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24.09.2012 19:53    |    KUESmagazin    |    Kommentare (21)    |   Stichworte: Autogas, Autogasfahrzeug, Automechanika 2012, Deutschland, Küs, Küs Check, LPG, Peugeot, Projekt S1000 Plus, Prototyp, Testfahrt

Wie innovativ ist das S1000 Plus Projekt von HTW und KÜS

1000 Kilometer Non-Stop ohne Tanken mit einem Autogasfahrzeug - das gab es noch nie. Heute beginnt die erste Etappe der Deutschland-Tour. Das Projekt S1000plus ist auf dem Weg – mit leichter Verspätung zwar, aber das ist ja normal. Zu groß war in der Fahrzeughalle an der HTW das Interesse der Gäste an dem Versuchsfahrzeug, als dass an einen pünktlichen Start um exakt 10.30 Uhr zu denken war. HTW Prorektor Prof. Dr. Günter Schultes hatte den Beteiligten gleich zu Beginn als Tipp mit auf den Weg gegeben: „Scheuen Sie sich nicht, auch mal zu bremsen, das ist gut für Ihre Mitmenschen.“ Anschließend versprach er, die HTW werde alle Daumen drücken, damit das Projekt gelinge und die 1000 Kilometer ohne Nachtanken geschafft werden. „Es sind viele Daumen,“ versprühte der Prorektor geballten Optimismus.

 

Hier noch einmal die wichtigsten Fakten zum Prototyp der Hochschule für Technik und Wirtschaft:

 

1.) Autogas-Direkteinspritzung ohne Saugrohr

 

2.) Speziell entwickeltes, patentiertes Kühlsystem gegen Überhitzung

 

3.) Drei versteckte LPG-Autogas Tanks, volle Kofferraum-Ausnutzung. Die beiden Zylindertanks sind voneinander völlig unabhängig.

 

4.) Monovaltenter Autogas-Betrieb (ohne Starten mit Benzin)

 

5.) Serienmässige Tankanzeige statt diffuser LPG-Tankanzeige über Leuchtdioden

 

„Eine Tonne CO2 kann mit dem Projektfahrzeug gegenüber einem Benziner pro Jahr eingespart werden“, rechnete Prof. Dr. Thomas Heinze als Gesamtleiter des Projektes auf Basis einer Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern pro Jahr vor. Für den Nutzer bedeute das eine jährliche Einsparung von rund 1500 Euro an Kraftstoffkosten.

 

Helma Kuhn-Theis für ZusammenarbeitHelma Kuhn-Theis für Zusammenarbeit

 

Schummeln gilt nicht! Und so versiegelte Thomas Schuster, Prüf-Ingenieur der Sachverständigenorganisation KÜS anschließend die Tankklappe und die Tanks am Peugeot 5008. Nach 1000 Kilometern Teststrecke wird er selbst am Freitag in Münster das Siegel auf dessen Unversehrtheit checken.

 

Jetzt wird´s aber Zeit, auf die Piste zu kommen. Alexander Groß vom Saarländischen Rundfunk ist der erste Testfahrer, denn die Strecke wird abwechselnd von Journalisten gefahren. Staatssekretär Barke schwenkt die saarländische Fahne und gibt den Start frei.

 

Los geht´s zunächst in Richtung Lebach und dann weiter nach Hermeskeil zur dortigen Flugausstellung. Verschiedene Stopps zum Nachjustieren der Kamera am Begleitfahrzeug sorgen nicht gerade dafür, dass die Verspätung aufgeholt werden kann.

 

Der Start bei WestfalenDer Start bei Westfalen

 

In Hermeskeil indes sitzt schon Jürgen C. Braun – ein freiberuflicher Journalist, der unter anderem für den Trierischen Volksfreund schreibt – auf heißen Kohlen. Um 15 Uhr spätestens muss er nach der Testfahrt wieder in seinem Büro sein. Das schafft er auch, denn sein Abschnitt wird kurzerhand verkürzt und Projektmitarbeiter Dominik Nagel bringt ihn mit einem Opel Zafira LPG zurück an den Ausgangspunkt. Geht doch!

