Christian8P ja bereits alles gesagt! Genau so verhält es sich auch.

 

Anbei noch die Studie G 100 (Quelle: Speedheads.de/forum) aus dem Jahre 1999. Aus dieser Studie ging das variable Dachkonzept hervor.


27.11.2014 01:41    |    HalbesHaehnchen

Schöner Artikel :)

So selten der Tigra ist, bei mir in der Familie gab es bereits 2. Mein einer Onkel mütterlicherseits hatte einen schwarzen Tigra der ersten Generation und einer meiner Onkel väterlicherseits einen silbernen der 2. Generation um den es hier ja geht.

Ich muss sagen, dass ich die erste Generation um Welten ansprechender fand als die 2.

Der hat mir echt sehr gut gefallen. Die 2. Generation sieht irgendwie zusammengequetscht und komisch aus. Vor allem das Heck. Gefällt mir weniger.

Eine Randerscheinung ist er aber auf jeden Fall, zumindest hier auf der schwäbischen Alb. Ich wüsste nicht, dass ich je einen der zweiten Generation gesehen hätte außer dem meines Onkels.

 

MfG


27.11.2014 08:39    |    bronx.1965

Einen Tigra A besitzen wir auch noch. Hier im Ort gibt es interessanterweise noch 2 Stück davon, sowie einen TT. ;)


Bilder

27.11.2014 21:51    |    Schlawiner98

Ich habe heute in Berlin auch einen TT gesehen ;)


27.11.2014 22:08    |    VincentVEGA_

In Berlin gibt es recht viele, die meisten sind silber/grau.


28.11.2014 16:28    |    Schlawiner98

Hier der Tigra von gestern:


Bild

08.12.2014 16:59    |    Schlawiner98

So, ich habe jetzt eine Rückmeldung von Opel erhalten: Es wurden insgesamt 90.883 Tigra TwinTop produziert. Damit wäre auch diese Frage geklärt :p


22.12.2014 13:55    |    Trackback

Kommentiert auf: Allgemeine Kaufberatung:

 

VW Beetle oder Fiat 500 Niedlichkeitsfaktor wichtig

 

[...] ein sehr sportliches Aggregat, mit dem man viel Freude haben kann. Weitere Informationen finden sich in meinem Blogartikel.

[...]

 

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23.12.2014 09:41    |    Trackback

Kommentiert auf: Allgemeine Kaufberatung:

 

VW Beetle oder Fiat 500 Niedlichkeitsfaktor wichtig

 

[...] zuverlässig. Zudem ist der 1.8er Benziner ein sehr sportliches Aggregat, mit dem man viel Freude haben kann. Weitere Informationen finden sich in meinem Blogartikel.

Wir nähren uns einem Niedlichkeitsfaktor von 0. :D Nee, optisch [...]

 

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