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MONTEVERDI - Automarke, Legende

Monteverdi-Buch, ein Standartwerk, Monografie über ein aussergewöhnliches Auto

24.11.2019 11:49    |    akrij1    |    Kommentare (2)    |   Stichworte: russischer Strassenkreuzer

Wolga III bicolor gruenWolga III bicolor gruenWolga M 21 ist im Vergleich mit seinen Vorgängern und auch Nachfahren, das einzige sowjetische Auto mit ansprechender Karosserie, die weder von Opel kopiert, noch wie eine Schuhschachtel aussieht: Moskwitsch, Wolga 24 und später, gar wie ein kranker, buckliger Zeitgenosse: Pobeda...in Polen Warszawa am Volvo angelehnt. Wolga M 21 verrät auf den ersten Blick, dass die Karosserie nach amerikanischen Vorbildern, GM etc. geschneidert wurde - aber eben, konsequent, harmonisch und mit einem hohen Wiedererkennungswert.

 

Sonderausstattung: Chrom-Flügeli an allen KotflügelnSonderausstattung: Chrom-Flügeli an allen KotflügelnProduktionszeitraum: 1956–1970 im GAZ = "Staatliches Automobilwerk von Gorkij" baute total ca. 236000 Einheiten. Der Wagen gehört in die leicht gehobene Mittelklasse. Karosserieversionen: Limousine, Kombi und private Umbauten zu Kabriolett und ausländische Umbauten. Motor:Ottomotor:2,5 Liter, 55 kW*, Länge: 4830 mm Breite: 1800 mm Höhe: 1620 mm Radstand: 2700 mm Leergewicht: 1400 kg. /* das war der Geheimpolizei einfach zu wenig, so dass für die KGB-Agenten ein V8 verbaut wurde. Das Nachfolgemodell soll sogar einen Panzermotor vom BRT 70 bekommen haben...

 

GAZ-21-II-seriesGAZ-21-II-seriesDer GAZ M-21 ab 1965 GAZ-21 des sowjetischen Herstellers GAZ aus Gorki (heute Nischni Nowgorod) löste 1956 den GAZ-M20 Pobeda ab und wurde bis 1968 gebaut. Er war der erste Wagen mit dem Markennamen Wolga. Vom Vorgänger wurden einige Baugruppen übernommen.

Es folgten drei bedeutendere und mehrere kleine Modifikationen, bis dann erst 6 Jahre später ein Kombi mit der Bezeichnung M-22 vom Band rollte. Es folgten M24, GAZ 31 Wolga

GAZ-31029 Wolga (1992) GAZ-3105 Wolga (1992–1996) GAZ-31105 Wolga (2004–2009)

GAZ-3105 Wolga GAZ-3111 Wolga, 2005 wurde das Werk geschlossen.

 

Mladá Boleslav, 12 December 2019 - ŠKODA AUTO is responding to persistently high demand for the ŠKODA KAROQ by beginning serial production of the compact SUV in Nizhny Novgorod today. The Russian factory is another site to produce the KAROQ

 

Wolga_in_RusslandWolga_in_Russland1955 wurde Wolga erstmals präsentiert. Links inm Bild ist die Version Wolga I, wiederum mit den nicht zugehörenden Hirsch... Zunächst gab es einige technisch voneinander abweichende Vorserien (M-21G, M-21B, M-21A, M-21W), ehe 1957 eine einheitliche Serienfertigung begann. Das Fahrzeug wurde ursprünglich als Pkw der Mittelklasse bezeichnet, ist nach gegenwärtiger Einteilung jedoch eher der gehobener Mittelklasse zuzurechnen. Die Pontonkarosserie des M-21 unterschied sich deutlich von der Buckelform des Pobeda und folgte damaligen Gestaltungstrends.

 

Wolga_M 21_GAZ 21 IIIWolga_M 21_GAZ 21 IIIAnlehnungen an den schnelllebigen amerikanischen Stil sind unverkennbar. Schon zu Beginn der 1960er war der M-21 optisch nicht mehr zeitgemäß, lediglich die Frontpartie wurde etwas überarbeitet. Auch technisch herrschte weitgehend Entwicklungsstillstand. Ursprünglich war vorgesehen, den Wolga mit einem Automatikgetriebe auszustatten, welches auch entwickelt und publiziert wurde. Tatsächlich blieb es bei der manuellen 3-Gang Schaltung am Lenkrad.

