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29.09.2012 14:57    |    KUESmagazin    |    Kommentare (23)    |   Stichworte: Apollo, Doppelturbo, Fahrspass, Gebrauchtwagen Check, Gumpert, Hauptuntersuchung, Kilometer, KÜS, Küs Check, KÜS Plus, Leichtbau, Test, Testfahrt, V8

Hat der Gumpert Apollo eine Zukunft?

Apollo 1 endete als Feuerball. Apollo 2 und 3 wurden ersatzlos gestrichen. Apollo 4 und 5 düsten ohne Piloten los. So gesehen stand die Mission Apollo – das Mondlandeprogramm der National Aeronautics and Space Administration (kurz NASA) – an seinem Anfang in den 60er Jahre unter keinem guten Stern.

 

Vielleicht hätte Roland Gumpert seinen Sportwagen einfach anders nennen sollen. Denn nun droht das aus für die letzte Apollo Mission: Denn der ehemalige Audi-Sportchef verkaufte zu wenig von seinem Supersportwagen Gumpert Apollo. Im Sommer 2012 reichte er die Insolvenz für seine Automanufaktur ein. Grund genug für das KÜS Magazin den vielleicht letzten deutschen Brutalsportler noch einmal auf den Thron zu heben.

 

„Apollo ist“, philosophiert Gumpert, „einerseits der Sohn des Kriegsgottes Zeus. Andererseits ist er der Gott der Schönheit, Ästhetik und Poesie. Das passt.“ Und als Wappen war der Greif gerade recht – ein Fabelwesen, halb Adler (König der Lüfte), halb Löwe (König der Tiere). Der Apollo – initiiert von MTM-Chef Roland Mayer, mitentwickelt von Audi-Fahrdynamiker Uwe Bleck – ist ein reinrassiges Supercar aus Deutschland. Es verzichtet komplett auf verweichlichenden Komfort und wendet sich ausschließlich an Puristen, die sich sonst schon alles geleistet haben.

 

Brutal: die Apollo FrontBrutal: die Apollo Front

 

Die Eckdaten: 650 PS, Biturbo-V8, 360 km/h Topspeed, null bis 100 km/h in 3,0 Sekunden. Bislang gibt es erst eine Hand voll Prototypen: Mit der roten Nummer zwei hat der belgische Pilot Ruben Maes im März 2005 auf Anhieb den dritten Platz beim Divinol-Cup auf dem Hockenheimring erreicht – danach hätte der Renn-GT noch auf eigener Achse nach Hause fahren können. Das nennt man straßentauglich. Motor anlassen: Es röhrt, es donnert – Sound-Engineering à la Apollo. Dank eines Klappensystems hat die Bollerei den Strassenzulassung: Bei langsamer Fahrt reduziert ein Rohrlabyrinth den Auspuff-Donner auf sozialverträgliche Werte, bei Volllast sind die Klappen zu, und die Abgase strömen ungehindert brüllend ins Freie. Erster Gang, die Kupplung muss präzise dosiert werden, um den Motor nicht abzuwürgen.

 

Hier ist ein sensibles Miteinander von Gas- und Kupplungsfuß gefragt. Wenn diese Hürde genommen ist und das Auto rollt, bricht das Inferno aus. Ab 2000 Umdrehungen katapultiert der auf dem RS6-Motor basierende Biturbo das leichte Coupé samt Insassen mit Urgewalt nach vorn. Im Nu muss der Pilot kräftig an der langen Schaltstange ziehen, mit der dem sequentiellen Sechsganggetriebe der zweite Gang befohlen wird. Gas, ziehen, Gas, ziehen, Gas, ziehen, Gas, ziehen, sechster Gang, 330 km/h – und da ist noch eine Menge Luft unterm Gaspedal. Bei diesem Tempo nimmt man die an der Strecke postierten Sanitäter nur noch als bürokratische Notwendigkeit wahr. Der V8 brüllt ohrenbetäubend laut im Auto.

