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MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

10.04.2017 17:40    |    fate_md    |    Kommentare (16)

Die Menschheit schrieb das Jahr 2016. Irgendwann im Herbst, tendenziell Oktober. Die KLE war komplettiert, etwas gefahren und in ihrem fertigen Zustand schlagartig langweilig geworden, da sie den Basteltrieb nicht mehr bediente. Nach kurzer Inseratszeit in den einschlägigen Onlineportalen war rasch ein neuer Besitzer bzw. in diesem Fall Besitzerin gefunden und binnen weniger Tage war der Platz in der Halle geräumt. Nun war aber auch mein daily driver weg und der Platz vor dem Fenster so leer, das durfte nicht lange so bleiben. Wieder Mopped mit eigentlich unnötig viel Kraft und viel Schalterei wollte ich nicht. Ausser eine NC 700 / 750 mit DCT, die waren und sind mir nebenbei als Viertfahrzeug dann einfach noch zu teuer. Es sollte wieder was für den ganz kleinen Geldbeutel werden, notfalls auch mit etwas Reparaturbedarf.

 

Zählt man die Anforderungen zusammen, kommt da eigentlich nahezu zwingend immer wieder ein Roller bei raus. Irgendwie fürchterlich langweilig, aber für schnelle und preiswerte Mobilität innerhalb der eweiterten Stadtgrenzen eigentlich optimal. Nur halt hässlich. Zu so einer Vernunftsentscheidung war ich schonmal gekommen, damals war es dann ein Yamaha X-City 250 geworden. Bequem, verflucht nochmal schnell genug und auch im Unterhalt sehr sehr günstig. Aber auch ein Riesentrumm. Damit könnte man auch bequem zu zweit Touren fahren, wenn dann wohl auch die 21PS irgendwann etwas dürftig werden könnten. Machte man ja aber eh nicht, dafür gab es viel bessere Alternativen in der Halle. Mit um die 170kg war das Ding auch nicht viel leichter als ein "richtiges" Mopped und als dann die Lust auf was Neues kam, tat die Trennung gar nicht mal so weh.

 

Ich wollte dieser Fahrzeuggattung aber nochmal eine Chance geben, dieses Mal aber in kleinerer Dimension. Ganz klein, also 50ccm mit Versicherungskennzeichen, verbietet sich aufgrund der dämlich niedrig reglementierten Höchstgechwindigkeit dieser Dinger. Eine Benutzung vom Stadtring (Kraftfahrstraße) wäre verboten und die Nutzung von größeren Verbindungsstraßen in den Speckgürtel der Stadt wohl ein Himmelfahrtskommando gewesen. Drehen wir also etwas am Attribute-Equalizer und schubsen den Regler "Hubraum" eine Stufe nach oben, auf 125ccm. Als Leichtkraftrad steuerfrei und in der Versicherung aberwitzig günstig. Die Auswahl ist riesig, aber auch viel mit "ich muss meinen Schrott noch gegen Geld loswerden" durchmischt. Ältere Großroller mit Kofferraum à la Hexagon oder Majesty, asiatische "Tuning" Plastiktzwerge mit unaussprechlichen Namen aber dafür LED Gedönse und Handy Anrufmeldung im Cockpit, nahezu neue HighTech Roller mit ansehnlichen Details, aber viel zu großen Zahlen auf den Preisschildern und so manchen heiß gemachten Zweitakter, oft auch mit größerem Zylinder sowie einige E-Roller mit verdächtig wenig Kilometern auf dem Tacho. Da muss man für sich selbst tatsächlich erstmal überlegen, was man denn will.

-Stauraum Monster mit Kofferraum? Nö!

-Chinakracher mit bunter Lackierung? Kann gut gehen (hatte ich mal recht stressfrei als Fuffi, kann aber auch ein Fass ohne Boden werden. Also auch nö.

-neuwertigen Einspritzer mit Schnickschnack? Gerne, aber zu teuer, also nö.

-Zweitaktrenner? Sicher lustig, aber tendenziell arbeitsintensiv. Mangels Erfahrung auf dem Gebiet auch ein nö.

-E-Roller? Klingt verlockend, alle angebotenen hatten aber immer extrem wenig Kilometer drauf oder "nur" eine defekte Batterie. Für Laternenparkerdasein auch eh die falsche Antriebsart, also auch nö.

 

Es soll also was stinknormales werden, nicht zu groß, 4 Takter, optional etwas Gepäckraum, dies lässt sich aber bei fast allen Rollatoren durch ein Topcase realisieren. Wenig Gewicht wäre noch gut und eine Optik die einem nicht sofort das Mittagessen wieder hoch treibt. Unter diesen Aspekten wird die nahezu gigantische Ergebnismenge plötzlich ziemlich überschaubar. Da ich für ein u1000 Gefährt nicht quer durch die Republik fahren möchte, musste man sich also mit dem zufrieden geben, was angeboten wurde. Die Schnittmenge des Ganzen war dann auch bald gefunden, in Form eines Kymco Agility 125. Rund 6tkm, fast 18 Monate HU, nicht unendlich weit weg, Gepäckbrücke und Topcase sind dabei. Es ist noch nicht die "City" Version, somit keine stabileren 16" Räder sondern nur 12" Rundlinge, das hat aber in der Praxis den Vorteil, das unter die Sitzbank ein vollwertiger Helm passt und das Topcase somit bis zum heutigen Tag noch nicht einmal am Roller montiert war.

 

Beispielbilder mangels Originalbilder vom Kunststoff-KFZ:

Nach kurzem Mail- und Telefonkontakt mit dem Anbieter also der Lieblingsliebsten erklärt, wir müssten da mal wo hin fahren und einen Roller abholen. Sie war nicht sonderlich überrascht.

Knapp 1h Fahrtzeit trennten uns vom neuen Boliden aus etwas Stahl und ganz viel Plastik. Dass er leicht ist (ca. 100kg), konnte ich vorab schon aus diesem neumodischen Rechenmaschinenzusammenschluss namens Internetz in Erfahrung bringen. Die Maße theortisch auch. Praktisch kann man vor Ort auch einfach aussteigen und feststellen, dass das ein Fuffi mit einem größeren Motor ist. Tour zu zweit? Allernötigstenfalls ja, wenns denn nur bis zur nächsten Querstraße geht. Für Solonutzung aber ganz ok. Also kurz Details geklärt und dann Probefahrt ahoi. Die war verblüffend. In den für mich relevanten Geschwindigkeitsbereichen geht das Ding kaum oder gar nicht schlechter, als der 250er Yamsel seinerzeit. Die Übersetzung und das Gewicht machens möglich. Ab knapp 80km/h Tacho wird er dann spürbar müder, ca. 115 km/h Tacho macht er aus eigenem Antrieb, für mehr muss Rückenwind oder Gefälle helfen. Das Sind dann etwa 100 echte. Will man aber gar nicht auf etwas in der Größe eines Lauflernrads mit vergleichbar großen Rädern und damit einhergehender (nicht vorhandener) Stabilität. Aber egal, die Bereiche jenseits der 60km/h Tacho wird er bei mir nur selten sehen. In der Praxis ergab das bis dato einige Stadtringnutzungen, weil es einfach immens Zeit gegenüber Ampelstau Geschlängel spart. Dann aber gerne brav mit 80km/h auf die rechte Spur und einfach überleben. Mit Fahrspaß hat das dann allerding so ziemlich genau gar nichts zu tun. In der Stadt selbst sieht das dann schon anders aus. Man passt immer durch. Immer. Egal wo. Passt man zu Fuß durch, passt der Rollator auch. Und an der Ampel ist das Ding der Hit. Ich muss beim Service mal gucken, ob da schon Gewichte und / oder Kupplungsfedern in der Variomatic getauscht sind, auf jeden Fall geht das Teil bei Vollgas an der Ampel aus eigener Instanz vorne hoch, wenn man sich nicht nach vorne lehnt. Sorgte bei mir beim ersten Mal für ein ziemlich dummes Gesicht unterm Helm. Mittlerweile machts Spaß. Oder Arbeit.

 

 

Somit kommen wir nämlich nun zum eigentlichen Thema dieses Blogs. Das Plastikspielzeug verweigert seit der Winterpause die Mitarbeit. Er hat sich wohl so sehr in seinen Laternenparkplatz verliebt, dass er dort am liebsten für immer unbewegt bleiben möchte. Arschloch. Ich hoffe, ich finde in den nächsten Tagen - sofern ich denn mal Zeit für das Elend finde - den Fehler. Irgendwas an der Elektrik mag nicht so wie ich mag. Rechte Schalteramatur tot. Lichtschalter tot, Startknopf tot. Alles, was ich bis jetzt am Straßenrand per Multimeter erwischen konnte, war erstmal so wie es sein sollte. Da man aber bei dem Verkleidungsgeraffel an nix elementares ran kommt, wurde der Bolide vor kurzem auf den Trailer geladen und weilt nun sein Dasein auf meiner Bühne in der Halle. Dort werde ich ihn demnächst mal von dem ganzen Kunststoffgeraffel befreien und dann mit Multimeter und co nochmal eine große Messwertparty feiern, in der Hoffnung, dass dort als Ergebnis irgendwann ein zufriedenes "brumm" bei raus kommt. Wenn das erledigt ist, gibt´s noch einen großen Service und wenn ich ganz viel Lust habe, ein neues Farbkleid. Oder aber eine große Flucharie und diverse Kisten voll Altmetall und Plastikabfällen. Warten wir es ab.

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03.09.2016 21:20    |    fate_md    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: 1250, GSX, Suzuki Motorrad

Grenzerfahrungen - Teil 2

 

Ersten Teil verpasst? Klickst du hier: Grenzerfahrungen - Teil 1

 

Tag 7 – Montag 22. August – Rheinfall bei Schaffhausen (CH)

 

Von vornherein waren Touriziele mit in die Urlaubsplanung integriert, damit es sich auch nach Urlaub und nicht nur nach sträflichem Kilometerschruppen anfühlt. Waren auch so schon nicht zu wenige...

Planung war eigentlich neben Colmar mal Mulhouse in Frankreich sowie Basel und der Rheinfall bei Schaffhausen in der Schweiz. Mulhouse hatten wir dem Regentag geopfert, da Frankreich mit Colmar eh schon abgehakt war, tat das nicht ganz so arg weh. Der Rheinfall war aber etwas, wo wir beide unbedingt hin wollten und mit knapp 90min Anreisezeit auch absolut tourizielzauglich gelegen war. Die Anfahrt selbst bot dann auch noch einmal genug Motorradfahrspaß, da man in der Gegend einfach kaum untaugliche Straßen findet. Lag doch der Feldberg mitten im Weg auf unserer Anfahrtsstrecke, was ein Ärger...

Ich weiß auch gar nicht so genau, was ich vom Rheinfall erwartet hatte, ich hatte vorher nur Bilder beim allwissenden Orakel gesehen, das was uns dann erwartete beeindruckte mich bzw wohl eher uns jedenfalls zutiefst. Da bummelt man im Innenstadttempo durch eine typische Ortschaft , biegt aus einem ganz normalen Kreisel ab, umgeben von Beton, Bebauung und Infrastruktur wie man sie in jeder Stadt erwartet und urplötzlich sieht man sich mit purer Naturgewalt konfrontiert. Bilder können die Eindrücke gar nicht angemessen wiedergeben, weil sie das Getöse und das Beben im Boden nicht darstellen können und somit die dort allgegenwärtig spürbare endlose Kraft auch nur ansatzweise darstellen können. Auch hier wieder absoluter Motorradbonus: Parkplatz für gratis und sehr nah am Fall selbst, am Infopoint gibt´s Klamottensafes für 2 Franken Pfand, die einem ultrafreundlichst (das soll nicht pieksig übertrieben klingen, sondern ist völlig ernst gemeint, ich habe noch nie so nette Menschen getroffen wie an dem Tag in der Schweiz) im Tausch gegen eine heimatliche 2€ Münze leihweise zur Verfügung gestellt werden.

 

Flux das Möppi also abgeparkt und rein mit den Tierhautpanzern in einen Safe. Und staunen. Immer wieder. Einfach zu krass das ganze. Und das auch noch gratis. Und natürlich. Kein Showeffekt, sondern schiere Urgewalt. Die Infotafel lässt uns später wissen, 600m³ pro Sekunde tösen hier im Schnitt pro Sekunde runter. 600000 l Wasser. Jede Sekunde. Irre. Aber genau so fühlt es sich an, man kann die immense Kraft hören und fühlen. Natürlich mutieren wir zu Vollbluttouris und buchen uns eine Bootsfahrt direkt an den Fall heran. Hammerhart und mit Worten kaum adäquat zu beschreiben. Das hat hier absolut nichts mit Motorradfahren zu tun, trotzdem wird es wohl sehr lange im Gedächtnis und mit diesem Urlaub verknüpft bleiben. Etwa 2 1/2 Stunden verbringen wir dort, bevor wir uns tief beeindruckt auf den Rückweg machen.

 

 

 

 

 

Tag 8 – Dienstag 23. August – Rundtour Schwarzwald

 

Routen von Ortskundigen sind fast immer besser als das, was man sich selbst aufgrund von passiger Optik oder Routenplanervorschlägen selbst zusammen klicken kann. Deswegen bat ich im Vorfeld des Urlaubs im Biker Treff um Tourenvorschläge und bekam u.a. die an diesem Tag gefahrene Tour vom user Vulkanistor als Vorschlag. Knapp 250 km lang, 5h21min Nettofahrzeit laut Motoplaner. Passt genau ins Beuteschema. Auf kleinen und kleinsten Sträßchen waren wir gefühlt kaum mehr als 100m geradeaus unterwegs, meine Mundwinkel trafen sich auf der Rückseite meines Schädels wieder und die dicke Blaue verlor gefühlt mit jedem Kilometer 10kg Gewicht, weil mein Vertrauen in ihre Handlebarkeit rapide stieg. Ein paar Mal habe ich mich an diesem Tag selbst zurückpfeifen müssen, um nicht zu übertreiben. Es lief einfach alles, man musste nicht mehr nachdenken, die Ansicht der nächsten Kurve gab das Handlungsmuster vor, ohne dass das irgendwelcher bewussten Kopfarbeit bedarft hätte, wir waren einfach "drin". Das ist meist der Zeitpunkt, kurz bevor man im 90° Winkel in der Kurve liegt, weil man sich verschätzt hatte. Also immer mal wieder selbst zur Raison gerufen und mit 95 statt 100% weitergemacht. Spaßfaktor allemal hoch genug. Als wir bei Schauinsland ankamen, war ich derartig fertig und einfach nur tief glücklich, dass ich direkt auf dem Möppi hätte einpennen können. Aber auch dort berappelten wir uns und stiefelten in der ach so leichten Moppedmontur den Weg hinauf zum Aussichtsturm und wenn man schon mal da ist, natürlich auch auf selbigen hinauf. Der Panoramablick von dort ist fantastisch, zumal wir bestes Wetter hatten. Übertroffen wurde er an dem Tag aber ein paar Stunden vorher trotzdem schon. Der "Blauen" wurde mir als Tipp nahegelegt, unter dem Motto "fährste eh quasi vorbei". Hab ich so hingenommen und entsprechend angesteuert, auch wenn ich die Auffahrt zum Berg selbst jetzt nicht so toll fand, die Aussicht macht einfach alles wett. Oben auf dem Berg noch rauf auf den Aussichtsturm und dann niederknien vor seiner eigenen, kleinen, unbedeutenden menschlichen Existenz. Fernsicht von geschätzten 80-150km, auf einer Seite die Vogesen, überdacht vom Mond obwohl strahlender Sonnenschein und blauer Himmel war, im Süden die Alpen mit ihren schneebedeckten Gipfeln und im Osten der Schwarzwald. Dazwischen, soweit wie man nur gucken konnte, die Rheinebene. Gut hingucken, Strg + S denken und für immer ins Hirn braten.

Ich hätte an dem Tag Blut spenden und mir selbst im Winter immer mal wieder zur Verfügung stellen sollen, bringt bestimmt direkt gute Laune mit.

 

 

Tag 9 – Mittwoch 24. August – Vogesen die 2te

 

Da wir durch die Einplanung von Colmar nicht genau wussten, wieviel wir von der geplanten 1. Vogesentour wirklich würden abfahren können, hatten wir vorsichtshalber eine zweite geplant. Dieses mal ohne Colmar, dafür mit Besuch bei der Gedenkstätte vom Hartmanswillerkopf. Dass die nun genau auf der Route des Crêtes liegt, sollte ja nun nicht direkt unser Nachteil sein...

Die Gedenkstätte selbst ist ein beeindruckender und bewegender Ort, auch wenn ich selbst die Geschichte dahinter bis zu etwas Internetrecherche nicht wirklich kannte. Die Krypta war so bewegend und fesselnd, dass ich kein einziges Foto machte. Die Gedenktafeln der Gefallenen drinnen tragen keine Namen von Personen, sondern die Bezeichnungen von kompletten Kompanien. Purer Wahnsinn. 30000 Menschen haben auf diesem recht begrenzten Fleckchen Erde ihr Leben für ihr Land gelassen, noch einmal etwa genausoviele wurden verwundet. Schwer vorstell- und auch nicht wirklich begreifbar, wenn man heute in allem Frieden über das Gelände schlendern kann. Tief bewegend in jedem Fall. Besonders wenn man im Gräberfeld hinter der Krypta dann die ganzen Kreuze sieht, wo an einigen tatsächlich frische Blumen standen. Dies ist kein modernes Kunstarrangement, sondern tatsächlich ein gigantischer Friedhof, da liegen echte Menschen und sie scheinen zum Teil noch Angehörige zu haben, die ihrer gedenken. Still ist es. Man spürt die mahnende Stimmung die dieser Ort ausstrahlt.

Wir fahren weiter, von Süd nach Nord über die Route des Crêtes bis nach Le Markstein, biegen dort nach Osten ab. Bei Soultzmatt beweist ein weiterer Soldatenfriedhof mit penibelst ausgerichteten weißen Kreuzen rechts der Straße, wie umkämpft diese Region war. Als blanke Ironie des Schicksals liegt genau an unserem Haltpunkt neben der Straße ein Frosch in etwa der Höhe einer Briefmarke. Auch friedliche Zeiten können hochgefährlich sein. Unsere Route führt nach Nordosten, auf und über die D417, um bei Wintzenheim zu kehren und durch den Wald in Richtung Süden und Château du Hohlandsbourg auf der Route des 5 Châteaux. Als wir den Parkplatz erreichen und sehen, dass ein in dem Moment für uns unbekannt weiter Fußmarsch den weiteren Weg zum Ziel darstellen sollte, beschließen wir beide spontan, dass die gut 30°C Außentemperatur ein überzeugendes Argument sind, selbiges links liegen zu lassen und einfach weiter zu fahren. Trotz Meshanteil in der Kombi wird es nicht mehr kühl durch Fahrtwind, die Luft ist einfach viel zu warm. Um die Rheinebene möglichst flott zu durchqueren, geht es wieder auf die Autobahn und dann kurz vor der Grenze.... nicht weiter. Mist, was ist denn nun los. Knapp 2,5km vorm Rhein totaler Stillstand. Brütende Hitze und keine Ahnung, was das Problem ist. Wir hangeln uns durch zu einer Autobahnbrücke und das Weibchen raucht erst mal eine auf der linken Spur. Gibt´s so wohl auch nicht jeden Tag. Muss ich auch nicht haben, es ist wirklich abartig warm und ich mache mir langsam ernsthaft Gedanken um den Fortbestand meines Kreislaufs, wenn wir nicht irgendwo dauerhafte Kühlung oder zumindest etwas Fahrtwind bekommen. Ich beschließe, mich durch vorbildlich ignorierte Rettungsgasse zwischen beiden Spuren zu mogeln, was nicht bei jedem für Begeisterung sorgt, mir aber in dem Moment total egal ist. Mit teilweise weniger als 10cm zu den Spiegeln geht es dann tatsächlich irgendwie voran durch den Stau, wohl wissend, dass mir diese Taktik spätestend direkt an der Grenze nichts mehr bringt, da es dort künstlich auf einspurig verengt ist, inklusive bewaffneter Kontrollposten, warum auch immer die dort standen, sympathisch wirkten sie nicht mit Flecktarn und MG. Im Schatten eines LKW warten wir also kurz vor der Verengung und überlegen, ob wir es einen anderen Verkehrsteilnehmern gleich tun sollen und ein paar Meter entegen einer Auffahrt auf die angrenzende Landstraße fahren. Rechtlich logisch verboten, technisch aber kein wirkliches Problem da nur Plastikpylonen als Mittelplanke herhalten. Und hey, Vollsperrung ist doch nahe der Anarchie, gerade jenseits der 30°C Marke. Das Problem ist nicht die Auffahrt, sondern die darauffolgende Weiterreise. Da ich nicht weiß wo das eigentliche Problem ist – soweit man gucken kann ist Stau – könnte es mich auch trotz Richtungswechsel anscheissen und ich stünde einfach an anderer Stelle im selben Stau, weil ich die Problemstelle nicht umfahren habe.

 

Während ich darüber sinniere, geht es vor uns plötzlich ein Stück weiter. Jetzt oder nie, Beschleunigungsstreifen voll ausnutzen, reinquetschen und zumindest bis auf die andere Seite der Verengung kommen. Läuft. Gewonnen. Jetzt wird das Problembild deutlich. Die A5 ist dicht. Vollsperrung verrät uns das Indernetz später, weil ein PKW einen LKW umschubsen wollten. Gelang wohl nicht so gut, 20km Stau waren die Folge. Das interessiert mich in dem Moment noch nicht, ich sehe nur, dass die Gegenrichtung frei ist. Also drauf auf die Bahn und Feuer.An der nächsten Raststätte raus, dem Navi die Autobahnnutzung verbieten und die FeWo als Ziel eintragen. Jetzt heißt es hoffen. Mit etwa 90min Verspätung zum Plan rollen wir vor die Garage.

 

 

 

 

 

Tag 10 – Donnerstag, 25. August – Basel, ach nein doch nicht

 

Da der Tag gestern doch sehr prägsam war, insbesondere im Bezug darauf, mit den Außentemperaturen nicht zu lässig umzugehen - sonst gibt´s Straßenrandimbiss "Moppedfahrer im eigenen Saft" – beschlossen wir schon am Abend zuvor, den Stadtbesuch in Basel zu streichen und nicht bei über 30°C einen auf Zwangstouri zu machen. Stattdessen sollte es gleich nach dem Frühstück, solange es in den Wäldern noch angenehm frisch und auf den Straßen schön leer ist, eine kleine Runde durch den Schwarzwald geben. Ein paar Streckenteile abfahren, die uns schon am Dienstag so gut gefallen hatten. 120 Kilometer in etwa 3 Stunden wurden es, fuhr sich gut und reichte völlig aus. Danach hievten wir unsere Kadaver unter den Sonnenschirm auf die Dachterrasse und versuchten, das Eis schneller futtern zu können als die Hitze es wegzuschmelzen versuchte. Gelang vorzüglich. Ganz nebenbei ging es dann am Nachmittag auch schon ans Koffer packen. Morgen früh würden wir unser Schwarzwalddomizil verlassen und weiterziehen in Richtung Alpen. Also den großen "ich muss alles schleppen, was man nicht am Mopped braucht" Koffer gepackt und schnuckelig wie ein Haustier Gassi geführt bis zur Poststation. Koffer und Topcase ebenso weitestgehend vorgepackt, so dass am nächsten Morgen nur noch die letzten Kleinigkeiten hinein mussten und dann ab dafür. Anschließend nochmal checken, ob sich nichtstun am Abend genauso gut anfühlt wie nachmittags. Jop, läuft.

 

 

Tag 11 – Freitag, 26. August – Tagesziel St. Anton (A)

 

Unsere Vorbereitung gestern bescherte uns einen relativ entspannten Morgen, nach dem Frühstück waren die letzten Dinge flott verstaut und schon war die Mopete umzugsbereit. Durch vier Länder sollte uns die Route führen, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein und Österreich. Das ganze bei happigen 6h 32min Nettofahrzeit, sportliche Aufgabe angesichts von Gluthitze gleich ab dem Frühstück. Etwas kürzer wäre technisch wohl möglich gewesen, aber hey, wenn man schon mal in den Alpen ist, möchte man ja auch ein paar Pässe fahren. Bei letzteren war dem Navi zum Glück die Route nahezu unabänderbar aufgezwungen, für den Beginn der Tagesetappe schien das aber nicht so vehement festzustehen. Oder das Navi findet Liechtenstein einfach doof, kann auch sein. Jedenfalls lotste es uns – entgegen der Tourplanung im Motoplaner – einfach nicht hindurch, sondern einfach weiter im Norden durch die Schweiz. Mistding, hat es uns doch einfach ein Land geklaut. Dafür waren die geplanten Pässe drin, was fahrerisch wohl auch deutlich interessanter gewesen sein dürfte, als zwei nicht spürbare Grenzübertritte. Es war feinstes Reisewetter, wenn auch noch immer knackheiß, dies konnte man angeichts der Gegend, der Straßen und vor allem der Kurven doch ziemlich gut vergessen. So führte uns das Benzinross artig über Faschinajoch, Hochtannbergpass und Arlbergpass nach St. Anton am Arlberg, wo wir gegen 18 Uhr das Ortsschild passierten. Links der Straße standen diverse Pensionen, da wir nichts gebucht hatten, schickte ich das Weibchen los zum Klingeln, irgendwer wird schon ein Zimmer frei haben. Denkste. Alles belegt. Mist. Also weiter im Text und bergab weiter rein in den Ort. Vorm Kreisverkehr im Zentrum dann pokern, weiter auf der Durchfahrtsstraße und hoffen, am Straßenrand was zu finden, oder rein in die Stadt und in den kleinen und steilen Straßen bessere Chancen haben, dafür ein 400kg durch die Gassen manövrieren müssen. Wir entschieden uns für die Stadt und dies sollte sich als gute Wahl erweisen. Die dritte Pension empfing uns freundlich und entschuldigte sich redlich dafür, dass in der Garage kein Platz mehr fürs Mopped ist, ich könne aber einfach unter dem untersten Balkon parken. Tat ich. Superherzliche Pensionsführung, sehr ordentliches Zimmer, top Aussicht und ein absolut leckeres und liebevoll zubereitetes Frühstück am nächsten Morgen. All dies begründete den nicht billigen aber doch vertretbaren Preis anstandslos. Am Abend ging es dann noch schnell in die Innenstadt. Eindeutig auf Wintersport ausgelegt, hatte längst nicht alles geöffnet, verhungern würden wir aber keinesfalls müssen, die Auswahl an Restaurants war riesig. Die Entscheidung fiel auf ein kleines urig wirkendes Etablissement mit Terrasse in der Fußgängerzone. Statt Karte gab es nur 3 Gerichte als Ansage, alles vom Grill und nur in der Fleischsorte unterschiedlich. Klingt komisch, schmeckte aber ultimativ lecker. Frisch gebackenes Knoblauchbrot, ein Putenfiletsteak das wahrscheinlich 20min vorher noch Puls hatte und das ganze garniert mit frischem, wirklich frischem Salat und wohl selbstgemachten Kartoffelsalat. Sah toll aus, schmeckte noch viel besser und erwies sich am Ende des Abends als überraschend preisgünstig. Von der Tanke im Ort gabs noch eine Flasche Wein unbekannter Bauart, welche anschließend satt und hochzufrieden auf dem Balkon vom Pensionszimmer geleert wurde. Wirklich schade, dass wir morgen früh schon weiterreisen würden, wirklich schön hier.

