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05.12.2018 11:47    |    KUESmagazin    |    Kommentare (6)

Werden die SL Preise weiter steigen?

Die frühen Jahre: Chromkufen bevor die amerikanischen Monsterstossfänger kamen. Die frühen Jahre: Chromkufen bevor die amerikanischen Monsterstossfänger kamen.

 

Die frühen Jahre sind gefährlich: Wer sich freut, einen der ersten Modelle des Mercedes 450 SL R107 zu besitzen, wird spätestens bei der Suche nach Ersatzteilen in den Wahnsinn getrieben. Während es relativ leicht ist, Teile für das letzte Super-Leicht-Modell aus dem Jahr 1989 zu bekommen, haben die Ersatzteillieferanten für die Besitzer der 1971er Fahrzeuge nur ein mitleidiges Seufzen im Programm. Der Grund: Die großen Mercedes S-Klassen (W116, später W126) von denen der SL technisch bedient wurde, kamen erst Ende 1972 auf den Markt. In den Anfangsjahren verbaute man bei Mercedes für die US-Modelle bereits künftige Technik aus den neuen Modellen - teilweise aber auch, was im Regal lag. Zu Beginn wurden sogar noch die zierlichen Bremsklötze von ATE verbaut, die sogar in den VW T2 Bulli passten. Erst später haben die Benz-Ingenieure dem SL größere Bremsen spendiert, die zum Fahrzeuggewicht und zur Leistung passten.

 

Die Rückleuchten sollten angeblich weniger schmutzempfindlich sein. De facto muss man aber mehr putzen.Die Rückleuchten sollten angeblich weniger schmutzempfindlich sein. De facto muss man aber mehr putzen.

 

Die Optik ist ein Mix aus Europa und Amerika. Die weit vorstehenden Sicherheitsstoßstangen gab es noch nicht. Im Jahr 1971 genügten den US Behörden noch verchromte Zusatzhörner vorne und hinten um die Crashnormen zu erfüllen. Die Mercedes 450 SL Automatik in den USA verfügten erstmals über einen Drehmomentwandler. Die Klientel traute allerdings der neuen Technik nicht so recht und orderte stattdessen lieber einen Achtzylinder mit Schaltgetriebe. Heute eine gesuchte Rarität.

 

Unser US-Testexemplar in Silbergrün 861 präsentiert sich mit frisch revidiertem Motor. Der V8 packt kraftvoll zu, bläut nicht (mehr) und zieht sauber hoch. Die Transistorzündung wurde noch nicht ersetzt, so dass er bei Hitze länger orgeln muss, bis der Zündfunke das Gemisch entzünden darf. Die ausgeschlagenen Lenkgelenke wurde bereits ersetzt, so dass die Bewegungen am Volant auch tatsächlich in Lenkeinschläge umgesetzt werden kann. Die ansonsten durch Alterung zersetzen Heckleuchtengläser präsentieren sich erstaunlich frisch.

 

Wo keine Elektronik ist, kann keine kaputt gehen.Wo keine Elektronik ist, kann keine kaputt gehen.

 

Kleinere Rostbläschen finden sich nur dort, wo sich das Regenwasser seinen Weg gebahnt hat: Zwischen den Türdichtungen, an den vorderen Kotflügeln und an der Heckschürze. Noch heute aktuell: Die Sicherheitsfahrgastzelle, der verstärkte Scheibenrahmen mit eingeklebter Frontscheibe und das Lenkgetriebe hinter der Vorderachse. Das Differenzial schwitzt etwas. Für ein 45 Jahre altes Cabrio aber noch im Toleranzbereich der Hauptuntersuchung.

 

Der Innenraum präsentiert sich in dunkelgrünem Leder. Erst modern. Dann igitt. Jetzt wieder Kult. Selbst die Kunststoffverkleidungen und das Cockpit sind Grün. Der Blick wandert über eine aufgeräumte Konsole mit einem großen roten Warnblinkschalter und mit Schiebereglern für die Heizung. Der festgefressene Klimakompressor wurde vom Besitzer abgeklemmt und ausgebaut. Das Bauteil ist derart schwer, dass danach die Vorderachsfedern angepasst werden mussten damit der Stern im Kühler nicht gen Himmel glotzt. Eine Wiederinbetriebnahme wäre ohnehin nicht in Frage gekommen. Das damalige Kältemittel Freon-12 (R12) ist längst verboten.

