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Mein XKR (2003) Tagebuch

Der TITEL des Blogs kann NICHT geändert werden: Ich berichte daher anfänglich von meinem XKR, aber später auch vom AMG C55 und jetzt einem TESLA Model S.

03.02.2018 18:07    |    MariusLola    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: Body Shop, e-mover, Reparatur, Sturmschaden, Tesla Model S, Windschutzscheibe

Vorgeschichte

Die Fastenzeit begann für mich dieses Jahr bereits am dritten Januar und sie dauert schon über vier Wochen:

Das Sturmtief mit dem klingenden Namen "Burglind" fegt über Süddeutschland hinweg und ich beschloss, mit meinem Tesla Model S zu fahren, das mich auf 36,000 Kilometer in den vorangegangenen 12 Monaten nie im Stich liess. Das hätte ich mal besser bleiben gelassen, denn wir wurden von einem Baum "erschlagen", der genau in dem Moment als ich durchfuhr, quer über die Strasse fiel. Glücklicherweise war es ein relativ kleiner Stamm, der allerdings die Windschutzscheibe schwer, die Kühlerhaube (oder wie nennt man bei einem Elektrofahrzeug die grosse lackierte Abdeckung vor der Windschutzscheibe??), den linken Kotflügel und Teile des Daches leicht beschädigte. Der Schaden laut Gutachten beträgt ca. 14,000 Euro.

Ich bin zum Jahreswechsel zu e-mover, also zur Itzehoer Versicherung gewechselt und nach gerade einmal drei Tagen musste ich diesen Schaden melden. Nach 28 unfallfreien Jahren war mir das echt unangenehm! Meine erste Offenbarung hatte ich dann als mir erklärt wurde, dass ich bei einem Kasko-Schaden keinen Anspruch auf einen Ersatzwagen habe (war mir vorher nicht bewusst). Allerdings ging die Schadenannahme und Reparaturfreigabe super schnell und ohne irgendwelche Komplikationen. Alles sehr professionell!

Da ich Mitglied im ADAC bin (vor Weihnachten hätte ich dort beinahe gekündigt!!), konnte ich den Wagen zur (nahe gelegenen) Werkstatt abschleppen lassen und erhielt für sieben Tage kostenlos einen Ersatzwagen. Innerhalb dieser Zeitspanne werden (unterstelle ich mal) 70-80% der üblichen Pannen repariert; tja, wenn es ein Mercedes, BMW, oder Audi wäre - nun haben wir aber einen Tesla und die Sache wird spannend. Seither fahre ich einen VW UP, den mir meine Werkstatt freundlicherweise zur Verfügung stellt – Fasten in vielerlei Hinsicht...

 

Die Suche nach Ersatzteilen

Ich wohne nun am südlichen Rand der Republik nahe Singen (bei Konstanz am Bodensee) und mein mir nächster zertifizierter Tesla-Karosserie- und Technikpartner (Body Shop genannt) in Deutschland ist hunderte Kilometer weit entfernt; es gäbe zwar einen auf der Schweizer Seite, aber da macht die Deutsche Versicherung mit der Begleichung des Schadens nicht mit.

Da es sich um keinen Tesla-spezifischen Schaden handelt, kann aber jede Fachwerkstatt die Reparatur ausführen. Meine Werkstatt rief nun bei Tesla an und wurde mit der Werkstatt in Frankfurt a.M. verbunden, die an "nicht-Body-Shops" liefert. Während die Scheibe und Haube im System waren, sind die anderen Teile derzeit nicht verfügbar. Nach ein paar Tagen kamen diese aus Tilburg (Holland) in Frankfurt an und mussten weiter mit einer Spedition nach Singen geschickt werden. So vergingen alles in allem ca. 14 Tage.

Seit letzter Woche ist der Wagen beim Karossieriebauer und Lackierer, um die A-Säule zu richten und zu lackieren – danach kann die Scheibe rein und der Wagen ist zumindest wieder fahrbereit. Der Termin zur Rückgabe ist auf den 16. Februar terminiert, was 45 Tagen Reparaturdauer und damit etwa der Fastenzeit (40 Tage) entspricht. Auf Dachteile und linken Kotflügel wird weiter gewartet werden müssen – die werden noch in Freemont im Regal gesucht.

 

Das muss Tesla besser machen

Ich bin nach wie vor glühender Fan der Marke und freue mich wie bei der Erstauslieferung, den Wagen in zwei Wochen wieder in Empfang nehmen zu können. Allerdings muss Tesla, um im Massenmarkt mit dem Model 3 Erfolg zu haben, entweder das Netz der Body Shops massiv erhöhen oder die Verfügbarkeit, Liefertransparenz und den Versand von Ersatzteilen an freie Werkstätten erleichtern und verbessern. Vielleicht wäre die ganze Sache schneller abgelaufen, wenn ich einen Body Shop um die Ecke hätte und der schneller an die Teile gekommen wäre.

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04.06.2017 17:32    |    MariusLola    |    Kommentare (0)

Jetzt ist es fast genau ein halbes Jahr her, dass ich meinen Tesla in Empfang genommen habe und nach mittlerweile 16 tkm ist es an der Zeit mal von meinen bisherigen Erfahrungen zu berichten:

 

Ich habe zwei weite Fahrten damit gemacht, einmal nach Schweden (http://www.motor-talk.de/.../...e-ersten-2-000-kilometer-t5894493.html) und später von Singen a.H. nach Hamburg (ca. 800km). Beide verliefen ohne nennenswerte Vorkommnisse und mit der Zeit lernt man, mit der Reichweitenthematik (ich weigere mich, es Reichweitenangst zu nennen) sehr locker umzugehen.

Ich will das nochmal kurz beschreiben: Wenn ich mich ins 100% geladene Auto setze und die Strecke nach Hamburg ins Navi eingebe, schlägt Tesla zwei Ladestopps vor. Das funktioniert, erfordert aber SEHR verhaltenes Fahren auf der Autobahn (<120 km/h) und bedingt relative lange Wartezeiten (teilweise mehr als eine Stunde) am Supercharger. Ich setze mich mittlerweile über dieses Diktat hinweg und fahre lieber schnell (ca. 170 km/h, sofern erlaubt) von Charger zu Charger und lade nicht länger als 20-30 min. Dadurch gewinnt man auf der Strecke etwa eine Stunde und hat nie das Gefühl, lange zu laden. Ich habe zum Beispiel einen Haufen Zeitschriften auf meinem Nachttisch liegen, die ich nie lese und denen ich mich dann in diesen Momenten in Ruhe widmen kann. Natürlich bietet sich auch die Gelegenheit, einen Kaffee zu trinken oder mit Neugierigen ins Gespräch zu kommen. Es ist eine andere Art, lange Strecken zu fahren, aber ein Kompromiss, der viel kleiner ist als manch einer annimmt.

Den Grossteil meiner Fahrten bin ich zwischen Singen und Zug in der Schweiz unterwegs - das sind je 110km und überwiegend auf der Autobahn. Da das Tempolimit bei 120 km/h liegt und ausserdem viele Baustellen auf dem Weg sind, ist der Verbrauch bei weit unter 200 Wattstunden/km und eine 80% Ladung reicht problemlos für den Hin- und Rückweg. Der Verbrauch sinkt mit zunehmender Außentemperatur und natürlich mit Sommerreifen. Selbst wenn es sehr heiß ist, habe ich auf der besagten Strecke Verbräuche von 150-170Wh/km. Der Verbauch mit 21'' Felgen ist um etwa 20% höher als mit 19'' (ich fuhr die 21er für ein paar hundert km, da mir Tesla diese fälschlicherweise bei der Auslieferung mitgegeben hatte).

 

Was Euch jetzt wahrscheinlich viel brennender interessiert, sind meine Fahreindrücke: Die beinahe vollkommene Lautlosigkeit mit der ein Tesla in jeder Geschwindigkeit beschleunigt, macht noch genau so viel Spass wie am ersten Tag - Überholvorgänge auf Landstrassen sind die wahre Freude. Sogar Motorradfahrer kann ich mitunter überraschen, wenn ich am Ortsende Vollgas gebe; dann wird aus dem geplanten Überholschwenk nämlich nix. Manchmal schalte ich das Radio aus, nur um das Sirren des e-Motors zu geniessen. Auch das Beschleunigen aus Kurven (Allrad vorausgesetzt) ist un-be-schreib-lich. Man muss es einfach erlebt haben!!

Die restlichen 98% "normale" Fahrt werden mit Laufruhe und Souveränität zelebriert. Hatte früher mal einen Jaguar XJ6 - damit konnte man auch so majestätisch dahingleiten. Nach ein paar Tausend Kilometern geht das Rekuperieren bzw. "Bremsen" in Fleisch und Blut über und die Nutzung der regulären Bremse zur Erzeugung von Wärme wird zum Ausnahmefall. Allerdings sollte dies von Zeit zu Zeit aktiv gemacht werden, damit die Bremsen nicht verrotten. Dadurch sind Laufleistungen der Bremsklötze jenseits der 100 tkm drin - die Bremsscheiben werden den Wagen sowieso überleben.

 

Beim Thema Radio habe ich meinen ersten Kritikpunkt: Das reguläre Radio ist okay und überrascht nicht durch besondere Raffinesse. Meistens höre ich aber meine Lieblingsstation via TuneIn (das ist kostenlos bei einem Tesla dabei), und dann kommt es stark auf die Internetbandbreite an. Auf manchen Strecken und subjektiv bei sehr hoher Geschwindigkeit, funktioniert das nicht mehr problemlos und es wird laufend gepuffert - das selbe Phänomen tritt natürlich auch bei der Nutzung von Spotify auf. Dann bleibt nur das reguläre Radio oder eine Playlist des Mobiltelefons, da es keinen CD-Wechsler an Bord gibt. Es ist ja toll, wenn man immer mit dem Internet verbunden ist, aber dann sollte die Datenübertragung auch Schritt halten...