 

 

Tag 12 – Samstag, 27. August – Tagesziel Kufstein (A)

 

Das sehr leckere Frühstück erwähnte ich ja bereits und so konnten wir frisch gestärkt unsere Tagesetappe in Richtung Kufstein beginnen. Direkter Weg wäre möglich, aber doof. So schnell kommen wir nicht wieder hier her, also nochmal ein paar Pässe mit in die Routenplanung gedrückt.

Hahntennjoch, Namlospass, Fernpass, Holzleitensattel, Seefelder Sattel und Zirler Berg sollten dafür sorgen, dass sich Möppi nicht zu lange in der Senkrechten langweilt. Es war Samstag, es war tolles Wetter und es war dementsprechend voll. Nichtsdestotrotz war die Fahrt angenehm und stressfrei. Auffahrt zum Hahntennjoch, schon in den ersten Kurven kommt uns nach längerer Pause ein Schlepper mit Unfallmotorrad hintendrauf – gefolgt von ca. 50 eng gedrängten Bikes – mahnend entgegen, die Sache hier nicht zu übertreiben. Auf geht´s nach oben, es läuft flüssig, alles passt. Nach ein paar Minuten sage ich dem Weibchen noch per Intercom, dass es komisch ist, dass uns niemand mehr entgegenkommt. Etwas 30 Sekunden später stehen wir im Stau. Dreck. Rund 10 Autos und ein paar Moppeds vor uns hat´s einen geerdet, wie sich später rausstellen sollte, scheinbar ohne Fremdeinwirkung. Zwei Minuten früher los und das wäre unsere Position gewesen. Stimmt nachdenklich. Die Cops waren wohl durch Zufall gerade vor Ort, im ersten Anschein scheint nicht viel passiert zu sein, da die Uniformträger entspannt laufen und primär Fotos machen. Nachdem der Krankenwagen kommt und kurz nach ihm der Notarzt und dann auch noch Decken gespannt werden, überdenke ich diese Meinung. 45 Minuten lang geht gar nix, Stau soweit das Auge reicht. Als sich alles schon aufzulösen scheint, kommt ein dritter Krankenwagen. Irrtümlich hinzugerufen? Nein, er drängelt sich an der Unfallstelle vorbei weiter durch den Stau. Samstag bei gutem Wetter scheint kein ideal gewählter Tag zu sein, hier zu fahren. Durch die massive Pulkbildung geht auch nach Beräumung der Unfallstelle nicht wirklich flüssig weiter. Auf der Passhöhe machen wir Pause und lassen den Pfropfen aus Blech und Benzindrang erst einmal abfließen. Von Norden kommt ein Pärchen auf einer GS angerollt, hält neben uns und rät uns, langsam zu machen, unten gehts kaum weiter, Unfall. Dafür also der dritte Krankenwagen. Wahrend wir für die Info danken, fährt er hinter uns vorbei, gefolgt von einem ebenso großen Pulk wie kurz vorher von Süden startete. Ein paar Minuten später starten auch wir wieder, der Verkehr hat sich normalisiert, bis auf einen Deppen der permanent meint, blindlings überholen zu müssen, geht es stressfrei voran. Der Namlospass gefällt uns fahrerisch dann noch besser, seine Kurven passen genau zu dem Fahrprofil der dicken Blauen, man swingt wunderbar im Takt durch die Landschaft ohne heftigsten Materialmord im Racemodus mit nur spitzen Kehren und kurzen Geraden. Am Fuße des Namlos kehren wir in einer Hütte zur Mittagspause ein, ein "Bikerabo" aus "Alpenburger" (sehr lecker!) und Kaffee soll Energie für die weitere Reise bringen. Klappt gut. Die weitere Reise verläuft angenehm, aber unspektakulär. Desto näher wir wieder an die großen Ost-West Verbindungen kommen, umso dichter wird erwartungsgemäß der Verkehr. Den Fernpaß hinter einer riesigen Kolonne hinter einem Wohnmobil / Lastzug / [setze hier beliebiges unnötig langsames Fahrzeug ein] raufdümpeln, bringt zwar zweifelsohne schöne Aussichten, fahrerisch jedoch keine Endorphinschübe. So vergeht die Restzeit des Tages eher mit dem Ausblick auf schöne Bergpanoramen als mit großen "huiiiii, nochmal" Streckenerlebnissen. Ein paar Ausnahmen gab es natürlich, hinter einem SQ5, der augenscheinlich ortskundig war, eine Bergstraße hoch zu dreschen, kann zum Beispiel dicke Spaß machen.

 

Gegen 17.30 Uhr erreichen wir das Ende der Naviroute, Kufstein, Zentrum. Wir halten an einer Tankstelle und fragen bezüglich einer Pension, "so was gibt´s hier nicht". WTF? Keine Pension in Kufstein? Glaubt man ja nicht. Leider Gottes klappte das mit der Buchung des Auslandspakets für die Schlautelefone irgendwie nicht, weswegen wir kurzerhand nach Kiefersfelden rüberfuhren, um vom dortigen Discounterparkplatz das allwissende Orakel nach Pensionen befragen zu können. Ging problemlos, per Telefon irgendwas à la "ich hab noch was im Nebengebäude" gebucht. Mal überraschen lassen. Praktisch hieß das, Pension fast im Zentrum (ca. 600 m Fußweg), unten eine Doppelgarage, in einer von beiden durfte Möppi noch gratis nächtigen und obendrauf ein aufgesetzer Bungalow mit riesiger Terrasse. Betritt man selbige, hat man direkten Blick auf die Festung. Besser geht´s ja kaum. Ok, das Gebäude selbst war nicht gerade nagelneu und 5* Kategorie, aber wir brauchten ja auch nur Bett, Klo und Dusche. Das gab es allemal her und der Service war sehr zuvorkommend. Nach einem Essen in der Innenstadt und kurzem Stadtbummel incl. "Festung, ich war mal da" Kurzbesuch verkrümelten wir uns auf "unsere" Terrasse, tranken leckeren Discounterwein aus Zahnputzbechern. Bei feinstem Sternenhimmel und prachtvoll beleuchteter Festung in direkter Sichtlinie. Manchmal sind es die ganz einfachen Dinge, die glücklich machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 13 – Sonntag, 28. August – Tagesziel Karlsbad (CZ)

 

Warum Karlsbad? Eigentlich hatte das keinen besonderen Hintergrund. Ich kannte den Ort vom Namen her einfach, war als kleiner Knirps wohl auch mit der Family schon dort und wenn man durch den bayrischen Wald und anschließend übers Erzgebirge will, aus Österreich kommend, landet man eben in der Nähe oder ganz einfach IN Karlsbad. Groß genug um tendenziell genügend Unterkünfte zu bieten, war unser vorerst letztes Zwischenziel also eher eine Pragmatismuslösung. Schon beim losfahren beäugte ich den Reifen nochmal kritisch, die Alpenetappen hatten ihm heftiger zugesetzt, als ich das gedacht hätte, aber er würde uns schon noch bis nach Hause bringen. Die Fahrt selbst konnte den letzten Tagen logisch nicht das Wasser reichen, auch wenn immer mal wieder durchaus ansehnlich fahrbare Etappen zwischendrin waren. Mittlerweile wurden die Phasen bis uns der Arsch weh tat aber auch immer deutlich kürzer, als Phasen die wir zur Regeneration bräuchten, somit also einfach durchziehen und los. Bis auf eine nervige und scheinbar endlose Umleitung vor Cham und einem wilden Naviverarschungsversuch kurz vor Karlsbad – es lotste uns mal spontan 5,5km auf einer elendig schmalen und in grässlichem Zustand befindlichen Straße von der Hauptroute ab in den Wald, um schlussendlich einfach nur umkehren zu wollen – gab es keine besonderen Vorkommnisse. Im Vergleich zu den Schwarzwald- und Alpenregionen sieht Tschechien einfach nur abgefuckt aus, das kann man nicht blumiger beschreiben. Über etliche Kilometer konnte man auch zweifeln, ob in diesem Land überhaupt Menschen leben, weit und breit kein Haus, kein Mensch, kein gar nix. Die letzten Kilometer vor Karlsbad wären eigentlich eine wunderschöne Strecke durch den Wald, ich war mittlerweile allerdings einfach derart fertig, dass ich keinen Spaß mehr daran entwickeln konnte. Nach einem letzten Tankstopp folgte die Fahrt ins Zentrum, die Naviführung endete hier, jetzt hieß es Pensionen suchen. Schwieriger als gedacht. Alles eher Geschäfte und große Wohnblöcke, das klassische, freistehende Einfamilienhaus mit Besitzer im Erdgeschoss und obendrüber Einliegerwohnung zum vermieten war hier nicht zu finden. Wir fuhren eine steil ansteigende Straße hinauf in ein Gebiet augenscheinlich besser Betuchter. Am Straßenrand war ein Schild mit unendlich vielen Verbotszeichen. Ich beschloss, dass die für mich nicht gelten, da ich die Erklärungen dazu eh nicht lesen kann und fuhr einfach durch. Die Häuser wurden Villen und immer prächtiger, irgenwann ein Hotel rechts. Wir halten, das Weibchen fragt nach dem Zimmerpreis. 115€. Ohne Frühstück. Urgs. Bissl heftig für den klassischen Bett-Klo-Dusche Bedarf. Eisenhart fragt die Holde also die Rezeptionistin, ob sie nicht eine günstige Pension kenne und statt sie rauszuschmeißen, zückt die gute Dame kurzerhand ihr Handy und besorgt uns binnen 5 Minuten eine private Pension, effektiv 300m Luftlinie entfernt, Fahrstrecke sind es knapp 2km. Das ganze für etwa 1/3 des Preises, incl. Frühstück. Acht Minuten später stehen wir dort vor der Tür, die Gastmutti quatscht irgendwas auf Russisch, das Weibchen antwortet entsprechend, ich verstehe mangeld Russichkenntnissen kein Wort und schwupps sind beide im Haus verschwunden und ich stehe wie doof an der Straße. 10 Minuten später kommen beide nebst Herr des Hauses wieder raus, man winkt mich herbei, ich solle das Mopped mitbringen, es parkt auf dem Grundstück. Optimös. Mit einer Mischung aus Deutsch, Russisch, Englisch und Händen & Füßen besprechen wir gemeinsam die Details und lassen uns kurz Ausflugsziele auf einer Karte zeigen. Viel ausfliegen wollen wir gar nicht mehr, nur essen wäre toll. Durch eine Abkürzung durch einen Park ist man in 5 Minuten in der Innenstadt, top Lage. Da hier heute City Triathlon war bzw. noch in den letzten Zügen ist, ist die Stadt gerammelt voll. Wir watscheln durch die Fußgängerzone, suchen uns ein kleines Restaurant aus, freuen uns ob des zufälligen Gatis-WLAN und können somit zumindest mal die Daheimgebliebenen über unser Nachtlager informieren und anschließend für aberwitzig wenig Geld aberwitzig viel Essen in uns reinschaufeln. Der anschließende Stadtbummel fällt kurz aus, wir kaufen noch die obligatorische Miniflasche Becherovka (Pfui Katze!) und schwingen uns per pedes durch den Park zurück zur Pension. Der Balkon darf genutzt werden, machen wir doch gern. Bequem auf dem Korbstuhl sitzend, kann man so die aus dem Erzgebirge nahenden Gewitter beäugen, imposanter Anblick.

 

 

Tag 14 – Montag, 29. August – Tagesziel Magdeburg

 

Grober Plan war eigentlich, bis kurz vor Leipzig über Land zu fahren und von dort auf die A14 und Knallgas gen Heimat. Der Reifen sieht allerdings schon echt scheiße aus und das Navi scheint dies zu riechen. Knapp die Hälfte der Strecke sollte uns noch durch einige ansehnliche Kurven führen, genießen kann man das allerdings nicht mehr so recht, die Spurtreue entspricht langsam einem einem betrunkenen Einbeinigen. Vorder- und Hinterreifen haben massivsten Sägezahn, die profillose Mittellauffläche zeigt beginnende Auflösungserscheinungen. Wir steuern also unser Zwischenziel an und schalten kurz vor erreichen den Routing Modus um. Wohl in Absicht der Reifenschonung dürfte das Navi nun zwar Autobahnen nutzen, ignoriert aber alle auf und nahe der Strecke befindlichen Schnellstraßenbetonkonstrukte vorbildlichst. Sehr starker Seitenwind macht die Fahrt nicht wirklich angenehm, der Anschlagsversuch durch einen blöden E36 Lenker, der seinen kläglichen Überholveruch einfach nicht abbrechen wollte, obwohl wir ihm entgegenkamen (an dieser Stelle danke an den bremsenden LKW Fahrer, der somit eine Lücke schuf) sorgte dann ganz kurz vor der Heimat aber doch nochmals für reichlich Adrenalin. Der Rest der Fahrt war Dienst nach Vorschrift, einfach nur noch ankommen, wir hatten keinen Bock mehr. Bei jeder kleinen Pause guckten wir nach dem Reifen. Bis nach Hause würde er uns bringen, bis zur Müritz – eigentlich waren noch 3 Tage Müritz zum Seele baumeln lassen im Anschluss geplant – aber auf keinen Fall mehr. Hatte sich aber eh erledigt, da unsere potenzielle Übernachtungsmöglichkeit uns am Morgen informierte, dass sie mit Sprunggelenkbruch im Krankenhaus liegt. Blöd für alle, Glück für den Reifen. Gegen 16.30 Uhr – Koffer und Weibchen sind schon zu Hause abgesetzt – tanke ich ein letztes Mal voll und schubse die Rolltrompete in die Halle.

4677Km attestiert die Spritmonitorauswertung. Kein Wunder, dass uns der Arsch weh tat.

 

Ein wenig Spielerei für Statistikfans:

 

Gesamtstrecke:4677km
Durchschnittsgeschwindigkeit laut Navi:49km/h
Gesamtverbrauch:277l Super
Durchschnittsverbrauch:5,92l / 100km
Grenzübertritte:20

 

 

In stillem Gedenken an einen Satz Continental Road Attack 2 und die Frontkamerahalterung nebst Kamera. Ruhe sanft, irgendwo in den Alpen.

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02.09.2016 13:55    |    fate_md    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: 1250, GSX, Suzuki Motorrad

Grenzerfahrungen

 

 

Vorgeplänkel

 

Es war August 2015, das Weibchen und meinerselbst quatschten auf dem Hornet Treffen mit anderen Anwesenden und lauschten interessiert deren Schwärmereien vom Schwarzwald, wo sie nun schon mehrfach waren und die letzte Tour dort erst direkt vorm Treffen beendeten.

Urlaub für 2015 war durchgeplant, aber für 2016 war noch alles offen und die Begeisterung der Berichte setzte sich nachdrücklich in unseren Köpfen fest.

 

In den Tagen und Wochen nach dem Treffen suchte ich also im wörldweitwäbb nach Tourempfehlungen und Pensionen im Schwarzwald, finden tut man da ja nahezu endlos viele Ergebnisse. Einfach aufgrund der überzeugenden Internetpräsentation und des freundlichen Kontakts buchten wir kurz darauf eine Ferienwohnung im Südschwarzwald. Von da an fing die Planung an etwas auszuarten. Wenn man denn eh schon mal bis in den südlichsten Süden der Republik tourt, würde es sich ja eigentlich auch direkt anbieten, ein wenig in die Alpen zu schnuppern. Urlaubszeit hatten wir genug, die FeWo war nur für 8 Tage gebucht, somit könnte man ja hintendran einfach noch ein wenig freestyle Tour fahren und abends jeweils spontan nach einer Bleibe für die Nacht gucken. Hatte im April 2015 problemlos und nahezu perfekt funktioniert, somit hatte auch das Weibchen keine wirkliche Scheu vor dieser Art der Reiseplanung.

Naja und wenn nun eh schon mal unterwegs ist, könnte man ja auch aus den Alpen quer durch den bayrischen Wald in Richtung Erzgebirge touren, ist ja eigentlich naheliegend. Ich weiß nicht mehr wann und warum, aber irgendwann kam auch noch die Schnapsidee dazu, dass man ja vor Ankunft im Schwarzwald nicht den direkten Weg nehmen müsste, sondern in zwei Tourtagen die westlichen Grenzgebiete der Republik bereisen könnte.

 

Nach und nach entstand somit eine grobe Tourenplanung für die "große" Rundtour, die Tagestouren von der FeWo aus konnten später im Detail geplant werden. Wenn man mit dem Finger auf der Landkarte entlang flitscht, fand man somit neun Länder, die wir unter die schwarzen Gummirundlinge nehmen würden. Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Tschechien. Klang fürchterlich bekloppt und gleichzeitig hochinteressant. Und anstrengend. Aber war ja noch Zeit. Damit wir in dem Urlaub nicht zu wenig Mopped fahren, wartete zwei Tage vor Tourstart auch noch das Hornet Home Forumstreffen auf unsere Teilnahme. Dort würden wir wieder in unserer schon mehrfach besuchten Pension schlafen, direkt an der Landesgrenze von Thüringen und Hessen, somit auch thematisch perfekt passend, wenn es um Grenzerfahrungen geht.

 

Insekten sind Rudeltiere

 

Die ach so lange Wartezeit bis zum Losfahren verging dann irgendwie doch wieder wie im Flug, in der Zwischenzeit wurden noch die Tagestouren und Touri-Ziele für den Schwarzwald sowie einige Detailstrecken bei der An- und Abreise ausgearbeitet und beschlossen, dass wir nach Rückkehr noch ein paar Tage an die Müritz fahren würden, Seele baumeln lassen, nichts tun, Wasser riechen und die Erlebnisse der letzten Tage verarbeiten.

 

Nach einer letzten Frühschicht vorm Urlaub setzten wir uns am 12. August dann gegen 15 Uhr in Bewegung. Einmal quer durch den Harz und das Eichsfeld sollte die Reise führen bei schönstem Wetter mit ein paar grauen Wölkchen. Schon als ich das Möppi aus der Halle hole, beginnt es zu tröpfeln. Solln der Scheiß? So nicht. Ich ignoriere es und sammle Koffer und Weibchen ein. Zum Glück hört es auch direkt wieder auf. Rund 90 Minuten der avisierten 3h20min Anreise waren durch, als es irgendwo hinter Sankt Andreasberg doch merklichst dunkler wird und die Wolken immer tiefer kommen. Keine 10min später ist der Regen da, der nicht angekündigt war. Vorbei an den südlichen Stauseen pladdert es derartig stark, dass man nur noch ca. 30 Meter weit gucken kann. Unschön. Gegen 19.30 Uhr kamen wir dann, nach erledigtem Einkauf und Bezug der Pension, in trockenen Klamotten – mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen – bei der Anmeldung vom Treffen an. Sofort war wieder alles sehr familiär und man konnte den beginnenden Urlaub genießen.

 

 

 

Der Samstag begrüßte uns dann auch endlich mit wunderschönstem Urlaubs- und Tourenwetter. Nach einem leckeren Frühstück im Garten fuhren wir zum Treffen, um uns der von uns gewählten Tourengruppe anzuschließen und nach gemütlich gefahrenen ca. 70 Kilometern durch das Umland des großen Meißner am gemeinsamen Parkplatz anzukommen, um von dort mit allen anderen Tourengruppen im großen Korso - mit kleinem Umweg über den Marktplatz Witzenhausen und der gegenüberliegenden Eisdiele - wieder zurück zum Treffengelände zu fahren. Mit den üblichen Treffenspielchen und lecker Kaffee und Kuchen konnte man so entspannt den restlichen Nachmittag rumbringen. Im Anschluß gab´s dann Lagerfeuer und Benzingespräche. Gegen Mitternacht verabschiedeten wir uns in die nahe Pension, um am nächsten Vormittag unter hervorragender Führung von Ortsansässigen auf feinsten Asphaltwindungen durch Eichsfeld und Harz nach Magdeburg zurück zu reisen. Es sollten 36h zum Koffer neu packen und durchschnaufen folgen, bevor es dann am Dienstagmorgen auf die große Tour gehen würde.

 

 

Asphaltnomaden

 

Tag 1 – Dienstag 16. August – Tagesziel Umland von Dorsten

 

Da ich möglichst keine Autobahn fahren wollte auf der ganzen Tour und für Tag 2 die Dreiländerecke DE / NL / BE und BE / DE / LUX auf dem Tourplan standen, war eine Zwischenübernachtung bei einem langjährigen Freund eingeplant, der im Umland Dorstens ein Haus gebaut hat und uns für die Nacht beherbergen würde. Für die 405km attestierte das Navi 6h32min – netto wohlbemerkt. Pünktlich um 10Uhr verließen wir also die heimischen Gefilde. Ja ok, es war halb elf, wir kriegen es irgendwie nie pünktlich hin. Egal, ist ja Urlaub.

Durch Elm, nördlichen Harzrand und Weserbergland führt uns unsere Reise nach Westen. Das Wetter ist traumhaft und daran würde sich laut Prognose in den nächsten Tagen auch nicht das geringste ändern. Läuft. Bei Paderborn gibt´s dann ein verspätetes Mittagessen bei der goldenen Möwe. Findet man einfach am leichtesten mit ihren riesigen Werbepfählen. Ich muss zugeben, die Tour bis dahin war deutlich angenehmer als die Restetappe. Es wurde einfach zusehends voller auf den Straßen, immer wieder führten die Anfahrstrecken mitten durch Innenstädte - in denen sich so langsam der Berufsverkehr stapelte – und auch die Strecken selbst waren nur noch bedingt spannend und meistens viel zu stark reglementiert. Man scheint in der Gegend absolut null vertrauen in die Fähigkeiten der Fahrzeugführer zu haben. Dafür gibt´s hinter jeder dritten Ecke einen Blitzer. Ist ja auch was. Gegen 18 Uhr kamen wir an und ließen den Abend auf der Terrasse mit fantastisch leckerem, gegrilltem totem Tier und Hopfentee bzw. Traubensaft ausklingen.

 

 

Tag 2 – Mittwoch 17. August – Tagesziel 2x Dreiländereck & Strecke machen nach Süden

 

Nach dem Frühstück verließen wir unsere erste Herberge und starteten nach Südwesten.

Das Dreiländereck Deutschland / Belgien / Niederlande sowie der nebendran gelegene höchste Punkt der Niederlande sollte unser erstes Tourziel für heute werden. Über nur bedingt fahrerisch spannende, dafür aber sehr gut ausgebaute Strecken führte uns die Anfahrt durch optisch wunderschöne Gegenden bei bestem Reisewetter bei Aachen über die Grenze und sorgte direkt im Anschluß für die doppelte Überraschung bezüglich der Niederlande. Hier gibt´s Kurven. Und es geht bergauf. Immerhin auf ca. 353 Meter bringt man es hier. Ok, incl. Aussichtsturm, ohne sind es immerhin noch 322 Meter Höhe. Tolle Aussicht, ansonsten aber nicht weiter spannend. Angeguckt, abgehakt, weiter. Schnell noch ein Beweisfoto vom eigentlichen Dreiländereck geschossen und auf gen Belgien ins Hohe Venn. Sehr leere Straßen in top Zustand – was dort als "Straßenschäden" bewarnt wird, wäre hier absoluter Normalzustand – mit schon frohlockender Streckenführung.

