• Online: 2.413

03.10.2020 12:34    |    NDLimit    |    Kommentare (27)    |   Stichworte: Bergwerk, Lagerfeuer, Nitrox, Nuttlar, Suex, Tauchen, Tauchgänge, Tiefenrausch, Trimix

3be6d4129e9093595b87a204ae60df3e3be6d4129e9093595b87a204ae60df3e

Wir schreiben das Jahr 2003

 

Klingt lange her, ist es wohl auch.

 

20. März: Beginn des Dritten Golfkriegs: Die Regierung Deutschlands und weite Teile der deutschen Bevölkerung stellten sich zusammen mit Frankreich im Irak-Konflikt gegen die Kriegspolitik der USA und Großbritanniens. Seitens der USA erhielt sie dafür harsche Kritik, aber auch Unterstützung von Russland und China

 

4. April: Mehrere Hundert Menschen werden bei einem Massaker in Ituri, Demokratische Republik Kongo, getötet

 

1. Mai: US-Präsident George W. Bush erklärt den wesentlichen Teil der Kampfhandlungen im Irak für beendet

 

1. Dezember: Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder besucht die Volksrepublik China bereits zum fünften Mal

 

Ich hingegen habe über das Internet im taucher.net einige Leute kennengelernt, mit denen ich auf der Dänischen Halbinsel Kegnaes eine Woche in einem Ferienhaus verbringen wollte.

 

Ich habe mich vorab mit den Leuten getroffen und die Chemie passte. Somit fuhr ich nach Dänemark. Die Tauchbasis wurde von Detlef "Diddel" betrieben. Er hatte ein schönes Alu-Boot mit 2 fetten Außenbordern. Das Ding war so flott, dass er es mit einem Patrolienboot der dänischen Marine aufnehmen konnte.

 

Am Ankunftstag waren wir dann direkt in seiner Tauchbasis. Sehr symphatisch der Typ. Ich äußerte, dass es meine ersten Tauchgänge in der Ostsee, Kleiner Belt sind und bat um einen "flachen" Tauchplatz.

 

Am nächsten Tag brachen wir auf. Völlig aufgerödelt ging es auf das Alu-Boot. Am Tauchplatz angekommen wurde die Shot-Line gesetzt und Diddel befestigete das Boot mit dem Wrack. Als er wieder hochkam meinte er nur: Der Grund liegt auf 35m, das ist kein Flachwassertauchgang. Achtet auf Eure Instrumente. Zudem wies er ausdrücklich darauf hin, dass man nur am Seil wieder auftauchen sollte.

 

 

Nun, das war nicht das, was ich hören wollte. Ich ließ mich rückwärts vom Boot ins Wasser fallen. Dabei blies dann direkt einer meiner Atemregler ab. Damals tauchte ich noch mit einer Mono 15 Liter Flasche.

 

Mit meinem Tauchpartner tauchte ich dann am Seil ab. Vorab war ich mit diesem Typen noch nie im Wasser. Wir kamen durch verschiedene Sprungschichten und es wurde immer kälter. Das Wasser war aber unterhalb der Sprungschichten recht klar und eine Lampe war hilfreich.

 

Dennoch wurde mir immer mulmiger, je tiefer wir kamen. Mein damaliger Tauchcomputer zeigte mir die Restluft-Zeit an. Diese Zeit wurde immer geringer. Dadurch atmete ich noch mehr als nötig. Das war natürlch kontraproduktiv bezügliche des Luftverbrauchs. Dann kam mir in den Kopf, dass bei Tiefe und Kälte die Wahrscheinlichkeit besteht, dass ein Atemregler vereisen kann. Mein Stresslevel stieg merklich an und ich stand kurz vor einer Panik.

 

Unten am Wrack, welches gar nicht so toll war, habe ich es nicht geschafft, mich auszutarieren. Die Luftverbrauchsanzeige war auch nicht hilfreich.

