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26.05.2017 18:12    |    KUESmagazin    |    Kommentare (16)

Ihre Meinung zum W220?

Cw-Wert 0,27 - Rekord Cw Wert 0,27 Rekord

 

Das Weltwirtschaftsforum Davos: Ende Januar landet Bill Clinton in Zürich. Weiter geht es im Helikopter nach Davos, wo bereits sein Schwarzer Mercedes S500L 4matic mit laufendem V8-Triebwerk auf ihn wartet. Die 5,16 Meter lange Limousine bietet genügend Radstand, um sich auszubreiten.

Beheizte Ledersitze mit Massagefunktion im Fond verströmen Behaglichkeit. Sie bieten in Kurven wenig Seitenhalt, also muss der Chauffeur trotz Eile mehr Gleiten als Rasen. Nur am Ende der Kurven wird der Präsident sanft in die Sitze gepresst, wenn der 306 PS starke 500er seine Schubkraft unter dem fast bis zur Unkenntlichkeit gedämpften V8-Grollen freisetzt.

 

Cw-Wert 0,27 - RekordCw-Wert 0,27 - Rekord

 

Clinton hingegen könnte den ausfahrbaren Aschenbecher mit Zigarrenanzünder nutzen. Doch er hat keine Zeit. Er muss seine Rede zur Globalisierung vorbereiten. Während sich die 4matic fast lautlos durch den Schnee schaufelt blättert er vertieft in seinen Unterlagen. Punkt 12 Uhr trifft seine Luxuslimousine im Kongresszentrum ein. Der Chauffeur öffnet die verlängerte Fondtür, während er sich schon auf die rasante Rückfahrt zum Flughafen freut. Ohne Präsident an Bord. Der Dalai Lama wartet. Diese oder ähnliche Geschichten könnte der Mercedes S500 4matic erzählen, der über zwei Jahre lang als Shuttlefahrzeug in Davos eingesetzt war.

 

Die Langversion ist 5,16 Meter langDie Langversion ist 5,16 Meter lang

 

Es ist die wohl dezenteste S-Klasse, die Mercedes je gebaut hat. Nachdem Benz-Dino-Saster W140, dessen ausfahrende Peilstäbe heute schon fast Kult sind, wollte sich Mercedes nicht noch mal mit Protzertum blamieren und baute mit dem W220 (1998-2005) eine Luxuslimousine, die richtig tief stapelt. Ein Technologieträger, der für absolutes Understatement steht. Mit einem Cw-Wert von nur 0,27 hatte er zudem einen der günstigsten Luftwiderstandswerte seiner Klasse. Doch nicht nur die rund wie Fa-Seife gelutschte Karosserieform war verantwortlich für sensationell günstige Verbrauchswerte: Für 1000 Mark Aufpreis gab es den S500 zusätzlich mit der damals revolutionären Zylinderabschaltung (ZAS). Die ZAS halbierte im Schubbetrieb die mitlaufenden Zylinder. Zwar sank die Leistung von 299 PS auf 306 PS. Verbräuche unter neun Liter waren aber möglich. Cadillac bot Jahre zuvor eine ähnliche Technik an.

 

500 Liter Kofferraumvolumen sind okay500 Liter Kofferraumvolumen sind okay

 

Der KÜSmagazin Testwagen wurde von seinem Besitzer von Kilometerstand 195.000 bis 298.000 lückenlos dokumentiert. Auch ohne ZAS kommt er auf einen Verbrauch von 10,8 Liter Super im Schnitt. Minimal waren es 9,4, maximal 13,8 Liter/100 km. Alle 10.000 Kilometer muss ein Liter Öl nachgefüllt werden. Also bei Inspektionsintervallen (nach Anzeige) von 15.000 Kilometern ziemlich genau einmal zwischen den Ölwechseln. Der S500 verfügt noch nicht über den anfälligen und hektischen 7-Stufen-Automat, der 2003 Einzug hielt und machte bislang kaum Probleme. Was man dem Benz kaum ansieht, ist dass der Luxusliner schon damals viel mehr Technik an Bord hatte, als mancher moderner Kompaktwagen 15 Jahre später. So gab es schon damals Keyless­Go, den Abstandsregelautomat Distronic, Massagesitze, Blinker in den Außenspiegeln. Später kamen Highlights wie der Notbremsassistent Pre-Safe hinzu. Eine Vielzahl an Airbags und die stabile Karosserie machen ihn zu seinem der sichersten Gebrauchtwagen in der Kategorie 12 bis 20 Jahre.

