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12.09.2012 12:32    |    KUESmagazin    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: Autogas-Rekordfahrzeug, Automechanika 2012, Deutschland, Frankfurt, HTW, KÜS, Küs Check, KÜS Plus, LPG

Welche Zukunft hat Autogas?

Das Autogas-RekordautoDas Autogas-Rekordauto

Manchmal bloggt die KÜS in eigener Sache. Immer dann, wenn es etwas Spannendes zu berichten gibt. In diesem Fall präsentiert die KÜS auf der Automechanika 2012 noch bis zum 16.9.2012 in Frankfurt ein eigenes Rekordauto, das gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes entwickelt wurde. Das erste Autogas-Fahrzeug mit LPG-Direkteinspritzung, das so sparsam ist, dass es mit einer Tankfüllung mehr als 1000 Kilometer schafft.

 

Den Beweis dafür soll das Autogasfahrzeug auf einer Rekordfahrt durch Deutschland antreten. Die KÜS ist Partner der HTW. Das Projekt des Instituts Automotive Powertrain unter der Leitung der Professoren Dr.-Ing. Thomas Heinze und Dr.-Ing. Harald Altjohann ist sehr ambitioniert, handelt es sich doch bei der Großraumlimousine um einen Direkteinspritzer der neuesten Generation. Eine Autogas-Saugrohreinspritzung – wie sie einige Umrüster anbieten – kam für Prof. Heinze nicht in Frage. Es wäre für ihn ein technischer Rückschritt gewesen. Entsprechend waren neue Herausforderungen zu meistern, die in der Entwicklung eines eigenen Autogas-Systems mündeten.

 

Alle Probleme sind gelöst und so werden Ende September verschiedene Journalisten im Versuchsfahrzeug in fünf Tagen eine mehr als 1.000 Kilometer lange Fahrt durch Deutschland unternehmen. Die KÜS unterstützt als Partner seit einigen Jahren die Projekte der HTW zum Thema Autogas, so auch in diesem Jahr S1000plus. „Autogas ist auch im Prüfalltag unserer Sachverständigen immer ein Thema. Daher ist der Wissenstransfer hier für die KÜS von großer Bedeutung“, so Peter Schuler, der Bundesgeschäftsführer der KÜS, zum Engagement der Prüforganisation.

 

Journalisten sind nicht gerade bekannt dafür, zimperlich und spritsparend mit Testwagen umzugehen. Das legt die Messlatte höher, entspricht aber genau der Philosophie von Automotive Powertrain. Die Forschungen und Entwicklungen sind stets auf die Praxis ausgerichtet. Entsprechend stand auch vom ersten Tag an im Lastenheft, dass die volle Alltagstauglichkeit erhalten bleiben muss und somit das Kofferraum-Volumen nicht angetastet wird.

 

Das Versuchsfahrzeug fährt monovalent, also auch in der Startphase mit Autogas. Das erlaubt eine Optimierung der Motorsteuerung auf Deutschlands Alternativkraftstoff Nr. 1, der mit 107 Oktan eine deutlich höhere Klopffestigkeit als Benzin aufweist. Auch die Getriebeübersetzung in den Gängen 4 bis 6 konnte an den höheren Wirkungsgrad angepasst werden, was sich positiv auf den Verbrauch auswirkt. So wurde zum Beispiel im 6. Gang bei gleicher Geschwindigkeit eine Drehzahlverringerung von 17 Prozent erreicht.

 

Größte Schwierigkeit im Projekt war die Dampfblasenbildung bei heißem Motor. Sie wurde mit einer eigenen und zum Patent angemeldeten Kühlung für die serienmäßige Kraftstoff-Hochdruckpumpe gelöst. Damit ist es möglich, auch direkteinspritzende Benziner zum Beispiel der Marken BMW und Mercedes auf LPG umzurüsten. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Verbindung der drei Kraftstofftanks, die sämtlich unterflur platziert sind.

 

Da Autogas unter Druck von ca. 8 bar steht, bedarf es einer umfangreichen Steuerung, um den Kraftstoff zuverlässig und vollständig in den hinteren Tank zu pumpen, von wo aus er zur originalen Peugeot-Hochdruckpumpe am Motorblock befördert wird. Gleichzeitig gibt es diverse Rücklaufleitungen, über die überschüssiges Autogas in die Tanks zurücktransportiert wird. So entsteht nebenbei ein weiterer Kühleffekt, der der Dampfblasenbildung entgegenwirkt.

 

Wie wichtig den Hochschul-Mitarbeitern die Alltagstauglichkeit ist, zeigt sich in der Tankanzeige. Fünf kleine LEDAnzeigen sind bei den meisten Autogassystemen Standard – und das bei nur einem Tank. Trotz des komplexen Systems mit drei Kraftstoffbehältern erfolgt die Anzeige beim Versuchsfahrzeug wie vom Benziner gewohnt im viel genaueren Zeigerinstrument.