 

Mein mir unbekannter Buddy hat mein Problem erkannt. Schaute mir tief in die Augen und vermittelte mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Er gab das Zeichen zum Auftauchen. Aber eben nicht am Seil. Meine Panik wurde unvermittelt schlimmer. Auf ca. der Hälfte des Weges fanden wir das Ankerseil. Ich habe es fest umklammert und mich Stück für Stück daran hochgezogen.

 

An Bord legte ich meine Ausrüstung ab. Als der Rest nach oben kam, sagte ich nur, dass man nun günstig Ausrüstung erwerben könne. Ich war fix und fertig. Den 2. Tauchgang an dem Tag habe ich verständlicherweise ausfallen lassen.

 

Abends habe ich mich mit den Tauchpartnern ausgetauscht und wir haben die Situation analysiert.

 

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Alu-Boot wieder raus. Diesmal war es ein flacheres Wrack auf ca. 25 Metern Tiefe. Anfangs war noch das Erlebnis vom Vortag im Kopf aktiv, aber die Tauchgänge an diesem Wrack waren echt toll.

 

So wurde es doch noch eine tolle Woche mit schönen Tauchgängen.

 

Es grüßt

 

Euer Taucher

Hat Dir der Artikel gefallen? 19 von 19 fanden den Artikel lesenswert.

03.10.2020 12:56    |    PeterBH

Wie so oft im Leben - reine Kopfsache. Ich war im letzten Urlaub in einem stillgelegten Bergwerk, rund 280 m tief und hatte auch ein mulmiges Gefühl. Das Ding hatte schon zig Jahre gehalten, sollte also nicht unbedingt über mir zusammen brechen. Nachdem ich mir das klar gemacht hatte, ging's auch ganz gut.


03.10.2020 12:59    |    NDLimit

ja Peter, der Kopf spielt eine große Rolle.

 

Ganz so tief war ich nicht, aber Berwerk kenne ich klick mich


03.10.2020 13:00    |    tomcat092004

Übung macht den Meister und vor allem langsam steigern.

Zudem ist guter Partner wichtig, mit dem man sich versteht und der selbst schon Erfahrung hat und den Anfänger leiten kann.


03.10.2020 13:02    |    max.tom

Stimmt iss reine Kopfsache :)

Sehr schöner Artikel :)


03.10.2020 13:02    |    NDLimit

Robert, wie geschrieben ist das schon ein paar Jahre her. Viel mehr Erfahrung als ich hatte der Buddy nicht.

 

Mittlerweile tauche ich ja durchaus auf einem anderen Niveau :)


03.10.2020 13:03    |    NDLimit

Zitat:

@max.tom schrieb am 3. Oktober 2020 um 13:02:23 Uhr:

Stimmt iss reine Kopfsache :)

Sehr schöner Artikel :)

Danke Mäxle :) *carocappureich*


03.10.2020 13:09    |    tomcat092004

Zitat:

@NDLimit schrieb am 3. Oktober 2020 um 13:02:37 Uhr:

Robert, wie geschrieben ist das schon ein paar Jahre her. Viel mehr Erfahrung als ich hatte der Buddy nicht.

 

Mittlerweile tauche ich ja durchaus auf einem anderen Niveau :)

Das hatte ich soweit verstanden.

Mit fällt beim Lesen deiner Artikel nur auf, das Tauchen als Neuling am Besten mit einem Erfahrenen gemacht werden sollte.

Der hätte damals garantiert schnell erkannt, dass du ein "Problem" hast und dich entsprechend angeleitet.


03.10.2020 13:13    |    NDLimit

Daher kümmere ich mich durchaus auch um "Frischlinge"

 

Nach dieser Zeit war ich ja auch zeitweise als Ausbilder unterwegs... sprich ich war PADI Assistant Instructor und SSI Dive-Con :)


03.10.2020 14:10    |    grilli9

Thorsten - Du hast die Sache falsch angefangen. 1. Tg = 35m, 2. Tg = 25m;.... Sollte man sich nicht zuerst von Oben nach Unten Steigern, als von Unten nach Oben! :D


03.10.2020 14:49    |    NDLimit

Mandy, wenn es nach mir gelaufen wäre, wäre es eben anders gelaufen. Aber somit war es einer meiner lehrreichsten Tauchgänge. :)


03.10.2020 14:59    |    HeinzHeM

Das ist alles nicht meine Welt, ich bleibe lieber über Wasser. Aber Hauptsache es macht Dir Spaß.