 

Ein Auto, das Asphalt saugtEin Auto, das Asphalt saugt

 

Doch, Apollo sei Dank, ist weder das Getriebe gerade verzahnt noch realisiert der Fahrer irgendwie den Lärm, denn er muss sich höllisch auf andere Dinge konzentrieren. Wie zum Beispiel auf das Ende des knapp drei Kilometer kurzen Runways, der scheinbar nahtlos in den saftigen Rasen der Fliegerhorst-Ausgleichsflächen übergeht. Die Bremse ist gut. Beruhigt nimmt der Pilot auch wahr, dass sich die Bemühungen der Gumpert Sportwagenmanufaktur im Windkanal der TU München gelohnt haben: Die Bodenrakete bleibt jederzeit kontrollierbar. „Ab 270 km/h erzeugt das Auto mehr Abtrieb, als es wiegt“, erklärt Gumpert, „selbst ohne Rennflügel sind 360 km/h kein Problem.“ Aerodynamik pur: So eine dicke (Front-)Lippe muss man erst mal riskieren, und der riesige Diffusor erinnert an den Euro-Tunnel unterm Ärmelkanal.

 

Das Fahrwerk hat Audi-Mann Uwe Bleck aufwendig konstruiert: doppelte Querlenker vorn und hinten, die innen liegenden Federn über Kipphebel betätigt. Audi zeigte sich erfreulich großzügig: Der bayerische Hersteller gab nicht nur seinem Fahrwerkprofi grünes Licht für diese Nebentätigkeit. Auch sonst halfen die Ingolstädter mit Technik: Das Lenkrad trägt die vier Ringe, der Motor sowieso, der Chef ist ein Ex-Audianer, und die Tuningschmiede MTM nimmt besonders gern Autos aus Ingolstadt in die PS-Kur – man kennt und schätzt sich.

 

Der zahlungskräftige Kunde, der selbstverständlich zusätzlich ein paar Porsche und Ferrari sein eigen nennt, kann die Höhe seines Renners dank einstellbarem Fahrwerk zwischen 20 und 100 Millimetern variieren. Er kann Flügelwerk optional bestellen. Er kann statt der serienmäßigen Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) eine in Carbon ordern. Er kann Diffusor und Frontlippe auf Normalmaß stutzen lassen. Er kann auch ein sequentielles Siebenganggetriebe mit Schaltpaddel am Lenkrad bekommen. Und er kann den auffälligen vertikal geformten Lufteinlass auf dem Dach auch in schmaler, horizontaler Form anfertigen lassen. Alles geht. Nur eines wird schwer: sich mit der Konkurrenz zu messen – mangels Masse. „Das einzige im Prinzip vergleichbare Fahrzeug ist der Maserati MC12“, sagt Gumpert, „die anderen Supersportler wie Koenigsegg oder Pagani Zonda sind mehr auf Komfort und Luxus ausgelegt.“

 

Auf Kundenwunsch sollten laut Gumpert sogar ehemalige Audi-Motorsport-Größen wie Blomqvist, Mikkola, Mouton oder Demuth die Einweisung bei Fahrzeugübergabe auf diversen Rennstrecken übernehmen. Doch zu Preisen ab 198.000 Euro (netto ohne Steuern) fanden sich weltweit einfach zu wenig Käufer. Ob ein solventer Investor das Unternehmen noch retten kann, steht in den Sternen.

 

http://www.gumpert.de/

 

 

Apollo-Technik-Info:

V8-Mittelmotor • zwei Turbolader • fünf Ventile je Zylinder • Hubraum 4163 cm³ • Leistung 478 kW (650 PS) bei 6800/min • max. Drehmoment 810 Nm bei 5000/min • Hinterradantrieb • sequentielles Sechsganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung, Doppelquerlenker • rundum innenbelüftete und geschlitzte Scheibenbremsen • Reifen 255/35 R 19 vorn, 345/35 R 19 hinten • Länge/Breite/Höhe 4250/1960/1105 mm • Radstand 2700 mm • Leergewicht 1100 kg • Tankinhalt 120 l • Zuladung 400 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 3,0 s • Höchstgeschwindigkeit 360 km/h • Preis ab 198.000 Euro (netto)

Brutal: die Apollo Front Brutal: die Apollo Front


29.09.2012 15:32    |    scion

Gumpert, Melkus, Artega, (gibts eigentlich YES noch?)... das Schicksal von Kleinserienherstellern, hoffen wir mal, das Wiesmann überlebt.

