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01.09.2012 13:56    |    KUESmagazin    |    Kommentare (16)    |   Stichworte: Ami, Autogas, Hauptuntersuchung, Hummer H3, Küs Check, Küs Plus, Test

Vermisst die Autowelt den Hummer?

Ursprünglich wollte das amerikanische Militär bloß einen Offroader haben, den Nichts und Niemand aufhalten konnte. High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle HMMWV (Humvee) nannten die Amis das Konzept. Terminator Arnold Schwarzenegger sah den Hummer im Fernsehen und wollte auch so einen. Also baute ihm der Hersteller eine Zivilversion. Der Schritt vom Soldaten-Jeep zum Jet-Set-Transporter war getan.

 

Was folgte war der H1 (1992-2006), das Mega-Monster mit Verstopfungs-Garantie für deutsche Fußgängerzonen, danach die Highway taugliche Version H2 (2003-2010, V8-Benziner, ab 71.900 Euro) und von 2005-2010 der preisgünstige H3 mit 5 Zylinder-Benziner, ab 39.990 Euro).

 

11 Meter Wendekreis11 Meter Wendekreis

 

Doch irrwitzige CO2 Werte und die Wirtschaftskrise liessen die Verkaufszahlen des Hummer ab 2008 einbrechen. Im Frühjahr 2010 schließlich liefen die letzten Exemplare des Hummers vom Band. Die Übernahme durch einen Chinesischen Industriekonzern scheiterte. Und so zählt ein Hummer bereits heute zu den automobilien Raritäten.

 

Zwischen 10.000 und 15.000 Euro wird ein guter H3 gehandelt. Und eigentlich müsste man bei den aktuellen Spritpreisen von diesem störrischen Trecker abraten: Wäre da nicht die Möglichkeit, den knurrigen Fünfzylindermotor auf Autogas umzurüsten. Denn mit einer LPG-Umrüstung kann der Hummer mit 80 Cent pro Liter betankt werden, statt mit 1,80 Euro. Zwar steigt der Verbrauch von 15 auf 18 Liter an, die Kosten sinken aber von 27 auf 14,40 Euro pro 100 Kilometer. Äquivalent entspricht das einem Volkswagen Golf III Verbrauch von acht Litern Benzin. Plötzlich wird der extrovertierte Hummer nicht nur für die Geissens interessant, sondern für Jedermann.

 

Mit 4,74 Länge und knapp zwei Metern Breite hat der Hummer H3 nahezu europäische Abmessungen. Zwar fährt sich der Hummer mit dem viel zu harten Fahrwerk hoppelig und störrisch, der Wendekreis von knapp elf Metern macht ihn dabei trotzdem relativ handlich. Kurven fahren macht mit der schwammigen Lenkung wenig Spass. Schon bei niedrigen Geschwindigkeiten wimmern die 265er Allwetterreifen traurig vor sich hin.

 

Die Basis entstammt übrigens dem Chevrolet Colrado Pickup. Er spendierte den Antriebsstrang mit Fünfzylinder-Reihenmotor, den verkürzten Leiterrahmen und die hintere Blattfeder Starrachse. Im Gegensatz zum Chevy vertraut der Hummer H3 bereits auf Scheibenbremsen rund um und einen permanenten Allradantrieb mit elekktronisch geregelter Lamellenkupplung.

 

Blattfedern vom Chevy ColoradoBlattfedern vom Chevy Colorado

 

Die Klettereigenschaften sind dafür sensationell. Hier kurz die Eckdaten einmal zusammen gefasst: Bodenfreiheit: 21,6 cm, Böschungswinkel Vorne/Hinten: 37,5°/35,5°, Überfahrwinkel: 23,5°, Steigfähigkeit: 60 %, Seitenneigung: 40 %. Mit seinen üppigen Rädern, der hinteren 100-Prozent-Differentialsperre und der extrem kurz ausgelegten Geländeuntersetzung (4,03:1) ist er ein toller Kraxler. Die kurzen Überhänge bewahren im Verein mit stabilen Schutzplatten Karosserie und Mechanik vor Blessuren bei Bodenkontakt. Nachteil der schweren Unterbodenbeplankung: Für den Ölwechsel müssen die schweren Stahlplatten abgeschraubt werden, die einer allein kaum tragen kann.