 

Für den Rest der Etappe greift Gregor Mausolf ins Lenkrad – ebenfalls Freiberufler, der für das Projekt die Öffentlichkeitsarbeit macht und für diverse Fachzeitschriften schreibt. Da Mausolf das Fahrzeug schon kennt, gilt jetzt ein neues Augenmerk den Fotos, die der Saarbrücker Fotograf Alfred Fontaine unter anderem für diese Internetseite schießt. Wann immer ein Motiv entdeckt wird, geht wenig später ein Schauer runter und Fontaine wird mehrfach binnen Sekunden klitschnass. Am Ende steht die Erkenntnis: Fotos im Regen haben auch ihren Reiz.

 

Nach 206 Kilometern endet der erste Tag ohne das kleinste technische Problem in Waldesch bei Koblenz. Der Schnitt: 50 km/h, Pausen nicht eingerechnet. Morgen geht´s weiter: Über Königswinter nach Mettmann bei Düsseldorf.

 

Testfahrt bei strömendem RegenTestfahrt bei strömendem RegenDrei AutogastanksDrei AutogastanksAlexander Groß übergibt das LPG AutoAlexander Groß übergibt das LPG AutoThomas Schuster von der KÜS versiegeltThomas Schuster von der KÜS versiegelt


24.09.2012 19:56    |    Goify

Und wie groß sind die Tanks?


24.09.2012 19:59    |    DerMatze

schnitt von 50km/h? da schaffe ich auch die 1000km mit meinem benziner und 50liter tank ;)


24.09.2012 21:03    |    oxi

warum brauchen die mehr als 1 tag ist ja öde


24.09.2012 21:17    |    100avantquattro

Würde mich mal interessieren, wie sich die Anlage in einem tollen (z.Bsp. meinem) Auto machen würde.

Für 1000 km müßte ich wohl mit Tempo 100 Gas- UND Benzintank leerdödeln. Wäre langweilig... aber machbar. Aber wer will denn SO fahren?


24.09.2012 22:10    |    schipplock

Die Tanks unter dem Auto; keine schlechte Idee, aber wenn ich dann sehe, dass der Auspuff direkt daneben laeuft und sie es extra vor Hitze geschuetzt haben, ist das sicher nicht ganz billig.

 

Normale Tankanzeige; wuesste gerne, wie die das genau "messen". Aber wird ja wohl irgendwie gehen oder springt die Tanknadel dann bei "halb leer" von "voll" zur Mitte? :)

 

Starten auf Gas und Monovalent gibt bestimmt Steuervorteile, wenn es entsprechend eingetragen ist oder? DAS ist das interessanteste an dem ganzen Umbau :).

 

Interessieren wuerde mich noch, ob man hier groeßere Tankstutzen verbaut hat, weil man ja sonst eine halbe Ewigkeit tankt. Es ist ja monovalent, also koennte man hinter dem Tankdeckel den großen Anschluss verwenden. Wie wurde das hier geloest?


25.09.2012 00:03    |    KUESmagazin

Also: Hier noch einmal alle wichtigen Fragen auf einmal beantwortet: Die drei Tanks haben zusammen ein Nettovolumen von 120 Litern. Wir wollen halt auf der sicheren Seite sein, da wir den Test nicht allein fahren, sondern die Etappen - soweit möglich - an Journalisten vergeben haben. Die sind ja nicht gerade dafür bekannt, spritsparend zu fahren. Außerdem bewegen wir uns ja zu ganz normalen Zeiten im ganz normalen Straßenverkehr mit Autobahnanteilen, aber auch kurvenreichen Landstraßen mit starken Steigungs- und Gefällestrecken. Auch kann nicht mit letzter Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Tanks komplett leergefahren werden können.

 

Autogas hat auch in der Flüssigphase nun mal andere physikalische Eigenschaften als Benzin, da es unter Druck steht. Mit der Verbrauchsangabe sind wir etwas zurückhaltend. Dafür spielen einfach zu viele Faktoren mit. So fahren wir mit einem Dutzend verschiedenen Fahrern, und wie geschildert in einem großen Mix Streckencharakteristiken. Auch böiger Wind spielte heute eine große Rolle. Das ist etwas anderes, als wenn man auf dem Rollenprüfstand den NEFZ fährt. Rein rechnerisch gehen wir von einem um 20 Prozent höheren LPG-Verbrauch gegenüber der Werksangabe für Superbenzin aus. Und die liegt bei 9,0 Liter, was für LPG 10,8 Liter bedeutet. Es ist natürlich wünschenswert (und in internen Versuchen schon erreicht worden) diesen Wert mehr oder weniger deutlich zu unterschreiten. Aber ein Kollege, der im wahrsten Sinne des Wortes über einen längeren Zeitraum Gas gibt oder häufig hochtourig fährt, kann den Wunsch schon zunichte machen.