 

„Die 1.000-Kilometer-Tour wird der Lohn der Arbeit für alle am Projekt Beteiligten sein und erneut demonstrieren, dass mit Autogas als Antriebsenergie für Fahrzeuge zu rechnen sein wird“, so Peter Schuler.

 

In einem „Test-Tagebuch“ kann die Rekordfahrt ab dem 24. September abends unter www.projekt-s1000plus.de oder hier bei Motor-Talk in unserem Blog KüsMagazin verfolgt werden.

 

 

Vielleicht noch ein paar wissenswerte Details zu Autogas in Deutschland:

 

Autogas ist mit über 500.000 Fahrzeugen mit Abstand der beliebteste Alternativantrieb in Deutschland. Erdgas, Hybrid und Elektro erreichen gemeinsam gerade mal ein Viertel davon. Wegen seines rund 15 Prozent geringeren CO2-Ausstoßes gegenüber Benzin ist Autogas mindestens bis Ende 2018 mit einem deutlich geringeren Mineralölsteuersatz belastet. Dadurch kostet ein Liter LPG aktuell unter 80 Cent.

 

Während die Benzinpreise täglich schwanken, ist Autogas oft über Monate preisstabil. Selbst bei einem technisch bedingten 10 bis 20 Prozent höheren Verbrauch gegenüber konventionellem Ottokraftstoff hat sich die Investition in die rund 2.000 bis 3.000 Euro teure Autogas-Anlage im Schnitt nach 50.000 Kilometern amortisiert.

 

In Deutschland gibt es rund 6.500 Autogas-Tankstellen (Erdgas ca. 900), europaweit sind es 30.000.Trotz der großen Tankstellenzahl macht das Projekt S1000plus Sinn: Zum einen gibt es noch einige wenige Länder, in denen es nur wenige LPG-Tankstellen gibt (zum Beispiel Schweden oder Spanien), zum anderen kann Autogas – da es erst unter Druck flüssig wird – auf freien Strecken nicht so einfach wie Benzin nachgefüllt werden.


12.09.2012 13:14    |    Käfer1500

Wie wurde der Verkokung der Direkteinspritzdüsen vorgebeugt? Wie viele l passen in die LPG Tanks? Und wieso braucht man deren 3? Sind die Ventile gasfest (...gemacht worden)? Und ist nur die Tankanzeige verbessert worden oder auch der gesamte Bordcomputer? Von welchem Hersteller stammt die Autogas "Hardware"?

 

Und >700km schaffe ich auch auf LPG, ohne Kofferraumverlust und mit einem ollen Saugbenziner ;)

 

Ob das ganze was taugt, sieht man eh erst nach 100tkm!


12.09.2012 14:02    |    meehster

Mit entsprechend Tankvolumen kommt man auch 2000 km ohne Nachtanken mit LPG hin, dazu muß die Kiste nicht mal besonders sparsam sein. Bei mir sind esl bei Bedarf auch über 800 km. Meist fahre ich aber nicht so spritsparend und muß dann schon nach 650 km nachtanken. Aber ich habe eben auch nur einen Tank ohne Kofferrauverlust.

 

Anlagen für Direkteinspritzer gibt es inzwischen auch schon serienmäßig, allerdings halte ich von Direkteinspritzern generell nicht allzuviel. Auf Gas starten kann ich mit meiner flüssigeinspritzenden Vialle LPi auch.


12.09.2012 16:38    |    PS-Schnecke40066

Ist ja schön und gut, aber warum bieten die großen Konzerne selbstentwickelte monovalente LPG-Direkteinspritzer nicht von Haus aus an? Die Nachfrage wäre doch da.

 

Das was als sogenannte "Werks-LPG-Umrüstung" angeboten wird, ist ein Witz. (wie z.B. Golf 1,6 8V Sauger mit reingebastelter LandiRenzo). Meinen GTC gabs auch nicht mit LPG. Und wenn, dann hätte ich gerne eine nach dem aktuellen Stand der Technik, also Flüssigeinspritzer. Zudem wird LPG irgendwie nicht wirklich beworben. Die Sparte wird "unter dem Ladentisch" abgewickelt.

 

Kann mir mal jemand sagen warum das so ist? danke


12.09.2012 19:30    |    Donox

Zitat:

Kann mir mal jemand sagen warum das so ist? danke

Warum wohl. Damit der Staat ordentlich an den Spritpreisen verdienen kann. Wenn jeder LPG kennen würde und das sofort ab Werk ordern würde, ja dann würden die Einnahmen des Staates durch Sprit in den Keller gehn.


12.09.2012 19:48    |    Bene312

Zunächst einmal nicht schlecht, dass die KÜS sich dem Thema Autogas widmet und mit der 1000 Kilometer-Aktion darauf aufmerksam machen möchte.

