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19.02.2015 21:35    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (50)    |   Stichworte: Figaro, Nissan

In den 80er und 90er-Jahren waren japanische Autos in Europa hoch im Kurs. Marken wie Nissan konnten den alteingesessenen Herstellern erhebliche Marktanteile abluchsen. Die Rezeptur war so simpel wie erfolgreich: Nissan bot technisch einwandfreie, attraktiv gestaltete, wenn auch ein wenig biedere Autos zu günstigen Preisen an. Der Micra bot Polo und Corsa Paroli, allein erziehende Eltern fuhren Sunny, intakte Familien Primera. Sogar ein längst vergessener Vanette zählt zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen. Dieser Kleinbus (der Begriff „Van“ hatte sich noch nicht durchgesetzt) bot auf der Grundfläche eines heutigen Corsa tatsächlich Platz für 8 Personen.

 

Wo steht Nissan heute? Abgesehen vom Qashqai... Kwashkai... Quashkwai... diesem Kompakt-SUV mit unaussprechlichem Namen, das man täglich sieht, hat sich Nissan vom europäischen Massenmarkt verabschiedet. Als Resultat einer komplett verfehlten Modellpolitik besetzt Nissan abstruse Nischen, einstige Erfolgsmodelle sind zu Ladenhütern verkommen oder komplett eingestellt worden. Doch wo hat Nissan den ersten Fehler begangen?

 

Mitten in die praktische, ja schlichtweg sinnvolle Modellpalette wurde 1991 der Figaro geworfen. Nein, eigentlich nicht. Zwei Jahre zuvor hat Nissan auf der Tokyo Motor Show die Studie eines knuffigen Retro-Autos mit riesigem Faltdach gezeigt. Wegen überwältigender Resonanz entschied man sich für die Serienfertigung. Allerdings nicht nach Kundenwünschen. Nein, es wurde lediglich eine limitierte Serie von 20.000 Exemplaren hergestellt, die sofort vergriffen war.

Der auf dem Micra basierende Figaro war nur in Japan erhältlich, logischerweise nur als Rechtslenker. Unter der Haube saß ein 76PS starker Einliter-Turbo, der den 810kg leichten Zwerg bei Bedarf auf 160km/h beschleunigt. Völlig ausreichend für diese Knutschkugel. Gut, die Dreigang-Automatik könnte gegen ein modernes Pendant ausgetauscht werden. Ansonsten entspricht der Figaro heute mehr dem Trend als Nissan es sich in seinen kühnsten Träumen vorgestellt hat.

 

Warum durften wir Europäer nicht in den Genuss dieses Autos kommen? Ich meine, seht ihn an! Wie drollig der Figaro aus den runden Scheinwerfern dreinblickt. Der Chromring um sie zieht einen Streifen über die gesamte Flanke bis ans very british anmutende Heck. Spezielle Radkappen imitieren Weißwandreifen. Der Innenraum ist genauso kompromisslos auf Retro getrimmt. Die Instrumente könnten genauso gut aus dem Jaguar S-Type von 1963 stammen. Verchromte Kipphebelchen und Schieberegler erinnern an frühe Minis. Sogar das Radio mit analoger Skala verströmt ein wenig den Flair der 50er-Jahre. Lediglich der Wählhebel für die Automatik, das CD-Laufwerk und Tasten für die elektrischen Fensterheber verraten, dass es sich um ein modernes Auto handelt.

 

Ich frage nochmal: Warum durften wir den Figaro nicht erleben? Eine Kostenfrage kann es kaum gewesen sein. Schließlich basiert er auf dem Micra, eine Linkslenkerversion hätte sich sicherlich leicht realisieren lassen. Vielleicht haben die Japaner sich schlichtweg keine Chancen auf dem hiesigen Markt ausgerechnet? Was will man schon von Menschen erwarten, deren liebste Gefährte so gradlinige Geräte sind wie Golf 2, Mercedes W124 oder Kadett E? Natürlich liebten auch wir Deutschen schon damals Nischen-Autos. Jedoch hatte Mazda erst zwei Jahre zuvor den Roadster wiederbelebt. Hatte Nissan Angst, es gäbe nicht genug Platz für einen offenen Kleinwagen ohne sportliche Ambitionen neben dem MX-5?

Vielleicht hätten wir den Figaro tatsächlich nicht verstanden.

 

Denn der Figaro war einfach seiner Zeit voraus:

VW war ausnahmsweise Trendsetter. 1998 läutete der New Beetle die große Retro-Welle ein. Zwei Jahre später zogen Chrysler mit dem PT Cruiser und BMW mit dem Z8 nach; selbstverständlich in anderen Klassen, aber dennoch Autos, die optisch auf alt getrimmt wurden – allerdings viel liebloser als der Figaro.

Ein Jahr später liefert BMW den Mini, der sich mittlerweile zu einer Marke mit sieben(!) Modellen entwickelt hat. Inklusive zweier kleiner Cabrios.

Zeitgleich startet Peugeot mit dem 206 CC eine neue Welle: Die kleinen Blechdach-Cabrios sind da! Während Puma und Tigra langsam in Vergessenheit geraten, gibt es nun wieder Kleinwagen in adretter Verpackung – und diesmal offen! Citroen kontert 2003 mit dem Pluriel. VW öffnet zeitgleich den Beetle, wenig später ziehen Opel und Mitsubishi nach. Daihatsu versuchte mit dem beinahe figaroesken Copen sein Glück, scheiterte jedoch. Vermutlich weil der Wagen anfangs nur als Rechtslenker angeboten wurde und die Umstellung auf den Linkslenker schlichtweg niemand mitbekommen hat.

2007 punktet Fiat mit dem 500, der seit 2010 auch mit großem Rolldach und feststehenden Bögen erhältlich ist – wie der Figaro. Eine Konstruktion, die wenig Entwicklungskosten nach sich zieht und erfolgversprechend ist: Citroen und Opel setzen bei DS3 und Adam dasselbe Prinzip ein.

 

Und was macht Nissan? 2005 präsentieren die Japaner „the most embarrassing car in the whole of human history.“ (Top Gear)

Ja, streng genommen ist der Micra C+C der Nachfolger des Figaro. Da bleibt nur die Frage nach dem Warum? Warum tut ihr uns das an? Warum konntet ihr euch nicht von Anfang an denken, dass sich ein so hässliches Auto nicht verkaufen wird? Und warum habt ihr nicht einfach die Pressen des Figaro wieder angeschmissen, ein paar Airbags reingesetzt, das Getriebe aus Omas Zeiten gegen eine normale Schaltung getauscht und 18.000€ pro Stück berechnet? (Was übrigens dem Einstriegspreis des Tigra TwinTop entspräche)

 

Daran kann man nichts mehr ändern. Aber es steht exemplarisch dafür, was heute aus Nissan geworden ist: Ein Hersteller von merkwürdigen, nicht sonderlich erfolgreichen Crossover-Modellen, Kleinwagen und Supersportlern, dem Profil und Positionierung fehlen. Überhaupt ist die Micra-Geschichte ein Paradebeispiel dafür, wie man aus einem äußerst erfolgreichen, hübschen Kleinwagen erst ein hässliches und später ein verwechselbares, seelenloses Stück Blech macht und hunderttausende Kunden vergrault.

 

Tja, der Figaro kam zu früh. Er hat die Retrowelle weder verpasst noch eingeläutet, er ist vor ihr weggefahren. Heute wird retro in alle Richtungen ausgewalzt, Mini ist der beste Beweis. Dabei wäre dabei wäre der Figaro soo trendy!

-Die Länge entspricht mit 3,74m exakt dem stark umkämpften Kleinstwagen-Segment

-1.0l Turbo – Downsizing anno 1991

-Faltdach!

-Retro!

-zwei Notsitze, die eher als Gepäck- und Hündchenablage taugen (206CC und Mini lassen grüßen)

 

Leider kam der Nissan Figaro zur falschen Zeit als limitierte Edition auf den Markt. Unter anderen Umständen wäre ihm ein paar Jahre später der Erfolg garantiert. Wer dennoch einen Figaro sein Eigen nennen möchte, hat bei mobile.de die freie Auswahl aus elf Stück, die zwischen 6.000 und 13.000 Doppelmark kosten.

 

Bis zum nächsten Blog!

Euer Simba

 

Bilderquellen:

http://upload.wikimedia.org/.../Nissan_Figaro_Front.jpg

http://upload.wikimedia.org/.../480px-Nissan_Figaro_back.jpg

http://pb-i4.s3.amazonaws.com/photos6/60112-1229450245-0-l.jpg

http://content.worldcarfans.co/2006/2/medium/2060208.004.1M.jpg

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02.02.2015 13:33    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (43)    |   Stichworte: Billigauto, C-Klasse, Mercedes, W202, Yolocar

Einige wissen es schon, die anderen erfahren es jetzt: Der Polyautoxikomane hat wieder zugeschlagen! Seit 10 Tagen bin ich stolzer Besitzer eines Mercedes S202 C200 T Classic. Ich habe ihn Pampers getauft, weil die „kleinen“ Kombis anno 1997 das waren, was Pampersbomber a la Touran heute für die erfolgreiche Jungfamilien darstellen. Und irgendwie ist das Auto eine umgedrehte Windel: Innen trocken und kuschelig weich, außen eher schei...

 

Heute bei Kilometerstand 185.519 muss ich mir die Frage stellen: Ist das noch YOLO? Nennt es wie ihr wollt! Ob Carpe diem, live fast die young oder eben YOLO (You only live once), die Botschaft ist immer dieselbe: Amüsiere dich bevor du ins Gras beißt! Und obwohl viele von uns dieser Botschaft in (post?)pubertärer Einfalt gefolgt sind, so wussten wir doch stets, dass dieses Lebensgefühl irgendwann ein Ende finden muss!

Spätestens wenn du das erste mal Pampers kaufst, solltest du den meisten Dingen im Leben mit Vernunft begegnen. Und hier schließt sich der Kreis um den Stern. Nach knapp 2.000 völlig problemlosen - und dank Tempomat und Sitzheizung sehr entspannten - Kilometern in gut einer Woche Benz-Besitz bin ich mir ziemlich sicher, dass ich ein durchweg solides und vernünftiges Gefährt gekauft habe. Alle Anzeigen funktionieren, keine Warnlämpchen quälten mich, abgesehen von Tankreserve, Wischwasserstand und Traktionskontrolle. Kein Endtopf, der sich nach wenigen hundert Kilometern in seine Bestandteile auflöst. Kein defekter Viscolüfter, der im Stau das Kühlwasser kocht und zum Kampfheizen im Stau zwingt.

Stattdessen das schützende Gefühl ein großes Auto zu fahren. Obwohl Pampers nach Herstellerangaben nur 16mm länger ist als der Sierra, fühlt er sich eine Klasse wuchtiger an. Besonders viel Dampf bietet der 136PS starke Zweiliter nicht, aber wenn er mal auf Tempo ist, taugt er sogar für tempomatgesteuertes Reisetempo 200.

 

Tja, kaum werde ich in vom MrMinuteMan zum YOLO-Meister erklärt, verabschiede ich mich aus dieser Fahrzeugklasse. Oder doch nicht? Was macht denn des Studenten besten Freund, das Einwegohnepfandwegwerfauto aus?

1. Günstiger Preis: Im Fachjargon werden 1.000€ als Schmerzgrenze genannt.

2. Optische Mängel: Sie rechtfertigen den Preis, denn...

3. Wirklich schöne und gute Exemplare dieses Modells werden oft erheblich teurer gehandelt

4. Ablaufdatum: Ein YOLO-Car muss spätestens zum TÜV weichen.

 

Nun, die Yolo-Schmerzgrenze habe ich überschritten, wenn auch nur um 10%. Da kann man nicht motzen! Für einen noch nicht volljährigem Stern aus 2. Hand, mit 183.500km auf dem Tacho und frischem TÜV schon gar nicht!

Das zweite Kriterium erfüllt mein Pampers sehr gut! Man sieht ihm ein hartes Arbeitsleben an. Mit beiden Flanken ist der Vorbesitzer offenbar hier und dort hängen geblieben. Den linke Spiegel wurde offenbar auch mal wogegen gesetzt. Jedenfalls sitzt er nicht ganz fest. Muss ich mal neu montieren und gucken, ob eventuell ein Teil gebrochen ist. Rechts fehlen beide Abdeckungen für die (rostfreien!) Wagenheberaufnahmen. O-Ton Verkäufer: Die Scheißdinger brechen bei jedem Radwechsel ab!

Roststellen sind natürlich auch vorhanden. Die hinteren Radläufe sind betroffen, beide Kotflügel, Heckklappe und eigentlich alle Kanten. Dafür sieht er untenrum erstaunlich gut aus! Tragende Teile sind ebenfalls kaum von der braunen Pest betroffen. Als besondere Schrulligkeit legt sich der Scheibenwischer auf der Beifahrerseite in Ruheposition. Nachdem der Vorbesitzer den Scheibenwischermotor getauscht hat, hat er erst gemerkt, dass der Wischer falsch liegt. Ihr sehr: Ein bisschen was zu basteln gibt’s in jedem 7. Ei und in jeder günstigen C-Klasse!

Der Innenraum hingegen ist fast mängelfrei, nachdem ich die roten Fußmatten durch schwarze ersetzt habe. (Sucht jemand zufällig dunkelrote Fußmatten vom W202?) In Pampers fühlt man sich sicher und komfortabel untergebracht! Obwohl im Classic nicht verschwenderisch mit Holzfurnier umgegangen wird, entspringt das Armaturenbrett in seinen Grundzügen dem W124. Die schrulligen Walzen zur Temperatureinstellung, das klassische, wenn auch um Öldruck- und Economy-Anzeige beraubte Kombiinstrument... Wer schon einmal in einem Taxi saß, wird das kennen! Fußtritthandbremse und Multifunktionshebel liefern ihr Übriges zum Benzgefühl! Dass hin und wieder die Lüftung quietscht und das Kofferraumrollo klappert, trübt das Gefühl kaum.

 

Die ausschlaggebenden Punkte, weshalb ich mich für dieses Exemplar entschieden habe, sind Ausstattung und das Kombiheck. Mein Pampers hat nämlich alle Extras drin, die ich haben möchte. Nicht mehr (abgesehen von der Anhängerkupplung) und nicht weniger. Das heißt: Automatik, Klima, Schiebedach, Tempomat, Sitzheizung, Mittelarmlehne, Fernbedienung.

Beim Sierra musste ich auf Vieles davon verzichten. Aber nicht deshalb musste er weichen, zumal ich im Alltag sehr zufrieden mit dem Auto war. Alle drei Monate jedoch, wenn der duale Student umzieht, habe ich das Auto verflucht! Durch den Briefschlitz, den Ford Kofferraumklappe tauft, bekomme ich einfach keine Kartons in das Auto. Ich bin ja schon häufiger mit Stufenheck-Autos und Kleinwägen umgezogen, aber noch nie konnte ich so mühevoll so wenig unterbringen wie im Sierra.