 

Noch ein paar Infos zu den anderen Fragen im KÜS-Blog: Die nur 200 Kilometer pro Tag liegen daran, dass wir eben mit Journalisten fahren. Bei drei Abschnitten pro Tag wäre eine Koordination nahezu unmöglich. Zwei Abschnitte waren heute schon schwierig, wie ich ja auch geschrieben habe.

 

50 km/h hört sich erstmal wenig an, sind aber dem hohen Landstraßenanteil und den vielen Ortsdurchfahrten geschuldet. Das war bestimmt keine Schleichfahrt. Und mehrfaches Rangieren für ein gutes Fotomotiv oder eine Filmsequenz sind ja keine Pause, sondern die Zeit läuft weiter, ohne das nennenswerte Meter gemacht werden.

Monovalent bringt keine Steuervorteile. Auch bei bivalent betriebenen Fahrzeuge sind die Straßenverkehrämter angehalten, den niedrigeren CO2-Wert (nämlich den im LPG-Betrieb angegebenen) einzutragen. Doch dies hat sich noch nicht überall hin rumgesprochen. Der entschiedene Vorteil der Monovalenz ist, dass man die Motorsteuerung komplett auf LPG abstimmen kann und keinen Kompromiss wie im bivalenten Betrieb suchen muss.

Unser Tankstutzen ist das Gegenstück zur neuen Zapfpistole Euronozzle, die es allerdings leider noch an keiner öffentlichen deutschen Tankstelle gibt. Mit ihr und natürlich den entsprechenden Leitungen hinter der Tankklappe lässt sich der Kraftstoffdurchsatz deutlich erhöhen.

Die Kraftstoffanzeige springt nicht, da der Kraftstoff aus den beiden vorderen Zylindertanks über eine ausgeklügelte Steuerung in den hinteren Tank gepumpt wird und von da aus zum Motor gepumpt wird. Außerdem wird der Füllstand aller drei Tanks gemessen und daraus ein gemeinsamer Wert errechnet.


25.09.2012 00:24    |    meehster

Ist sehr interessant. Ich habe "nur" eine auf mein Auto umgestrickte (und einzeln abgenommene) Viallle LPi nebst 75-Liter-Tank bei mir im Volvo. Zur Adaption gehörte auch bei mir, daß der Gasfüllstand über die (jetzt umschalbare) Originaltankanzeige angezeigt wird, deswegen war der Umbau ja auch so teuer. Aber so kann ich meinen Gastank so leer fahren, daß ich über 70 Liter reinbekomme.

 

Mit der LPi kann ich auch direkt auf Gas starten und brauchte Benzin bisher nur bei wirklich leerem Gastank (Dänemark-Urlaube). Mein persönlicher Rekord sind übrigens 793 km mit einer Tankfüllung Gas ohne Benzinverbrennen.


25.09.2012 00:39    |    KUESmagazin

793 Kilometer klingt allerdings schon Rekord verdächtig. Respekt! Übrigens: Wer genau gelesen hat, hat sicher mitbekommen, dass wir als Mehrverbrauch 20% gegenüber dem Benziner angegeben haben. Das ist eigentlich keine Besonderheit, denn das können gewöhnliche LPG-Fahrzeuge auch. Allerdings haben wir bewusst negativ gerechnet, da wir davon ausgehen, dass unter den Testfahrern einige Vollgaspiloten dabei sein würden. Um so besser, wenn das Ergebnis nach 1000 Kilometern günstiger ausfällt.


25.09.2012 01:48    |    meehster

Gut, ich bin im 793-km-Tankzyklus schon sehr sparend gefahren. Unter 9 Liter Gas mit einem 200-PS-Kombi sind vieles, aber sicher nicht der Normalfall, auch wenn es fast nur Landstraßen waren.