 

Die sogenannten Komfortfunktionen sind bei meiner Version 2.0 so peu-à-peu aufgeschaltet worden. Anfangs konnte der Spurhalteassistent (vulgo Autopilot) nur bis 90 km/h eingesetzt werden, jetzt sind wir schon bei 135 km/h. Auch der Tempomat kontrolliert den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, was im Kolonnenverkehr durchaus hilfreich ist; wenn man regelmässig langsamere Fahrzeuge überholen muss, nervt das induzierte Abbremsen allerdings mehr als es hilft. Ich würde mir wünschen, zwischen einem Tempomat, der einfach die Geschwindigkeit hält und einem abstandshaltenden Tempomat wählen zu können.

Das automatische Einparken klappt wiederum sehr gut und ist echt spassig. Ebenso das geisterhafte "Heranholen" des Autos wurde von meinen Kindern sofort auf Snapchat mit ein paar Dutzend Freunden geteilt...

 

Das Innenraumklima ist auch so eine Sache: Wenn es draussen sehr kalt ist, reguliert mein Wagen die eingestellte Temperatur nicht ordentlich nach. Sprich: Ich habe 22 Grad gefordert, es ist aber dennoch - gefühlt - 18 Grad frisch. Erst wenn man auf 26 aufdreht, passiert was. Vielleicht mache ich auch was falsch, würde mich interessieren, ob andere ähnliche Erfahrungen machen.

Das Bioweapon-Gimmick könnte sich Tesla völlig sparen und ist nur für Allergiker interessant. Wenn man es in einem Tunnel anwendet, wird bei Erzeugen des Kabinenüberdrucks Aussenluft via den Filter eingeblasen, was unangenehme Gerüche nicht unterbindet. Mag sein, dass dann weniger (oder keine) Stäube hereinkommen, aber die gute alte Umluftzirkulation ist effektiver. Ich nutze diese Funktion nicht mehr.

 

Tja, was gibt`s sonst noch so zu meckern: Eigentlich sind es Eigenheiten, keine echten Probleme und ich liste sie hier mal auf:

- Zu wenige Ablagemöglichkeiten im Cockpit

- Die Spaltmasse sind nicht annähernd so gut wie bei einem deutschen Premium-Autobauer

- Das Navi bietet keine Optionen (wie z.B. schnellste vs. kürzeste Route) an

 

 

Auf der Seite des halb vollen Glases finde ich folgendes:

- Die Standheizung, durch die App aktiviert, sorgt für einen warmen Start im Winter und immer freien Scheiben

- Die exzellente Verarbeitung des Innenraums überzeugt

- Das optionale Soundsystem ist Spitze

- Die Komfortmerkmale des Kaltwetterpakets bieten Sitzheizung hinten und warme Finger am Lenkrad

- Das Panoramadach ist an heißen Tagen sehr angenehm

 

 

Ach ja, eine Sache ist mir letztlich noch passiert: Ich hatte einen Steinschlag in der Windschutzscheibe, der sich zu einem 10cm langen Riss ausgebildet hat. Tesla lieferte die Scheibe und die Werkstatt meines Vertrauens hat sie eingebaut. Erwartungsgemäß ging der Autopilot erst mal nicht korrekt, was sich aber nach ca. 150km durch Eigenkalibrierung erledigt hat. Überraschender war, dass nach dem Einbau die komplette vordere rechte Lichteinheit ausgefallen war. Dafür musste ich bei Tesla ein Firmware-Update aufspielen lassen und jetzt funktioniert alles wieder. Das zeigt, dass es sich bei einem Tesla tatsächlich um einen PC auf 4 Rädern handelt.

 

P.S.: Ist Euch aufgefallen, dass in einem Tesla Service Center nur Leute unter 30 arbeiten? Das führt dazu, dass nicht wie früher der Käufer, Mitte 30, der sich sein erstes Neufahrzeug kauft, von einem grauhaarigen Herrn im Anzug bedient wird, sondern dass sich heute überwiegend KäuferInnen, die die 40 klar hinter sich haben von Verkäufern beraten lassen, die ihre Kinder sein könnten... - das finde ich echt witzig!

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20.12.2016 20:29    |    MariusLola    |    Kommentare (11)

Also, Euch kann ich es ja jetzt sagen: Ich bin letzte Woche 50 geworden und zum Geburtstag habe ich mir den Tesla geschenkt. Durch eine wundersame Fügung fiel der Auslieferungstermin auf dieses Datum und ich kann es vorwegnehmen: Es ist ein wahnsinnig tolles Spiel- äh ich meine Fahrzeug!!

 

 

 

 

 

 

 

Aber nun der Reihe nach:

 

 

Ich bin mit meinem AMG C55 zunächst am letzten Wochenende von Helsingborg in Südschweden nach Singen in Deutschlands Süden gefahren, oder sollte ich besser sagen: gebrettert. Von neun Stunden Fahrzeit auf 1,200 km werde ich mich künftig verabschieden müssen.

 

Die Abholung und erste Fahrten

 

In Stuttgart hatte ich um 14 Uhr den Abholungstermin und der Wagen war pico-bello vorbereitet: Ein Servicetechniker hatte zuvor noch eine Testfahrt gemacht und dann dem Lack den letzten Schliff gegeben. Ein junger Mann, der locker mein Sohn hätte sein können, hat dann die einstündige Einweisung gemacht - überhaupt sind beinahe alle Mitarbeiter dort gefühlt unter 35.

Mein Wagen ist der erste, der von dieser Niederlassung mit dem neuen Autopilotsystem (AP 2.0) ausgeliefert wurde. Es ist von Tesla noch nicht freigeschaltet, so dass ich davon an anderer Stelle berichten werde.

Auf der Autobahnfahrt von Stuttgart nach Singen hat es sehr lange Abschnitte ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Ich wollte als erstes wissen, ob der Batterie bei andauernder Schnellfahrt der Saft ausgeht. Ich kann alle Zweifler beruhigen: Tut er nicht! Die Kiste geht auf 200 in einem ähnlichen Tempo wie der AMG und hält es problemlos – auch wiederholtes Beschleunigen zeigte keinerlei Ermüdungserscheinungen. Allerdings geht das natürlich an die Reichweite und man kann es nur machen, wenn man nicht weiter als, sagen wir, 180 km durchheizen will und am Ankunftsort Zeit zum Aufladen hat.

Die erste Frage meiner Schwester war: „Wo ist die nächste Tanke?“ Ich wies sie darauf hin, dass wir seit drei Generationen von Petroleum auf Strom umgestellt haben, und die Tankstelle zu Hause ist (gilt nur für Häuslebauer und Mieter mit toleranten Vermietern).

Ich hatte mir einen Wallcharger von Tesla mitgenommen und mein freundlicher Elektriker hat ihn innerhalb der folgenden Tage installiert. Bei 22A Ladestrom dauert das Nachladen je nachdem zwischen 2 und 4 Stunden – diese Zeit verbringt man ja mindestens daheim nach einem Arbeitstag oder längeren Fahrten. Um es auch klarzustellen: Ein Vertreter, der täglich mehr als 300 km zurücklegt, sollte eher keinen Tesla fahren.

Die ersten beiden Tage mit dem Tesla bin ich jeweils ca. 2 x100 km nach Zug in die Schweiz gefahren. Sehr angenehmes Dahingleiten auf der Schweizer Autobahn und entspanntes Stehen im Stau - der Wagen verbraucht keinen Strom für den Motor im Stillstand. Da ich zu Hause noch nicht laden konnte, war ein Ladestop von 30 min bei Dietlikon notwendig, um wieder auf 80% zu kommen.

 

Die grosse Reise nach Schweden

 

Ich bin bekennender Nachtfahrer und so rollte ich um 3 Uhr morgens (garantiert unbemerkt von den Nachbarn) aus der Ausfahrt. Im Navi war Seevetal bei Hamburg eingegeben und Tante Tesla plante zwei Ladestops ein. Tesla berechnet immer den nächsten Supercharger mit 10-15% Restladung (bezugnehmend auf die historischen Fahrgewohnheiten des Fahrer). Als ich stracks auf der Autobahn war, legte ich 160 km/h an, was nach kurzer Zeit eine Warnmeldung im Navi zur Folge hatte, da der nächste berechnete Lader sonst zu weit gewesen wäre (eine nähere Station wird nicht automatisch gesucht). In Stuttgart angekommen, bemerkte ich, dass das Navi die Reise via Karlsruhe ausgetüftelt hatte, was Blödsinn ist. Als ich Würzburg ansteuerte, befahl Das Navi, wieder nach Leonberg zurück zu fahren und nach kurzer Zeit war klar warum: Der eigentlich nächste Charger vor Würzburg war ausser Betrieb, so dass in Leonberg während 20 min „nochmal Schwung genommen“ werden musste. Merke: Manchmal besser auf Tante Tesla hören! Der zweite Halt hinter Würzburg wurde zum Schlafen genutzt und nach einer Stunde und satt voller Batterie ging es weiter nach Kassel.

Hier muss ich das Navi entweder überhört haben oder, was ich mittlerweile eher vermute, es hat sich kurzfristig aufgehängt. Ich bin jedenfalls an der Ladestation bei Hannoversch Münden mit 12% Restladung vorbeigefahren (!) und zur nächsten Ausfahrt sind es 11 Kilometer. Da habe ich dann doch mal kurz geschwitzt und bin brav hinter einem Litauischen LKW im Windschatten geblieben und dann mit 8% am Lader angekommen.

Kurz vor Hamburg nochmal ganz voll „getankt“ und mal die Höchstgeschwindigkeit angetestet: Bei 235 km/h wird die Anzeige rot und wegen zu viel Verkehr konnte ich nicht weiter gehen. Der Tempomat verweigert sich übrigens ab 180 km/h.

 

Am nächsten Tag ging es dann via Puttgarden durch Dänemark nach Schweden.

Ich habe eine Langstrecken-Reisegeschwindigkeit von 130 km/h ermittlelt, die einen guten Kompromiss zwischen Reisedauer und Ladedauer bedeutet: Dann kommt man halbwegs flott voran und muss nicht zu lange laden.

 

 

Fazit nach 2.000 km

 

Der Tesla S ist ein absolut gelungenes und sehr ordentlich verarbeitetes Auto; da gibt es nichts zu rütteln. Ich finde es bewundernswert, dass ein so junger Autohersteller bereits dermassen solide Fahrzeuge baut. Man kann an allem was mäkeln, aber das könnte ich an einem Mercedes, Audi oder BMW problemlos auch.