Mit einem Grinsen im Gesicht geht es zum zweiten geplanten Tourhaltepunkt, Dreiländereck Belgien / Luxemburg / Deutschland. Das Europadenkmal musste in diesem Fall stellvertreten fürs Foto herhalten, die Brücke, etwa 100m Luftlinie entfernt und der eigentliche Grenzpunkt, war durch einen Zaun abgesperrt und auf die Suche nach einem eventuellen anderen Schleichweg wollten wir uns in voller Montur und mit allem Krempel auf dem Mopped nun auch nicht machen. Wir konnten sie sehen, close enough. Damit endete die geplante Route für diesen Tag, der Rest war nur als freestyle angedacht. Noch ein Stück nach Süden und dann irgendwo eine Pension suchen. Was uns gleich vor zwei Probleme stellte. Der nächste Fahrtag sollte bis zur FeWo im Schwarzwald führen, das Ziel war also klar definiert. Dafür setzte Navi aber weit über 7h Nettofahrzeit an, wenn wir auf unserer begonnenen Route weiterfahren. Hätte man noch abmildern können, indem man davon einfach schon ein Stück fährt, richtig viel Bock hatten wir aber auch nicht mehr. Das größere Problem war die Suche nach Pensionen. Die "ich guck einfach bei google" Variante brachte nur extrem spärliche, dafür aber verflucht teure Ergebnisse zu Tage. Gefiel uns beiden nicht so, weswegen wir den Grundsatz "keine Autobahn" mal direkt über Bord warfen und einfach das Tagesziel von morgen als Ziel setzten. Egal wie weit wir kämen, es würde die morgige Anfahrt entsprechend verkürzen. So der Plan. Setzte das Navi brav um, ob das die wirklich sinnigste Lösung bzw. Routenberechnung war, bezweifle ich aber noch immer. Erst ging es noch ein Stück nach Süden, bis irgendeine größere Verbindungstraße erreicht wurde, dann kurz nach Westen, wieder nach Norden nach Belgien und dort dann nach Osten wieder rüber nach Deutschland. Bis zum Autobahnkreuz Wittlich und von dort aus Richtung Trier. Waren dann mal eben noch rund 140km. Zumindest weiß ich daher aber jetzt, dass die Fuhre auch mit voller Bekofferung bei 170km/h stoisch ruhig liegt, äußerst angenehm zu fahren.

 

 

In Trier also von der Autobahn runter und neben einer Ausfahrt angehalten und die Handys gezückt, Nachtlager suchen, es war schon kurz vor 20 Uhr. Pensionen gab es viele, aber alle waren ausgebucht. Die dritte oder vierte steckte uns dann auch mal den Grund. Es war ADAC Deutschland Rallye. Narf. Also Suchradius gen Süden vergrößert und mit dem 2. oder 3. Versuch dann doch Schwein gehabt. Doppelzimmer in einem Gasthof direkt an der Mosel, wir sollen uns nur beeilen, Küche hat nur bis 21 Uhr offen. Word. Beeilen kann sie, die Dicke. Mit einem phänomenalen Sonnenuntergang in den Weinbergen näherten wir uns ordentlich erschöpft unserer Bleibe für heute. Mopped abstellen, Essen auf Karte checken und bestellen, Zimmer beziehen, duschen, Mensch sein, Futter fassen. Hat irgendwie alles noch perfekt funktioniert und das Essen im Garten im Innenhof war durchaus lecker und preislich fair. Anschließend noch ein kleiner Spaziergang an der Mosel, für mehr reichten die Kräfte heute nicht mehr. Bett ahoi, wir mögen morgen bitte bis halb Zehn raus sein, der ganze Gasthof ist gemietet. Mkay. Entsprechend liebevoll wurde das Frühstück zubereitet. Man störte halt irgendwie, aber immerhin mussten wir nicht verhungern.

 

 

Tag 3 – Donnerstag 18. August – Tagesziel Schönau im Schwarzwald

 

Nach pragmatischem Morgenmahl ging es bei verhangenem Wetter durch die Weinberge nach Süden. Laut elektronischem Wetterfrosch sollte es eigentlich trocken bleiben. Sah irgendwie nicht ganz so aus, aber warten wir mal ab. Man konnte am Himmel schon erkennen, dass es nur ein großes Wolkenband war, das von West nach Ost zog, wir fuhren also quer drunter durch in Richtung Süden. Es war schon blauer Himmel zu erkennen und nur noch die letzten tiefgrauen Ränder direkt über uns. Platsch, Wasser. Och nö. Bevor man sich richtig ärgern konnte, war es vorbei. War wohl wirklich genau die "Kante", 500m Regen, danach war erst einmal Ruhe. Damit wir nicht zu spät in der FeWo ankommen und vor Ort auch noch ein paar Besorgungen machen könnten, gab es heute nochmal die Erlaubnis für´s Navi, Autobahnen mitzunehmen. Nach knapp 100km Weinbergen und gewundenen Straßen ging es dann auch recht straight auf der Dosenbahn nach Süden, um schlussendlich bei Saarbrücken die Republik zu verlassen und auf französischem Territorium weiter zu rollen. Diagonal Richtung Straßburg durch und dort wieder über den Rhein und somit zurück ins Heimatland. Die A5 führt uns dann – deutlich gefüllter als ihre französischen Pendants – in Richtung Freiburg im Breisgau. Die wiederholten Grenzübertritte schienen auch das Wetter verwirrt zu haben. Es wurde immer grauer und kurz vor Freiburg gab es dann doch noch einen Zwangsstopp an einer Tankstelle, um die Regenhandschuhe und die Membranen in den Kombis zum Einsatz zu bringen. Wenige Kilometer danach endete der Autobahnanteil und wir befanden uns kurz nach der Durchfahrt durch Freiburg direkt im Kurvenparadies. Fahrerisch aufgrund des Regens in Kombination mit vollbepacktem Mopped auf unbekannten Kurvenstrecken, welche dazu noch in weiten Gebieten mit Schildern à la "Rutschgefahr, neue Fahrbahndecke" gespickt waren, zwar kein vollends entspannter Genuss, optisch aber auf jeden Fall schon sehr imposant und eine mehr als deutliche Einstimmung auf die nächsten Tage.

 

Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Domizil und somit konnte der Urlaub beginnen. Rasch den Ballast vom Mopped genommen, Quicklock Kofferträger abgebaut und das Gefährt in der Garage verstaut. Auch der Regen hatte sich mittlerweile verzogen, so dass wir Einkäufe erledigen konnten und unseren per Post verschickten Koffer mit den restlichen Klamotten und Utensilien abholen konnten. 14 Tage Urlaub mit nur zwei Seitenkoffern (im Topcase war nur Technikzeug wie Spiegelreflex + Objektive etc.), die dann auch noch auf zwei Personen aufgeteilt werden müssen, ist für eine Frau scheinbar eine Horrorvorstellung. Kofferversand löste dieses Drama aber recht simpel, so dass man immer nur für 3 Tage Klamotten direkt am Mopped planen musste, der Rest kam per Post. Praktische Lösung, muss ich selbst zugeben.

 

 

Tag 4 – Freitag 19. August – Schluchseetour

 

Der Morgen startet verhangen, aus den Wäldern steigt noch reichlich Feuchtigkeit, aber es ist trocken und verheißt ein schöner Tag zu werden. Nach einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse holen wir den blauen Großroller aus der Garage und schwingen uns auf, um 250km schwarzwälder Kurvenasphalt unter die Räder zu nehmen. Ja, das fühlt sich gut an, Urlaub ahoi.

Trotz kleinerer Schwierigkeiten aufgrund von Streckensperrungen durchfuhren wir die geplante Tour fast komplett wie vorher geplant und kamen am Nachmittag erschöpft und zufrieden wieder an unserer Temporärheimat an. Wenn das jetzt jeden Tag so läuft, werde ich die nächsten 8 Wochen nur im Kreis grinsen wegen Endorphinüberschuss.

 

Da es noch nicht zu spät war, haben wir uns nach einer entspannten Tasse Kaffee nochmal aufgemacht auf große Tour. Also etwa 15km. Ziel waren die Todtnauer Wasserfälle, von denen ich zwar vorher noch nie etwas gehört hatte, nun aber definitiv als Ausflugsziel empfehlen kann. Gesamtfallhöhe knapp 100m und höchste Staustufe mit knapp 60m Fallhöhe. Das ganze mitten im Wald und komplett zugänglich. Obendrein kostenlos, lediglich eine kleine Spende wird erbeten (ich glaube 1€ pro Nase) und bequem fußläufig in weniger als 10 Minuten von einem Parkplatz zu erreichen. Am Zugang gibt´s dann sogar noch Motorradsafes für 1€ Pfandgeld, in denen man Helme und Klamotten verstauen kann. Besser geht´s kaum. Etwas komische Blicke gab´s dann noch, als die beiden Gestalten in schwarz dort einfach mitten ins Wasser liefen und dann auch noch ihre Technik versenkten, aber hey, wie soll man denn sonst testen, ob die Moppedstiefel und die Actioncam wirklich wasserdicht sind? Waren sie und wir hatten tierischen Spaß. Kann man sich auf jeden Fall mal angeguckt haben und hey, für den Preis ist es einfach perfekt. Nur Treppen sollte man mögen. 100 Meter hoch klingt nicht nach soo viel. Wenn man unten startet und dann hochlaufen muss, relativiert sich diese Vorstellung recht schnell. Haben es trotzdem durchgezogen, tschakka.

 

 

Tag 5 – Samstag 20. August – Zonk

 

Wäre ja viel zu einfach, wenn alles immer wie geplant läuft. Der Tag startet verregnet und nach Elektrofroschprognose sollte sich daran den ganzen Tag nicht wirklich etwas ändern. Irgendwie blöd, zerhagelt das doch die geplante Tourabfolge. Allerdings wollen wir auch nicht zwanghaft fahren, nur weil der Plan dies so vorsah und der Arsch fänd einen Pausentag vielleicht auch mal ganz nett, immerhin war der bis zu diesem Zeitpunkt schon etwas 1800km auf der Mofasitzbank platziert. Wir genossen über den Tag also intensives Nichtstun, nutzten die Regenpausen um etwas den Ort zu erkunden (für alle Fußballfans: der Geburtsort von Jogi Löw, findet man hier an jeder Ecke, interessierte uns aber herzlich wenig) und einen Tisch beim Italiener zu reservieren. Damit man dort nicht in Kombi und behelmt aufkreuzt und dann auch noch keinen Wein trinken kann, nutzten wir das Touriticket ("KONUS") von der Kurtaxenanmeldung, womit man erfreulicherweise kostenlos Bus fahren kann. Dass die Reservierung nicht nur gut, sondern notwendig war, sahen wir dann vor Ort, Restaurant Eingangsbereich mit Warteschlange. Kenne ich von hier nicht. Nachdem das Essen (superschnell!) kam, konnte ich den Andrang allerdings verstehen. Frisch gebackene Pizza die einfach 10 von 10 Punkten verdient hat, dazu leckerer Traubensaft und ein toller Espresso zum Ausklang. Absolute Empfehlung, falls mal jemand in der Nähe ist. Als wir gingen, war der Tisch gefühlt binnen 10 Sekunden wieder besetzt. Im Vorraum warteten noch immer Leute...

 

Tag 6 – Sonntag 21. August – little venise @ Colmar (F)

 

Schon bei der Ausarbeitung der Tagestouren im Winter lachten mich auf der Karte neben dem Schwarzwald auch die Vogesen an. Anreise problemlos machbar und in großen Streckenteilen selbst auch kurvig. Nachdem ich im Biker Treff einige Tourvorschläge zeige und um weitere Empfehlungen bat, wurde mir ein Besuch in Colmar unbedingt ans Herz gelegt. Neben dem Hinweis, für die Anreise Autobahnen zuzulassen, statt sich durch die Rheinebene zu quälen. Beide Vorschläge beherzigten wir und so führte der erste Tourstopp des Tages ins Zentrum von Colmar. War mir die Stadt vorher gänzlich unbekannt, fand ich schon am heimischen PC via google diverse Bilder von der wirklich ansehnlichen Innenstadt und ihren Kanälen. Nicht ohne Grund heißt der Teil "Klein Venedig". Nach etwa 1h40min Anreise stellten wir den Dampfer also mitten im Stadtzentrum ab und schlenderten durch die kleinen Gassen. Wegweiser braucht man nicht, einfach immer dahin wo es voll ist und wo der Bummelzug (Trecker mit Anhängern) zu sehen ist, dann hat man alles touritaugliche automatisch dabei. Optisch ist die Stadt echt ein Highlight mit ihren alten aber bunten Häusern, kleinen Gassen und Brücken und überall Blumenschmuck oder sonstige Deko. Als würde man durch eine Postkarte laufen. Irgendwann stellte sich dann auch ein kleines Hüngerchen ein und wir guckten mal bei den ausgehängten Karten der Restaurants. Und erschraken heftig. Einstiege von 30-40€ waren eher die Regel als die Ausnahme. Klar, im Urlaub guckt man nicht auf jeden Euro, aber wenn man das mal grob auf zwei Leute hochrechnet sind knapp 100€ für ein schnelles Mittagessen dann doch schon eine harte Nummer. Wir stiefelten also weiter durch die Stadt und gaben uns moralisch schon fast geschlagen, dass dies halt der Preis für die hübsche Innenstadtoptik sei und beschlossen, einfach in das nächste Restaurant zu gehen. Restaurant plus etwa 40 Tische unter freiem Himmel auf einem Platz mitten in der Innenstadt, also in direkter Umgebung keine Konkurrenz und kein Preisvergleich, mir schwante böses. Unnötig, wie ich beim hereingehen feststellte. Der kurze Blick auf die Karte neben dem Eingang deutete auf normale Preise, auch die Karte drinnen gab sich friedlich. Bei Temperaturen über 30°C sieht eine Mahlzeit unter freiem Himmel zwar gut aus, der kühle Innenraum war aber definitiv die angenehmere Entscheidung. Auch Service und Küche wussten zu überzeugen, für zwei Mahlzeiten nebst Softdrinks und einem Glas Wein für´s Weibchen kamen wir bei lumpigen 35€ raus. Mitten in der Innenstadt. Fetzt. Gute zwei Stunden später ging es dann weiter, die Stadt war ja wirklich schön, aber wenn man nun schon in den Vogesen ist, will man ja nicht futtern, sondern fahren. Richtung Nordwesten verließen wir also die Stadtgrenzen und fuhren bergaufwärts, um nach dem Col du Pré de Raves in Richtung Col du Bonhomme und die dort anschließende Route des Crêtes bis nach Cernay unter die Räder zu nehmen. Perfektes Wetter, beeindruckende Panoramen und fantastische Straßen mit Kurven, Kehren und Winkeln in jeder vorstellbaren Bauart machten diese Etappe zu einem bleibenden Eindruck in unseren Köpfen. Den Plan, eventuell auf dem Heimweg noch einen Zwischenstopp in Mulhouse zu machen – uns war durch den Regentag gestern ja ein "Plantag" verloren gegangen, Mulhouse wäre sowieso ein Touriziel gewesen, somit hätte man das eventuell kompensieren können - verwarfen wir ob der fortgeschrittenen Uhrzeit, als wir die französische Gebirgskette verließen. Ein paar Kilometer Autobahn schubsten uns wieder nach Deutschland und somit wieder in den Schwarzwald, wo wir nochmal etwas 40km Heimreise auf kleinen und kleinsten Sträßchen genießen konnten. Kurz vor 19 Uhr parkten wir das Motorpferd in der Garage, genossen eine erholsame Dusche und guckten anschließend den Sternen bei ihrem schieren Dasein von der Dachterrasse aus zu.

 

 

Fortsetzung folgt...

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19.07.2016 19:02    |    fate_md    |    Kommentare (29)    |   Stichworte: 500, Kawasaki, KLE

Black swan

… die Geschichte vom hässlichen Entlein

 

Die nun folgenden Zeilen hoffentlich halbwegs geordneten Buchstabensalats beschreiben die Evolution eines hässlichen Entleins zu einem eleganten, aber gar nicht strahlenden, schwarzen Schwan.

 

Das Entlein

 

Hierbei handelt es sich um die von mir im Herbst 2015 erworbene „Funduro“ aus dem Hause Klappersaki. Ihre Schöpfer tauften sie auf den klangvollen Namen „KLE 500“. So weit alles noch ganz chic. Leider haben ihre Erbauer aber wohl auch mit bewusstseinsverändernden Drogen experimentiert oder waren hardcore Fans von Trainingsanzügen aus den späten 80ern. Anders kann ich mir die gewählte Farbgebung in wunderhübschem Türkis a.k.a. Schlumpfkotzeblau in Kombination mit Lila an diversen Elementen nicht erklären. Auch wenn jetzt gleich die ersten Kommentare à la „aber auf den Fotos sieht die doch ganz passabel aus“ kommen.... jop. Irgendwie haben sie es geschafft, einen Tarnmodus einzubauen, wahrscheinlich extra für Fotos und sonstige Veröffentlichungen. Sonst hätte diese Farbkombination wohl auch niemand gekauft. Hoffe ich.

 

 

Egal, jemand tat es und über ein paar Umwege landete das possierliche Knattertier schlussendlich bei mir. Zustand... naja, ja. War da. Bin ja auch bis Anfang 2016 unverändert damit gefahren. Um die genaueren Details soll sich aber der weitere Verlauf dieser Wortsammlung hier drehen.

 

 

 

Striptease!

 

Für eine sinnvolle Einschätzung der Gesamtsituation musste das Entlein erst einmal Federn lassen. Heißt im Klartext, sie wurde nackig gemacht. Alles was irgendwie Schlumpfkotzeblau war, musste seinen angestammten Einbauplatz verlassen. Somit stand der kleine Knatterwatschler also kurze Zeit später ziemlich nackig auf meiner Bühne während sich sein Federkleid in einer Ecke am Hallenboden sammelte.

 

Da es neben der Optik vor allem aber um die Technik gehen sollte, wurde mehr zerlegt und abgebaut als nur der reine Lacksatz. So befanden sich dann auch die Gabelholme recht schnell nicht mehr an ihrem angestammten Platz. Das was dann noch übrig war, sah gar nicht mehr so sehr nach Motorrad aus.

 

 

Als nächstes ging es dann an normale Servicearbeiten wie Ölwechsel und Ventilspielkontrolle. Letztere fällt turnusmäßig bei der KLEinen zwar häufiger an (ich glaube alle 6tkm), dafür muss man aber keine Shims aufwändig tauschen, sondern kann das passende Spiel ganz einfach über Stellschrauben herstellen. Beim Entlein waren übrigens nur zwei Ventile minimal außerhalb der Toleranz. Auch die Vergaser hatte ich auf der Werkbank und schauderte aufgrund der äußeren Optik schon der Dinge die mich da vom Innenleben her anlachen (oder angreifen?) würden, aber... nö. Die sahen innen aus wie gestern aus der Produktion aufs Mopped gesteckt. Ich war begeistert und überrascht zugleich. Nebenher gab es noch ein paar Spritzer Farbe für den Krümmer. Wird erfahrungsgemäß nicht ewig halten (denke mal eine Saison), aber war quasi gratis und nahezu aufwandsfrei nebenbei erledigt. Außerdem tauschte ich die Fußrasten aus. Nicht, weil ich unbedingt diese Metallgezackten Wadenbeißer haben wollte (auch wenn sie optisch deutlich cooler daher kommen als ihre gummibeklebten Zivilkollegen), sondern hauptsächlich weil die originalen Rasten keinen Federmechanismus haben und ich schon gefühlte 1000x nach dem losfahren den Fuß ins Leere gestellt habe. Blödes Gefühl und irgendwie total unnötig. Zum Glück gibt’s von anderen Knattermännern passende Spenderrasten.

 

Erst nackig, dann knackig

 

Beim nächsten Hallenbesuch machte ich mich dann an die Gabel. In Serie minimal zu weich. Also wirklich nur ein Mü. Minimal. Echt jetzt. Kaum zu merken. Abgesehen davon, dass sie bei Bremsungen aus mehr als 25km/h auf Block geht vielleicht. Zur Entschuldigung der Konstrukteure muss ich aber auch erwähnen, dass dem / einem Vorbesitzer wohl das Gabelöl bei der Wartung ausgegangen ist. Statt der empfohlenen 170mm Luftpolster wies das bei mir verbaute Exemplar fast 240mm Luftpolster auf. Mit frischen Wirth Gabelfedern und frischem Öl mit passender Luftkammer sollte sich das Ganze nun schon deutlich knackiger fahren. Außerdem wurden diese unsagbar hässlichen Ottmar Zittlau Fanclub Faltenbälge in Luderlila ausgetauscht gegen Neuteile in strahlend hellem Schwarz.

Im Anschluss tauschte ich dann noch schnell den Luftfilter, da der alte unter Lochfraß litt.

 

 

Thema knackig fahren... Das tat sie auch vorher schon. Also sie knackte. Allerdings eher beim Bremsen. Ich erwartete also schon ein defektes Lenkkopflager. Nach der Demontage der oberen Gabelbrücke war ich deswegen eher überrascht. Erstens sah das Lager und die Schale noch ganz hübsch aus und zweitens hatte es wohl schonmal jemand gegen ein Kegelrollenlager getauscht.

Nachdem ich untere Gabelbrücke nebst Lenkrohr entfernt hatte – ich wurde schon stutzig, als sie nicht allein fiel, nachdem das obere Lager weg war – sah ich dann auch den Grund für das Knacken und den Fakt, dass man nur die Gabelbrücken ohne Holme und Vorderrad kaum noch mit Fingerkraft bewegen konnte.

 

 

Also die alten Schalen und Lagerringe ihres Platzes verwiesen und durch hübsche Neuteile ersetzt.

Anschließend alles wieder zusammengesetzt, darüber gefreut, dass nun alles wieder so leichtgängig ist, wie es sein soll und für den Tag Feierabend gemacht.

 

 

 

 

 

 

Moderne Folter

 

Endlich stand die Zweizylindertrompete wieder auf eigenen Rädern, womit die Heberkonstruktion unter ihrem Stahlbauch hinfällig wurde. Bedeutete auch, dass ich die Abgasanlage wieder montieren konnte, um im Anschluß die Vergaser zu synchronisieren. Aber mal im Ernst, welcher sarkastische Drecksack von Ingenieur hat sich denn diese *pieeep... *ausgedacht, die Krümmer mit so komischen Halbringen an den Zylinderkopf zu schrauben? Hätte man nicht ganz normale, umlaufende Halterungen nehmen können? Da der Krümmer nur vorn befestigt ist und sich hinten mit über die Befestigung des Endtopfs abstützt, schwebt er quasi bei der Montage erst einmal in der Luft. Also sollte. Tut er natürlich nicht. Und schon gar nicht gerade. Und dabei soll man dann drei Bauteile (Krümmer + 2x Halbring) in Position bringen und befestigen. Was ein *piiiep*.

Ich hab mehrere Minuten gekämpft und geflucht, um vier, 4, V-I-E-R poplige Hutmuttern zu montieren. Dagegen war die Vergasersynchronisation im Anschluß ein echtes Kinderspiel und in kurzer Zeit sowie ohne nervige Zwischenfälle erledigt.

 

 

Als letzter Arbeitsschritt aus dem Segment fehlte jetzt noch die Bremse vorn. Die Bremsleistung ist nicht gerade umwerfend in Serie – man könnte auch fast von eingebautem ABS sprechen – was für die Zeit aber wohl keine Ausnahmeerscheinung war. Dank des Forums wusste ich aber mittlerweile von einer besseren Kombination mit einer Bremszange von einem anderen Mopped. Passt plug n play, braucht halt nur zur Zange gehörende Beläge. In meinem Fall sollte auch gleich eine Melvin Stahlflex noch mit Einzug halten sowie als Beläge die EBC Goldstuff, habe ich in anderen Moppeds einfach sehr sehr gute Erfahrungen mit gemacht. Die KLE hat nur eine Scheibe links, das Spendermopped hat vorn eine Doppelscheibe. Ich orderte also den linken Sattel, schleppte das Paket nach einer kurzen „aha, der Bremssattel“ Sichtkontrolle mit zur Halle und kriegte leicht erhöhten Puls, als mir nach 30s vergeblichem Montageversuchs klar wurde, was hier nicht passte.

Zum Glück wird das Teil anstandslos umgetauscht, so dass außer etwas Zeitverzögerung wohl keine Probleme weiter auftauchen.

 

Links.... das andere links...

 

Nach ca. fünf Tagen erreichte mich das von mir abgesendete Paket wieder, wieder mit einem Bremssattel, dieses mal aber wohl der passende. Ausserdem trudelten noch ein paar Utensilien zur Veränderung des Farbkleids ein.

Bei nächster Gelegenheit also den ganzen Kram mit zur Halle geschleppt und zusammengeworfen. Da ich keinen Kompressor besitze, den Sattel aber gerne überholen wollte bevor er dauerhaft auf seinem Arbeitsplatz einzieht, durfte ich also direkt zweimal alles zusammentüddeln und entlüften, um Anschließen die ziemlich keimigen Kolben aus ihrer angetrauten Behausung zu locken. Der zweite wollte auch erst, nachdem ich dem ersten etwas den Weg versperrte, die Überholung vor Einbau schien also nicht die schlechteste Idee zu sein.

Nach ein wenig putzen und popeln flutschten dann die frisch gereinigten Kolben ohne jeglich Widerworte in ihr neu geputztes Heim um dort in Zukunft brav Dienst nach Vorschrift zu tun. Mit oben bereit erwähnten EBC Belägen und Melvin Stahlflex Leitung nahm das Gesamtkunstwerk anschließend Platz an der linken Seite der KLE Gabel.

Da ich den Entlüfter eh gerade einmal in der Hand hatte, gabs auch an der Hinterachse gleich noch frische Bremssoße in die Leitung, welche einer der Vorbesitzer schonmal gegen Stahlflex getauscht hatte. Beläge blieben hier Serie bzw. das was halt aktuell drin ist.

 

Alles nur Schminke...

 

Nach dem Mittag widmete ich mich dann erstmals dem Lackkleid. Die hübschen Lila-Mint-Dekoraufkleber tun ein wenig weh auf der Netzhaut und mussten somit unbedingt weichen. Zum Glück sind selbige bis auf den am Tank nicht überlackiert. Mit ein wenig heißer Luft, Spiritus und Geduld kann man ihnen recht gut zu Leibe rücken. Manchmal entdeckt man so auch kleine Geheimnisse der Vorbesitzer, denn diese KLE lag unter Garantie mal auf der rechten Seite. Schön verspachtelt und den dabei angeknacksten Halter auf der Rückseite neu (und sehr stabil) einlaminiert, beigeschliffen und anschließen einfach wieder einen Dekorbogen drüber gepappt.