Daß ich mit dem Wagen so viele Reserven habe was die Leistung angeht, läßt mich sehr souverän und gelassen damit fahren. Das hilft auch.


25.09.2012 08:45    |    PS-Schnecke37397

Gibt es solche Anlagen auch für Toyota?

Ich fahre einen Toyota Verso 1,8 Automatik.

 

Mamchen


25.09.2012 08:55    |    KUESmagazin

Nein, bislang handelt es nur um einen Prototyp der HTW. Vielleicht noch eine Ergänzung zu den Tanks: Die beiden zusätzlichen Zylindertanks sind voneinander völlig unabhängig. Bei Matratzentanks - die derzeit in Deutschland (noch) nicht genehmigungsfähig sind, handelt es sich um einen Tank, der aus mehreren untereinander verbundenen Zylinderteilen besteht.


25.09.2012 10:31    |    Schattenparker28258

@ 100avantquattro

Zitat:

Würde mich mal interessieren, wie sich die Anlage in einem tollen (z.Bsp. meinem) Auto machen würde.

 

Für 1000 km müßte ich wohl mit Tempo 100 Gas- UND Benzintank leerdödeln. Wäre langweilig... aber machbar. Aber wer will denn SO fahren?

Weil sowas mit modernen wirtschaflichen Autos, wie den 5008, getestet werden sollte und nicht mit alten Gurken wie ihre.


25.09.2012 13:26    |    Käfer1500

Sorry, so viel innovatives sehe ich daran immer noch nicht. Ich komme mit meinem Gastank ohne Laderaumverlust auch gut 700km weit. Würde ich mir noch weitere Tanks einbauen (das kostet ein Schweinegeld und macht die Amortisation deutlich länger), käme ich sicher auch auf über 1000km.


25.09.2012 14:23    |    schipplock

300km mehr oder weniger; ist ja so gut wie nichts :).


26.09.2012 16:04    |    Trackback

Kommentiert auf: Gaskraftstoffe:

 

Was machen bei euch aktuell die Gaspreise?

 

[...] auch auf einer zu gesonderten Schiene. Deswegen bitte nicht hier darüber diskutieren.

 

 

Einführung

Tag 1

Tag 2

[...]

 

Artikel lesen ...


27.09.2012 07:47    |    Panthersprung

120l Tank für 1000 km. Wo ist der Fortschritt? Meinen Corsa würde da ein 80l Tank reichen!!!


27.09.2012 08:17    |    schipplock

beim Corsa wuerde diese Fahrt aber ca. 140 eur kosten; mit diesem Fahrzeug kostet die Fahrt aber nur ca. 87 eur.

 

Ich hatte mit 46l Gas ca. 350km geschafft; ich braeuchte also 138 L Gas fuer 1000km. Wenn man aber beachtet, dass man hier niedrig stapelt, passt das doch. Wenn sie am Ende 1200km schaffen, dann ist das ein extrem guter Wert. Zumal ich die 138L wirklich leer fahren muesste, bis der Motor kein Gas mehr annimmt; das kann sich dieses Auto ja nicht leisten.

 

Und wieso muss man das schlecht reden? Rueste mal ein Auto auf Gas um und du wirst schnell feststellen, dass die Groeße des Tanks immer recht begrenzt ist, was auch an den Gutachten liegt. Nicht jeder kann und will sich ein dicken Roehrentank in den Kofferraum legen und selbst da sind eher 90L gaengig.


08.10.2013 17:47    |    Pingback

Kommentiert auf: Ingenieur, Set Tanken Leistung | INFOBLOGHUB.COM


24.03.2014 09:36    |    Trackback

Kommentiert auf: Gaskraftstoffe:

 

VOX Auto Mobil. Fisahn war heute im Fernsehen

 

[...] Verbräuche vergleichbar sind, kann nur geraten werden.

 

Bißchen was zum Nachlesen:

http://www.projekt-s1000plus.de/

https://www.htw-saarland.de/.../...n-htw-entwickelt-eigenes-lpg-system

http://www.motor-talk.de/.../...-mit-dem-autogas-peugeot-t4189895.html

http://www.motor-talk.de/.../...-mit-dem-autogas-peugeot-t4189895.html [...]

 

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