Die Eindrücke beim Fahren mit einem e-Auto sind umwerfend: Die Beschleunigung erfolgt lautlos und zugleich ungeheuer kraftvoll; das muss man erlebt haben, um mitreden zu können. Auch die Elastizität ist einem Oberklassefahrzeug absolut ebenbürtig. Was meinem Fahrverhalten persönlich sehr entgegenkommt, ist das Verzögern, wenn man vom Gas geht. Dann wird Energie wie bei einem Dynamo zurück in die Batterie geladen und gleichzeitig spart man Bremsbeläge. Ich habe auf der Langstrecke durch vorausschauendes Fahren höchstens 2-3 Mal die Bremse benutzt.

Was natürlich grosse Klasse ist, ist die Tatsache, dass mich die Fahrt keinen Cent an Sprit gekostet hat; auf der Hinfahrt mit dem AMG habe ich 220 Euro abgedrückt...- wer oft Langstrecken fährt und seine Fahrgewohnheiten etwas umstellt, kann da echt profitieren; allerdings nur mit Fahrzeugen, die in 2016 bestellt werden (später ist das unbegrenzt kostenlose Laden vorbei). Sobald die gewünschte Ladeleistung erbracht ist, wird eine Info auf die Tesla-App geschickt; das ist praktisch, wenn man etwas Essen oder Einkaufen ist. Mit der App können auch Befehle an das Auto gesendet werden (z.B. Dach öffnen, Klimaanlage auf gewählte Temperatur einstellen oder die Lichthupe aktivieren).

Etwas irritierend ist der Blick aus dem Rückspiegel: Aufgrund der Krümmung der Heckscheibe sieht jedes Auto irre breit und flach aus und wenn es dann überholt, ist es ein braver Polo...- daran muss ich mich noch gewöhnen.

Das derzeit einzige Manko, das mich sehr stört, ist dass das Navi manchmal einfriert. Dann ist absolute Stille im Cockpit und Stillstand auf dem Display. Ich muss mal im Forum nachforschen, ob das eine bekannte Schwäche ist.

 

Was mich erstaunt hat, war die Tatsache, dass ich in ganz Deutschland weder auf der Hin- noch Rückfahrt einen einzigen Tesla gesehen habe; nicht mal einen Norweger oder Dänen am Supercharger. Ich habe die letzten sieben Jahre im Ausland verbracht, aber ist denn der Tesla tatsächlich immer noch so ein Exot hier? In Schweden oder Dänemark sehe ich auf 100 km Autobahn (zwischen Helsingborg und Kopenhagen) zwischen 2 und 5 Fahrzeugen. Als ich mal in Bergen in Norwegen war, habe ich binnen zwei Stunden mindestens ein Dutzend Tesla's entdeckt (und noch viel mehr Nissan Leaf, Renault Zoe und BMW i3). Ich hoffe, dass es hierzulande zunehmend Neugierige gibt, die zumindest mal eine Testfahrt mit einem E-Auto machen.

Aber nochmal zur Klarstellung: Ich bin nicht von Tesla bezahlt, dass ich hier schreibe, noch will ich irgendjemanden vom Fahren seines/ihres Verbrenners abbringen. Ich gebe eben nur meine frischen Erfahrungen wieder. Danke für Euer Interesse.

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28.11.2016 18:59    |    MariusLola    |    Kommentare (17)

"mein" TESLA S im Konfigurator"mein" TESLA S im Konfigurator

WICHTIGES VORWORT

 

Ich möchte voranschicken, dass ich diesen Artikel nicht mit der Absicht schreibe, irgendjemanden vom Fahren eines Verbrenners abzubringen (ich habe selbst noch drei) oder von den Vorteilen (?) eines Elektrofahrzeugs zu überzeugen. Ich teile ausschliesslich meine persönliche Meinung und Erfahrungen mit und wem das nicht passt, oder wer sowieso schlecht auf elektrisch betriebene Autos zu sprechen ist, sollte an dieser Stelle DAS LESEN BEENDEN.

Wer jedoch offen für Alternativen ist, ist herzlich eingeladen, mich auf meinem Weg mit einem TESLA zu begleiten (gerne auch mit konstruktivem Kommentar).

 

Wie es überhaupt dazu kam…

 

Wenn mir jemand vor 3 Jahren gesagt hätte, dass ich mal ein Alltagsauto kaufen würde, das nicht aus deutscher Produktion stammt, hätte ich laut gelacht. Und dann noch eines ohne dem schönem Sound eines kräftigen Motors - nee, das geht ja gar nicht!

 

Die Qualität und der Ruf der „Grossen Drei“ deutschen Automobilhersteller BMW, Mercedes und VW (mit Audi, Porsche & Co.) ist auf der ganzen Welt hoch angesehen und das aus gutem Grund: Generationen sehr fähiger Ingenieure haben die Leistung des Verbrennungsmotors immer weiter an ihre Grenzen gebracht und wie man am Beispiel von VW sieht, teilweise darüber hinaus. Aber ich meine, dass nach 120 Jahren laufender Optimierung das Ende des Lebenszyklus dieser Antriebstechnologie nahe ist. Man wird eben kein Fahrzeug mit 1 Liter Hubraum, 180PS und 2 Liter/100km Verbrauch wirtschaftlich und mit den heutigen Ansprüchen an Platz und Komfort bauen können.

 

Jetzt kommt eine Firma namens TESLA daher, die „ehrenwerte Gesellschaft“ mit kompromissloser Technik aufzumischen. Der Plan des TESLA-CEO Elon Musk ist genial und war bisher erfolgreich: Beginne mit 2‘500 Elektro-Roadstern auf Basis der Lotus Elise zu einem exorbitanten Preis, um die Entwicklung einer Luxus-Elektro-Limousine (Model S) - wenigstens teilweise - zu finanzieren. Durch den Verkauf dieses Fahrzeugs, das den etablierten Herstellern von Premiumautos schmerzliche Einbussen bereitet, wird das Model 3, ein halbwegs erschwinglicher Mittelklasse-Stromer, auf den Weg gebracht. Ob die Rechnung wirklich aufgeht, wird die Zukunft zeigen.

Der Anlass für meinen Blog ist die Entscheidung, mir ein Model S 90D anzuschaffen, Made in the USA.

 

Infiziert wurde ich während meines beruflichen Aufenthalts in Schweden, als mich ein Freund, der Besitzer eines TESLA Roadsters und Model S 85 ist, zu einer Testfahrt einlud. TESLA gibt meines Wissens kein oder sehr wenig Geld für Werbung aus – die besten Marketingleute sind die Fahrzeugbesitzer selbst!

Bei besagter Testfahrt, wurde mein bisheriges Weltbild der Automobilität nachhaltig erschüttert. Was dieses Fahrzeug an Komfort hat, wie es kraftvoll und lautlos beschleunigt, was es an technischen Raffinessen bietet und wie es aussieht, sowohl innen als auch aussen, hat mich sofort überzeugt. Ich rate jedem Zweifler eine Probefahrt: Es ist ein Erlebnis der besonderen Art! Ich fühlte mich wie auf der Enterprise, in der Captain Picard Warp 9, Energie sagt...

Wir leben seit Generationen im Verbrennungsmotorzeitalter und suchen immer nach mehr Gründen, warum ein reiner Elektroantrieb nicht funktionieren kann, als die Vorteile anzuerkennen. Es gibt einen lesenswerten Artikel des TESLA Club of Sweden ( hier auf deutsch[http://www.elektroauto-zoe.de/verbrenner-testfahrt/]) , der sich aus Sicht der Stromfraktion für einen Verbrenner interessiert. Dieser Artikel regt zum Nachdenken an: Wir halten so viele objektive Nachteile des Verbrenners für selbstverständlich, dass wir sie gar nicht wahrnehmen.

Ich will jetzt auch gar nicht auf die vielen Probleme eingehen, die beispielsweise das Versorgungsnetz mit Ladestationen betreffen (das ist für TESLA-Fahrer kein echtes Problem, da Supercharger in Europa flächendeckend eingerichtet und kostenlos sind – somit sind Langstreckenfahrten ermöglicht). Wir sollten aber auch komplett umdenken: In Zukunft fahren wir nicht mehr zur Tankstelle, wir haben die „Tankstelle“ dort, wo das Auto mehrheitlich parkt (meistens zu Hause). Dort ist normalerweise ein Stromanschluss und es wird z.B. nur eine Frage der Zeit sein, dass auch Vermieter oder Arbeitgeber Ladestationen bereitstellen werden (müssen). Es handelt sich um eine disruptive Veränderung und das wird Zeit und Investitionen erfordern.

Nochmal zur Klarstellung: NIEMAND SOLL SEIN AUTO MIT VERBRENNUNGSMOTOR AUFGEBEN.

 

Die Bestellung

 

Der langen Vorrede, kurzer Sinn - Ich habe ein Model S bestellt. Ich hatte zwar noch eine Testfahrt mit einem Model X, das mich aber nicht so überzeugt hat. Ich habe die 90kWh Batterie gewählt, weil das die beste Reichweite ermöglicht. Ich habe auch nicht die schicken 21‘‘-Felgen genommen, weil die 19‘‘-Räder weniger Rollwiderstand bieten (weitere Reichweite!) und weniger Verschleiss mit sich bringen. Allradantrieb ist Standard beim 90-er.

Die Zubehörliste ist bei TESLA übersichtlich und dennoch hat sich in den letzten Wochen etwas Wichtiges geändert: Das Sensorsystem wurde komplett überarbeitet und ermöglicht in Zukunft auch autonomes Fahren. Das konnte ich gerade noch „mitnehmen“. Ein P100-Modell hätte beinahe nochmal € 50,000 extra gekostet, was ich zu heftig finde, nur um noch etwas schneller beschleunigen zu können…

Ich habe auch die Möglichkeit geprüft, in Schweden zu bestellen, aber die Preise sind (ähnlich wie bei Apple) sehr vergleichbar und ein Import bringt keinen Vorteil. Man sollte übrigens die Erwartungen an einen Discount dämpfen: TESLA gibt keinen Preisnachlass, unabhängig von Barzahlung oder Leasing.

