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18.11.2014 02:02    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Gebrauchtwagen, Megane, Renault, Sonstiges

Selbstgespräche

 

'Mag er mich nicht? Langweile ich ihn? Warum gibt er mich denn schon ab? Manchmal verstehe ich diese Menschen nicht. Der eine scheint untrennbar mit seinem Auto verknüpft zu sein, während der nächste seine Fahrzeuge unentwegt wechselt. Manch einer soll sogar Autos horten; habe ich gehört!

 

Wir Automobile sind eigentlich sehr treue Begleiter. Wenn wir in eine Familie aufgenommen werden, dann geben wir unser Bestes, damit unser Besitzer auch ja zufrieden ist. Und wenn unser Besitzer zufrieden ist, dann sind wir es auch. Bekommen wir auch noch die nötige Pflege, so werden wir zu den glücklichsten Autos der Welt. Das ist wie bei Hunden. Ja genau, Automobile sind wie Hunde; denke ich. Der treue Begleiter durch dick und dünn.

 

Natürlich hat das ein oder andere Auto die ein oder andere Macke. Aber die kann auch der Hund haben. Getauscht wird trotzdem nur das Auto. So wie ich es wurde. Ob das wirklich daran lag? War ich nicht Hund genug? War ich zu teuer? War ich zu hässlich?

 

Vorletztes Jahr im Mai, da stand ich wieder bei meinem ersten Besitzer auf dem Hof. Früher durfte ich Kunden von ihm nach Hause begleiten, wenn deren Autos zum Doktor mussten. Bis eines Tages ein Kunde sein Automobil nicht mehr wieder mit nach Hause nehmen wollte. Es war sehr krank. Mein Besitzer machte mich damals sehr traurig. Er sagte, dass der Mann mich haben könne. Einfach verkauft hat er mich. Nach allem, was ich für ihn machen durfte.

 

Somit durfte ich einen Kunden für immer mit nach Hause besuchen; dachte ich zumindest. Ich habe mich sehr schnell an ihn gewöhnt, ein sehr netter Mann war das. Und ich war bereit ihn zu begleiten, bis ich es nicht mehr schaffe.

 

Doch viereinhalb Jahre nach meiner Geburt, Anfang 2012, wurde ich wieder von einem Menschen enttäuscht. Der Mann fuhr mit mir zu meinem ersten Besitzer und ich freute mich ihn wieder zu sehen. Er begutachtete mich auch ausgiebig. Das war ein tolles Gefühl.

Langsam begriff ich auch, dass ich mich wohl von dem netten Mann verabschieden muss; was mir jedoch nicht sehr schwer fiel, da ich ja nun wieder zu meinem Erstbesitzer zurückkehren werde. Vielleicht darf ich wieder Kunden nach Hause begleiten, wer weiß?! Die Enttäuschung kam dann sehr schnell.. Stehen.. Stunden. Tage. Wochen. Einfach nur Herumstehen.

 

Er hat mich nicht gekauft, um mit mir die alten Zeiten aufleben zu lassen. Er hat mich gekauft, um mich gleich wieder zu VERkaufen. Welch' eine Enttäuschung. Und so stand ich nun da; Tag ein Tag aus, bei Wind und Wetter, Sonne und Regen. Ich, ein schöner blauer Renault Megane stehe nur da und warte. Warte auf Bewegung. Warte auf den nächsten Sonnenschein. Warte auf einen Menschen, der gewillt ist mich zu erlösen. So wie die anderen. Meine fernen Verwandten, die hier neben mir stehen und mit mir warten.

So kam es dann eben, dass eines Freitags im Mai zwei Männer in einem kleinen blauen Chevrolet Matiz vorfuhren. 'Schöne Farbe', dachte ich mir. Und ja, sie schienen Interesse an mir zu haben. Endlich! Endlich jemand, der mich erlöst.

 

Sie begutachteten mich kurz von außen, um dann schnurstracks im Gebäude zu verschwinden und 2 Minuten später mit dem Sohn meines ersten Besitzers und roten Kennzeichen in dessen Händen wieder herauszukommen.

 

Meine Vorfreude wurde derweil immer größer. Endlich durfte ich mich wieder bewegen. Den Motor starten, den Asphalt unter den Reifen spüren, mich in die Kurven legen. Dafür wurde ich doch gebaut! Genau dafür!

