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Schlawiner98

Berichte eines autoverrückten '98ers

04.12.2014 11:14    |    Schlawiner98    |    Kommentare (24)    |   Stichworte: Automobile Randerscheinungen

Mercedes-Benz Vaneo: Top oder Flop?

Meine Reihe "Automobile Randerscheinungen" erzählt die Geschichte von Autos, denen kein Erfolg am Markt vergönnt war. Sie wurden missachtet oder verstoßen, teilweise gar mit Füßen getreten. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Menschheit dies größtenteils zu Unrecht tat. Denn auch automobile Nischenprodukte haben ihre Vorzüge und können Menschen durchaus begeistern.

 

Geschichte

 

Die Franzosen, Italiener und auch die deutsche Konkurrenz war mit ihren Kastenwagen bereits erfolgreich im Geschäft, als Mercedes im September 2001 mit der Produktion des Vaneo begann. Er sollte der Einstieg für Familien in die Marke mit Stern werden. Als Handwerkerauto sah man den kleinen Hochdachkombi dabei nie. Kastenwagen, sogenannte "Hundefänger", sollten aber nicht die einzigen Konkurrenten sein. Auch Autos wie dem VW Touran wollte man Kunden streitig machen. Dabei setzten die Schwaben voll auf das Nobel-Image des Sterns.

Nach nur 55.000 Einheiten war im Juli 2005 Schluss im Werk Ludwigsfelde.

 

Die Technik

 

Um Geld bei der Entwicklung zu sparen, wurde der Vaneo auf Basis der A-Klasse entwickelt. Dabei wurden die Abmessungen jedoch stark verändert: 20 Zentimeter höher und 41 länger als die Langversion der A-Klasse war der Vaneo nun. Auch bei der Motorenpalette war Gleichheit angesagt. Statt des 1,4-Liter-Aggregats aus der schwächsten A-Klasse wurde hier als Basismotorisierung der auf 82 PS gedrosselte 1.6er aus der Automatikversion des A140 verbaut, allerdings nur in Verbindung mit dem 5-Gang Schaltgetriebe. Die Fünfstufenautomatik gab es optional in Verbindung mit dem selben Motor, allerdings in der höheren Ausbaustufe mit 102 PS, dem 125 PS starken 1,9-Liter-Benziner und dem großen Diesel mit 1689 cm³ Hubraum und 91 PS. Diesen Motor wiederum gab es auch mit 75 PS, aber stets handgerührt. Die beiden schwächeren Maschinen sind nicht empfehlenswert, da sie unheimlich träge sind, ohne dabei an Treibstoff zu sparen. Adäquat kommt man nur mit dem großen Benziner voran, der mit etwa 8,5 Litern Super noch eine erträgliche Menge verkonsumiert.

 

Design

 

Den Vaneo kann man gut mit einem viel zu prall aufgeblasenen Luftballon vergleichen. Jegliche Konturen, die man bei der A-Klasse zumindest noch erahnen konnte, wurden aus dem kleinen Kasten gebügelt. Die Front mit den viel zu großen Glubschaugen schreckte Kunden wohl genauso ab wie die donnerkeilförmige Seitenansicht. Mit optionalen Alufelgen und hellen Lacken konnte der stilistische Griff ins Klo zwar etwas reduziert werden. Ein Schönheitspreis ist aber wohl eher nicht drin. Das hohe, steile Heck mag der Rundumsicht gut tun, schadet aber der Ästhetik. Wobei man nicht vergessen darf, dass es sich hier eher um konzeptionell bedingte Schwierigkeiten handelt. Denn auch die Konkurrenz schaut kaum besser aus der Wäsche.

 

Der Innenraum ist für mein Befinden besser gelungen. Hier stört es eher weniger, dass der Basis A-Klasse ein paar Rundungen gestrichen und durch gerade Formen ersetzt wurden. Die Frontscheibe ist weit von Fahrer und Beifahrer entfernt und bringt so ein lichtdurchflutetes Cockpit zum Vorschein. Wo heute ein großes Navi sitzen würde, steckte damals die visuelle Anzeige der Einparkhilfe. Das war im Vaneo weit unten platziert und wurde selten bestellt, da Mercedes typischerweise heftige Aufpreise verlangte.

