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Käfer Horst - Restaurierung eines 71er VW 1302

Im Mai 2010 begonnene Restauration eines VW 1302L (original 34 PS), BJ 1971

19.09.2010 16:55    |    PeterHadTrapp    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: Käfer, Karosseriearbeiten, Restaurierung, Schweißen

Wie weit seid Ihr denn ?

 

Inzwischen ist mir klar geworden: Es gibt verschiedene Phasen und verschiedene Verläufe einer Restaurierung. Man kann wie auf Wolke sieben durch die Arbeit fliegen. Alles läuft wie am Schnürchen, jedes Teil trifft termingemäß ein, das lange gesuchte exotische Kleinteil wird für 1 Euro in der e-Bucht ergattert und Ecken die äußerlich das Schlimmste erwarten ließen, entpuppen sich als in der Substanz gesund. Der achtbeste Bekannte findet in seinem Keller noch zeitgenössisches Zubehör "von seim Oppa", das er gerade wegwerfen wollte, als ihm wieder einfiel dass Du einen Käfer in der Mache hast, eines morgens liegt der alte Pappbrief, den der Vorbesitzer jetzt doch noch gefunden hat im Briefkasten und so weiter ...

 

Es geht aber auch anders *seufz*

Teile werden trotz zweimaliger Bestellung nicht geliefert, sind natürlich per Vorkasse bezahlt. Das Schweißgerät spinnt plötzlich und schweißt als ob das Gas leer wäre, obwohl die Flasche angeblich mindestens halbvoll ist. Das Kleinteil was man unbedingt haben möchte, erliegt auf ebay einer völlig sinnfreien Bieterschlacht, die Dich weit jenseits deiner Budgetgrenze ratlos zurücklässt und die Ecken, die auf den ersten Blick harmlos aussahen entpuppen sich als bodenloser Lochfraß in alle angrenzenden Bleche hinein. Du hast die nächsten vierzehn Tage keinen Tag mehr, der zum Schrauben genutzt werden könnte, der erste Bodenfrost war schon da und Du merkst unmißverständlich "verflixt - uns läuft die Zeit davon". Dazu kommt Frust über die Teile die einfach nicht kommen wollen und so weiter ...

 

Nun fügt es sich, dass Du jemanden triffst, mit dem zu letzt in einer Phase der überschäumenden Restaurierungseuphorie gesprochen hast. Dieser Jemand, der natürlich zu den chronisch gut Gelaunten und penetrant vor sich hinlächelnden Zeitgenossen gehört, stellt dann freudestrahlend die gaaaanz harmlose Frage: "Wie weit seid ihr denn ?"

Oder noch besser "Ist Dein Käfer bald fertig ?" Diese Person kann vorzugsweise noch weiblichen Geschlechtes sein, das erhöht die Chancen auf endgradige Verständnislosigkeit noch mehr, wenn Du dann mit mißmutigem Gesicht und brummiger Tonlage zu erklären versuchst, dass eben doch alles seine Zeit braucht, dass immer wieder unvorhersehbare Probleme auftauchen und dass das wohl dieses Jahr nix mehr wird. Diese Person, die dieselbe ist, der Du vor ein Paar Wochen noch in grenzenloser Selbstüberschätzung und mit euphoriebenebelten Sinnen erklärt hattest, dass Du spätestens in den Herbstferien zum TÜV fahren möchtest, wird dann sagen: "Ach so ???" Die Person wird den Kopf leicht schief legen und wird Dich mit einem bestimmten Blick ansehen, der im noch harmlosesten Falle bedeutet "Männer halt" aber vermutlich eher besagt, dass sie Dich künftig nicht mehr ernst nehmen wird oder grundlegend an Deinem Verstand zweifelt.

 

Ihr merkt schon - mein Projekt geht nicht wirklich so voran, wie wir gehofft hatten. Der Teufel sitzt gerne im Detail und manche Sachen, die man noch nie gemacht hat, klappen eben einfach nicht beim ersten Mal.

Beispiel gefällig - gerne. Radhaus grob gesichtet. Alles klar, entsprechendes Reparaturblech bestellt.

