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Rückfahrkamera in Golf Plus einbauen

Rückfahrkamera im Griff der Heckklappe, Monitor auf dem Armaturenbrett, Verbindung durch Wellschlauch über das Dach, Spannungsversorgung vom Rückfahrscheinwerfer über Filter, Selbstkosten 75 Euro

05.07.2017 23:10    |    ludolf2c    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: 6 Plus (1KP), Golf, VW

Ergebnis im Überblick

 

In meinen Golf Plus, Baujahr 2013, habe ich eine Rückfahrkamera mit Monitor eingebaut. Mit Einlegen des Rückwärtsgangs werden Kamera und Monitor eingeschaltet und das Kamerabild auf dem Monitor angezeigt. Bild 1 zeigt die Position der in den Griff der Heckklappe integrierten Rückfahrkamera (s. Pfeil). Bild 2 zeigt den neuen Griff mit der integrierten Kamera. In Bild 3 sieht man den 4,3 Zoll Monitor, den ich auf die linke Ecke des Armaturenbretts geklebt habe. Natürlich kann man auch eine andere Position wählen oder den Monitor weglassen, wenn man ein Navigationsgerät mit freiem Videoeingang installiert hat. Die von der Kamera aufgenommene Rückansicht zeigt Bild 4. Die beiden langen Striche auf dem Papierstreifen markieren den Abstand von 10 bzw. 20cm von der Hinterkante der Stoßstange, die im Bild nahezu vollständig noch zu sehen ist. Der Stuhl steht gut 20cm hinter dem Auto. An der Größe der Betonplatten in der Einfahrt (50 x 50cm) lässt sich die Größe des durch die Kamera überwachten Bereichs abschätzen (ca. 20m nach hinten). Ergänzt habe ich nachträglich mit Bild 5 noch einen Installationsplan, der fast schon für sich als Einbauanleitung reicht. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte."

 

 

Spannungsversorgung

 

Für die Spannungsversorgung mit 12V wurde die Leitung zum Rückfahrscheinwerfer (Heckklappe rechts, weiss = +12V, braun = 0V oder Masse/GND) angezapft (abisoliert, gelötet, isoliert). Die Kamera benötigt 90mA, der Monitor 160mA (gemessene Werte). Das entspricht zusammen einem Leistungsbedarf von 3 Watt. In Relation zu den 21 Watt des Rückfahrscheinwerfers ist das so wenig, dass die Überwachungselektronik des Fahrzeugs dies nicht als Fehler registriert. Da die Spannungsversorgung des eingeschalteten Rückfahrscheinwerfers nicht konstant ist, sondern insbesondere beim Motorbetrieb auch geschaltet wird, müssen Kamera und Monitor über ein Filter (elektronischer Baustein) versorgt werden, das die Spannungsschwankungen ausgleicht.

 

 

Verbindung Kamera - Monitor

 

Kamera und Monitor sind über ein 3mm dickes Kabel verbunden, das sowohl das Videosignal als auch die Versorgungsspannung von 12V überträgt. Das Kabel gehört zur Kamera.

 

 

Materialbedarf, Quellen, Preise

 

- Kamera im Griff integriert mit 6m langem Kabel, amazon, 29,99 Euro inkl. Versand

- Monitor,12V, 4.3 Zoll, amazon/eBay, 15 - 25 Euro,

- Wave Filter 120919 für 12V Rückfahrkamera, eBay, 9,99 Euro inkl. Versand

 

 

Klippverbindungen lösen allgemein

 

Die Zeit der Schrauben ist leider vorbei. Das gilt vor allem für die Innenverkleidung des Golf. Die meisten Teile sind geklippst. Das erschwert den Ausbau, insbesondere wenn man nicht weiß, wo die Klipps sitzen. Man sieht sie ja nicht. Zum Aushebeln der Klipps verwende ich, soweit möglich, einen Kunststoffkeil (z.B. BGS Zierleistenkeil 185 x 25mm, 3032, 8,27 Euro inkl. Versand von amazon) oder einen Abdrückhebel (BGS Türverkleidungs-Lösewerkzeug, 240mm, 393, 7,58 Euro inkl. Versand von amazon) . Bei schwer erreichbaren Klipps muss man mit Latten/Stangen und Hebelwirkung improvisieren, wenn man kein Spezialwerkzeug hat.