Ich bin kein Sportler, aber komfortabel. Und das fanden wohl auch die beiden Männer so. Auf jeden Fall besser als ein Matiz. Von meinem Platzangebot im Vergleich zu der Flunder mal ganz zu schweigen.

Es ging alles letzten Endes ziemlich schnell. Die Probefahrt war mir viel zu kurz, jedoch tröstete ich mich damit, dass ich nicht mehr für unbestimmte Zeit hier herumstehen muss. Oder besser gesagt, ich hoffte es. Denn als die Männer wieder fuhren, da verabschiedeten sie sich mit 'Bis Montag'. War ich schon gekauft? Werde ich Montag abgeholt? Wieso nehmen sie mich nicht jetzt schon mit? Hoffentlich habe ich mich nicht zu früh gefreut..

 

Also hieß es wieder warten. Warten auf ein Wiedersehen. Freitag, Samstag, Sonntag. Endlich, endlich war Montag. 8 Uhr, 9 Uhr, 10 Uhr...keiner erschienen. 11 Uhr, 12 Uhr, 13 Uhr...immer noch niemand da. 14 Uhr, 15 Uhr, 16 Uhr...ich gab die Hoffnung auf. Sie werden wohl angerufen haben; wollen mich nicht haben. 17 Uhr, 18 Uhr, 19 Uhr...das Autohaus schließt. Und ich schlafe mit Tränen in den Augen ein..

Wieder enttäuscht worden. Eine einzige Traurigkeit dieses Autoleben. Wie soll ich je wieder vertrauen fassen in die Menschen?

 

Ganz einfach: Indem sie einen eines besseren belehren! 8 Uhr in der Früh, Dienstag. Ich werde in die Werkstatt gefahren. Was ist denn jetzt los? TÜV. Und einen neuen Zahnriemen bekomme ich auch noch. Mein Intervall ist doch noch gar nicht so weit. Das wäre erst später fällig gewesen. Wer macht denn sowas?

Die Antwort auf diese Frage beantwortete sich nachmittags. Mittlerweile zierten mich an Heck und Front nagelneue Kennzeichen und ich wurde vor dem Haupteingang des Autohauses abgestellt. Wieder warten. Warten auf meinen wohl neuen Besitzer. Und dann sah ich ihn auch schon anrollen. Die kleine blaue Flunder mit dem goldenen Bowtie auf der Haube. Am Steuer der ältere der beiden Männer. Alleine kam er her; parkte den Matiz direkt neben mir und betrat das Autohaus für eine gewisse Zeit. Diese kurze Gelegenheit nutze ich und unterhielt mich mit meinem Farbenvetter. Dieser berichtete traurig, dass er erst ganze zweiundhalb Jahre bei der Großmutter meines neuen Besitzers lebte und dann lediglich ein dreiviertel Jahr bei ebendiesem. Eine viel zu kurze Zeit wie wir beide fanden.

Über viel mehr konnten wir uns nicht austauschen, denn der Mann, es war des neuen Besitzers Vater, kam sehr schnell wieder aus dem Autohaus und fuhr mit mir davon..

 

Einundhalb.. Einundhalb ist die Zahl, die mich beschäftigt. Einundhalb ist das doppelte von dreiviertel. Und dreiviertel, dass war die Zahl die den blauen Matiz beschäftigte. Dreieinviertel Jahre war er im Besitz des jungen Mannes. Und einundhalb Jahre war ich es. Einundhalb Jahre voller Geschichten und Erlebnisse. Und trotz allem wurde ich verkauft. Verkauft und ersetzt. Durch einen Größeren, durch einen Stärken, durch einen Schnelleren. Scheinbar war ich wirklich nicht gut genug. Oder ich hatte einfach Pech. So bin ich eben an keinen Besitzer gestoßen, der Autos hortet oder der von seinem Automobil untrennbar zu sein scheint. Vielleicht hat mein Nachfolger mehr Glück. Ich hoffe für ihn, dass er vielleicht wiederum das Doppelte schafft. Drei. Drei soll die Zahl sein, die ihn beschäftigt.'

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25.05.2014 02:10    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (18)    |   Stichworte: Chevrolet, KLAK, Matiz, Sonstiges

Quelle: privatQuelle: privat

Der Chevy, der kein Chevy ist.

 

Chevrolet Impala, Chevrolet Caprice oder auch der Chevrolet Camaro. Alles tolle Modelle in der Historie des Herstellers. Wer würde nicht gerne einen Chevy sein Eigen nennen? Und dann noch als sein allererstes Auto?