Bis dahin wird schonmal das rostige Zeug großzügig herausgeschnitten, die angrenzenden Bereiche großflächig blankgemacht und wenn das Rep-Blech dann da ist, ist es aus völlig unerfindlichen Gründen viel zu klein für das entstandene Loch ... tja ...

 

Und inzwischen ist mir auch klar, dass Gasflaschen von Schweißgeräten, die man sich ausleiht, oder vom ausleihen zurückbekommt natürlich immer "gut halb voll sind", genau so, wie alle gebrauchten Motoren auf der Welt, die man im ausgebauten Zustand kauft, immer zwischen 80.000 und 120.000 km gelaufen sind .... alles klar ?

 

Was macht man also nun, wenn man jemandem zeigen möchte, dass das Projekt in der Tat gut voran kommt, sofern man die Probleme berücksichtigt, die sich erst mit der Zeit herausgestellt haben und wenn man bedenkt, dass man einfach wenig Zeit hat, die einem für ein kontinuierliches Weitermachen zur Verfügung steht.

Wenn man andererseits aber diese Person doch überzeugen möchte, dass gute Hoffnung auf ein tolles Ergebnis besteht ("der wird gut") aber dass das eben noch dauert ...

 

Am besten den Besuch der Vertrauensperson vorbereiten. Wie ?

Ums Auto herum gut aufräumen.

Auf wenigstens einer Fahrzeugseite ein bisschen was anbauen, das den Eindruck weg von "ruinöses Fragment" eher hin zu "könnte mal ein Auto werden" verschiebt.

Die Teile aber nur vorsichtig mit weniger Schrauben anheften, oder wenn sie halten, nur auflegen.

Scheiben, soweit sie eingebaut sind, putzen.

Die Stellen, an denen noch guter Lack sichtbar ist grob putzen.

Ein paar wichtige Zierteile anbringen oder nur auflegen (Türgriff, Leuchten).

 

Wenn diejenige Person dann kommt und staunt könnte sie vielleicht denken, dass das gute Stück ja fast fertig ist. Nun kommt der Moment, der durch das Vorhandensein von taktischem Geschick und gewissen rhetorischen Fähigkeiten sicher leichter zu meistern ist. Es gilt, zu erklären, dass es Dir wichtig war, einen gewissen Eindruck davon zu vermitteln, welch tolles Auto das mal werden wird und wie sehr es sich lohnt jetzt dranzubleiben, wo doch der Winter naht. Dem Besuch muss aber dann gezeigt werden, wieviel noch zu tun ist. Dazu werden nun Stück für Stück die nur notdürftig angebrachten Teile und der Zierrat vor den Augen des Beobachters wieder entfernt, sodass das wahre Gesicht der aktuellen Stagnation ungeschminkt sichtbar wird.

Wenn das alles gelungen ist, bleibt beim Besucher der Eindruck: "Da muss er aber noch ziemlich reinklotzen, aber da ist es wert, denn der Käfer wird bestimmt ganz toll und sooo lange scheint es doch nicht mehr zu dauern. In diese Falle ist auf freundliche Unterstützung zu hoffen.

Wenn das nicht gelungen ist, wird die Person denken "Da zeigt er mir sein scheinbar fast fertiges Auto und wenn ich dann mal Nachfrage sehe ich dass der mich nur verarschen will, denn das Ding ist ja die volle Grotte und wird die nächsten fünf Jahre nicht fertig - egal wieviele Stunden und Tage er hier noch sinnlos beerdigt. In diesem Falle, wird die Beziehung zu der Person möglicherweise nachhaltig getrübt sein.

 

Erkenntnis des Tages: Wie man`s macht ist es verkehrt;)


17.09.2010 02:39    |    PeterHadTrapp    |    Kommentare (2)

Quo vadis Horst, quo vadis Peter

- Wo will ich eigentlich hin ?

 

 

 

 

Ohne Terminangabe, weil eigentlich dauernd im Gange ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal glaube ich selber immer noch nicht ... aber es stimmt, ich bin mitten dabei, mit starker Unterstützung (ganz erhrlich gesagt macht er die Hauparbeit) meines Freundes Andreas, einen Käfer zu restaurieren.