 

 

 

 

 

Variabilität

 

Auf nur 4,19 Metern bringt der Vaneo allerhand unter. Bis zu 3.500 Liter beträgt das Ladevolumen, sofern die Fondsitze ausgebaut sind. Damit schluckt er mehr als jeder andere Vertreter dieser Klasse zu jenen Jahrgängen. Wird die Beifahrersitzlehne umgelegt, kann Sperrgut mit einer Länge von bis zu 3 Metern transportiert werden. Ideal für Surfbretter und Billy-Regale also. Auf dem ausziehbaren Ladeboden (Achtung, Sonderausstattung) lassen sich die Transportösen variabel versetzen und ermöglichen so die optimale Gepäcksicherung. Gern bestellt wurde das "Family-Paket" mit integrierten Kindersitzen in der Rückbank, Klapptischen an den Sitzlehnen und elektrische Ausstellfenster. Serienmäßig waren große Schiebetüren und jede Menge praktischer Ablageflächen. Ein nettes Gimmick ist der zweite Innenspiegel, mit dem man die lieben Kleinen oder die Schwiegermutter auf der Rückbank immer im Blick hat.

 

Fahrverhalten

 

Ein Familienheld wie der Vaneo wird selten sportiven Ansprüchen gerecht. Man merkt ihm den hohen Schwerpunkt schon sehr deutlich an. Ebenso störend ist die ungenaue Lenkung. Wer jetzt meint, der Vaneo wäre wenigstens komfortabel abgestimmt, irrt sich. Dafür neigt er auf unebener Straße zu sehr zum Schaukeln. Außerdem ist die Verarbeitung mies, im Innenraum klappert und knistert's immer ein wenig. Dafür ist der Schleuderschutz ESP stets serienmäßig an Bord.

 

Schwachstellen

 

Typisch für Mercedes-Benz dieser Baujahre ist Rost. Ob an den Türen, Schwellern, Kotflügeln oder der Heckklappe... Überall lauert die braune Pest. Brechende Sitzgestelle sind aktenkundig. Bei Benzinern geben die Kettenspanner gern nach. Wie bei der A-Klasse ist auch das Automatikgetriebe defektanfällig. Ansonsten sollte man auf Verarbeitungsmängel wie ausgehakte Lüftungsgitter achten.

 

Der Markt

 

Die Preise beginnen bei knapp über 1.000 Euro für wirklich schlechte Modelle. Für 3.000 bis 4.000 Euro kann man schon gute Exemplare finden. Basismotoren und Nullausstatter sind dabei nicht zu empfehlen, da sie oft von den vorherigen Besitzern missbraucht wurden. Ein Modell mit gestempeltem Scheckheft aus erster oder zweiter Hand mit wenig Rost ist interessant.

 

Fazit: Der Mercedes-Benz Vaneo (W414) ist ein sehr seltenes Auto mit hoher Variabilität. Sein größtes Problem war der zu hohe Preis in Verbindung mit dem nicht-geboten. Als Gebrauchtwagen ist er für Familien und Radfahrer eine durchaus interessante Alternative.

 

Gruß Schlawiner

 

Bildquellen: autobild.de und wikipedia.de

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04.12.2014 11:30    |    Diesel73

Schöner Artikel.

Über das Auto hört man echt wenig. Er soll recht zuverlässig sein, als Gebrauchter relativ günstig. Nur vom Äußeren her finde ich ihn echt nicht schön :D.


04.12.2014 11:35    |    Schlawiner98

Da hast du Recht. Ich habe das Auto zum ersten Mal bewusst im Spielfilm von "Bibi Blocksberg" wahrgenommen :D


04.12.2014 11:38    |    Diesel73

Na, DEN hab ich nu nicht gesehen :D.

Ich kenn den Vaneo schon seit er rauskam. Er fiel damals echt durch seine Häßlichkeit auf. Mittlerweile gibt es ja auch bei anderen Marken zig Modelle in dem Stil, die auch nicht jedem gefallen.


04.12.2014 11:59    |    British_Engineering

Meine Cousine hat den Vaneo einige Jahre als Familienkutsche gefahren. Ihr Mann schwört auf Mercedes und da ein nicht zu kostspieliger Familien-Transporter her musste, wurde der Vaneo gefahren. Er lief relativ problemlos, rostete aber schon nach wenigen Jahren stark und wurde alsbald durch einen C-Klasse Kombi ersetzt.

 

Ein anderes mir bekanntes Exemplar wird einfach nur noch zu Ende gefahren. Es gehört einer jüngeren Frau bei uns in der Stadt und sieht sehr verbraucht aus. Hier scheinen schlechte Qualität ab Werk, mangelnde Pflege und Wartungsstau zusammen zu kommen. Ich bin gerade vor ein paar Tagen hinter diesem Vaneo her gefahren und dachte nur "was für eine automobile Ruine".