Ich hatte grosses Glück, was die Bestellung und Wartezeit betrifft: Ich war mit der Verkaufsabteilung von TESLA im Kontakt als es um die Inzahlungnahme meines AMG Mercedes ging. Sobald die Details geklärt waren, wurde nach „meinem“ Fahrzeug im Netzwerk gefahndet. Da ich eine offenbar häufig gefragte Konfiguration wählte, zeigte sich, dass ein freies Fahrzeug auf dem Weg nach Europa ist, das bereits das neue Sensorsystem und alle anderen Optionen hatte, die ich wollte.

 

Die Konfiguration

 

Mein Model S wird dunkelblau sein, ein Panoramadach, schwarze Innenausstattung, besagte 19‘‘-Cyclone-Felgen und die folgenden Optionen haben: Komfort-, Premium-, und Kaltwetterpaket, Soundsystem, Autopilotfunktion und die Luftfederung. Habe zahlreiche Meinungen im Netz gesammelt und mich dann für diese Zusammenstellung entschieden. Ich finde, man sollte bei so einer Anschaffung nur sehr wenige Kompromisse eingehen. Eine gute Quelle ist der YouTube-Blog von Horst Lüning, den ich Interessierten sehr empfehlen kann.

Ich plane also, das Auto bereits Mitte Dezember in Empfang zu nehmen, was einer Wartezeit von wenigen Wochen entspricht. Sobald ich meine anfänglichen Erfahrungen gesammelt habe, werde ich wieder berichten.

Die erste grosse Fahrt steht bereits am darauffolgenden Wochenende an: Ich werde den Wagen nach Schweden fahren…

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16.07.2015 10:23    |    MariusLola    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: Öldruck Wassertemperatur

Ich habe schon vor längerer Zeit dieses nützliche Gimmick aus Steve Klonsky's Elektronikwerkstatt in meinem Jaguar XKR (Jg. 2003) eingebaut und möchte meine Erfahrungem mit Euch teilen.

 

Es geht um einen Einbaukit, der es ermöglicht, sowohl beim Öldruck als auch bei der Wassertemperatur die "wahre" Anzeige zu erhalten und nicht die werksseitige, die die Nadel in einer vorgegebenen Position hält.

Beispiel Öldruckanzeige: Diese kennt nur Null oder Mittelstellung - schon mal aufgefallen? Eigentlich komisch, da das Öl zu Beginn der Fahrt zäher sein müsste und der Öldruck damit höher und nach einer längeren Autobahnfahrt eher dünnflüssig und der Öldruck danach im Standgas auf einen sehr niedrigen Wert zurückgehen sollte. So ist man es von den Klassikern gewohnt, die eine Ölleitung ins Cockpit hatten und den echten Druck im System auf der Nadel wiedergegeben haben.

Standardmässig wird nur bei totalem Druckverlust gewarnt - da hätte es auch eine rote Lampe getan. Dasselbe gilt für die Wassertemperaturanzeige: Solange der Kühler nicht kocht, gibt das Instrument einen Mittelwert zwischen C und H an und es wiegt Dich in muggeliger Sicherheit.

Mithilfe dieses Extras kann man frühzeitig erkennen, ob sich Ärger infolge von z.B. Thermostatfehlern oder zugesetztem Kühler anbahnt. Die Öldruckanzeige enthält zusätzlich einen akustischen Alarm, der den Fahrer /die Fahrerin auf drohendes Ungemach hinweist und einen kapitalen Motorschaden verhindern hilft.

Die Werte liegen im Jaguar digital vor und Steve's Elektronik gibt sie an einen Stellmotor weiter, der dann die Anzeige entsprechend regelt.

 

Der Einbau selbst ist nicht ganz simpel und man ist schon drei bis vier Stunden beschäftigt. Es wird ein neuer Öldrucksensor in der Ölablassschraube eingesetzt und die Verkabelung ins Cockpit gelegt. Sämtliche Arbeitsschritte sind gut (auf Englisch!) erklärt und wenn man nicht gerade zwei linke Hände hat, selbst durchzuführen. Die Elektronik verschwindet hinter dem Armaturenbrett. Der Einbau ist hier beschrieben.

Alle Änderungen sind leicht rückgängig zu machen, so dass die Originalität der Fahrzeugs darunter nicht "leidet".

 

Im Betrieb muss man sich anfangs daran gewöhnen, dass die Wassertemperatur bei hohen Aussentemperaturen schon mal nahe in Richtung H(ot) zieht, oder dass der Öldruck bei sehr warmem Motor im Stand absackt. Aber letztlich ist es mir lieber, den wahren Betriebszustand zu kennen als sich scheinbare Sicherheit vorgaukeln zu lassen...

 

Ich habe zwei Bilder der "neuen" Öldruckanzeige angehängt, die veranschaulichen wie der Öldruck variiert: Bei warmem Motor im niedrigen Drehzahlbereich eher niedrig, bei voller Leistung oder kaltem Motor klar über der Mittelmarke.

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06.10.2013 13:06    |    MariusLola    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: C-Klasse AMG C55, Jaguar, R, XK

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreiben sollte. Der hat eigentlich gar nichts mit Jaguar zu tun und wer interessiert sich schon dafür wie es zu unserem jüngsten Familien-Fahrzeug-Zuwachs kam? Aber ich werde den Bogen schliessen und ihn dem Jaguar XKR gegenüber stellen.

 

Aber von Anfang an: Unserer bislang treuen Familienkutsche, einem A6 Avant, Bj. 99, 2.4l quattro war technisch nicht mehr zu helfen und ich musste nach einem "neuen Gebrauchten" suchen:

 

Da ich mich offen dem Thema mid-life-crisis stelle und sowieso nur wenige tausend km im Jahr damit zurücklege, durfte das oberste Leistungssegment bedient werden. Aus diesem Grund setzte ich in der Suchmaschine auch keinen Haken bei "Diesel". Es musste also ein Benziner mit Sechs-, besser Achtzylinder werden!

 

Ein Porsche Panamera, Bentley Continental oder Aston Martin Rapide fallen mangels Finanzierbarkeit, aus dem Suchraster. Von Audi habe ich erstmal genug und ein M5 wäre mir definitiv zu gross - also ein Fahrzeug aus der Mittelklasse.

Ich hatte ja immer mit einem M3 (E43) geliebäugelt. Sehr sportlich, aber ein wenig prollig und laut ist er eben auch. Ich folgte zuletzt dem Rat meines Werkstattmeisters, der meinte, dass der Motor sehr hochgezüchtet sei und daher Ausfälle keine (teure) Seltenheit sind.

Von japanischen oder amerikanischen Modellen wollte mir nichts rechtes ins Auge springen.

Vielleicht ein Jaguar? Da käme nur ein 4.2l S-Type mit R-Spezifikation in Frage, aber der wäre unnötig gross.

Für mich blieb daher Mercedes auf der Liste. Die erwähnte mid-life-crisis lässt Kompromisse nicht zu, so dass ich zwangsläufig bei einem AMG landete: SL, SLK, CLK, E- und S-Klasse erfüllen die Kriterien aus o.g. Gründen nicht, so dass, ja genau, die C-Klasse übrig bleibt! Wer hätte das gedacht.

 

Nun gibt es da den C32 AMG, ein Kompressor-V6 mit 354 PS. Nicht schlecht, aber einerseits wurde der nur bis 2004 gebaut und ich suchte etwas jüngeres und andererseits wurde mir das Nachfolgemodell, der C55 AMG wegen seines robusten Motors von meinem Meister ans Herz gelegt. Ein 5.4l V8, pur und ohne Kompressor, der 367 Pferdestärken freisetzt. Ein kurzer check der Testberichte liess keinen Zweifel: So einer musste es werden.

Der Markt für den C55 ist sehr überschaubar. Es gibt vielleicht drei Dutzend im Angebot und man hat keinen Stress, einen auszusuchen. Ich war zuvor weder auf T-Modell noch die Limousine festgelegt, hatte aber die einmalige Gelegenheit, bei einem Händler im Siegerland gleichzeitig zwei C55 verschiedener Bauart vorzufinden. Beide fast gleich alt (2005/2006), ungefähr die selbe Laufleistung (90-110t km) und etwa gleich teuer (< 20 k€).

Der erste Kontakt deutete auch Verhandlungsbereitschaft beim Preis an. Solche Fahrzeuge verkaufen sich nicht im Wochentakt.

Vor Ort konnte ich beide ausführlich unter die Lupe (sprich, auf die Hebebühne) nehmen und die Wahl war schnell gefallen: Der schwarze Kombi stammte ursprünglich aus Italien, hatte weisses Leder, wirkte etwas ungepflegt und wurde im Kundenauftrag verkauft. Die Limousine gehörte dem Besitzer des Autohauses, hat ein wunderbares designo metallic blau, gepflegtes schwarzes Leder und fast alle Optionen, die es damals so gab. Ausserdem die Aluverblendung anstelle des Holzimitats im Innenraum, was mir bei diesem Fahrzeug besser gefällt. Der Verkauf wegen Familienzuwachs klang plausibel.

Der Wagen wurde von der Meistergattin bewegt. Mag sein, etwas zu oft zu Schule, Ballettunterricht und Friseur anstatt Langstrecke zum Shoppen nach Paris und München, aber davon wollte ich den Kauf nicht abhängig machen. Die Historie war gut nachvollziehbar: Erste Hand eine Leasingfirma in Hamburg, dann schon der Händler.

Also gut, ich bin nun seit ein paar Monaten stolzer Besitzer dieses relativ seltenen Fahrzeugtyps (eine von 4021 Limo's, Quelle: http://www.w203ig-forum.de/t379f2-Stueckzahlen-Mercedes-W.html) und will einen Vergleich zu meinem 2003er XKR Cabrio wagen.

Damit der Bericht nun nicht völlig ausufert, werde ich eine direkte Gegenüberstellung machen:

 

Karosserieform:

XKR: In meinen Augen ein echter Hingucker mit langer Kühlerhaube und tollen Linien nach hinten. Lediglich die Heckpartie ist wenig aufregend.