 

Wolga-wein-beigeWolga-wein-beigeEine relevante Modernisierung fand lediglich im Jahr 1962 statt, als die Federung durch geänderte Teleskopstoßdämpfer verbessert und die Motorleistung durch Änderungen am Vergaser von 70 auf unbedeutende 75 PS gesteigert wurde. Äußerlich erfolgte dabei eine leichte Modernisierung, insbesondere im Bereich der Frontpartie. Gleichzeitig wurde an einer Kombiausführung M-22 gearbeitet, die allerdings erst 1962 zur Auslieferung gelangte.

 

Wolga weiss-rotWolga weiss-rotWolga-mini-weissWolga-mini-weissIn der DDR und Tschechoslowakei wurde der Wolga M-21 meist als Behördenfahrzeug, Polizei oder Taxi eingesetzt, während er in der Sowjetunion häufig auch von privat gekauft wurde. Eine bescheidene Anzahl Wolgas ging auch in westliche Länder, vor allem nach Skandinavien aber auch Holland und Belgien. Etliche Wolga fahren bis heute in Kuba.

In Russland werden jetzt sehr treue Kopien der Wolga für Kinder mit grossem Aufwand hergestellt.

 

Wolga klassisch schwarzWolga klassisch schwarzFahrgestell

Aufgrund der robusten Bauweise ist das Fahrzeug bis heute in ländlichen Gegenden, vor allem in den südlichen Regionen Russlands im Alltagseinsatz, hingegen in den Städten sind Wolgas als Touristenattraktion, oder Werbeträger anzutreffen. Wolgas Rolling-Chassis trägt den Kleinbus RAF-977 der in der Rigaer Autobusfabrik noch bis 1976 gebaut wurde. Heute ist Wolga M 21 bereits ein beliebter klassischer Oldtimer und insbesondere in Russland ein gesuchtes Modell.

 

Wolga-weiss-diese Chromräder!Wolga-weiss-diese Chromräder!Motor

Der grosshubige Vierzylinder-Ottomotor mit hängenden Ventilen war erheblich moderner und leistungsfähiger als jener des Pobeda. Um einerseits Langlebigkeit und andererseits Anspruchslosigkeit in Bezug auf die Benzinqualität zu gewährleisten, wurde ein Verdichtungsverhältnis von nur 6,6 gewählt. Dies brachte in Bezug auf die Fahrleistungen einen recht hohen Kraftstoffverbrauch von 12 bis 14 l/100 km mit sich, der in der Sowjetunion aufgrund niedriger Benzinpreise jedoch eine untergeordnete Rolle spielte.

 

Wolgas_courtesy_p_weidlingWolgas_courtesy_p_weidlingDas Getriebe

verfügte wie sein genetisches Vorbild Opel, über 3 Gänge, was für den ausgesprochen elastischen Motor aber durchaus ausreichend war, der eine sehr "schaltfaule" Fahrweise gestattete. Ein automatisches Getriebe wurde nie realisiert. Wie die meisten Fahrzeuge der UdSSR verfügte auch der Wolga M-21 über eine große Bodenfreiheit von etwa 20 cm, um der Beschaffenheit der dortigen Straßen gerecht zu sein.

 

Wolga_cabrio_violettWolga_cabrio_violettAntriebsvariationen

Es wurden kleinere Stückzahlen aufgrund des hohen Kraftstoffverbrauches in Belgien bei Scaldia mit Dieselmotoren von Perkins und Peugeot ausgestattet. Diese Fahrzeuge haben sich eine Zeitlang als Taxis bewährt. Wolga fand auch in Kuba seine Abnehmer, schon alleine wegen des Importembargos aus den USA. In vielen amerikanischen Schlitten, die heute Turisten hauptsächlich in Havana herumkutschieren, wurde der vergleichsweise sparsame Wolga-Motor eingebaut.

