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10.08.2013 13:47    |    KUESmagazin    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: Geländewagen, Kultjeep, Kunststoffauto, KÜS, Küs Check, KÜS Plus, Off Road, Preis, Relictus, Toyota FJ Cruiser

Toyota FJ Cruiser - albern oder wertvoll?

Kultkarre (fast) ohne Wertverlust

 

Mit dem FJ Cruiser liess Toyota USA 2006 den legendären FJ-Offroader wieder auferstehen. Ich kann mich noch genau an meine erste Begegnung mit dem Vorgänger Toyota FJ (1960-1983) erinnern. Es war irgendwann im September, Ende der 80er Jahre in Mimizan La Plage, südlich von Bordeaux. Schwere, salzige Luft wehte vom Atlantik her über die Haus hohen Dünen. Der Wind hatte auf dem kleinen, asphaltierten Boulevard Sandhäufchen aufgetürmt, die mit jeder Böe wie Wüstenstaub über die Straßen wanderten. In den Schlaglöchern stand noch das Regenwasser vom Vormittag.

 

Retrodesign und doch andersRetrodesign und doch anders

 

Um diese Jahreszeit regnet es häufig am Atlantik. Nicht lange, aber immer mal wieder kräftig für ein paar Minuten. Wir gingen ein paar Schritte Richtung Meer. Und plötzlich stand er da, der Toyota FJ. In Deutschland wurde er schon seit 1983 nicht mehr verkauft und hier stand tatsächlich noch einer. Grassgrün und durchgegammelt bis zur letzten Schraube. Mein erster Gedanke war, dass dieser FJ selbst mit einem Rockefeller-Vermögen nicht mehr durch den deutschen TÜV gebracht werden könnte. Aber hier, am Strand, kurz vor dem wilden Baskenland, da fuhr noch einer herum.

 

Die Schweller waren derart fertig, dass man eine Faust durchstecken konnte. Die Kanten der Hecktüren bröselten wie Zwieback auseinander. Der Windschutzscheibenrahmen erinnerte mit seinen maroden Gummis und den durchlöcherten A-Säulen an ein skelettiertes Tier. Kunst aus Rost. Doch nicht nur der Verfall hatte seine Faszination, sondern auch die puristische Jeep-Form. Die steil anstehende Frontscheibe, die nah beieinander liegenden Frontscheinwerfer und die klassischen, frei stehenden Kotflügel. Damals dachte ich mir, „eigentlich brauchst du zum glücklich sein nur ein Stück Strand und genau diesen Offroader.“ Doch schon damals war klar: Einen Rost freien FJ wirst du wohl nie mehr finden. Und in Zeiten des Landcruiser wird Toyota wohl kaum noch mal den FJ aufleben lassen.

 

Gut 20 Jahre später war es doch soweit. Toyota USA hat den FJ Cruiser eingeführt, die verrückte Retro-Interpretation des FJ von 1983. Nicht puristisch, sondern luxuriös. Aber einfach geil. Eine knapp 30.000 Euro günstige, echte Kult-Alternative zum Hummer H3 (ab 39.900 Euro). Erster Eindruck: Klasse, was Toyota da auf die vier angetriebenen Räder (optional auch nur Heckantrieb) gestellt hat. Der neue FJ Cruiser hat wirklich die Ausstrahlung seines Urvaters ohne freilich eine schlichte Kopie zu sein.

 

In Deutschland gibt es gerade mal 465 Exemplare des FJ Cruiser aus dem Bauzeitraum 2007 bis 2013. Das Modell wurde nie offiziell in Deutschland angeboten, sondern nur als Grauimport.

 

Das fällt sofort auf: Die knubblige Nase mit den dicht beieinander liegenden Scheinwerfern, die 90-Grad-Frontscheibe mit den drei Scheibenwischern und die ausgestellten Kotflügel. Analog der alten Chromstoßstange erhielten die Stoßfänger weit herausstehende Aluelemente. Wer genau hinschaut, erkennt eine Tragflächen ähnliche Form, wie man sie auch bei Flugzeugen oder Schnellbooten vorfindet. Die Außenspiegel mit den integrierten Positionsleuchten haben Lkw-Format. Auf der Heckklappe thront die Ersatzrad-Abdeckung mit dem eingeprägtem Reifenprofil des FJ Cruiser.

 

Für die große Show vor der Eisdiele sorgen die Türportale, die sich wie beim Mazda RX8 gegenläufig öffnen lassen. Die Portale geben den Blick frei auf das liebevoll durchgestylte Interieur. Die großen hochwertig lackierten Kunststoffflächen und das reich verwendete Aluminium sehen richtig edel aus. Selbst der Katzenkäfig große Subwoofer im Kofferraum ist in Silber gehalten.

 

Typisch FJ: Die Zusatzinstrumente auf dem Cockpit mit Anzeigen für Böschungswinkel, Neigungsmesser und Kompass. Der Blick durch die schmale Windschutzscheibe auf die lange Motorhaube lässt tatsächlich uralte FJ-Fahrgefühle aufkommen. Nur der Motor ist viel, viel leiser. Für den FJ Cruiser verwendet Toyota den kultivierten 4,0-Liter-V6-Benziner aus dem 4-Runner. Satte 239 PS und ein Drehmoment von 377 Newtonmeter bei 3.800/min reichen, um beim Kickdown trotz Allrad die Schlupfkontrolle zu aktivieren. Obwohl der FJ Cruiser den Luftwiderstandswert eines Mähdreschers hat, verspricht Toyota einen akzeptablen Verbrauch von 10,7 L (Autobahn 4x4) bis 13,8 (Stadtverkehr 4x4) Litern Super je 100 Kilometer.

