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Sat Mar 03 21:05:45 CET 2018    |    British_Engineering    |    Kommentare (32)    |   Stichworte: Baujahr 2005, Fiat, Langstrecke, Mille grazie, Multijet, Punto, Typ 188

Mille grazie, Fiat

In den ersten zehn Jahren meines Führerscheinbesitzes kam die Marke Fiat nicht vor. Ich hatte zwar mal eine Nachbarin, die einen Cinquecento fuhr, aber dies hing eher damit zusammen, dass der Wagen sehr preiswert war und es vor Ort eine Fiat-Werkstatt gab. Ich verband Fiat vor allem mit optisch gelungenen, aber qualitativ fragwürdigen Autos (den Spruch „Fehler in allen Teilen“ dürfte ja jeder Autofahrer in Deutschland kennen) und einem niedrigen Wiederverkaufswert nach wenigen Jahren.

 

Im Sommer 2002 waren meine Frau und ich auf der griechischen Insel Korfu im Urlaub. Normalerweise fahre ich im Urlaub eher ungern Auto und leihe mir auf gar keinen Fall ein Fahrzeug aus. Da wir aber möglichst viel von der Insel sehen wollten, konnte mich meine Frau überzeugen, dies Mal doch ein Auto zu leihen. So wurde uns am zweiten Urlaubstag ein roter Fiat Punto Typ 188 zur Verfügung gestellt. Ich nahm zu ersten Mal hinter dem Steuer eines Fiat Platz. Der Wagen begeisterte mich schon auf den ersten Kilometern und veränderte in wenigen Minuten komplett mein Bild von Fiat. Der kleine 1,2 Liter Benziner drehte munter hoch und brachte die Fuhre für einen 60PS-Kleinwagen flott in Gang. Das knackige Fahrwerk ließ jede Kurve zu einem freudigen Ereignis werden. Die präzise, viel Rückmeldung gebende Lenkung sorgte für weitere Begeisterung. Meine Frau erzählt noch heute, dass ich diesen Urlaub zu einem Großteil mit Autofahren verbrachte und in der Tat haben wir sehr viele Ecken der Insel in diesen zehn Tagen kennen gelernt. Nach ein paar Tagen war ich vom Fahrstil her nicht mehr von einem Korfioten zu unterscheiden. Als ich am Urlaubsende die Schlüssel für den Punto wieder abgab, sagte ich meiner Frau: „Wenn ich jemals in die Situation kommen sollte, einen Kleinwagen zu brauchen, dann kaufe ich einen Punto aus dieser Baureihe.“

 

Es vergingen 11 lange Jahre. Auf einen Kadett E folgte ein Vectra B, der dann von einem Golf IV abgelöst wurde und schließlich erwarben wir einen Caddy Life. Ein Punto ist nun mal mit am Ende drei Kindern zu klein. Aber immer mal wieder schaute ich solch einem Punto hinterher und dachte „Verdammt, es ist echt gemein, dass Autofahren so viel Spaß machen kann.“ Im Sommer 2013 wollte meine Frau nach einer längeren Kinderpause auch wieder anfangen zu arbeiten und da dämmerte uns sehr schnell, dass wir ein zweites Auto bräuchten, um zur Kinderbetreuung und beide zu unseren Jobs zu kommen. Jahrelang war ich ja begeisterter Nutzer der immer auf die Minute pünktlichen, flexiblen, vollkommen wetterunabhängigen Bahn gewesen:D. Ich witterte nun Morgenluft und verkündete sofort, dass meine Frau gern den Caddy nutzen könne und ich mir einen gebrauchten 188er Punto kaufen würde. Das braucht man einem echten VW-Fan wie meiner Frau natürlich nicht zwei Mal zu sagen. Sie wollte mit solch einem übel beleumundetem Italiener aus möglicherweise nachlässigem Vorbesitz nichts zu tun haben.

 

Nachdem ich mehrere Abende bei Mobile.de nach einem geeigneten Fahrzeug (fünf Türen, Dieselmotor, maximal 120.000km Laufleistung und freundliche Farbe) geschaut und auch zwei , drei Exemplare im Großraum Hannover / Braunschweig angeschaut hatte, war es ironischerweise meine Frau, die mich auf ein Angebot in Berlin hinwies. Das war nicht gerade um die Ecke, aber dieser 2005er Punto hatte sogar den besonders wirtschaftlichen 1,3 Liter Multijet Diesel unter der Haube, war aus erster Hand, scheckheftgepflegt und hatte 117.000km auf der Uhr. Der Händler klang am Telefon seriös und sagte mir auch gleich, der Wagen sei innen recht schmuddelig. Er sei es vor kurzem reingekommen. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag.

 

In Berlin-Reinickendorf angekommen schaute ich mir den Wagen erst einmal allein an. Ich war entsetzt. Der Punto hatte zwei Beulen auf der linken Seite, die Reifen waren total abgefahren und der Innenraum war vollkommen mit Blumenerde versifft. Im Gespräch mit dem Händler und bei genauer Untersuchung des Autos ergaben sich weitere Probleme und Unwahrheiten: Das Serviceheft war vorhanden, aber der Vorbesitzer hatte die Ölwechseltermine um bis zu 12.000km (!) überschritten. Nach zwei Jahren war sowieso nur noch freie Werkstatt angesagt gewesen. Die Zentralverriegelung funktionierte nicht richtig und der Auspuff-Endtopf war auch durch. Außerdem hatte das Auto schon ein halbes Jahr gestanden, wie man am Abmeldedatum im Brief sah. Nach viel Starthilfe (die Batterie war vollkommen leer) und einer kurzen Probefahrt entschied ich mich gegen jede Vernunft, dieses Auto zu kaufen.

 

Es folgten 15 Minuten erbitterten Verhandelns (ich bin recht gut darin, Flohmärkte sind eines meiner Hobbys:)) und der Händler gab mir den Wagen mit einem großen Preisnachlass. Auf „TÜV neu“ durch diesen Händler und seine „Freunde“ wollte ich gern verzichten und der Nachlass würde den Kosten der notwendigen Reparaturen entsprechen. Die Heimfahrt in die Region Hannover war recht bizarr, denn die Batterie war so entladen, dass man den Motor auf keinen Fall nach dem Abstellen aus eigener Kraft starten konnte. Also musste sogar mit laufendem Motor getankt werden.

 

Was nach der Behebung Probleme folgte, waren viereinhalb Jahre mit sehr viel Spaß am Autofahren. Wir waren neben den täglichen 120km für die Arbeit zusammen in Hamburg, Magdeburg, Rosenheim, immer mal wieder in Soest und mehrmals in den Niederlanden. Der 1,3 Liter Multijet erfreute mich jeden Tag mit seinem „rauchigen“, „kehligen“ Klang. Okay, ein Porsche 911 oder BMW M5 klingen bestimmt noch besser, aber ich liebte dieses Geräusch. Oft blieb das Radio aus genau diesem Grunde aus. Niemand kauft ein Alltagsauto wegen des angenehmen Motorklangs. Muss man bei diesem Punto auch nicht, denn ein durchschnittlicher Verbrauch von 3,9 Litern Diesel (ca. 75% Landstraße, 10% Autobahn und 15% Stadt) und das mängelfreie Bestehen einer TÜV-Prüfung nach mehr als 240.000km sind schon handfeste Argumente. Auf den ersten 10.000km war ich noch etwas skeptisch, was die Zuverlässigkeit dieses Autos anging. Man hatte einfach schon zu viel gehört von Problemen bei Fiat. Aber es passierte … - niente. Auch nach 20.000km weit und breit nichts von Reparaturen und Ärger zu sehen. Irgendwann musste dann mal ein Schaltzug getauscht werden und die Wasserpumpe meldete durch laute Tickergeräusche, dass ihr Lager kaputt war. Ich gebe es zu, nach knapp zwei Jahren in meinem Besitz mussten innerhalb weniger Tage erst ein Radlager und dann die Kupplung getauscht werden. Damals war ich angesichts der Kosten kurz davor, den Wagen zu verkaufen. Aber eigentlich ärgerte ich mich nur über mich selbst bzw. meine absolut unterentwickelten Kenntnisse, ein Auto selbst zu reparieren.

 

Also blieb der Punto bei mir und erst im November 2017 trennten sich bei einem Kilometerstand von 246.000 die Wege. Das hatte nichts damit zu tun, dass der Wagen nun dauernd hohe Reparaturkosten verursachte, sondern eher mit meiner berufsbedingten Jahresfahrleistung von 30.000 bis 35.000km. Da wollte ich irgendwann einfach bessere Sitze als die von Haus sehr weichen Sitzgelegenheiten des alten 188er Puntos mit ihren extrem fleckempfindlichen Bezügen haben und eine weniger hakelige Schaltung ist auch eine sehr feine Sache, wenn man sie erst einmal hat. Nicht zu vergessen eine funktionierende Klimaanlage (die im 188er hatte irgendwann den Dienst aufgegeben). Naja, und ein Mal im Leben wollte ich auch einen Neuwagen in Besitz nehmen. Aus welchem Hause dieser kommt, lässt sich wahrscheinlich leicht erraten.

 

Irgendwo habe ich mal den Satz „Bei Fiat ist oft der Fahrer das Problem, nicht das Auto“ gelesen. Dem kann ich nach meinen bisherigen Erfahrungen aus vollstem Herzen zustimmen. Mir bleibt nichts Anderes übrig, als „mille grazie“ zu sagen. Danke auch an die kompetenten und immer freundlichen Mitarbeiter des Autohaus Schatta in Braunschweig-Rüningen, die die meisten Service- und Reparaturarbeiten an diesem Wagen durchführten.

 

Bevor ich es vergesse: Nachdem meine Frau den Punto zum ersten Mal selbst gefahren war, lautete ihr Kommentar angesichts der schlechten Schaltbarkeit (die später durch das Wechseln von Schaltzügen besser, aber nie perfekt wurde): „Danke für die Probefahrt, aber ich möchte dieses Auto nicht kaufen.“ Später war auch sie von der Zuverlässigkeit und Robustheit des kleinen blauen Wägelchens ganz angetan. Und die beiden Beulen links blieben bei mir immer im Blech drin. Sie waren gewissermaßen das „Markenzeichen“ meines Puntos.

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Mon Oct 09 23:51:01 CEST 2017    |    British_Engineering    |    Kommentare (51)

Bei manchen Autos fällt es selbst mir als youngtimeraffinen Autofahrer kaum auf, wie sie allmählich aus dem Straßenverkehr verschwinden. Der Peugeot 305 oder die erste Generation des Nissan Primera sind solche Fälle. Andere Modelle haben eine lange Abschiedstournee, bevor auch sie weitestgehend auf dem Schrott landen und in einigen wirklich guten Exemplaren in den Garagen von Liebhabern verschwinden. Der Passat der zweiten Generation, im VW-Jargon Passat 32B genannt, ist solch ein Fall.