Egal, wird sicher nicht das letzte mal gewesen sein, dass sie stabile Seitenlage einnahm, das Plastik werden in Zukunft aber Sturzbügel schützen.

Nachdem alles Klebezeugs runter war, rückte ich dem Lackkleid mit 600er, 800er und 1000er Nasschleifpapier auf die Pelle. Nervige Arbeit die auch nach vielen Jahren Schrauberei immernoch keinen Spaß macht, aber hier schludern rächt sich nachher im Lackbild. Gefühlte eine Million Jahre später lagen die Lackteile also im ersten Durchgang angeschliffen auf dem Pflaster.

 

 

Blutverlust

 

Einige hundert Milliliter strahlendster Farbenpracht später befanden sich diverse Schichten Grundierung, Decklack und Klarlack auf der ehemals Schlumpfkotzeblauen Motorradhaut. Ein paar Tage später wurden die lackierten Teile dann mit dem automobilen Lastenesel wieder in die Halle befördert, um dort fein sortiert ans Mopped geworfen zu werden. Ein paar Schrauben verhinderten, dass sie wieder runterfallen. Plötzlich sah dieses Ding wieder aus wie ein Motorrad, ich war innerlich schon sehr zufrieden. Dass sie überhaupt lief, wusste ich schon, nun war nur noch die Frage wie und ob sie all ihre Lebenssäfte bei sich behalten würde. Kurz vorm Schlüsseldreh noch einmal große Augen, da tropfte doch etwas. War aber nur Sprit aus dem Tanküberlauf, ich hatte beim Befüllen per Kanister etwas gekleckert. Idealer Test für den benzinfesten Klarlack. Funktioniert. Raus aus der Halle, Schlüssel rum, starter gedrückt und da war sie auch schon. Rumpelnd und polternd wie immer, aber deutlich unspektakulärer als erwartet. Einen Augenblick im Stand laufen lassen, dann ein, zwei kurze Runden über den Hof. Fährt. Bremst. Knattert. Und tropft nicht. Also eine Plastikmütze aufgesetzt und auf zur ausgedehnteren Probefahrt. Knapp 70km sind es schlussendlich geworden, ohne auch nur die geringsten Vorkommnisse, irgendwie langweilig.

 

 

Am nächsten Tag dann mit dem Knattermann dienstlich unterwegs gewesen, reine Transportfahrt innerstädtisch. Kaum Belastung. Beim Abstellen dann die großen Augen. Es tropft. Augenscheinlich Öl. Nach dem Termin mal mit der Taschenlampe etwas geäugt, scheint aus Richtung Ventildeckeldichtung zu kommen. Genug Öl war aber noch drin, der Verlust scheint also noch gering zu sein. Nächster Stopp am Nachmittag, da tropfte es dann schon ganz ansehnlich und - was viel unschöner war - es fing an das Hinterrad einzusauen. Es half nichts, die Kiste musste wieder in die Halle. Gesagt, tun getan, abends in die Betonhöhle geschubst um mich des Problems am nächsten Nachmittag anzunehmen.

 

 

So durfte fast das gesamte Lackkleid wieder abegebaut werden, da die Teile alle miteinander verbunden sind. Praktische Lösung für wenige sichtbare Schrauben, aber brutal nervig, wenn man eigentlich nur den Tank runternehmen will. 15min später stand sie also - schon wieder - ziemlich nackt in der Halle.

 

 

Der Ölverlust kam recht eindeutig von der Ventildeckeldichtung, nur warum musste ich noch rausbekommen. Drehmoment rausgesucht und den Drehmo geschnappt und die erste Schraube angesetzt.

Klick.

Fest.

Ok.

Zweite.

Klick.

Ok.

Dritte.

Dreh.

Dreh leichter.

Dreh ab.

Toll.

Entweder hatte sie bei der Montage schon einen mitbekommen oder ein Materialfehler ist nun durch dummen Zufall gerade kurz nach der Probefahrt ans Tageslicht getreten. Nachdem der Ventildeckel unten war, begrub ich meine Hoffnung, das abgescherte Stück ggf. mit der Zange greifen zu können. Ein zweiter Blick offenbarte aber, dass die Ventildeckelschrauben in die Nockenwellenlagerböcke greifen. Selbige kann man natürlich ausbauen. Sehr gut. Und sie sind komplett durchgebohrt. Noch besser. Das ganze also auf dem Bohrtisch der Standbohrmaschine ausgerichtet, klein angebohrt und dann gehofft, dass mein Plan funktioniert. Tat er. Der größere Bohrer verkeilte sich im Gewindereststück und da ich das ganze vorher auf Kopf gedreht hatte, drehte er den abgebrochenen Rest einfach raus. Erstaunlich unkompliziert. Danach das Gewinde nochmal sauber nachgeschnitten und dann den Lagerbock ordentlich gespült, geputzt und wieder montiert. Anschließend zu Kawasaki gefahren und die defekte Schraube neu bestellt. 3,10€. Stolzer Preis für eine Schraube, in der Option aller Eventualitäten aber ein absolutes Schnäppchen.

 

 

Einige Tage später fand der neue Gewindeling seinen Platz in der KLE. Vorsichtshalber an den neuralgischen Punkten in freundlicher Nachbarschaft mit etwas Flächendichtung. Der Test einige Stunden später und die anschließende Probefahrt verliefen ohne Auffälligkeiten, so dass auch die letzten beiden Agendapunkte in Angriff genommen werden konnten. Dekore und Sturzbügel waren noch zu montieren. Muss man nicht viel zu schreiben, ist alles plug 'n play. Da das Wetter mitspielte wurden auch gleich noch ein paar Bilder geschossen.

 

Ich muss sagen, ich bin rundum zufrieden und irgendwie auch ein wenig stolz auf das Ergebnis. Dass ein 20 Jahre altes Mopped sich nochmal so wandeln kann, hätte ich nicht erwartet. Auch fahrtechnisch war die Aktion ein deutlicher Gewinn. Die Fuhre liegt deutlich satter und die Verzögerungsaggregate haben jetzt sogar fast den Namen Bremse verdient. Möge sich der Knatterman im Alltag bewähren und möglichst wenig rumzicken.

 

 

 

EDIT 07.09.2016

 

Sie - die Speichenblenden - kamen kurz vorm Urlaub an und sind jetzt auch drauf. Funktionell absolut sinnlos, passen farblich aber sehr gut ins Konzept:

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15.04.2016 23:52    |    fate_md    |    Kommentare (9)    |   Stichworte: 900, XJ, Yamaha

Wir schrieben etwa den 60. Tag nach dem Jahreswechsel, der Großteil der Moppedgemeinde fiebert dem Saisonbeginn entgegen. Gut, das Wetter ist jetzt noch nicht der Hit, aber das ist es nicht, was uns gerade etwas runterzieht, sondern eher der Fakt, dass wir eben erfahren haben, dass meine Lieblingssozia leider nicht mit mir zusammen Urlaub haben wird im April.

Ziemlich blöd, dabei hatte ich schon eine schöne Fünftagestour durch den Südosten Deutschlands bis runter nach Passau geplant. Mööp. Zonk. Wird nix.

 

Also die Würfel einmal neu rollen lassen und irgendwie umplanen. Unter der Woche könnte ich dann ja alleine die Hornet durch die Gegend schubsen um dann zumindest am Wochenende eine stark komprimierte Tourrunde mit der dicken Diva zu unternehmen.

Da man erst Freitags nach der Arbeit loskommt - also in ihrem Fall, ich hab ja Urlaub :D - durfte der Anreiseweg nicht zu üppig ausfallen. Schon wieder Harz wollten wir nicht, den können wir auch ohne Übernachtung recht bequem erreichen, also landete der virtuelle Auswahldartpfeil im Erzgebirge.

Moment... da hatte ich doch letztes Jahr am Moppedtreff ´nen Flyer mitgenommen von einem Bikerhotel... mal suchen... ach guck, ja, hab ich, direkt mal anschreiben.

Schon am nächsten Tag kam die prompte Antwort: die Belegschaft ist zu unserer geplanten Reisezeit selbst im Urlaub. Mööp. Zonk.

 

Es wurde also abermals das allwissende Orakel befragt, ob es uns denn Vorschläge für ein temporäres Dach über dem Kopf offerieren könne. Konnte es. Wie sich im Nachhinein rausstellen sollte auch ein echter Glücksgriff mit sehr nettem Service und schmackhafter Verpflegung. Verfügbarkeitsabfrage per mail war dieses Mal positiv, so dass es an die konkretere Routenplanung gehen konnte. Die Tour würde auch zeitgleich eine Generalprobe für das neue Navi sein (Blaupunkt Motopilot), welches uns dann auch im Sommer rund 4000km über die Straßen von 10 Ländern führen soll.

 

Als die Zeit näher rückte, wurden auch immer mal die ersten Wetterprognosen beäugt. Kann man anfangs mit zwei Worten beschreiben: Mööp. Zonk.

Nun gut, etwas Zeit war ja noch, kann ja nur besser werden (im wahrsten Sinne des Wortes). Wurde es auch. Irgendwann sah es sogar richtig gut aus, sowohl beim Blick aus dem heimischen Fenster als auch in der Prognose für die Tour. Leider sollte sich das in den letzten Tagen und Stunden vor der Abfahrt nochmal ändern. Mööp. Zonk.

Immerhin - da vertrauten wir jetzt einfach voll und ganz auf das Elektroorakel - sollte es eher in den Abendstunden Luftfeuchtigkeit in Tropfenform geben, tagsüber nur bewölkt, wenn auch nicht mehr mit den angenehmen fast-Sommer-Temperaturen die man aus den letzten Tagen schon gewohnt war.

 

Tick tack, es ist also Freitag Mittag, die Koffer sind längst gepackt und ich schwinge mich mit der Klappersaki los zur Halle, um die dicke Diva zu holen. Schnell noch zur Tanke, Spritfass vollmachen und Luftdruck checken. So der Plan. Aus "schnell noch..." wurde mal wieder nichts. Denn das Navi reagierte auf das Einstöpseln in die Aktivhalterung am Mopped mit völliger Teilnahmslosigkeit. Eigentlich hätte es jetzt von Akkubetrieb auf Dauerstromversorgung umsteigen und dies auch per kleinem Icon mitteilen sollen. Narf.

Also die Sitzbank ab und mal schauen, wo es denn klemmt, hatte die letzten Ausfahrten ja schließlich auch funktioniert und eigentlich sollten solche nervigen Stromprobleme ja mit dem Umbau auf die einheitlichen Superseal Stecker effektiv ausgemerzt sein. Sollten. Mal etwas an den Kabeln vom Stecker gerüttelt. Ja? Nein. Jetzt? Nein. Nochmal. *plopp*. Da hatte ich eine der beiden Adern in der Hand. Mööp. Zonk.

Statt schon auf dem Weg in Richtung Pension zu rollen, stand ich nun also an der Werkbank und presste einen neuen Stecker zusammen. Ok, eigentlich dauerte das alles gar nicht soo lange, aber es nervte ungemein, eben weil es nicht eingeplant war.

 

Führerschein Grundübung: bremsen & ausweichen

 

Mit nur ewtas Verpätung nehmen wir die ersten Kilometer der Anfahrt unter die Gummirundlinge. Nicht wirklich spannend, aber läuft halt so hin. Rund um Leipzig und Chemnitz hatte ich extra Wegpunkte auf die örtlichen Autobahnen gelegt, damit wir dort nicht durch den Innenstadtstau müssen. Kurz vor Leipzig bekomme ich aus heiterem Himmel heftige Kopfschmerzen, also Rast machen am nächstgelegenen McBommels, Pinkelpause, etwas Proviant futtern und was trinken. Nun fängt auch der Magen an rumzumurksen. Ideale Vorraussetzungen für ein Moppedwochenende.

Da ich nicht abschätzen kann, ob das besser oder schlechter wird in nächster Zeit, lösche ich die Tour auf dem Navi und gebe die Pension als direktes Ziel ein. Fahrprofil Mopped, ohne AB. So könnte man zur Not zumindest immer mal rechts ran, wenn´s unbedingt sein muss. Unschöner Nebeneffekt: wir werden jetzt wieder mitten durch Leipzig gelotst, zu bester Freitags-Feierabend-Uhrzeit. Dementsprechend voll ist es und wir stehen mehr als wir rollen. Noch dazu hat Leipzig gefühlt die dümmsten Ampelschaltungen der Welt, man steht vorn an einer Ampel, bekommt grün und sieht wie just im selben Moment die vorher noch grüne Ampel etwa 100m weiter auf rot springt. Das ist die perfekte Strategie um wirklich jeglichen Verkehrsfluß im Keim zu ersticken.

 

Irgendwann ging es auf einem zweispurigen Stück dann links aber doch mal flüssiger voran, rechts stand eine komplette Blechlawine Stoßstange an Stoßstange. Ich freute mich gerade innerlich schon über Tempi jenseits der 15km/h als ich reflexartig die Anker werfen und mit dem 450kg Trumm einen Ausweichhaken schlagen muss. Einer der Dosentreiber rechts fand die linke Spur auch schöner und zog ohne jegliche Vorwarnung - und scheinbar auch ohne jeglichen Blick in den Spiegel :rolleyes: - links rüber. Ausser etwas qualm, ein wenig Gummi auf der Straße und einem lauten Quieken in meinen Intercom Lautsprechern ist aber nichts passiert. Ein paar Meter später fragte ich den Fahrer, ob er mich denn nicht gesehen hätte. Der fing direkt lustig mit Beschimpfungen an, sehr produktives Gespräch. :rolleyes:

 

Ohne weitere Zwischenfälle durchreisen wir den Rest unserer Anfahrtsetappe und langsam geht die Sonne unter. Sofort wird es auch merklich frischer. Zum Glück hatte ich eine Mail an die Pension geschickt bei der Abfahrt, dass wir relativ spät eintreffen würden, somit musste man sich zumindest um das Zimmer keinen Kopf machen. Da auch direkt ein Restaurant mit angeschlossen war, war auch für das leibliche Wohl keine Gefahr im Verzug und so konnten wir relativ entspannt zusehen, wie die Sonne allmählich in den Wäldern verschwand. Gegen 19.30 Uhr rollten wir auf dem Parkplatz der Pension ein, kurz Formalitäten klären und nachdem die Koffer ins Zimmer Geschleppt und die Moppedkombis gegen zivile Kluft getauscht waren, klang der Abend bei leckerem Essen und einer Flasche Wein entspannt aus.

 

Felsen und Festungen

 

Samstag. Himmel klar, Luft frisch. Nase vor die Pension. Sehr frisch. Als Stadtkind vercheckt man schonmal, dass es in ein paar Metern mehr über dem Meeresspiegel und ohne städtische Dunstglocke Anfang April doch noch sehr kalt werden könnte nachts. So durfte ich erstmal Eis von der Sitzbank wischen :eek:

Unsere Pension lag in einem Vorort von Annaberg-Buchholz, wo wir am Morgen nach einem sehr üppigen Frühstück für uns auch die Diva fütterten, nach 285km Anfahrt sei ihr das gegönnt. Unsere Tour sollte uns hoch zur Bastei führen, danach zur Festung Königstein und von dort möglichst nicht geradlinig wieder zurück zur Pension.

 

Im Navi war die Route eingespeichert und die Option "Kurvige Strecke" gewählt. Das funktionierte gut, führte bisweilen aber dazu, dass man eine Straße verlässt, ein bis zwei Dörfer auf einer kleineren und wohl kurvigeren Straße durchfährt um schlussendlich doch wieder auf die Ausgangsstraße geführt zu werden. Das ist an sich ganz nett, führt aber natürlich dazu, dass die Tour sowohl zeitlich als auch streckentechnisch viel länger wird als im Voraus geplant.

Nach einem kleinen Raststopp an einer Tankstelle in Pirna, wo uns eine sehr nette Dame dann noch ansprach und berichtete, dass sie aktuell total gespannt auf alle Moppeds guckt, weil sie mit 55 Lenzen sich nun endlich auch den Traum vom Moppedführerschein erfüllt - ein wirklich nettes und herzliches Gespräch -, rollten wir weiter bis das Navi sagte, wir seien jetzt angekommen. Routenpunkt Bastei. Ja. Hmm. Sooo falsch war das zweifelsohne nicht, man konnte die Felsformationen einwandfrei erkennen. Blöd nur, dass die auf der Ostseite der Elbe stehen und wir standen auf der Westseite. Mööp. Zonk.

 

Bei genauerer Betrachtung, wie hoch das ist und wie weit man da wohl noch würde laufen müssen, entschieden wir uns aber auch direkt dagegen, noch eine Möglichkeit zur Flussüberquerung zu suchen. Die Bilder bei google sehen wirklich imposant aus, aber die Wenigsten derer hinter der Linse sind dort wohl in Moppedkluft hinspaziert. So beließen wir es beim Anblick von unten und brummelten sonor in Richtung Festung Königstein. Zufahrt bis hoch zur Festung geht nicht, also rechtlich, technisch schon, aber viele Schilder und Ampeln deuten einem dies nicht zu tun und dafür die (ebenfalls mehrfach vermerkte) "letzte Parkmöglichkeit" zu nutzen, ein Parkhaus. Ich witterte schon Touri Abzocke und wurde grandios eines besseren belehrt. Vielleicht Abzocke für Dosentreiber, aber Moppeds parken ganz offiziell gratis.

Man fährt einfach entsprechend dem Hinweisschild an der Halbschranke vorbei und hat direkt danach extra gekennzeichnete Motorradstellflächen UND - für alle die nicht wie wir ein 3 Zimmer Appartement in Kofferform dabei haben - sogar Schränke (ob die jetzt gratis waren habe ich allerdings nicht mehr geguckt, da für uns uninteressant) für seine Sachen.

 

Wir machten uns also zu Fuß auf, den Hügel hinauf, zur Festung. Meine Fresse, das Ding hat diese Bezeichnung wahrlich verdient. Eine imposante Trutzburg aus Naturfels und künstlicher Ergänzung der Struktur. Wahrlich beeindruckend auch ohne es von innen zu sehen (draußen ist alles kostenlos, für die große Runde inc. Innenbesichtigung fehlte uns einfach die Zeit). Sollte mal jemand von den Lesern in der Ecke sein, das Ding ist ein definitiver Tour(i)tipp.

Knapp eine Stunde später machten wir uns dann auf die Heimreise zur Pension bzw. nochmal nach Annaberg-Buchholz zur Tanke. Sprit kaufen. Und Benzin.

 

Irgendwann zwischendrin muss das Navi dann zuviel Östrogen abbekommen haben, in irgendeinem kleinen Kuhkaff hinter Pirna wollte es mich jedenfalls ständig und mit Vehemenz auf einen Weg schicken, der so richtig offiziell keiner war. Agrarweg oder eher 2 Spuren vom Trecker auf einer Wiese. Zig mal hin und her im Ort, ob es sich denn nicht geirrt habe, etliche Wegpunkte gelöscht, falls da einer blöd gesetzt war, nein, immer wollte es nach links. Nach der 5. oder. 6. Ortsdurchfahrt ignorierte ich es gänzlich und fuhr einfach geradeaus weiter. Nach 200m sollte ich an der ersten Möglichkeit abbiegen, und zwar nach RECHTS. Was das Ding da in seinem Elektrogehirn falsch verknotet hat, ich habe keine Ahnung, ein solches Problem trat auch nicht wieder auf.

 

Über meistens sehr leere und oft genial kurvige Straßen näherten wir uns unserem Versorgungslager. 305km attestierte der Tageskilometerzähler an der Zapfsäule. Beim Supermarkt nebenan versorgten wir uns dann noch mit Traubensaft in Flaschen um anschließend nochmal die gute Küche der Pension zu genießen. Die wurde ergänzt durch hauseigene Kräuterliköre welche man uns zur Verkostung brachte und ich wette mit einem dieser Schlückchen wäre das Mopped die komplette Strecke bis nach Magdeburg problemlos mit Mach1 zurückgefahren.

 

Re(h)aktionstest

 

Sonntag hieß es dann schon wieder Koffer packen. Nach einem kleinen Touri Einkauf für die Verwandschaft daheim trug uns der Einspurbus wieder gen Heimat. Deutlich kälter als auf der Anreise aber auch deutlich leerer, so konnte man schön Strecke machen. Die Navigation funktionierte problemlos und abgesehen von einem Schreckmoment, als kurz vor Grimma plötzlich zwei haarige Vierbeiner am Waldrand direkt an der Straße standen und so für eine solide Bremsung sorgten, kamen wir ohne Auffälligkeiten und pünktlich zum Kaffeetrinken nach Hause. Koffer abladen und zum Abschluss nur nochmals zur Tanke um die Dicke dann abreisefertig für die nächste Tour in der Halle zu verstauen. 868km sind es geworden, passig für einen Kurzurlaub ab Freitag Nachmittag.

Ach ja... Wetter... Nicht ein einziger Tropfen auf der gesamten Tour. Läuft. :cool:

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17.01.2016 19:05    |    fate_md    |    Kommentare (4)

under construction – part 2

 


Elektrisierend

 

Weiter ging es, noch war die dicke Diva nicht fertig und auch ein paar andere Moppeds warteten noch in der Halle um ihre Winterbehandlung zu erfahren. Da es mir in den vergangenen Wintern immer schon auf den Keks ging, die Batterie bei den saisonal zugelassenen Gebrummsen auszubauen um diese hin und wieder in die Obhut eines Ladegeräts geben zu können und auch weil alle Moppeds eine identische Anschlussmöglichkeit für ein Navi bekommen sollten, mutierte ich kurzerhand zum Kabelaffen. Wahrlich nicht meine liebste Aufgabe, aber wenn denn sollte es gleich einmal bei allen Bikes richtig gemacht werden...

 

Nur mit Gummi

 

Ich besorgte mir also ein paar Meter Kabel und eine bunte Tüte voll mit Superseal steckern und bastelte los. Für jedes der vier Bikes wurde ein Kabel konfektioniert, das auf einer Seite dauerhaft an die Fahrzeugbatterie angeschlossen wird mit Ringkabelschuhen, in die Zuleitung wird zusätzlich ein Sicherungshalter für Flachsicherungen eingesetzt. Das andere Ende wurde mit einer Superseal Buchse ausgestattet. Das Kabel ist lang genug, um unter der Sitzbank oder wahlweise zwischen Rahmen und Tank gelagert zu werden. Damit die ungenutzte Buchse dann auch wirklich wasserdicht ist, werde ich mit Silikon oder Scheibenkleber o.ä. ausgegossene Gegenstücke aufbringen, solange kein Stromspender oder -sauger dran hängt.

Die Zuleitung zu den original verbauten Polzangen des Ladegeräts wurde durchtrennt, auf der Ladegerätseite wurde ein passender Superseal Stecker verbaut. Das Ladegerät ist somit mit einem Klick an jedem Bike nutzbar. Auf der Polzangenseite wurde ausserdem ebenfalls eine Superseal Buchse verbaut, so dass im Bedarfsfall (z.B. Autobatterie) auch die Polzangen weiterhin genutzt werden können.

Selbiges erledigte ich mit der Zuleitung des Navis, so dass auch hier binnen Sekunden eine wasserdichte Spannungsversorgung hergestellt werden kann. Die Zuleitung vom Navi ist lang genug, um bis unter die Sitzbank verlegt zu werden, ausserdem ist direkt hinter dem Aktivhalter noch eine serienmäßíge Trennstelle im Kabel, so dass man im Urlaub etc. sehr schnell und einfach die Spannungsversorgung der Aktivhalterung unterbrechen zu können, damit diese einem nicht klammheimlich die Batterie leer nuckelt.

 

 

 

Spaßbremse – oder mehr Spaß am Bremsen

 

Damit die dicke Diva final reisetauglich wird, wurden auch die vorderen Sättel noch einer Erfrischungskur unterzogen. Warum ich das nicht im selben Abwasch mit den Stahlflexleitungen gemacht hab, kann ich mir selbst nicht wirklich erklären, naja, wer keine Arbeit hat, macht sich halt welche :rolleyes: Auf jeden Fall waren die jeweils kleineren Kolben in beiden Sätteln deutlich schwergängiger als ihre größeren Brüder direkt nebenan, so das nun für alle gemeinsam Waschtag war.

 

Das wurde gemacht:

 

  • Sättel zerlegt, Dichtringe und -sitze gereinigt
  • Kolben gereinigt
  • Schiebestücke gereinigt, poliert und gefettet
  • neue Bremsbeläge (EBC Sinter)

 

Auch wenn die Bremse innen gar nicht so scheisse aussah, wie ich das eigentlich erwartet hatte, ist der Unterschied doch deutlich spürbar, alles ist wieder super leichtgängig. Anlage danach nochmals befüllt und entlüftet.

 

Kollateralschaden: Eine Schraube vom Bremsflüssigkeitsbehälterdeckel wollte in den Krieg ziehen. Sie hat verloren.

 

Jetzt geht´s rund!

 

Damit die Moppeds mit Saisonbeginn – oder sagen wir eher fahrtauglichem Wetter, die dicke hat ja keine Saisonzulassung – auch mit dem passenden Schuhwerk ausgestatt sind, mussten auf zwei Bikes noch insgesamt drei neue Gummirundlinge. Um dies - vor allem auch platztechnisch - bewerkstelligen zu können, musste ich das blaue Eisenschwein erstmal umdrehen, was in der Praxis bedeutete, rausschieben aus der Halle, auf dem Hof umdrehen und den Weightwatchersverweigerer dann umgekehrt wieder über den Absatz der Fundamentplatte in die Halle schubsen. Bei -2°C und fettem Schneetreiben. Mir war komischerweise so gar nicht kalt.