Ansonsten ein tolles Auto und bei weitem nicht so langweilig, wie die Modelle vom Technikspender. Abundan ziehen Apollos auf der Nordschleife ihre Runden, auch mit bis zu 800 PS .

Könnte doch Audi als R8-Nachfolger verwenden, dann würden sie viell. auch welche verkaufen :D


29.09.2012 15:40    |    Drahkke

Vielleicht hätte man den begnadeten Technikern ebensolche Kaufleute zur Seite stellen sollen...


29.09.2012 16:00    |    dodo32

Zitat:

Im Sommer 2012 reichte er die Insolvenz für seine Automanufaktur ein

Schade :(


29.09.2012 17:27    |    mike cougar

Zitat:

Doch zu Preisen ab 176.000 Euro fanden sich weltweit einfach zu wenig Käufer.

Der Preis ist wahrscheinlich nicht das entscheidene Ko-Kriterium. Denn es gibt weltweit genug Reiche, die den Betrag mal eben aus der Portokasse bezahlen würden. Es ist wohl eher das selten häßliche Design des Fahrzeuges, was viele potenzielle Käufer abgeschreckt haben wird.


29.09.2012 17:45    |    dodo32

..ist halt funktional. Bei der Masse an reinen Angebern die wir heutzutage haben :rolleyes:, kann das freilich ein K.O-Kriterium sein.


29.09.2012 20:03    |    Twinni

Wiesmann gibt's noch. ;)

 

Andreas


29.09.2012 21:10    |    xHeftix

Ist doch günstig für so ein Auto ... Und ich find das Design hammer. :D


29.09.2012 21:48    |    Spurverbreiterung17353

Gumpert verkauft wohl vorrangig nur nach Asien. Bei Herstellungszahlen von ca. 10 Stück pro Jahr kann das auf Dauer nichts werden. Der Apollo Straßenrennwagen ist offenbar zu extrem rustikal, schon 2010 gab es bei Gumpert eine Finanzkrise. Immerhin hat Gumpert mit dem 2011 als Studie vorgestellten eleganteren Tornante auf die gemäßigtere Sportwagenkundschaft reagiert. Eine Version mit Allradantrieb fehlt und das bei den Audi Kontakten.

 

Bei der Optik sollte er nicht Apollo sondern Medusa heissen, aber dafür gibts historische Gründe...

 

Etwas oberflächlicher nicht aktueller copy & paste Artikel.


29.09.2012 23:17    |    Magnoangemon

Der Orange steht jetzt gerade bei uns im Dorf ^^

 

Schon irgendwie lustig das der Karren bei unserem Nachbarn in der Scheune zusammengeschraubt wurde anfangs.


30.09.2012 01:34    |    Spurverbreiterung17353

Ein Auto, dessen Fahrersitz nicht verstellbar ist, verkauft sich vermutlich nicht so super. Und Überraschung: genau so ist es! :eek:

 

Die Russen müssten doch das Design lieben, dann aber mit Namensänderung Katjuscha oder Stalin V8. Vermutlich hat sich leider noch kein reicher Russe gefunden, der in dieses Geschoss reinpasst.

 

Wirklich erstaunlich auch, dass das zuständige Finanzamt diese Manufaktur nicht als Liebhaberei eines Ex-Audi-Managers einstuft.


30.09.2012 08:40    |    Standspurpirat45459

Mal zur korrektur... der "kleine" kostete basis 388.000€ netto nicht 176. Sonst hätt ich auch schon einen ;)

 

Das man den Sitz nicht verstellen kann macht nix. Pedalerie und Lenkrad verstellen, passende Sitzpolster und fertig.

 

GFK Karrosse gabs übrigends auch seit ewigkeiten nicht mehr.