 

Ich habe ihn immer gemocht, den einstmals größten VW. In keinem anderen Auto (abgesehen von den Mercedes 200D W123 meiner Eltern) bin ich öfter mitgefahren. Trotzdem habe ich ihn nie selbst gefahren, denn er gehörte eindeutig zu einer anderen Zeit – einer, in der ich auf der Rücksitzbank oder bestenfalls auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Es war die Zeit, in der viele Privatkunden alle vier, fünf Jahre einen Neuwagen kauften, die Händler die Fahrzeuge ihrer treuen Kunden nach ein paar Jahren mit Kusshand in Zahlung nahmen und ein VW sich zwar durch ein vergleichsweise modernes Fahrwerk und standfeste Motoren mit allen zentralen Merkmalen zeitgemäßen Motorenbaus auszeichnete, aber gewiss nicht durch innovatives Design, auf hundertstelmilimeter optimierte Spaltmaße und softlackierte Oberflächen.

 

1988/89 fuhren in meiner engeren Verwandtschaft bis auf meine Eltern alle einen Passat 32B. Es war alles dabei von einem frühen marsroten LS Schrägheck mit Kunstlederausstattung, den ein Onkel gebraucht erworben hatte, über einen diamantsilbernen Variant CL mit 85PS-Motor und den marsroten Variant CL Diesel meines Patenonkels bis zu einem Facelift-Variant GL in Steingrau Metallic mit nachgerüstetem Katalysator. Sogar einen Passat Stufenheck gab es in der Familie – als GL in Stratosblau Metallic und mit vielen Extras inklusive Kat.

 

Bei einigen Berufsgruppen hatte der von 1980 bis Ende März 1988 in rund 1,7 Millionen Exemplaren gebaute Passat 32B aber einen besonderen Schlag. So man ihn oft mit umgeklappter Rücksitzbank und manchmal Dachgepäckträger bei Handwerkern, die nicht für jeden Auftrag einen Kleintransporter brauchten oder ihr Firmenauto auch privat nutzten. In meinem Heimatort existierte viele Jahre lang eine kleine Ladenbau-Firma, die neben zwei oder drei Transportern auch einen hellgrauen 32B Variant besaß. Es muss einer der ersten gewesen sein, denn am Heck prangte ein Schriftzug „Passat LS“. Dem Auto wurde viele Jahre lang nichts geschenkt und selbst als das Nachfolgemodell schon einige Jahre auf dem Markt war, sah man diesen grauen Variant noch voll beladen (meist mit Dachgepäckträger) herumfahren.

 

Auf vielen Lehrerparkplätzen war er in den 80er und frühen 90er Jahren in allen möglichen Ausführungen anzutreffen. Schließlich war er technisch nicht so bieder wie ein Ford Sierra, nicht so extravagant wie ein Citroen BX (auch wenn dieser für Citroen-Verhältnisse geradezu staatstragend-zurückhaltend ausgefallen war) und nicht so vorurteilsbehaftet wie ein Fiat Regata. Man konnte sich mit ihm vor der Oper genauso sehen lassen wie vor dem Baumarkt, er machte alle familiären Reisevorhaben problemlos mit und war außerdem ganz politisch-korrekt sehr früh schon mit Katalysator lieferbar - sowohl ab Werk als auch als Beipack-Lösung für die etwas vorsichtigeren Zeitgenossen. Da war es nicht weiter verwunderlich, dass meine Mathelehrerin einen gambiaroten Variant C als Facelift-Modell fuhr und mein christdemokratischer Sozialkundelehrer einen älteren Variant GL hatte. Dieser Lehrer lag stets mit seinem grün-alternativen Kollegen in einem ganz persönlichen Wettstreit und wies somit in den frühen 90er Jahren gern darauf hin, dass er seinen Passat mit einem Nachrüst-Kat ausgerüstet hatte, während der Rekord E2 des Kollegen zwar grün lackiert war, aber seine Abgase ungefiltert heraus pustete.

 

Auch in der Scheune mancher Landwirte stand ein Passat 32B – meist ein Variant, ab und zu auch als syncro. Eine Klassenkameradin wuchs auf einem typisch niedersächsischen Hof auf. Hier kamen im Laufe der Jahre gleich drei Passat 32B Variant zum Einsatz. Der erste war ein CL Variant mit Benzinmotor in Dunkelgrün. Es muss ein 84er Modell oder ein 85er vor der großen Modellpflege von Anfang 1985 gewesen sein, denn er hatte noch diese betörenden kleinen Chromradkappen auf den Felgen. Dieses Auto wirkte auf mich immer so, als sei es speziell dafür gebaut worden, den ganzen Tag über staubige Feldwege zu fahren und Äcker aufzusuchen. Anschließend folgte ein jadegrüner Variant GT Modell 87. Es war ein Vierzylinder; diese Kombination war erst zum Modelljahr 87 lieferbar geworden. Der letzte war ein schwarzer Variant syncro (soweit ich mich erinnern kann kein GT), der erst Ende 1988 zugelassen wurde. Er hatte längere Zeit irgendwo auf Halde gestanden.

 

Was machte den Passat 32B zu einem so erfolgreichen Auto? Platzangebot, Praktikabilität, Fahreigenschaften, Wirtschaftlichkeit, Verarbeitungsqualität –für jeden zählten andere Argumente. Wo Licht war, gab es aber auch Schatten. Der Passat war im Vergleich zu vielen anderen Mittelklasse-Angeboten vergleichsweise teuer, der Innenraum galt gerade bei den einfacheren Versionen als ziemlich uninspiriert, manche kritisierten die vergleichsweise tiefe Sitzposition. Mir persönlich kamen die Dieselmodelle stets ziemlich dröhnig vor – da gefielen mir die Diesel von Peugeot, Renault und selbst Opel besser, auch wenn man das durchaus anders sehen kann.

Im Laufe der Jahre traten einige Probleme mit streikenden Komfort-Extras sowie von innen nach außen rostenden Türen und gammelnden Heckklappen auf. Insgesamt handelte es sich aber um ein höchst passables Auto.

 

Hätte ich vor 30 oder 35 Jahren (also lange vor Erfindung der Hochdachkomis) ein Familienauto kaufen müssen, ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein Passat 32B Variant gewesen wäre. Entweder einer wie der oben beschriebene "Bauern-Kombi" oder eines der zahlreichen Sondermodelle wie Passat Arena, Tramp, Trophy, Trend usw.

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Fri Dec 30 00:14:58 CET 2016    |    British_Engineering    |    Kommentare (13)

Yes, I like them. Für amerikanische Autos habe ich einiges übrig. Wer kann sich schon der Faszination einer Corvette, eines Firebird oder eines Cadillac entziehen? Noch viel mehr interessieren mich aber die US-Alltagsfahrzeuge der 80er und 90er Jahre. Autos, die hierzulande keine echte Anhängerschaft haben, weil sie kaum bis gar nicht den Weg nach Europa gefunden haben, und die in ihrer Heimat einfach Verbrauchsware waren. Ein Dodge Shadow wurde eben bei Uncle Sam in fünfter Hand ohne große Emotionen zu Ende gefahren und dann zügig durch den nächsten billigen Gebrauchten ersetzt. Heute also ein Mal Schrottplatz mit den Big Three.

 

 

 

Ford Taurus:

 

… Du willst in allem besser sein

Größer, schneller, weiter, Amerika

Ich habe Angst vor deiner Phantasie

Vor deinem Ehrgeiz, Amerika

Oh Amerika …

 

sang Herbert Grönemeyer im Jahre 1983. Sein Text erzählte dann von Raketen, mit denen die USA ihre Militärpräsenz am Eisernen Vorhang verstärken wollten. Die Pershing II-Raketen lassen wir mal außen vor, an Grönemeyers Worten über den US-amerikanischen Ehrgeiz und Tatendrang ist aber einiges dran. Bis in die 60er Jahre waren die USA im Automobilbau tonangebend gewesen. Ob Turboaufladung im PKW (zuerst 1961 im Oldsmobile Jetfire), Sicherheitsgurt, elektrische Fensterheber oder Servolenkung – viele Innovationen kamen aus den USA.

 

Im Laufe der 70er hatten die Amis dann viel Boden verloren. Typen wie Chevrolet Malibu, Ford Pinto, Ford Mustang II oder Dodge Aspen / Plymouth Volare waren weit dann davon entfernt, Europas oder Japans Autoherstellern Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Uncle Sam und viele andere Amerikaner kehrten den Großen Drei aus Detroit den Rücken und kauften Fahrzeuge wie Toyota Cressida oder Audi 5000. Auf letzteren zielte der aerodynamisch gestylte Taurus, der ab Dezember 1985 ausgeliefert wurde. Der Wagen war nicht nur der erste Ford der amerikanischen Mittelklasse mit Frontantrieb, sondern setzte auch die zwei Jahre zuvor eher zaghaft mit dem Ford Tempo begonnene Formensprache mutig fort. Die Presse flocht dem Taurus wahre Lorbeerkränze. Die Geräumigkeit war nichts Besonderes, hier hatten bereits andere Amerikaner Maßstäbe gesetzt. Lobende Worte für das agile Fahrverhalten und die Kurvenfreudigkeit des Wagens bedeuteten jedoch eine neue Ära. Genauso wie die bewundernden Wortmeldungen über die Ergonomie des leicht bogenförmigen Armaturenbretts mit seinen „erfühlbaren“ Schaltern. Trotzdem war der Taurus im Innersten seiner Seele ein echter Amerikaner geblieben – je nach Version mit Lenkradautomatik, durchgehender vorderer Sitzbank und jeder Menge Veloursstoff.

 

Etwas weniger progressiv gab sich Ford bei den Motoren. Die Basismotorisierung war ein 2,5 Liter-Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und je nach Baujahr 89PS bis 106PS. Dieses Triebwerk baute auf dem 2,3 Liter-Motor des Ford Tempo auf. Deutlich häufiger wurden der 3 Liter-Grauguss-V6 mit zentraler Nockenwelle und 142PS sowie der ab Modelljahr 1988 zusätzlich lieferbare exakt gleichstarke 3,8 Liter-V6 mit wuchtigem Drehmoment und besonderer Laufruhe geordert. Zum Modelljahr 1989 kam noch ein zusammen mit Yamaha entwickelter 3-Liter-V6 mit 24 Ventilen und 223PS hinzu. Er wurde ausschließlich in der Sportlimousine Taurus SHO verwendet. Mehr als 2 Millionen Exemplare verließen bis zum Auslaufen der ersten Taurus-Generation die Bänder.