 

 

Verkleidung der Heckklappe entfernen

 

Zunächst wird die untere Verkleidung der Heckklappe abgenommen. Dazu sind die beiden Torx-Schrauben im Bereich der Griffmulde zu entfernen. Dann müssen die beiden unteren Ecken der Verkleidung, die jeweils von 2 großen Klipps gehalten sind, mit Kraft abgezogen werden. Sobald man die Klipps sehen kann, sollte man versuchen, einen Hebel in deren Nähe anzusetzen, um dort in der richtigen Richtung die Kraft wirken zu lassen. Im Forum findet man etliche Beiträge zu diesem Thema. Das obere Ende der Verkleidung wird durch 6 kleinere Klipps gehalten. Auch die müssen, ähnlich wie die unteren Klipps, ausgehebelt werden. Danach kann man die gelöste Verkleidung nach unten abziehen. Einen der Klipps hatte ich verbogen. Ich habe ihn gerade biegen können. Notfalls besorgt man Ersatzklipps von VW. Dies war für mich der insgesamt schwierigste Teil. Der obere Teil der Verkleidung ist nur geklippst. Er lässt sich vergleichsweise leicht abziehen.

 

 

Griff in der Heckklappe austauschen

 

Jetzt kann der Griff aus der Heckklappe ausgebaut und durch den neuen Griff ersetzt werden. Dazu ist die von zwei Muttern gehaltene Metallschale abzuschrauben. Darunter befinden sich die beiden Muttern, mit denen der Griff befestigt ist. Hat man diese gelöst, kann man den Griff aus der Heckklappe herausdrücken und das angesteckte Kabel vom Griffschalter abziehen. Dazu muss vorher der Sicherungshaken am Stecker zurückgedrückt werden. Auf umgekehrtem Weg wird der neue Griff mit der Kamera eingebaut und der Schalter wieder angeschlossen.

 

 

Erster Funktionstest

 

Kamera und Monitor können jetzt, wie im Installationsplan (Bild 5) und im Text oben beschrieben, miteinander verbunden, über das Filter an die Spannungsversorgung angeschlossen und schon einmal ausprobiert werden (Zündung einschalten ohne Motor zu starten, Rückwärtsgang einlegen). Wenn alles läuft ist die Funktion auch bei laufendem Motor im Rückwärtsgang zu überprüfen. Die Einblendung der Rot/Gelb/Grünen Abstandsmarken in das Monitorbild kann man abschalten, indem man die beiden grünen Drähte am Verbindungsstück des Kamerakabels miteinander verbindet. Beim Test muss die Heckklappe richtig geschlossen sein, weil sonst der Rückfahrscheinwerfer und damit die Spannungsversorgung von Kamera und Monitor nicht eingeschaltet wird.

 

 

Kabel durch den Wellschlauch ziehen

 

Da der Monitor auf der Fahrerseite sein sollte, wurden die beiden Leitungen zur Spannungsversorgung vom Rückscheinwerfer und die Leitung mit dem 5mm dicken Stecker von der Kamera über die Heckklappe auf die linke Seite verlegt und dort durch den Wellschlauch gezogen (s. Bild 5). Das war etwas Fummelarbeit, bei der ich einen knapp 3mm dicken Kupferdraht durch den Wellschlauch geschoben habe. Daran habe ich zwei Zugbänder befestigt und durch den Wellschlauch gezogen. Die problematische Kameraleitung mit dem dünnen Stecker habe ich zuerst, die beiden Spannungsleitungen habe ich anschließend mit den Bändern durchgezogen. Bei dem Stecker, der am Ende des Weges etwas aneckte, aber dort schon zu sehen war, habe ich mit einer kleinen Zange vorsichtig nachgeholfen.

 

 

Deckenverkleidung hinten öffnen, Kofferraumverkleidung oben links ausbauen

 

Der anfangs vorgesehene Weg des Kamerakabels hinter der Verkleidung der Bodenschweller war nicht so einfach wie angenommen. Wahrscheinlich erfordert das den Ausbau eines oder mehrerer Sitze. Daher habe ich den Weg über die Decke gewählt und die Deckenverkleidung teilweise geöffnet. Das ging besser als gedacht.