AMG: Understatement pur (keine Schriftzüge, dezenter Seitenspoiler), vom Laien kaum vom Standard C-Modell zu unterscheiden, eher bieder.

 

Beschleunigung:

XKR: Sanft, kraftvoll, vom Surren des Kompressors begleitet; schaltet schnell in den nächsten Gang

AMG: Heftig, laut, dreht sofort bis 6500 U/min, Klasse Sound

 

Fahreigenschaften:

XKR: Ausgezeichnet auf Langstrecken; Kurven können schnell angefahren werden, ohne zu sportlich zu wirken; 6-Gang-Automatik schaltet sehr flott

AMG: Straff gefedert, aber nie unangenehm; dreht schon bei 140 km/h mit 3000 RPM; 5-Gang-Automatik lässt sich über Lenkradtasten schalten (up/down)

 

Verbrauch (guter mix aus Landstrasse, Autobahn und wenig Stadtverkehr):

XKR: 11-12 l Super/100km

AMG: 13-14 l Super/100km; der Motor dreht im Vergleich immer etwas höher als der Jag

 

Cockpit:

XKR: Klassisch, viele Rundinstrumente; Bordcomputer war 2003 schon nicht mehr zeitgemäss; Musikanlage klingt gut, aber Cassettenabspieler ist antik; CD-Wechsler im Kofferraum.

AMG: Sehr funktional; nur absolut notwendige Instrumente vorhanden (DZM, Tacho, Temperatur- und Benzinanzeige); Ablesbarkeit des Bordcomputers sehr dunkel; sehr viele Extras serienmässig; CD-Wechlser im Handschuhfach.

 

Alltagstauglichkeit:

XKR: Notsitze sind nur für Kinder unter 10 Jahren geeignet; Kofferraum für ein Cabrio sehr geräumig

AMG: Absolut familientauglich, auch Langstrecke; Durchlademöglichkeit, da beide Rücksitze umklappbar. Keine AHK nachrüstbar (nicht lebenswichtig, wollte es nur erwähnen...).

 

Fahrkomfort:

XKR: Die Sitze sind vielfach verstellbar, aber der Sitzkomfort und Seitenhalt könnte deutlich besser sein; Memory rechts und links.

AMG: Diese Sitze sind der Hammer: Man kann alles sehr exakt einstellen und der Seitenhalt ist phänomenal; die Sitzheizung der Sitzkissen war auf beiden Seiten defekt: das war teuer (nur Komplett-Ledersitzkissen erhältlich, wenn man nicht basteln will).

 

Mein persönliches Fazit:

XKR: Souveränes Dahingleiten und jederzeit ausreichend Power für ein Überholmanöver sind garantiert. In meinen Augen das perfekte Auto für die warme Jahreszeit, um offen zu fahren und Landstrassen zu geniessen.

Der XKR knüpft nicht nur in Form und Leistung an gute alte Jaguar-Tugenden an; auch typische Schwächen, die einem Briten nachgesagt werden, gehören dazu: die Verdeckabdeckung wird noch klassisch angeknöpft und das Wurzelholz wirkt schon etwas antiquiert, wenngleich ich es sehr mag.

AMG: Wer Understatement schätzt und im Feierabendverkehr beinahe völlig unerkannt bleiben möchte, der ist damit richtig. Die Tatsache, dass die Gewichtsverteilung "kopflastig" ist, wirkt sich nur auf nasser Fahrbahn aus, da greift das ESP häufig ein.

Einziger und echter Nachteil ist der lächerlich kleine Tank von ca. 55 Litern. Die Reichweite ist damit unter 400km.

 

Wenn ich mit meinem Bericht Interesse an einem AMG C55 oder dem XKR geweckt habe, wünsche ich viel Spass beim Schmökern in den Verkaufsportalen . Allzeit Gute und Sichere Fahrt!


20.09.2012 07:03    |    MariusLola    |    Kommentare (7)

Einmal im Jahr ist ganz (Automobil-) Südengland aus dem Häuschen: Am ersten Wochenende im September findet der (angeblich) grösste Autoteilemarkts diesseits des Atlantiks in Beaulieu, nahe Southhampton statt. Da wollte ich schon immer mal hin. Man hört von sagenhaften Angeboten an seltenen Teilen und von Menschen, die ohne besondere Absichten hingefahren sind und mit einem Aston Martin wieder zurückkamen. Außerdem wollte ich meinen Jaguar nach neun Jahren im Exil wieder auf die englische Insel bringen.

Ich lebe derzeit in Belgien und da bietet sich eine Überfahrt mit der Fahre ab Dünkirchen (Dunkerque) nach Dover an. Ich habe bereits im Sommer bequem per Internet ein Ticket und eine Nacht im Bed & Breakfast gebucht.

Um Urlaubstage zu sparen, ging es am Samstag um 6 Uhr ab Dunkerque los. Das hieß aber aufstehen um halb drei, was ich beim Buchen nicht ganz präsent hatte, als der Wecker klingelte jedoch um so mehr verfluchte...- im Halbschlaf und dank Tempomat ging es an die französiche Küste und im Hafen angekommen, zeigte sich ein gespenstisches Bild von riesigen Fähren aus denen zweispurig Lastwagen und PKW's herausfuhren (ich komme vom Bodensee und die Fähre zwischen Konstanz und Meersburg kann gerade mal 40 Autos aufnehmen, solche Kolosse fassen über 300)!

An diesem Morgen war die Fähre aber nur wenig gefüllt und nach zwei Stunden war Dover erreicht. Da die Sonne schien, habe ich das Dach heruntergelassen und die zwei Stunden auf englischer Autobahn offen zurückgelegt. An das Linksfahren gewöhnt man sich, finde ich, recht schnell. Es sind nur die Kreisverkehre und das rechts Abbiegen, wenn man echt aufpassen muss.

Das Spektakel liegt total auf dem Land und es gibt zahllose (kostenlose) Parkplätze. Man wird schnell auf den nächsten freien Platz dirigiert und muss dann ein paar Minuten laufen. Für umgerechnet ca. 20 Euro gelangt man auf das Gelände und bekommt damit auch Zutritt zum Museum mit der Sonderausstellung "Bond in motion" (viele original-007 Boliden, darunter der giftgrüne XKR des "Bösen" im "stirb an einem anderen Tag") und zum "Top Gear" Pavillion, das an viele Folgen der beliebten Serie erinnert.

Ich verbringe die erste halbe Stunde bei den privat angebotenen Fahrzeugen. Wer sich an einem Rechtslenker nicht stört, kann hier fündig werden: MGB's gab es offen und geschlossen im Dutzend, aber auch exotischere Modelle wie Lotus Eclat und BMW Isetta. Letztere hielt ich für 7'250 Pfund (ca. 10k Euro) angesichts des guten Zustands als angemessen, zumal das Thema "Rechtslenker" in diesem Fall ausscheidet...

Ein anderes Fahrzeug fand ich anfangs interessant, da die Papierform passabel klang: '98er XKR mit 79'000 Meilen für unter 8'000 Pfund. Der rote Lack kann aber über einige Schwächen nicht hinwegtäuschen: Selbst auf dem Foto sind Blasen am Scheibenrahmen klar zu erkennen. Der Wagen war daher am Abend im Gegensatz zum grünen Aston Martin DB7 Volante 3.2 auch nicht als "sold" gekennzeichnet.

Danach bin ich "auf die Wies'n" gegangen. Genau genommen sind es zwei grosse Felder mit sehr vielen Händlern, die insbesondere für englische Fabrikate alles anbieten. Teile für zentraleuropäische Hersteller sind absolut unterrepräsentiert. Das Verhältnis zwischen PKW- und Motorradangeboten liegt gefühlt bei 70:30. Die Bilder belegen, dass man seine Garage nicht voreilig entrümpeln sollte: selbst grobe Rostbrocken können noch ordentliche Preise erzielen.

Gekauft habe ich ein paar Original XK-Verkaufsprospekte und etliche Hefte des Jaguar Enthusiast Magazins (von einem deutschen Anbieter). Man kann einen angemessenen Preisvorschlag abgeben und in meinen Fällen wurde der immer angenommen.

Teile von Volumenmodellen wie dem MGB oder Triumph Spitfire gibt es ohne Ende, aber aufgrund der guten Ersatzteilversorgung ist der Griff ins Neuteileregal meist ratsamer. Wer hingegen einen seltenen Sunbeam oder Lagonda hat, der findet hier Ersatz für die undichte Wasserpumpe oder den dringend benötigten Scheibenrahmen.

Um fünf Uhr musste ich die Segel streichen und war froh, nur die Ein-Tages-Karte gelöst zu haben. Ein zweiter Tag hätte mir keine weitere Erhellung gebracht. So bin ich gemütlich via Brighton und Goodwood wieder Richtung Fähre gefahren.

Am frühen Abend war ich in Dover und konnte noch ein gutes Abendessen geniessen. Die Reederei zeigte sich flexibel und hat trotz Buchung auf eine spätere Fahrt jeden schon vorher mitgenommen (es war noch ausreichend Platz).

Mein Fazit lautet: Ich fahre gerne wieder mal nach Beaulieu, aber sicher nicht weil es "der grösste Automarkt in Europa" sei, sondern wegen der britischen gelassenen Atmosphäre. Grosse deutsche Oldtimerveranstaltungen müssen sich nicht verstecken, vor allem was die Markenvielfalt betrifft.


13.06.2012 23:19    |    MariusLola    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: Jaguar, R, XK

Der folgende Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität. Aber ich werde mir Mühe geben, möglichst viele Aspekte zu beleuchten:

Die X100 Baureihe (alle XK8 und XKR zwischen 1995 und 2005) wird wohl immer erst mit dem älteren (und nicht unbedingt größeren) Bruder, dem E-Type verglichen, der zwischen 1961 und 1974 entstand. Der setzte zu seiner Zeit in vieler Hinsicht Maßstäbe: Er war eine Zeit lang das schnellste Serienfahrzeug der Welt, noch vor Ferrari! Das ist beim X100 anders und ich denke auch nicht unbedingt maßgebend für die folgenden Überlegungen:

 

Wie selten ist ein XK8?