 

 

Oldmobile Custom Cruiser:

Boston, Massachusetts – San Francisco, Kalifornien: 3.098 Meilen

Jersey City, New Jersey – Des Moines, Iowa: 1.103 Meilen

Detroit, Michigan – El Paso, Texas: 1.762 Meilen

 

Uncle Sam hatte in seinem Heimatland immer wieder lange Strecken zu fahren. Was ist in diesem Zusammenhang schöner, als auf dem Highway den linken Ellenbogen auf die Fensterbrüstung zu legen, den Tempomat zu aktivieren und das weitere Geschehen einem 5 Liter-V8-Motor nebst einer butterweich schaltenden vierstufigen Automatik zu überlassen? Uncle Sam stieg aus seinem 1991er oder 92er Oldsmobile Custom Cruiser nach tausend und mehr Meilen fast entspannter aus als er eingestiegen war. Der Charakter dieses 5,52m langen und 2,04m breiten Riesenkombis lässt sich am ehesten als rollendes Sofa mit angebauter Lagerhalle beschreiben. Er ist ein Vertreter der letzen Generation der Full Size-PKWs von General Motors. Als solcher ist er eng mit dem Chevrolet Caprice und Buick Roadmaster verwandt, wird aber anders als diese ausschließlich als Kombiversion geliefert. Eine Besonderheit ist das serienmäßige Vista Roof, ein Einsatz aus getöntem Glas über den Rücksitzen. Wie bei den Vorgänger-Baureihen ist auch wieder eine Ausführung mit dritter Sitzreihe lieferbar.

 

Auf die Dauer zog es Uncle Sam vor, sein Auto eher selbst zu fahren als von ihm gefahren zu werden. Und 170 bzw. 180PS erschienen ihm in einem großen Familienwagen auch nicht als das letzte Wort. Außerdem hatten sich einige Nachbarn und Freunde jetzt solch hochgebockte Riesenfahrzeuge zugelegt, die aussahen, als könne man mit ihnen einen Feldweg bezwingen. Da wollte Uncle Sam nicht abseits stehen und kündigte dem Custom Cruiser die Freundschaft auf. Seine Produktion endete im Juni 1992.

 

 

Dodge Shadow:

Ob schnell mal ein neues Holzfäller-Hemd oder ein paar Gartenstühle. Der Weg führte Uncle Sam stets zu Woolworth. Hier gab es alles. Nichts für die Ewigkeit Gemachtes, aber auch keinen Schrott.

 

„Woolworth zum Fahren“ hätte das Motto der Baureihe Dodge Shadow / Plymouth Sundance sein können. Vorgestellt im März 1986, ursprünglich als Nachfolger für Dodge Omni und Plymouth Horizon, wurde ihnen dann wegen der Weiterproduktion der angejahrten Zwillinge Omni / Horizon die Rolle als moderne Kompakt-Limousine mit Heckklappe zugewiesen. Zunächst war nur Chryslers allgegenwärtiger 2,2 Liter-Motor lieferbar, wahlweise mit oder ohne Turbo. Wie ein Großteil der neueren Kreationen des Chrysler-Konzerns basierte auch der Dodge Shadow auf zeitgemäßer K-Car Technik mit Frontantrieb und quer eingebautem Motor. Es gab Versionen mit drei oder fünf Türen.

Die dreitürige, sportlich ausstaffierte ES-Version des Dodge Shadow durfte sich ab Anfang 1988 an einer Exkursion von Chrysler nach Europa beteiligen. Sie firmierte hier als Chrysler ES und sollte vor allem dem VW Scirocco und Volvo 480ES Kunden abspenstig machen. Allzu gut gelang das aufgrund des Newcomer-Status (bis in die 70er Jahre hatte der Pentastar ja auf ursprünglichen Simca-Produkten geprangt) und dem sehr weitmaschigen Händlernetz sowie einigen Defiziten auf dem Fahrwerks-Sektor nicht. Immerhin sah der Wagen ansprechend aus, verfügte über eine komplette Serienausstattung sowie elastische Motoren mit vernünftigen Verbrauchswerten.

 

1997 schlossen die letzten Woolworth-Kaufhäuser in den USA. Das bis in die späten 70er Jahre größte Kaufhausunternehmen der Welt ist heute in der Neuen Welt weitestgehend vergessen. „Woolworth zum Fahren“ hatte bereits drei Jahre früher das letzte Stündlein geschlagen. Im März 1994 wurde die Produktion des Pärchens Shadow / Sundance eingestellt.

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Fri Jul 01 00:21:47 CEST 2016    |    British_Engineering    |    Kommentare (16)

Europa-Wahl

 

Europa – kaum etwas erhitzt die Gemüter momentan so sehr wie dieser Begriff. Manchen ist die Gemeinschaft nicht eng genug, andere möchten einen eher lockeren, auf rein wirtschaftlichen Interessen basierenden Verbund und wieder andere sind gerade dabei, dem Projekt den Rücken zu kehren.

 

Werfen wir einen Blick zurück, in die Zeit, als der Begriff „Europa“ noch fast durchgängig positive Emotionen weckte und bei vielen die intellektuelle Phantasie beflügelte. Ins Jahr 1979, zum Beispiel. Im Mai haben die ersten Europawahlen stattgefunden. 61,99% der Wahlberechtigten in den damaligen neun EG-Staaten sind dem Ruf an die Wahlurnen gefolgt, in Italien sogar 85,5%. Im Jahre 2014 lag die Wahlbeteiligung für das europäische Parlament bei EU-weit 43,09%.

 

Eine andere Form der Europa-Wahl soll in den kommenden Zeilen vorgestellt werden: die Wahlvorschläge in der automobilen Mittelklasse dieses Jahres 1979.

 

Aus Italien kommt der Fiat 131 Mirafiori CL 5S. Die Baureihe 131 trägt ihren Herstellungsort, das riesige Werk Mirafiori am Rande von Turin, im Namen. Das „5S“ steht anders als bei Audi nicht für einen Fünf-Zylinder-Motor, sondern für „5 Speed“, also fünf Gänge. Dies ist in der europäischen Mittelklasse ende der 70er Jahre tatsächlich noch eher Ausnahme als Regel. Was die Italiener technisch sonst bieten, ist guter Durchschnitt. Unter der Haube sitzt ein 1,6 Liter Motor mit seitlicher Nockenwelle und 75PS. Ansonsten bietet der Fiat eine geräumige Karosserie, einen mit 400 Litern angenehm großen Kofferraum, eine reichhaltige Serienausstattung, wenig Geräuschdämm-Material und ziemlich dürftigen Federungskomfort. Die Dämpfung fällt nämlich reichlich schwach aus und die starre Hinterachse macht durch gelegentliche Trampelbewegungen auf sich aufmerksam. Das Auto ist bereits seit 1974 im Verkauf, hat aber 1978 eine umfangreiche Überarbeitung mit neuer Front- und Heckpartie sowie total renoviertem Innenraum erhalten. Die mehr als 1.000 deutschen Fiat-Händler bieten den 131 Mirafiori CL 5S für 13.675DM an.

 

Der Fiat 131 zeigt sich im Alltag als recht rauhes, dafür umso robusteres Fuhrwerk. Nicht ganz zufällig gewinnt Fiat mit ihm 1977, 78 und 80 die Marken-Weltmeisterschaft im Rallye-Sport und der legendäre Walter Röhrl wird mit ihm 1980 Rallye-Weltmeister.

 

Der französische Beitrag zum europäischen Markt der Möglichkeiten heißt Renault 18TS. Die modern gestylte Limousine ist im Sommer 1978 auf den deutschen Markt gekommen und präsentiert sich durch und durch als Kind der Grande Nation: Das Fahrwerk ist betont weich ausgelegt, die Sitze sind ebenso auf der ganz weichen Welle unterwegs und die 79 Pferdchen ziehen an der Vorderachse. Der Motor hat seine Feuertaufe bereits im Renault 16, der 1979 gerade am Ende seiner langen Karriere steht, bestanden. Er ist aus Leichtmetall gefertigt, hat eine seitliche Nockenwelle und reagiert allergisch auf hohe Drehzahlen, überzeugt aber mit günstigen Verbrauchswerten.

 

Innen gibt es neben viel Platz ein wohnliches Ambiente mit Velourspolstern in teilweise kräftigen Farben, doch ist der TS das einfachere Modell mit dem 1,7 Liter-Motor. Drehzahlmesser, Gummileisten auf den Stoßfängern oder fünf Gänge sucht man hier vergebens. Dieses bietet nur der teurere GTS. Die 13.865DM sind aber ein fairer Kurs für den Franzosen. Etwas getrübt wird die Freude lediglich durch den unbefriedigenden Geradeauslauf und die hakelige Schaltung.

 

Die deutschen Farben werden durch den Opel Ascona B 1.9N Luxus vertreten. Er vereinigt mit Gradlinigkeit, Solidität und Zuverlässigkeit eine ganze Reihe von deutschen Tugenden in sich. Der Ascona kann mit allen. Er kommt bei der deutschen Zwei-Kinder-Familie genauso gut an wie beim Pensionärs-Ehepaar mit Satteldach-Garage oder dem (pseudo)sportlich orientierten Vierthand-Nutzer, der ihn mit Breitreifen, Sebring-Spiegeln, Windsplit und Hartgummi-Heckspoiler seinem ganz persönlichen Geschmack entsprechend aufrüstet. Das Fahrverhalten des Asconas ist über jeden Zweifel erhaben. Der Ascona hat auf zigtausenden von Rallye-Kilometern seinen Mann gestanden und lässt sich selbst durch ahnungslose Hektiker hinter dem Lenkrad nicht aus der Ruhe bringen. Der dürftige Federungskomfort ist die Kehrseite der Medaille. Opel hat sich in den 70ern die Kritik an seinen früheren schwammigen Fahrwerken zu Herzen genommen und verfolgt nun den Kurs „hart aber herzlich“.

 

Mit 1,9 Litern Hubraum schenkt der Ascona großzügig ein. Das zahlt sich durch ein gutes Durchzugsvermögen bei niedrigen Drehzahlen positiv aus. Leider fallen auch die Trinksitten des Motors aus der CIH-Reihe in die Rubrik „großzügig“. 12,5Liter Normalbenzin schickt er durchschnittlich durch seinen Solex-Fallstromvergaser. Genauso wie der Fiat verfolgt auch der Opel eine beachtliche sportliche Karriere, die im Jahre 1982 mit dem Gewinn der Rallye-Weltmeisterschaft durch Walter Röhrl gekrönt wird. Überhaupt sind sich die beiden vom Charakter her recht ähnlich. Der Ascona punktet mit seiner routinierten Verarbeitung und den zahllosen Kombinationsmöglichkeiten aus Motoren, Ausstattungsversionen, Sportpaketen und Zusatzausstattungen, während der Fiat mehr Platz und einen sparsameren Umgang mit dem Sprit bietet. Wer den Ascona mit 1.9N-Motor, Luxus-Ausstattung und vier Türen wählt, ist mit 14.724,01DM dabei.