Das passte ihm offensichtlich gar nicht. So beschloss mein altes Schätzchen, dass es mich auf der Rückfahrt von der Benz-Besichtigung verlassen würde. Auf der A81 kurz hinter Heilbronn ruckelt der Sierra, nimmt kein Gas an. Ich setze den Warnblinker, rolle auf den Standstreifen, Sierra ist aus! Der gelbe Engel diagnostiziert eine defekte Benzinpumpe, ich amüsiere mich köstlich über die Absurdität, bin heilfroh, dass ich preislich nicht die Schmerzgrenze ausgereizt habe, und befehle dem iPod The Irony of dying on your Birthday zu spielen während ich auf den Abschlepper warte.

 

Ja, ist mein Pampers denn eines dieser günstigen Wegwerfautos?

Nun, schöne Exemplare kosten gerne das Doppelte. Erst recht, wenn man den zäh180 ausschließt und auf die Ausstattung wert legt.

Hat Pampers ein Ablaufdatum? Nein, eher ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Er soll mich bis zum Ende meines Studiums im September 2016 begleiten. Was danach kommt, steht in den Sternen auf den Hauben!

Nein, Pampers ist kein YOLO-Car! Er ist viel zu schade um ihn aufzubrauchen. Vielleicht läutet es immer einen neuen Lebensabschnitt ein, wenn man Pampers kauft. Immerhin habe ich erstmals eine Marke gekauft, von der ich schon mal ein Auto hatte. Ist das der erste Schritt von der Polyautoxikomanie zum Autoholismus? Werde ich am Ende alle Rostpickel und Kratzer entfernen, damit das Auto besser aussieht als neu? Wer weiß... Die ersten Schönheitsreparaturen sind bereits in Planung!

 

Ich halte euch auf dem Laufenden...

Grüßle!

Simba

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07.01.2015 02:55    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: Abstimmung, Blogempfehlung, Einheitsauto, youngtimer-blog

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Liebe Motor-Talker,

heute erzähle ich euch nichts über meinen Sierra! Nein, ich habe auch kein anderes Auto gekauft, obwohl ich schon ein paar mal kurz davor war :D

Stattdessen möchte ich euch einen Blog empfehlen und zu einer Abstimmung ermutigen. (Eventuelle Rechtschreibfehler dürft ihr behalten! Dieser Artikel ist sehr spontan zu später Stunde entstanden;))

 

Seit geraumer Zeit lese ich regelmäßig den Youngtimer-Blog. Hier werden die Geschichten von Ex-Autos nachverfolgt, wir fühlen uns in unsere Kindheit zurück versetzt, als von Zeitungsannoncen mit kryptischen Abkürzungen wie DZM, EFH, ASR, Lima die Rede war und Mitsubishi noch Vollsortimentler war. Auch werden hier Fragen geäußert, die wir uns alle schon gestellt haben (Was fährt der Saab-Fahrer eigentlich heute?) und wir bekommen erklärt, weshalb Kleinwagen keine Youngtimer sind.

 

Diesmal hat sich der Youngtimer-Blog allerdings selbst übertroffen mit seinem Gedankenexperiment:

Stell dir vor, es ist 1995! Die EU hat die Schnauze voll von der Konkurrenz aus Japan und Korea. Sie beschließt, dass die EU ein Einheitsauto bekommt und DU darfst der EU-Kommission einen Vorschlag machen.

Natürlich gibt es bestimmte Anforderungen, die das Auto erfüllen muss. Alles Weitere findest du unter folgendem Link, wo du auch deinen Vorschlag mitteilen kannst: http://www.youngtimer-blog.de/.../

 

Bitte stimmt ab und nennt auch hier euren Vorschlag!

 

Ich habe mich nach langem Grübeln für den Renault Megane entschieden.

Meine Gedanken begannen natürlich bei meinem eigenen Auto, dem Ford Sierra. Allerdings war die Konstruktion 1995 bereits betagt, Airbags nicht erhältlich. Der Escort bietet ungefähr gleich viel Platz, er ist in mehr Karosserievarianten erhältlich und günstiger. Aber irgendwie wirkt er im Innenraum antiquiert.

Das kann der Opel Astra F besser. Jedoch hat die Welt 1995 noch nicht vergessen, dass einige Astras wegen eines Materialfehlers im Tank abgefackelt ist. Setzen, sechs!

Warum nicht nach Frankreich gucken? 1995 ist der Megane gerade frisch erschienen. Er ist eine moderne Konstruktion, bietet die beste Sicherheit seiner Klasse und ist zunächst als praktischer Fünftürer sowie als schnittiges Coupe erhältlich. Limousine, Kombi und Cabrio liegen bereits in der Pipeline. Und der Kasus Knacktus: Der Van, der nächstes Jahr als Megane Scenic auf den Markt kommen wird.

So viel Platz auf so wenig Raum, so viel Variabilität und dennoch so viel PKW-Feeling gab es bis dato noch nicht. Der taugt für Familien wie für Handwerker. Er ist französisch in bester Tradition von 2CV und R4!

 

Grüßle und bis bald!

Simba

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30.11.2014 16:08    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (81)    |   Stichworte: 260, Ford, II, Jahresrückblick, Polo, Polyautoxikomanie, Roadtrip, Sierra, Volvo, W124

Liebe Motor-Talker,

es ist der erste Advent. Ein untrügliches Zeichen, dass dieses Jahr sich dem Ende zuneigt. Da sich an meiner automobilen Situation im Dezember nicht viel ändern wird (abgesehen von ein paar tausend Kilometern mehr auf dem Tacho), möchte ich schon jetzt auf das Jahr zurückblicken. Ein Jahr, das automobil, beruflich und privat nicht immer einfach, aber sehr lehrreich war.

 

1. Der Benz

Einige von euch erinnern sich bestimmt noch an den Mercedes 260E, den ich Ende September letzten Jahres für 400€ gekauft habe. Den Kaufpreis habe ich durch Verkauf diversen Zubehörs beinahe wieder reingeholt. Am vorderen Fahrwerk war irgendwas hinüber, er lag ziemlich tief, die vordere Stoßstange war beim Kauf abgerissen und der Kübel bestand mehr aus Rost als aus Blech. Aber er hat mich – abgesehen von der defekten Viscokupplung und einem einmaligen Stottern des Zündverteilers – problemlos von A nach B gebracht.

Das Jahr habe ich (wie immer) in meiner alten Heimat Berlin einläuten lassen. Der 260E hat die 600km in jede Richtung unbeeindruckt abgespult. Auf der Hinfahrt durfte der Sexzylinder endlich mal zeigen, was er kann. Das Wetter war gut, die A9 war frei und so lernte ich, dass der Dicke bei 232km/h laut Tacho in den Begrenzer dreht.

In den späteren Januarwochen schienen sich Dauerbelastung und Wartungsstau zu rächen. Auf Bodenwellen und beim Überfahren von Gullideckeln versetzte der Dicke, wollte mit rabiaten Lenkbewegungen auf Kurs gehalten werden. Da Investitionen angesichts der Karosseriezustands vergeudete Liebesmüh gewesen wären, musste der Dicke weg – natürlich gewinnbringend!

Und weil das Projekt „Dicke Karre zum kleinen Preis“ so gut geklappt hat, ereilte mich der Größenwahn...

 

2. Der Volvo

So schlug ich mir die Nächte um die Ohren, suchte nach der geeigneten Oberklasse, um noch eins drauf zu setzen. Automatik musste sein, Schiebedach auch, ein Sexzylinder sowieso. Weitere Ausstattung war gern gesehen. Alter und Kilometerstand waren egal. Hauptsache viel TÜV und seriöse Vorbesitzer. Und das alles für einen möglichst niedrigen vierstelligen Betrag.

Mein Augenmerk fiel schnell auf die 7er-Reihe von BMW, den E32 um genau zu sein. Leider war zu dem Zeitpunkt keiner in meiner Nähe verfügbar. Die nächste Idee kam aus Großbrittanien: Jaguar XJ40. Das wär's! Stilvoller als im Jaguar kann man nicht reisen. Ich hatte sogar einen gefunden, der mir zusagte und angeblich eine lückenlose Wartungshistorie vorweisen konnte. Leider war er verkauft ehe ich mich aus Angst vor horrenden Folgekosten zu einer Besichtigung durchringen konnte. Also musste ich weiter suchen!

So fand ich einen dunkelroten Volvo 960. Zugegeben: Der Volvo verpackt seine inneren Werte unter einem schichten, etwas biederen Kleid. Holz und Leder suchte man hier vergeblich. Dafür bestach der Volvo mit einem 204PS starken Dreiliter-R6 und einer kompletten Ausstattung: E-Fenster vorn und hinten, Klimaautomatik, Tempomat, Schiebedach, Sitzheizung pipapo... Abgesehen von einer Fernbedienung für die ZV war alles drin, was das Leben angenehm macht.

240.000km standen auf dem Tacho des 90er-Modells, der TÜV war recht frisch und der letzte Besitzer fuhr den Wagen seit 1996. Dass der Tacho etwas spinnt und die Tankuhr nach Mondphasen geht, ist da geschenkt!

Nach einer Probefahrt wechselte der Volvo für 1.000€ den Besitzer. Auf der Überführung nach Hause begann das Drama: Ich blieb mit brennender Öldrucklampe liegen. Die Werkstatt, in die ich geschleppt wurde, hat mir einen Ölwechsel mit einem Additiv zur Motorreinigung angedreht. So habe ich es wenigstens nach Hause geschafft.

Über ein Volvo-Forum ist mir ein Volvo-Schrauber empfohlen worden, der sich dieses Problems annehmen sollte. Er wechselte den Zahnriemen und dichtete die Ölpumpe neu ab. Dennoch ließ sich das Öldruckproblem nicht abstellen und ich war immer häufiger auf den ADAC und weitere Reparaturen angewiesen bis mein Dispo aufgebraucht war. Als der Volvo Ende März als Umzugswagen herhalten musste und ich erneut liegen blieb – diesmal begleitet von unschönen Geräuschen aus dem Motorraum, war das Ende dieses Autos besiegelt.

Gute 2.000€ hatte ich mit dem Volvo in den Sand gesetzt – Geld, das als Student schmerzt. Noch immer zahle ich einen kleinen Kredit vom Studentenwerk ab, den ich aufnehmen musste um mich irgendwie über die Runden zu halten. Der Volvo landete bei Ebay, 201€ hat er mir eingebracht. Katastrophe!

 

An dieser Stelle möchte ich nicht unterschlagen, dass VW mich und einige andere Motor-Talker im März diesen Jahres zur e-Golf Fahrveranstaltung eingeladen hat. Ein Event, zu dem wir in der Business Class eingeflogen wurden und ohne Ende verwöhnt wurden. Nebenbei durften wir auch eine Runde in e-Up! und e-Golf drehen, wobei meine Fahrt in Letzterem bei allen Beteiligten Eindruck hinterlassen hat - nicht unbedingt positiver Natur :D

 

3. Der VolkSWAGen YOLO

Einige Wochen war ich zu Fuß und mit per Bus und Bahn unterwegs. Eines schönen Freitag Morgens Ende April hatte ich mich entschieden, nicht zur Uni zu gehen, weil ich etwas erkältet war. Stattdessen durchforstete ich das Netz nach billigen Autos – im Fachjargon mittlerweile Yolocars genannt. Und ich fand einen dunkelblauen VW Polo Fox 86c aus 91 für 200€ mit dem 1,3l-Vergaser, mit 233.000km auf dem Tacho und TÜV bis Januar 15 aus der Nähe von Reutlingen. Hingemailt, Rückruf kam prompt, geduscht, ab in die Bahn!

Ein Herr Anfang 40 erklärte mir, der Polo sei sein erstes Auto, werde mittlerweile als Zweitwagen genutzt. Da jetzt das zweite Kind komme, würde er einen Viertürer brauchen. Eine Probefahrt und die obligatorische Frage nach Studentenrabatt später, hatte ich den Wagen für 190€ gekauft.

Polo Fox fahren bedeutet Verzicht. Nix dran, nix drin! Und was drin war, war kaputt: Sitzlehnenverstellung, der Hebel zum Kappen der Sitze, der linke Lautsprecher, die Nupsis zum Spiegel verstellen... All das ging nicht. Dafür blinkte die Kühlwasserlampe und der Endtopf war nach wenigen Tagen durchgerostet.

Der Polo wurde nicht geschont und verrichtete seinen Dienst klaglos. Er musste herhalten als Personentransporter für die Feierlichkeiten am 1. Mai in Berlin, er war ein dankbarer Umzugswagen (Erstaunlich, was man in die kleinen Kisten alles reinbekommt!) und im Sommer brachte er mich sogar zum Nordkap!

Jawoll! Vier Wochen und 8.000km lang habe ich im Swag gewohnt, in Schweden, Finnland und Norwegen. Was brauche ich ein Wohnmobil, wenn ich einen Polo habe? Ich habe traumhafte Orte gesehen, verlassene Straßen befahren und die Mitternachtssonne bestaunt. In Lulea habe ich drei Tage direkt am Meer gezeltet, zweimal hat die plötzliche Flut meinen Schlafsack erwischt. Ich habe gelernt, dass Rentiere grunzen und ich habe den womöglich nördlichsten Anhalter der Welt mitgenommen:

Kaum hatte ich das Nordkap verlassen, stand ein Kerl am Straßenrand. Ein Berliner, wie sich wenig später herausstellen sollte. Er hatte einfach einen Flug zum Nordkap gebucht und wollte nach Oslo zurück trampen. Ich nahm ihn mit nach Alta und wir verbrachten die Nacht Bier trinkend an einem Hang bevor sich unsere Wege trennten.

Leider kann ich nicht mit allzu vielen Fotos dienen. Mangels eines Zigarettenanzünders habe ich extra ein Radio mit USB eingebaut, damit ich mein Handy laden kann. Auf der Tour musste ich mit Erschrecken feststellen, dass der Strom zwar für meinen iPod ausreichend war, aber nicht um das Handy zu laden. So war ich auf die Gunst anderer Reisender auf den selten besuchten Campingplätzen angewiesen.

Einige Highlights findet ihr dennoch in der Bildergalerie.

 

4. Der Ford

Obwohl der Swag ein herrlich amüsantes Auto war, hatte ich im August genug von ihm. 16.000km innerhalb von dreieinhalb Monaten ohne Ausstattung und Leistung waren zu viel des Guten. Ich wollte wieder etwas halbewgs Bequemes haben: Mittelklasse aufwärts, Automatik und Heckantrieb sollte der Wagen haben.