Die dicke Diva bekam schon letztes Jahr vorne einen neuen Pneu (Metzeler Z8), der Bruder an Achse zwei folgt nun jetzt, ebenfalls Metzeler Z8 M. Vorher war ein Z6 hinten montiert, dem wir im letzten Urlaub schon etwas das Gummi von den Füßen gerubbelt haben, ich denke der Z8 sollte dem in nichts nachstehen.

Da ich gerade schon einmal beim Räder ausbauen war und die neuen Gummis eh schon hier lagen, folgte auch die Hornisse noch am selben Tag und verweilt nun aktuell auf Montageständern statt auf ihren eigenen Rädern. Sie bekommt vorn einen S20 Evo und hinten einen T30 Evo (vorher BT16 pro und BT23).

 

 

 

Kleinvieh macht auch Mist

 

... und Mühe! Für den aktuell letzten Basteltag stand eigentlich nur Kleinkram auf dem Plan, dass auch dieser einige (bis viel) Zeit in Anspruch nehmen kann, kennt wohl jeder Schrauber.

So folgte dann erst einmal die Herstellung des low budget RAM Mount Ersatzes um das Navi an der dicken Diva zu montieren. Mitgeliefert mit dem Navi wird – wie wohl fast immer – eine Lenkerklemmhalterung. Würde auch an der Diva passen, hat aber den Nachteil, dass man das Navi nicht mehr erkennen kann, wenn ein großer Tankrucksack montiert ist. Da die Diva nahezu nur als Reisetourer fungiert, ist letzteres aber quasi immer der Fall, wenn der 280kg Einspurbus die heiligen Hallen verlässt. Schon für das letzte Navi hatte ich deswegen eine selfmade Lösung entwickelt und hergestellt, welche sich auch sehr gut bewährt hat, abgesehen von dem Punkt, dass diese Navi Taschen immer etwas nervig bei starker Sonneneinstrahlung sind, da sie stark spiegeln. Das Touren war damit aber trotzdem immer problemlos, Entscheidungsgrund für ein neues Navi war primär das neuere Kartenmaterial. Da der Neuling eben nun mit RAM Mount kam, musste auch mein Selbstbauhalter angepasst werden. Kurzfassung: funktioniert. Schraubbare RAM Mount Kugel kostet um 20€, meine Garagenbastellösung etwa 1€ plus ein bissl Bearbeitung.

 

 

Vorteil ist jetzt auch, dass man das Gerät in quasi beliebigem Winkel verstellen und um die Armlänge des Halters versetzen kann. Da ich von den Kugeln noch neun Stück habe, kann ich auch für die anderen Moppeds plug n play Halter bauen. Einheitliche Stromversorgung ist dann ja ebenfalls gegeben durch die angefertigten Kabel. Selbige habe ich dann heute auch noch fertiggestellt, es fehlten noch die Ringkabelschuhe zum Anschluss an die Batterie sowie die Sicherungshalter. Mit der passenden Crimpzange – kann ich jedem, der ab und an mal Kabel zusammenstellen muss, nur wärmstens ans Herz legen – machte das überhaupt keinen Stress und war recht fix erledigt. Kosten für jedes Kabel fertig konfektioniert betragen etwa 2-3€.

Alle Kabel per Durchgangsprüfer getestet, beschloss ich, das erste auch direkt einzubauen. Für den theoretisch kleinsten Arbeitsschritt folgte dann auch direkt der meiste Aufwand, weil die Batterie bei der dicken Diva sehr versteckt verbaut ist. Man muss die rechte Seitenverkleidung demontieren, welche sich aber nur entfernen lässt, wenn man vorher auch Kofferhalter und Topcasebrücke entfernt, während letztere nur all ihre Befestigungspunkte offenbart, wenn man die obere Heckverkleidung demontiert. Im Ergebnis stand die Diva ziemlich nackt da, um eigentlich nur ein Kabel an die Batterie anzuschließen. Der anschließende Test mit Ladegerät war aber direkt erfolgreich (und attestierte der nun schon lange ruhenden Diva Batterie beste Gesundheit), was den Mehraufwand schnell vergessen machte.

 

 


Doppelte Erleuchtung

 

Genug an der Diva gefummelt, die Hornet stand ja auch noch in Reichweite und guckte schon ganz traurig. Also dort noch für Erleuchtung gesorgt im doppelten Sinne. Einerseits mit neuen Leuchtmitteln im Scheinwerfer. Mit den Philips Lampen hatte ich damals schon im Corsa sehr gute Erfahrungen gemacht. Nicht stylomat blau oder sowas, aber hell und genau das zählt ja. Ausserdem wurden auch die vorderen Blinker noch "entLEDisiert" und wieder gegen Halogen Pendants getauscht, da ich mit dem geringen Abstrahlwinkel der LED Teile nicht so richtig warm wurde. Im passenden Winkel betrachtet durchaus sehr hell, hilft mir aber nix, wenn mir einer vor die Karre fährt, weil er halt nicht im passenden Winkel drauf geschaut hat. Ob´s was hilft, werde ich hoffentlich nie wirklich austesten müssen, mit der Optik kann ich auf jeden Fall leben.

 

 

In den kommenden Tagen werden dann die neu begummirundlingten Räder wieder eingebaut und die Diva bekommt noch einen Ölwechsel. Damit wäre der Reisedampfer erstmal wieder startklar. Für die Hornet folgt noch ein neues Lenkkopflager und ein Kühlmittelwechsel sowie Bremsflüssigkeitswechsel. Wenn das erledigt ist, geht´s an die KLE, einmal komplett zerrupfen, Service rundum, kleinere Upgrades und dann im neuen Lackkleid wieder zusammenfummeln. Dafür brauchts aber draußen noch ein paar Milliliter mehr im Temperaturmessbecher.

 

In diesem Sinne allen Schraubern noch einen produktiven Restwinter, was steht bei euch noch so an?

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04.01.2016 20:21    |    fate_md    |    Kommentare (5)

Ein paar Jahre ist es jetzt her, dass ich mein Spaßauto gegen ein motorisiertes Einspurfahrzeug tauschen wollte. Damals – ohne wirkliche Ahnung von Motorrädern zu haben – faszinierte mich vor allem die power to weight ratio. Schon ein Mittelklassemotorrad erlaubt Fahrleistungen eines Sportwagens, so man denn einfach nur die oft einfach zu findenen Messwerte in Bezug auf Längsdynamik vergleicht. Dem ist auch so und dieser Punkt fasziniert sicherlich viele Einsteiger, aber weder macht dies auf Dauer den Hauptgenuss am Fahren aus, noch soll es das Hauptthema dieses Blogs werden. Es war aber mit ausschlaggebend für die Entscheidung, welcher Treibsatz mich denn durch die ersten Moppedsommer bringen sollte.

 

Die Hornet war mit Sicherheit keine falsche Entscheidung, ich habe sie auch heute noch und ich fahre sie gerne. Das Teil ist handlich, ziemlich unkritisch – böse Zungen würden es charakterlos nennen – und bei Bedarf doch ziemlich flott unterwegs, so man denn die Drehzahlmessernadel konstant nahe am und im fünfstelligen Bereich hält. Das Ergebnis ist dann meistens nur bedingt sozial kompatibel, oft auf Kriegsfuß mit den gesetzten Grenzen der Straßenverkehrsordnung oder gar eine ernsthafte Gefahr für den Fortbestand der Fahrerlaubniserteilung, aber es macht verdammt nochmal jede Menge Spaß. All das kann sie gut, sofern man sie allein pilotiert und die Tour abends wieder in der heimischen Garage endet, denn weder viel Platz für eine Sozia noch für Gepäcklösungen oder im Idealfall gleich beides sind ihre Stärken. Standen bei der Auswahl damals auch absolut nicht im Lastenheft, also sei ihr das hiermit verziehen.

 

Mit mehr Fahrerfahrung kommt dann aber irgendwann auch die Verschiebung der Interessen, einerseits von zunehmend unwichtiger werdenden Spitzenwerten in der Längsdynamik hin zu mehr Kurvenspaß und andererseits die Abkehr von kurzen Heizertouren hin zu Mehrtagestouren in fahrerisch interessante Gegenden als die altbekannte Heimat. Da der Platz in der Halle sowieso vorhanden war, dauerte es nicht lange und es wuchs die Idee, dem giftigen Insekt ein etwas gediegeneres Tourengefährt zur Seite zu stellen. Die Suche währte nicht lange und alsbald parkte die dicke Diva unterm gleichen Dach.

 

Gefühlt 5m länger als die Hornet, Platz für irgendwas zwischen 2 und 17 Personen und mit serienmäßigem Koffersatz plus Topcase ausgestattet stellte sie von nun an das Reisemobil auf zwei Rädern dar. Schnell folgten kleinere Touren, um die Reisetauglichkeit zu testen und direkt im Anschluss ein mehrtägiger Urlaub. Hat man sich an das bleischwere Ungetüm erst einmal gewöhnt, tut sie genau das, wofür sie angeschafft wurde, sie ermöglicht wunderschöne Motorradtouren. Dabei strahlt sie eine stoische Ruhe aus und sorgt somit für eine auf dem Zweirad bis dahin unbekannte Tiefenentspannung. Dass diese Eigenschaft nicht zwingend bedeuten muss, dass man deswegen langsam unterwegs ist, lernt man recht bald auf diesem Eisenschwein. Es fährt sich halt einfach anders als die Hornet, etwas weniger quirlig aber keinesfalls lahm.

 

Im Sommer 2015 – wir waren gerade auf mehreren Tagestouren in Hessen und Thüringen unterwegs – ließ die rüstige Dame dann ärgerlicherweise doch ihr betagtes Alter durchblicken und verhagelte unsere weitere Urlaubsplanung mit einem nervigen Defekt. Der hintere Bremssattel hatte gefressen und die Beläge gänzlich vernichtet sowie die Bremsscheibe schon arg in Mitleidenschaft gezogen. Wir konnten damals glücklicherweise alle weiteren Vorhaben kurzerhand umplanen und auf die Hornet zurückgreifen, die dicke Diva wurde erstmal nur vorsichtig zurück zur heimischen Garage gefahren (immerhin die vordere Bremse funktionierte ja noch klaglos) und ihre Reparatur auf "im Winter" vertagt.

 

Nun ist Winter und sowohl die Planungen für die Reparatur des Reisedampfers als auch die seiner adäquaten Nutzung gediehen in den letzten Wochen und Monaten recht deutlich. Eine taugliche Bremsscheibe sowie einen intakten Sattel und frische Beläge warteten schon seit geraumer Zeit auf ihren Einbau und da man eh einmal dabei war, wurden auch gleich die 18 Jahre alten Bremsleitungen noch gegen Stahlflexpendants eines großen Herstellers mit M am Anfang ersetzt.

Ausserdem besorgte ich noch ein Motorradnavi mit neuem Kartenmaterial, da mir die Lösung mit der Tasche immer etwas auf den Keks ging und das bisher verwendete Navgear doch auf recht veralteten Karten basiert. Damit selbiges – und die dicke Diva – ein wenig Arbeit bekommt, wurde auch gleich noch an der Urlaubs- und Tourenplanung gefeilt, was zugegebenermaßen mit jedem mal drüber nachdenken und daran arbeiten etwas beklopptere Züge angenommen hat, aber hey, wenn durchgeknallt, dann wann, wenn nicht jetzt?

 

Auf dem Hornet Treffen letztes Jahr schwärmten uns zwei Teilnehmer so begeistert vom Schwarzwald vor, dass wir kurzerhand beschlossen, dass wir uns das auch mal antun werden. Und wenn man schon mal da ist, sind die Vogesen und die Alpen ja eigentlich auch gar nicht so weit weg. Irgendwann dann begann die Idee, dass man ja doch ein paar mehr Länder mitnehmen könne, wobei die meisten davon zugegebenermaßen nur angekratzt werden. Macht aber nichts, reicht fürs Foto und hoffentlich später für viele Erinnerungen an die Tour à la "weißte noch, damals..."

Da ein Reisetourer reisen soll, ist die Tourplanung aktuell bei etwa 3800km angekommen und umfasst Deutschland, Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Tschechien, inklusive Touren durch den Schwarzwald rund um den Feldberg, die Vogesen, einigen Alpenpässen und dem Erzgebirge. Dazu noch immer ein wenig Kultur und ausspannen, soll ja schließlich auch Urlaub sein und nicht NUR fahren. Damit der Hintern trainiert wird, fahren wir direkt vor der Abreise noch das Hornet Treffen 2016 an, so das am Ende des aktiven Teils des Urlaubs wohl so etwa 4400-4600km auf dem Saisoncounter stehen.

 

Da bis dahin noch etwas Arbeit vor mir liegt, stehen sowohl die Moppeds als auch die genaue Tourenplanung bis dahin noch

 

under construction...

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02.10.2015 21:26    |    fate_md    |    Kommentare (13)

Von Pragmatismus und Schlumpfkotze

 

... oder warum Emotionen und Nutzwert nicht immer beste Freunde sind...

 

 

Ziemlich genau 14 Monate ist es her, da brodelte in mir die Idee auf, Kurzstrecken, für die ich mit dem Fahrrad zu faul war, mit einem günstigen motorisierten Zweirad abreis(s)en zu wollen.

Auto wäre zwar da, aber Innenstadt meide ich mit dem Bürgerkäfig wie der Teufel das Weihwasser. Die dicke Diva ist mir zu unhandlich und die Hornet zu schade um sie vor der Tür stehen zu lassen. Beide ruhen wohlbehütet und verschlossen am Stadtrand.

Fahrrad ist für alles bis etwa 5km Entfernung wohl die schnellste Alternative und deswegen auch im täglichen Einsatz. Nun änderten sich aber auch meine beruflichen Randbedingungen etwas und es war ggf. öfter mal nötig, flott den Stadtrand oder auch etwas weiter hinaus erreichen zu müssen.

 

Da ich früher - bitte schalten sie ihr Vorstellungsvermögen kurz in den schwarz / weiß Modus - schonmal einen Roller hatte, damals einen HighEnd 49ccm* Baumarktchinesen, einfach mangels Führerschein für größere Kaliber, war mir ein solches Gefährt auch direkt wieder in den Sinn gekommen. Nur eben mit mehr Schmalz an der Kette bzw. in dem Fall am Riemen.

Rechts drehen, nichts weiter tun, schnell. So die Idealvorstellung von Rollern jenseits der 50ccm Klasse. Ganz fürchterlich nach fahrendem Sofa sollte es auch nicht aussehen und die Räder nicht zu klein sein, trotzdem musste ein gewisser Nutzwert gegeben sein. Mehrere Wochen studierte ich die einschlägigen Onlineportale um mir dann im September das für mich passende Modell im Südwestharz an Land zu ziehen.

 

Der Yamaha X-City 250 hatte alles, was das Suchraster vorgab. Er war deutlich ausreichend schnell, er war praktisch, er sah nicht fürchterlich nach Sofa aus und er funktionierte einfach. Also genau das was ich wollte. Irgendwie. Denn früher hatte das Rollerminiding da irgendwie andere Emotionen und Fahrspaß vermittelt, als es sein großer Vetter jetzt tun wollte.

Früher hatte ich allerdings auch keinen Motorradführerschein und dementsprechend keinerlei Ahnung, wie sich einspurige Fortbewegung anfühlen kann. Und genau das war wohl der Unterschied zu jetzt. Lastenheft vollständig erfüllt, die Emotionen blieben aber auf der Strecke. Es ist eben kein Motorrad, auch wenn der selbige Schein zum pilotieren benötigt wird.

Trotz mangelnder Gefühlsausbrüche fand ich die Kiste nicht schlecht, ebenso finde ich aber auch ein freies Taxi super, wenn ich nach einer Kneipentour nach Hause will. Ich ließ ihm seine benötigte Zuwendung angedeihen, er dankte es mit immer braver und unauffälliger Existenz. Nur eine richtige Bindung, die kam nie so wirklich auf. Egal. Im Juli noch zum Plakettenpatron gefahren und mit Bravour den bunten Rundling ans Kennzeichen verliehen bekommen.

Danach ging es alsbald drei Wochen in den Urlaub, zwei davon einspurig. Da waren sie. Emotionen. So muss sich das anfühlen. Selbst wenns nicht so toll war, war es toll. Auf dem Roller war es einfach nur, weder schlecht, noch toll, es war. Schiere Existenz zum Selbstzweck. Nein, das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ich bin zu jung für rein pragmatische Lösungen, darüber denke ich nochmal in 20 Jahren oder so nach.

 

Innerlich fasste ich also schon den Entschluss, dass ich "mal grob nach was anderem gucke". Einer oder Zwei Töpfe, 500-700ccm und mit der Option, auch mal einen Feldweg, Notfalls auch ohne Weg, zu nehmen. In der Moppednomenklatur schimpft sich sowas "Funduro" wie ich gelernt habe. Naja wie das bei mir mit dem "ich guck nur mal grob, was der Markt so hergibt" immer ist, waren wir 14 Tage später zu einem Besichtigungstermin 20km vor der Stadt.

Klassiker. Haus gebaut, Kind, Umzug, Mopped übrig. 1500km in 2 Jahren. Probefahrt? Aber gern. Pragmatismus? Am Arsch. Zwei Zylinder rotzen in einen GPR Endtopf und hacken solide auf die Kette, wenn man zu sehr den Ökomodus raushängen lässt. Klingt das neubausiedlungstauglich? Na auf gar keinen Fall. Dafür macht es richtig dicke Spaß. Nur angucken darf man es nicht, denn seine Erbauer haben es in wunderschönstem Schlumpfkotzeblau dekoriert. War wohl damals, also Anfang der 90er Jahre, total angesagt. Muss wohl die Hochzeit von psychodelischen Drogen gewesen sein.

Egal, Optik kann man ändern und preislich wurden wir uns nach einigen Verhandlungen dann auch einig. Eine Woche später tauschte ich somit Pragmatismus gegen Schlumpfkotze und hätte schön auf den ersten Runden unterm Helm im Kreis grinsen können. Bin ich jetzt schneller in und um die Stadt? Eher nicht. Hab ich mehr Spaß dabei? Aber Hallo! 1:0 für Schlumpfkotze.

Da ich mich an diese Optik aber gar nicht gewöhnen will, wird sie im Winter wohl ein neues Lackkleid bekommen. Nach dem A Corsa damals wollte ich eigentlich nichts mehr in schwarz matt haben, zumal das ja selbst für teure und neue Fahrzeuge eine absolute Massenoptik geworden ist. Nach diversen Spielereien mit Bildbearbeitungsprogrammen und der Tatsache, dass man die Dekoraufkleber im Originalstil auch in Wunschfarbe und vor allem in matt bekommen kann, stand die Entscheidung fest. Neben diversen Upgrades kommt auch ein mattschwarzes Lackkleid auf die Kunststoffhaut von... ja was ist es denn nun eigentlich geworden?

Eine Kawasaki KLE 500, eine 500er Zweizylinder Funduro mit bärenstarken 50PS die sich über ein erfeulich flaches Leistungsdiagramm erstrecken. Ausdrehen auf die möglichen 11000rpm macht keinerlei Sinn, dafür lässt sie sich zwischen 2500 und 8000rpm wunderbar dynamisch und emotionsgeladen bewegen. Der Todesstoß für den Pragmatismus? Fast, ein Topcase darf bleiben.

Ich hoffe sie nimmt mir das draußen stehen nicht übel und funktioniert einfach immer ohne Stress. Da ist mir Pragmatismus dann doch wieder lieber als Emotionen.

 

 

*laut Fahrzeugschein

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05.09.2015 23:59    |    fate_md    |    Kommentare (8)

Sternzeit 14082015.3-55, zu Zeiten wo andere sich gerade nochmal umdrehen oder überhaupt erst sturzbesoffen ins Bett stolpern, reißt mich mein Elektrohahn aus der wohlverdienten Nachtruhe. Start in den letzten Arbeits- und zeitgleich ersten Urlaubstag, noch einmal eine Frühschicht durchziehen und sich mental schon darauf freuen, dass man abends mit Gleichgesinnten am Lagerfeuer sitzt und Benzingespräche führt. Dazwischen liegen, abgesehen von der Frühschicht, nur noch gute 3h Fahrt und wenig motivierende 35°C. Der Sonnengott meint es ziemlich gut mit uns. Schade, dass die dicke Diva keine Klimaanlage hat, wäre mal ein echter Komfortgewinn. Dafür gibt´s recht passablen Wetterschutz durch Tourenscheibe und Vollverkleidung, na das ist doch auch was, muss man zumindest nicht im Fahrtwind frieren. Ein sarkastisch resignierender Teil in mir überlegt, ob man nicht zur Krönung auch einfach noch die Griffheizung einschalten sollte.

 

Der Pflichtteil des Tages zieht dahin und nach kurzem Mittagsimbiss und Klamottenwechsel klicken gegen 14.30Uhr die Koffer in ihre Halterungen an der Diva. Selbige hatte das Weibchen in den letzten zwei Tagen schon fertig gepackt, bei der letzten Runde um die Stadt wurde das Schlachtross vollgetankt, grob durchgecheckt und mit ausreichend Luft in den Gummirundlingen versorgt. Somit beschränkte sich die eigentliche Abfahrtsvorbereitung am Freitag auf 3x Klick (Koffer, Topcase), 1x Klong (Tankrucksack) und 1x Ratsch (Reißverschluss an der Tasche fürs Navi). Dann nur noch unsere Luxuskörper auf den Einspurbus geschwungen und schon reiten wir nach Westen in den Sonnenuntergang. Naja fast, Sonne war noch genug da, was sich im Stadtbild auch in vielem fehlenden Stoff an den Menschen widerspiegelte. Ob das für das Auge des Betrachters nun immer so vorteilhaft war, lasse ich mal dahingestellt. Wir bildeten mit unseren Vollmonturen, Stiefeln und Handschuhen auf jeden Fall einen an diesem Tag recht rar gesäten Gegenpol.

 

Unsere Route führt uns knapp eine Stunde sehr unspannend bis an den Harzrand, was einerseits ganz angenehm ist, um den Kopf vom Arbeitstag zu befreien und in den Urlaubs- und Entspannungsmodus zu kommen, andererseits an einem Sonnentag wie diesem dazu führt, dass man sich fühlt als würde man lebendig gegrillt werden. Blankenburg, Nebenstraßen, erste kurze Pause um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Von nun an sollte der Weg deutlich mehr zweiradgeeignet sein, einmal diagonal durch den Harz. Die Straßen sind nicht gänzlich leer, aber gut fahrbar, etwas kühler ist es in den Baumschattengebieten zum Glück auch. Die Diva tut ganz artig ihren Dienst und stampft tiefenentspannt über die Asphaltwege. Ziemlich genau gegen 18Uhr biegen wir auf die Zielstraße zur Pension ein. Letztes Jahr aus der Not geboren, sollte diese Herberge dieses Jahr direkt unser präferiertes Ziel darstellen, um zuerst am Hornet Treffen teilzunehmen und anschließend eine Woche Heimat und Ausgangsort für Touren Richtung Hessen, Thüringer Wald und Edersee zu werden. Schnell noch in den nächsten Ort zum Kühlschrank und Divatank füllen und dann hoch zur Burg, wo das Hornet Forumstreffen stattfindet. Schnell die Anmeldung erledigt und gegen 20Uhr vernichte ich die erste Grillwurst. Angekommen. Urlaub. Noch ein wenig schnacken mit altbekannten und neu kennengelernten Gleichgesinnten, flott noch für eine Tour am nächsten Tag eingetragen und dann langsam in Richtung Pension. Die knapp 3km fahren wir im Bummelmodus, das Reh am linken Straßenrand und die Eule direkt vor uns werden diese Entscheidung gutgeheißen haben. Mit dem Weibchen gibt´s noch ein Glas Wein zum Tag ausklingen lassen auf der überdachten Gartenterrasse. Als ich den Boden des selbigen erreiche, verrät ein Blick auf das Zeiteisen, dass mein Tag vor 20 Stunden 210km weiter nordöstlich begonnen hat. Reicht für heute. Tilt.

 

Einer von vielen

 

Der Samstag beginnt deutlich entspannter, der Wecker trötet zu einer sehr angenehmen Zeit und um 9Uhr bekommen wir unser Frühstück im Garten bei bestem Wetter serviert. So lässt es sich aushalten. Danach in die Kombis gesprungen und auf zur Burg. Gegen 11Uhr soll die Tour starten, es bleibt also noch etwas Zeit um vorher zu quatschen. Als die Zeit ran ist, formieren sich die Gruppen und wir brummen los, etwa 90min über meist leere Straßen bei bestem Tourenwetter. Ziel wie immer der Parkplatz auf dem Hohen Meißner, wo sich alle Gruppen wieder zusammenfinden, um im Anschluss als Korso den Rückweg anzutreten. Bei knapp 100 Bikes wiedermal ein sehr imposantes Spektakel. Die Nachmittagsgestaltung kann jeder individuell treffen, für Unterhaltung auf der Burg ist durch Spielchen etc. gesorgt, gefolgt von gemeinschaftlichem aber zwanglosem Abendprogramm. Gegen 0Uhr klingt der Tag für uns wieder im Garten der Pension aus, versüßt mit einem phänomenalen Sternenhimmel. Stadtkinder sind mit sehr simplen Dingen zu beglücken.