 

Großbritannien ist für mich – auch als künftiges Nichtmehr-Mitglied der EU – ein integraler Bestandteil Europas. Außerdem fühle ich mich, wie mein Benutzername schon sagt, dem längst untergegangenen Teil der britischen Automobil-Industrie verbunden. Also muss auch ein Brite in diesem Vergleich vertreten sein. Da für den in seiner Heimat weit verbreiteten Morris Marina hierzulande bereits 1975 der Vorhang gefallen ist, kann dies nur der Austin Maxi sein. Der hat im Jahre 1979 bereits ein ganzes Jahrzehnt auf dem Buckel. Die Karosserie mit vier Türen und großer Heckklappe sowie Ladekante auf Stoßstangen-Niveau ist prinzipiell absolut zeitgemäß, doch zeigen Details wie die sehr steil stehende Frontscheibe, die geradezu zerbrechlich wirkenden Stoßstangen und der chromüberladene Kühlergrill mit den Rundscheinwerfern das Alter des Maxis. Wer die Fahrertür öffnet und sich in den Engländer setzt, macht einen Ausflug in eine komplett andere Zeit. Das Armaturenbrett ist ein absolut gradliniges, mit Holzfurnier belegtes Brett, auf dem verschiedene Kipp- und Zugschalter sowie Kontrollleuchten ziemlich großflächig verteilt sind. Ablagen sucht man abgesehen vom Handschuhfach vergebens. Das Kurshalten geschieht mittels eines großen Lenkrades mit dünnen, bakelit-artigem Kranz, das auch einem alten Henschel-Lastzug gut zu Gesicht stehen würde.

 

Die meisten der 172 deutschen Käufer des Maxi im Jahre 1978 wird das nicht gestört zu haben, denn das wirklich Spannende befindet sich hinten: Die Rücksitzbank kann nicht nur nach vorn, sondern auch nach hinten umgeklappt werden. So entsteht bei ebenfalls zurückgeklappten Vordersitzlehnen ein praktisches Doppelbett. Der Kofferraum ist im Normalzustand mit 285 Litern relativ klein, kann aber auf mehr als 1300 Liter erweitert werden. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass der Maxi gerade mal 4,03m lang ist – gut 30cm weniger als der Renault, Fiat und Opel. Auch beim Preis ist beim Austin weniger offensichtlich mehr. Er kostet in der einzigen in Deutschland lieferbaren Version mit 1,75 Liter-72PS-Motor, fünf Gängen und HL-Ausstattung 12.570DM.

 

Der Reigen schließt sich mit einem Kandidaten aus Schweden. Das skandinavische Land ist wegen seiner immerwährenden Neutralität im Jahre 1979 noch kein EG-Mitglied, doch ist der Volvo 345GL bei genauerem Hinsehen Inhaber eines Doppelpasses. Volvo hatte nämlich 1975 die PKW-Sparte der niederländischen Firma DAF gekauft und somit nicht nur die ältlichen DAF 66-Modelle geerbt, sondern auch einen fast zuende entwickelten Schrägheckwagen. Dieser DAF 77 wurde 1976 als Volvo 343 auf dem Markt eingeführt und fiel zunächst durch eine ganze Reihe von zweifelhaften Eigenschaften auf. So war auch hier wieder die stufenlose Variomatic von DAF an Bord, die nicht allzu gut zum von Renault zugekauften 1,4 Liter-OHV Motor passte, das Armaturenbrett wirkte weder aufgeräumt noch solide und überhaupt gab es zahllose Klagen über die Verarbeitungsqualität des im niederländischen Born gebauten Fahrzeugs. Volvo arbeitete mit bemerkenswerter Akribie die vielen Mängel des Autos ab und siehe da, das Produkt konnte sich Ende der 70er durchaus sehen lassen. Lediglich der drehmomentschwache, stets angestrengt klingende Motor aus Renaults in den 70ern allgegenwärtiger Reihe Cléon Fonte blieb dem Auto bis zu seinem Produktionsende im Jahre 1990(!) erhalten, auch wenn es in den letzten Jahren zumindest Alternativen gab.

 

Für den Volvo, der seit Sommer 1978 auch mit einem sehr leichtgängigen Vier-Gang-Schaltgetriebe angeboten wird, sprechen das gute Platzangebot im Innenraum, der variable Kofferraum samt großer Heckklappe, die ordentlichen Sitze und die vergleichswiese komplette Ausstattung. Allerdings kostet der Wagen auch mit 15.500DM im Feld der Mitbewerber am meisten (obwohl er größentechnisch und vom Motor genau zwischen der Kompakt- und der Mittelklasse liegt), genehmigt sich reichliche 11 Liter des guten Superkraftstoffes und fällt durch eher schwache Fahrleistungen auf. So ist bei Tempo 150 schon das Ende der Fahnenstange erreicht, während die Konkurrenten bis zu 160 (Renault) laufen.

 

Zum Abschluss stellt sich die Frage, welcher Kandidat es denn nun sein soll. Make your choice …

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Mon Feb 08 17:46:38 CET 2016    |    British_Engineering    |    Kommentare (39)    |   Stichworte: 1995, Fähnchen-Händler, Gebrauchtwagen, Inzahlungnahme, Katalysator, Nissan, Opel, Passat, Prämie, Verschrottung, VW

Nachdem ich im letzten Frühjahr schon einmal ein paar Zeilen zu den Fähnchenhändlern in den 80er Jahren geschrieben hatte, folgen heute ein paar Impressionen aus dem folgenden Jahrzehnt. Auch hier nochmal der Hinweis, dass die Person Alfred Becker sowie sein Gebrauchtwagen-Handel rein fiktiv sind.

 

Der Morgen hatte nicht gut angefangen. Alfred Becker wurde von der Radionachricht über die Ermordung Jitzchak Rabins am Vorabend in Tel Aviv geweckt. Politik gehörte nicht zu Beckers bevorzugten Interessegebieten. Sie berührte ihn nur soweit, als die Benzinpreise an der Tankstelle und die allgemeine wirtschaftliche Lage im Land betroffen waren. Ging es den Leuten gut, tauschten sie eher ihr altes Auto gegen ein neueres, größeres oder schöneres. Dann lief’s auch für Alfred Becker gut. Dümpelte die Wirtschaft vor sich hin, war’s auch bei Becker mau.

 

Zum Thema „Israel“ und „Frieden in Israel“ hatte er kürzlich einen Bezug bekommen, als er einen Nissan Bluebird an einen hier lebenden Israeli verkauft hatte. Selten in seinen 37 Jahren im Gebrauchtwagen-Gewerbe hatte er einen Menschen gesehen, der sich dermaßen über das erworbene Auto freute. So waren sie etwas näher miteinander ins Gespräch gekommen. Der Israeli, ein hier an der Universität arbeitender Physiker, hatte erzählt, dass er monatelang eine preiswerte Limousine mit Klimaanlage gesucht habe, die er vielleicht eines Tages in sein Heimatland mitnehmen könne. Er würde gern wieder zurück gehen und durch den nun fast unumkehrbaren Friedensprozess sei das ja im Bereich des Möglichen. Der Bluebird würde ihm bestimmt noch jahrelang gute Dienste leisten. Robust, zuverlässig, im Bedarfsfalle einfach zu reparieren. Und eben mit Klimaanlage versehen, denn die wäre ja im norddeutschen Sommer schon nicht schlecht, in Israel aber fast lebensnotwendig. Becker war froh, einen Käufer für den kantigen Japaner gefunden zu haben. Neun Jahre alt, 125.000km, dritte Hand, kein Kat, der rote Lack schon etwas ausgeblichen, eine nachgerüstete Klimaanlage als einzige Besonderheit.

 

Das Geschäft war schwieriger geworden in den letzten zwei, drei Jahren. Zu gern erinnerte sich Becker an die Zeit direkt nach der Wende, als die Kunden ihm fast alles aus den Händen rissen. Und das, obwohl die Grenze zur Ex-DDR vom heimischen Hildesheim gut 100km entfernt war. Einen mäßig gepflegten Talbot Horizon, der in sieben Jahren durch nicht weniger als fünf Hände gegangen war, hatte er für stolze 7.200 Mark verkauft und auch an eine Ford Taunus Limousine in Grün-Metallic mit Automatik und vollem RS-Spoilerprogramm dachte Becker lächelnd zurück. Wie viele Wochen hatte dieser Wagen in Beckers wöchentlichem Zeitungsinserat gestanden? Das bizarr ausgestattete Auto hatte die besten Chancen, als Beckers größter Fehleinkauf aller Zeiten in die Annalen einzugehen. Er hatte sogar schon überlegt, ihn einfach der freiwilligen Feuerwehr für Übungszwecke zu schenken. Dann kam aber im Frühjahr nach der Wende ein Familienvater aus Quedlinburg und kaufte den alten Ford im Trainingsanzug ohne Preisverhandlungen innerhalb einer halben Stunde -so als habe er jahrelang auf genau dieses Auto gewartet.

 

Dies alles lag nun schon eine Weile zurück. Zu Boom-Zeiten hatte eine ganze Reihe weiterer Gebrauchtwagen-Händler aufgemacht: Auto 2000, Star-Car, Auto-Basar Basani und noch einige mehr. Einige waren schnell wieder verschwunden, doch andere schienen genau zu wissen, was sie taten und verfügten offensichtlich auch über Quellen für gute Autos. Bei Star-Car standen immer mal wieder gepflegte Audi 100 C3 oder BMW 5er E28 in der ersten Reihe und auch alte Golf oder Kadett Diesel mit hoher Laufleistung für Niedrigstpreise waren stets im Angebot. Für Alfred Becker dagegen schien die Suche nach guten Fahrzeugen immer mehr zum Kampf zu werden. Viele Hersteller boten ihren Kunden 2.500 oder manchmal sogar 4.000 Mark Prämie an, wenn sie ihren alten Wagen ohne Kat abgaben und einen Neuwagen kauften. Insbesondere Opel und Ford brachten Becker mit dieser Verkaufsstrategie zur Verzweiflung.

 

Ein gepflegter, älterer Kadett E mit möglichst wenig Rost ließ sich immer verkaufen, doch gingen diese Kadetten oder auch Ascona C und Sierra sehr oft im Rahmen der Verschrottungsaktion zu den Vertragshändlern zurück. Becker sah sie dann oft hinter den Werkstatthallen in einem mit Stacheldraht eingezäunten Areal stehen. Dem Hochofen-Tod Geweihte, die teilweise noch nicht mal die 100.000km-Marke überschritten hatten. Becker kam nur noch zum Zuge, wenn Leute keinen Neuwagen kauften, sondern einfach ein Auto loswerden oder im Segment der Gebrauchten wechseln wollten.