So begann die Suche von vorne. Mein erstes Objekt der Begierde war ein BMW 318i aus München. Da Bayernlover aber noch im Urlaub war, hatte ich niemanden an der Hand, der den Wagen schnell angucken könnte. Als nächstes stieß ich auf einen Ford Scorpio Kombi: 2,9 Liter V6, 145PS, Klima, Sitzheizung, Leder. Leider Schaltung, aber was soll's! 650€ sollte er kosten. Nachdem ich mich eingehend über den Scorpio informiert hatte, nahm ich Abstand von der Idee. Der Motor kann nicht auf Euro 2 umgerüstet werden und unter 13 Litern geht wohl wenig. Ja, ein wenig vernünftig bin ich durch das Volvo-Fiasko geworden.

Aber Ford... Warum nicht? So suchte ich nach Scorpios und ich fand einen Sierra, meinen Sierra: Baujahr 92, 2 Liter Hubraum, 116PS, Automatik. Sondermodell „Saphir Exclusiv“ mit ZV, Schiebedach, Sportsitzen mit Lendenwirbelstütze und Mittelarmlehne vorn und hinten sowie Alufelgen. Der Wagen stammt aus 2. Hand, hat TÜV bis März 16 und noch keine 80.000km auf dem Tacho. Auf Euro 2 ist er ebenfalls umgerüstet.

Er stand in der Nähe von Nick_RS. So stiegen wir beide eines schönen Samstags in unsere Yolocars und warfen einen Blick auf den Sierra. Das Scheckheft ist nahezu durchgehend ausgefüllt. Markierungen verraten neu verbaute Gebrauchtteile im Motorraum (Ansaugtrakt) und wie ich später herausfinden sollte am Differenzial. Kratzer und Schäden an den Stoßstangen sind beim Kaufpreis von 350€ redundant. Ich versuchte noch wegen der überalteten Reifen zu feilschen, aber da war nix zu machen. Dennoch kaufte ich den Wagen prompt nach der Probefahrt. Direkt nachdem ich den Wagen abgeholt hatte, habe ich ihm ein neues, gebrauchtes Radio spendiert. Ein Blaupunkt Helsinki, das alle Features beinhaltet, die man braucht, und dennoch eine youngtimertaugliche Optik vorweist.

 

Der Swag ging unterdessen für 175€ an eine Arbeiterfamilie mit drei Kindern, die heilfroh ist, dass sie nicht mehr jegliche Einkäufe mit dem Fahrrad erledigen muss.

Seitdem drehe ich meine Runden im Sierra. Er hat neue bzw. minimal gebrauchte Reifen bekommen und dabei stellten sich schon die ersten Problemchen ein: Beim Wechsel ist mir ein Radbolzen abgebrochen. Dank der Hilfe von Motor-Talk konnte ich die Reparatur selbst bewerkstelligen. Dazu musste zwar die Bremse runter, aber nun weiß ich auch, wie das geht.

Aber das ist noch nicht alles: Der Geschwindigkeitssensor ist hinüber, sodass ich im Moment nur drei Gänge habe. Außerdem tut's der Tacho im Moment nicht. Womöglich liegt das auch an dem Sensor, ansonsten muss eben eine neue Tachowelle her.

 

Tachowelle und Sensor werden sich auf etwa 100€ belaufen. Danach ist der Ford erstmal soweit in Ordnung. Und wie geht es mir damit?

Nun, mit dem Sierra bin ich erstaunlich zufrieden. Er verbraucht 7-8 Liter und ist ausreichend bequem. Hinsichtlich Platzangebot, Leistung und Ausstattung erfüllt er das Minimum, das ich mir von einem Auto wünsche.

Womöglich hat die Polyautoxikomanie hier ein Ende gefunden. Statistisch wäre es wieder an der Zeit für einen Fahrzeugwechsel, aber ich will nicht. Selbst wenn ich die Kohle für ein anderes Auto hätte, wüsste ich nicht, ob ich den Sierra abgeben würde. Ich mag die schrulligen Details wie den Lichtschalter hinterm Scheibenwischerhebel, die vertikalen Heizungsregeler oder die Tatsache, dass der Kofferraum nur per Schlüssel oder Hebel aus dem Innenraum öffnet. Außerdem hat der Ford was Entspannendes. Ich fahre ihn einfach gerne.

 

Was wird 2015 bringen? Man weiß es nicht. Unerwarteten Reichtum? Wenig wahrscheinlich. Einen ähnlich aufregenden Uralub? Ist in Planung, aber ohne Auto. Ein neues Auto? Gut möglich.

 

Wie war euer Autojahr 2014?

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17.08.2014 01:11    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (131)    |   Stichworte: Bayernlover, Billigauto, bronx.1965, Ford, Gasthaus, Gebrauchtwagen, II, nick_rs, Sierra, Sucht

Welcher Suchttyp bist du?

„Ich bin Simba und ich bin Autoholiker“ - So oder so ähnlich müssten sich Einige von uns im Motor-Talk vorstellen.

Heute behandle ich ein ernstes Thema. Ein Thema, das von der Gesellschaft tabuisiert wird, das als nicht existent angesehen wird. Doch es ist real! Zigtausend Menschen sind von ihrer Sucht nach Fahrzeugen betroffen. Familien und Freunde müssen oft machtlos zusehen, wie diese armen Subjekte ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand fahren.

 

Aber ich beginne von vorn:

Wie die meisten von euch bestimmt wissen, habe ich Ende April den Swag gekauft. Der Swag ist ein 91er VW Yolo Fox mit fetten 54PS, den ich zum Schnäppchenpreis erstanden habe. Mittlerweile habe ich einen Umzug mit dem Auto durchgeführt und direkt danach sind wir zum Nordkap gefahren. Ja, mit einem 23 Jahre alten Kleinwagen, der zuvor weder einen Ölwechsel noch sonst irgendeine Form von Zuneigung erhalten hat.

Ob ich dort angekommen bin und was bei der Reise passiert ist, erfahrt ihr demnächst. Aufgrund meines Suchtproblems, auf das ich später eingehe, habe ich den Reisebericht leider noch nicht fertig gestellt. Ich schäme mich dafür und werde ihn so bald wie möglich nachreichen.

 

Als ich nach dem Urlaub auf's Konto geguckt habe, durfte ich zu meiner Freude feststellen, dass meine Finanzlage weniger desaströs ist als befürchtet. Da kann man ja mal gucken, was die Autobörsen so hergeben... 500€ habe ich mir als Schmerzgrenze für diesen Monat gesetzt.

Das erste Auto, auf das ich neugierig geworden bin, war ein dunkelroter BMW E36 318i aus der Nähe von München. 300€ sollte er kosten.

Natürlich will mann vorab die Reaktion der Damenwelt wissen. Drum habe ich einer Freundin, die ich noch aus der Schule kenne, den Link geschickt. Normalerweise sagt sie sowas wie: „Ja, ganz schick, aber du hast doch schon ein Auto. Ist das etwa kaputt?“ Es folgen lange Erklärungen meinerseits, die auf Unverständnis stoßen.

Diesmal sagte sie etwas komplett Verschiedenes: „Es wird Zeit, dass du deine Sucht nach Autos in den Griff bekommst. Ich glaube, du hast da echt ein Problem.“

 

Eine Frechheit! Was fällt ihr ein, mein Hobby, in das ich Zeit, Geld und Mühen investiere, als Problem zu bezeichnen?! Nein, das geht mal gar nicht! Ich kaufe doch nur gerne mal ein Auto. Da ist doch nix dabei? Was hab ich mich aufgeregt...

Am nächsten Tag ließ ich mir die Sache nochmal durch den Kopf gehen. Ich dachte daran, wie wohl ein Alkoholiker reagiert, wenn man ihn mit seinem Problem konfrontiert. Er leugnet, streitet ab und redet es klein. Fällt euch was auf? :D

Je mehr ich reflektierte, desto mehr Zweifel kamen mir. Schließlich lege ich sogar meinen Urlaub darauf aus, möglichst weite Strecken mit dem Auto zu fahren. Analog dazu fährt die Kifferclique im Sommer nach Amsterdam.

 

Sehen wir uns die Kriterien einer Sucht an, die der paritätische Wohlfahrtsverband folgendermaßen definiert: (Anmerkungen, die meine Person betreffen, sind kursiv geschrieben.)

Zitat:

- Dosissteigerung (es wird langsam aber sicher immer mehr)

Der Polo war ein Abstieg. Ansonsten steigere ich Fahrzeuggröße, -leistung und Tempo des Wechsels kontinuierlich

- Kontrollverlust (es gelingt nicht mehr, willentlich die Menge des Suchtmittels zu begrenzen)

Manchmal überkommt mich das Gefühl, dass ich einen neuen fahrbaren Untersatz „brauche.“ Ich bin dagegen machtlos!

-  Entzugserscheinungen (es treten körperliche Symptome, z.B. Zittern, auf, wenn der Zugang zum Suchtmittel unterbrochen ist)

Ganz klar: Ohne Auto bin ich nur ein halber Mensch!

-  Wirkungsverlust (man wird nicht mehr betrunken)

Bislang ist mir jedes Auto recht bald langweilig geworden.

-  Aufgabe der persönlichen Entwicklung durch z.B. chemische Substanzen, welche die Wahrnehmung der eigenen Person so verändern, dass die notwendige Unzufriedenheit (natürliches Streben nach Höherem), welche unabdingbare Voraussetzung für menschliche Entwicklung ist, nicht vorhanden ist

Uff... Schwierige Frage! Ich bin jedenfalls zufriedener, wenn ich vor Kurzem ein Auto gekauft habe. Ergo: Ja, ich bekämpfe meine Unzufriedenheit, indem ich Autos kaufe.

-  Der Suchtmittelkonsum oder das süchtige Verhalten wird trotz sichtbarer negativen Folgen gesundheitlicher, sozialer oder finanzieller Art aufrechterhalten.

Definitiv ja! Man sollte glauben, ich hätte aus dem Volvo-Fiasko gelernt. Nix da! Ein wenig Angst vor Exoten habe ich. Mehr nicht. Was ich da treibe und wozu, das versteht sowieso kein Mensch!

Quelle: http://www.suchthilfe-magazin.de/sucht/kriterien-der-sucht

 

Bei meiner eingehenden Beschäftigung mit diesem Thema habe ich drei Suchttypen herausgearbeitet:

 

1. Der Autoholiker: Er hat seine Marke und sein Modell gefunden. Er beschäftigt sich nur damit und steckt eine Menge Geld in ein Auto, das aus der Sicht Anderer womöglich wertlos ist. Der Autoholiker lässt nichts über sein Auto kommen. Er vergöttert den Hersteller für die Erschaffung dieses Wunderwerks an Technik.

 

2. Der Polyautoxikomane: Ihm ist letztlich egal, was er fährt. Er will möglichst viel Wirkung für möglichst wenig Geld. Er ist ständig bemüht, ein besseres Automobil zu finden, um den Kick zu erhöhen. Dabei hat er natürlich seine Vorlieben und Abneigungen, aber er schließt kaum eine Marke kategorisch aus. Der Polyautoxikomane konsumiert Fahrzeuge kreuz und quer. Was gefällt, wird gekauft und so lange gefahren bis man was Besseres findet!

 

3. Der Car-Horter: Ein Auto ist nie genug! Der Car-Horter ist ein penibler Messie. Seine Fahrzeuge sind stets gepflegt. Er hat gerne drei Autos und mehr. In seinem armen, kranken Hirn bildet er sich ein, er habe für jedes Auto einen Verwendungszweck. Ähnlich dem Polyautoxikomanen ist der Car-Horter oft nur bedingt markenfixiert. Eine neue Marke bedeutet für ihn einen neuen Kaufgrund.

 

Ich bin eindeutig polyautoxikoman. Es ist der Kick nach was Besserem, der mich reizt und vielleicht irgendwann in den Ruin treiben wird.

 

Kehren wir zurück zum BMW, mit dem meine Grübeleien ihren Anfang nahmen!

Der BMW war nix. Die Rückmeldung aus Hans' Gasthaus war verheerend. Außerdem war Bayernlover, mein BMW-Spezi aus München, gerade im Urlaub. Ihn konnte ich nicht zu einer spontanen Besichtigung nötigen.

Trotzdem: Ich war wieder angefixt! Nicks Yolocar-Sammelfred hat einen Saab in der Peripherie Berlins ausgespuckt. Ein 900 der zweiten Generation. Angeblich voll fahrbereit trotz 280.000km auf dem Tacho. Die Bilder versprachen einen brauchbaren Zustand. Berlin... Da kenne ich doch auch jemanden? Ich habe Bronx hingeschickt. Für ihn war es nur ein minimaler Umweg von der Strecke, die er täglich fährt.

Lange Rede kurz: Der Saab war Mist! „Voll fahrbereit“ war dreist gelogen und der Verkäufer in höchstem Maße dubios. Das Ding sprang zwar an, ging aber nach Sekunden wieder aus. Derweil blinkten Motorkontroll- und Öldruckleuchte um die Wette.

 

Ein vernünftiger Mensch würde spätestens jetzt denken: „Okay, das wird nix! Eine Mittelklasse zu dem Preis, die fahrbereit sein soll und die im besten Fall noch ein bisschen was her macht, ist nicht zu finden. Macht nix, schließlich habe ich meinen Polo.“

Nix da! Alle guten Dinge sind drei! Mein Polo hat seinen Zweck erfüllt. Ich bin nicht mehr furchtbar pleite und ich habe dank des homöopathischen Verbrauchs genug gespart. Ich will wieder ein richtiges Auto!

 

Ich hab den Rechner wieder angeschmissen und fleißig gesucht. Eckdaten: Mittelklasse, gern Kombi, 100PS aufwärts, Benziner und mindestens 9 Monate TÜV. Ausstattung ist zweitrangig.

Gefunden habe ich zunächst diesen Ford Scorpio Turnier. Ein tolles Auto mit unfassbar viel Platz, herrlichem V6 und Heckantrieb. Sprengt zwar leicht meinen Preisrahmen, aber das letzte Wort ist da sicher noch nicht gesprochen. Und im nächsten Monat steht neues Geld zur Verfügung. Zur Not gibt es ja noch den Dispo...

Zum Glück habe ich mich etwas schlau gemacht über den Scorpio V6: Den Wagen kann man nicht auf Euro 2 umrüsten. Macht heftige 450€ Steuern im Jahr für einen V6 mit ohne Leistung. Der Verbrauch beginnt angeblich bei 12 Litern. Im Stuttgarter Stadtverkehr kommen da bestimmt 17 zusammen. Autsch! Nein, das riecht verdammt nach meinem Volvo!