Der E-Type wurde 75.520 mal gebaut, vom X100 waren es 14.544 Einheiten mehr. Wenn man nun bedenkt, dass der X100 heute vom Markt wenig beachtet wird, werden wohl weniger Fahrzeuge überleben und aus diesem Grund ein X100 "seltener" sein als ein E-Type.

 

Bezüglich der Verkaufszahlen habe ich acht verschiedene Gruppen der Baureihe ausgemacht:

 

Cabrios und Coupes, jewels vom XK8 und XKR,

Serie 1 (1996 - 2002) und Serie 2 (2003-2005), es gab sicher weitere facelifts, aber die (technischen) Änderungen im Jahr 2002/2003 waren doch die bedeutendsten.

 

ModellSerie 1Serie 2Gesamt
XK8 Coupé17'5342'21419'748
XK8 Cabriolet41'0435'71746'760
XKR Coupé7'4332'2289'661
XKR Cabriolet10'5303'36513'895
Gesamt76'54013'52490'064

 

[Quelle: Nigel Thorley, you and your XK8, 2006, ISBN 1 84426 224 8, Haynes Publishing]

 

Wenn man also vor der Wahl steht, einen X100 zu kaufen, sollte ein Coupé der zweiten Serie den Vorzug bekommen, nicht zuletzt auch weil einige bisherigen Extras serienmässig eingebaut wurden.

Wenn wir von Seltenheit sprechen und den X100 gegen die "10 beliebtesten deutschen Klassiker" (Quelle: mobile.de 2011) antreten lassen, sieht es so aus (Die Umfrage wurde wohl in Stuttgart gemacht?):

 

1) VW Käfer

2) Mercedes W114 (auch bekannt als /8)

3) Mercedes W110 (Heckflosse)

4) Mercedes SL R107 (Nachfolger Pagode)

5) Porsche 911

6) Mercedes SL W113 (Pagode)

7) Mercedes S-Klasse W108

8) Mercedes W123

9) Mercedes S-Klasse W116

10) Opel Kadett

 

Von all diesen Klassikern aus deutscher Produktion war nur die Pagode mit knapp 50.000 Einheiten ein "rareres" Modell.

Die Seltenheit (heute) ist natürlich auch abhängig davon, ob das Fahrzeug zu Beginn schon hochpreisig war oder nicht. Einen Porsche zu verschrotten fällt schwerer als einen Opel Kadett aus siebter Hand. Daher haben wahrscheinlich weniger Kadetten überlebt als 911er, obwohl häufiger produziert.

 

Wie sieht es mit der Technik/Zuverlässigkeit aus?

Zunächst stellt sich die Frage: Ist es überhaupt ein Jaguar? Unter der Führung von Ford war der Einfluss natürlich enorm und am X-type sieht man das Resultat am deutlichsten - auch im XK8 finden sich (meist unter der Verkleidung) Standardlösungen aus dem Fordregal (z.B. Steckverbindungen). Das ist aber nichts schlechtes wie ich finde; ist dies nicht auch ein Grund für technische Zuverlässigkeit? Man findet zahlreiche Fahrzeuge mit weit über 200'000 km im Angebot.

Zum Vergleich: Das Vorgängermodell XJS/C wird am heutigen Tag (10.06.2012) auf mobile.de 33mal mit über 150'000km angeboten. Der wesentlich jüngere X100 bringt es immerhin schon auf 46 Einträge. Für mich ein Indiz für Standfestigkeit und technischen Verlass.

 

...und der Motor?

Hier hat sich im Vergleich zum Vorgänger, dem XJS/C auch einiges getan. Klar, es gehört zu den drei wesentlichen Dingen, die ein Mann im Leben mal gemacht haben soll (neben dem Pflanzen eines Kindes und dem Zeugen eines Baums oder so ähnlich): Einen 12-Zylinder fahren! Und ein XJS ist eines der billigsten Modelle im Markt, um dieser Pflicht nachzukommen.

Aber sind wir mal ehrlich: Soll ich nur deshalb in eine rostanfällige Karosserie investieren? Vom Design mal abgesehen, das nicht uneingeschränkt angeommen wurde? Der Acht-Ender im XK8 hat eine wunderbare Laufruhe und gute Durchzugskraft. Sehr aufschlussreiche Hintergrundinformation zum Motor wurde auf der Internetseite www.xkjaguar.com zusammengetragen.

 

Fahrkomfort und Stil

Also da kommt man, finde ich, voll auf seine Kosten. Auch lange Strecken sind keine Strafe, sondern ein Genuß! Ausserdem fällt die Karosserie durch angenehmes Understatement auf. Muss ja nicht gleich jeder wissen, dass da bis zu 400PS unter der Haube schlummern.

 

Das "Problem" mit der Perfektion

Das ist das Schöne an den Engländern: Du weisst genau, was Dich erwartet. Zum Beispiel das Verdeck: Bei Geschwindigkeiten über 120 km/h habe ich Angst, die Persenning zu verlieren. Es wundert mich, dass das in den Tests nie negativ bewertet wurde. Auch die Fummelei beim Öffnen und Schliessen ist nicht ganz auf dem Stand der heutigen Technik.

Das Fahrerinformationssystem ist wie aus dem Technikbaukasten: 2-zeilig in monochrom grün. Mein Audi von 1998 hatte bereits ein aussagekräftigeres FIS mit Symbolik und viel mehr Informationen.

Für mich geht das jedoch total in Ordnung. Ich erwarte bei einem Jaguar eben keine Perfektion. Es sollte schon alles funktionieren, das ist klar. Aber diese Details sind angenehme Schrulligkeiten.

Wenn ich Perfektion will, sollte ich einen Porsche oder Mercedes kaufen. Nur schützt mich die Extra-Prämie nicht davor, dass mit zunehmendem Fahrzeugalter einzelne Komponenten den Geist aufgeben.

 

Da wäre dann noch der Preis

Ich befürchte der Tiefpunkt der Preisentwicklung bei den XK8 und XKR ist noch nicht erreicht. Es sind einfach zu viele Fahrzeuge im Angebot (was wieder an der Zuverlässigkeit liegen dürfte). Sobald mal das grosse Schlachten beginnt, wird dieser Trend drehen.

Mit 10 k€ fängt heute der Spass an, wenn man vor einem Rechtslenker nicht zurückschreckt, schon darunter. Für 18 bis 25 grosse Scheine finden sich echte Sahnestückchen mit wenig km und guter Historie. Alles über 30'000 halte ich für schwer zu rechtfertigen, weil man dafür bald einen gebrauchten X150 bekommt.

Wenn man dieses Preisniveau ansieht, erhält man für das Geld eines guten gebrauchten Golf einen hochwertigen Sportwagen mit allen Extras, der auch im Verbrauch Mass hält: Ich fahre meinen XKR im Gesamtschnitt bei 11-12 l/100km, letztlich zwischen Antwerpen und Hamburg (alles Autobahn und immer im Tempolimit bzw. maximale Geschwindigkeit beim freien Fliegen) sogar nur 10,3 l/100km! Ich finde das angemessen für einen Achtzylinder mit knapp 400 Pferdchen. Das soll mal ein Renner aus Italien nachmachen...

 

Fazit

Der X100 hat aus meiner Sicht das Zeug dazu, mal als echter Klassiker gehandelt zu werden. Nicht wie ein E-Type (dazu war er nie spektakulär genug), aber doch, um in einem Buch über mid-life-crisis cars wohlwollend erwähnt zu werden.


28.05.2012 21:16    |    MariusLola    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: Jaguar, R, XK

Manche Extras sind sinnvoll, manche weniger.

Das CATS (Computer Active Technic Suspension) System der adaptiven Fahrwerkseinstellung zum Beispiel oder die Xenonscheinwerfer finde ich sinnvoll und begehrenswert. Das originale Navi dagegen weniger: Im Fall des XKR gab es ab 2003 ein Alpine Navigationsinstrument, das mitten im zentralen Armaturenbrett thront, standardmässig ohne Aufpreis dazu (das meinte ich jedenfalls mal gelesen zu haben und in meinem XKR war auch eines drin). Ich bin überzeugt, dass ein "GPS" heutzutage nicht mehr aus dem Strassenverkehr wegzudenken ist und schon so manche Ehe gerettet hat, aber wenn es auf veralteten Informationen von ca. 2001 beruht, ist es schlicht unbrauchbar. Ich fahre ja auch nicht mit meinem Dierke-Atlas von 1979 in den Urlaub. Meines Wissens bietet weder Jaguar noch ein cleverer Geschäftsmann ein update an.

In einem anderen Beitrag und unter anderem Pseudonym (ein unwichtiger Seitenstrang der Geschichte) habe ich daher gefragt, wer wüsste, ob man denn das Navi gegen die schöneren und vor allem zweckmäßigeren Rundinstrumente zurückrüsten könne. Von einem aufmerksamen Motortalker erhielt ich die Internetadresse von Steve Klomsky, www.thejagwrangler.com. Steve ist ein begabter Ingenieur, der sich dem X100 (Baureihe der XK8/XKR zwischen 1998 und 2005) verschrieben und ein paar nette Gimmicks ausgetüftelt hat. Jetzt werden einige von Euch sagen:"Oh je, die Amerikaner, die verbasteln doch nur die Autos". Stimmt schon manchmal, aber in diesem Fall muss ich widersprechen. Doch der Reihe nach:

Ich war von der Idee besessen und jetzt, da es eine technische Lösung gab, musste sie umgesetzt werden. In der elektronischen Bucht wurde ein Armaturensatz aus Litauen (die genauen Hintergründe der Herkunft will ich gar nicht so genau wissen) und eine passende Holzimitat- (ja, Imitat!- eigentlich eine Frechheit von Jaguar) Verkleidung aus Lagerbestand erworben. Nach wenigen Tagen hatte ich auch den Kit von Steve im Briefkasten und der Umbau konnte beginnen.