 

Denn sie wissen nicht, was sie tun

 

Der Sonntag begrüßt uns grau und verregnet. Leider sollte sich dies über den ganzen Tag nicht merklich ändern. Wenn man fahren müsste, wäre es kein Problem, die Niederschlagsmengen halten sich in Grenzen. Da wir aber keinen Zwang haben, verzichten wir und erklären den Sonntag zum Gammeltag. Nach dem Mittag nutzen wir das einzige trockene Zeitfenster des Tages, um die Gegend ein wenig zu erkunden. Die wabernden Wolken in den Bergkämmen verlockten dazu, sich das Schauspiel einmal aus der Nähe anzusehen. Haben wir durchgezogen, mit der Erkenntnis, dass man Schilder ernst nehmen sollte, wenn „steiler Aufstieg!“ drauf steht. In bewohnteren Gegenden hätte man das wohl einfach als Treppe umgesetzt, aber wer würde schon freiwillig zwei Stunden Treppen steigen. Der Ausblick hat´s allerdings gedankt, insofern hat sich die Aktion wenigstens gelohnt. Wir waren noch nicht mal wieder ganz an der Pension, als dieses klare, nasse Zeug wieder von oben fiel. Glück gehabt vom Timing, hoffen wir mal, dass das große gelbe, warme Ding in den nächsten Tagen wieder öfter zu sehen ist.

 

3:0

 

Montag früh, der Elektrohahn quietscht sein Klagelied, Kaffee verwandelt uns von lauffähigen Zellklumpen zu Menschen. Blöderweise scheint die Regenradar App auf dem Smartföhn sehr gut zu funktionieren, jedenfalls sieht die Realität draußen genauso aus, wie das Bitorakel prophezeite, nämlich grau und trist. Um den Tourenplan nicht zu sehr über den Haufen schmeißen zu müssen und weil das Weibchen von Anfang an einen „Touri-Tag“ einforderte, ziehen wir selbigen einfach vor und steuern den Einspurbus in Richtung Göttingen. Das Regenradar drohte mit noch einem Wolkenband zwischen unserer Pension und Göttingen und wieder einmal sollte es Recht behalten. Kaum 10km unterwegs, begann die Gratisdusche und hörte bis Göttingen auch nicht mehr auf. Vor Ort angekommen, hatten wir Glück, denn die Schrankenanlage eines Einkaufszentrum Parkhauses war defekt, was uns einen gratis Tiefgaragenparkplatz bescherte. Sehr vorteilhaft, denn so konnten wir uns wortwörtlich trockenen Fußes umziehen. Jeans passten unter Moppedkluft und Wechselschuhe in die Seitenkoffer, somit konnten wir die Stadt recht bequem und zivil gekleidet erkunden. Und trocken. 3:0 für die Regenradar App. Auf dem Rückweg gab´s dann natürlich nochmal das gleiche Wolkenband und nein, es war (leider) noch nicht leer. Dafür die Klamotten gefühlte 10kg schwerer* als wir wieder an der Pension ankamen. Spaß gemacht hat es trotzdem irgendwie und man wird ständig angeguckt, als hätte man total einen an der Waffel, bei solchem Wetter zu fahren.

Guten Menschen widerfährt Gutes, aber auch wir können mal Glück haben, auf jeden Fall gab es noch einen gratis Garagenparkplatz für das Eisenschwein, sehr komfortabel.

Der Backofen auf 50°C gestellt sorgte dann dafür, dass auch Helmpolster und Handschuhe für den nächsten Tag wieder einsatzbereit sein würden.

 

*wer täglichen Kundenkontakt hat oder sonstwie „öffentlich“ arbeitet, dem sei an dieser Stelle tunlichst von den Held Evo Thrux bei Regenwetter abgeraten. An sich ein genialer Handschuh, ich habe allerdings rund zwei Tage gebraucht, bis meine Handflächen wieder hautfarben waren.

 

Gude!

 

Dieser sollte uns rund 250km durch Hessen führen, auf mittleren, kleinen und kleinsten Straßen und Sträßchen rückte der Urlaubspanzer dem Fortbestand des kleinen Metzeler Elefanten reichlich auf die Pelle. Rüssel und Ohren hatte er schon vorher eingebüßt, auf dieser Tour haben wir ihm die Füße gekitzelt. Nette Ecke hier. Und fast immer leer, wenn man die Hauptverkehrstrecken etwas meidet. Hier fährt man nur, weil man genau hier fahren will, wer einfach nur von A nach B will, nutzt die größeren Verbindungsstraßen außen rum. Die Augen offen halten sollte man allerdings auch, neben diversem Viechzeug, das einem in suizidaler Absicht vor die Karre hechtet, scheinen auch einige Straßenbauer hier ihre sarkastische Ader ausgelebt zu haben. Einige Male musste ich doch recht heftig ankern, weil die Straßenführung spontan völlig anders als erwartet war oder als es einem die Randbegrünung weismachen wollte. Bis auf etwas Adrenalin aber ohne Folgen. Ganz nebenbei ein weiterer „ich hab´s dir doch gesagt“ Punkt für die Regenradar App. Den ganzen Tag hatten wir grauen Himmel, es fiel aber nicht ein Tropfen.

Da sich unsere Temporärheimat genau an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen befindet – also genaugenommen liegt die Grenze etwa 100m vor dem Gartenzaun, genau in der Mitte der Werra – nutzten wir dies und ließen uns am Mittwoch von der netten Frau im Navi durch den Thüringer Wald routen. Ein paar Mal quer über den Rennsteig gekreuzt, es war mir ein inneres Blümchenpflücken. Hin und wieder mal andere Verkehrsteilnehmer, aber mehr in der Menge, dass man sie zur Kenntnis nimmt aber sie nicht als störend empfindet und ab und an mal Grüppchen von Wanderern am Straßenrand, deren Wanderwege an diversen Stellen unser sehr gut ausgebautes Asphalthabitat kreuzten. Ansonsten? Nichts! Wald, viel Wald und eine Kurve an der anderen mit Bodenbelag der Elefanten verschwinden lässt. Magie vielleicht nicht, dafür jede Menge Spaß. Schon auf dem Weg zurück Richtung Pension waren wir uns einig, dass wir dieser Ecke Deutschlands nochmal einen eigenen, etwas ausgedehnteren Besuch abstatten sollten. Zum Abend ausklingen lassen und zelebrieren kleiner privater Feierlichkeiten parkten wir unsere Zellhaufen auf der Terrasse eines kleinen Restaurants im Ort. Der Tag war anstrengend, der Hunger entsprechend groß und so neigt man dazu, in der Karte etwas üppiger auszuwählen als normalerweise. Was man da bestellt hat, wird einem erst so richtig bewusst, wenn man realisiert, dass unter dem pfannenfüllenden Gericht quasi ein zweites begraben liegt. Eiskalt verschätzt, muss ich zugeben, aber es war auch verflucht lecker und nicht einfach nur viel, was zusammen mit der Flasche Wein und dem zufriedenen Tagesgefühl dafür sorgte, dass ich mich wacker geschlagen habe. Dass es noch dazu äußerst preiswert und von der Atmosphäre sehr heimelig war, rundete den Abend optimal ab.

 

Wer bremst, verliert

 

Als am Donnerstag der Wecker klingelt, kommt schon etwas Wehmut auf. Es soll die letzte Tour im ersten Urlaubsabschnitt werden, am Freitag heißt es nur noch Sachen packen und dann zurück nach Hause. Auch wenn noch 14 Tage folgen würden, geht die Zeit doch schon wieder viel zu schnell vorbei. Dass sie sich sowieso noch ganz anders gestalten sollte, als mal vor dem Urlaub geplant, war uns zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht klar. So bestiegen wir nach dem Frühstück also wieder guter Dinge die dicke Diva, welche uns heute in Richtung Edersee und Umland tragen sollte. Knapp eine Stunde Anfahrt lag vor uns und damit der Tag nicht zu lang wird, wurde selbige nicht großartig herausgearbeitet sondern führte einfach über größere Zubringerstraßen. Schon gestern vernahmen wir immer mal ungewohnte Geräusche an der Diva, da sich aber absolut nichts in einem geänderten Fahrverhalten widerspiegelte schenkten wir der Sache keine besondere Beachtung. Heute kam dann noch ein etwas ungewohnter Geruch nach einer solideren Bremsung auf einen Rastplatz hinzu, im Nachhinein betrachtet, hätte man da schon skeptisch werden können. Wurden wir aber nicht, war ja nicht einmal wirklich klar, dass der von unserem Mopped kam. Also weiter auf der Route und rein ins Geschlängel. Alles läuft wie immer, kein Grund zur Besorgnis. Geraume Zeit später, am so ziemlich westlichsten Punkt unserer Route dann nochmal eine kurze Pause am Straßenrand. Ich mache ein paar Fotos und nähere mich von hinten der Maschine. Aus irgendeinem Grund gucke ich nochmal etwas genauer auf die hintere Bremse und werde stutzig. So sollte das nicht aussehen, die Scheibe hat eine deutlich sichtbare Kante. Ich rücke meine Glubscher näher an den Bremssattel mit den Bremsbelägen und sehe Metall. Sonst nichts. Oha, hier ist was ganz gewaltig faul und urplötzlich erklärten sich die Geräusche und der Geruch (das dürfte dann wohl der allerletzte Rest Belag gewesen sein). Das Bremsverhalten war jedoch weiterhin absolut ok gewesen :D

Da ich die Beläge erst im April draußen hatte und wir danach bis zum Feststellzeitpunkt hier und jetzt nur rund 3000km gefahren waren, war ich mir sehr sicher, dass das ganze nicht an natürlichem Verschleiß lag. Im Prinzip kein wirkliches Drama, wenn denn nicht für kommenden Montag die nächste 5-Tages-Tour auf dem Plan gestanden hätte. Erst mal ganz soft und mit Verzicht auf die Hinterradbremse wieder runter bis in die nächste Ortschaft und beim Kurzbesuch bei der goldenen Möwe neben dem Beseitigen des Magengrummelns noch das allwissende Orakel befragt und daraus resultierend einen Louis in Kassel ausfindig gemacht. Hoffnung war, dass – sofern sie keine passenden Beläge da gehabt hätten – sie diese zumindest bis zum Samstag nach Magdeburg hätten bestellen können, was uns mit etwas Glück den Urlaub rettet. Nach einer abenteuerlichen Fahrt nach und durch Kassel – Baustellen in Städten in denen man sich nicht auskennt, können einen zur Weißglut treiben – standen wir mit gut 30 Minuten Verspätung dann tatsächlich vor einer Filiale der Tante. Kurze Erklärung der Sachlage, Aushändigung des Fahrzeugscheins und mit einem Lächeln des Mitarbeiters hatte ich 10s später einen Satz Bremsbeläge in der Hand. Ich hatte das Gefühl, die wussten vorher von unserem Dilemma und hatten das Paket schon vorbereitend unterm Tresen verstaut. Nun also nochmal im Softmodus zurück zur Ferienwohnung, funktionierte problemlos, wenn auch einem erst in solchen Situationen bewusst wird, wie oft man die Hinterradbremse im Normalfall mit betätigt. Die Endkontrolle in der Garage der Vermieterin, begrub dann leider recht schnell und erbarmungslos jegliche Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Problems. Die Diva auf dem Hauptständer postiert konnte das Hinterrad gut inspiziert werden und offenbarte eine merklich rebellierende Bremse. Der Sattel war fest. Neue Beläge rein würde für ein paar wenige Kilometer Abhilfe schaffen, dann wären auch vom neuen Satz wieder nur noch die Trägerplatten übrig. Auch die Scheibe selbst war in dem Moment eigentlich schon tot. Wenn es hätte sein müssen, hätte man damit noch einen Urlaub beenden können, einen neuen beginnen wollten wir unter den gegebenen Voraussetzungen aber nicht. Für die kommende Woche waren drei Übernachtungen in Dresden geplant, als Ausgangsort für Touren ins Erzgebirge und bis nach Tschechien, Donnerstag dann Überfahrt nach Jena und am Freitag von dort über den Kyffhäuser und durch den Harz nach Hause.

Kurzerhand wurde das jetzt telefonisch alles geändert, Dresden trotzdem eine Nacht, bei der gewählten Pension gibt´s einen super leckeren Italiener, den wollten wir auf jeden Fall nochmal besuchen und ein bis zwei Gläschen vom Hauswein schlürfen sowie schlemmen bis man kaum noch laufen kann. Übernachtung in Jena wurde komplett storniert. Zeitgleich fragten wir bei Freunden im Harz zwecks Beherbergungsmöglichkeit an. Klappte. Perfekt, Urlaub gerettet. Da das Weibchen auf nichts an Gepäck verzichten wollte und ihr der Kopf momentan nicht nach selbst Mopped fahren steht, sollte die Kombination aus ihrem Auto und für mich die Hornet die richtige Wahl werden. Zufrieden mit dieser Lösung und der Abwendung des Totalverlustes von Urlaubswoche zwei endete der unvermutet aufregende Donnerstag. Der Folgetag brachte uns nach einem ausgedehnten Frühstück nur noch auf direktem Weg und ohne Zwischenfälle zurück nach Magdeburg, unterm Visier mit einem lachenden – für den kommenden – und einem weinenden Auge, für den schon wieder viel zu schnell vergangenen Urlaub.

 

google lügt

 

Am Montag ging es dann also mit dem Baguette in Richtung Elbflorenz, eigentlich primär um dort abends zum Italiener zu gehen und zu schlemmen bis militante weightwatchers Aktivisten empörte Spontandemos abhalten würden. Ganz nebenbei natürlich auch noch ein wenig Kultur mitnehmen, da hat die Stadt ja einiges zu bieten. Für fußfaule Touris wie uns hat ein netter Mensch eine Tiefgarage in direkter Nähe zur Frauenkirche in den Boden gebuddelt, für 2€ pro Stunde eine sehr akzeptable Lösung und effektiv günstiger als mit Bus / Bahn von der Pension in die Stadt zu fahren. Viel bequemer noch dazu. Nach vielen „ahh“ und „ohh“ und „guck mal das da“ tingelten wir dann auch nochmal zum Zwinger, um uns die mathematisch physikalische Ausstellung anzugucken, welche wir letztes Jahr aufgrund Zeitmangels haben ausfallen lassen. Blöd nur, wenn genau selbige montags nicht geöffnet ist. D´oh! Vorsichtshalber mal das allwissende Orakel nach dem Italiener befragt, was mit „heute geöffnet von… bis…“ beantwortet wird und uns kurz entstandene Schweißperlen von der Stirn fegt. Gegen Abend verlassen wir das Touri Mekka und brummeln mit dem französischen Lastenesel einige Kilometer zum Stadtrand um Quartier in der Pension zu beziehen. Die Begeisterung der Vermieterin über die kurzfristige Umbuchung hält sich zwar in Grenzen, es klappt aber alles problemlos. Es folgt ein kurzer Fußweg zum Italiener der Wahl um dort vor verschlossenen Türen zu stehen. Lange Gesichter. Montag Ruhetag. Scheint ein diabolisches Geheimabkommen zusammen mit den Museen im Zwinger zu sein. So geheim, dass selbst google nichts davon weiß und das mag was heißen. Notgedrungen stiefeln wir ein paar Häuser weiter. Anderer Italiener. Nicht ganz das Flair der Erstwahl, aber trotzdem nettes Ambiente und ambitioniertes Personal. Der Abend plätschert dahin und nach uns verlassen wohl nur noch die Angestellten das Lokal. Eine Portion Schlaf im Hotelzimmer, ein leckeres Frühstück und ein kurzer Kulturbesuch bei einem Stadtschloss mit wirklich hübschem Ausblick, dann sollte unsere Zeit in Dresden auch schon wieder gezählt sein. Freie Autobahnen bringen uns im Expresstempo zurück nach MD. Viel Zeit zum durchatmen bleibt aber nicht, dort warten schließlich schon vorgepackte Koffer auf uns, nur die Fahrzeuge wechseln. Das Wetter ist nett aber verflucht windig und so wird die Überfahrt in den Harz mehr oder minder anstrengend um nicht seitwärts ins Feld gedrückt zu werden. Wie irgendwie immer wenn wir hier anreisen, regnet es nach der Ankunft, aber kein Problem, für heute war eh keine Tour mehr geplant.

Das zahlreiche Vorhandensein von kleinen Tieren und kleinen Menschen lässt die Zeit auch so wie im Fluge vergehen und bei einem gemütlichen Beisammensein am Gartenkamin färbt sich der mittlerweile wieder aufgeklarte Himmel von blau zu schwarz.

 

36 x 2 = doppelter Kyffhäuser

 

Der Mittwoch begrüßt uns mit bestem Wetter, also nichts wie rein heißt die Devise. Erst das Frühstück in die Figur und dann unsere Luxuskörper in die Tierhaut. Navi ans Mopped, die passende Route rausgesucht und Sekunden später durchbricht das heisere Sprotzeln aus dem BOS Fernmelder am Heck des Insekts die Stille. Zugegeben, auf der dicken Diva sitzt man bequemer, gerade als Doppelpack, dafür bietet dieses kleine japanische Ingenieurswerk ganz andere Qualitäten, die vor allem im Bereich Handlichkeit und Dynamik angesiedelt sind. Schaltfaules Gleiten ist nicht ihre bevorzugte Gangart, aber wenn man die Hornisse am Fühler kitzelt, wird sie giftig. Eine völlig andere Form von Fahrspaß und eine lange nicht mehr gefühlte noch dazu. Zeitmangel und sonstige Prioritäten sorgten dafür, dass das Insekt bestimmt schon über acht Wochen ungenutzt in der Halle rumstand. Eine gute halbe Stunde dauerte es, dann waren wir wieder richtige Freunde und alles passierte ganz natürlich und automatisch. Nicht Fahrer auf Mopped sondern eine durch die Wälder pfeilende Einheit. Die Sozia trübte den Fahrspaß null, nur leidensfähig bezüglich der Sitzhaltung musste sie sein, wurde doch der Clubsessel gegen einen Barhocker getauscht. Sichtlich erfreut war sie so auch, als wir nach rund drei Stunden Fahrt den röchelnden Reihenvierer vor einem KTM Händler bei Jena parken. Knapp eine Stunde verbringen wir vor Ort mit begucken und probesitzen auf der 390er Duke, beschließen dieses 44PS Mountainbike im nächsten Urlaub mal für einen Tag zu mieten und schwingen uns anschließend bei bestem Tourenwetter wieder auf die Hornet, um die Rücktour unter die Räder zu nehmen. Ein zweites Mal über den Kyffhäuser, da es mitten in der Woche ist, auch beim zweiten Mal nahezu leer. Eine diebische Gegend ist das da, mir hat´s doch glatt die Angsstreifen geklaut. Da weiß man dann wieder, warum einem die Feierabendrunde um die Stadt nicht mehr so richtigen Spaß bringt. Wohnen wollen würde ich da allerdings nicht. Aber fahren, ja, fahren geht super. Als wir wieder auf das Anwesen rollen, attestiert der Tageskilometerzähler knapp 300 Kilometer in etwa 6h Nettofahrzeit ohne zu bummeln. So macht das Insektentreiben Spaß.

Ein wenig Hopfentee, Wein und Kartenspiele lassen den Abend ausklingen und uns seelig in die Federn fallen.

Der nächste Morgen beginnt grau, was sich so gar nicht mit meiner Tourenplanung decken will. Ein Blick auf das Regenradar deutet uns noch etwa zwei Stunden Trockenheit und ein mächtiges von Westen heranziehendes Regengebiet. Blöd, genau in die Richtung sollte die Tour gehen aber direkt werden dunkle Erinnerungen wach, denn genau dort hat es uns letztes Jahr so richtig phänomenal geduscht, dass die Kombis zwei Tage trocknen mussten. Da hatten wir natürlich keinen Bedarf nach Wiederholung, somit plante ich nochmal schnell neu. Naja ich wollte. Die Technik wollte nicht. Irgendwann resignierte ich und beschloss ohne geplante Route zu starten. Nach Osten, weg vom Regen um maximal auf dem Rückweg ein paar Tropfen abzukriegen. Nachdem ich mich dann komplett in den Zweiradpilotenkampfanzug geschwungen hatte und zum Mopped stiefelte, offenbarte sich der Himmel in einer Färbung als würde er in wenigen Sekunden die vier apokalyptischen Reiter ausspucken. Ein erneuter Check des Regenradars offenbarte nix gutes, aus dem zwei Stunden Fenster waren 45 Minuten geworden und die Wolkendecke illustrierte diese Prognose sehr glaubhaft. Ich war stinkig, hatte aber auch keine Lust auf eine „bähh ekelig, aber wir haben geplant zu fahren, also fahren wir auch“ Tour und so ging ich entnervt wieder rein. Das Weibchen beruhigte mich dann etwas und schlug vor, einen klassischen Touri Tag mit dem Auto zu machen, sie hatte ihres ja dabei. Kann man sich zwar nicht so schön in die Kurven legen, dafür bleibt man trocken, na gut, überzeugt. Also Kamera geschnappt und ab dafür, Hexentanzplatz ahoi, Aussicht deluxe, aber der prognostizierte Weltuntergang schien nahe. Ich war zwischenzeitlich nicht mehr sicher, ob wir überhaupt trocken am Auto ankommen würden. Um den Tag mal etwas kompakter zusammenzufassen: wir kamen. Und zwar den ganzen Tag. Bis auf ein paar ganz wenige Tropfen im Selketal, was auch ein Mückenschnupfen hätte sein können, kam tatsächlich den ganzen Tag nicht ein Tropfen runter. Mein Vertrauen in das Regenradar war bis ins Mark erschüttert, hatte es uns doch bis jetzt immer so vortrefflich die korrekte Wetterlage prognostiziert. Irgendwie war ich sauer auf mich selbst, nicht doch gefahren zu sein, andererseits muss ich eingestehen, dass auch so ein Touri Tag äußerst schön sein kann und es einige schöne Fotos dabei entstanden sind. Als Tagesausklang fallen wir mit unseren Gastgebern im nahegelegenen Schnitzelrestaurant ein, lecker, viel, preiswert, so muss das sein. Beim Essen beginnt es zu regnen. Arschloch. Auf der Loggia des Hauses findet der Tag bei einem gemütlichen Spieleabend seinen Abschluss. Wir fühlen uns mittlerweile vollends nach Urlaub und das Wissen, dass noch mehr als eine Woche vor uns liegt, krönt dieses Gefühl.

 

Als Abschluss des Kapitels Sommerurlaub im Harz bereisen wir am Freitagmorgen die Rappbodetalsperre, wo sich das Weibchen und die Dame des Hauses todesmutig und lautstark an der Megazipline vom Startturm über den Stausee gleiten lassen. Die anschließende Transportfahrt in heimatliche Gefilde erfolgt zwischenfalls- aber nicht spaßfrei. Gegen 14 Uhr schäle ich mich aus der schützenden Tierhaut, Moppedurlaub Sommer 2015 ist hiermit offiziell beendet. Die Hornet ruht neben ihrer angekränkelten dicken Schwester in der Halle, die nächste Woche wird vierrädrig angegangen und der zweiradpart nur noch durch Muskelkraft in Bewegung gesetzt, das ist nicht ganz so dynamisch, aber nicht weniger schön.

Den Samstag verbringen wir – wie gefühlt die Hälfte der Republik – mit einer Einschulung im Familienkreis. Danach heißt es dann schon wieder Koffer packen um Montag früh entspannt in Urlaubswoche #3 zu starten.

 

Nachdem der Wecker rappelte und ein koffeinhaltiges Heißgetränk meinen Schlund runterlief, schleppte ich die Sachen zum Auto. Fünf Tage sind es. Sieht nicht so aus. Eher als wollten wir auswandern. Das ist der Preis für den Deal mit dem Weibchen „wenn ich mich beim Moppedurlaub klamotten- und packmengentechnisch zurückhalten muss, kann ich mich austoben, wenn wir mit dem Auto fahren“. Das klang irgendwie viel akzeptabler, als ich noch nicht vor diesem Berg an Packstücken stand. Ich durchkämme die Wohnung nach dringend benötigten Sherpas und frage mich innerlich verzweifelnd, warum ich denn einen Kombi fahre und keinen Smart, dann wäre der Part hier jetzt echt angenehmer. Was solls, jammern hilft nix, ich schleppe also gefühlt unser gesamtes Hab und Gut – und mindestens noch das der Nachbarwohnung – in Richtung Baguette und lasse alles auffällig unauffällig im riesigen Schlund namens Heckklappe verschwinden. Ach ja, darum Kombi, jetzt weiß ich´s wieder. Danach noch den frisch besorgten Fahrradheckträger an das motorisierte Backwerk geworfen und unsere 0ccm Rennmaschinen darauf verzurrt, dann kann die Reise auch schon losgehen. Autobahnen meiden wir, schnell fahren ist mit dem ganzen Gerumpel da hinten drauf eh nicht drin, also gleiten wir und genießen das Urlaubsdasein. Einhundertachtzig Minuten später beendet ein Knopfdruck die Verbrennungsvorgänge im Triebwerk des Franzosen, wir wechseln von vier Türen auf vier Zimmer plus Terrasse. Für ein paar Minuten des Entladens hasse ich noch einmal den Fakt, dass der Kombi soviel wegschluckt und die Sherpas sich unauffindbar in der Wohnung versteckt hatten, aber nachdem alles entladen ist, ist es wieder da, dieses Gefühl. Urlaub. Die Sonne illuminiert die Bäume und Wiesen in einem Farbenspiel aus grün und gold, der blaue Himmel mit ein paar angepinnten Schäfchenwolken blockiert schlechte Laune schon im Anflug und der Geruch nach Wasser macht das Alltagsleben in der Stadt sofort vergessen. Nach ein paar kleinen Besorgungen schwingen wir uns auf die Drahtesel und erkunden die Umgebung. Rund 16km werden es, bevor wir wieder im Garten des Ferienhauses ankommen um den Steingrill anzufeuern. Mit leckerem Essen, etwas Wein und einer allesübertönenden Stille klingt der Abend aus.