Ich hatte dieses 'Glück'. Wer meinen ersten Blogartikel gelesen hat, der kennt allerdings schon den Haken. Dieser Chevrolet hat mit den anfangs aufgeführten Modellen so wenig zu tun wie Daniela Katzenbeger mit Kompetenz oder Nordkorea mit der Außenwelt.

 

Ein Chevrolet Matiz ist kein Chevrolet. Diese zwei Wörter darf man eigentlich garnicht in einem gemeinsamen Satz verwenden. Das haben weder Chevrolet, noch der kleine Matiz verdient.

 

Der Matiz wurde 1998 als Nachfolger für den eher in den Osteuropäischen Ländern bekannten Daewoo Tico eingeführt. Er ist also ein gebürtiger Daewoo. In Folge von Finanzproblemen Daewoos übernahm GeneralMotors im Jahre 2002 mit unter anderem Suzuki die Mehrheit an Daewoo und 2005 dann alleinig mehr als 50% der Anteile. Im Jahr zuvor begann GM bereits damit, alle ursprünglich unter Daewoo laufenden Fahrzeuge auf dem europäischen Markt unter dem Markennamen Chevrolet zu vertreiben. Beim Stiefkind Matiz wurden folglich quasi nur andere Logos angebracht als noch im Jahre davor und das war es auch schon. Die Modellpflege ließ allerdings auch nicht lange auf sich warten. Anfang 2005, noch vor der alleinigen mehrheitlichen Übernahme von Daewoo, kam die zweite Generation auf den Markt, der auch mein Fahrzeug angehörte.

 

Der 1.0-Ltr-Motor bietet ganze 67PS, die einen in 14,1 Sekunden von 0-100km/h befördern. Das perfekte Stadt-Auto. Leider wohne ich auf dem Land. Und die doch recht hügelige Gegend machte dem Auto zu schaffen. Als Wanderbaustelle hatte man keinerlei Respekt anderer Autofahrer zu erwarten. Aber Hand aufs Herz: Wer kann beim Hinterherfahren schon ein Fahrzeug ernstnehmen, welches von der Fahrzeugbreite her gefühlt nur die halbe Fahrspur einnimmt. Und die 'Fahrradreifen' taten ihr übriges. In Verbindung mit den Glubsch-Rückleuchten war das ein prächtiges Bild und ich muss auch heute noch schmunzeln, wenn ich mal wieder einen Matiz in freier Wildbahn sehe. :D

Das Positive an der Sache: Ich besaß die oben genannte (ich mag es kaum so nennen: ) Topmotorisierung. Die einzige andere Variante war ein 0.8-Ltr-Motörchen mit 52PS.

 

Beim allerersten Auto zählt meiner Meinung nach eher das Mobilitätsargument. Und man ist auf jedes Feature stolz wie Oskar. :D Mein Matiz hatte zum Beispiel ein Blaupunkt-Radio ab Werk. Das hatte zwar nichts zu bedeuten, da die Boxen vollkommen für die Katz waren und man den Sinn solcher Radios in solch einem Auto hinterfragt hat; aber es konnte MP3-CDs abspielen und das war mir viel Wert. Besonders wenn man mit Freunden unterwegs war.

Ich war einer der ersten, die alleine Auto fahren durften und da ich Spaß am Auto fahren habe, welches Auto auch immer ich nutzen durfte, habe ich mich meistens als Fahrer im Freundeskreis zur Verfügung gestellt. Das ist bis heute so.

 

Und ich habe meine festen Regeln:

1. Shotgun-Regeln gibt es bei mir nicht.

2. Anschnallen oder Laufen.

 

Wenn man sich nun die Größe des Autos in den Sinn ruft und sich dessen bewusst ist, dass nicht jeder ein Hungerhaken ist, dann ist das Einsteigen noch das kleinste Problem. Der Spaß beginnt erst, wenn man Regel 2 durchsetzen muss. Unsere Versuche, mit 5 Leuten loszuziehen liefen also immer nach dem gleichen Schema ab:

 

1. Alle steigen ein.

2. Türen werden geschlossen. Hinten schon etwas schwieriger, denn wenn derjenige mit den breitesten Schultern außen saß, dann ging die Tür definitiv nie beim ersten Versuch zu.