Das Lenkrad hat keine 4 Ringe...das hat das Audi werk auch nie gesehen.

Motorentechnisch kam auch nix mehr von MTM.

 

Bisschen alt die Daten :D


30.09.2012 10:13    |    scion

Zitat:

Eine Version mit Allradantrieb fehlt

...wer richtige Sportwagen bauen kann, braucht keinen Allradantrieb... den braucht nur Audi, wiel die es eben nicht können


30.09.2012 10:44    |    Standspurpirat45459

was für eine qualifizierte Aussage :rolleyes:


30.09.2012 11:36    |    Drahkke

Warum bekommt der Hersteller es nicht gebacken, eine Fahrersitzverstellung anzubieten? :confused:


30.09.2012 11:42    |    dodo32

Zitat:

Warum bekommt der Hersteller es nicht gebacken, eine Fahrersitzverstellung anzubieten?

das Auto hat einen Mittelmotor. Dann ist das nicht so einfach. Es wäre vermutlich einfacher, die Pedalerie auf Kundenwunsch anzupassen als den Schwerpunkt durch versetzen des Motors zugunsten einer Verstellung nach hinten zu verändern


30.09.2012 11:44    |    Spurverbreiterung17353

Alles außer Allrad ist ein Kompromiss.

Zitat von Walter Röhrl (Audi, Porsche)

 

edit: Allrad weil der Alltag nicht nur eine trockene optimale Rennstrecke ist, um solche Megaleistungen überhaupt auf die Straße zu bringen.


30.09.2012 11:47    |    dodo32

Zitat:

Alles außer Allrad ist ein Kompromiß.

Zitat von Walter Röhrl

und wer von uns ist Röhrl? Richtig! Niemand! So ein Allrad will auch beherrscht werden..., wie jedes andere Prinzip auch


30.09.2012 11:49    |    scion

In einem Vergleich AMG SLS vs R8 V10 GT, war der SLS in allen Bereichen überlegen... warum also Allrad?


30.09.2012 12:42    |    papavomdavid

Naja..., das Ding ist ja wirklich nur bedingt lebensnotwendig...

 

Live habe ich auch erst einen gesehen, und das hier:

http://www.youtube.com/watch?v=IYAEYrIn5m4

 

Gut, ich bin dafür ggf nur bedingt ein "Maß der Dinge"...


30.09.2012 13:00    |    Standspurpirat45459

@drahkke

Das auto hat keinen Sitz im eigentlichen sinne, sondern eine Monocoque Schale. Die ist fest. So sitzt der Fahrer möglichst nah am Schwerpunkt des Fzg. Wie gesagt, die Sitzverstellung vermisst man auch nicht wirklich. Ist halt nur für den "Normalbürger" etwas ungewöhnlich.


30.09.2012 13:40    |    scion

Zitat:

edit: Allrad weil der Alltag nicht nur eine trockene optimale Rennstrecke ist, um solche Megaleistungen überhaupt auf die Straße zu bringen.

da müßten ja bei Regen sämtliche 911er(außer 4S), AMGs, BMW Ms, Jags, Corvetten und Ferraris usw. im Graben liegen?


30.09.2012 14:03    |    Standspurpirat45459

Wenn sie nicht zu schnell aus der Kurve wollen, dann nicht :)


01.10.2012 18:13    |    italeri1947

Ich glaube, dass die Marke Gumpert Geschichte ist - ich habe sowieso noch nie einen Gumpert irgendwo fahren sehen, und ich fahre recht viel durch die Gegenden des Landes. Vermutlich ist hier eine gewisse Verarbeitungsschwäche ein Problem, wie das bei Kleinserienherstellern öfters der Fall war, außerdem ist Gumpert einfach ein Fabrikat ohne richtiges Prestige. Die Marke ist viel zu unbekannt - wer so etwas sich kauft, ist ein Autonarr mit sehr viel Geld, der darauf pfeift, dass niemand dieses Fahrzeug auf den ersten Blick erkennt. Alle anderen kaufen BMW, Mercedes, Audi oder Porsche.


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