Ich habe schon zwei Autos restauriert (einen MGB und einen XJ6 der ersten Serie) und das war noch alte Schule: Werkstatthandbuch aufschlagen und dann Seite für Seite vorarbeiten. Heute ist das anders: Das iPad liegt auf dem Beifahrersitz und mit Hilfe des passenden Youtube-Clips wird z.B. der Ausbau des Instrumententrägers Schritt für Schritt nachgemacht. Schon 'ne feine Sache...- nach zwei Stunden war der Umbau fertig und wie durch ein Wunder strahlen jetzt drei Geräte (Öldruckmesser, Uhr und Voltmeter), die nebenbei noch funktionieren, in der Zentralkonsole. Der Umbaukit bedient sich der im Kabelbaum bereits vorliegenden Signale für die Instrumente. Der Einbau ist idiotensicher und für zusammen ca. €500 hat das ganze Fahrzeug eine (vollkommen reversible) Aufwertung bekommen, die mir bei jeder Fahrt Freude macht (ach, will jemand ein Alpine Navi kaufen??).

Leute, wenn ich mal nach Beaulieu (dem größten Autoflohmarkt Englands) gehe, kaufe ich die Armaturen samt Verkleidung im Dutzend ein und mache die Europavertretung für den Umbausatz auf. Da besteht grosses Potential, denke ich :-)).

 

Das zweite Gimmick von Steve ist nur für Cabrios, da man damit auf Druck der Fernbedienung das Verdeck öffnen und schliessen kann. Braucht man das unbedingt? Nein, natürlich nicht, aber es ist sehr praktisch und ebenfalls reversibel nachzurüsten.

Der Einbau ist etwas kniffliger als der bei den Rundinstrumenten, weil man auch die im Motorraum sitzende Sicherungsbox einbindet und alles in der Fahrertürverkleidung untergebracht werden muss (Steve bietet kits für Rechts- und Linkslenker an).

Jetzt kann ich, wenn ich mich dem Fahrzeug nähere, das Verdeck schon öffnen und die Persenning direkt aus dem Kofferraum einklipsen. Spart Zeit und nimmt die Hitze frühzeitig aus dem Wagen. Der Umbausatz kostet ca. €150 inkl. Versand.

Steve ist laufend daran, neue Verbesserungen zu entwickeln. Also, wenn jemand eine Idee hat, die man "elektronisch" umsetzen kann, lasst es ihn oder mich wissen...

 

Da mein XKR nur als Drittwagen gefahren wird, kommt es schon mal zu längeren Standzeiten. Mal eine Woche, mal ein Monat. Aufgrund des Alters und der Bordelektronik wird die Batterie laufend (ein wenig) ausgesaugt und um böse Überraschungen beim Neustart zu vermeiden, habe ich einen Batteriewächter (WAECO, BC400, ca. €40) angehängt. Dabei sind zwei Anschlüsse fest an der Batterie und führen zu einem sicheren Stecker im Kofferraum, der einfach mit der Ladeeinheit verbunden wird. Eine halbe Minute Aufwand mit grosser Wirkung auf die Lebensdauer der Batterie. Kann ich sehr empfehlen, wenn ein Liebhaberfahrzeug nur wenig bewegt wird und zuverlässig anspringen soll.

 

Im folgenden Beitrag mache ich mir ein paar allgemeine Gedanken zum Werterhalt der Jaguar X100-Baureihe...


26.05.2012 17:33    |    MariusLola    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: Europa-Import, Jaguar, Puerto Rico, R, XK, XK8, XKR

Das letzte Bild vor der ÜberfahrtDas letzte Bild vor der Überfahrt

Es dauerte über 12 Wochen bis mein XKR, der in San Juan auf die Reise ging, in Rotterdam ankam. Alles was ich zu diesem Zeitpunkt in Händen hatte, war das letzte Foto der Spedition in Puerto Rico vor dem Schließen des Containers und die Papiere. Zwischenzeitlich hatte ich gar die Befürchtung, der Wagen würde nie ankommen, weil die Spedition anfangs den Frachtpapieren keinen Container zuordnen konnte.

Meine Wahl fiel auf die Firma SCL in Rotterdam. Die Leute dort waren immer gut drauf und antworteten mir auf alle Fragen, die ich als Anfänger im KFZ-Europa-Import hatte.

Um ein Fahrzeug aus den USA (oder Puerto Rico, das macht da keinen Unterschied) nach Europa zu importieren, braucht man eine Spedition, die die Ausschiffung und Vorführung beim Zoll in Europa vornimmt (zumindest war das meine Erfahrung). Dafür haben die Firmen meist feste Sätze.

Ich musste ein paar Dokumente wie Wohnsitzbestätigung, Kaufvertrag usw. schicken und SCL hat dann den Rest erledigt. Habe in anderen threads zum Thema US-Car Import anderslautende Aussagen gelesen, aber ich kann über diese Firma nur Gutes berichten.

Da ich den Wagen während unseres Auslandsaufenthalts mehr als sechs Monate besessen hatte, war es Umzugsgut und es fallen dann keine Einfuhr- oder Umsatzsteuer an (das war angesichts der hohen Überführungskosten aus Puerto Rico sehr beruhigend).

Ich musste nun nur noch ein Kurzzeitkennzeichen haben und schon konnte ich den Wagen bei SCL persönlich in Empfang nehmen. Da er ja fahrbereit war, bin ich mit dem Alltagsfahrzeug und einem Koffer voller Werkzeug nach Rotterdam (ca. 1 Stunde von Antwerpen entfernt) gefahren, habe die Rechnung bezahlt und nach einigen Wochen Warten hatte ich mein Schmuckstück wieder unversehrt vor mir. Der Mechaniker, der den Wagen brachte, meinte noch, dass ich ihn besser laufen lassen sollte, weil die Batterie leer war. Ich hatte eine jumpstart Batterie dabei und daher schlug ich diese Empfehlung leichtfertig in den Wind...- Nachdem die Schilder montiert waren, machte es nicht mal mehr "Klick" beim Drehen des Zündschlüssels und die olle jumpstart Batterie war ihre 80$ nicht wert. Es musste das gute alte Überspielkabel herhalten und damit waren die Lebensgeister schnell wieder hergestellt.

Nun war das Kätzchen zwar in der Garage, aber es stand noch der Weg zum TÜV und zur Zulassungsstelle bevor: Ich beschloss, den Wagen in Aachen bei der Jaguarvertretung Hauswirth zunächst einer Inspektion zu unterziehen. Wie schon erwähnt, gab es trotz des Alters von neun Jahren und 23'000 Meilen Fahrleistung keinen Eintrag im Serviceheft. Das ist kein Einzelfall (zumindest in Puerto Rico). Aus diesem Grund stimmte ich einer ganz grossen Inspektion zu. Folgendes u.v.a. wurde gemacht und ersetzt:

- Bremsen und -flüssigkeit

- Kühlmittelbehälter und -flüssigkeit

- Thermostat

- Lambdasonde

- Batterie

- 2 neue Hinterreifen

- Rücklaufschlauch Ölkühler

- diverse Kleinteile und Lampen

- Öl- und Ölfilterwechsel

 

Der Werkstattleiter war sehr hilfsbereit bei den Vorbereitungen für den TÜV: Er bereitete den Wagen für die Kontrolle vor, machte vorab schon die AU und war immer erreichbar, um Einzelheiten zu klären. Die ganze Aktion kostete mich vier grosse Scheine (genau genommen acht dieser rosa farbenen).

Man braucht beim Europa-Import zur Erstellung des deutschen Briefs neben den Zolldokumenten (die man bei der Einfuht erhält), dem US-title (das ist der US-KFZ-Brief) und dem Kaufnachweis auch die EU-Konformitätsbescheinigung. Die kann man entweder bei Jaguar Deutschland für schlappe €400.- erhalten oder man fragt beim freundlichen TÜV Ingenieur nach, ob er das Fahrzeug in der Datenbank hat. Beim TÜV Würselen hatte ich Glück und für einen geringen Betrag wurden die Daten übernommen.

Da Jaguar keine verwegenen landesspezifischen Eigenheiten verbaut, hat das Fahrzeug ohne Umbauten den Stempel erhalten. Von Vorteil war sicher die Xenon-Lichtanlage; ich befürchte, die US-Halogenlampen sind hier nicht zulässig. Aber der Meilentacho konnte so bleiben (hat ja eine kleine km Skalierung) und die Seitenleuchten mussten während der Vorführung abgeklemmt sein.

Damit war der Weg frei für die deutsche Autobahn und nach neun Jahren und umgerechnet ca. 40'000 km durfte der XKR endlich mal zeigen, was in ihm steckt...

Die Wartezeit zwischen Verschiffung, Verzollung, Entgegennahme und Zulassung dauerte zwar viele Wochen, aber die Vorfreude, endlich wieder mit dem Jaguar fahren zu können, war unbeschreiblich. Es macht jetzt doppelt Spaß, den Wagen zu bewegen.

Im nächsten Beitrag will ich über den Alltag und ein paar sinnvolle Umbauten berichten, die ich vorgenommen habe.


13.05.2012 22:33    |    MariusLola    |    Kommentare (2)    |   Stichworte: Europa-Import, Jaguar, Puerto Rico, XK8, XKR

Abgabe bei der Spedition in Puero RicoAbgabe bei der Spedition in Puero Rico

Mein XKR, den ich im März 2011 gekauft hatte, wurde dann im April endgültig auf mich zugelassen, was eine eigene Geschichte wert wäre, aber ich will Euch ja nicht zu sehr langweilen.

Wir waren auf den Jaguar im Alltagsbetrieb nicht angewiesen und so wurde er nur bei sicher regenfreiem Wetter bewegt, was auf einer Karibikinsel nie garantiert vorher gesagt werden kann. Morgens brachte ich immer die Kinder zur Schule und es war großer Jubel, wenn wir dann mal (es hat um 7:30 ca. 25 Grad) offen in die Schule gefahren sind.

[kurzer Einschub: Ich hatte im letzten Beitrag übrigens erwähnt, daß nur maximal 65 mph (100km/h) auf den Schnellstrassen erlaubt ist. Das Tolle ist aber, daß man auf der 3-4 spurigen Autobahn alle Spuren zum Überholen nutzen kann. Ich sage Euch: Das ist so geil wie in einem Videospiel: Die anderen fahren absolut berechenbar mit Tempomat auf ihren Spuren (meistens wird telefoniert, was vollkommen legal ist und es gibt kein Rechtsfahrgebot) und dann kann man jede Lücke elegant nutzen. Das wäre noch eine Alternative zu den überfüllten linken Spuren auf deutschen Autobahnen...]