3. Fahrer- und Beifahrer schnallen sich an.

4. Mein Lieblingsmoment: Ich drehe mich nach hinten, gucke die drei erwartungsvoll an, sehe in fragende Gesichter und verkünde die beliebten Worte 'Bitte Anschnallen'.

5. 'Alter', 'Das ist jetzt echt ein Scherz', 'Na das wird ein Spaß', 'Du wieder mit deinem Anschnallen', 'Wir sitzen hier wie die Sardinen in der Dose. Uns kann garnichts mehr passieren, weil wir und niemals enthaken könnten.'

6. Türen wieder auf. :D

7. Je nach Tagesstimmung dauerte es dann schonmal 1-3 Minuten bis die drei auf der Rückbank sich in Teamarbeit angeschnallt haben.

8. Türen wieder irgendwie schließen und ab geht’s.

 

 

Man muss dem Auto lassen, dass es mich nie im Stich gelassen hat. Und der 8-Liter-Verbrauch kam auch durch solch vollbesetzte Fahrten in unserer hügeligen Gegend zu Stande. Und es gibt unvergessene Momente. Unvergessen, wenn...

 

… man die Musik etwas lauter stellt, dann ein bekannter Song kommt, dessen einsetzender Bass jeden Moment auftaucht, alle gespannt darauf warten und dann der schlimmste 'Bass' den wir je hörten aus den Boxen kommt. Das Radio hatte zwar wie jedes andere eine Bass-Einstellung, aber damit konnte man lediglich 'wenig Lärm' und 'viel Lärm' einstellen. :D

 

… man vollbesetzt mit 100km/h im 5ten Gang auf der Landstraße fährt, kurz vor einem Hügel aus weiser Voraussicht nicht in den 4ten, sondern in den dritten Gang schaltet....und trotzdem deutlich langsamer wird. 'Ey, deine Anzeige sinkt'. 100...90...80...70...65...die 65 konnte man dann halten. Man muss Humor haben mit solch einem Auto. :D Auch...

 

...wenn man seinen Kumpels mal den Crashtest vom Matiz zeigt. :D 'Wenn wir damit irgendwann mal ein Reh umnageln, dann läuft es danach wieder normal weiter und wir liegen stattdessen da im Graben. Ob ich nochmal bei dir mitfahren will?' ..Und ja, das wollte er.

 

Der Chevrolet Matiz war insgesamt knapp drei-einviertel Jahre in unserem Besitz. Erst bei meiner Oma, und das letzte dreiviertel Jahr in meinem Besitz. Es hat mir treue Dienste erwiesen, stand im Prinzip nicht in der Werkstatt und hat mir aufgrund seiner 'Größe' und 'Leistung' viele Momente beschert, an die ich mich noch lange erinnern werde. Das wird sicherlich vielen so mit ihren ersten Autos gegangen sein, da diese grundsätzlich ja eher schwach- als starkmotorisiert sind.

Mir hat der Matiz dann letztendlich nicht mehr gereicht. Nach dem angesprochenen Dreivierteljahr musste etwas größeres her. Die blaue Flunder wurde letztlich durch einen blauen Meggi ersetzt. Einen metallicblauen Renault Megane II 1.6. Doch dazu ein andermal mehr.

 

Was war euer erstes Auto? Habt ihr es wie ich von der Familie geschenkt bekommen oder von eurem eigenen Geld gekauft? War euer erstes Auto für andere Verkehrsteilnehmer auch eine Wanderbaustelle oder wart ihr 'der andere Verkehrsteilnehmer'?

 

Welche Geschichten verbindet ihr mit eurem ersten Auto?

 

Hakuna Matata

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17.03.2014 20:06    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (16)    |   Stichworte: Chevrolet, Gebrauchtwagen, KLAK, Matiz, Sonstiges

Quelle: privatQuelle: privat

Die blaue Flunder

 

Oma braucht ein neues Auto.

Und damit herzlich Willkommen in meinem Blog:

 

"Keine Ahnung und doch ein Auto. - Erfahrungen eines Unerfahrenen."