Doch aus rein journalistischer Sicht fehlen mir Informationen in dem Artikel. Dass Autogas der beliebteste Alternativantrieb ist, brauche ich nicht zu wissen. Wohl aber, welches Fahrzeug mit welchem Motor genau umgerüstet und umgebaut wurde. Gibt es im allgemeinen, also ohne die Anpassungen an dem Fahrzeug, Probleme beim Autogasbetrieb in einem Peugeot? Warum hat sich die KÜS für einen Peugeot entschieden? Gibt es vielleicht schon "Altfahrzeuge", die auf LPG wunderbar und schon über hunderttausende Kilometer mit dem "beliebteste[n] Alternativantrieb" fahren?

Wobei für mich auch noch zu klären ist, ob Autogas überhaupt einen Alternativantrieb darstellt. Es ist eine Alternative, aber die ist auch der Dieselmotor zu einem Benziner.

Von daher finde ich die Bemühungen der KÜS erwähnenswert, mit ein paar mehr Details sogar sinnvoll. Die richtige Intention der 1000 km Fahrt erschließt sich mir noch nicht, denn das bekommt man auch mit anderen Fahrzeugen hin.


12.09.2012 20:41    |    PS-Schnecke40066

Zitat:

Die richtige Intention der 1000 km Fahrt erschließt sich mir noch nicht

OK, ich erklärs dir. Typische zeitgemäße LPG-Fahrzeuge haben Reichweiten von üblicherweise <500km. Das ist dem Zielkonflikt geschuldet, einen zusätzlichen LPG tank in irgendeine Lücke im Fahrzeug reinzuquetschen, ohne den Gebrauchswert (das Ladevolumen) einzuschränken. Und das ist üblicherweise ein 45L Radmuldentank mit 38L netto. Das zusammen mit den nicht auf LPG optimierten Motoren und der geringeren Energiedichte führt zur geringen Reichweite als mit dem Serien-Benzintank.

 

Und da sind 1000km dieses Prototypen wirklich sehr, sehr bemerkenswert und innovativ.

 

Ach ja, vielleicht verstehst du auch nicht, wozu man überhaupt 1000km braucht. Das ist ein Wert, den ein Mensch im PKW noch nonstop zurücklegen kann, also sehr angenehm bei z.B. Urlaubsfahrten.


17.09.2012 16:28    |    italeri1947

Autogas war für mich nie eine Alternative, auch habe ich beschlossen, dass bei uns solche Umrüstungen nicht stattfinden. Das war so ein zweifelhafter Ansturm, dessen Gehalt ich niemals nachvollziehen konnte - es war eben eine Notlösung. Ich kenne jemanden, der einen Skoda mit Autogas bewegte und damit nur Ärger hatte. Damit meine ich nicht den Skoda an sich, sondern die Autogas-Maschinerie; damit war immer irgendetwas. Heute fährt er einen Passat mit normalem Benziner und das absolut problemlos.

 

Wenn ab 2018 die Steuern angehoben werden, ist damit sowieso der Ofen aus - noch hat Autogas eine gewisse Gnadenfrist.


25.09.2012 21:31    |    Bene312

Zitat:

Ach ja, vielleicht verstehst du auch nicht, wozu man überhaupt 1000km braucht. Das ist ein Wert, den ein Mensch im PKW noch nonstop zurücklegen kann, also sehr angenehm bei z.B. Urlaubsfahrten.

Ich befürchte, dieser Vorwurf trifft nicht zu. Schon einen Monat nach der Umrüstung meines Wagens auf Autogas machte ich mich auf den 1300 km weiten Weg an die Cotê d'Azur und zurück, ein Jahr später folgten Fahrten nach London und durch Deutschland, sodass seit der Umrüstung im Juni 2010 nun 40.000 km vergangen sind. Natürlich wäre es praktisch - bezogen auf die Zeitfaktor - 1000 km am Stück zurücklegen zu können, doch hatte ich bis jetzt noch nie Probleme, nach 380 bis 430 km eine autogasführende Tankstelle zu finden. Und nach einer solchen Etappe tut dem Fahrer eine kurze Pause auch ganz gut - und sei es nur der Weg von der Zapfsäule zur Kasse und zurück.

Die 1000 km Fahrt würde, meines Erachtens nach, dann eine Relevanz zeigen, wenn auf ihr Etappen bei Herstellern oder anderen Partnern für den Antrieb oder das Konzept geworben würde. So klingt der Artikel eher nach einer Spazierfahrt für die Beteiligten, als eine Art Belohnung nach erledigter Arbeit.


26.09.2012 16:04    |    Trackback

Kommentiert auf: Gaskraftstoffe:

 

Was machen bei euch aktuell die Gaspreise?

 

[...] Blogs bei MT auch auf einer zu gesonderten Schiene. Deswegen bitte nicht hier darüber diskutieren.

 

 

Einführung

Tag 1

Tag 2

[...]

 

Artikel lesen ...


26.09.2012 16:25    |    Trennschleifer13647

!!!! Es wird ab 2018 erstmal KEINE andere Besteuerung geben.....!!

 

Siehe dazu auch im "Das AutogasJournal " online Heft 3 2012


27.09.2012 07:50    |    Panthersprung

Für meinen Corsa würde ein nutzbares Tankvolumen von 80l reichen für 1000 km.


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