 

An diesem grauen Novembermorgen, der so schlecht mit der Schreckensnachricht aus dem fernen Israel begonnen hatte, schien sich endlich mal wieder ein für Alfred Becker lohnenswertes Geschäft anzubahnen. Ein alter Knabe kam mit seinem Passat 32B Schrägheck auf den Hof gerollt. Er schälte sich mühsam mithilfe eines Stocks aus dem Passat und kam dann in Beckers Holzhäuschen vorn auf dem Platz. Nachdem er umständlich Platz genommen hatte, nahm er ein dickes Paket aus seiner Aktentasche: ein Serviceheft voller Stempel von „Dost Automobile – dem Schlüssel zur Wirtschaft-lichkeit“, die Neuwagenrechnung von Mai 1984, alle Reparatur-Rechnungen der vergangenen elfeinhalb Jahre, alle TÜV- und ASU-Berichte, ein Original-Volkswagen Lackstift Gambiarot und natürlich der Fahrzeugbrief mit nur einem Eintrag und die Bedienungsanleitungen für das Fahrzeug selbst und das Volkswagen-Radio „Puebla CR“.

 

Anhand der ganzen Unterlagen hatte Becker nun schon erfahren, dass es sich bei dem Passat des vor ihm sitzenden alten Knaben um ein CL-Modell mit 75PS handelte, dass mit einigen Extras im Frühjahr 1984 21.145DM gekostet hatte und dem letzten Serviceheft-Eintrag vor wenigen Monaten zu urteilen jetzt knapp 90.000km auf der Uhr haben müsste. Becker ließ sich die Schlüssel geben, schenkte dem alten Herrn einen Kaffee ein und ging den Passat anschauen. Was ihn empfing, war Bürgerlichkeit im besten Sinne: Ein rundum gepflegtes Auto mit Kantenschonern an allen vier Türen, Schmutzfängern, nachgerüsteten Hella-Nebelscheinwerfern und Colortweed im Farbton „Saiga“. Am Armaturenbrett kündete ein kleiner Aufkleber vom VAG-Partner davon, wie es mit der Anschnallpflicht zu halten sei: „Es wird gebeten solange angeschnallt zu bleiben, bis das Triebwerk zum vollständigen Stillstand gekommen ist.“

 

Becker kam zurück in sein Holzhäuschen, bevor der Passat-Eigner überhaupt seinen Kaffee ausgetrunken hatte. Man wurde sich schnell einig. Das Auto wurde für 3.900DM angekauft. Der alte Herr würde fortan auf den gelegentlichen Fahrservice seines Schwiegersohns zurückgreifen und Becker hatte wieder ein gepflegtes, gut verkäufliches Auto mehr auf dem Hof stehen, das die Reihen der frühzeitig gealterten Alfa 75, weit gereisten Mercedes 240D W123 und übel malträtierten Kadett GSI aufwog. So war auch zu verschmerzen, dass am Nachmittag mal wieder jemand vorfuhr, der Becker eine andere Art von älterem Passat andienen wollte: Variant Diesel, 272.000km, vollkommen verschlissene Stoßdämpfer, rutschende Kupplung, aufgerissene Kunstleder-Polster, zerbrochene Seitenverkleidungen im Laderaum, Windschutzscheibe mit sechs Schweizer Autobahn-Vignetten, leere West-Schachteln in allen Ablagen und ein Beleg über einen Ölwechsel im Jahre 1992 bei der „Garage Claude Soumartin, Charleroi“ waren hier die Eckpunkte.

 

Um diesen Seelenverkäufer halbwegs vorzeigbar zu machen, müsste Beckers Meisterschrauber Milan Sonderschichten schieben. Und das war schon allein deshalb kaum denkbar, weil Milan momentan mehr am Radio die Berichte über den Krieg in seiner Heimat Bosnien-Herzegowina verfolgte als unter irgendwelchen Autos zu liegen. Mehr als ein Mal hatte er schon ein ernstes Gespräch mit Milan geführt. Sogar ans Rauswerfen hatte er schon gedacht. Aber was würde aus dem Laden ohne Milans handwerkliches Geschick werden? Wer würde sich dann um die Perlen aus den Rentnergaragen und die gnadenlos aufgebrauchten Kilometerfresser kümmern?

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Sat Dec 19 21:54:59 CET 2015    |    MrMinuteMan    |    Kommentare (35)

Im Norden Deutschlands ist das Wetter oft Scheisse und die Kneipen für Leute unter 30 die noch n bisschen mehr hören wollen als das übliche olle Chartgeduddel knapp gesät. Oftmals bleibt man da am Wochenende lieber in seiner Bude und kippt sich auf eigene Initiativ einen hinter die Luke.

 

Im Dunst des Alkohols begibt man sich dann auf Ebay-Kleinanzeigen und andere spannende Seiten, hackt mal hier und hackt mal da einen Suchbegriff ein und wundert sich was es alles noch gibt und was die Leute so alles verscherbeln. 11 KG Zinnbesteck auf einen Haufen. 80 Deko-Eulen in einer Kiste. Opas alte Schallplatten oder 59 Briefmarkenalben im Paket. Alles schon gesehen.

 

An einem jener besagten Abende, seilte ich mich ein mal wieder ab in die Untiefen der Haushaltsauflösung ab und stolperte über ein Angebot. "17 VHS-Filme für 5 €". VHS? Video Home System? Als BJ ende 80er und Kind der späten 90er und frühen 00er Jahre kannte ich das natürlich noch. Lustige Streifen auf dem Film, Bugs Bunny der nach dem fünfzehnten abspielen klingt wie ein Dämon aus dem 4. Kreis der Hölle und wer ganz viel Glück hat, dem reißt nicht nur der Geduldsfaden, sondern auch das Band.

 

Was haben wir den da? Blade, Matrix, Easy Rider, Armageddon, Backdraft, Scream 1 bis 3, MIB. Die ganzen geilen Schinken aus den 90ern. Independence Day! Wovon sogar bald der 2 Teil kommen soll. Wie geil ist das den bitte? Und alles für 5 €? Der Scheiss wird sowas von gekauft.

 

Am Ende standen dann ein bis zwei E-Mails, eine kurze Fahrt 10 KM nach Westen und schon hatte ich für einen 5er ne Kiste mit 17 VHS-Filmen geschnorrt. Welch herrliches Spektakulum. Dazu noch den alten Videorekorder von den Eltern abgefischt (brauchen den eh nicht mehr) und schon konnte der Rücksturz in die 90er beginnen.

 

Und meine Güte. Was für ein Flashback. Schon die alten, klobigen VHS-Hüllen weckten Erinnerungen. Die dicken alten Plastedinger auffummeln, diese riesige schwarze Kastenbrot von Kassette aus der Hülle hohlen. Und das war mal Standart und denke an kleinen USB-Stick von heut Mittag zurück, der etwa so groß wie mein Daumen ist, dass vielfache an Daten speichern kann und locker in jeder Tasche verschwindet.

 

Danach das einlegen in den Rekorder. Krach, ronk, schepper. Das Teil klatscht mit der Geschmeidigkeit eines russischen Kampfpanzers in das Gerät, es rappelt und klappert das man bei einer DVD Angst und Bange würde. DVD vs. Kassette. Feinchirurgie vs. Kettensäge. Und nun, der eigentliche Film.

 

Anders als die DVD kann ich hier wenigstens vorspulen. Die guten alten Streifen, dass surren des Bandes im Gerät und die ungewisse Frage "reißt es?". Ich kann mich noch erinnern, wie ich in meinen Autoanfangstagen stolz Papas einzige ACDC-Kassette einlegte. Highway to hell lief gut weg. Und dann Thunderstruck. Da da da da, dam dam, da da da da da, dam. Youve been. THUNDERSTRRKKKKCHHRRRR.

 

Band gerissen. Noch die 20 M zum Parkplatz zu Ende gefahren und dann erst mal massiv den Bandsalat aus dem Audiogerät gepult. Bandgemischtes frisch vom Radio, ab in die Tonne damit. Machs gut Angus, wir sehen uns Anno CD wieder.

 

Aber. Das Band hielt und hält. Spult vor, spult zurück. Ein Trailer für das "Spiel zum Film". Jetzt erhältlich für Sega Saturn (Dafuq?) und Windows 95 (ARGHHHHH!!!!). Herrlich. Und die Bildqualität? Annehmbar. Und alles "wie früher". Wobei früher gerade mal gute 16 Jahre her ist.

 

Der Film vergeht wie im Flug, zeitweise spür ich keinen Unterschied zur DVD, da das Band wohl selten abgespult und somit noch nicht fritte ist. Nur am Ende des Films. Ja wie war das jetzt?

 

"Be kind, rewind." Also zurückspulen. Ich bring den Biomüll runter. Er spult. Ich falt ein paar Hemden. Er spult. Ich räum die leere Mineralwasserflasche weg. Er spult. Ich schneid ein paar Birnen auf. Er spult. Ich... Hey, nach über einer Viertelstunde ist der Film schon wieder da wo ich angefangen hab.

 

Kein Wunder das DVDs damals so schnell die Kassette überholt haben. Alles in allem aber ein witziger Trip zurück in die 90er und ich freu mir schon auf die restlichen Filme. Und nun entschuldigen sie mich bitte, ich muss noch mal auf Kleinanzeigen. Hätte gern noch Ronin, Convoy und Godzilla auf Kassette.

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Thu Oct 15 16:17:51 CEST 2015    |    bronx.1965    |    Kommentare (70)

Die Geschichte vom Kauf unseres Monza's.

 

Anfang 2013, ich hatte gerade unseren Hof etwas geleert und einige Omega und einen Rapid meistbietend unter die Leute gebracht, da erreichte mich eine PN eines guten Freundes aus der Schweiz hier auf MT:

 

"Sag mal, hast Du Bock auf einen Monza? Dein Bengel hat doch da mal was gesagt. Sowas hattet ihr ja wohl noch nicht, oder?"

 

"!!!!"

 

Ich: nee, wieso? Er: "ich hab da eine interessante Occasion" Es folgte ein Link, welcher einen guterhaltenen Opel Monza zeigte, der ganz offensichtlich in seinem Leben nur wenige Kilometer zurücklegen musste und auch sonst ein wohlbehütetes Dasein gehabt hatte.

 

"Verkauf wegen Nichtgebrauch." Diese Aussage machte mich letztendlich stutzig, sowas ist ungewöhnlich. Lange Rede, kurzer Sinn, Telefonat nach CH:"Kümmer dich mal darum, kannst Du den mal anschauen?" Mein Freund konnte und sendete mir 3 Tage später ein knappes Kilo an Daten und Bildern. :) Fazit: guter Zustand, weit besser als das was man hier zu Lande unter 'best offer' verstand.