So ein Projekt hinterlässt natürlich Spuren, die sich in allen Lebensbereichen mehr oder weniger auffällig wiederfinden.

 

Ihr wisst nicht was ich meine ? - OK, ein paar Beispiele.

  • auf dem Nachttischchen haben die Käfer-Bücher die Krimis verdrängt
  • in die ebay-Suchmaske könnte ich eigentlich inzwischen "Käfer" als Suchbegriff starr eingeben
  • VW-Embleme und sonstige Zierteile haben sich still und heimlich überall in die jahreszeitliche Dekoration unseres Hauses eingeschlichen
  • die Adressen der größten Käferteilehändler kann ich inzwischen blind in den Browser tippen
  • Mein Sohn (9) kann inzwischen treffsicher Brezel, Ovali, Dickholmer, Standardkäfer und Breitmaulfrösche unterscheiden
  • meine Lieblingsfotoseite sind die Bildergalerien der Maikäfertreffen

die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen und zeigt eins: So ein Projekt macht man mit Haut und Haar oder garnicht.

 

Die ganze Stöberei und das Lesen der Käfer-Literatur weitet logischerweise den eigenen Restaurierungshorizont ganz gewaltig. Plötzlich stehen Fragen im Raum, die geradezu aus dem Käferhimmel herabzurieseln scheinen.

  • Soll er ganz original bleiben ?
  • wie weit gehen wir mit der Gründlichkeit der Restaurierung ?
  • wenn nicht gänglich original, wie dann ?
  • eher rattig cool ?
  • eher "Old-Style"-mäßiger Baujahresmix ?
  • vielleicht doch ein bisschen tiefer und breiter ?
  • Cal-Look ?
  • German-Look ?
  • einfarbige Lackierung oder Flanken andersfarbig ?

Fragen über Fragen ...

 

Zeit für ein paar Antworten

 

Nach all der Schmökerei, Leserei, Surferei und vielen Gesprächen mit Andreas schälte sich dann doch einigermaßen deutlich heraus, wo die Reise hingeht.

 

Das Auto soll gründlich restariert werden, sodass nicht in zwei Jahren schon wieder Handlungsbedarf an der Blechfront aufkommen dürfte.

Dabei soll aber soviel von der originalen Blechsubstanz erhalten bleiben und der Wagen darf seine Patina stolz tragen.

Ich möchte hinterher irgendwann einen Käfer fahren, der nicht steril "totrestauriert" ist, sondern die Geschichte eines Autolebens trägt, immer fast 40 Jahre. Mir sieht man meine 46 auch an. :cool:

 

Es wird keinerlei Tuning-Maßnahmen geben, also weder breiter oder tiefer noch leistungsgesteigert.

 

aaaber ...

in den Look der älteren Käfer habe ich ziemlich verliebt. Das ist nun beim 1302 bei der Außenansicht nicht passend und würde auch dem Anspruch viel von der Substanz des Autos zu erhalten, zuwiderlaufen. Wenn ich aber drinsitze sehe ich ja nicht wie von außen aussieht ... uuuund wenn ich ihn von außen ankucke, sehe ich nicht wie der Innenraum ausgestaltet ist. So kam es zu einer leicht schizophrenen Enscheidung. :cool:

Äußerlich wird er ein ganz braver originaler Breitmaulfrosch bleiben. Innen möchte ich aber später beim fahren ein möglichst fettes "Oldtimergefühl" haben. Es wird also ein richtig schlimmer Baujahresmix :D

 

 

Nach der Ernüchterung, die mir die Geschichte mit den hinteren Radhäusern beschert hatte, war ich in der Tat beinahe in meiner ersten Restaurierungskrise (wieviele wohl noch kommen werden ?). Da kam es gerade Recht, dass das Schweißgerät anderweitig gebraucht wurde und daher erstmal Dinge anstehen, die ohne Blecharbeiten anzugehen sind, Sachen, die Spaß machen. :)

 

Es ging also ganz konkret um die Planung der "Innenarchitektur".