 

Wir schreiben den Dezember 2008, als sich der bis dato doch recht zuverlässige schwarze Twingo meiner Oma mit Motorenproblemchen in die Werkstatt verabschiedet. Hier und da die üblichen Parkrempler und der obligatorische dicke Kratzer mitsamt eingedrücktem Blech auf der rechten Seite heckwärts der Beifahrertür, was der Parksituation in unserem Hof geschuldet ist. Diese wurde schon dem Vorgänger-Corsa in selber Weise zum Verhängnis. Es braucht ja wiederkehrende Elemente im Leben. :D

 

Der Tankdeckel des Twingos wollte dadurch nicht mehr über längere Distanz in der vom Erfinder ursprünglich angedachten aerodynamisch optimalsten Position bleiben, sondern stellte sich nach spätestens fünf Kilometern in den Wind, wie wir es sonst von Hunden am offenen Seitenfenster aus Hollywood kennen. Wir ließen ihm den Spaß. Ansonsten stand der Renault nämlich noch gut da. Er lief und lief.

 

Was die Motorenprobleme verursachte ist mir entfallen, doch waren sie leider so gravierend, dass ein neues Auto hersollte. Kriterium: Klein. Und natürlich im Budget.

 

Da niemand Lust hatte Händler abzuklappern, wurde im Internet Ausschau gehalten. Von mir. Wie auch bei allen anderen Dingen, die meinen Großeltern in den Sinn kommen und nicht über Kataloge bestellt werden können. Beziehungsweise 'ist im Internet doch alles viel billiger!' - 'Nein Oma, dies und das bekommst du wo anders sicherlich billiger.' - 'Okay. … Schaust du trotzdem mal nach? :) '.

 

 

Autos fand ich schon immer interessant. Jedoch nur, bis man die Motorhaube öffnet; um es mal symbolisch darzustellen. Daher auch der Blogtitel. Ich behaupte Autofahren zu können, aber von der Technik habe ich Ahnung wie Pinguine von der Wüste. Ich definierte Automobile damals über das Design. Und ich war erst 15. Entsprechend suchte ich auch in den einschlägigen Autobörsen. Budgetbereich eingegeben. Häkchen bei Klein- und Kleinstwagen. Suche starten. So ein Kleiner wird schon nicht viel verbrauchen, also wird man da nicht drauf achten müssen und was soll der auch sonst für Macken haben? Was gefiel wurde näher betrachtet. Ich konnte mit der Zeit auch überzeugen, dass ein Kleinstwagen reichen würde. 'Einen Kleinwagen brauchst du nicht.' Mein Faible für (wie sagt man heutzutage so schön:) 'Anti-Mainstream-Autos' sorgte dann letztendlich auch dafür, dass wir losfuhren und uns einen metallicblauen Chevrolet Matiz ansahen. Den sieht man nicht so oft, wie den Corsa oder gar den Twingo. Ehrlich gesagt war mir dieses Modell sogar bis zum Auffinden in der Autobörse gänzlich unbekannt.

 

Auf den Fotos sah der Wagen top aus, er passte ins Budget. Erstzulassung 12/2007. 1500km auf der Uhr. 1500km in einem Jahr? 'Erstmal anrufen. Der hat sich sicherlich vertippt!' Meinem Vater das Inserat gezeigt und das Telefon in die Hand gedrückt. Der Anruf folgte zugleich. Und nada. Nichts. Der Verkäufer bestätigte die geringe Fahrleistung! Es wäre das Fahrzeug seines Vaters gewesen und der war nicht viel unterwegs.

 

Das Interesse unsererseits wurde natürlich größer, und wir vereinbarten einen Termin für den 27.12. Der nächste Samstag sollte es also werden. Auf den Bildern des Inserats gefiel das Auto meiner Oma, und somit fuhren lediglich mein Vater, Opa und ich an jenem Samstag die 1,5h gen Duisburg. Vereinbarte Zeit: 12 Uhr. Ankunft: 11:45Uhr. Da der Verkäufer bereits am Telefon mitteilte, dass es das Auto seines Vaters war und er selbst nicht in der Nähe wohnte warteten wir die 15 Minuten einfach ab. Früher aus dem Haus gehen wird er ja nicht können. Es müsste schon unterwegs sein. Teleporter wurden auch noch nicht erfunden. Und so konnten wir die letzten Sonnenstrahlen genießen. Es war wirklich herrliches Wetter. Das Einzige, das uns langsam zweifeln ließ, war das Viertel an sich. Dreck wo man hinsah. Und während wir die Passanten beobachteten bekräftigte sich der Verdacht immer mehr, dass dies wohl ein eher sozialschwächeres Viertel sein muss. Wir selbst kommen vom Lande, von daher war es ziemlich ungewohnt. Und hier soll ein altes Ehepaar gelebt haben?