 

Aber an sich wäre so ein Scorpio gar nicht so verkehrt. Vielleicht mit einer kleineren Maschine? Was sagt denn mobile.de dazu? Geschwind die Eckdaten eingehackt: Ford, ab 100PS, Benzin, mindestens 9 Monate TÜV. Da spuckt mir der Rechner doch tatsächlich ein Auto aus, das wohl niemand mehr auf dem Schirm hat, das aber dennoch kein Exot ist:

Es handelt sich um einen silbernen Ford Sierra Stufenheck. 2-Liter DOHC-Motor, Automatik, Schiebedach, Zentralverriegelung. Er steht in der Peripherie Stuttgarts, also keine 100km von meinem derzeitigen Wohnort entfernt. 77.500km soll das gute Stück gelaufen haben, er hat letzten März frischen TÜV bekommen und stammt aus erster Hand. Sommerreifen auf Alus und Winterreifen auf Stahl. 350€ soll das Teil kosten!

Mein Onkel hatte mal einen Sierra. Einen violetten Turnier mit Schaltgetriebe. Ein furchtbar hässliches Auto! Aber ich habe die Fahrten schon damals als sehr bequem empfunden.

Am nächsten Morgen habe ich sofort von der Arbeit aus angerufen: „Fährt das Ding? Haben Sie eine rote Nummer für eine Probefahrt?“ Beide Fragen wurden bejaht. „Ich komme morgen Mittag vorbei!“

 

Unser guter Nick war auch dabei. Er ist ein Stuttgarter Jung, der sich gerade ein neues YOLO-Car gegönnt hat. Ich durfte es fahren und habe es genossen. Was es ist, verrate ich aber nicht ;)

Wir trafen uns auf dem Gelände des Händlers, der in erster Linie eine Werkstatt betreibt. Mehrere türkischstämmige Personen schraubten an einem weißen BMW E65, als wir eintrafen. „Mein“ Sierra stand in der zweiten Reihe des kleinen Platzes hinter einem silbernen CLK, dem die Stoßleisten fehlten. Außenrum stand bunt gemischt alles Mögliche vom Corsa bis zu S4 und M3.

Nick und ich warfen einen ersten Blick auf den Sierra. Die vordere Stoßstange hat man offensichtlich nachlackiert und sie war bestimmt mal lose. Denn jemand hat Schrauben in die Seite gedreht. Auf der Beifahrerseite rostet die vordere Tür unschön und die hintere weist Kampfspuren auf, die von einer Wand stammen müssen. Weiterer Rostansatz an Radläufen und Endspitzen. Geschenkt! Jeder Mercedes gammelt schlimmer.

Die hintere Stoßstange hat ebenfalls einen Riss. Darüber kleben vier Sticker, die auf einen höchst christlichen Vorbesitzer schließen lassen. „Jesus liebt auch dich!“ - Aha. Das wage ich zu bezweifeln. Ansonsten machte der Sierra einen sehr ordentlichen Eindruck.

„Der hat bestimmt einem Opa gehört, der nicht eingesehen hat, dass er nicht mehr fahren kann“, meint Nick. Wahrscheinlich hat er Recht.

 

Wir baten um den Schlüssel. Dem Innenraum sieht man seine 22 Jahre nicht an. Eine leichte Staubschicht bedeckt die Kunststoffe, das Radio fehlt. Sonstige Gebrauchsspuren? Fehlanzeige! Stattdessen die graue Velours-Polsterung des seltenen Sondermodells „Exklusiv“, das unter Anderem mit Mittelarmlehne, Zentralverriegelung und Schiebedach daher kommt.

Während ich einen Blick auf die Bremsen werfe und mich unters Auto lege, wo ich verzückt einen neuen Auspuff entdecke, wühlt Nick im Handschuhfach. Das Scheckheft ist bis 2007 geführt. Damals standen 63.000km auf dem Tacho. Es finden sich weitere Rechnungen, die die lächerliche Laufleistung von 77.500km glaubhaft wirken lassen. Eine Bescheinigung von TwinTec garantiert den Einbau eines Kaltlaufregelers und somit die steuersparende Euro 2-Norm. Außerdem finden wir zwei Kaugummis und zwei Kugelschreiber nebst weiteren Dokumenten.

Der Blick unter die Haube zeigt einen sauberen Motorraum. Hier und da sehen wir leichte Ölspuren, aber was erwartet man bei einem 22 Jahre alten Gebrauchtwagen zum Preis eines Handys? Der Ölwechsel-Zettel sagt: Letzter Wechsel im März (zeitgleich zum TÜV) vor wenigen hundert Kilometern. Dass die Maschine schnurrt wie ein Kätzchen, überrascht mich nicht. Alles Andere hätte nicht ins Bild gepasst.

 

Genug geschwätzt, ich will's fahren! Statt eines roten Kennzeichens montiert der Händler ein Kurzzeitkennzeichen. „Ich komme mit. Die Nummer läuft auf mich, eigentlich darfst du damit gar nicht fahren“, sagt er. Wo kein Kläger, da kein Richter ;) Ich nehme hinter dem Volant Platz, Nick neben mir und der Händler hinten nachdem er den CLK aus dem Weg gefahren hat.

Das größte Problem hatte ich damit, den Wählhebel aus der P-Position zu bewegen. Man muss ihn nämlich erst runter drücken, bevor er sich rührt. Mit viel Wandlerschlupf setzt sich die Fuhre in Bewegung. Der 116PS starke Vierzylinder hat ordentlich zu ackern. Aber dennoch fühle ich mich sofort entspannt. Die Sitze mit verstellbarer Lordosenstütze überbieten die des Mercedes W124 um Längen! Sie sind fast so riesig und weich wie im Volvo 960. So gleiten wir dahin, fahren ein Stück Autobahn, etwas über Land und wieder zurück.

Beim stärkeren Tritt auf's Gas hält der Viergangautomat erst eine Konferenz mit allen Beteiligten ab, bevor er entscheidet, was zu tun ist. Das läuft träger ab als bei Volvo und Mercedes. In Verbindung mit der gefühllosen Servo, die aber viel direkter reagiert als die „Ich lenke mit einer Hand“-Kugelumlauflenkung im Benz, der weichen Federung und den bereits angesprochenen Sitzen fühle ich mich wie in einem zu heiß gewaschenen, amerikanischen Straßenkreuzer.

Gegen die Hitze im Auto hilft keine Klimaanlage. Schiebedach und Fenster wollen gekurbelt werden. Das ist Oldschool!

Einziger Wermutstropfen ist ein Dröhnen ab etwa 80km/h. Es kommt irgendwo von den Rädern. Womöglich sind die katastrophalen Sommerreifen von 2007 dran schuld, die zudem noch von zwei verschiedenen Herstellern stammen. Oder ist es ein Radlager?

 

Die Probefahrt verlief recht kurz, aber – abgesehen vom Dröhnen – sehr unauffällig. Zurück auf dem Gelände ließ der Händler Nick und mich kurz alleine. Ich warf nochmal einen Blick auf diverse Komponenten des Autos. „Scheiße, mir fällt kein Argument zum Verhandeln ein“, sagte ich zu Nick. Er war auch nicht schlauer. Dennoch fragte ich dreist, ob noch was am Preis gehe. Ich schlug 300 vor, aber der Händler hat abgewunken. „Nimm den Wagen oder lass es bleiben!“

Ich hatte dann auch keine Lust mehr um die letzten 25€ zu feilschen. Ich habe 350 auf den Tisch geknallt und die Papiere mitgenommen: „Ich hole ihn irgendwann nächste Woche ab. Muss gucken, wie ich Termine bei der Arbeit hab.“ „Alles klar. Ruf bitte vorher an“, entgegnete der Händler.

Als die Kohle auf dem Tisch lag, wurde er auf einmal gesprächig. Er erzählte mir, dass der Ford einem älteren Herrn gehörte, (wer hätte das gedacht :p) der kaum gefahren sei. Im März habe der Mann noch 1400€ in den TÜV gesteckt. Was genau gemacht wurde, konnte er mir aber nicht sagen. Der Wagen sei erst gestern abgemeldet worden. Die Papiere bestätigen es.

Er wollte mir noch ein Radio schenken, aber er hatte leider keine Radios mehr da. Das Dröhnen sei ebenfalls neu für ihn gewesen. Bei der Gelegenheit hat er noch einen Blick auf die Reifen geworfen. „Guck mal hier! Die sind rissig. Mach besser die Winterreifen drauf, wenn die noch gut sind!“ Sind sie, werde ich tun!

 

Nun bin ich um 350€ ärmer und um einen Ford Sierra 2.0i Automatik Exklusiv mit jungfräulichen 77.000km auf dem Tacho reicher!

Was ich mit ihm vorhabe? Nun, erstmal werden die Reifen gewechselt und die Dokumente gesichtet. Hat der Wagen die ersten paar hundert Kilometer überlebt und ist das Dröhnen beseitigt, werde ich ihm vielleicht einen prophylaktischen Wechsel des Getriebeöls spendieren. Je nachdem, was die Papiere hergeben. Ich habe nämlich das dumpfe Gefühl, dass ich zum ersten Mal ein Auto habe, für das sich Investitionen lohnen.

 

Womöglich bedeutet der Ford das vorläufige Ende meiner Sucht. Ist er die Studikarre, die alles mitmacht, den Studi amüsiert und sich für jegliche Zuneigung dankbar revanchiert?

Vielleicht ist er aber auch nur ein Zwischenschritt in Richtung größer, schöner, stärker besser. Denn es gibt noch sooo viele Autos, die ich haben will! Hmm... Eigentlich müsste ich mir einen Zweit- und Drittwagen zulegen. Oder ich fixiere mich auf den Ford Sierra und sehe zu, dass ich einen brauchbaren XR4i finde, den ich als das beste Auto der Welt darstellen kann. Oder...

 

Wer weiß, was kommen wird! Jetzt bin ich jedenfalls Sierra-Fahrer und leidenschaftlicher Polyautoxikomane. Und welcher Suchttyp bist du?

 

Was aus dem Swag geworden ist und ob wir tatsächlich das Nordkap gesehen haben, erfahrt ihr demnächst in Simbas Löwenblog :)

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10.06.2014 21:10    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (41)    |   Stichworte: 2 (86C), Bayernlover, Billigauto, bronx.1965, Kleinwagen, nick_rs, Polo, Roadtrip, Sex, Swag, Tour, VW

Der Eine oder Andere unter euch erinnert sich bestimmt an meine früheren Blogs. Ich schrieb über Josef, den wohl billigsten Benz Deutschlands, und Volvinchen, das Produkt postpubertären Größenwahns, das in einem monetären Fiasko endete.

 

Seit Ende April begleitet mich deshalb ein oller Polo auf meinen Wegen. Auf Nick_rs' Wortwitz hin habe ich einen Aufkleber drucken lassen und das Auto SWAG getauft. (Wer es nicht kennt: Hier der passende Soundtrack)

Der Swag hat mir bereits einige amüsante Erlebnisse bereitet. Leider komme ich erst jetzt dazu, diese mit der Welt zu teilen. Denn merkwürdigerweise wollen die alten Menschen, die in der Uni vor mir stehen, ständig, dass ich irgendwas lese oder zusammenfasse. Und nächste Woche wollen die auch noch wissen, was davon ich mir gemerkt habe! Was fällt denen ein? Schweinerei!

 

Wie dem auch sei... Unsere erste gemeinsame Reise führte den Swag und mich wenige Tage nach dem Kauf zu einer Fortbildung in die schöne Stadt Rottenburg am Neckar. Obgleich ich vor den weiblichen Begleitungen latent beschämt war mit dem Swag vorzufahren statt des Volvo, der bei der letzten Fortbildung ausnahmsweise einwandfrei fuhr, zeigten die Damen sich froh, dass wir nicht die Bahn nehmen mussten.

 

Am 30. April, dem letzten Tag der Fortbildung, erzählten die Schwaben um mich herum beim Frühstück, wie sie den 1. Mai feiern. Die Rede war von Maibäumen und Weinfesten auf irgendwelchen Dörfern, deren Namen ich mir nicht merken kann. Ich, der olle Berliner, konnte darüber nur müde lächeln und ich erzählte von Kreuzberg: Der Kiez ist dicht, überall sind Leute, antifaschistische Kundgebungen, die obligatorische Demonstration und Keilerei mit kleinen, ehemals grünen Männchen und zum Abschluss gibt’s Konzerte bis spät in die Nacht! Das muss man erlebt haben!

Eine Kollegin sah das genauso und schnell stand fest: Wir drehen den Swag auf! Um Spritkosten zu sparen und um die Tour lustiger zu gestalten, habe ich noch einen Freund angerufen, der wiederum seine Freundin mitbringen wollte. Vier Studenten, ein gammeliger Polo und 600 Kilometer Autobahn. Was will man mehr?

 

Wir starteten etwa um 22 Uhr in Tübingen. Wir waren noch nicht weit gekommen, da wurde der Swag auf der A6 ungefähr auf der Höhe Crailsheim plötzlich laut. Sehr laut. Einen kurzen Stop später hatte ich den Grund gefunden: Der Endtopf war an einer Stelle durchgerostet. Das war er schon vorher, aber bislang machte er noch keine lustigen Geräusche. Aber was soll man machen? Ist nicht gefährlich, nervt nur latent. Also fuhren wir weiter, begleitet von einem freundlichen BRÖÖÖÖÖÖB!!!

Vom 1. Mai, unserem frühmorgendlichen Schlaflager in einem Zehlendorfer Park, den spontanen Versuchen Schlafplätze für die nächste Nacht aufzutreiben, (an dieser Stelle besten Dank an Bronx für seine äußerst zuvorkommende, prinzipielle Bereitschaft! :) ) die am Ende daran scheiterten, dass das Handynetz zumindest in Kreuzberg und Tempelhof zusammengebrochen war, dem Alkoholpegel von uns Herren und der erstaunlich eisernen Abstinenz der Damen will ich gar nicht viel erzählen, denn schließlich geht’s ja ums Auto!

Jedenfalls hat nix geklappt und wir mussten am Abend wieder zurück. Das bedeutete für mich 600km auf dem Beifahrersitz neben sichtlich angeschlagenen Fahrerinnen, inklusive zweier größerer Pausen und dem obligatorischen BRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖB!!! des durchgerosteten Endtopfs. Ihr glaubt gar nicht, wie nervtötend das sein kann! War trotzdem saugeil! :D

 

Etwa zwei Wochen später führte ich eine empirische Studie durch. Sie ist vom Bayernlover-Institut in München in Auftrag gegeben und finanziert worden. Die Fragestellung lautete wie folgt: Passen 15 Menschen in einen VW Polo 86c?

Um dies herauszufinden, musste ich zunächst 15 Menschen dazu bewegen, dass sie sich in mein Auto quetschen. Da hilft nur positive Verstärkung! Jede/r Teilnehmende erhielt ein Bier auf Kosten des Hauses.