Schon ganz zu Anfang des Projektes war mir im Rahmen eines netten Tauschgeschäftes ein wunderschönes silberbeiges Lenkrad zugelaufen. Hupenkontakt und Blinkerrückstellungsmimik anzupassen war eine nette kleine Bastelarbeit. Nachdem das zu meiner Freude einwandfrei funktionierte, war klar, dass das fürchterliche Gummipolstergedöns vom Armaturenbrett verschwinden muss. Hm ... der schwarze Tacho mit den waagrecht stehenden Zahlen, wollte dann auch so gar nicht mehr dazu passen. Also wieder die Käferbücher gewälzt - und siehe da. Es gibt genau das was ich möchte, nämlich einen Tacho mit integrierter Tankuhr für 12 Volt in diesem wunderschönen "Nadelstreifen-Stil". Leider sind die Dinger selten, weil sie wohl nur etwa ein Jahr verbaut wurden. Spannende ebay-Stunden brachten mir schließlich so ein Teil zu einem akzeptablen Preis.

Ein verchromter bzw. polierter Tachoring war auch schnell gefunden. Jetzt muss das Armaturenbrett natürlich auch eine Zierleiste bekommen, und zwar die alte mit der Kante.

Verflixt, hatte ich nicht in irgendeinem Buch ein Bild gesehen, bei dem eine Radioblende eingebaut war, die diese hübschen kleinen Zierleistenansätze hat, sodass die Zierleiste beim Radio keinen optischen Bruch bekommt ... und auch die fand sich schließlich und zwar deutlich günstiger als bei Oldtimerradio.de (die rufen nämlich 50 € für die Blende auf).

Und dann gibt es ja noch die ganzen netten Kleinigkeiten ... graue Mannschette für den Schalthebel und für die Handbremse, grauer runder Schalthebelknauf - ich sags ganz ehrlich, diese Sucherei, bei der man auch prima seinen Spieltrieb ausleben kann, hat meine Motivation für das ganze Projekt wieder aufgerichtet.

 

Beim Abmontieren der Gummipolsterung des Armaturenbrettes und dem Ausbau der "Lautsprechergitter" machte ich dann eine für mich völlig überraschende Entdeckung. Tatsächlich ist selbst im 1302 im rechten Gitter der Ausschnitt für die mechanische Tankuhr noch vorhanden. Die Idee da irgendwie eine Zeituhr einzubauen (weil die Tankuhr ja im Tacho ist) war sofort da. Das Ziffernblatt soll im Stil natürlich zum Nadelstreifentacho passen. Es gibt tatsächlich so eine Uhr als altes zeitgenössisches Zubehörteil aber die Preise, auweia, wenn man überhaupt eine findet. Also werde ich versuchen zu basteln. Eine Uhr, die vom Durchmesser her passt, Das Ziffernblatt wird selbst im Grafikprogramm gesetzt (siehe den ersten Entwurf im Bild 2 oben) und zwei alte mechanische Tankuhren werden irgendwie ein Gehäuse für die Eigenbau-Uhr ergeben müssen. Mal sehen ...

 

Erkenntnis des Tages: Ein Käfer ist immer individuell und gefallen muss er MIR. :D


17.09.2010 00:01    |    PeterHadTrapp    |    Kommentare (0)

Ende Juli 2010 - "da fliegt mir doch das Blech weg"

 

Inwzwischen war der Juli schon fast vorbei und es geht voran, aber leider doch deutlich langsamer als ich gehofft hatte.

Trotzdem ist es Zeit die Fortschritte zu protokollieren.

 

OK, die guten Nachrichten zuerst .... :(

 

  • die vorderen Radhäuser sind saniert
  • die Frontschürze ist ausgewechselt
  • die vorderen Kotflügelsschaubkanten sind repariert
  • die Trittbrettbefestigungsleisten sind repariert
  • die linke Wagenheberaufnahme ist entfernt und an den Stellen, an denen sie befestigt war, sind kleine Reparaturen erledigt

das hört sich jetzt erstmal nicht viel an, hat aber doch seine Zeit benötigt.

 

Tja ... also zu den schlechten ....

