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Motorrad-Exoten

Blog über Motorräder, Prototypen, Einzelstücke und Designstudien, die es in Deutschland nicht oder zumindest noch nicht gibt.

10.03.2011 13:45    |    Lewellyn    |    Kommentare (51)    |   Stichworte: 750, Fazer, FZX, Showbike, Vmax, Yamaha

FZX 700 Fazer
FZX 700 Fazer

In Fortsetzung meiner losen Reihe "Motorräder die keiner wollte" gehts heute um die Yamaha FZX 750 Fazer.

Drauf gekommen bin ich auf dieses fast vergessene Motorrad, als ich gestern beruflicherseits über ein noch selteneres Motorrad ähnlicher Machart gestolpert bin, der Yamaha Radian, die es aber hier nur als Grauimport gab. Die US-Version der Fazer war eine 700er und hieß FZX700. Warum auch immer.

 

Wenn sich keiner der Jüngeren an die FZX erinneren kann, macht nichts, gebaut wurde diese nämlich von 1985-1989, wobei sie nur von 1987 an offiziell in Deutschland verkauft und dann auch zeitig wieder eingestellt wurde.

 

Fazer? Das ist doch was anderes....??? Heute schon, aber der Ursprung der Typenbezeichnung geht auf die FZX zurück.

 

Die FZX war als "kleine Schwester" der Vmax konzipiert. Martialische Optik, kombiniert mit einem potenten Motor. Ein Bike für die Eisdiele. Oder den Sonntagvormittagsschönwetterausritt.

 

Technisch war die Fazer auf der Höhe der Zeit. Der Motor entstammte aus dem damaligen "Supersportler" FZ 750 und verfügte auch über dessen 5-Ventilkopf. Der Motor war zwecks mehr Drehmoment in den unteren Drehzahlbereichen anders abgestimmt und hatte mit 94PS 6 PS weniger als die FZ mit vollen 100PS. Damit lief die Fazer 216km/h Spitze, was angesichts der Abwesenheit jeglichen Windschutzes und des breiten Lenkers mehr als genug war. Beschleunigungswerte von 3,5 Sekunden auf Hundert verdeutlichen auch den Einsatzzweck auf der Flaniermeile.

 

Die erstmals gekapselten Federbeine verleihen der Optik noch den letzten Schliff. Das Fahrwerk erwies sich als stabil bis in den Hochgeschwindigkeitsbereich. Dabei gab sie sich durch den breiten Lenker auch in der Stadt und im kurvigen Geläuf ausgesprochen handlich. Auch das Gewicht von nur 204kg versprach angesichts des Motors aus der FZ ausgesprochenen Fahrspass.

 

Hmm, potenter Motor, gutes Fahrwerk, warum ein Flop?

 

Einmal war das Fahrwerk nur solange gut, wie auch die Strasse gut war. Auf holprigen Strecken wurde es ungemütlich. Wenig und straffer Federweg an der Hinterachse (94mm), gepaart mit einer unterdämpften Gabel, die auch mit Luftdruckaufschlag nicht viel besser wurde, sorgten für wenig Freude auf schlechteren Strassen.

 

Dann war die Sitzposition sehr ungewöhnlich. Eine fast enduromäßige aufrechte Oberkörperhaltung traf auf den Kniewinkel eines Supersportlers. Auf Dauer nicht sonderlich bequem. Und die dünn gepolsterte Sitzbank machte das nicht besser.

 

Aber wirklich krumm nahmen ihr viele die mangelnde Alltagstauglichkeit. Gepäcktransport war ein echtes Problem. Tankrucksack ging nur, wenn man die in der Tankattrappe untergebrachten Kontrollleuchten nicht mehr sehen wollte. Koffersystem gab es einfach nicht, da die ungewöhnliche Heckform mit den ausladenden Designstossdämpfern die üblichen Koffersysteme nicht zuließ.

Der Soziusplatz war hart, dünngepolstert und so dimensioniert, dass man (Frau) mit dem Steiß dauernd gegen den Haltebügel stieß.