 

Fazit nach knapp 60.000 Kilometern mit dem Autogas-Hummer: Spekatuläre Optik. Jeder glotzt, wenn Du aussteigst. Jeder will wissen, ob ein Promi am Steuer sitzt. Du bist nie allein. Entweder die Menschen lieben Dein Auto, oder sie hassen es. Langstrecken machen weniger Spaß, weil die Sitzflächen vorne viel zu kurz sind. Die Aussicht ist dank der Schiessscharten ähnlichen Fenster stark eingeschränkt, hinten aufgrund des Reserverads an der Heckklappe eigentlich kaum vorhanden. Der Fünfzylinder hat zwar über 300 Newtonmetern Drehmoment, trotzdem muss fleissig geschaltet werden, um fleissig voranzukommen. Unter 2000/min geht nix, über 3500/min geht nix mehr.

 

Der Hummer ist ein absolut zuverlässiges Alltagsauto. Ausser den Scheinwerfern, die permanent herumzicken – mal funktionieren sie, mal nicht, gibt es eigentlich keine grösseren Macken. Nur die Ersatzteile werden langsam knapp: Auf Ölfilter und Zündkerzen muss man schon mal sechs Wochen warten oder sie von einem Bekannten aus den USA mitbringen lassen.

 

Mit dem 80-Liter LPG-Unterflurtank von Umbauer-Pouls kommt der Hummer etwa 400-430 Kilometer weit, bis die Elektronik automatisch auf Benzin schaltet. Zusammen ergibt sich eine Reichweite von knapp 800-900 Kilometern.

 

Highlight des 2007er Modells mit 3,7 Liter-Triebwerk ist übrigens, dass er bereits ab Werk ein Flexfueler ist, dass heisst serienmässig mit Bioethanol fährt (1,20 Euro/Liter). Versicherung und Steuern (Euro 4) halten sich ebenfalls in Grenzen. Wer hätte gedacht, dass ein Millionärsauto so billig sein kann.

 

Wer sich für Autogas interessiert: Unter dem Projektnamen S1000 Plus arbeitet das Institut Automotive Powertrain der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) im Saarland derzeit an einer LPG-Umrüstung für die Benzindirekteinspritzer , die erstmals Reichweiten von über 1000 Kilometern erreichen soll. Mitte September 2012 soll gemeinsam mit der KÜS eine Rekordfahrt in einem Peugeot 5008 stattfinden.

 

Der kleinste Hummer Der kleinste Hummer


01.09.2012 14:14    |    -CasaR-

Nur leider fahren die Geissens einen H2, welcher einen V8 besitzt und noch mehr verbraucht.


01.09.2012 14:16    |    Goify

Die Geissens:D

Ich möchte mal behaupten, dass jeder Student mehr Geld hat, als diese Familie mit zweifelhaftem Ruf. Aber der Wagen kann schon Spaß machen, gerade mit Autogas.


01.09.2012 15:01    |    HemiV8

Zitat:

Nur die Ersatzteile werden langsam knapp: Auf Ölfilter und Zündkerzen muss man schon mal sechs Wochen warten oder sie von einem Bekannten aus den USA mitbringen lassen.

Die Ersatzteile für meinen noch selteneren und noch länger nicht mehr gebauten Buick sind innerhalb 3 Tagen bei mir !!!

 

Ich musste auf Teile meines 2006er Ex-Fiat´s länger warten als sämtliche jemals georderten Teile für einen meiner Amis !


01.09.2012 15:57    |    Dr Seltsam

Das gute an der Kiste ist, wenn man irgendwo hinläuft und nicht zurücklaufen will kann man sich das Ding per Air Drop liefern lassen :D

 

http://www.youtube.com/watch?v=Y_tflYu0bfE&feature=related

 

Ich denke der Hummer wird als Symbol des Benzinhungers in die Geschichte eingehen. Ein durstiges, dekadentes Monster aus der Sicht der einen, aus Sicht der andren einfach nochmal ein richtiges Fullsize Monster. Man fährt es einfach um des Gefühls der Größe willen.


01.09.2012 17:34    |    Adi2901

"Zusammen ergibt sich eine Reichweite von knapp 800-900 Kilometern." :rolleyes:

Wenn ich das schon wieder lese, bei der Reichweite macht der LPG Umbau recht wenig Sinn.