 

Nachfrage von mir beim Verkäufer, ja, der ist noch zu haben. Dünnes Eis! :rolleyes: Anhand von Bildern ein Auto zu kaufen, das hatte ich noch nie gewagt! Egal, getan, der Preis war nicht existenzgefährdend. Also Ticket bei Easy-Jet gebucht! Mein Bengel und ich, jeweils 169 EUR. SXF-Basel. Eigendlich nicht wirklich teuer. :)

 

Freitag Mittag, ich hole den Burschen von der Arbeit ab, ein guter Freund bringt uns zum Airport. Abflug 13:30. Landung 15:10 in Basel. Zugfahrt nach Bern, 90 Km. Alles geht gemütlich, typisch Schweiz. Und das macht mir dieses kleine Land erneut äusserst sympathisch.

 

In Bern dann eine Fahrt mit einem O-Bus Richtung Wohnort des Anbieters. Dort angekommen musste ich erstmal tief Luft holen, denn der Verkäufer erinnerte mich stark an den Ricola-Kerl aus der Werbung, ("wer hat's versaut? Wer genau?") :D

 

Nun denn, Probefahrt gemacht, der Kahn lief gut. Die 3 Gang Automatik befleissigte sich zu diskretem Hochschalten, ohne das charakteristische *Wupp* verschlissender Bremsbänder. Ein wichtiges Indiz, was gern mit muss mal nachgestellt werden erklärt wird. :rolleyes: Der Verkäufer war dahingehend ehrlich und geizte nicht mit Aussagen! Bremse hinten top, Vorne eher naja! Die Schweizer MFK hatte der Kahn jedenfalls bestanden, wenn auch nicht ohne den Hinweis mit der baldigen Fälligkeit der vorderen Bremse. Ein Zustand, den wir hier daheim umgehend abstellten!

 

Samstag früh 07:00 Uhr, wir fahren nach Lörrach zum Verzollen, es ist leer, alle 3 Zöllner liegen auf dem Fensterbrett und sind anschliessend rührend bemüht, uns bei dem ganzen Procedere zu unterstützen. Ich hatte bis dato noch nie einen Karren aus einem Nicht-EULand importiert! Ausser vor ca 20 Jahren einen Golf II aus LT. Aber das ist eine andere Geschichte. Kurzum: die Herren waren äusserst fit, boten mir gleich noch die Unbedenklichkeitsbescheinigung § 12 Abs. 4 FZV an. Mittlerweile soll sie nicht mehr erforderlich sein. Europa muss ja auch für was gut sein! :D

 

Nachdem wir das durchdekliniert hatten, bestanden die Herren Zöllner noch auf einer Proberunde, mehr aus Vergnügen, denn aus Pflichterfüllung. :) Nur zu gern! Wir drehten also einige Runden mit Monzi auf dem weiträumigen Platz der Abfertigungsstelle. Danach gab es ein deftiges Frühstück, ein Kanister Öl wurde gekauft (schliesslich standen knapp 1000 Km Heimfahrt bevor und erzählen kann man ja viel). Von daher, lieber auf alles gewappnet sein! ;)

 

Was soll ich sagen, die restliche Heimfahrt verlief völlig unspektakulär. Einmal wurden die Bremsen warm, was eher der langen Standzeit geschuldet war (Verkauf wegen Nichtgebrauch), ein anderes mal monierte die Gemischfabrik selbiges mit etwas Ruckelei. Aber, alle diese Macken verloren sich nach ca 200 gefahrenen Km. Was meine These stützt, ein Auto welches nicht bewegt wird, ist verloren. ;)

 

Echt lustig waren die zahlreichen Fragen und Aussagen bei unseren beiden Tank- und Raststopps. Von "Was issen das für einer" über "hanoi, do het ihr aber a schönes Käschtle" bis hin zum Schlüsselsatz der Ü-60er: "so einen hatten wir auch mal" war alles dabei. :) Der Sympathie-Faktor war erstaunlich hoch.

 

Ich würde so einen Trip jederzeit wiederholen, nur die Angebote werden auch dort mittlerweile dünner oder bewegen sich preislich in Regionen, die nicht meine sind. Hobby soll Hobby bleiben. Vom sog. Garagengold oder "Oldie als Investment" halte ich dagegen gar nichts. Aber Jeder wie er mag. :)

 

In diesem Sinne,ich hoffe, Euch hat meine kleine Geschichte gefallen. Bronx.

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Fri Oct 09 21:43:58 CEST 2015    |    MrMinuteMan    |    Kommentare (19)

Es gibt eine Zeit, die mathematisch noch gar nicht so weit weg ist. Und deren Zeitzeugen sogar noch Leben. Quasi direkt um die Ecke. Sagen wir vom Standpunkt 2015 aus vielleicht 40 oder 50 Jahre zurück. Aber wenn wir diese Zeit mit heute Vergleichen, dann kommt es einem vor als ob wir von einer Zeit 400 oder 500 Jahre weiter zurück reden.

 

Kalter Krieg, Blockstaaten, schon mit Ende 20 das eigene Häuschen, dazu Frau und ungefähr zwei Kinder. Am Sonntag wird zur Kirche gegangen und dann der Wagen gewaschen. Ersteres zumindest auf dem Dorf. Aber Auto von Hand waschen, dass war damals noch groß in Mode. Selbst in einer Szene von Manta Manta ende der 80er kann man noch sehen, wie eine ganze Reihe von Herren wochenends am Straßenrand steht und zur Fußballübertragung im Radio das geliebte Auto wäscht.

 

Allgemein war das mit dem Auto damals noch irgendwie anders. Mit dem Auto kam die Freiheit. Wer ein Auto hat war was. Die erste Fahrt nach Italien und somit war das Stück Blech mit Reifen sogar so was wie ein Familienmitglied. Ganze Städte wurden dem Auto zu Reifen gebaut. Wer kein Auto hatte wollte eins und wer eins hatte wollte ein besseres.

 

Das Auto gehörte einfach dazu. Zur Familie, zum Alltag. Unabkömmlich. Und der Autokauf selber war eine Sensation an sich. Mit der ganzen Familie in guten Klamotten zum Händler, dem Herrn Schmidt, Meyer oder Müller im kleinen Autohaus an der Ecke. Das neue Modell bestaunen, welche technische Innovation ist dieses Jahr vom Himmel gefallen? Komplett neue Achskonstruktion, Fahrzeuge ohne Schmiernippel, Vergaser, Motoren bei denen man das Ventilspiel nicht mehr einstellen muss. Eine Innovation jagt die Nächste. Vom Sicherheitsgurt über den Airbag zum ABS.

 

Der Rost frisst die Fahrzeuge im Gegensatz zu heute zwar quasi im Zeitraffer auf, aber dafür gibts nach 7 Jahren schon das nächste Modell. Und das ist so um Welten besser, dass man den alten Karren dann schweren Herzens aber doch erleichtert an irgend einen Studenten für ein paar Mark verkauft. Zur Not noch mal durchschweißen das Ding und dann wirds auf irgend einer Semesterferienparty irgendwo zwischen Flensburg, Hammerfest, Schottland oder Italien verheizt.

 

Anschließend kommt der Blechhaufen zu einem Verwerter, wo er wie hingeworfen liegt. Öl sickert ins Grundwasser, Teilegeier kreisen und dann kommt das Ding in den Schredder. Oder weit draußen aufem Dorf wo keiner so genau hinschaut, wird so was auch schon mal in einer Grube verscharrt, einer Scheune vergessen oder anderweitig entsorgt.

 

Klingt irre. Aber soll so in der Art wirklich alles mal passiert sein. Wenn man sich da heute anschaut.

 

Der End-Zwanziger mit Eigenheim und 2 Kindern samt Ehefrau ist heute eher eine Randerscheinung. Genau wie die glückliche Familie im Inhaber geführten Autohaus um die Ecke. An die Stelle der gemütlichen kleinen Autobude sind große Ketten getreten, die sich teilweise quer durch die Republik erstrecken mit dutzenden von Filialen in lichtdurchfluteten und durchgeplanten Glaspalästen.

 

Auch der Autoerwerb an sich hat sich etwas, aeh, verändert. Wer heute unter 75 ist, überlegt sich oft dreimal, ob er überhaupt ein Auto kauft. Auf Motor-Talk sicher etwas schwer vorstellbar, aber gerade wenn ich mich unter meinen Altersgenossen kurz vor und nach 30 umhöre hör ich immer öffter die Worte "naja ich brauch ja eins, aber lieber würd ich zur Arbeit mit dem Fahrrad. Es kostet halt so viel" (original O-Ton!).

 

Ein anderer Freund meiner Person könnte sich mit seinem Gehalt locker den ersten Benz frisch vom Händler leisten. Wäre früher wahrscheinlich auch so passiert, heute fährt er lieber mit dem Dacia durch die Gegend. Auto? Draußen vor der Tür. Sonst noch Fragen? Die letzte Generation, die das Auto als muss betrachtet, marschiert gerade geschlossen ins Altenheim. Was sie hinterlässt, sieht man auf ebaykleinanzeigen und mobile unter der Rubrik "Rentnerfahrzeuge".

 

Zum Teil perfekt gepflegte Fahrzeuge der 90er und frühen 2000er Jahre mit oft lachhaften Kilometerleistungen (BJ 92 und 75.000 KM) die nach dem ableben oder fahruntüchtig werden ihres letzten Besitzers weg müssen weil die Erben nicht wissen wohin damit.

 

Ringt man sich dann doch durch ein Auto zu kaufen, geschieht das meist aus wirtschaftlichen Zwängen. Meistens beruflichen. Und da ist der freundlich grinsende Verkaufskater im Glaspalast oft die allerletzte Adresse. Geld ist knappe wenn man von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelt. Entweder ein guter Gebrauchter mit Rest-TÜV oder wer mehr auf der Bank hat plündert die Leasinghalde.

 

Den hier kommt der nächste kulturelle Umbruch. Wurden viele Autos früher über Privat in den Markt gebracht, ist es heute das Leasing. Irgendwie müssen all diese Autofabriken am laufen gehalten werden, also wird der Wagen erst im Attraktiven Leasingpaket an gefühlt 1 Drittel Privatkunden verliehen und zu 2 Dritteln an Firmen.

 

Laufzeit 4 Jahre, attraktive Verzinsung, Werkstattbindung, maximale Kilometerleistung pro Jahr und Wertgutachten am Ende der Leasingdauer mit Option auf Kauf über Restwert. Da is überhaupt nix mehr mit "Autoromantik" und dem Geruch von Neuwagen genießen. Ökonomie bis auf den letzten Cent. Und gewaschen wird nicht mehr von Hand am Samstag, sonder für 12 € (wenn überhaupt) in der Waschanlage schnell nach Feierabend.