 

Der Dienstag startet wolkenverhangen. So war auch die Prognose des Wetterfroschs im Smartföhn, wolkig aber den ganzen Tag ohne Regen. Wir beschließen ihm nochmal zu vertrauen und starten in unseren Tourtag. Die Motoren unserer Tourer starten geräuschlos, lediglich hier und da knackt mal ein Knochen. Eine Automatik mit 8 oder 9 Gängen zur Verbrauchsreduzierung zaubert uns maximal ein müdes Lächeln auf die Lippen, wir trumpfen mit satten 21 möglichen Zahnradpaarungen auf und das bei einem Verbrauch von rund 1,5l Eistee auf eine gesamte Tour. Spielereien wie Launch Control brauchen wir auch nicht, wir starten gemütlich. Über gut ausgebaute Radwege führt uns unsere Reise heute zur Liebesinsel. Naja eigentlich zum Schloss nach Mirow, klingt aber nicht so cool. Kann man mal gesehen haben, muss man aber nicht, in anderen Ecken heißt sowas einfach Stadtpark. Den Eintritt ins Schloss klemmen wir uns und besteigen für schmale zwei Euro lieber den Aussichtsturm auf der Kirchturmspitze. Diverse Stufen aufwärts werden von einem phänomenalen Ausblick belohnt und wie für uns bestellt, kommt in diesem Moment auch noch die Sonne raus und lässt Wälder und Wasser nahezu magisch funkeln. Ein paar Minuten beobachten wir das Schauspiel, dann machen wir uns auf den Rückweg und genießen am Nachmittag im Garten vom Ferienhaus den Umstand, einfach mal nichts zu tun zu haben.

 

Der Mittwoch sieht schon wieder viel freundlicher aus und der Wetterfrosch aus Bits und Bytes meint, dies würde auch den ganzen Tag so bleiben. Da er gestern auch nicht gelogen hat, verzeihen wir ihm seine Fehleinschätzung im Harz und machen uns mit Telezoom im Gepäck auf in den Natur- und Umweltpark in Güstrow. Falls mal jemand dort in der Nähe ist, das Ding hat unsere absolute Empfehlung. Kein „sieh dir mal dieses Tier durch diese Glasscheibe an“ Zoo, sondern vielmehr ein Besuch im Wald mit diversem Viechzeug in nahezu freier Wildbahn, nur an Stellen wo es notwendig ist, werden Mensch und Tier durch geeignete Maßnahmen voneinander getrennt. Man sollte viel Zeit und festes Schuhwerk mitbringen, wenn dies gegeben ist, ist der Baumstamm- und Kletterpfad über die Luchs- und Wolfsreviere ein absolut spannendes Erlebnis. Lärmende Kinder haben dort zwar auch ihren Spaß, von den Tieren sehen sie aber meist wenig, weil diese sich ins Unterholz verziehen. Meidet man selbige – also Krachkinder, nicht Tiere – und hat etwas Ruhe zum Warten, sind diverse absolut nicht alltägliche Begegnungen möglich. Wir waren letztes Jahr schon mal dort und haben diesen „Zoo“ dieses Jahr bewusst wieder angefahren und trotz rund 6h Aufenthaltszeit war es kein bisschen langweilig. Zurück am Haus werfen wir uns nochmal auf die Räder und fahren ein paar Kilometer zu einer netten Strandgaststätte im Nachbarort, um auf deren Terrasse bei gutem Essen und Traubensaft aus Glasflaschen einen phänomenal schönen Sonnenuntergang über der Müritz und den angrenzenden Wäldern zu beobachten, gefolgt von einem fast noch beeindruckenderen Sternenhimmel, welchen wir auf der Heimfahrt und anschließend beim Absacker im Garten genießen konnten. Sternschnuppen inklusive.

 

Der Donnerstag folgt leider der Prognose des Bitorakels und präsentiert sich grau und verregnet. Wir beschließen, das so hinzunehmen und nichts zu tun. Das Weibchen verschwindet mit der Nase in einem Buch, ich nutze die Zeit um diesen Blog hier zu tippseln. „Aufklarend ab 17Uhr“ war die Ansage. Gegen 15Uhr ist es trocken und vermeintlich sonnig, wir brechen zu einem kurzen Spaziergang auf und werden prompt bestraft. Die Dusche auf dem schnell beschrittenen Heimweg hätte auch für ein gepflegtes Vollbad gereicht, war nur leider nicht so warm. 17Uhr verziehen sich die Wolken und die Sonne kommt raus, moderne Technik, Magie, Zufall? Wahrscheinlich ein wenig von allem. Ich feuere den Gartengrill an und denke wehleidig an Morgen. Erst schleppen, dann heimreisen, dann wieder schleppen und am schlimmsten, sich danach damit vertraut machen, dass damit der Sommerurlaub 2015 sein Ende gefunden hat. Ab Montag wartet wieder der Arbeitsalltag. Unschön, aber notwendig. Die Urlaubskasse möchte gefüttert werden, die Planungen für 2016 stehen schon…

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08.04.2015 23:48    |    fate_md    |    Kommentare (15)    |   Stichworte: 900, XJ, Yamaha

Auszeit

 

 

Motorradstraße Deutschland, ich habe keine Ahnung mehr, wie ich über diesen Begriff gestolpert bin, jedenfalls hing er in meinem Kopf fest, seit ich die Strecken gesehen hatte. Da wir (das Weibchen und ich) nicht unendlich viel Zeit haben und noch weniger davon gemeinsam frei, war eigentlich klar, dass zum „antesten“ nur ein Teil des Ostabschnitts in Frage kommt. Fünf Fahrtage sollten es werden und so machte ich mich an die Modifizierung der Etappen.

 

Der Winter verstrich allmählich und die erste gemeinsame Urlaubswoche rückte näher, die Wetterprognose jedoch war eher zum heulen als zum freuen. Dann kam auch noch Sturm „Niklas“ und eigentlich sah nichts danach aus, als sollte man wenige Tage später sinnvoll Motorrad fahren können. Wir entschlossen uns also, alles in der Schwebe zu lassen und noch keine Übernachtungen zu buchen, die Option für die Tour aber auf jeden Fall offen zu lassen. Diese Ungewissheit gefiel dem Weibchen zwar anfangs überhaupt nicht, sie ließ sich jedoch überzeugen, dass man mit Smartphone und mitten in Deutschland wohl kaum Gefahr laufen sollte, vollends aufgeschmissen zu sein.

 

In den Tagen und Wochen zuvor kümmerte ich mich um die Reisetauglichkeit der Diva und selbst die Vollverkleidung und der selfmade Navihalter fanden noch rechtzeitig ihren avisierten Anbauplatz am Einspurbus. Die Touren waren auch fertig ausgearbeitet und so standen für jeden Tag 5-6h reine Fahrzeit auf dem Plan und insgesamt gute 1550km im Zahlengedächtnis des Kilometerzählers. Wenn, ja wenn das Wetter denn tauglich wäre.

 

Und es wurde! Mit jedem Tag verbesserten sich die Prognosen, die Temperaturen sahen zwar noch nicht sehr sommerlich aus, aber zumindest halbwegs trocken sollte es bleiben. Mit einer Quotendusche rechnete ich ohnehin, nur fünf Tage Dauerregen wären echt übel für die Stimmung gewesen. Karfreitag entschieden wir uns also final dafür, dass es am nächsten Morgen losgehen sollte. Schnell noch die Koffer aus der Halle geholt, damit die fertig gepackt werden konnten und am Folgetag nur noch an den Reisedampfer geklickt werden müssten. Ausserdem die Routen aufs Navi (Navigon) gespielt, um erschreckt festzustellen, dass sich selbiges selbst auf dem Balkon beharrlich weigerte, eine Satellitenverbindung zu finden. Vorsichtshalber auch das NavGear Navi (wohnt normalerweise an der Hornet) mit den selben Routen versorgt und als Backupgerät mit zum Gepäck gepackt. Die Halterung dazu war fest an der Hornet verbaut, incl. Verkabelung. Ob das Ding in die frisch angebaute Tasche an der Diva passt, hatte ich nie probiert. Wir werden es morgen früh wissen, oder ein langes Gesicht machen.

 

Startschwierigkeiten

 

7.30Uhr, der Elektrohahn quietscht sein Klagelied. Eigentlich will man sich nur umdrehen und weiterschlafen, aber der Zeitplan steht. Schnell frisch machen, kurzes Frühstück, auf zur Halle und den Rollator gegen die dicke Diva tauschen und anschließend das Weibchen nebst Gepäck zu Hause abholen. Zwischendrin checken, ob das Zweitnavi in die Tasche passt und beten, dass das Erstgerät sich doch zur Kommunikation mit den Wegweisern im Erdorbit überreden lässt. Ach ja und Luftdruck checken wäre ja vielleicht nicht ganz doof. Trifft sich, kann man auch den leeren Tank direkt nochmal füllen. Jaja, Vorbereitung ist alles...

Bei -1°C pilotierte ich nun den Rollator in Richtung Halle, um anschließend zu einer mehrtägigen Tour aufzubrechen. Ein seltsam wirkender Gedanke, wenn man andere Leute beim Freikratzen ihrer Autoscheiben am Straßenrand beobachten kann. Aber wird schon alles gut werden, tschakka.

Erfreulicherweise passten aber sowohl das Navgear in die Tasche als auch, dass die Satellitenverbindung des Navigon plötzlich wieder funktionierte. Sah ja schonmal ganz gut aus. Ok, wir wollten eigentlich vor vier Minuten losgefahren sein, aber hey, Pläne sind für Leute die nicht gut improvisieren können. Also auf zur Tankstelle, den beiden Gummirundlingen ordentlich Druck gemacht und das Spritfass randvoll mit feinstem Super geflutet. Nun aber flott nach Hause, Weibchen und Gepäck abholen. Koffer 1 – klick, Koffer 2- klick, Topcase – klick. Der Tankrucksack hatte gestern abend schon einen Defekt am Reißverschluss einer kleinen Aussentasche, nun gut, die ist verzichtbar. Drauf aufs Mopped. Hauptverschluss nochmal zuziehen, der steht noch etwas offen. Knoooortsch. Immer noch offen. Dauerhaft. Mist. Wenn wir so losfahren, liegt der Inhalt spätestens nach der ersten Bodenwelle auf der Straße verteilt.

Zwangsweise musste das Weibchen also nochmal in die Wohnung und schauen, wie wir den Inhalt sinnvoll transportiert bekommen. Wir haben zwar einen zweiten Tankrucksack, der war nach meiner Erinnerung aber kleiner als der montierte defekte Kollege. Den Rest vielleicht dann in einen Rucksack oder so, sie wird das schon machen. Minuten wurden zur gefühlten Ewigkeit, dann ging die Haustür wieder auf. Weibchen. Ohne Rucksack. Dafür mit stolzem Blick. Der vermeintlich zu kleine Tankrucksack ließ sich per Reißverschluss erweitern und war somit größer als der vorher montierte. Es war sogar noch Platz, erstaunlich. Mit nur einer guten Stunde Verspätung starteten wir in unsere erste Tagesetappe, Schwerin sollte das Ziel dieses Abschnitts sein, das würde aber noch gute sechs Stunden dauern.

 

Fahrerisch ohne Probleme plätscherten die Kilometer dahin, der Reisekoloss lag mit den neuen Gabelfedern und dem neuen Vorderreifen stoisch ruhig auf der Straße, aber selbst die im Vergleich zur Serie höhere Tourenscheibe schützte nur leidlich vor dem bitterkalten Fahrtwind. Wir durchreisten das Land der endlosen Felder und Wälder, wo man fast nirgends eine Tankstelle findet aber gefühlt in jedem Ort einen Blitzer. Natürlich nur an den Gefahrenstellen. Also der Geraden zu Beginn oder am Ende vom Ort, wo zwar keinerlei Bebauung mehr ist, aber wahrscheinlich täglich bis nachts um drei hunderte Kinder friedlich auf der Straße spielen und nur wegen des ganzen Raserverkehrs jetzt unter zerstörten Jugendträumen leiden müssen. Oder so ähnlich.

Bis jetzt war es nur kalt, nun wurde es auch noch grau am Himmel. Vielleicht haben wir ja Glück und die Route dreht noch vor der Wolke weg, dachte ich gerade noch, da hatte ich auch schon die ersten Platscher auf dem Visier. Sah für Regen irgendwie komisch aus. Lag daran, dass es Schnee war. Na Halleluja. Zum Glück bloß ein Intermezzo von wenigen Minuten und auch das einzige für diesen Tag.

 

 

 

Die Sache hat keinen Haken...

 

 

 

Rund zwei Stunden vorm Ende der ersten Tagesetappe buchten wir per Handy ein Hotelzimmer. Intercity Hotel direkt am Bahnhof, zu Fuß 10min in die Stadt, läuft. Nach der Ankunft und einer kurzen Dusche begaben wir uns dann auch direkt in Richtung City, nicht ohne das Weibchen beim aussuchen der passenden Garderobe laut „Schei....benkleister“ rufen zu hören. Sie hatte schon gestern Abend immer gemurmelt, sie hätte wohl irgendwas vergessen zu packen, kam aber nicht drauf, was es wäre. Unter Abarbeitung der Checkliste beschlossen wir, dass es nichts wichtiges sein könne und hakten die Sorgen ab. Nun wussten wir es. Hosen gab es, doch diese praktischen Accessoires aus Stoff oder Tierhaut, die sich normal um die Hüften ziehen und das Beinkleid am rutschen hindern, die fanden leider nicht ihren Weg in unser Gepäck. In meinem Fall würde ein ordentliches Schnitzel das Problem beheben, das Doppel-X-Chromosom bestand aber auf Spontanshopping vorm Sightseeing und Essen. Grandiose Idee auf einen Samstag um natürlich etwa drei Minuten nach 18Uhr....

Das Glück war uns schlussendlich aber doch hold und niemand musste die Hosen runterlassen. Danach stiefelten wir noch zum Schweriner Schloss (logisch, geöffnet bis 18Uhr....) und spazierten durch den Schlossgarten, welcher wirklich sehr schön gestaltet ist, muss sogar ich zugeben, obwohl ich´s eigentlich nicht so mit Salat habe. Zur Krönung gab´s dann noch Schwäne. Weibchen ist völlig begeistert von diesen Schnabeltieren und zu ihrer Freude liessen diese sich dann auch noch bereitwillig ablichten. Zum Abschluss des Abends gab es ein ordentliches Schnitzel – rein pragmatisch, für mich gab´s ja keinen Gürtel – und ein wenig Bier und Wein in einer gemütlichen Bar, danach Heimweg im Mondschein und gratis das wohlige Gefühl, dass wir wirklich Urlaub haben.

 

 

Am nächsten Morgen noch flott Frühstück und ein wenig Reiseproviant in einer SB Bäckerei in der Innenstadt besorgt und gegen 10Uhr waren wir dann schon wieder on the road. Tagesziel Rügen, wo genau, keine Ahnung, entscheiden wir spontan. Wetter? Sonnig! Zwar kalt, aber weitaus besser als gestern. Ich hatte mir fahrerisch von der Tour eigentlich gar nicht so viel versprochen, Norden war gedanklich Flachland mit 90° Straßenkreuzungen und sonst kilometerlang geradeaus. Dass dem nicht so ist, durfte ich erfreut immer wieder feststellen. Natürlich nicht vergleichbar mit Gebirgen, aber keinesfalls kurvenlos. Das Reifenbild nach Rückkehr bestätigte die Wahrnehmung, rechts Kante, links fast, erstaunlich dafür, dass wir nur touren und nicht heizen waren.

Sonne auf dem Helm und Meer in der Nase brummten wir direkt an der Küste entlang. Von einer Tankstelle irgendwo im Nirgendwo wurde ein Hotelzimmer gebucht, Sassnitz auf Rügen. Praktisch, war dies doch eh das Ende meiner geplanten Navi Etappe, um dann von dort aus zum Hotel zu navigieren. Frühstück incl. für nur 5€ Aufschlag pro Nase? Ja bitte! Durch Stralsund und über die Rügenbrücke verließen wir das Festland. Von den angekündigten Regenschauern ab Nachmittag war absolut nichts zu sehen, perfektes Tourenwetter, selbst die Temperaturen waren mit ca. 12°C äusserst angenehm. Nach guten 5h Fahrt kamen wir im Zielort an, ohne es vorher geplant zu haben, offenbarte sich unser Nachtlager nur 5min fußläufig vom Hafen entfernt. Optimal. Selbst ein Supermarkt war in Steinwurfentfernung. Half nur nichts, Ostermontag wird nicht gearbeitet. Verdammt, aber Frühstück war ja mitgebucht. Nach ein wenig Seele baumeln lassen im Hafen und Umland, klang der Abend bei einer Fischplatte beim Italiener aus. Die angekügten Regenwolken hatten wir nachmittags sogar noch gesehen, uns erreichten sie aber nicht mehr, boten jedoch nachts ein ansehnliches Fotomotiv dank (fast) Vollmond.

 

 

 

 

Das lohnt nicht...

 

 

 

 

Montag, 8.30Uhr, aufstehen. Schnell fertig gemacht und zwei Häuser weiter zum benachbarten Café, dort soll es das Frühstück geben. Soll. Die Türen sind aber zu, niemand zu sehen. Anruf bei der Vermietung: ja der Herr informierte mich gerade, keine weiteren Bestellungen, keine Laufkundschaft am Feiertag, das lohnt sich für ihn nicht, er lässt zu, es tut mir leid. - Narf. Hmmpf. Grummel. - An der Haupstraße im Ort ist aber ein Bäcker mit Café, der hat offen. Zum Glück hat die Dame Recht. Auch hier gibt es für schmales Geld etwas gegen Magenknurren und eine Tasse flüssiges Koffein. Belegte Brötchen für Unterwegs gab es auch noch, Tag gerettet. Das Wetter sah auch passabel aus, die paar Wolken am Himmel sollten uns kaum die Tour versauen können. Die wird gegen späten Nachmittag an der Müritz enden, Verwandschaft vom Weibchen besuchen und dort nächtigen. Halbwegs im Zeitplan satteln wir das Stahlross und brummeln gen Festland. Nach rund 15km stecken wir aber schon im Stau. Auf die Idee eines Kurzurlaubs zu Ostern kamen scheinbar zwei bis sieben Leute mehr und irgendwie wollten die alle genau jetzt nach Hause. Verdammt. Weils so schön ist, stieg dann auch noch das Navi immer mal wieder aus und zuguterletzt fing es dann auch noch an zu tröpfeln. Na prima. Drauf geschissen, Gegenverkehr ist rar gesät, also wurschteln wir uns allmählich am Stau vorbei. Das sorgt zwar nicht nur für erfreute Gesichter aus den Blechdosen, ist uns aber egal, schließlich sitzen die trocken, da meckert es sich viel schöner. Mit schlussendlich 1,5h Verspätung verlassen wir Rügen und folgen unserer Naviroute Richtung Müritz. Die Himmelsschleusen blieben zum Glück den Rest des Tages zu, lediglich ein paar graue Wolken schwirrten noch über uns umher. Damit das Weibchen auch mal ans Steuer darf – die Diva ist ihr zu groß – steuerten wir die Sommerrodelbahn in Burg Stargard an. Mit einem diebischen Spaß prügelten da also zwei Erwachsene in voller Montur in einem kleinen Plastikschlitten die Blechbahn hinunter. Die unten Wartenden hielten uns wahrscheinlich für gänzlich bekloppt, war uns aber egal, als Moppedfahrer fällt man im Alltag immer irgendwie auf und passt nicht ins Bild, sei es nun im 4* Hotel oder eben auf einer Sommerrodelbahn. Hat trotzdem Laune gemacht. Noch einen Kaffee zum Aufwärmen und dann ab zum Nachtlager über zumeist sehr leere und sehr gut ausgebaute Straßen die wiedermal deutlich kurviger waren, als ich das erwartet hatte. Nach ein wenig Kaffee, Abendessen und Rotwein fielen wir zufrieden in die Federn.

 

 

Zum Frühstück gab´s frische Eier vom eigenen Hof und reichlich schwarzen Kraftsaft. Guter Start in Tag 4, nach dem montieren der Koffer konnte es somit alsbald losgehen. Das immer wieder nervende Navi wurde gegen den Backupkandidaten ausgetauscht. Das hätte ich schon von Anfang an tun sollen, das Navgear tat einfach klaglos seinen Dienst und ist sogar besser ablesbar als das Navigon Gerät.

Als Sightseeing Zwischenstopp war noch ein Kaffee am Schiffshebewerk Niederfinow drin. Neben so einem Stahl und Beton Koloss fühlt man sich selbst mit einem 300kg Tourer echt zwergig.

Da sich die Hotelsuche etwas umständlicher gestaltete, wurde die Tagesetappe in südlicher Ausdehnung um etwa 50km beschnitten und dafür ging es bis nach Berlin. Genauer gesagt Schönefeld, Holiday Inn 4* Komfort incl. Frühstück. Das edelste Hotel auf der Reise für den kleinsten Preis, Internet hat teilweise komische Folgen, uns war´s Recht. Da im Umland fußläufig nicht wirklich ein Restaurant erreichbar war, ließen wir uns Essen aufs Zimmer liefern, klappte erstaunlich stressfrei und war deutlich leckerer als wir das erwartet hatten. Danach gab´s noch ein, zwei Absacker an der Hotelbar, um anschließend leicht betüddelt ins Luxusbett zu fallen.

 

 

Der nächste und leider letzte Morgen startete mit grauem Himmel aber zum Ausgleich einem phänomenal guten Frühstücksbuffet, ok im Normalfall ruft das Hotel dafür auch 21 Doppelmark auf. Pro Nase. Für uns war das ganze im äusserst günstigen Zimmerpreis mit drin, da nimmt man das doch gerne mit. Bei leider geschlossener Wolkendecke und ordentlich viel Wind traten wir die letzte Etappe unserer Tour an, in wenigen Stunden würden wir wieder in der Heimat eintrudeln. Kaffeezeit war avisiert, da sich zum Abend noch Besuch angekündigt hatte. Leere Straßen und nur ein kurzer Tank- und Kaffeestopp ließen unseren Zeitplan sogar etwas nach vorn rutschen, so dass ich noch einen kleinen Umweg über eine ortsnahe Kurvenstrecke einlegen konnte. Auch wenn die Diva eindeutig ein Tourer mit Gummibandgang ist (5. Gang von ca. 40km/h bis Vmax nutzbar), nutzt man auch die unteren Gänge mal im kompletten Drehzahlbereich (im Normalfall muss man nicht höher als bis 5000rpm drehen, überholen im 5. Gang geht einfach durch Drosselklappen aufreissen), kann man selbst einen solch adipösen Reisetrumm recht sportlich bewegen. Ein gelungener Abschluss einer gelungenen Tour. Nach schnellem ausleeren der Koffer zu Hause fahre ich die Diva wieder zur Halle und lasse die letzten Tage Revue passieren. Ich grinse noch zufrieden unterm Helm, während ich das Hallentor schließe und wieder auf den Rollator steige, 1576km sind es geworden, die nächsten 8km führen mich durch den Stadtverkehr nach Hause. Auszeit Ende.

 

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15.03.2015 19:29    |    fate_md    |    Kommentare (1)    |   Stichworte: 900, XJ, Yamaha

Sie wärmen schon viel weniger als man es gewohnt war, die letzten Sonnenstrahlen zum Ende einer Saison. Orange-braune Biomasse in Blätterform säumt die Wege und die Felder sind längst alle abgeerntet. Zwar hat man nun wieder ungehinderte Sicht, dafür sind die Straßen oft durch Dreck von Agrarfahrzeugen besudelt. All diese Umständen machen unmissverständlich klar: der Sommer geht, es ist längst Herbst und somit bald Winterpause.

 

Als Hobbyschrauber mit ein wenig Equipment und Platz ist dies aber auch genau die Zeit des Jahres, in der man tausend tolle Pläne in Vorbereitung auf die neue Saison umsetzen kann. Wenn man mal nicht fertig wird abends? Kein Problem, am nächsten Tag stand ja eh keine Tour an. Kann man alles machen und geht leicht von der Hand. Also die Planung. Hapern tut´s dann gern an der Umsetzung. Und ja, 90% der Ursache ist die eigene Faulheit, da kann man gar nichts schönreden. Während man am heimischen Schreibtisch noch schön die to do Listen erstellt, steuert irgendeine Alienmacht das Sonnensystem in ein Wurmloch oder beschleunigt das Raum Zeit Kontinuum und nachdem man zwei mal geblinzelt hat, ist März. Urgs. Scheisse. Wie ist das denn jetzt passiert? To do Liste? Ist zumindest geschrieben. Check. Das war´s aber auch. Und irgendwie ist diese Liste verflucht lang :o Also die Beine in die Hand genommen und endlich all das abarbeiten, was schon längst hätte erledigt sein sollen, damit man jetzt nichts mehr abarbeiten müsse, weil das ja eh nur nervt. Stimmt.

Ready. Set. Go.