Ich stellte fest: Ja, 15 Personen passen in einen VW Polo! Allerdings liegt das Fahrzeug dann erstaunlich tief und man kann in diesem Zustand weder Fenster noch Heckklappe schließen. Möglicherweise passen jene 15 Personen in einen Steilheck-Polo bei geschlossener Klappe. Um dies herauszufinden fehlen mir allerdings die nötigen Ressourcen.

 

In den sechseinhalb Wochen, die ich den Swag nun mein Eigen nenne, habe ich bereits 3.000km zurückgelegt – mehr als mit dem Volvo überhaupt. Wo die Kilometer herkommen, weiß ich auch nicht. Aber sie stehen auf dem fünfstelligen Zähler.

In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein völlig wertloses Auto durchaus Spaß machen kann! Eben weil man auf nichts achten muss. Der Swag wird gequält, vollgequalmt und getreten. Ja, ich bin sogar schon über das Auto drüber gelaufen! Mit einem wertvolleren Auto macht man sowas einfach nicht.

Der Swag steckt alles ohne Murren weg und verrichtet weiterhin brav seinen Dienst. Außer etwas Sprit, etwas Öl und einem kleinen Schluck Kühlwasser wollte er bislang nix.

Der Swag hat sogar einige handfeste Vorteile gegenüber einem großen Wagen mit dicker Maschine. Ich finde leichter einen Parkplatz in Hochschulnähe, aber... Im allzeit gegenwärtigen Stuttgarter Stau verbraucht er unter 7 Litern statt 17 wie der Volvo, aber... Der Swag hat einen gefühlten Wendekreis von 50 Zentimetern, aber... Die Scheinwerfer bringen durchaus brauchbares Licht auf die Straße, aber...

 

Ja, wäre da nicht das Aber! Aber leider fehlt dem Swag die Leidenschaft. Ich vermisse nicht die Klimaautomatik des Volvo, nicht die Sitzheizung und nicht die 204PS. Okay, Schiebedach und Tempomat vermisse ich. Am meisten vermisse ich die Leidenschaft!

Das Gesicht des Swag ist ausdruckslos. Der Frontantrieb zerrt beim Anfahren in Kurven in der Lenkung und auf Fugen in Kurven versetzt das Heck ein wenig, sodass insbesondere bei Nässe höchste Vorsicht geboten ist! Doch damit nicht genug:

Der Innenraum wirkt wie aus der Ikea-Resterampe zusammengeschustert. Schwarzes Plastik billigster Natur beherrscht das Armaturenbrett. Blindstopfen, die ich neulich versehentlich entfernt und – nicht mal mit einem satten – Klack wieder eingesetzt habe, muten ärmlich an. Graues Plastik mit türkisen und pinken Zierstreifen noch billigerer Natur hält als Türverkleidung her. Der beige Dachhimmel, wieder aus einem anderen Kunststoff gefertigt, rundet das Gesamtbild ab. Da hat sich jemand ganz viel Mühe gegeben, sich ganz wenig Mühe zu geben! Und ich mag das alles nicht.

 

Versteht mich nicht falsch: Der Gegenwert des Swag ist viel mehr als man von dem läppischen Preis erwarten kann. Das Auto erfüllt auch brav seinen Job und es hat durch die gemeinsamen Erlebnisse sogar Sympathiepunkte gesammelt. Nur wirklich schön ist nichts an dem Auto.

Ja, Kleinwagen fahren ist wie Sex alleine. Es funktioniert, es kostet keine Mühen, es macht sogar Spaß und man kommt auf jeden Fall ans Ziel. Aber es ist ebenso leidenschaftslos, es ist nicht wirklich schön und es ist erst recht nichts, auf das man stolz ist.

 

Der Swag mag „Das Auto" sein, aber er wird nie aus ganzem Herzen „MEIN Auto" sein. Lange habe ich mich gefragt, was ich mit ihm anstellen soll. Er hat noch TÜV bis Januar und ich bezweifle nicht, dass er bis dahin hält. Das BRÖÖÖÖÖÖB!!!, das er von sich gibt, ist nämlich swagisch für: „Ich bin ein zähes Biest.“ Aber will ich dieses Biest bis Januar fahren?

 

Seit Wochen versuche ich bereits einen Zeitpunkt zu finden, an dem ein Freund und ich zeitgleich frei haben und die Mietgarage unseres Vertrauens eine Bühne frei hat. Dann wird unter Zuhilfenahme einer Grillschale, Alufolie und Draht der Endtopf macgyvert, damit das BRÖÖÖÖÖÖÖB!!!! ein Ende findet. Dabei kann ich auch endlich einen fundierten Blick auf die Bremsen werfen. Ansonsten werde ich an dem Auto nichts machen.

Und im Anschluss darf mir der Swag beweisen, wie zäh er ist! Er wird mich im Juli (hoffentlich) zum Nordkap und wieder zurück bringen. 7.500 Kilometer durch Deutschland, und Skandinavien. Warum ich mir das mit diesem Auto antue? Ganz einfach: 1. Weil ich's kann. Und 2. Weil ich in absehbarer Zeit wohl nicht noch ein Auto haben werde, das so wenig verbraucht.

 

Im August wird der Swag eventuell schon seinem Nachfolger weichen müssen. Nein, diesmal habe ich kein 5 Meter langes Schlachtschiff und Groschengrab in Aussicht. Sondern ich habe im Bekanntenkreis ein sehr, sehr faires Angebot für ein vernünftiges, bequemes Auto mit ausreichender, bodenständiger Motorisierung bekommen, das mir optisch sogar gefällt. Solange noch nix in Sack und Tüten ist, möchte ich allerdings noch nicht zu viel verraten ;) Doch womöglich hat der postpubertäre Größenwahn ein Ende gefunden!

 

BRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖB!!!!!!!

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26.04.2014 18:50    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (94)    |   Stichworte: 2 (86C), Billigauto, Kleinwagen, Polo, VW, Wegwerfauto

Liebe Leute, hier erzähle ich euch die Geschichte meines bis dato spontansten und billigsten Autokaufs.

 

Die Geschichte beginnt am gestrigen Freitag. Der Wecker klingelte früh morgens um 7, wie jeden Tag. Ich hustete einen schleimigen Brocken aus, nicht wie jeden Tag. Den Husten nahm ich zum Anlass, heute zu Hause zu bleiben.

Nach ein paar weiteren Stündchen im Bettchen kochte ich mir erstmal einen Kaffee. Und weil ich nicht wusste, was ich mit diesem angebrochenen Tag anstellen sollte, gesellte ich mich in Hans' Gasthaus. Nebenbei schaute ich zum Spaß an der Freude bei mobile.de nach Autos. Als ich den Mindestpreis rausgenommen hatte, ist mir insbesondere ein Auto aufgefallen:

Ein blauer VW Polo Fox mit 54PS starkem 1,3l-Motor. Baujahr 1991, aus zweiter Hand, noch mit altem DIN-Kennzeichen, etwas über 230.000 Kilometer auf dem Tacho. TÜV hat der Polo noch bis Januar 2015. Schlappe 200 Euronen wollte der private Verkäufer dafür haben.

 

Im Gasthaus ist mir zum Kauf geraten worden und ich kam ernsthaft ins Grübeln... Warum nicht? Wenn der Polo tatsächlich so gut ist wie er aussieht, dann kann das Auto ein gutes Geschäft sein! Das Risiko ist gleich null und womöglich stecken sogar einige hundert Euro Gewinn in dem Auto.

Leider hatte der Verkäufer keine Nummer angegeben, aber auf meine Mail reagierte er zügig mit einer SMS. Am Telefon erklärte mir der Herr, der Polo sei sein erstes Auto. Er habe es damals als Jahreswagen gekauft. Der Polo habe natürlich Rost und Gebrauchsspuren, aber er fahre einwandfrei und stehe auf Winterreifen.

Ich beschloss, kurzen Prozess zu machen: „Passen Sie auf: Ich suche mir eine Verbindung raus und melde mich nochmal!“

 

Ich bin noch schnell unter die Dusche gehüpft, hab Geld geholt und die wilde Fahrt in die berühmt-berüchtigte Weltmetropole Gomaringen konnte los gehen. Ja, genau. Gomaringen! Ich wusste bis dato auch nicht, dass es sowas gibt. Irgendwo im Nirgendwo zwischen Reutlingen und Tübingen liegt diese brodelnde City.

Eigentlich nicht weit von Stuttgart aber die Verbindung ist eher mäßig. Erst mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, mit der Regio nach Reutlingen und dort musste ich über eine halbe Stunde auf den Bus warten. Während ich abwechselnd Zigaretten rauchte und hustete, nahm ein älterer Herr neben mir Platz. Er versuchte mehrfach ein Gespräch aufzubauen. Leider vergeblich. Zwar verfüge ich mittlerweile über genügend Übung um das Schwäbische simultan in Hochdeutsch zu übersetzen, vor dem breitesten Schwäbisch dieses Herrn kapitulierte ich allerdings. Er erklärte mir, wo es hier guten Kaffee gab, er schimpfte über Ausländer und dass man nicht Auto fahren darf, wenn man getrunken hat. Vielleicht war es sogar ganz gut, dass ich ihn kaum verstand. Anderenfalls wäre das Gespräch womöglich in eine lästige Diskussion ausgeartet. So nickte ich höflich und wiederholte ab und an aus Höflichkeit ein Wort.

 

Dann kam auch schon der Bus und keine 30 Minuten später stand ich am ZOB in Gomaringen. Eine Zigarettenlänge sowie einen weiteren Hustenanfall später fuhr auch schon der Polo vor. Ein Herr um die 40 stieg aus. Während ich ihn am Telefon nur schwerlich verstanden hatte, stellte sich nun heraus, dass wir dieselbe Sprache sprechen. Wir wechselten ein paar Worte und es stellte sich heraus, dass der Polo erst auf den Händler zugelassen war und anschließend in der Familie einmal umgemeldet wurde. Er verkauft den Wagen, weil der Zweitürer mit Kindern sehr unpraktisch ist. Er erzählte weiterhin, dass bereits jemand angerufen habe, der den Polo zum Ausschlachten wollte. Dafür sei ihm sein erstes Auto, das ihn schon über 20 Jahre begleitet, aber zu schade gewesen.

Ich erkläre meine Situation, meine Vorliebe für große, starke Autos und das Problem mit meinem Volvo 960, der mir die Haare vom Kopf frisst: „Heute früh wusste ich auch noch nicht, dass ich ein Auto kaufe. Dann hab ich den Polo gesehen und ich dachte mir spontan: Warum nicht?“

 

Der Polo an sich sah nicht so schön aus wie auf den Bildern. Einige Steinschläge auf der Haube sowie ein leichter Hagelschaden, Rost an den Radläufen, am Tankdeckel und an der Heckklappe sowie ein leichter Heckschaden. Dafür sind die Hankook-Reifen erst ein Jahr alt und fast neuwertig. Die kleinen Noppen sind sogar noch dran.

 

Tür auf, reinsetzen! Die Sportsitze sind mit Leder und Alcantara bezogen. Auf Knopfdruck passen sie sich meinem Körper an. Ein weiterer Knopfdruck aktiviert Sitzheizung und -lüftung während die Klimaautomatik den Rest reguliert. Der Blick schweift über das belederte Armaturenbrett: Eine Armada von Tasten und Schaltern für die Assistenzsysteme umrahmt das Infotainment. Der Startknopf erweckt den hungrig blubbernden V8 zum Leben und...

 

Spaß beiseite! :D Polo Fox heißt Verzicht. Nix dran, nix drin! Hier hat VW wirklich an allen Ecken und Enden gespart: Keine ZV, keine Servo, kein ABS, kein Tageskilometerzähler, keine Uhr, kein Zigarettenanzünder, keine Haltegriffe. Stattdessen sind Schlaufen an der B-Säule angebracht, an denen sich weniger gelenkige Zeitgenossen aus dem Fond ziehen können, und die Türverkleidungen sind aus formschönem Kunststoff gefertigt.

Immerhin verfügt der Polo über einen nachgerüsteten Handschuhfachdeckel, hinter dem sich eine Mappe mit Scheckheft (immerhin bis 02 geführt), Bedienungsanleitung usw. verbirgt.

Eine nachgerüstete Mittelkonsole vom Polo CL, von innen verstellbare Spiegel (defekt) und ein Fünfganggetriebe sind ebenfalls drin. Ein Kassettenradio mit Aux-Anschluss und einem Sechsfach-CD-Wechsler ist nachgerüstet. Leider geht der rechte Lautsprecher nicht. Ursache bis dato unbekannt. Die Drehknöpfe für die Lehnenverstellung fehlen und der Hebel zum Umklappen der Sitze greift nur an einer Seite. Man muss zusätzlich umgreifen und die andere Seite manuell lösen. Gebrauchsspuren aus 24 Jahren eben.

 

Mit einem Rappeln startet der Motor. Das Auto schüttelt sich ein wenig und die Kühlwasserlampe blinkt. „Das macht er schon seit vier oder fünf Jahren. Liegt wohl an einer kalten Lötstelle“, erklärt der Verkäufer. Gut, solange die Kühlwassertemperatur im normalen Rahmen bleibt, soll das nicht mein Problem sein.

Die Probefahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Der Motor lärmt, Unebenheiten, die man im Volvo nicht einmal wahrnimmt, schütteln den Polo durch und der Schalthebel lässt sich hakelig, aber ohne Widerwillen durch die fünf Gänge bewegen. Bis Tempo 80 beschleunigt der Zwerg sogar ganz ordentlich und eine Servounterstützung lässt er nicht vermissen.

 

So fahren wir über die Landstraßen dahin, der Verkäufer auf dem Beifahrersitz dirigiert mich. Auf einem – sagen wir – besseren Feldweg trete ich stärker auf die Bremse: Funktioniert!

Wir fahren zu dem Mann nach Hause. Ich öffne die Haube und bin erstaunt: Ein Luftschlauch hängt lose am Motor. Das sei wohl auch schon länger so. Der Zahnriemen ist angeblich bei 150.000 gewechselt worden. Einen Beleg gibt es nicht.

Ich lege mich unter den Wagen. Ja, der Motor ist etwas ölig. Geschenkt! Die Achsmanschetten sehen noch gut aus, Stoßdämpfer und Federn könnten schlimmer aussehen, der Rost am Unterboden hält sich in Grenzen, aber am Endtopf ist die äußerste Schicht an einer Stelle durchgerostet. Solange er nicht lärmt, soll mir das recht sein.

 

Bleibt meine obligatorische Frage nach dem Studentenrabatt und Sekunden später war der Polo für 190€ gekauft. Was ich mit dem Auto anstellen wollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Weiter verkaufen um Ersatzteile für den Volvo zu kaufen? Polo und Volvo verkaufen, um was Anderes zu kaufen? Polo fahren und sparen?