 

Ein FJ Cruiser in natürlicher UmgebungEin FJ Cruiser in natürlicher Umgebung

 

Zwei Dinge sind uns neben dem verrückten Design noch aufgefallen: 1. Der FJ Cruiser fährt sich kinderleicht. Mit der superleichten, geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung und dem für Geländewagen günstigen Wendekreis von 12,8 Metern lässt sich der FJ Cruiser easy wie ein Toyota Corolla durch die Innenstadt bugsieren. Der Kofferraum ist mit 790-1892 Litern sogar expeditionstauglich. Von wegen nur Schickimicki – der neue FJ Cruiser hat echte Alltagstalente. Wer auf den alten FJ stand, wird den FJ Cruiser lieben. Denn: Nahezu alle faszinierenden FJ-Details finden sich mit neuen FJ Cruiser wieder. Bis auf den Rost.

 

Neben den üblichen Verschleissteilen wie Bremsen, Steinschlägen, defekten Leuchten oder einer gerissenen Windschutzscheibe zeigt der FJ Cruiser eigentlich kaum Auffälligkeiten. Allerdings: Toyota ruft den FJ Cruiser gerade wegen Problemen mit den vorderen Sicherheitsgurten zurück. Der FJ Cruiser besitzt keine B-Säule, die Fondtüren sind an der C-Säule angeschlagen. Der Sicherheitsgurt ist mit einem Aufrollmechanismus für jeden vorderen Sitz in der jeweils hinteren Tür befestigt. Aufgrund einer zu geringen Festigkeit des Blechs der hinteren Tür könnten offenbar Risse entstehen, wenn die hintere Tür über einen längeren Zeitraum wiederholt mit hoher Kraft geschlossen wird.

 

Die möglichen Risse im Blech der Tür entstünden an den Befestigungspunkten des Sicherheitsgurt-Aufrollmechanismus, wodurch sich dieser lösen könnte und damit eine ordnungsgemäße Rückhaltefunktion der Person auf dem jeweiligen Vordersitz dem Sprecher zufolge nicht mehr gewährleistet wäre. Zur Verstärkung der Befestigungspunkte des Sicherheitsgurtes will Toyota in der Werkstatt ein zusätzliches Blech in der Tür verbauen lassen. In Abhängigkeit der vorhergehenden Prüfung des Türblechs könne es zusätzlich notwendig werden, den Sicherheitsgurt oder das innere Türblech mit Sicherheitsgurt zu ersetzen. Die Reparatur dauere zwischen drei und acht Stunden zuzüglich Lackierarbeiten. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ist informiert.

 

Typisches FJ CockpitTypisches FJ Cockpit

 

Eines hat der Toyota FJ Cruiser übrigens mit dem Ur-FJ gemeinsam: Er ist die perfekte Wertanlage. Während bei guten Toyota FJ die Preise steigen, behält die moderne Interpretation stetig ihren Wert. Wer 2006 einen Toyota FJ Cruiser für 33.700 Euro gekauft hat, bekommt heute fast immer noch 18-20.000 Euro dafür. Kein anderer Offroader mit V6 und Luxusausstattung ist so beständig. Geländewagen fahren (fast) ohne Wertverlust.

 

 

Technische Daten Toyota FJ Cruiser

V6, vorn längs eingebaut • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4000 cm3 • Leistung 239 kW/176 PS bei 5200/min • max. Drehmoment 377 Nm bei 3800/min • 6-Gang-Schaltgetriebe • Allrad/ Hinterradantrieb • Leiterrahmen • rundum Scheibenbremsen innenbelüftet • Stabilitätskontrolle VSC • Länge/Breite/Höhe 4670/1905/1830 mm • Radstand 2690 mm • Leergewicht 1945 Kilo • Tankinhalt 72 Liter • Kofferraum 790/ 1892 l • 0–100 km/h in ca. 8,0 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 180 km/h • Preis neu ab 33.700 Euro, Modelljahr 2006: 18-20.000 Euro. Fotofahrzeug: www.uscars24.de

 

Typisches FJ Cockpit Typisches FJ Cockpit


10.08.2013 17:49    |    der_Derk

Ein irres Gerät, steht mit ganz oben auf meiner muss-ich-mal-fahren-Liste :).

 

Technisch steckt wenig exotisch "nur" ein Landcruiser J12 darunter.


10.08.2013 20:54    |    mailboxclyde

Hab' den Artikel gar nicht erst gelesen, die Überschrift und die Umfrage haben gereicht: ein Toyota ist kein Jeep! :rolleyes:


16.08.2013 19:01    |    scion

Kürzlich war ich in den USA und sehr viel auf den Strassen unterwegs. Dort sieht man den FJ immer mal wieder und jedesmal habe ich mich gefragt, was will der Designer uns damit sagen? Da vermittelt ein Hummer H2 doch mehr "Show" und überhaupt, hat Toyota mit dem Highlander, 4Runner, Tundra, Sequoia oder Lexus LX 570 stylischere Alternativen zum Offroadcruisen


20.09.2013 14:08    |    italeri1947

"Sieht aus wie ein Comicauto aus Entenhausen".


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