01.09.2012 18:33    |    Reachstacker

Interessant ist das der H3 weniger verbraucht als einige andere Fahrzeuge die nicht als Spritfresser verschrien sind.

 

Wie so oft klaffen Wahrnehmung und Realitaet auseinander... :o

Mit Ersatzteilen gibt es in den USA keine Probleme, sind eh alles Chevy Silverado Teile.

 

 

Gruss, Pete


01.09.2012 19:33    |    Dieselwiesel5

Ein ordentlicher (und sparsamer) Diesel wurde ja kurz vor Einführung gestoppt.

 

Und auf die Geissens laß' ich nix kommen:D


01.09.2012 20:33    |    Rockport1911

Bitte der H3 ist doch bloß ein umgestalteter Chevy. Am H2 ist zwar auch nicht so viel anders aber der sieht um Welten besser aus und versprüht wesentlich mehr Dekadenz :)

 

Auch hab Ich mir sagen lassen das die 3,7 Liter Maschine nicht wirklich zieht. Dann doch lieber den V8 im H2, wenn schon denn schon.


01.09.2012 20:43    |    L200XX

Schade das es die Marke Hummer nicht mehr gibt, auch wenn ich sagen muss das ich nie der größte Fan des h3 war, einfach zu klein um ein echter Hummer zu sein.Es gab ihn aber auch mit einem 305PS V8, so war er dann wenigstens einigermaßen gut motorisiert.


01.09.2012 20:50    |    Roland0815

Naja. Auf dem Bild ist ja nur ein Baby-Hummer. Man musste den ja abspecken, damit Euro-Normal-Führerscheininhaber den auch fahren darf...

 

Der "echte" wird ja noch gebaut. Für die Army.


01.09.2012 21:37    |    Andi2011

Moin,

 

ich würd aber grundsätzlich den Ford F650 vorziehen, sieht auch beeindruckender und schicker aus:D

 

Grüße

Andi


01.09.2012 22:47    |    Incoming

Hmm, der H3 war also gar kein richtiges Militärfahrzeug.

 

Würd dann doch den Marauder bevorzugen, davon solls ja auch eine zivile Version geben ;-).


03.09.2012 08:36    |    der_Derk

Zitat:

Hmm, der H3 war also gar kein richtiges Militärfahrzeug.

Der H2 auch nicht... ;)

 

Ist aber eigentlich egal - denn die breite Mehrheit erkennt den Unterschied eh nicht. Ebenso wie für diese Mehrheit jedes auch nur ansatzweise nach Chopper aussehende Motorrad, von der 125er Daelim bis zur Honda Rune "die Harley" ist, und jeder Offroader vom Jimny bis zum Defender "der Jeep", so ist auch jeder Hummer "der Hummer".

 

Dabei ist gerade der H3 beinahe schon das Sparbrötchen, unzählige Jeep (Grand) Cherokees und auch europäische SUV vergleichbarer Größe mit Benziner bekommen den Verbrauch auch nicht signifikant besser hin - bei schlechteren Geländeeigenschaften. Aber bei dem Namen Hummer erwartet halt jeder Unbedarfte sofort einen 30 Liter saufenden Achtzylinder. Dass der H1 ein Diesel ist, weiß ja auch kaum jemand... ;)


03.09.2012 13:05    |    Reachstacker

Der H1 hatte nicht nur Diesel, er hatte auch Portalachsen mit Einzelradaufhaengung.

Da kann sich ein H3 mit seinen Silverado Teilen kaum vergleichen, ein H2 auch nicht...


08.09.2012 19:06    |    italeri1947

Wer sind diese Geissens? Es tut mir leid, aber davon habe ich noch nichts gehört. Davon abgesehen ist der Hummer noch nie für mich von Interesse gewesen. Dieses Auto mag einige Leute gewiss faszinieren, aber für mich ist es nichts Bedeutsames.


08.09.2012 21:47    |    Reachstacker

@ Hans

 

Der Humvee war technisch sehr interessant. Das Original hatte Portalachsen mit offenen Zahnkranz und einem Luftgekuehlten Deutz Dieselmotor.

 

Die Folgemodelle unter dem Hummer Namen sind technischer Durchschnitt von der Stange. Die Mehrheit davon wird von Frauen zum Einkauf im Zentrum benutzt. :D

 

 

Gruss, Pete


Deine Antwort auf "Geissens spielen, aber Autogas fahren"

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