Eines Tages war es also sonnig und trocken am Morgen, aber als ich mittags aus dem Fenster sah, ahnte ich Schlimmes: Es schüttete aus Kübeln. Ich wusste zwar, daß das Dach zu war, aber mir war unwohl. Zu recht: Im Wagen stand 10cm hoch das Wasser, allerdings nur links. Das lag, wie sich später herausstellte, daran, daß die automatische Fensteranhebung nicht gut eingestellt war und mir das überhaupt nicht aufgefallen ist. Also, wenn Ihr einen X100 (Cabrio und Coupe) habt, ist es wichtig sicherzustellen, daß das Fenster beim Verlassen vollständig (!) geschlossen ist, falls es regnen könnte. In der heissen Karibiksonne war das Malheur am folgenden Tag behoben und der Wagen schnell trocken gelegt.

Bald wurde klar, daß es wieder zurück nach Europa ging, nun nach Belgien. Ich hatte noch wenige Wochen Zeit, den Wagen für die grosse Überfahrt klar zu machen. Dafür benötigt man eine Unmenge an Formularen und es gibt keine Hilfe im Internet. Ich hatte gehofft, es gäbe jemanden, der das zu einem Festpreis anbietet - Fehlanzeige. Das ist noch eine echte Marktlücke in Puerto Rico. Ich hätte 500 $ mit Handkuss gezahlt.

Die folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein Fahrzeug aus Puerto Rico auszuführen:

- Prüfung durch die lokale Polizei, ob gestohlen und auf matching numbers (Fzg.-, Motor- und Getriebenummer), damit man auch keinen geklauten Motor verbaut hat (gültig drei Tage).

- Vollständige und dokumentierte Fahrzeugreinignung inklusive Unterboden (für die Inspektion)

- Alle Anbauteile müssen über spezielle Aufkleber verfügen: An jeder Tür, der Motorhaube und der Heckklappe muss ein Aufkleber zu finden sein, der die FIN trägt. Das ist Standard in USA, um das Ausschlachten von geklauten Fahrzeugen zu verhindern/erschweren. Bei meinem Jaguar fand ich diesen Aufkleber aber NUR in der Fahrertür! Nach einigen schlaflosen Nächten und einem Besuch beim (im übrigen sehr netten und hilfsbereiten) Jaguarhändler in San Juan stellten wir beide fest, daß das bei Jaguar so üblich ist und nur die Fahrertür diesen Aufkleber habe. Es wurde erst später klar, dass dieser Umstand beim Zoll bekannt war.

- Eine Bestätigung durch die Zulassungsbehörde, dass keine Strafzettel mehr anhängig sind (gültig 24 Stunden)

- Bestätigung durch die Zollbehörde, dass alle diese Dokumente vollständig sind und ein Spediteur einen Frachtbrief vorlegen kann

- Im Fahrzeug darf ausschließlich Wagenheber und Warndreieck liegen und der Tank max. zu einem Viertel gefüllt sein (sehr bedauerlich, da der Sprit nur ca. 90 ct/l kostete).

 

Das wäre alles in allem leicht zu schaffen, wenn nicht einige dieser Dokumente eine Verfallsfrist von 1-3 Tagen hätten und das Zollamt, bei dem alles vollständig vorliegen muss, nicht nur nur an zwei Tagen der Woche geöffnet hätte.

Es wäre leichter gewesen, eine Niere zu spenden...

 

Wir sind in die Nähe von Antwerpen gezogen und ich hätte in Erdkunde besser aufpassen sollen, denn dann hätte ich auch gewusst, dass Antwerpen den drittgrößten Containerhafen in Europa hat. Da ich in dieser Stunde aber gerade geschlafen hatte, habe ich den Wagen dummerweise von San Juan nach Rotterdam geschickt und ich musste dort erst eine Spedition finden, die die Ausschiffung und Verzollung vornimmt. Der Spediteur des Ursprungslandes hat damit dann übrigens nichts mehr zu tun. Die genaue Reiseroute ist für mich nicht mehr nachvollziehbar, aber der erste Hafen, der angesteuert wurde, war Cartagena in Kolumbien...

 

Noch zu den Kosten: Der Papierkram in PR ist relativ günstig für unter 100$ zu haben (die Hilfe der Freunde bei den Behördengängen ist allerdings unbezahlbar!!). Die eigentliche Seereise kostete ca. 2'500 € und die Ausschiffung knapp 1'000 €.

 

Im nächsten Blog geht's dann um die Einfuhr nach Europa und die Zulassung.


06.05.2012 16:53    |    MariusLola    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: Jaguar, Puerto Rico, R, XK8, XKR

Meine Familie und ich sind in 2009 für ca. zwei Jahre (das war am Anfang noch nicht klar) nach Puerto Rico umgezogen (Antrieb war natürlich die Arbeit).

Ich hatte mich schon vor der Abreise für einen Jaguar XK8 oder XKR der ersten Baureihe interessiert und einige Bücher mitgenommen, um mich über die Details und das genaue Wunschfahrzeug zu informieren (eine Liste der Bücher stelle ich ans Ende des Blogs). Bei der Lektüre stellte sich heraus, wie "mein Traumwagen" konfiguriert sein sollte:

 

- Es sollte ein XKR sein, denn wenn schon will ich maximale Leistung haben. So schnell kaufe ich mir keinen anderen und da wollte ich jetzt keine Kompromisse machen.

- Aufgrund der technischen Verbesserungen ab 2003, sollte das Baujahr zwischen 2003 und 2005 sein.

- Da ich schwarz und silber beim XK8 sehr langweilig finde, sollte es etwas anderes sein, bevorzugt BRG oder blau.

- Natürlich nicht zu viele km, wenige Vorbesitzer und eine nachvollziehbare Historie.

- Warum überhaupt ein X100? Unsere Kinder sind gerade noch in einem Alter (5 und 7), in dem sie auf die hinteren Notsitze passen und einen reinen Zweitsitzer hatten wir in Deutschland stehen (MGB).

 

Ich hatte vor, während der Zeit im Ausland den Markt und die Preisentwicklung auf mobile.de, autoscout, eBay usw. zu verfolgen und nach der Rückkehr nach Europa zuzuschlagen...

 

Jetzt aber wieder zurück auf die Insel:

Auf Puerto Rico gilt alles unter sechs Zylindern als Kleinwagen und Dieselfahrzeuge haben mindestens drei Tonnen Gewicht. Natürlich sind Fahrzeuge aus US-Produktion in der grossen Mehrheit, auch Japaner hat es in allen Formen und Ausführungen. Von den europäischen Herstellern hat BMW den größten Beliebtheitsgrad, gefolgt von Mercedes und VW (das sportlichste Modell ist in den USA der Jetta!!).

Ein Jaguar ist sehr exklusiv und meistens als X-Type zu finden. Da es nur einen einzigen Jaguarhändler auf der Insel gibt, rutschen die Preise für Gebrauchtwagen nach Erlöschen der Werksgarantie ins Bodenlose. Warum sollte man die Unwägbarkeiten eines solchen Exoten in Kauf nehmen?

Wer Interesse hat, kann mal auf classificados-online (http://www.clasificadosonline.com/Transportation.asp) schmökern und den Bestand sichten.

Wie überall in den USA (Puerto Rico ist Teil der USA) muss man sich höllisch vor verbastelten und heruntergekommenen Fahrzeugen in Acht nehmen. Die Pflege des Servicehefts hat keinerlei Bedeutung und wäre die absolute Ausnahme.

Nach einem Jahr und gefestigten Spanischkenntnissen, habe ich es gewagt, auf ein Angebot zu antworten: Es war ein hellblaues 2003 XKR Cabrio mit 23'000 Meilen für 23'000 Dollar (das waren damals weniger als 15'000 Euro). Der Herr, der ihn verkaufen wollte, war ein Richter im Ruhestand und wusste gar nichts von der Technik oder Historie. Da er ihn kaum gefahren hat, wollte er ihn nur schnell loswerden. Die Resonanz auf sein Inserat war auch sehr schwach und ich war der erste Interessent.

Der Wagen stand da wie eine eins. Fast keine Gebrauchsspuren und die Technik war vollständig in Ordnung. Ich bot ihm 20'000 Dollar und der Kauf war perfekt. Ich hatte tatsächlich Riesenglück, dass es gleich das erste Angebot war, das passte. Später waren noch viele andere XKR im Angebot, aber sie wären alle mit Kompromissen in Bezug auf meine Farbe, die Fahrleistung oder den Preis verbunden gewesen.

Die ersten Fahrten machte ich super-vorsichtig, da die Strassen teils tiefe Bodenwellen haben und ein Schlagloch schon mal die Aufhängung kosten kann. Natürlich wollte ich eine große Reparatur unter allen Umständen vermeiden, da Ersatzteile in PR sauteuer sind. Schnell fahren ist in USA sowieso sehr relativ: 65 mph ist maximum. Das sind unter 100 km/h. Trotzdem war es immer eine Riesenfreude, den XKR zu bewegen.

Das Verdeck bleibt besser oben, weil es in der Sonne zu heiß ist und man wegen der hohen Luftfeuchtigkeit ohne Klimaanlage stark ins Schwitzen kommt - die schönsten Fahrten waren sowieso abends und nachts, wenn der Sternenhimmel über einem leuchtet.

 

Wenig später kam der Ruf, nach Europa zurückzukehren und ich hatte Glück, dass ich den Wagen etwas über sechs Monate in PR besessen hatte, sonst wäre später Einfuhrzoll fällig gewesen; so war es Umzugsgut.

 

Von der Überführung und dem Import nach Europa berichte ich als nächstes.

 

Bücher über den Jaguar XK8/XKR:

Jaguar XK8 & XKR Performance Portfolio, Brookland Books

Jaguar XK8, buying, enjoying, maintaining, modifying, Nigel Thorley

Jaguar XK8 XKR, Stefano Pasini

Jaguar XK8 XKR, the essential buyer's guide, Nigel Thorley


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