 

Der Verkäufer, nennen wir ihn Frank, erschien dann pünktlich. Am Telefon wirkte er sehr nett. Und dies bestätigte sich dann auch beim Aufeinandertreffen. Er führte uns auch gleich in den Hinterhof und ging zielstrebig auf eine der zig Garagen zu, während er begann uns die Geschichte des Wagens zu erläutern.

Seine Mutter hatte den Wagen vor einem Jahr als Neuwagen gekauft. Ehe wir etwas sagen konnten, hatten wir auch schon den Original-Kaufvertrag in der Hand. Nach einem kurzen Blick darauf, erzählte er weiter: Gesundheitlich ging es der Dame leider immer schlechter und sie verstarb im Sommer. Daraufhin wurde das Fahrzeug nur noch von ihrem Mann bewegt. Die geringe Kilometerlaufleistung kam zu Stande, da der Wagen lediglich für Einkaufsfahrten genutzt wurde. Da waren wir mal gespannt, ob der Zustand des Fahrzeugs dies bestätigen konnte.

 

Das Garagentor war mittlerweile geöffnet, Tüten mit undefiniertem Inhalt auf Seite geräumt und Frank hatte sich irgendwie in dieses Auto gequetscht. Es sah aus, als ob neben dem Auto auch der Hausrat einer kompletten Wohnung in dieser Garage Platz gefunden hätte. Er fuhr das Auto heraus und wir machten uns einen ersten Eindruck. Der Lack sah in Ordnung aus. Der Innenraum auch. Einmal waschen und er stände da wie ein Neuwagen. Die 1500km konnte man getrost glauben.

Aber wieso sollte man einen solchen Wagen verkaufen? '2008 war nicht unser Jahr. Der Tod meiner Mutter hat unsere Familie schon ziemlich mitgenommen. Besonders meinen Vater. Als hätte das nicht schon gereicht, nahm uns das Schicksal ihn auch noch. Er verstarb Ende November.', erzählte Frank weiter. Solche Geschichten muss man auch als Außenstehender erst ein mal verarbeiten. 'Aus der Wohnung haben wir schon alles herausgeschafft. Das meiste lagert nun hier in der Garage, wie euch sicher aufgefallen ist. Aber nun wollen wir es abschließen. Wir schauen, was wir davon verkauft bekommen, der Rest kommt weg. Das Auto macht dabei den Anfang. Wir benötigen so einen kleinen Wagen nicht. So gut er auch dastehen mag. Also, wie schaut es aus?'

 

Der Wagen sah gut aus. Seine Geschichte klang plausibel. Der Preis war sehr gut. Es sprach nichts dagegen. 'Wann können wir ihn abholen?'

Somit einigten wir uns darauf, dass wir ihn am ersten Arbeitstag der Zulassungsstelle im neuen Jahr ab- und anmelden würden und ihn am Tag darauf abholen. Wir waren froh, so einen schönen Wagen zu guten Konditionen bekommen zu haben und der Verkäufer, den Wagen loszuwerden. Sogar fast zu seinem Inseratspreis.

 

Silvester war dann auch schnell herum und das Anmelden funktionierte ohne Probleme. Somit machten sich mein Vater und Opa ein weiteres mal auf den Weg. Diesmal um den Matiz abzuholen. Viel zu erzählen gibt es darüber allerdings nicht. Die Autobahn ist zwar nicht sein Zuhause, aber angekommen sind alle heile. Und als er dann endlich im Hof stand, war auch die Oma zufrieden.

 

Es gibt nurnoch 2 Dinge zu erwähnen. Merke:

 

1) Ein Auto ist nie individuell genug. Auch der Matiz blieb nicht vom schönen langen Kratzer auf der rechten Seite heckwärts der Tür verschont. :D

2) Wenn du fünfzehn-einhalb Jahre alt bist und deiner Oma ein Auto suchen sollst, dann könnte dir schon mal klar werden, dass dies eventuell mal dein erstes Auto wird. Bei mir ging das Licht ein halbes Jahr später auf. Vielleicht wäre es ja doch eher ein Kleinwagen geworden? Aber einem geschenkten Gaul, schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Und er hat mir viele lustige Geschichten beschert, die mir und meinen Freunden unvergessen bleiben werden. :)

 

To be continued..

 

Hakuna Matata

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