 

Also wie war das? "Lieber abtauchen als untergehen!" ;)


03.10.2020 15:10    |    max.tom

Zitat:

@NDLimit schrieb am 3. Oktober 2020 um 13:03:10 Uhr:

Zitat:

@max.tom schrieb am 3. Oktober 2020 um 13:02:23 Uhr:

Stimmt iss reine Kopfsache :)

Sehr schöner Artikel :)

Danke Mäxle :) *carocappureich*

Dankeee :)


03.10.2020 15:12    |    NDLimit

Ich werde zwar nie verstehen, wie man das Zeugs mögen man, aber wenn es Dir schmeckt.....


03.10.2020 17:45    |    Moorteufelchen

Schöner Bericht.

Ist bei vielen Hobbys so, wenn der Anfang nicht stimmt macht man oft nicht weiter.

Sehe ich bei meinem segeln auch.

So mancher hat wegen etwas zu viel Wind beim ersten Versuch dann nie wieder ein Boot betreten.

Gut das du es am nächsten Tag nochmal versucht hast, sonst wär es das wohl gewesen.

Inzwischen bist du ja so angefixt, das du weitere Scheine machst.

War das Höhlentauchen?!


03.10.2020 18:05    |    NDLimit

Nein, das war noch kein Höhlentauchen


03.10.2020 18:29    |    NDLimit

Hier ist zumindest ein Artikel zum Bergwerktauchen, also quasi Höhle klick mich


03.10.2020 20:19    |    berlin-paul

Ein schöner Artikel. Es hat damals bestimmt viel Überwindung gekostet weiterzumachen.


03.10.2020 20:36    |    NDLimit

Paul, ich habe damals echt daran gedacht, mit dem Tauchen aufzuhören.

 

Letztlich war es aber einer meiner lehrreichsten Tauchgänge, wenngleich auch ich einer der schönsten....


03.10.2020 21:56    |    Ostelch

Schöner Artikel. Tauchen ist eben mehr als ein "Unterwasserspaziergang". Das Risikobewusstsein kann da gar nicht früh genug einsetzen. Viel Spaß weiterhin!

 

Grüße vom Ostelch


03.10.2020 22:47    |    NDLimit

Danke, Ostelch :)


07.10.2020 21:31    |    Juergen-Z3

Zitat:

@grilli9 schrieb am 3. Oktober 2020 um 14:10:54 Uhr:

Thorsten - Du hast die Sache falsch angefangen. 1. Tg = 35m, 2. Tg = 25m;.... Sollte man sich nicht zuerst von Oben nach Unten Steigern, als von Unten nach Oben! :D

Nein, das war auch schon früher gängige Tauchpraxis auf den Tauchbasen. Morgens die tiefen Tauchgänge und nachmittags dann flachere Tauchgänge. (...und den dritten dann von Land ;) )

 

Es wäre allerdings besser gewesen, wenn der Basisleiter im Vorfeld darauf hingewiesen hätte und NDLimit den ersten Wracktauchgang ausgesetzt hätte und erst nachmittags mit dem flacheren Tauchgang begonnen hätte.

 

Aber man sieht schön, dass sich gerade beim Tauchen unbekannte Faktoren addieren bzw. potenzieren.

 

Ich denke, dass jeder ambitionierte Sporttaucher früher oder später in solche Situationen kommt.

Wichtig ist nur, dass man es rechtzeitig bei sich (oder seinem Tauchpartner) erkennt und direkt Gegenmaßnahmen einleitet. Ein De-Briefing gehört eigentlich zu jedem Tauchgang dazu. Jeder Tauchpartner erlebt den Tauchgang anders und nur wenn man darüber spricht kann man das Erlebte verarbeiten und daran wachsen.