 

beim Entfernen der rostigen Bleche kommt leider doch immer mehr braune Pest zum Vorschein, teilweise leider under dicken Prestolith-Schichten verborgen. Die schlimmsten Stellen sind die Ecken hinten, dort wo B-Säule, Radhaus, Schweller (bzw. Heizkanal heißt das wohl beim Käfer) und Karosserieschraubkante zusammentreffen. Das Grauen hat sich hier bis weit in die Radhäuser hinein gefressen.

Wir Menschen neigen ja dazu, immer gerne einen Schuldigen zu suchen, wenn es richtig eng wird. Wir meinen den Bösewicht in Gestalt der Wasserabläufe des Schiebedaches gefunden zu haben. Die vier Leitungen waren einfach in die Schweller gezogen und endeten genau im Bereich A-Säulen-Basis und unteres C-Säulen-Ende. Das Wasser sollte offenbar durch die Ablauflöcher im Schweller abfließen, was vermutlich ungefähr eine Viertelstunde lang funktioniert hat. Danach haben diese Abläufe die vorderen und hinteren Enden der Schweller immer schön feucht gehalten. Die ständigen heiß-kalt-Wechsel durch die Heizungsluft haben sicher noch mitgeholfen, dass der Feind Nr. 1 aller Autos hier sein Werk gründlich verrichten konnte.

Blöderweise sind diese Stellen wirklich unangenehm zu reparieren, weil das Blechlabyrinth an dieser Stelle schon recht kompliziert ist und zusätzlich noch die Trennung zwischen Teilen, die zur Bodengruppe gehören und Teilen der Karosse zu beachten ist.

 

ABer es kam noch besser ... ich meine - schlimmer.

 

Im hinteren Radhaus ist ein Bereich, der sich Chassiaufnahme nennt. Hier stützt sich dieses seltsam geformte Teil ab, das die Abstützung für den Stoßdämpfer und die Wegbegrenzung für das Federschwert und äh ... also das auf dem vierten Bild eben ... *hüstel*

Eigentlich war die Stelle ja schon fertig, wie man auf dem Bildchen auch sehen kann. Leider hatten wir nicht genau genug hingekuckt. Aber der Reihe nach. Ich wollte also die Reste des Terosons entfernen, die Stelle gründlich reinigen und die gammelige Schraube entfernen. Nachdem nun die Schraube gelöst war, versuchte ich die harten verbackenen Krusten aus diesem "U" entfernen. Das ging schwer also holte ich mir einen Stechbeitel um richtig schaben zu könnten. Dabei ging ich dann mit ordentlich Druck in die Ecken, wo dieses "U" am Radhaus anliegt und dann kam es mir schon eigenartig vor ...

Das fühlte sich alles so seltsam teigig an und schien merkwürdig zäh auf Druck nachzugeben - hmmm.

Also das Rad nochmal runter, das Auto richtig hochgebockt, drunter gekrochen, eine Lampe von hinten über die Achse gefädelt und dann nochmal ganz genau von hinten geschaut. Dort fiel der Blick auf ein eingesetztes Blech, das das Radhaus nach unten abschließt und diese rund gebördelte Kante bildet, die ein bisschen wie eine Regenrinne aussieht. Tja, ich fand keine Schweißpunkte :eek:

Als nächstes habe ich dann mit einem kleinen Schraubenzieher angefangen an den Kanten dieses Blechs zu stochern und konnte den Schraubenzieher gegen Gummiartigen Widerstand zwischen die Blechschichten schieben. Das ganze Blech war nur mit Karosseriekleber angepappt - es gab keinen Schweißpunkt. Au Backe.

Also dieses Blech komplett entfernt und was ich dann sah, könnt ihr Euch wahrscheinlich vorstellen.

Ich war ziemlich bedröppelt.

Die sofortige Kontrolle auf der anderen Fahrzeugseite ergab einen ähnlichen wenn auch nicht ganz so schlimmen Befund. Du liebe Güte ...