04.12.2014 12:28    |    VincentVEGA_

Ich erinnere mich noch gut an den Vaneo, der Vorgänger der B-Klasse war eben weder schön, noch preiswert.

Ich habe damals von der Markteinführung noch so ein Wackelbild, wo man den Vaneo einmal leer und dann einmal voll beladen sehen kann. In der Tat ging da eine Menge rein.


04.12.2014 13:37    |    Turboschlumpf6

Zitat:

Basismotoren und Nullausstatter sind dabei nicht zu empfehlen, da sie oft von den vorherigen Besitzern missbraucht wurden.

Quatsch!

 

Ansonsten hasse ich dieses Gefährt: sieht schlimm aus, rostet,... Da kommt nur Negatives zusammen.


04.12.2014 13:40    |    FeacliftA5

Das ist das Fiat multiple von mercedes Benz

:D


04.12.2014 14:47    |    Christian8P

Der Vaneo hat ein ernstes Rostproblem, die Verarbeitungsqualität ist nicht auch nicht überragend und besonders hübsch ist er auch nicht.

Zum Glück ist er relativ schnell in der Versenkung verschwunden. Mal gucken, wie sich sein legitimer Nachfolger, der Citan, im Alter schlagen wird.

 

Edit.:

@Schlawiner: Diese Reihe gefällt mir übrigens sehr gut!:)


04.12.2014 15:29    |    VincentVEGA_

In gepflegtem Zustand mit voller Hütte und Automatik wäre der für mich ganz interessant.

Frauchen kann dann damit Kinder abholen, den Hund herumkutschieren und einkaufen und Monsieur pendelt mit dem Kleinwagen zur Arbeit :D


04.12.2014 15:38    |    Schlawiner98

@VincentVEGA_ Wie wäre es dann mit diesem Exemplar?

 

http://suchen.mobile.de/.../202630567.html?...


04.12.2014 18:32    |    Abkueko

War ja ein netter Wagen... aber für MB völlig verplant. Teuer... aber dann eben doch nicht Mercedesniveau. Dazu die damals sowieso typischen Qualitätsprobleme. Wird schwer Gründe für den Wagen zu finden,


04.12.2014 19:41    |    Schlawiner98

Zitat:

@Schlawiner: Diese Reihe gefällt mir übrigens sehr gut!:)

Danke ;)


05.12.2014 00:23    |    HenryFromWob

Ich hatte auch bereits das "Vergnügen", in einem Vaneo mitzufahren. Der Antriebsstrang bestand aus dem 1,6l-Benziner mit Wandler. An Trägheit ist dieses Auto wirklich nicht zu überbieten und es wirkt entschleunigend auf Fahrer und Beifahrer. Positiv sind mir das Raumangebot und die Klimatisierung (selbst im kältesten Winter wird es schnell warm) aufgefallen, doch auch das Fahrzeug aus meinen Erfahrungen war nicht sehr zuverlässig und gewinnt zudem keinen Schönheitspreis. :)


05.12.2014 12:13    |    HerrLehmann

Zitat:

Ansonsten hasse ich dieses Gefährt: sieht schlimm aus, rostet,... Da kommt nur Negatives zusammen.

Sehe ich genauso.

Das Ding kann nix was die Wettbewerber zu dieser Zeit nicht auch konnten.

Die Mängel sind die gleichen wie in der A-Klasse (Federn, Fahrwerksbuchsen, Rost)

Dafür war und ist das Ding viel zu teuer.

 

Und MB setzt ja die Tradition fort in dem Segment...:)


05.12.2014 15:09    |    MarioE200

Hallo Mark,

ich habe mich mal gerade hier als Leser eingetragen.

Dein Blog ist toll.

 

Zum Vaneo -

Leider sind diese Art von Fahrzeugen nur gut gemeint und nicht gut gemacht.

Ebenso das Beispiel Ford Tourneo oder VW Caddy. Es wird nur versucht, irgendwie auf einfachster Art an Platz und Schiebetür zur kommen. Richtig gut waren solche Hundefänger - Fernsehmonteur - und Baustellen-Aufsichtsfahrzeug nie.

Das übelste Dingen ist für mich der Nissan Serena - nicht nur, weil er nach Damenbinde klingt, sondern weil der wirklich nichts besonderes kann.