 

1998 sah so der Technologieträger aus1998 sah so der Technologieträger aus

 

Kein Wertverlust. Akzeptabler Verbrauch. Spricht also Alles dafür, sich jetzt einen W220 zuzulegen? Jein. Es geht natürlich mit dem Alter auch eine Menge kaputt. Die Klimaanlage und der Kompressor haben den Geist aufgegeben (2000 Euro). Eine Schwachstelle ist die Luftfederung Airmatic, die bei Undichtigkeiten als Folge gleich den Kompressor mit verschleisst (2500-4000 Euro). Das Comand-Navigationssystem gibt den Geist auf. Klarlack und billiger Chrom platzen ab. Die Fronscheibe wirft Bläschen. Verstopfe Wasserabläufe können den Innenraum überfluten und Biotope enstehen lassen. Rost an den hinteren Kotflügeln. Zudem fallen bei den KÜS Hauptuntersuchungen defekte Bremsen, blinde Scheinwerfergläser und verschlissene Reifen auf. Gerade der S500L 4matic ist ein absoluter Reifenfresser. Bei hohem Kurvenanteil halten die Pneus nur maximal 25.000 bis 30.000 Kilometer.

 

Understatement in seiner schönsten Form?Understatement in seiner schönsten Form?

 

Nicht nur die dezente Form macht den Mercedes W220 zu einer der am meisten unterschätzten Luxuslimousinen. Für nur knapp 3000 bis 5000 Euro ist gerade der S500L 4matic ein absoluter Kauftipp. Ein grosser Parkplatz vor der Tür könnte dabei nicht schaden. Ob die Preise in absehbarer Zeit steigen? Schwierig – dafür ist die Materialanmutung einfach zu billig. Unser Tipp: Fahren und freuen.

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26.05.2017 19:09    |    apfelgruener

Zitat:

Zwar sank die Leistung von 299 PS auf 306 PS.

Hö hö hö. :D

 

Ich find den W220 schön. :)


27.05.2017 08:20    |    V70Bruno

Nette clinton geschichte, nur leider stimmt sie nicht: us-präsidenten kommen immer mit eigenen autos, natürlich gepanzert, auch im ausland. die werden vor dem präsidenten per luftpost angeliefert. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Cadillac_DTS_Presidential_State_Car

 

 

macht der russische präsident übrigens auch.


27.05.2017 10:29    |    KUESmagazin

@V70Bruno Laut Fahrtenbuch wurden Clinton und der Dalai Lama mit dem Fahrzeug chauffiert.


27.05.2017 10:52    |    Bulli Driver

Den Satz "Lieber alte S-Klasse als neuer Kleinwagen" würde ich als Fan von diesen Schiffen glatt unterschreiben. Allerdings sollte man den Kaufpreis Mal zwei rechnen wenn man nicht selber schrauben kann und auf den Wagen als Daily Driver braucht.


27.05.2017 22:05    |    V70Bruno

clinton halte ich dennoch für unwahrscheinlich, zumindest nicht, als er noch präsident war.


28.05.2017 22:36    |    Eselvieh

Zitat:

clinton halte ich dennoch für unwahrscheinlich, zumindest nicht, als er noch präsident war.

Steht ja auch nirgends oder? Und wer nur ein wenig nachrechnen kann, der stellt fest, dass der W220 in dieser Form (4matic -> MOPF ab MJ 2003) erst ab 2003 gebaut/verfuegbar wurde. Da war schon lange Bush Jr. Praesident der vereinigten Kolonien. ;)

 

Von daher durchaus glaubwuerdig. Tolles Fahrzeug nebenbei - aber die billige Materialanmutung verstehe ich nicht? Ist beim W221/W222 nicht besser und wuerd sogar sagen der W126 ist nicht besser. Der steigt aber grad schon wieder munter?