 

Der hintere mittlere Deckenverkleidungsstreifen lässt sich vom Kofferraum aus leicht ohne Werkzeug abklippsen. Danach kann die Verkleidung im Kofferraum oben links entfernt werden. Dazu wird das Schild mit der Aufschrift "Airbag" ausgeklippst und die dahinter liegende Torxschraube herausgedreht, wenn man weiß, dass sich dahinter kein Airbag versteckt. Das war bei mir noch an anderen Stellen der Fall. Links oben befindet sich ein schwarzer Kunststoffklipp, der gelöst und herausgenommen werden muss. Danach lässt sich die Verkleidung oben abschwenken und herausziehen. Dahinter wurde das Filter angebracht und die Verbindung des 6m langen Kamerakabels mit dem Monitor hergestellt (s. Bild 5).

 

 

Kabel durch seitliche Deckenverkleidung bis zum Armaturenbrett führen

 

Jetzt kann man die Verkleidung über der hinteren Tür aus den Gummidichtungen herausdrücken und das Kabel darunter schieben. An der B-Säule ist wieder das Airbag-Schild abzunehmen und die darunter liegende Schraube zu entfernen. Die obere Verkleidung der Säule mit dem Gurtaustritt ist unten stramm eingeklippst und daher unten beidseitig zu spreizen und abzuziehen. Danach kann sie nach unten geschoben werden. Über der Fahrertür kann das Kabel wieder, wie über der hinteren Tür, eingeschoben werden. Danach ist wieder ein Airbag-Schild auszuklippsen und die Schraube dahinter zu lösen. Beim letzten kurzen senkrechten Teil am kleinen Seitenfenster kann man die Verkleidung zur Seite drücken und das Kabel darunter schieben, bis zur seitlichen Abdeckung des Armaturenbretts. Diese lässt sich einfach ausklippsen, wenn man die von der Türdichtung abgedeckte Seite freilegt, an dieser Seite zieht und gleichzeitig die Gegenseite mit dem Keil abdrückt.

 

 

Verbindung zwischen Monitor und Kabel herstellen und hinter der Verkleidung verstauen

 

Nun wird der Kabelrest (ca. 2m) zusammen mit den Steckverbindungen zusammengerollt und hinter der abgenommenen Verkleidung des Armaturenbretts verstaut (mit Kabelbinder befestigen). Für den Kabelaustritt zum Monitor kann eine kleine später unsichtbare Mulde am Kabelaustritt in die Seitenverkleidung eingearbeitet werden, damit das Kabel dort nicht abgequetscht wird. Danach werden alle vorher geöffneten Teile geschlossen und wieder befestigt. Nach dem Aufkleben des Monitors auf das Armaturenbrett (oder andere Befestigungsart) ist dann nur noch das kurze Kabelstück zwischen seitlicher Abdeckung und Monitor zu sehen.

 

 

Schlussbemerkungen

 

Ich habe verschiedene Systeme getestet:

 

  • Eine im Kennzeichenträger eingebaute Kamera deckte das Nummernschild unzulässig ab und erforderte eine Bohrung in der Heckklappe, durch die das Kabel mit Steckern von außen nach innen geführt werden kann.
  • Es gibt auch Kameras, die in eine Kennzeichenbeleuchtung integriert sind. Eine für mein Fahrzeug passende Kamera mit passendem Gegenstück für die andere Seite habe ich nicht gefunden, würde ich wegen der damit notwendigen Veränderung der Kennzeichenbeleuchtung auch nicht vorziehen.
  • Es gibt einfache Funksysteme, die eine Funkverbindung zwischen Kamera und Monitor ermöglichen und dadurch die Kabelverlegung von der Heckklappe zum Armaturenbrett ersparen. Dafür benötigt der Monitor aber eine eigene Spannungsversorgung, die nach Möglichkeit automatisch mit dem Rückwärtsgang eingeschaltet werden sollte. Dazu kommt, dass das von mir getestete Funksystem selbst ca. 2,5 Watt für den Betrieb benötigt und sicher störanfälliger als eine feste Verbindung ist.
  • Die von VW für mein Fahrzeug vorgesehene Rückfahrkamera ist auch in den Griff der Heckklappe integriert.
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