 

Wolga_v12bmw_vorbildWolga_v12bmw_vorbildKarosserie

Die Lakierung war zunächst ganz unauffällig, schwarz, grau, grün...Erst später kamen etliche Varianten bis betont elegant als bicolor Lakierung, oder ton in ton, mit mehr oder weniger Chrom. Obwohl die Kühlerfigur, ein Hirsch, nur zum zweiten Facelift gehörte, wird er heute gerne und passend auch an nachfolge Modellen montiert...was die Puristen natürlich nicht akzeptieren. Renovation einer Wolga ist aufwändig, die Kunstoffteile verbrösmeln...Viel Chrom zu erneuern ist nicht billig.

 

...noch ein Mini-Wolga-blau_grau...noch ein Mini-Wolga-blau_grauGAZ M-22 Wolga

Der GAZ M-22 (ab 1965 GAZ-22) ist die Kombiversion des GAZ-21. Das Modell wurde erst ab 1962, und noch zwei Jahre länger als der M-21 produziert. In der UdSSR waren die Fahrzeuge für Privatkäufer nicht erhältlich und dienten als Taxi-, Behörden- und Krankenwagen. Der an sich sehr praktische Kombi M22 machte nur einen erstaunlich kleinen Teil der damaligen Wolga-Produktion aus. Zu den Importländern zählten vorallem die Staaten des Warschauer Paktes.

 

China "Osten-ist-rot"China "Osten-ist-rot"Nachbauten

In der Volksrepublik China fertigte das Unternehmen Beijing Automobile Works (BAW) von 1960 bis 1969 Nachbauten des Wolga. Das Auto hatte die Modellbezeichnung Dongfanghong BJ760, Wolga_m22_kombiWolga_m22_kombideutsch: „Der Osten ist rot“, heisst. In zehn Jahren entstanden je nach Quelle zwischen 106 und 238 Exemplare. In Nordvietnam wurde ab 1959 ein PKW mit der Bezeichnung Triumph hergestellt, der auf dem Wolga M 21 basierte.

 

Wolga_v12_cabrioWolga_v12_cabrioDie Karosserieform nahmen sich Tuner als Vorbild für aerodynamischere Ausführungen, tiefer gelegt, als Coupé umgearbeitet. Mit der Änderung an der Karosserie ging auch die Änderungen der Motorisierung einher. Die schnellsten, aber auch teuersten Versionen verfügen über V12 Motor vom BMW. Auch sonst ist an dem Auto nichts mehr von der originalen Wolga. Die Innenausstattung ist meistens im edlen Leder, handverarbeitet und zumeist nach Kundenwunsch ausgeführt. Dass der Preis nach oben kaum eine Grenze kennt ist in Russland ein Zeichen des Erfolgs.

 

Bilder aus Wikipedia:

GAZ-21-II-seriesGAZ-21-II-seriesWolga_M 21_GAZ 21 IIIWolga_M 21_GAZ 21 III

Wolga M-21 mit modernisierter Frontpartie (1959–1962)

Wolga M / GAZ-21 mit erneut überarbeiteter Frontpartie (1962–1970)

 

Wolga_m22_kombiWolga_m22_kombi

GAZ 22 Wolga Kombi (1962–1973)

 

2005 wurde das GAZ-Werk für Automobilbau definitiv geschlossen, es soll(te) aber bald als Montagewerk geöffnet werden...und das ist auch schon länger her

 

Text: Dr. Georg W.Pollak, sc.

Fotos: die Meisten verdanke ich verschiedensten Quellen im Internet, dafür meinen grossen Dank.

Widmung: An Susanne, Fan von Nadježda (Wolga M 21, grün, Dach elfenbein)

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24.11.2019 13:21    |    Tobner

Der 21er ist ein imposantes Gefährt. Seine schiere Größe wird erst bewusst, wenn man ein heutiges Fahrzeug danebenstellt. Auf den Bilder sieht der nicht so gigantisch aus.

 

Leider werden gute Exemplare immer teurer...


24.11.2019 14:31    |    akrij1

jaaa, da hast du recht - einiges am Eindurck macht auch die lichte Höhe der Karosserie


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