 

Hat der Leasingwagen diese erste Hürde genommen, müssen die mit etwa 50- bis 100.000 KM belasteten Reste unters Volk gebracht werden. Rabatte, Rabatte, Rabatte. Umtauschprämie, Geld für Ihren Gebrauchten und wer heute in Lederhosen kommt bekommt nochmal 1.000 € geschenkt. Raus mit der Scheisse, von hinten drücken schon wieder 20 Kombis die von der Firma XY zurückkommen nach und der Hof ist eng.

 

Der Alltagswagen als Stolz, gar als Familienmitglied? Klar, in ein paar letzten Ecken gibts das sicher noch. Aber ansonsten gilt die Planung bis auf den Cent und möglichst günstig. Wirds der nicht wirds ein anderer. Autos werden einem an jeder Ecke hinter her geschmissen. Die Höfe müssen irgendwie leer werden, bevor sie vor gebrauchten Altlasten zusammenbrechen.

 

Ist der Wagen dann ein mal in Privathand, wird die Sau weiter gehetzt. Auch hier erfolgen punktgenaue Berechnungen, wie viel der Wagen in Wartung und Verbrauch kostet. Zu verschenken hat heute keiner was. Und auch die Kilometerbelastung. Wer ein Auto heute hat, braucht es. Entsprechend sammeln die Kisten Kilometer.

 

Die offizielle durchschnittliche Jahresfahrleistung eines deutschen Autofahrers liegt bei etwa 15.000 KM mit Tendenz richtung 20.000 KM. Die Fahrzeuge sammeln Kilometer wie andere Bonuspunkte. Schnell sind die 150.000 überschritten, schon kommen die 200.000. Und damit die ersten Reparaturen. Injektoren tot, Steuergerät fritte, ein Unfall oder irgend ein anderes teures Aggregat können da schnell das aus bedeuten. Investieren oder den nächsten von der Leasinghalde picken? Wieder der Griff zum Taschenrechner. Merke, dass Auto ist nur noch ein Haufen Blech. Ein notwendiges Übel.

 

Wird die Investition dann zu teuer, landet der Wagen schnell mal beim zertifizierten und umweltschonenden Verwerter. Auf großen Plätzen findet man zum Teil überraschend junge Fahrzeuge, eine kleine Auswahl davon gibts in der Bildergalerie. Alternativ geht der Wagen zum Polen oder Afrikaner. Ab ins Ausland und in Polen wird der Wagen für einen Bruchteil der deutschen Kosten wieder flott gemacht und buckelt dann weitere Jahre.

 

Oder man fährt den Wagen doch weiter. Warum auch wechseln? Die Zeiten der wirklich großen Innovationen ist vorbei. Der Sprung vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto landete irgendwie im Graben und der Wasserstoffwagen lässt sich bitten.

 

Wo früher komplett neu gestaltete Motoren, komplett neue Achsaufhängungen, neue Sicherheitskonzepte und weniger Wartung (Schmiernippel und Ventilspiel) standen, bietet der neue Wagen heute eine Kaffeetasse die mir sagt ich bin müde, einen Stellmotor mehr im Sitz, ein beheizbares Lenkrad oder eine Verbindung zu Facebook. Steh an der Ampel. Yolo!

 

In Zeiten von knappen Kassen allerorts, kann man damit privat nur noch Leute mit Geld oder einem wirklich Spleen fürs Auto hinterm Ofen vorlocken. Der Sprung vom Golf 6 zu 7 sieht selbst der Autonarr erst nach dem er zweimal hingeschaut hat, ein Astra H ist jetzt nicht wesentlich anders als ein Astra J und die 0,5 Sekunden mehr Beschleunigung die man vielleicht vom Mondeo MK-4 zu 5 bekommt interessieren kaum einen wenn er mal wieder in der Baustelle vor dem Büro festhängt.

 

Klar. Bleibt das Design. Aber das ist wieder so eine Sache für Leute, die Autos als "Freund- und Familienmitglied" ansehen. Wie neulich jemand zu mir sagte auf meine Frage was für ein Auto er will: "Hauptsache sicher, es fährt und frisst mir nicht die Haare vom Kopf."

 

Schöne neue Autowelt. Je nach dem wie mans sieht.

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Sun Oct 04 08:40:39 CEST 2015    |    bronx.1965    |    Kommentare (81)

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Heute haben wir den 3. Oktober.

 

Der Tag der deutschen Einheit. Dies ist zwar ein Autobezogener Blog, dennoch, ein paar Gedanken zum Datum seien gestattet. Das alles ist jetzt 25 Jahre her, ich war damals halb so alt wie heute, also 25 :) Man fuhr Wartburg und Trabant, Moskwitch und Lada, Skoda und Polski-Fiat (den Lizenz-Bau des 125er Italianos), Dacia 1300 und die "geliftete" Variante 1310, welche sich besonders durch unterirrdische Verarbeitungsqualität auszeichnete. An Transportern dominierte in den Strassen der Barkas B-1000, TV 41 aus rumänischer Produktion (Werk Autobuzul), diverse russische Modelle und einige wenige eingeführte VW T3.

 

Damals wohnte ich noch in Berlin, gegen 18:30 kam die berühmt-berüchtigte Schabowski-Meldung. Alles hörte ungläubig zu und brauchte erstmal Zeit um zu realisieren: was hat dieser Typ da eigendlich jetzt gerade gesagt? Wir dürfen (können) rüber? Einfach so?

 

Keine Frage, alle hinein in meinen Trabant, ab zur Sonnenallee. Zum kürzeren Ende derselben! :D Als wir ankamen war die Bornholmer Strasse bereits offen. An der Sonnenallee spielte sich alles mit etwa halbstündiger Verspätung ab.

 

Dort angekommen, wurde man förmlich "durchgesaugt" von den Massen und ich musste erstmal realisieren das ich jetzt wirklich "drüben" bin! Die vor Aufregung angeschwollene Blase forderte ihr Recht und ich pinkelte voller Inbrunst erstmal besagtes Schild "you are entering the american sector" an, um zu realisieren: ich bin wirklich hier! Kein Traum, keine Fata-Morgana.

 

Wir gingen dann die "Sonne" (wie der Berliner besagte Allee in Ost und West gleichermassen nennt) herunter und landeten im Taxi-Eck. Eine typische berliner Eckkneipe. Lustiges Detail: gegen Null Uhr erschien ein Jeep der American Military-Police. Sie suchten, ähnlich wie die Feldjäger der Bundeswehr heute, wahrscheinlich Soldaten die irgendwas verbrochen oder überschritten hatten. :D

Völlig überrascht von den Ereignissen fingen sie mit uns German Kacksackern eine Unterhaltung an. Auch "German Bolschie" war ein oft gewähltes Attribut. Sie wussten es ja auch nicht besser, genau so wenig wie wir. Die Stimmung lockerte sich merklich, als der "Führende" des Kommandos kurzerhand befahl: Whisky, for all, Asap! Wir sassen bis um Vier am Morgen. :D

 

Trotzdem musste man ja am nächsten Tag sein Ding leisten. Um Sieben war also Arbeitsbeginn. Nur, die Hälfte der Kollegen fehlte.

 

Eines war damals bereits jedem halbwegs aufgeklärten Menschen klar: nichts bleibt so, wie es ist! Es war der Anfang vom Ende. Wie wollte man auch den Leuten eine Weltanschauung erklären, ohne das sich diese die Welt anschauen durften?

 

Wie habt ihr diesen Tag erlebt? Was habt ihr empfunden? Heraus damit!

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Fri Oct 02 21:13:36 CEST 2015    |    MrMinuteMan    |    Kommentare (15)

Vorweg: Dieser Artikel ist ein Zwei-Personenartikel. Der kursive Teil sind dabei Bronx1965 Anmerkungen zu meinem normal geschrieben Teil. Quasi die "Beobachtungen eines Blechtouristen". Und nun zum Text:

 

Hoher Besuch aus Berlin hatte sich angekündigt. Nicht der Bundespräsident, nicht die Bundeskanzlerin, nicht der Typ dem das Brandenburger Tor gehört oder der Berliner Bär persönlich standen auf meiner bescheidenen Fußmatte, sondern bronx1965 persönlich. Welch Glanz in meiner marmeladenverklebten Schwartauer Hütte.

 

An dieser Stelle will ich als der Angesprochene mal anmerken, das wir das schon ewig vor hatten. Ich wollte der wunderschönen Hansestadt, welche sich ja in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Minutenmannes befindet, längst wieder einmal einen Besuch abstatten. Die letzte Visite datierte aus dem Jahr 1996. Dementsprechend verblasst waren meine Erinnerungen. Ein ausführlicher Trip durch die Altstadt, auf der sich Rocket als fundierter Kenner von Lübecks Höhepunkten erwies, erneuerte meine latent vorandene Begeisterung für die Hansestadt. Ein gelungener Abend bei unserem Lieblings-Mexikaner rundete den Tag kulinarisch bestens und perfekt ab!

 

Nach einem entspannten Donnerstag, kamen wir zum Höhepunkt seiner Audienz hier oben. Ein Trip nach Hamburg! Und da Bronx noch einen Auspuff für seinen Renault Megane brauchte, war klar wohin die Reise geht. Pilgertour zu Deutschlands größtem Schrottplatz! Kniefall vor dem Gott des Blechgemetzels.

 

In Berlin gibt es schon lange keine 'do it yourself' Schrottplätze mehr. Von daher war die Tour eh gesetzt! Visuell und Ergebnisorientiert.

 

Also rein in den Bus und runter nach Norderstedt. Besser gesagt, so zick-zack quer rüber. Vernünftige Ost-West Verbindungen sind Schleswig-Holstein selten geläufig, daher gings erst mal auf der 1 runter und dann durch den Hamburger Speckgürtel wieder mühsam nach oben.

 

Wobei mir mal wieder auffiel, wie verworren und verbaut die Hamburger City ist. Auch die Dauerbaustellen auf der BAB weckten das altvertraute "Willkommen daheim"-Gefühl! Alles wie in B.

 

Vor Ort angekommen herrschte erstaunlich viel Betrieb. Vom brandneuen Golf bis zum alten Elch stand alles auf dem Gästeparkplatz und zwängte sich durch den Eingang. Auch Bronx und ich marschierten durch den Eingang ins Gebäude. Disneyland für Altblechfreunde, nur ohne grinsende 2 Metermaus mit Ohren wie eine sowjetische Abhörstation. "Willkommen auf dem Spielplatz" waren meine Worte und das war es auch. Den das ist es im Grunde. Ein riesiger Spielplatz für Altblechfreunde.

 

Gucken, sehen, staunen, schrauben.

 

Und auch Bronx erwischte es am Eingang, wie es jeden erwischt der das erste mal auf dem Platz steht. "Man is dat ein riesen Jelände!" kann man seine Reaktion zusammen fassen. Vor uns erstreckten sich Reihe um Reihe an ausgedienten Altfahrzeugen. Beginnend mit ein paar KA und Fiesta MK-4 am Eingang, zog sich das Programm über Volkswagen, Mercedes und BMW die Reihe herunter. Und dann kam noch mal so eine Parade dahinter.