 

Erkenntnis des Tages: Nichts ist so wie es scheint :(


16.09.2010 08:09    |    PeterHadTrapp    |    Kommentare (5)

Juni 2010 - Bestandsaufnahme

 

Um vernünftig am Auto arbeiten zu können mussten wir zunächst in der Halle das eine oder andere Fahrzeug und Fahrzeugteil bewegen und umsetzen. Nun hat der Käfer seinen Standplatz für die Restaurierung eingenommen und es ist Zeit für eine erste Bestandsaufnahme.

 

Zunächst mal die guten Nachrichten:

 

  • das Auto ist komplett, eher überkomplett, d.h. viele Teile sind zusätzlich vorhanden weil die Gang dort schon seit Jahren Käfer fährt und schraubt, sodass sich einige Dinge angesammelt haben, die vielleicht von großem Nutzen sein können und helfen den Etat in Grenzen zu halten. Es gibt vier gute Kotflügel, zwei davon Originalteile, zwei davon Repros. Ich habe über den Gewichtsunterschied gestaunt!
  • die Innenausstattung ist in hervorragendem Zustand. Der Wagen hat eine bordeauxrote Sitzgarnitur und Tür- und Innenverkleidungen in der gleichen Farbe. Alle vier Pappen sind praktisch ohne Beschädigung. Die Sitze sind nur wenig durchgesessen und bis auf einen kleinen Riß am Fahrersitz in der Nähe des rechten Klapp-Beschlages ohne Defekte.
  • Das Stahlschiebedach ist gut gängig, der Bereich darum herum rostfrei.

  • der 1302 bremst und fährt ausgezeichnet. Der Motor sprang nachdem er mit Strom und Sprit versorgt war sofort an, lief praktsich unmittelbar rund und gibt keinerlei verdächtige Geräusche ab. Der Kilometerzählter zeigt ~ 90.000 km an, der Erhaltungszustand der Sitze und der Pedalgummis deutet auf höchstens 190.000 hin, wenn nicht sogar die 90.000 stimmen, was nicht auszuschließen ist.
  • Die Lenkung zeigt praktisch kein Spiel, der Auspuff und die Heizbirnen zeigen sich in prima Verfassung. Die Kupplung wurde noch ca. 1 Jahr vor der Stilllegung getauscht. Stoßdämpfer und Federung machen bei der kurzen Probefahrt über den Feldweg einen guten Eindruck.

 

So zeigt sich der fast Vierzigjährige als mechanisch-technisch gesund. Teure bzw. schwer aufzutreibende Originalteile wie Innenausstattung, Teppiche, Sitze sind prima erhalten.

 

Die weniger guten Nachrichten sind von der Blechfront zu vermelden. Die Bestandsaufnahme ergab hier einen eher unerfreulichen Befund.

 

  • alle vier Ecken des Häuschens (also da wo die A-Säulen und die C-Säulen auf die Schweller bzw. Unterkante der Karosserie treffen sind grobe Durchrostungen.
  • die Frontschürze ist praktisch nicht mehr vorhanden.
  • die Entspitzen der vorderen Radhäuser sind im Anschlußbereich zur Frontschürze großflächig weggerostet
  • die Warmlufkanäle sind beiderseits im hinteren drittel zum Fahrgastraum hin durchgerostet
  • der Scheibenrahmen der Frontscheibe hat im Bereich der Ablauflöcher mehrere Durchrostungen
  • die hinteren Endspitzen wurden bereits früher mal neu eingeschweißt, leider sind die alten Rostbleche offenbar noch darunter, sodass hier auch Handlungsbedarf besteht
  • alle vier Kotflügelschraubkanten sind deutlich reparaturbedürftig
  • die Trittbrettbefestigungskanten haben im hinteren und mittleren Bereich Durchrostungen

 

Es gibt aber auch von der Karosserie durchaus positives zu berichten:

 

  • Interessanterweise scheint aber der Rostfraß irgendwie den Sprung vom Häuschen auf die Bodengruppe nicht geschafft zu haben.
  • das Bodenblech hat nur im Bereich der Wagenheberaufnahmen kleinere Rostschäden.
  • der gesamte Kofferraumboden ist gesund
  • die Reserveradmulde ist praktisch rostfrei
  • der Rahmenkopf sieht hervorragend aus

 

eine erste vorläufige Liste dessen, was auf jeden Fall besorgt werden muss lässt sich auch schon beginnen:

  • zwei gute Stoßstangen
  • Kotflügelkeder
  • Zierrahmen für die Scheibendichtung von Windschutz- und Heckscheibe
  • einige Reparaturbleche

 

erstes Fazit:

es wird ein überschaubares Projekt, das in meinem finaziellen Rahmen bleiben dürfte, wenn wir die Kirche im Dorf lassen und mit Augenmaß restaurieren.