 

Und um dem allen noch die Krone aufzusetzen, fasste der im Rahmendreieck angebrachte Tank nur 13 Liter. Was bei einem Verbrauch von 7 Litern (beim Angasen auch mehr) der Alltagstauglichkeit dann den Rest gab.

 

Daher auch kein Wunder, dass im damals noch eher konservativ-tourenorientierten Deutschland sich nur sehr wenige für dieses Showbike begeistern konnten. Die Poser griffen lieber zur Vmax, die damals mit dem Nimbus des stärksten Serienmotorrads versehen war, die Sportler nahmen gleich die FZ und die Tourer fuhren XJ900, die es für Puristen damals auch nackig gab.

 

Ein technisch und optisch interessantes Mopped, das aber aufgrund seiner vielen konstruktiven Nachtteile im Alltag zu recht kein Erfolg war.


29.04.2017 12:00    |    Turboschlumpf21208

Hab versucht rauszufinden wie viele FZX in Österreich noch rumkurven bin hier gelandet.. Ich fahr meine 4AM/6Gänge seit 1998. Damals war die ich glaub 2Jahre lieferbar. Ich musste über 2Monate auf das Teil warten.

Ja und seitdem läuft sie. Absolut problemlos! Ich komm grad vom Service wo das erste mal wirklich was zu reparieren war: alle Dichtungen am Vergaser tauschen - seit es nur mehr diesen sch....Fusel ohne Additive gibt der den ganzen Ansaugtrakt versaut :(

Ein Bild gibt's auf meinem profil hier auf motor-talk

Ach ja: ich liebe meine FZX die perfekt zu meiner Fahrweise passt :D

lg aus dem Joglland


29.04.2017 17:16    |    Tagessuppe

Mein Bruder hat eine in Wien.

Hat sie 10 Jahre nachdem er sie verkauft hat zurückgekauft. Die meisten FZX stehen in Wien da es dort glaube ich den einzigen Importeur gab.

Eine steht in der Silbergasse Wien 19.


30.04.2017 11:44    |    Kurvenräuber48319

Gerade schiebe ich meine 1991-er Fazer aus der Garage, um Sie fein für die Ausfahrt zu machen. Ich muss doch mal endlich die 30.000 km knacken ;)

 

Ich fahre nicht viel und da man auch nicht mehr viel für das Teil bekommt, werde ich sie wohl so lange fahren, bis ich nicht mehr kann. Das Bike wird mich vermutlich überleben.

 

Eine schöne und unfallfreie Saison wünsche ich euch ...


30.04.2017 14:59    |    Tagessuppe

Also der runde Scheinwerfer...

Ich finde garde der eckige Scheinwerfer macht die FZX aus.


01.05.2017 10:01    |    Kurvenräuber48319

Echt? Der Glasbaustein hat mich immer genervt.

 

Ich habe aber alle Originalteile (Spiegel, Blinker, Scheinwerfer etc.) aufgehoben.


07.05.2017 10:13    |    Kurvenräuber48319

... und hier nun frisch geputzt :)


25.06.2017 01:44    |    Antriebswelle46530

Ich habe jetzt eine FZX750 Bj 1993 4AM muss die aber noch reparieren und pickerl machen,.. weiss zufällig jemand wo ich ein Werkstadthandbuch für die bekomme?


28.06.2017 16:08    |    Trackback

Kommentiert auf: Yamaha:

 

Reparaturanleitung

 

[...] Das könnte schon hinhauen.

Wenn man diesem Blog folgt, dann gibt der Autor des 13. Kommentars an, dass die 750er Fazer mindestens bis 1997 weiter gebaut [...]

 

Artikel lesen ...


29.07.2017 23:13    |    Kurvenräuber40877

Hallo FZXfanler

Ich gehöre zu den Exoten, die, wie mit einer schönen Frau, 1987 die Fazer an einer Messe gesehen, in die schönen Rundungen verliebt und sofort gekauft haben.

Und jetzt kommts...ich besteig dieselbe alte Lady auch heute noch - 80000 km - noch nie im Sich gelassen (mit Ausnahme von einigen leeren Tanks - aber man hat ja immer eine leere Bierdose dabei zum rüberkippen von den Kollegen...)