 

Meine erste Fahrt führte mich nach Kusterdingen, eine ebenso brodelnde Metropole wie Gomaringen. Dort wohnt ein Freund von mir. Dem stattete ich spontan einen Besuch ab, weil ich gerade in der Nähe war. (An dieser Stelle Gruß an Markus :) ) Ich erzählte ihm die Geschichte vom Polo und als ich den Preis nannte, erntete ich ein ungläubiges „Was?“

Ein paar Gläser Eistee später machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Auffällig waren Audis, BMWs und Porsche Cayennes, die auf der Bundesstraße sehr dicht auffuhren, obwohl ich sogar knapp über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit war. Ein oller Kleinwagen wird eben anders behandelt als eine ausgewachsene Limousine.

 

Zu Hause hatte ich erstmal die Möglichkeit zu überlegen, was ich mit dem Polo anstelle. Schließlich hab ich ja immer noch meinen Volvo, der aber mit defekter Ölpumpe bei Freunden im Carport steht und schon eine Menge Geld verschlungen hat. Eventuelle Folgeschäden unbekannt...

Und nicht zuletzt bleibt die Erinnerung an meinen seligen Mercedes W124 260E. Der Volvo ist zwar zweifellos das bessere Auto. Er hat bessere Sitze, mehr Leistung, er läuft ruhiger, die Automatik schaltet völlig ruckfrei und er ist tausendmal besser ausgestattet. Aber mir fehlt der Stern auf der Haube. Ich mochte Omas Federkernsitze, die bei jeder Bodenwelle nachfedern, die riesige, am Sitz montierte Mittelarmlehne und das Gefühl, dass der Auftrag dieses Autos darin besteht, seinen Besitzer entspannt bis zu dessen Lebensende von A nach B zu bringen!

Außerdem ist so ein Benz im Gegensatz zum Volvo günstig zu unterhalten. Ersatzteile bekommt man hinterher geworfen und in Foren findet man für jedes Problem eine Lösung. Im Gegensatz zum Volvo. Die Volvo-Community ist zwar herzlich, aber doch recht klein. Und wenn ich ein Problem bei Google eingebe, stoße ich nur auf meine eigenen Threads... Das nervt!

Lange Rede kurz: Ich bin vom Sternenvirus infiziert. Ich will zurück zum W124! Gerne wieder als 260E mit Automatik.

 

Ich habe mich entschlossen, dass ich den Polo erstmal übergangsweise fahren werde bis ich Geld für einen Mercedes habe. Den Volvo wollte ich eigentlich noch reparieren lassen und dann eventuell verkaufen, aber den Aufwand werde ich mir sparen. Der Volvo war ein kurzes, teures Experiment, das hiermit als gescheitert gilt. Es ist schade, aber noch ist der Verlust überschaubar. Der Volvo kommt in den nächsten Tagen zu Ebay.

 

Vorhin bin ich zum Volvo gefahren. Der Keilriemen des Polo quietschte nach dem Kaltstart bedenklich, aber je länger er lief, desto besser lief er. Ich habe die Kennzeichen vom Volvo abgenommen und ein paar Dinge aus dem Auto geholt. In der hintersten Ecke des Handschuhfachs habe ich ein Messgerät von „MotoMeter, Made in W-Germany“ gefunden. Es misst Drücke von 0 bis 3 kg/cm². Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Öldruck-Problem des Volvo schon länger besteht. Die im Scheckheft dokumentierte Kompressionsmessung von vor ein paar Jahren deutet ebenso in die Richtung.

 

Der Polo bekommt erstmal mein Autoradio spendiert, das ich noch aus meinem ersten Auto, einem Clio, habe. Da kann ich zwar den CD-Wechsler nicht anschließen, aber es hat einen USB-Anschluss, an dem ich mein Handy laden kann. Mangels eines Zigarettenanzünders ist die Navi-Fähigkeit ansonsten nämlich sehr beschränkt.

Der lose Schlauch im Motorraum wird mit Kabelbindern befestigt. Und danach werde ich nach der Ursache für den defekten Lautsprecher suchen. Ist das erledigt, soll der Polo einfach nur fahren und möglichst kein Geld verbrauchen.

Glücklich macht der Polo nicht, aber ich habe für den Moment meinen Frieden mit dem Auto geschlossen. Ob wir Freunde werden, das wird sich zeigen...


23.03.2014 15:08    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (55)    |   Stichworte: E-Golf, Elektroauto, e-Mobilität, E-up!, Event, Maximierung, up!, VW

Liebe Leute,

 

voll Stolz darf ich euch berichten, dass ich zum erlauchten Kreise derer gehöre, die von VW zur e-Golf Fahrveranstaltung im Rahmen der e-Mobilitätswochen eingeladen wurden.

Die Herrschaften von VW haben mich und einige andere User nach Berlin geschickt, um eine Runde mit den neuen Elekktroautos aus Wolfsburg zu drehen. Von der Einladung musste ich natürlich sofort meinen Freunden unter den Motor-Talkern berichten. Zumeist stieß mir Neid entgegen. Eine Ausnahme bildet Bayernlover. Denn es stellte sich heraus, dass er auch eingeladen wurde. Sehr schön! Ein bekanntes Gesicht. Wir haben uns letztes Jahr bereits einmal in München gesehen.

Vorneweg möchte ich anmerken, dass Fotos nachgereicht werden. Ich habe nur wenige gemacht, aber es gibt einen Ansprechpartner von VW, der Bilder liefern kann.

 

Bereits im Vorfeld hatten wir gerätselt, weshalb ausgerechnet wir nach Berlin geschickt werden. Schließlich gibt es unter den Blogger-Kollegen viele, die mehr mit VW oder Elektroautos am Hut haben. Recht bald kamen wir darin überein, dass die Herrschaften aus Wolfsburg in dieser Veranstaltung womöglich die letzte Chance sehen, uns junge Fahrer dick motorisierter Spritvernichter zu bekehren.

Vom Sexzylinder zum Nullzylinder? Wo bleibt dann der Sex? Sind Elektroautos womöglich leidenschaftslose, rollende Computer? All diese Fragen galt es zu klären.

 

Ich stand Elektroautos bislang eher skeptisch gegenüber. Zu viele ungeklärte Fragen bezüglich der Haltbarkeit und zu viele Zweifel hinsichtlich der Reichweite ließen mich immer wieder von diesem Thema Abstand nehmen. Nicht zuletzt mag ich große, eckige Autos mit viel Hubraum einfach. Also das genaue Gegenteil eines jeden Elektroautos.

Keine Frage, ein Tesla Model S ist schon was Besonderes. Für Otto Normalverbraucher kommt das Model S allerdings ebenso wenig in Frage wie ein Maserati Quattroporte. Die ansatzweise bezahlbaren E-Autos vom Schlage Mitsubishi i-MIEV oder Nissan Leaf sind ein optischer Krampf. Dann kam BMW mit dem i3 daher, der unfassbar lifestylig sein will. Mich erinnert seine Optik an den frühen Opel Agila Njoy. Setzen sechs!

 

Die Anreise oder der Beginn der Maximierung

Beenden wir diesen gedanklichen Exkurs vorläufig und reisen wir nach Berlin! VW ließ sich wirklich nicht lumpen. Ursprünglich wollte ich mit Volvinchen anreisen. Aufgrund des Problems mit dem Öldruck nahm ich von dieser Idee Abstand. Eine Mail später hatte VW mir eine andere Reise gebucht. Schnell und unkompliziert. Das nenne ich Service!

Donnerstag Morgen ging es per Bahn in der ersten Klasse nach Stuttgart. Von dort aus hatte man mir einen Business Class-Flug gebucht. Über den Sinn und Unsinn der ersten Klasse in Regionalzügen könnte man jetzt lange diskutieren. Zumindest ist es dort ruhig. Und der Zutritt in die DB-Lounge am Stuttgarter Hauptbahnhof inklusive kostenlosem Kaffee versüßte mir die Wartezeit auf die S-Bahn zum Flughafen. Währenddessen hielt ich mit Bayernlover Chatkontakt per WhatsApp. Er befand sich derweil auf dem Weg zum Münchener Flughafen.

Mein Flug hatte über eine Stunde Verspätung. Der Lufthansa Lounge sei Dank war ich sogar sehr froh darüber. Ich kam genau rechtzeitig zum Wechsel vom Frühstück zum Mittagessen. Perfekt! Ich aß ein Brötchen mit Marmelade, anschließend eine Linsensuppe, diverse Desserts, Süßkram und Obst. Die Auswahl an Getränken war reichhaltig und ich bediente mich kräftig.

Bayernlover, der mittlerweile am Münchener Flughafen angekommen war, tat es mir gleich. „Maximieren“ nennt man das, wenn man alles mit nimmt, was geht. Den Begriff hat er aus einem Vielflieger-Forum.

Und wir Studenten sind Profi-Maximierer! Nein, wir essen nicht, weil wir hungrig sind. Wir essen, weil wir es können! Einzig von der Maximierung der monströsen Auswahl an alkoholischen Getränken sah ich ab. Schließlich musste ich wenige Stunden später fahren. Ich maximierte noch einen Latte Macchiato, eine Banane und einen Teller voll Kekse, Nüsschen und Gummibärchen bevor ich den Flieger betreten durfte.

Dort ging die Maximierung weiter: Kaffee, eine überraschend leckere Limetten-Limo und ein Nudelsalat mit schinkenummanteltem Schafkäse. Das Wetter war schön, der Himmel nahezu wolkenlos und unter mir zog Deutschland dahin. Einen weiteren Kaffee sowie eine maximierte Limo später begannen wir bereits den Landeanflug auf Tegel.

 

Dort hielt eine Gruppe schick gekleideter Menschen ein VW-Schild in die Höhe. Nach der Begrüßung führte mich der am seriösesten Dreinblickende zu einem schwarzen VW T5 mit abgedunkelten Scheiben. Die Tür öffnete auf Knopfdruck. Ich nahm auf der belederten Rückbank Platz und ließ mich ins Hotel chauffieren. Derweil unterhielt mich der Fahrer mit Small Talk. Ob meine Reise schön gewesen sei, wollte er wissen. Auch ob ich schon mal in Berlin war. Ebenso zeigte er mir diverse Optionen auf, wie ich die zwei Stunden bis zum Beginn des eigentlichen Programms überbrücken kann, ohne dass Langeweile aufkommt.

Mensch, was bin ich wichtig! Endlich hat jemand meine Bedeutsamkeit begriffen und behandelt mich angemessen! :D Verhalten meiner Untergebenen maximiert!

 

Ich wurde vor dem Grand Hyatt am Potsdamer Platz abgesetzt. Ein weiterer Mensch, dessen einziges Begehr meine Zufriedenheit war, eilte herbei. Leider Gottes überbrachte er die traurige Botschaft, dass ich noch einen Moment bis zum Einchecken warten müsse. Endlich hatte ich Zeit für eine Zigarette. Da fuhr auch schon der nächste abgedunkelte T5 vor. Bayernlover und taue2512 entstiegen dem Fahrzeug. Einen kurzen Plausch später durften wir unsere Zimmer beziehen. Das Zimmer war größer als meine Studentenbude. Übernachtung maximiert!

Und die Ausstattung war über alle Zweifel erhaben. Ich maximierte ein Bad, eine Limo aus der Minibar und eine Banane. Dann musste ich schon weiter. In der Lobby wartete schon die Truppe von Motor-Talk. Ein Herr sprach mich an, der sich als bronx.1965 herausstellte. Wir kennen uns aus Hans' Gasthaus. Ein super Kerl! Kein Wunder: Wer einen Opel Monza fährt, kann kein schlechter Mensch sein!

 

 

Der e-Up

Man fuhr uns zum Flughafengelände nach Tempelhof, auf dem die VW-Veranstaltung stattfand. In unserem Shuttle saß noch Turbotobi28 samt Turbotobine und MT-Bastian, Werkstudent bei Motor-Talk.

In Tempelhof herrschte zunächst etwas Verwirrung. Aus unerfindlichen Gründen standen nicht genug Autos zur Verfügung. Wir sollten dann zu dritt oder zu viert in einen e-Golf. Ein wenig schade, wenn man bedenkt, welcher Aufwand für dieses Event betrieben wurde. Dass dann noch die an sich schon knapp angesetzte Fahrzeit von 90 Minuten durch vier geteilt werden soll, ist bedenklich. VW zeigte sich kulant und stellte noch ein paar e-Up bereit. Ich bestieg mit Turbotobi und dessen Freundin einen Up. Später wollten wir uns mit den Golf-Fahrern abwechseln.

Ich setzte mich zuerst ans Steuer und drehte den Schlüssel herum. Ein Gong ertönte. Wählhebel auf D und los geht’s! Unter leisem Surren setzte sich der Up völlig ruckfrei in Bewegeung.

 

Wir verließen das abgesperrte Gelände und bogen ab in Richtung Tempelhofer Damm. Nun konnten wir mal mit dem Up spielen. Nach einer roten Ampel drückte ich das Pedal ein wenig tiefer durch. Sofort liegt Drehmoment an und der Up sprintet ordentlich los. Verzögerungsfrei, nahezu lautlos und völlig ruckfrei. Ein wenig gruselig ist das schon im ersten Moment. Bis etwa 60km/h kommt ihm so schnell keiner hinterher. Dann lässt der Vortrieb spürbar nach.

Als wir am Südkreuz auf die Autobahn auffuhren, klingelte mein Handy, das ich an Tobi weiterreichte. Bayernlover war dran. Er hat im Golf die Freisprechanlage ausprobiert.

 

Der Up geht nicht nur gut voran, sondern auch um's Eck! Dank der Batterien im Fahrzeugboden liegt der Schwerpunkt sehr tief. Das ist sowohl der Wendigkeit als auch dem Federungskomfort zuträglich. Der e-Up fährt sich erstaunlich erwachsen und federt im Gegensatz zu anderen Fahrzeugen mit vergleichbar winzigem Radstand sehr kommod.

Die alte Kritik am Up bleibt natürlich bestehen: Viel Hartplastik und unverkleidetes Blech im Innenraum, der fehlende zweite Fensterheber auf der Beifahrerseite, die integrierten Kopfstützen nerven und der Kofferraum ist ein schlechter Witz. Vom Fahrverhalten her ist der e-Up allerdings viel mehr mein Ding als der Fiesta, den ich kürzlich als Leihwagen hatte.

 

Tobi hatte sich gefragt, was die Plus- und Minuszeichen am Schalthebel bedeuten und warum es eine Stufe B gibt. Das Handbuch verriet, dass es sich dabei um der Rekuperation handelt.

Für Doofe: Je höher die Stufe, desto stärker bremst das Auto von selbst, wenn man vom Gas geht. Da gewinnt das Auto Energie und lädt damit die Batterien wieder auf.