 

Weiterhin gut Luft,

 

Jürgen


07.10.2020 21:34    |    NDLimit

Danke für den Kommentar, Jürgen.

 

Wie Du sicher gesehen hast, ist das schon ein wenig länger her, war aber ein wichtiges und entscheidenes Erlebnis. Hinterher ist man natürlich immer schlauer :)

 

Kleiner Nachtrag:

 

Bei Nullzeittauchgängen ist es heutzutage nicht mehr ein völliges Dokma, dass man den tiefsten Tauchgang als erstes macht. Dies gilt zum Teil auch bei Dekompressionspflichtigen Tauchgängen. Mit entscheidend ist, welche Rechenmodelle man für die Dekompressionsberechnung heranzieht. Meine Run-Tables rechne ich mit dem Multi-Deco (Bühlmann) mit entsprechenden Gradienten-Faktoren. Auch dort werden rechnerisch saubere Ergebnisse geliefert, wenn der 2. TG tiefer als der 1. ist.


07.10.2020 21:56    |    Juergen-Z3

Naja, meine Zeit des Sporttauchens ist schon etliche Jahre her...…Immerhin habe ich noch mit dem Klodeckel tarieren gelernt und unsere Wracktauchgänge waren immer dekompressionspflichtig….. :D

 

Ja solche Tauchgänge bleiben in Erinnerung und das ist auch gut so.....können sie dir zu einem späteren Zeitpunkt den Hals retten.

 

Letztendlich habt ihr mit dem Nachgespräch alles richtig gemacht und so konnte es noch eine schöne Tauchwoche werden.


07.10.2020 22:01    |    NDLimit

Joa... die guten alten Klo-Deckel :D Vermutlich noch mit den alten Spiro-Atemreglern ;)

 

Seit einiger Zeit gehe ich ja über die Grenzen des Sporttauchens hinaus :)


08.10.2020 11:37    |    -Calle-

Ein wirklich intessanter Beitrag.

 

Auch bei mir gab es einen Punkt, wo ich mit dem tauchen aufhören wollte. Dabei hatte ich noch gar nicht begonnen. Gott sei Dank war mein TL so professionell, dass er mir die Angst genommen hat.

 

Ehrlich gesagt glaube ich, dass jeder an so einem Punkt schonmal war - egal welches Hobby. Ob es der Fußballer ist, der das Tor nicht trifft, der Motorradfahrer, der auf die Nase fällt, der Skifahrer, der sich das Schlüsselbein bricht oder der Dart-Spieler, der knapp an den Feldern vorbeiwirft.

 

Rückschläge gehören einfach dazu. Und solange sie glimpflich ablaufen, ist alles gut. Völlig unabhängig von der Leidenschaft ist es aus meiner Sicht dann wichtig den Dreck abzuklopfen und weiterzumachen.


Deine Antwort auf "Warum ich beinahe das Tauchen an den Nagel gehängt hätte...."

Informationen

Hier möchte ich unregelmässig einige Berichte Rund um das Thema Tauchen veröffentlichen.

 

Ja, ich weiß, dass es OT in einem Auto-Forum ist. Da es hier im Forum einige User gibt, die selber tauchen oder es zumindest interessant finden, habe ich mich dennoch dazu entschlossen.

 

Daher: Viel Spaß beim Lesen :)

Informationen

Hier mal einige Tauchvideos:

 

Fishing under Ice

Adventures of the Fisherman

Human Balloon

 

und mein Favorit:

Tauchen in Nuttlar Total bekloppt, aber das habe ich gemacht. :)

Besucher

  • anonym
  • Manfred Bonn
  • mirek365
  • haanswurst77
  • VStromtrooper
  • Verkehrsminister
  • günni66
  • Tarnik
  • DJ Fireburner
  • bluebrain

Blogleser (22)

Blog Ticker

Blog Favoriten