 

Da hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen! Ich war schier erschlagen von den ungeheuren Mengen an "Schlachtfahrzeugen"!

 

Mit einer Mischung aus 50 % Ehrfurcht und 50 % Erstaunen durchschritten wir die Wandelgänge des freiluftigen Altblechvatikans. Einmal bis hinter zu den Merceden, unterwegs einen Granada ohne Dach bestaunend, dann an den alten US-Cars vorbei und zur Oldtimerecke. Vorbei am letzten aufbäumen der britischen Automobilbaukunst (Rover 75) zur Oldtimerecke. Trabant, tote Raubkatzen und ein orangener Opel Rekord E Caravan sowie ein DKW Munga der scheinbar jahrelang im freien stand.

 

Der Rekord tat weh, die Rover 75 (formal und innenraum-technisch betrachtet) die letzten, verschwenderisch und scheinbar ohne Kosten-Diktat gestalteten Limousinen, erinnerten mich daran, in was für einer grenzenlos verschwenderischen Gesellschaft wir hier leben. Opulentes Leder, Memory-Sitzverstellung, allein die elfenbeinfarben unterlegten Instrumente mit ihrer wunderschönen Grafik sind, neben dem Wurzelholz und scheinbar aus dem vollen gefrässten Türöffnern, haptische und visuelle Highlights. Alles weggeschmissen, aus vorbei. Die Sitze teilweise aufgeschlitzt, nur um an die Heizmatte zu kommen, Instrumenten-Tafeln zertreten, ausgehebelt, es blutet einem das Herz.

 

Reihe um Reihe, Auto um Auto. Alt, ausgedient, ausgeschlachtet. Die toten Veteranen der Straße, wie viele Millionen Kilometer hier wohl schon versammelt waren? Ungläubiges Staunen über diesen und jenen Typen. Ein Blick hier rein, ein Blick dort rein, ein Foto von dort und da drüben. Was es nicht alles gibt. Sogar einen Kadett E Caravan haben wir noch gefunden. Diesen Eimer hätte Bronx genau so gern mitgenommen, wie ich den Fiesta MK-1 der völlig derangiert unter einem MK-5 ruhte.

 

Oh ja, der Kadett C-Van (ein CLUB) hatte es mir angetan. Die neuralgisch-bekannten Stellen weitgehend ohne Rost, die Karo-Sitze mit den Seitenwangen, originales Radio drinn-aus! Cut! Vorbei! Du kannst nicht alles retten. :rolleyes:

 

Doch, wir hatten ja was vor. Auspuff. Für einen Renault Megane. Dies bedeutet erst mal gebückte Gangart, um unter die einzelnen Fahrzeuge zu schauen wer seinen Auspuff überhaupt noch hat und in welchem Zustand der ist. Als der entsprechende Wagen gefunden war. Ja, da war erst mal nix.

 

Rauschten vorher noch im Minutentakt Gabelstapler vorbei, um die Autos auf den Seziertisch zu heben, herrschte auf ein mal Mittagspause. Nach einer Viertelstunde des Suchens fanden wir dann doch einen Meister der Metallgabeln der uns den ausgedienten Megane auf den Tisch hob. Bronx schraubte hinten, ich vorne und beide verrenkten wir uns den Rücken unter diesem Eimer.

 

Nach einiger Zeit hat der Meister hinten dann seine Muttern ab und ich meine abgerissen. Nicht nur die Muttern, auch der komplette Steg an dem sie hingen war ab. Wer mich kennt, weiß das bei mir öffters was kaputt geht. Aber an der Kiste störte das niemanden mehr. Das Corpus Delicti ließ ich schnell in einem Twingo verschwinden, danach fummelten wir den Auspuff raus. Hallali, die Sau ist tot!

 

Sehr sehr geniale Aktion, für die ich mich auch an dieser Stelle noch mal herzlich bedanke. So viel machst du doch gar nicht kaputt, wie immer erzählt wird! :D

 

Mit unsrer Trophäe und den zwei Einkaufswagen schlichen wir zurück zum Hauptausgang. Das war der erste Durchgang. Krempel ins Auto, Türen zu und schon rollte der Überraschungsgast des Tages auf den Hof. Volker, stillecht in seinem alten Volvo, kam auf den Hof gerollt, bewarf uns mit Keksen und ein paar launigen Sprüchen. Zeit für die zweite Runde.

 

Ein äusserst entspannter Mensch, der scheinbar in sich selber ruht, auf Anhieb sympathisch.

 

Beginnend bei den alten Ford, zogen wir also wieder wie vorhin unsre Runde. VW, Mercedes, US-Cars, Oldtimer und Exoten. Exoten. Volker drehte sich auf seiner Achse. Den Lada kenn ich doch! Kannte er doch! Und kennt sonst keiner. Ein echter Lada Forma. Gut, nichts nach dem man sich umdreht. Aber, ein Lada Forma. Volker hatte derweil Augen wie Untertassen. Den kennt er doch.

 

Defakto war dieser Lada wohl der einzige Forma in ganz Schleswig-Holstein und Volker daher bekannt, dass er eine weile in seinem Landkreis lief und ihm immer wieder über den Weg lieg. Der alte Russe lag demnach lange besoffen hinter einer Händlerscheune, bis sich jemand erbarmte und den Wagen auf die Straße zurück brachte. Einige Zeit kreuzte der rote Russe dann durch das Herz von Schleswig-Holstein bis er eines Tages verschwand. Und hier auf dem Platz wieder auftauchte. Um eine Motorhaube ärmer und viel Rost reicher. Weitergehend wurde sogar vermutet, dass es der einzige Forma sein könnte, der noch in Deutschland lief. Also, wer kennt hier noch einen Lada Forma der derzeit noch fährt?!

 

Phänomenale Geschichte, ich hab Tränen gelacht! Der Mann kennt scheinbar jeden Lada-Kutscher dort.

 

Aber, genug von Form und Forma. Proforma ging es weiter, auch Volker wollte noch etwas sehen. Mal zu den Nutzfahrzeugen, dann zu dem großen Berg der Autos "ausgeschlachtet und bereit zur Presse". In der Zwischenzeit ging uns Bronx wie ein Kind im Süßigkeitenladen verloren. Der Gute suchte noch nach einem Radio, fand aber keins. "Die Herren MinuteMan und Volker werden gebeten, den kleinen Bronx aus der Radioabteilung abzuholen."

 

Wisst ihr, was schlimm ist: es liegen tausende Radios dort herum, nur ohne Code ist nix! Kein Bordbuch, somit auch kein Code. Und alles wird gepresst! Obwohl es noch funktioniert. Ich suchte nach einem CD-Player mit Display im Einbaugerät. Nope! Keine Chance.

 

Volker erwehrte sich derweil tapfer seiner Kaufgelüste. "Ich hab eh kein Geld dabei". Bis wir zu Volvo kamen. Erst ein unschuldiger Blick ins Auto. Dann ein Blick zu mir. Dann eins ins Auto.

 

"Du, wie viel Geld hast du denn dabei?"

"Genug, wieso?"

"Kannst du mir was leihen?"

"Wieso?"

"Dieses Rollo hier."

"Geht klar."

 

Während ich unsren OP-Wagen um den Volvo zirkelte und mit dem Ausbau begann, hirschte Volker um den Volvo rum. Türen auf, Türen zu. Oh was ist das denn?

 

"Du."

"Ja."

"Hast du noch mehr Geld?"

"Hab ich wieso?"

"Die Fußmatten..."

"Geht in Ordnung."

 

Also noch die Fußmatten zu dem Gepäckraumrollo dazu. Als ich gerade das Rollo am herausreichen zu Bronx war, tönte es von hinten in etwa wie: "Man is das ein schickes Rücklicht."

 

Ok, ich machs kurz. Wir habens auf die Liste gepackt. Und zu Volkers Ehr, ich hatte das Geld schneller wieder als ich es vermissen konnte. Aber mit dem Rücklicht hatten wir uns einen geschossen.

 

Befestigt war das ominöse Lampengebilde mit drei Stegen, die über Muttern an die Karosse gepresst wurden. Für Mutter Nr. 1 benötigte ich keine 5 Minuten. Aber die zwei anderen. Volvo benutzt da wohl spezielle, lange Nüsse. Damit geht das sicher auch schnell. Hatten wir aber nicht. Nur mich, ein paar Basiswerkzeuge und meine langen ET-Finger. Die nicht leuchten.

 

Also Pfoten in den engen Metallkasten, Schraubenschlüssel dazu und dann liebevoll tasten, ziehen, führen, gleiten und drehen. Millimeter für Millimeter. Ich fluche und taste. Taste und fluchte. Bronx halt meine Jacke. Meine Hand füllt den kleinen Raum komplett aus, die Muttern bewegen sich nur Millimeterweise auf ihren vom Dreck der Jahre verstaubten Stegen. Weiter. Weiter.

 

Irgendwann kommen sie. Ich bau sämtliche Lampenaufsätze ab. Wieder 5 Millimeter mehr gewonnen. Tasten, fühlen, drehen. Weiter. Immer weiter. Langsam kommt es. Zeit, Raum, Volker, Bronx und alles um mich rum verschwindet. Nur ich, meine Hand und der enge Raum zum fummeln. Weiter. Weiter. Schraube Nr. 2 löst sich.

 

Mein Rücken tut weh, meine Hand sieht aus wie scheisse und die Sonne sinkt am Horizont. Aber da ist noch eine. Und hier wird nicht aufgegeben. Also weiter. Wieder das Spiel, wieder das quälend langsame vorwärtsziehen der Schraube. Die Oberhaupt meines Daumens ist längst abgerissen, am benachbarten Zeigefinger bildet sich ebenfalls eine Blase. Doch es kommt. Langsam. Ganz langsam.

 

Nach einer Zeit, in der Kaiser und Könige geboren wurden und in der Königreiche erobert und wieder verloren gingen ertönt es. Das Geräusch des Sieges. Pling. Metallmutter fällt auf Metallkarosse. Das Licht ist lose. Schwester Bronx nimmt die Lampe ab, ich meine Hand aus dem Gehäuse, Volker reicht mir meine Jacke. Geschafft. Verschwitzt aber glücklich.

 

Mit einem Einkaufswagen voller Volvo streben wir zum Ausgang. Ein langer aber erfolgreicher Nachmittag geht zu Ende. Bis zum nächsten mal. Wir kommen wieder!

 

Und das ganz sicher! Ein selten geniales Wochenende, Kiesow hat was! Ergänzen möchte ich noch den Imbiss am Entree, die Currywurst von der Länge eines Nachschalldämpfers für bescheidene 3,50 EUR kann man sich getrosst geben. Besonders wenn man, wie wir, eine zweite Runde (Volvo) vor hat. :)

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