War letzten Samstag mit meinem Sohn (183cm und 70 kg) aufm Sozius über Susten-und Klausenpass in der Schweiz unterwegs. Jegliche Bewegungen und Moves auf dem Rücksitz werfen die kleine FZX ganz schön aus den Spuren - aber das gehört dazu. Einfach ein rechter Dreh am Gasgriff im 2. Gang...dann wirds automatisch ruhiger und starrer hintendrauf. Soweit sogut...vielleicht find ich x einen würdigen Ersatz und sonst knacken wir beide halt noch die 100000...verkaufen (verschenken wohl eher) würd ich nie übers Herz bringen


07.01.2018 15:58    |    Schattenparker31480

"Ihr Lieben":

Nenne diese Gerätschaft (u.a.) seit acht Jahren mein eigen und erfreue mich nach wie vor der interessierten Blicke, die mein alter Youngtimer an Tankstellen und bei affinem Publikum noch immer auslöst. Gut, meine steht auch optisch noch immer sehr ansprechend da, doch wird völlig klar, daß das Designkonzept seiner Zeit (und damaligem Zeitgeist) einfach um etliche Jahre voraus war. Vom Design entspricht sie dem heutigen Zeitgeschmack, die neuen Verwandten stehen chromlos beinahe farblos daneben. Ja, schön sind sie nicht anzuschauen, die aktuellen Kreationen, funktional gestaltet und designed.

Von hohen Verbräuchen weiss ich wenig, selbst längere Autobahnetappen bei 180 Reisetempo mit schwerer Gepäckrolle hinten kaum über 6 Liter. Ölverbrauch praktisch null, der Level bleibt konstant von Wechselinterv all zu Intervall - selbst heute nach über 90Tsd und durchfahrenen 30 Jahren.

Der Special-Reiz des 20Ventilkopfs: Unten wie Mitte flott, wie von einer Dreiviertelliter nicht anders zu erwarten. Im höheren Drehzahlbereich legt sie dann aber deutlich an "Füllung" zu, die Ventilchen "greifen" (das Konzept selbst sozusagen) und es geht giftig die Post ab (charakterlich fast vergleichbar mit meiner ersten "Großen", einer 250er RD von `72).

Blödsinnigerweise wurde die deutsche Variante damals per zu langer Übersetzung einem Geräuschpegel unterworfen, der letztendlich niemandem half, außer dem Fahrspaß einen klaren Dämpfer zu verpassen. Mit einer Übersetzung, die dem Drehmomentverlauf einer damaligen Tausender angepasst schien, machte sie auf Landstraßen klar weniger Spaß. Dafür eigentlich war sie aber konzipiert! Vielleicht hat dieser vom Gesetzgeber herbeigeführte Umstand zu geringeren Zulassungszahlen hierzuland geführt, wundern tät mich das als Kenner gar nicht.


05.11.2019 16:35    |    Trackback

Kommentiert auf: Yamaha:

 

FZX750 Probleme bei Regen

 

[...] Is das die Mini-V-max ?

 

https://www.motor-talk.de/.../...te-yamaha-fzx-750-fazer-t3160872.html

 

Baujahr 98 ?

[...]

 

Artikel lesen ...


06.12.2020 17:22    |    Elis36

Ich habe auch noch eine im Keller stehen Bj. 89 und ca. 40.000km mit 94 PS. Es ging mir so wie vielen in diesem Forum. Ich habe sie als Jugendlicher gesehen, in sie verliebt und als ich etwas Geld beisammen hatte musste sie her. Das Fahrverhalten ist gewöhnungsbedürftig, meine Mitstreiter die hinter mir fuhren haben mich immer ausgelacht wie ich um die Ecken geschaukelt bin, aber wenn ich auf der Geraden den Gashahn aufgemacht habe verging ihnen das Lachen wieder.

Im Keller steht sie nun seit etwa 20 Jahren und wenn ich die Fotos im Forum so sehe möchte ich ihr eigentlich wieder Leben einhauchen.


Deine Antwort auf "Motorräder, die keiner wollte: Yamaha FZX 750 Fazer"

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