Das mussten wir natürlich ausprobieren. Und in der Tat! In den Stufen 3 und 4 bremst das Auto selbstständig recht stark. Auf B nochmal eine Nummer kräftiger. Ich habe das als störend empfunden, denn man muss fast immer auf dem Gas bleiben. Stufe 2 entspricht am ehesten dem gewohnten Effekt der Motorbremse.

Vor dem Schalthebel befindet sich ein Knöpfchen mit dem Aufdruck „Eco“ und „Eco+.“ Wählt man Eco aus, ändert sich zunächst nur die angezeigte Reichweite. Laut Handbuch reduziert sich zugleich die Leistung. Im Stadtverkehr konnten wir allerdings keinen Effekt feststellen. Auf Eco+ schalten sich zusätzlich Klima und Sitzheizung ab und die Reichweite erhöht sich nochmals.

Wir beließen es beim normalen Modus. Hier entsprach die angezeigte Reichweite trotz elektrischer Verbraucher ziemlich genau der gefahrenen Strecke.

 

Jetzt war Tobi an der Reihe und ich nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Auf den Beifahrer wirkt die Beschleunigung nochmals krasser. Ohne den Motorsound und Schaltrucke, die selbst bei dem besten Automatikgetriebe minimal spürbar sind, fehlt mir als Beifahrer jegliches Gefühl für die Geschwindigkeit. Und ich bin wieder einmal überrascht, wie positiv sich eine 240kg schwere Batterie im Fahrzeugboden auf die Federung auswirkt.

Nun hatte ich Zeit, mich mit dem Infotainment zu befassen. Warum die Bedienung eines Handys verboten ist, die eines auf dem Armaturenbrett angebrachten Touchscreens jedoch legal, erschließt sich mir nicht. Das Ding lenkt mindestens genauso ab! Die Koppelung meines Windows-Handys an den Up war schnell erledigt und es war Zeit für den Rückruf an Bayernlover.

 

Das Warten auf den e-Golf

Nun wollten wir ja nicht den ganzen Tag Up fahren, sondern auch den Golf testen. Drum machten wir uns auf den Rückweg zum Flughafen. Wir waren die ersten. Einen weiteren Golf konnte uns VW nicht zur Verfügung stellen. Wir müssten warten bis die anderen zurück sind. So überbrückten wir die Zeit, indem wir uns die Ausstellung ansahen.

Unter anderem stand dort ein XL1 herum. Von außen macht der XL1 einen durchaus schnittigen und sportlichen Eindruck. Hätte er einen Motor im Heck, der der Optik entspricht, könnte es ein toller Sportwagen sein.

Wir setzten uns herein, was gar nicht so einfach war. Man hockt knapp über dem Boden auf schmalen Sitzen, die sehr nahe beieinander stehen. Das Cockpit scheint in weiten Teilen aus dem Up zu stammen, ist jedoch mit reichlich Carbonteilen aufgehübscht. Wir schlossen die Flügeltüren und ich kurbelte (ja, kurbelte!) das Fenster herunter. Beziehungsweise ich öffnete den Lüftungsspalt, wobei mir mehrmals die Klappkurbel entglitt. Nein, alltagstauglich ist das Auto wirklich nicht! Als Machbarkeitsstudie okay, aber der tiefere Sinn, weshalb sich jemand so ein Auto zulegen sollte, erschließt sich mir nicht. So kletterten wir über den breiten Carbonschweller unter der Flügeltür hindurch wieder ins Freie.

 

Der e-Golf

Mittlerweile waren die Kollegen in den Gölfen angerückt. Leider war unsere Fahrzeit bereits abgelaufen und das Programm sollte fortgesetzt werden. Ich zeigte mich latent pikiert. Schließlich betreibt VW hier einen riesigen Aufwand für effektiv sehr wenig Fahrzeit, die außerdem nur auf einem Auto stattfinden konnte.

Bayernlover frage einen VW-Mensch, ob denn die Bremslichter angingen, wenn das Auto zwecks Rekuperation selbstständig bremst. Das wusste er auch nicht. Also probierten wir es aus. Er stellte die Rekuperation auf Stufe 4 und wir schauten dem Golf beim fahren zu. In der Tat: Die Bremslichter gingen an. Alles andere wäre auch ein bisschen gefährlich.

 

Jetzt wollte ich auch eine Runde mit dem Golf drehen. Bayernlover händigte mit den Schlüssel aus, Turbotobi nahm neben mir Platz und Bastian auf der Rückbank. Zum Inneren des Golf gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Materialqualität und Verarbeitung sind ohne Fehl und Tadel. Lediglich blaue Akzente unterscheiden ihn vom Normalo-Golf.

„Drück mal gleich ein bisschen drauf, wenn wir losfahren. Ich will wissen, wie der beschleunigt“, tönte es von der Rückbank. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen! Ich drehte den Schlüssel herum und „Gong!“ das Auto war an. Pedal durchgetreten, 270 Newtonmeter rissen an den Vorderrädern, die Traktionskontrolle blinkte um ihr Leben und ehe ich mich versah, standen 80 Sachen auf dem Tacho.

Nicht schlecht, Herr Specht! Und völlig lautlos. Während der Up noch ein wenig nach Straßenbahn klingt, hört man im Golf nichts. Nach 4,2 Sekunden ist Tempo 60 erreicht. Das ist auf dem Niveau eines BMW 135i! Mit Heck- oder Allradantrieb wäre im Golf sicherlich noch mehr machbar!

Ich wendete und trat wieder durch. Am Ende der Geraden standen 110 auf dem Tacho. Mit Pylonen war hier eine Rechts-Links-Schikane gefolgt von einer Geraden und der nächsten Links-Rechts-Kombo abgesteckt, bevor der Weg auf öffentliches Gelände führt.

Ich nahm den Fuß vom Gas und lenkte ein. Die Rekuperation bremste das Auto, wodurch es leicht quer stand. Reifen quietschten, der Golf folgte zielgenau meinen Lenkbewegungen und mein Ehrgeiz war geweckt. Wieder drauf und links eingelenkt. Leichtes Schleudern, Gegenlenken, Fuß auf's Gas. Holla die Waldfee! Unter lautem Quietschen schoss der Golf leicht quer durch die Kurve Der tiefe Schwerpunkt tut dem Golf gut!

Wir hatten die kurze Gerade vor uns. Die Traktionskontrolle blinkte selbst bei 80 Sachen noch um ihr Leben. Bei 115km/h trat ich die Bremse und wir bewegten uns lautstark und latent quer stehend (ESP lässt grüßen) durch die Pylonen, die ich zur Schikane erklärt hatte.

VW e-Golf maximiert und für nordschleifentauglich befunden!

 

Auf dem Rückweg stand eine Dame winkend am Straßenrand. Ich hielt an und Bastian öffnete die Fondtür. Mehr oder weniger freundlich wurden wir darauf hingewiesen, dass auf diesem Gelände ein Geschwindigkeitslimit von 20km/h herrsche. Testfahrt hin oder her, aber das gehe mal gar nicht! Ich entschuldigte mich höflich und wir fuhren gemächlich zu den anderen Motor-Talkern, wo schon ein weiterer VW-Mitarbeiter auf mich wartete, der sichtlich mit den Nerven am Ende war und mich ordentlich zur Sau gemacht hat. Er nahm mir sofort den Schlüssel ab, fuhr den Golf in die Halle und ich gesellte mich kleinlaut, zugleich aber hämisch grinsend zu den anderen Motor-Talkern.

Bayernlover erzählte mir, der VW-Mensch sei aufgeschreckt von dem Quietschen zu ihm geeilt und habe geschrien: „Wer ist das? Hat irgendwer seine Nummer?!“ Mein bayrischer Kollege jedoch zeigte Loyalität. Die verantwortlichen Herrschaften von Motor-Talk waren ebenfalls nur mäßig begeistert von der Aktion. Bronx hingegen zeigte sich amüsiert und bezeichnete dies als Ausdruck wahrer Lebensfreude! :D

Vermutlich wird VW mich in der nächsten Zeit nicht mehr zu solchen Veranstaltungen einladen. Aber wer weiß, vielleicht leiten sie meine Daten an Porsche weiter...

 

Das Abendprogramm

Nun stand ein Gespräch mit einem Experten auf dem Programm, der unsere Fragen zu Elektroautos beantwortete. Währenddessen wurden Häppchen serviert, die wir erfolgreich maximierten. Neben den üblichen Fragen zur Haltbarkeit der Akkus, der Reichweite und Wartung von E-Autos verblüffte mich vor allem das Statement, dass der Kilometer im E-Auto in etwa genauso viel kostet wie mit Gasantrieb.

Warum also ein E-Auto kaufen, wenn das Gas-Pendant auf den Kilometer dieselben Kosten verursacht und in der Anschaffung billiger ist? Nun, ein E-Auto ist komfortabler und macht mehr Spaß. Wer eine Lademöglichkeit hat und die Reichweite als genügend empfindet, für den kann ein E-Auto eine Alternative sein. Eine gehörige Portion Idealismus gehört aber dazu. Denn noch rentiert sich das E-Auto nicht.

 

Im Anschluss fand noch eine Pressekonferenz statt, in der uns und einem Haufen Journalisten aus aller Welt die Elektrostrategie und das Baukastenprinzip des Volkswagen-Konzerns erklärt worden ist.

Danach war wieder Maximierungszeit. Eine Vorspeise nach der anderen wurde serviert. Es gab Bier, Sekt und Wein en masse! Wir schulgen natürlich kräftig zu. Bayernlover, Bronx, Golf Cl und ich nahmen an einem Tisch direkt vor dem Buffet Platz. Wir spiesen, tranken und unterhielten uns prächtig.

Während einer Zigarettenpause sprach ich draußen mit Bastian. Er gewährte mir einen Einblick hinter die Kulissen von Motor-Talk. Was den Eindruck eines gewöhnlichen Internetforums macht, ist ein stattliches Unternehmen. Wir sprachen über Autotests und Autozeitschriften. Über die Authentizität von Motorjournalisten im Vergleich zu Laientests wie der heutigen Veranstaltung. Ich äußerte Lob und geringfügige Kritik an der Organisation, bevor ich mich wieder zu der Truppe an meinem Tisch gesellte.

Bayernlover machte recht bald einen Abflug. Er wollte noch das Schwimmbad im Hotel maximieren. Wir anderen blieben noch und unterhielten uns Bier trinkend. Doch irgendwann waren wir alle platt. Wir ließen uns ins Hotel chauffieren und ich plünderte meine Minibar, die wir in Bayernlovers Zimmer maximierten.

Am nächsten Morgen beim Frühstück sprach Bronx mich umgehend auf die Golf-Aktion an. Ich habe definitiv Eindruck hinterlassen! Ob der gut oder schlecht ist, die Frage steht auf einem anderen Blatt.

 

Was ist hängen geblieben?

Ich habe meine Vorurteile gegenüber Elektroautos relativiert. Bedenkt man, dass der ausstattungsbereinige Aufpreis eines E-Golf ca. 5000 bis 7000€ über dem konventionell betriebenen Auto liegt, so ist es nur eine Frage der Zeit bis sich das E-Auto gegenüber dem Verbrenner flächendeckend durchsetzen wird. Zumal die Akkus besser werden und das E-Auto wirklich eine Menge Spaß macht! Bequemer sind die E-Autos auch noch. Im direkten Vergleich nervte das DSG im T5 Shuttle, das uns von A nach B transportierte.

 

Würde ich mir einen Elektro-VW zulegen? (Abgesehen davon, dass ich mir sowieso noch keinen Neuwagen leisten kann)

Nein. Der Up ist für meinen Geschmack schlichtweg zu klein. Ich mag keine Kleinwagen. Der E-Golf wäre schon eher was. Sein konservatives Design, das ich eigentlich kritisiere, sehe ich hier als Vorteil. Denn im Gegensatz zu Prius, Leaf, Zoe, i3, i-MIEV und wie sie alle heißen ist der e-Golf für den Laien nicht als Elektroauto erkennbar. Lediglich blaue Akzente und ein anderer Kühlergrill unterscheiden ihn vom normalen Golf. Damit hebt er sich wohltuend von den überwiegend hässlichen E-Autos ab.

Man kann auch elektrisch fahren ohne aufzufallen. Das hat VW begriffen.

 

Dennoch würde ich mir keinen e-Golf zulegen. Die Reichweite mag zwar für den Alltag genügen, aber ich will die Möglichkeit haben, auch weitere Strecken als 150km zurückzulegen ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass mir der Saft ausgeht. Zumal nachtanken per Kanister nicht möglich ist.

Einen Plugin-Hybrid wie den Golf GTE könnte ich mir aber durchaus vorstellen. Die elektrische Reichweite von 50km reicht für die alltäglichen Strecken aus, ist leise und macht Spaß. Danach schaltet sich der Benziner ein, der mit 150PS alles andere als untermotorisiert ist. Den GTE durften wir leider nicht fahren. Vielleicht werde ich das nachholen.

 

Ich bedanke mich ausdrücklich bei VW und Motor-Talk, dass sie mir die Gelegenheit gaben, die E-Autos auszuprobieren. Und für die luxuriöse Unterbringung inklusive herausragendem Service, den ich nach Kräften ausgenutzt maximiert habe :)


18.03.2014 22:48    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (40)    |   Stichworte: 960, ADAC, Idiot, öldruck, panne, Stil, Volvo

Ich habe schlechte Laune, sehr schlechte Laune. Heute ist einer dieser Abende, an denen man sich nur im Bett verkriechen und die Decke über den Kopf ziehen möchte.

Dabei läuft mein Leben im Großen und Ganzen recht gut. Ich bin jung, dynamisch, gut aussehend, intelligent und erfolgreich. Zudem bin ich nicht einmal eingebildet :p

 

Wären da nur nicht diese wiederkehrenden Kleinigkeiten, die mir gehörig die Laune vermiesen. Ihr ahnt es sicherlich schon: Es geht um Volvinchen.

Einige von euch erinnern sich bestimmt an meinen letzten Artikel: Volvinchen hat einen neuen Zahnriemen spendiert bekommen und die Ölpumpe wurde abgedichtet. Einen Ölwechsel wollte ich auch durchführen lassen, aber dafür fehlte die Zeit, weil natürlich nichts so lief wie geplant. Wäre ja auch langweilig!

 

Gestern hatte ich einen interessanten Termin von der Arbeit aus: Wir wollten eine psychiatrische Wohngruppe besuchen. So eine Möglichkeit lasse ich mir natürlich nicht entgehen! Und weil ich mich ungern in einen Kleinwagen quetsche, habe ich mich – altruistisch wie ich bin – zum Nutzen der Allgemeinheit als Fahrer angeboten.