 

Gruß

Mario


05.12.2014 15:12    |    Schlawiner98

Hallo Mario. Schön, dass dir mein Blog gefällt :D Dass der Vaneo nicht gut gemacht war, zeigte ja auch sein recht frühes Aus nach nur 55.000 produzierten Exemplaren.


05.12.2014 15:14    |    racer4679

Der Vaneo lief mal als Firmenwagen in einem Ex-Betrieb von mir. Wenn der Stern nicht im Grill gewesen wäre, hätte man nie für wahrgenommen, dass es ein MB ist - leider zuviele Probleme und ordentlich Rost.


05.12.2014 16:01    |    VincentVEGA_

Den Serena kenne ich auch noch, bin selbst mal mitgefahren.

 

Der von dir verlinkte Vaneo gefiele mir tatsächlich. :)


06.12.2014 11:45    |    OnkelPunkrock

Ich hatte den Vaneo mit dem 91PS Diesel und Automatik von 03 bis 07 als Firmenwagen. Und ich hab ihn geliebt. Platz ohne Ende und bis zum Schluß nahezu problemlos. Nur einmal hatte ich nen leichten Wassereinbruch am Dach beim Kofferraum. Mein Händler hat ohne mit der Wimper zu zucken die Dichtung gewechselt. Völlig kostenfrei.

 

Einziger Minuspunkt war der etwas laute Diesel. Aber damit konnte ich gut auskommen.

 

Ich kann mir auch gut vorstellen mir nen gebrauchten W414 anzuschaffen wenn mein derzeitiges Auto aufgibt (oder alt genug für ein H-Kennzeichen ist).


07.12.2014 06:09    |    super-burschi

Ich kann die Kritik am Vaneo nicht nachvollziehen. Man sitzt bequem und etwas erhöht und hat eine tolle Rundumsicht. Unschlagbar ist die Kiste beim Einparken. Durch die beiden Außenspiegel sieht man genau wo das Auto "aufhört" und ich kann ihn zentimetergenau einparken. Auch ohne Einparkhilfe. Das findet man heutzutage nur noch ganz selten.

Ein Kastenwagen war noch nie ein Rennwagen. Dazu isser auch nicht gedacht. In Verbindung mit der Automatik fährt man mit der Kiste gaaaaanz entspannt.

Auf nem IKEA Parkplatz bekommt so manch einer gaaaanz große Augen wenn er sieht, was man in dem Auto alles unterbringen kann.

Wir haben mit dem Wagen noch nie Probleme gehabt. Er ist sehr zuverlässig.


07.12.2014 10:49    |    Turboschlumpf6

Am zuverlässigsten kommt der Rost. ;)


07.12.2014 20:38    |    adriankh

Ich fahre den Vaneo 1.9 Baujahr 02/2005 und bin voll zufrieden. Gekauft bei 90.000 km 09/2008 und habe jetzt ca. 150.000 km. Große Reparatur bis jetzt der Anlasser, Batterie ansonsten nur Wartung und Verschleiß. Habe  die Vorrüstung 3. Sitzreihe nachgerüstet und einen Sitz gefunden. Habe im Sommer 2013 und Sommer 2014 mit dem Vaneo ca. 15.000 km gefahren und er war wirklich zuverlässig. Wie auch alle Fahrzeuge hat er Vor und Nachteile.

 

Ich bin von dem Fahrzeug völlig über zeugt.


08.12.2014 20:50    |    OnkelPunkrock

07.12.2014 10:49 | XG30_2000

 

Am zuverlässigsten kommt der Rost. ;)

 

 

DAS STIMMT ALLERDINGS..

 

Der Vaneo hat eindeutig ein "kleines" Rostproblem. Besonders die Türunterkanten, Scheibenwischer an der Heckklappe (der blüht besonders gern) und soweit ich weiß gammelt die Aufnahme der Hinterachse gerne mal ein wenig.

 

Aber wenn man da ein Auge drauf hat (oder ne MB-Werkstatt die ihre Arbeit ordentlich macht) sollte das auch kein wirkliches Problem sein.


21.02.2015 22:08    |    Trackback

Kommentiert auf: Low-Budget-Upgrade des Fiesta MK7:

 

VM #11: Fiat Multipla

 

[...] kritisieren könnte. Lediglich als beliebig oder langweilig könnte man den Multipla als 2004 abstempeln, ein Vaneo ist aber auch nicht schöner.

Inspiriert war die Überarbeitung vom 2003 eingeführten Fiat Idea, der kleine [...]

 

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