 

Im Digitalcockpit Zeitalter wecken klassische Rundinstrumente Sehnsüchte.Im Digitalcockpit Zeitalter wecken klassische Rundinstrumente Sehnsüchte.

 

Links Temperatur, Tankanzeige und Öldruck, rechts neben dem 240 km/h-Tacho thront der Drehzahlmesser, dessen roter Bereich bei 5800/min beginnt.

Der Öldruckmesser ist im Jahr 1972 noch nicht elektrisch angesteuert, sondern präsentiert sich als echtes Druckmessgerät. Das Öl wandert über ein dünnes Röhrchen direkt vom Ölkreislauf vom linken Kopf in den Armaturenträger. Also Obacht beim Tacho-Beleuchtung wechseln – den Motor tunlichst abstellen, sonst gibt es eine Gratis Ayurveda Behandlung mit heißem Motoröl.

 

Eigentlich ist der Kraftstofftank mit 90 Litern großzügig bemessen. Allerdings brennt oftmals schon nach 250 Kilometern die Tankleuchte und mahnt zum Nachgurgeln. Zwischen 25 und 30 Litern versprüht die Saugrohreinspritzung im Schnitt auf 100 Kilometer. Saufen, ist die einzige Schwäche des einstigen Millionärsautos. Aber das konnte sein berühmtester TV Besitzer, Öl-Baron Bobby Ewing samt Fiesling-Bruder JR und Familie (Kennzeichen „Ewing 4“) aus der der US-TV-Serie „Dallas“ ja auch ganz gut.

 

Die Stahlräder mit Radkappen haben heute mehr Stil als die Leichtmetallräder im Gullydeckel Design.Die Stahlräder mit Radkappen haben heute mehr Stil als die Leichtmetallräder im Gullydeckel Design.

 

Technische Daten Mercedes 450SL:

Viertakt-Otto mit Saugrohreinspritzung, Motor Anordnung im Fahrzeug vorn, längs; stehend, Motor-Typ / -Baumuster: M 117 E 45 / 117.982, ab 11.1975: 117.985, Zylinderzahl/-anordnung: 8 / 90°-V-Form, Bohrung x Hub 92 x 85 mm, Gesamthubraum 4520 ccm (nach Steuerformel 4189 ccm), Verdichtungsverhältnis 8,8, Leistung (Europaversion): 225 PS / 165 kW bei 5000 /min;~ab 11.1975: 217 PS / 160 kW bei 5000 /min, Drehmoment / bei 38,5 mkg bei 3000 /min; ab 11.1975: 36,7 mkg bei 3250 /min, Ventilanordnung /-anzahl: 1 Einlaß, 1 Auslaß / hängend, Ventilsteuerung je Zylinderreihe 1 obenliegende Nockenwelle, Nockenwellenantrieb, Duplex-Rollenkette, Gemischbildung Saugrohreinspritzung, elektronisch geregelt (Bosch D-Jetronic);~ab 02.1976 mechanisch geregelt (Bosch K-Jetronic), Kraftstofftank: 90 Liter, Vmax 215 km/h (Europaversion)

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05.12.2018 12:00    |    Goify

Wieso soll der Wagen 25 bis 30 Liter verbrauchen, wenn der Normverbrauch bei 14,5 Litern liegt? Damals waren die Zahlen sehr realistisch und man fuhr in der Regel mit weniger als mehr.


05.12.2018 12:03    |    KUESmagazin

Weil der getestete Mercedes 450SL nun mal nicht mit 14,5 Litern zu fahren ist.


05.12.2018 12:09    |    Goify

Ach so, der war kaputt. Ok, das erklärt einiges. Ich hatte mal einen kaputten 2er Golf, der wegen einer defekten Lambdasonde nicht unter 12 Liter zu fahren war.


05.12.2018 13:36    |    Dynamix

Ich würde ja jetzt gerne mit einer ironischen Bemerkung antworten aber die spare ich mir jetzt und grinse lieber innerlich vor mich hin :D


05.12.2018 13:57    |    Lumpi3000

Ein deutsches Qualitätsprodukt hat nicht mehr als 2 Liter zu verbrauchen. Nur die SCHEIß AMIS SAUFEN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!111111111111!!!!!!!11111!!!!!! PUNKT


05.08.2019 21:47    |    juergen.brandt

Ich brauche 15l @


Deine Antwort auf "Oldie für Ölbarone: Mercedes 450SL"

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