29.05.2017 03:43    |    invisible_ghost

Zitat:

Mit einem Cw-Wert von nur 0,27 hatte er zudem einen der günstigsten Luftwiderstandswerte seiner Klasse.

Das heißt Luftwiderstandsbeiwert.

 

 

 

Zitat:

Zwar sank die Leistung von 299 PS auf 306 PS.

Ohne Worte.

 

...

 

Davon abgesehen haben sich über den W140 nur neidzerfessene Vollidioten lustig gemacht, welche sich die Kiste ned leisten konnten. Über den W220 dagegen rümpften selbst gestandene S-Klasse-Fahrer nur die Nase.

 

 

Ein unterirdischer Artikel, KÜS halt...


29.05.2017 15:58    |    pico24229

Mir gefällt der Artikel sehr gut. Danke


29.05.2017 17:36    |    Käfer1500

unkalkulierbare Folgekosten, daher nix für mich, auch wenn man mit ihm sehr angenehm mitfahren kann, hatte schon das Vergnügen, als mein FLughafenshuttle einen VIP mit dem anlieferte und mich mit nach Hause nahm.


29.05.2017 20:11    |    hd-man

Trotz üppiger Dimensionen eine ausgesprochen elegante Erscheinung, leider häufig unangemessen verrostet.


29.05.2017 22:00    |    MaxundMoritz0

Tja taugt nur als MOPF wirklich etwas!!

Aber da tolle Karre!Gerade der Motor ist unzerstörbar!! Anders als die BMW F01 750i die verrecken wie die Fruchtfliegen!!

 

Scheiß Direkteinspritzer halt........

 

Selbst schrauben ist wichtig,da sonst locker nochmal der Wert des Kaufpreises anfallen kann!!


29.05.2017 22:56    |    rpalmer

Wer fotografiert bitte stolz die dreckigen Felgen?


30.05.2017 17:53    |    enrgy

"Wer fotografiert bitte stolz die dreckigen Felgen?"

 

leute die kein statussymbol in form eines geleckten autos brauchen


31.05.2017 09:38    |    rpalmer

Für einen Artikel dennoch peinlich. Karre groß kurz mit Wachs eingesaut, "Damits nach was ausschaut", dann aber bei der Felgenreinigung knausern.

Sowas bekommste nichtmal im Kaffeklatsch-Magazin von Herrn Cremers präsentiert.


01.06.2017 20:47    |    Harhir

Bevor sich hier einige Oberlehrer ueber die "falsche" Geschichte auslassen, wollte ich nur feststellen dass Bill Clinton nach seiner Amtszeit mehrmals beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos war. Und als Ex-President hatte er dann natürlich nicht mehr das Anrecht auf die eigene Limousine.


02.06.2017 09:15    |    Ascender

Ich habe auch "unkalkulierbare Folgekosten" angeklickt. Allerdings nur wenn man entsprechende Ansprüche hat. Also wenn alles funktionieren soll, und man die Kiste in einem guten Zustand erhalten möchte, dann geht das eben richtig ins Geld.

Ansonsten müsste man sich theoretisch nur über Motor, Antrieb, Lenkung und Fahrwerk sorgen machen. Aber auch da: So ein schweres Auto drückt auf die Federung, und auf die Lenkung. Alleine diese Sachen werden größere vierstellige Beträge kosten.

Man ist bei so einem Fahrzeug ganz schnell mit den Reparaturen über den Zeitwert. ;)

 

Ich würde ja lieber eine Klasse tiefer greifen. Ältere Fahrzeuge sind auch da schön günstig zu haben. Die Ausmaße nicht ganz so groß. Alles andere ist der eigene Anspruch an das Auto.

Meinen E34 habe ich mit 2 Jahren TÜV für 1.200 EUR gekauft. Mich stört es überhaupt nicht, dass das Schiebedach klemmt. ;)


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