Es hagelte einvernehmliche Komplimente für Volvinchen. „Dein Auto riecht so gut!“, „Der Motor klingt ja toll!“, „Soo weiche Sitze!“, „Mensch hat der viel Platz!“ Ja ein alter Volvo macht eine gute Figur. Er ist nie overdressed, aber immer stilvoll. Ein Trenchcoat auf vier Rädern. Ob Humphrey Bogart oder Columbo: Sie alle trugen Trenchcoat. Und sie würden im Volvo eine gute Figur machen. (Ich brauche dringend einen Trenchcoat!)

 

Auf der Bundesstraße glitten wir gut gekleidet dahin. Das Schiebedach gekippt, die Sitzheizung wärmte mein Gesäß und den Tempomat habe ich nach kurzer Zeit bereits ausgeschaltet. Zu schaukelig federte Volvinchen und zu gefühllos ist die Lenkung bei flotter Kurvenfahrt.

Macht nix, denn wir haben Zeit! Zeit haben gehört zum Trenchcoat-Style. Wir gleiten. Rasen können die Adidas-Trainingsjackenträger im tiefergelegten Seat Leon.

Mein Genuss ist lediglich durch einen Laster vor mit getrübt worden. Ich habe gerne freie Sicht. Also Blinker links, Fuß auf's Gas und ab! Der R6 grummelte bei 4.500 Touren ein wenig aggressiv und schon waren wir vorbei.

Kaum pendelte ich mich wieder knapp unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ein, da blinkt etwas im KI. Dreimal dürft ihr raten: Es ist die Öldruckleuchte.

%!"/#'"%§!"§=&@?*!!!!!!!!!

 

Ich krieg die Krise! Ein Glück befanden wir uns kurz vor einer Haltebucht. Warnblinker an und nix wie raus da! Motor aus, Haube auf und das alte Spiel: Wie sie sehen, sehen sie nichts! Der Ölstand stimmt und der Blick unter den Öldeckel verrät, dass Öl im Zylinderkopf vorhanden ist.

Sekunden später hielt ein blauer BMW E46 hinter mir. Mein Arbeitskollege stieg aus: „Was ist denn hier los?“, fragte er besorgt. Ich schilderte die Situation. Im Weiteren bin ich dazu genötigt worden, minutenlang mit Unterstützung des Handbuchs zu erklären, dass die Warnleuchte tatsächlich auf ein Problem mit dem Öldruck und nicht dem Ölstand hindeutet.

 

Es half alles nichts: Nach einem erneuten Start war die Lampe zwar aus, beim kleinsten Tritt auf's Gaspedal ging sie aber wieder an. Das altbekannte Problem von der Überführungsfahrt.

Die Kollegen stiegen in den BMW und verließen mich, während ich den ADAC anrief. Immerhin befand ich mich noch in heimischen Gefilden, sodass ich ausnahmsweise exakt meinen Standort schildern konnte. Als ein Kind der Navi-Generation ist das für mich nicht mehr selbstverständlich.

Der gelbe Engel kam rasch. Außer einem Check des Ölstands wusste der sich allerdings auch nicht zu helfen. Dann lud er Volvinchen auf und wollte uns zur ortsansässigen Volvo-Werkstatt fahren.

Mein Kontostand war aber anderer Meinung. So fuhr er uns nach Hause, wo mein Mitbewohner sich bei einer Zigarette die Sonne auf den Bauch scheinen ließ. Er gab mir einen Glimmstengel ab, den ich beim Abladen von Volcinchen versehentlich an der Innenverkleidung ihrer A-Säule ausdrückte.

%!"/#'"%§!"§=&@?*!!!!!!!!! Genau deshalb rauche ich eigentlich nicht in meinem Auto!

 

Ich ließ Volvinchen erneut an. Der Motor lief rund, die Warnleuchte war aus, aber ein sägend-schleifendes Geräusch bekräftigte meine Entscheidung, den Motor lieber abzustellen.

 

Wenig später legte ich mich unter das Auto. Vielleicht sieht man ja was? Nun, ich konnte feststellen, dass ein Teil leicht ölt, das ich später als Thermostat für den Ölkühler identifizieren konnte. Da ist wohl eine Dichtung hinüber. Das erklärt allerdings nicht das Geräusch, dessen Ursprung ich lokalisieren wollte. Drum ließ ich die Maschine nochmal an. Und nun herrschte Ruhe im Karton! Der Motor lief rund, alles wunderbar!

 

Heute habe ich Volvinchen nach der Arbeit meinem Chef präsentiert. Der Mann ist schwerst nikotin- und koffeinabhängig. Und er fährt aus Prinzip nur Sechszylinder Benziner. Wir teilen alle diese Leidenschaften. Diesmal war das Geräusch wieder zu hören. Es stammt vom vorderen Ende des Motors, der leicht an Drehzahl verliert, sobald es ertönt. „Da blockiert was“, meinte Chef. Definitiv. Und vermutlich ist es die Ölpumpe, die aufgrund des komisch klingenden Schadens unter Last nicht genug fördern kann, was wiederum den Druckabfall erklären würde.

 

Nun ist weiterhin die Tatsache problematisch, dass eine Ölpumpe in einschlägigen Onlineshops 220€ kostet. Zum Einbau muss außerdem der Zahnriemen wieder runter. Gibt's auch nicht umsonst! Nicht zuletzt habe ich in den vergangenen sechs Wochen über 650€ in den Karren gesteckt. Und weder mein Gehalt noch mein Dispo sind unendlich.

Ich denke an Goifys Worte. Er unterstellte mir kürzlich, ich würde schmerzbefreit an meinen Autokauf herangehen. Da hatte er wohl recht. Bin ich Masochist? Oder naiv? Vielleicht bin ich auch einfach ein Idiot? Wie soll ich das nur herausfinden? Wenn ich tatsächlich ein Idiot bin, dann bin ich viel zu dämlich, um die Tatsache meiner eigenen Idiotie einzusehen.

Wenigstens habe ich Stil. Das können nicht viele Idioten von sich behaupten!

 

Und was mache ich mit Volvinchen? Verkaufen will ich nicht. Ich habe zu viel Geld hineingesteckt und mit dem Fehler bekomme ich zu wenig. Er Erlös würde kaum für einen Trenchcoat reichen.

Ich mache, was jeder Idiot machen würde: Weiter fahren! Die Erfahrung sagt, dass der Motor nur Ärger macht, wenn ich viel Gas gebe. Im nicht formallogisch gültigen Umkehrschluss bedeutet dies, dass Volvinchen keinen Ärger macht, wenn ich behutsam fahre.

 

Nächste Woche ziehe ich um. Volvinchen wird als Umzugswagen herhalten müssen. Schließlich muss ich mich selbst, mein Eigentum und nicht zuletzt auch mein Auto sowieso nach Stuttgart transportieren. Denn dort ist der Schrauber meines Vertrauens. Ich werde vorsichtig fahren, hohe Drehzahlen meiden und zu Wishnu beten.

In Stuttgart kann, will und muss ich zum Glück mit der U-Bahn fahren. Volvinchen wird vor die Tür gestellt, bis ich ansatzweise Kohle hab, um den Wagen meinem Schrauber auf den Hof zu stellen. Vorausgesetzt natürlich, wir kommen bis nach Stuttgart...


09.03.2014 17:28    |    Suomi-Simba    |    Kommentare (13)    |   Stichworte: 960, Alufelgen, Volvo, Wartung, Zahnriemen

Liebe Motortalker,

 

ich möchte euch in aller Kürze von den Neuerungen mit Volvinchen berichten:

Nachdem es in unserer Beziehung anfangs etwas gekriselt hatte, kommen wir mittlerweile gut miteinander aus. Den neuen Luftmassenmesser hat Volvinchen akzeptiert und so setzen wir unsere Reisen fort.

 

In den vergangenen Wochen musste Volvinchen des Öfteren als Personentransporter herhalten. Kürzlich hat sie meine Arbeitskollegen und mich nach Ulm gebracht. Die Hinfahrt verlief völlig problemlos. Die Kollegin auf dem Beifahrersitz zeigte sich beeindruckt von der Sitzheizung und der Tempomat war ein Garant für entspanntes Reisen.

Auf der Rückfahrt machte Volvinchen jedoch wieder ihre typischen Zicken: Plötzlich wollte sie kein Gas mehr annehmen und begann zu ruckeln. Wie immer war nach ca. 30 Sekunden der Spuk vorbei und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen; Bis zum nächsten Ruckler.

Eher schlecht als recht hatten wir die Heimat erreicht. Zumal der Motor beim Bremsen bei ca. 500 Umdrehungen mehrfach auszugehen drohte. Volvinchen hat sich geweigert den ersten Gang beim Halten herauszunehmen.

 

Verwirrt stand ich vor der geöffneten Haube und fragte mich, weshalb Volvinchen die Strecke nach Ulm problemlos gemeistert hat, auf der Rückfahrt aber nicht mehr so wollte wie ich. Was war auf der Rückfahrt anders? Die klimatischen Konditionen waren nahezu identisch, daran kann es nicht liegen. Aber auf der Rückfahrt war weniger Benzin im Tank. Das kann es sein!

Also schleppte ich den Wagen notdürftig zur nächsten Tankstelle und füllte für 50€ Super ein. Siehe da! Volvo volvit iterum! Der Volvo rollt wieder!

Anscheinend kommt nicht genug Benzin im Motor an, wenn wenig im Tank ist. Oder irgendein Steuergerät suggeriert dem Motor, es sei kein Benzin mehr im Tank. Letzteres würde erklären, warum sich der Fehler nach einigen Sekunden wieder legt.

 

So weit, so gut! Wenn mehr als ausreichend Benzin im Tank ist, fährt Volvinchen einwandfrei. Naja, fast. Bei warmem Motor tritt hin und wieder das Problem auf, dass das Auto beim Bremsen ruckelt bzw. nicht auskuppelt. Wenn ich dann in den Rückwärtsgang schalte und wieder auf D stelle, verschwindet der Fehler wie von Geisterhand.

Ich tippe nach wie vor auf einen Wackelkontakt irgendwo beim Fahrstufengeber.

 

In der vergangenen Woche musste Volvinchen wieder den Personentransporter spielen. Diesmal ging es nach Pforzheim zu einer Fortbildung. Und wieder einmal zeigen sich sämtliche Mitfahrer beeindruckt vom Komfort dieses Autos. Sogar die Klimaautomatik durfte ihre Stärken ausspielen, obwohl ich das Schiebedach präferiere.

Im Anschluss besuchte ich einen Freund in Stuttgart. Wir kennen uns aus Berlin, er studiert in Aachen und lustigerweise hat es ihn zu einem Praktikum nach Stuttgart bzw. Affalterbach verschlagen. Affalterbach dürfte den meisten der Anwesenden ein Begriff sein. So platzte ich fast vor Neid als mein Freund mit erzählte, dass er im SLS AMG Black Series mitfahren durfte. Irgendwie studiere ich das Falsche. In der Sozialbranche passiert mir sowas äußerst selten.

 

Dafür hat eine freundliche Angestellte des Ordnungsamtes festgestellt, dass auf der Umweltplakette meines Autos noch das Kennzeichen des Vorbesitzers steht. Danke, das weiß ich selbst! Weil es allerdings nicht ganz easy ist, die Dinger ab zu bekommen und die Scheibe von innen sowieso dreckig war, wollte ich damit auf ein Wochenende warten, an dem ich Zeit und gutes Wetter habe. Die Erinnerung in Form eines Strafzettels wäre wirklich nicht nötig gewesen.

 

In Stuttgart befindet sich auch der Volvo-Schrauber meines Vertrauens, dem ich sogleich Volvinchen auf den Hof stellen wollte. Leider war er krank. Mist! Und natürlich ging er nicht ans Handy. Dafür hat er mich zurückgerufen, als ich gerade auf dem Rückweg im Stau stand und an der Polizei vorbei fuhr. Ein denkbar ungünstiger Moment um ans Handy zu gehen.

Im Laufe des Abends habe ich ihn dann doch erreicht und ich konnte ihm Volvinchen zwei Tage später auf den Hof stellen. Sie hat einen frischen Zahnriemen spendiert bekommen und eine neue Ölpumpendichtung.

Der Benzinfilter sollte ebenfalls gewechselt werden. Das hat aber nicht stattgefunden, weil das Verbindungsstück zwischen Pumpe und Filter wohl festgerostet war. Der Schrauber war davon überzeugt, dass Volvinchen so erstmal fährt, sodass wir den Benzinfilter im April wechseln werden, wenn ich wieder in Stuttgart wohne.

 

Seitdem zieht sie deutlich besser, verliert kein Öl mehr und die Sache mit der Öl-Warnleuchte ist auch Geschichte.

 

Eigentlich wollte ich Volvinchen auch endlich einen Ölwechsel gönnen, damit die 5W30-Plörre endlich raus kommt. Weil die anderen Arbeiten dringender waren, sollte der Ölwechsel im Anschluss kommen. Leider war der Mechaniker krank, sodass dafür keine Zeit mehr blieb. Vielleicht nächste Woche!

 

Heute hat Volvinchen erstmal die neue Umweltplakette bekommen. Zudem habe ich auf Sommerräder gewechselt. Mit Alufelgen sieht Volvinchen gleich viel schöner aus! Für einen kurzen Moment der Verwirrung sorgte die Tatsache, dass auf den Continental Premium Contact 2 keine Laufrichtung angegeben ist. Tante Google verwies auf Motor-Talk. So lernte ich, dass es asymmetrische Profile ohne Laufrichtung gibt. Aha!

 

Wo ich gerade dabei war, mein Auto hübsch zu machen, wollte ich noch in die Waschanlage. Blöderweise hat sie sonntags zu. Möh!

Auf dem Rückweg ließ ich mich beim Blick auf den Kilometerstand dazu verleiten, einen kleinen Umweg zu fahren. Mein Timing war perfekt! Denn kaum bog ich in meine Straße ab, habe ich mit Volvinchen die 240.000 voll gemacht!!

 

Dreiundzwanzig einhalb Jahre, zweihundertvierzigtausend Kilometer und ein neuwertiger Innenraum, gefüllt mit einwandfrei funktionierenden Elektro-Spielereien und plüschigen Sesseln, die sich anfühlen wie neu. So sieht Nachhaltigkeit aus!

Paul und Ingo freuen sich ebenfalls über ihre neue Heimat.

 

Ein wenig Liebe werde ich in Volvinchen noch investieren müssen. Ein weiterer Ölwechsel, ein frischer Benzinfilter, eventuell ein neuer Fahrstufengeber und im März nächsten Jahres der TÜV.

Wenn Volvinchen die TÜV-Prüfung problemlos übersteht, wird es Zeit über eine Umrüstung auf Gas nachzudenken. Denn damit werden die nächsten 240.000 Kilometer deutlich günstiger.

 

Demnächst wird Volvinchen mich nach Berlin bringen dürfen. Aber dazu in Kürze mehr ;)


Minä olen kuningas leijonat!

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Polyautoxikomane