Das Ziel, das Auto dieses Jahr noch fahrbereit und TÜV-fertig zu kriegen erscheint nicht völlig unmöglich. Als nächstes wird darüber nachzudenken sein, wie hoch der Anspruch an die Restaurierung wird, welche Kompromisse wir eingehen wollen (oder eben nicht) und welche Ausgestaltung das Auto bekommen soll.

 

Erkenntnis des Tages: Ich freue mich wie ein kleiner Junge :cool:


16.09.2010 00:16    |    PeterHadTrapp    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: Käfer, Karosseriearbeiten, Restaurierung, Schweißen

30.05.2010 Wie es anfing

 

Manchmal passieren die wunderlichsten Dinge im Leben ...

 

In jungen Jahren *räusper* habe ich mit Leidenschaft an alten Autos geschraubt, damals waren es 02er BMWs. Nun hat mir gut 20 Jahre später eine Laune des Schicksals einen neuen sehr sehr guten Freund ins Leben geschickt, der fährt Käfer.

Und ebendieser Freund hat mich irgendwann im Winter 2009/2010 gefragt, ob ich ihm mal abends nach Dienstschluss zwei Stunden räumen helfen könnte, sie hätten da eine Halle gemietet, dort im Dorf sei am Wochenende Sperrmüll und es gäbe einiges zu räumen. Als ich in der Halle gewesen bin, müssen meine Augen wohl größer und größer geworden sein. Wir kamen ins Reden, ich erzählte von früher und merkte dabei selbst überdeutlich, dass der ungelebte Traum, nochmal ein schönes altes Auto zu fahren in mir noch ganz schön lebendig war.

Zu dieser Zeit kam es dann dazu, dass ich immer mal mit dem Käfer meines Freundes fahren durfte und es ist wohl wieder sehr deutlich zu sehen was für einen Riesenspaß mir das machte. Irgendwann im gerade zart beginnenden Frühling 2010 erzählte er mir dann, dass er noch einen zweiten Käfer stehen hat und dass er einfach nicht dazu kommt und auch nicht die nötige Motivation hat noch einen Käfer für sich herzurichten, warum auch, er hat ja einen prima 1302 im Einsatz. Vielmehr sei der andere auf dem besten Weg dazu eine bedauernswerte "Restaurierungsleiche" zu werden, die vor sich hinsteht und dabei nicht besser wird. Tatsächlich fragte er mich ob ich nicht Interesse hätte diesen zweiten VW mit ihm zusammen in Angriff zu nehmen, vielleicht könnte ich ihn ja dann fahren wenn wir ihn fertig hätten.

Wahrscheinlich kann sich niemand vorstellen wie sehr ich mich über dieses Angebot gefreut habe und immer noch jeden Tag neu freue. Selbstredend HATTE ICH INTERESSE :cool: und konnte den Tag kaum erwarten, an dem das Projekt beginnen würde.

 

Nun bekomme ich also wieder einen 02, aber diesmal einen, der den Motor hinten hat ! ;)

 

Die ersten Bilder hier zeigen den Tag, an dem der Käfer von der Garage, in der er darauf wartete von seinem Prinzen wachgeküsst zu werden, in die Halle gebracht wurde, in der er nun hergerichtet werden soll.

 

Es ist ein relativ exotischer 1302, nämlich ein 1302L der ab Werk mit dem 34PS-Motor geordert wurde. Die Erstbesitzerin hat dafür Aufpreis bezahlt !! An diesem Tag bekam er auch seinen Namen: HORST.

 

Erkenntnis des Tages: Käfer fahren macht gute Laune :cool:


Blogautor(en)

PeterHadTrapp PeterHadTrapp

1302 L

VW