 

Eigentlich könnte man so einen Saisonanfang ja auch ganz entspannt beginnen, wenn da nicht diese blöde Liste wäre und wenn nicht schon seit Wochen und Monaten eine Urlaubsplanung immer mehr konkretisiert worden wäre. Motorradstraße Deutschlands. War ich irgendwann beim surfen im Internetz drüber gestolpert und fand das eigentlich ganz nett. Also an die Ostroute angelehnt eine Tour gebastelt und dem Weibchen vorgeschlagen, welches direkt hellauf begeistert war. Der Termin stand also aber es war noch genau gar nichts passiert. Aber mal konkret, was wollte ich denn eigentlich im Winter tun, fragen wir doch mal die heilige Liste:

 

  • Vorderrad der dicken Diva ausbauen und zum auswuchten bringen
  • Gabelfedern an der Diva tauschen nebst neuem Öl
  • Auspuffsammler ersetzten gegen ein Edelstahlpendant
  • Gaszüge austauschen
  • Navi Halter anbauen
  • Vollverkleidung montieren

 

 

Da zum Wechseln der Gabelfedern - in Serie ist das Dickschiff ja "minimal" unterdämpft - das Rad eh raus muss, konnte man zwei Punkte direkt verbinden. Also die Gabelholme ausgebaut und zerlegt und nebenbei schon das Vorderrad in den Kofferraum des Baguettes verfrachtet. Wenn man die Feinheiten in der Anleitung lesen würde, wüsste man auch, dass auf den Verschlussstopfen der Holme viel weniger Gegenwehr lauern würde, wenn man die Versteller der Federvorspannung vorher auf Minimum dreht :rolleyes: Der Wechsel gestaltete sich insgesamt jedoch überraschend problemlos und ein erster Test im Stand äusserte schon ein wesentlich strafferes Feedback.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bling bling

 

 

Weil auf das Rad aber noch ein neuer Gummi sollte (Metzeler Z8) und das Wetter bei der Erstkomplettierung zwar vorhanden aber eklig war, verzichtete ich in dem Moment auf eine Testfahrt. Stattdessen packte ich den Rollrundling wie erwähnt in den Kofferraum und kippte selbigem samt neuer Gummihaut zum Umziehen beim Händler ab. An einem Freitag wurde das Teilekonvolut dann wieder komplettiert um am darauffolgenden Sonntag zu einer kleinen Probefahrt aufzubrechen.

Zwischenzeitlich wurde der hintere Bremssattel noch revidiert, da er nach der Winterpause beim ersten Funktionstest zwar problemlos seine Arbeit aufnahm, sich aber standhaft weigerte selbige auch wieder zu beenden. Zerlegen, Reinigen und dabei logisch direkt mit neuer Bremsflüssigkeit das System befüllen schaffste dieses Manko aber schnell aus der Welt.

Und dann war da ja noch dieses funkelnde Stück Edelstahlverrohrung, was seinen Platz mit dem maroden Stahlrohrgewirr unter dem Diva Motor tauschen sollte. Der originale Sammler war an nahezu allen Anschlussstellen ziemlich verottet, nach Netzrecherche wohl kein Einzelfall bei dem Modell. Einen Anschluss hatte ich im Vorjahr schonmal provisorisch mit einer U-Schelle über den Sommer gerettet, weil da schon die Befestigungsschelle ausgetiegen war, aber nun war es Zeit für eine größere Sanierung.

Klar, man hätte das ganze sicher auch mit Aufschweissen von Reparaturstücken an allen sechs Anschlussstellen (4x Krümmer, 2x Endschalldämpfer) für eine gewisse Zeit retten können. Wäre aber wohl - mangels eigenen Könnens in der Kunst des Metallfügens - nur unwesentlich billiger geworden und noch dazu sieht so ein Edelstahlsammler auch einfach mal gut aus. Das Auge fährt eben mit. :cool:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Downgrade

 

 

Ausserdem wurde vor der ersten Testfahrt noch eine Option ausgebaut, die man meines Wissens nicht einmal gegen Aufpreis mitbestellen konnte: der Tempomat. Ein unfreiwilliger. Was für Langstrecken eigentlich erstmal recht komfortabel klingt, kann auf kurvigem Geläuf durchaus unangenehm werden und vor allem jede Menge unnötige Unruhe in den Fahrbetrieb bringen, wenn die Tempomatfunktion nämlich auf einem schwergängingen Gaszug basiert. Sich für einen runden Fahrstil vor der Kurve und vorm Bremspunkt leicht ausrollen lassen? Pustekuchen, da wird munter weiter vorwärts gedrückt. Auch wenn der Motor kein Sportaggregat ist, so haben 900ccm und über 80Nm trotz des hohen Gewichts leichtes Spiel.

Ein neuer Satz Gaszüge plus ein vorsoglicher Schuss Ballistol in deren Ummantelungen sollte dieses ungewünschte Upgrade beseitigen. Funktionierte recht unkompliziert, ausser dass ich mal wieder festgestellt habe, dass Gaszüge in bereits eingebaute Vergaser einzuhängen definitiv nicht mein größtes Hobby wird.

 

Egal, alles notwendige fertig, die gute Vierteltonne aus Metall, Kunststoff und Gummi sieht wieder aus wie ein Motorrad, einem Ausritt steht also nichts mehr im Wege. Nichtmal das Wetter, das sollte nämlich grandios werden.

Aus geplanten ca. 40km Testfahrt um die Stadt wurden spontan etwa 300km inklusive Abstecher in den Harz. Spricht für sich. Inklusive Sonne tanken am Elbufer und Schnee bestaunen im Oberharz. Der neue Reifen und die neuen Gabelfedern lassen die Diva um Welten handlicher erscheinen, sie fährt sich jetzt nicht mehr wie ein Bus, sondern eher wie eine Mittelklasselimousine. So richtig sportlich ist noch immer nicht ihre Welt, dafür geht aber alles deutlich präziser als vorher. Für den ihr angedachten Einsatzzweck - längere Touren incl. voller Bekofferrung und im Normalfall zu zweit - ist das so schon völlig in Ordnung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fehlt zur Komplettierung der to do Liste eigentlich nur noch die Navihalterung, wofür ich in den kommenden Tagen mal einen örtlichen Baumarkt aufsuchen werde und - sofern es zeitlich passt - die Montage der Vollverkleidung, die konnte ich letztes Jahr durch glückliche Umstände direkt in passender Farbe ergattern. Das ganze lässt die Fuhre dann optisch deutlich stimmiger wirken, ob sich auch der Wetterschutz nochmals verbessert, wird sich wohl in einigen Tagen zeigen. Um Ostern rum ist die erste längere Tour für dieses Jahr geplant, wenn da alles klappt wie geplant, hat die Diva nach Ankunft zu Hause rund 1600km mehr auf der Uhr. Dann dauert es nicht mehr lange und der Zähler müsste sechsstellig werden. Lässt sich die rüstige Dame aber kaum anmerken.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen eine genussvolle Saison 2015, egal von wann bis wann sie nun bei jedem einzelnen läuft. DLZG

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10.09.2014 10:50    |    fate_md    |    Kommentare (23)

Stop 'n go - weniger stop mehr go

 

Tick tack, die Uhr tickt...

 

Alle 24 Monate freut sich ein jeder Fahrzeugbesitzer, dass er mit seinem Transportgerät zum Plakettengott juckeln darf, damit der dem heiligen Blechle mal wieder für ein paar Minuten unters Blech guckt. Und im Anschluss hoffentlich den ersehnten Darfschein in Form einer bunten Kunststoffplakette am hinteren Kennzeichen zu platzieren. Oder einem zumindest eine wohlsortierte Liste mitzugeben, warum er genau selbiges eben nicht angebracht hat.

Auch bei meinem transporteur d´humanoide war die Zeit mal wieder gekommen und so fuhr ich ohne große Sorgen zur gewohnten Prüfstelle. Irgendwie fing dieses mal aber die gesamte Geschichte schon scheisse an. Stammprüfer nicht da (*narf* Urlaubszeit), dafür die Vertretung, ganz abgesehen von vielen anderen wartenden. Was war los? Gab´s Geld? Saisonwechsel? Keine Ahnung. Direkt da bleiben lief nicht, also Termin gemacht.

Zu selbigem dann angerollert, um zu sehen, dass die Vertretung der Vertretung vor Ort war. Jung, dynamisch, hochmotiviert. Und kein anderer Wartender. Na das kann ja was werden.

 

Stinker? Let´s test!

 

Nach kurzem Standardaussencheck, ob das Auto denn ein Auto ist und nicht zufällig hinten vorn wäre, kam die übliche AU Prozedur. Die Messwerte auf dem Monitor waren alle goldigst, wenn man schon mehr als einmal bei solchen Spielereien dabei war, weiss man ja schon während der Messprozedur, ob´s gut aussieht oder eher nicht. Viel überraschter war dann kurz danach mein Gesicht, als die Aussage des Prüfomatics folgte "naja, die Abgasuntersuchung hat er dann wohl nicht bestanden".... "öhh ja, ok...häää?... *schulterzuck*......W A R U M?"

Das Gerät melde wohl einen Fehler mit der Lambdasonde, wurde kurzerhand gesagt, wohl um dem üblichen geneigten Werkstattgänger mit geballter Fremdwortkompetenz - wer nutzt schon tagtäglich das Wort Lambdasonde in seinem Sprachgebrauch - ein tiefentsetztes "Oha, na dann muss die Werkstatt mal gucken" zu entlocken. Mir entlockte sie nur ein "was meldet das Gerät denn genau als Fehler", was bei ihm zu einer plötzlichen Gesichtsmimikerstarrung führte, wie konnte nur ein Normalsterblicher die absolute Aussage des Kunststoffkringelzeus zu hinterfragen wagen. Kleinlaut folgte ein "sie sei nicht da". Aha. Interessant. Für keine Lambdasonde waren die Messwerte aber erstaunlich gut. Musste auch er zugeben. Lange Rede, kurzer Sinn, einige Diskussionen und Computerspielerein später, fiel dem Herrscher der Messtechnik dann auf, dass er wohl das falsche Protokoll ausgewählt hatte. Somit sprachen sein Rechner und mein Auto zwar über dasselbe Thema, aber in verschiedenen Sprachen. Next try, alles grün, AU bestanden.

 

Stop! Warum nicht?

 

Weiter ging es mit dem üblichen Prüfprozedere, alles funktionierte wie es soll, der Plakettenpapst hatte erstmal keine Beanstandungen. Rauf auf den Bremsenprüfstand, vorne, hinten, Handanker. Die Sache läuft. Moment. Warum? Soll sie doch gar nicht. Vorne und hinten war erst noch alles chic, Betriebsbremse verzögerte gleichmässig und mit guten Werten. Der Handanker auch, aber nur rechts. Bremswert links gleich null. Das wird nichts gutes...

Nachdem die restliche Prüfung soweit durch war, widmeten wir uns nochmal der Ursachenforschung. Ich hoffte auf ein banal defektes Handbremsseil. Diese Hoffnung wurde nach rund 10s zerschlagen. Verdammt. Prognose: Handbremseinheit im Bremssattel hinüber.

Da ich sowieso immer mit eingelegtem Gang parke - als städtischer Flachlandtiroler ist die Handbremse quasi ein verzichtbares Gut - wäre mir dieser Makel wahrscheinlich in zehn kalten Wintern nicht aufgefallen. Der Kittelcaptain fand ihn aber doof. Oder suchte neue Freunde. Jedenfalls lud er mich schlussendlich direkt wieder zu sich ein, binnen der nächsten vier Wochen. Den begehrten bunten Bapperl gab´s logischerweise nicht zum mitnehmen, schade eigentlich.

 

Nachschub

 

Wieder zu Hause durchforstete ich noch schnell das Wissen der Netzwelt, kam aber recht schnell zu dem Ergebnis, dass die Prognose vom Genehmigungsgott wohl leider korrekt sei. Also kurzerhand einen neuen Sattel geordert - bewusst neu, damit man nicht evtl. mit einem Gebrauchtteil den nächsten Fehler kauft - und am daurauffolgenden Wochenende eingebaut. Ziemliches geknorze bei 10 Jahre nicht bewegten Bremsleitungsschrauben, aber schlussendlich war alles drin und entlüftet und bremste. Zu gut. Denn es löste nicht wieder. Vorsichtige Testfahrt, Wagen abgestellt, Felge heiß. Jap, hier stimmt definitiv etwas nicht. Mangels Zeit die Kiste erstmal stehen gelassen und nochmal recherchieren. Aufgequollene Leitung, defekter Hauptbremszylinder, kaputter Bremssattel, nicht gängige Bremsklötze. Lösungsansätze gab es ein paar, so recht daran glauben, dass zufällig genau bei dem Wechsel eine Leitung oder der HBZ die Hufe hochgerissen haben, wollte und konnte ich aber noch nicht. Beim nächsten Schraubeinsatz deswegen erst nochmal den Sattel runter, alles was sich bewegen können sollte, tat dies aber problemlos. Abgesehen vom Kolben. Aber der kann doch nicht.... der ist doch neu.

Frustriert schlussendlich wieder den alten Sattel dran, nur um Gewissheit zu haben. Entlüftet, Probefahrt, check. Chic. Verflucht. Jetzt bremste wieder alles wie es soll, nur der Handanker war logisch wieder out of order. Am nächsten Tag auf zum Teiledealer meines Vertrauens und dort einen Bremssattel mitgenommen, dieses mal nicht in neu sondern in "generalüberholt", das defekte Neuteil auf dem Postweg wieder in den Vorhof zur Hölle geschickt und am Folgetag ein drittes mal die beliebte Prozedur. Funktioniert ja. Komisch. Manchmal kann das Leben so einfach sein.

 

 

Final destination

 

Gutes Gefühl in der Garage und bei der Probefahrt reichten ja leider nicht, somit musste das Bagutte schlussendlich doch nochmal zum Plakettenpatron. Der hatte erfreulicherweise dieses mal aber nichts auszusetzen und nach wenigen Minuten und 12.90€ Spende in die Vereinskasse bekam das hintere Kennzeichen einen neuen Treuepunkt. Das Geld für den defekten Sattel gab´s auch zurück, somit ist bis auf die unnötige Mehrarbeit alles nochmal glimpflich abgelaufen. Nun kann er wieder 24 Monate dumm rum stehen, bis das Spiel von vorn beginnt. Hoffentlich nicht.

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20.08.2014 17:35    |    fate_md    |    Kommentare (5)

Einmal Vollwaschgang bitte...

 

 

Sommer, Sonne, Kaktus. Nee, halt, das war was anderes... aber Sommer und Sonne klingt ja prinzipiell schonmal nicht verkehrt. Und direkt noch viel besser, wenn passenderweise dazu auch Urlaub ansteht.

Für dieses Jahr stand Moppedurlaub auf dem Plan. Unter anderem. Oder besser gesagt in Kombination. Ein Prag Trip war eh schon gebucht, damit man auch das Kreuzchen bei "Kultur" setzen darf im Lastenheft, aber auch dorthin kann man ja einspurig reisen.

 

Gut geeignet dafür stand ja schon die 900er Diva in der Halle. In beiden Koffern + Topcase + Tankrucksack fand sich dann auch genug Stauraum für alles nötige und unnötige Zeug. Vorteil nebenbei: die Dame des Hauses kann nicht einfach den gesamten Kleiderschrank packen mit der Argumentation "ich weiss doch jetzt noch nicht was ich brauche und es passt schliesslich alles ins Auto". Spart einem also einen Haufen (unnötiger) Schlepperei.


Sollte der Blogbeitrag hier enden, hat sie diesen Text vor dir gelesen und ich liege blutend vor der Tastatur... :D

 

 

Hat sie nicht, gut :D Also die Köfferchen der Diva zum Befüllen mit nach Hause genommen und grob die Route durchgesprochen. Ein Tag Ausfahrt vor Ort wurde mir zugesprochen, dafür gab´s im Gegenzug einen Tag Kultur und sightseeing ohne Mopped. Läuft. Anreise war auf Montag geplant, zurück sollte es Donnerstag gehen, damit man vor Urlaubswoche Nummer zwei nochmal durchschnaufen und Wäsche machen kann etc.. Bei der Feststellung, dass wir ja über Dresden fahren könnten und Dresden ja soooooooooo schön sei, wurde aus Montag direkt Sonntag als Anreisetag mit Zwischenstop im Elbflorenz. Da die Planung Freitag abends war, war die Pensionssuche zwar etwas abenteuerlich, aber Samstag Mittag hatte ich die Bestätigung für ein Doppelzimmer mit Frühstück, feine Sache.

 

Die Planung für den Sonntag war dann ganz gemütlich, nach dem Frühstück auf zur Halle, die Diva holen und dafür das Baguette stehen lassen. Zweirädrig dann zurück nach Hause, Weibchen nebst Gepäck einsammeln und dann reiten wir los. Autobahnen wurden in der Route geblockt, also gemütlich über die Landstraßen der Republik cruisen und schonmal in Urlaubslaune kommen. Wetter? Bombigst! Einzig die Kombination aus drei kleinen Gimmicks gefährdete hin und wieder den Fortbestand meines Führerscheins. Alpine Motosafes (Gehörschutz, absolute Empfehlung, ich weiss nicht wie ich vorher ohne fahren konnte), der Louis Crampbuster "Tempomat" (sehr bequem für Langstrecke mit gleicher Gasgriffhaltung) und die MRA Touring Scheibe der Diva sorgten in Kombination hin und wieder mal dafür, dass der nakedbikegewohnte Urlaubspilot viel schneller unterwegs war, als er darf. Ärger gab´s allerdings keinen, nur hin und wieder einen erschrockenen Blick auf den Tacho.

 

 

 

 

 

 

 

 

Gegen Mittag erreichten wir dann die im Navi programmierte Adresse, dank Nettigkeiten wie google streetview konnte ich mir den Ankunftsort vorher schon ansehen, was die Orientierung vor Ort dann spürbar vereinfacht. Mit so einem 400+kg Trumm auf zwei Rädern möchte man ja auch nicht mitten im Stadtverkehr feststellen müssen "jop, das da vor 5m wäre die Einfahrt gewesen, in die ich hätte reinfahren sollen". Landung also planmässig und ohne Probleme, wenn man vom leicht abschüssigen und geschotterten Weg mal absieht. Auf zur Tür *Ding Dong* man hörte, dass die Sprechanlage eine Telefonnummer anruft. "Ja Hallo Herr xyz, ich begrüße Sie. Leider bin ich gerade nicht im Haus"..."*schluck*" ... "aber sie können ihren Schlüssel nehmen, wir sehen uns dann morgen früh zum Frühstück"...`wie soll ich denn den Schlüssel nehmen', dachte ich gerade noch, als es weiterging "vor ihnen ist ein Safe, greifen sie einfach rein "..."ja aber wie soll..." ..."er ist offen".... ahhhh..... wirsch. Kannte ich so nicht, war dort aber scheinbar gängige Praxis und funktionierte so ja auch für alle Beteiligten wunderbar. Wir waren scheinbar die ersten Anreisenden, es waren noch diverse andere Schlüssel mit Namen im Safe, welche - wie sich dann morgens heraussellte wohl zu einer britischen Motorradtruppe gehörten die mit einer Goldwing und zwei PanEuropeans unterwegs war. Vielleicht wollten sie umziehen oder so, möglich wäre es auf jeden Fall gewesen. Die 900er Diva ist nun wahrlich nicht zierlich, aber umringt von diesen Monstern wirkte sie wie Spielzeug :eek:

 

Die typischen Touristenziele in Dresden erreichten wir bequem per Bahn, mussten somit auch nicht in Kombi durch die Stadt tigern. Zum späten Nachmittag öffnete der Himmel dann ein erstes mal seine Schleusen, so dass wir zum Schluss doch sehr forschen Schrittes wieder zum Bahnhof hechten mussten. Tat der Urlaubslaune aber keinen Abbruch. Schlussendlich den Abend noch beim Italiener um die Ecke ausklingen lassen, um danach hochzufrieden und leicht angetüddelt ins Bett zu fallen. Waschgang #2 startete zum Glück erst 10m vor unserem Hoteleingang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Frühstück war reichhaltig und gut besucht und mittlerweile war dann auch mal die Pensionsvermieterin da, so dass alle nötigen Formalitäten geklärt werden konnten. Zehn Minuten vor uns reisten die Briten ab, was in der Kombination schräger Schotterweg plus schwere Maschinen bisweilen etwas abenteuerlich aussah, aber reibungslos klappte. Nochmal tanken und dann auf nach Prag. Ich hatte eine optisch wunderschön kurvenreiche Strecke gebastelt und extra noch eine Schleife eingebaut, damit wir a) nicht zu früh am Hotel sind und ich b) noch etwas fahren konnte. Die Theorie war gut. Die Praxis stellte sich leider gänzlich anders dar, da der Straßenzustand in weiten Teilen einfach nur grottenschlecht war. Nach gut 50km genervtem Leiden auf tschechischem Boden wandelte sich dies aber plötzlich in topfebenen und griffigen Asphalt. Urplötzlich kamen einem auch mehr Moppeds als Autos entgegen. Jawoll, so macht Fahren spaß :)

Irgendwo im Nirgendwo gab´s dann eine kleine Rast und Pinkelpause. Alles strahlte schon eine unheimliche Urlaubsruhe aus, der Kater des Hauses war derart tiefenentspannt, dass er nichtmal aufguckte, als wir uns an den Tisch neben ihm setzten, er schnarchte in aller Seelenruhe weiter.

Noch knapp 70km bis Prag oder eine gute Stunde. Die Schleife in der Planung hätte ich mir jedoch schenken können, die Straßen waren dort wieder eher mies und irgendwie deutlich weniger spannend als es das Kartenmaterial verheißen lies.

 

Kurz nach dem Mittag erreichten wir ohne Komplikationen unser Hotel. Die Blicke sind durchaus interessant wenn zwischen den ganzen edlen Zwirnen und "4 Sterne ich kann nichts, sehe aber hübsch aus" Dekostücken in der Hotellobby plötzlich zwei Gestalten in schwarzer Ledermontur stehen. Die Diva wurde per PKW Aufzug in die zugehörige Tiefgarage verstaut, somit kein ungutes Gefühl, ob man am nächsten Morgen eventuell ohne mechanischen Transportesel da stehen könnte.

Ab ins Zimmer, raus aus der Kluft, kurz duschen und dann in gängiger Touriklamotte die Stadt erkunden. Ungefähr 150m kamen wir, dann wurde es nass von oben. Sehr sehr nass. Unsere Rettung leuchtete in Form einen goldenen M auf der anderen Seite der Straße. Offenbar hatten wir noch glückliches Timing, die Leute die zwei Minuten nach uns dort aufschlugen, sahen aus wie kopfüber in einen See getaucht. Nach knapp 30 Minuten war der Spuk größtenteils vorbei und wir wieder unterwegs. Nachdem wir uns sicherheitshalber noch einen Schirm gekauft hatten, folgten die typischen Touri Spaziergänge durch die kleinen und großen Straßen und Gassen Prags.

 

Der Dienstag wurde ebenfalls der Stadt gewidmet, auch wenn ich es normalerweise nicht so dolle mit Kultur und sowas habe, waren doch schon einige beeindruckende Ein- und Ausblicke dabei. Und schmerzende Füße. Man kann dann doch den einen oder anderen Kilometer mehr als geplant ablaufen und blöderweise muss man ja irgendwann auch immer wieder zurück. Wenn man es nicht weiss oder noch nicht dort war, sind die Höhenunterschiede in der Stadt erstmal ziemlich beeindruckend. War mir vorher nicht bewusst, meinen Waden hinterher durchaus. Durch ein wenig Zufall und Entdeckerlust fanden wir dann noch eine Art Stadtpark, ganz einfach zu erreichen über gefühlt 836458289 Stufen. Der Aufstieg wird aber belohnt mit einem fantastischen Blick über die Stadt.

 

 

Mittwoch dann endlich mal wieder fossile Kraftstoffe verbrennen. Damit man nicht ziellos umher fährt, hatten wir uns die Knochenkirche [klick mich] als Ziel auserkoren, Anfahrt dieses mal bewusst nicht über die kleinsten Sträßchen die ich finden konnte, die etwas größeren boten dann definitiv den besseren Belag. Damit auch noch etwas Touren Feeling aufkommt, wurde für den Rückweg noch eine Schleife durch eine kurvige Strecke eingeplant, welche sich dieses mal auch als sehr gut fahrbar erwies. Auch wenn die dicke Diva definitiv kein Brenner ist, da kam Fahrspaß auf. Als "kleines" beeindruckendes Gimmick konnten wir dann noch für einige Minuten einen Eurofighter bei Trainingsflügen über den angrenzenden Feldern und Wäldern beobachten. Kurz zusammengefasst: krank. Ich hatte das Ding schon mehrfach am Boden zerschellen gesehen. Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte ich nicht geglaubt, dass ein Fluggerät solche Manöver fliegen kann. Meinen vollsten Respekt an Kreislauf und Magen der Piloten. Beeindruckend auch die Lautstärke des Geräts, wenn es in ca. 30 Metern Höhe kopfüber über einen wegballert. Trotz Helm und Gehörschutz war das infernalisch. Da hatten die Jungs wohl die DB Killer vorm Start rausgenommen :D

Die Wetterprognose hatte Regen ab 17Uhr vorausgesagt, beim Navicheck am letzte Tankstopp wurde kurz die Restfahrzeit gecheckt und mit "sollte eigentlich klappen" bewertet. Nicht bedacht wurde dabei allerdings der Feierabendverkehr, so dass wir schlussendlich rund 45min vom Stadtrand bis zum Hotel brauchten. Der Himmel zog sich deutlichst zu, ein Stück vor uns war es pechschwarz und blitzte, sah aber noch nicht nach Regen aus. Prima, genau in die Richtung müssen wir. Uhrencheck...16.48Uhr. Wir waren mittleiweile bei unter 3km Reststrecke, ich hatte noch Hoffnung, wenn auch wenig. 2Km, 1km, 500m. 16:56Uhr. Das Ziel liegt vor ihnen auf der rechten Seite. Stimmt soweit, komme ich so nur leider nicht mit dem Mopped hin, weil nur in eine Richtung befahrbar und zwischen den Spuren eine Bahntrasse läuft. Noch ist es trocken. Also einmal um den Block. Letzte Ampel, 17Uhr. Wolkenbruch. Wohl Zufall mit der Prognose, aber irgendwie auch gruselig. Die letzten 300m, schön auf altem Kopfsteinpflaster bei Starkregen den 8-Zentner-Trumm um die Ecke schubsen, wenns mich jetzt ablegt wäre das a) peinlich und b) extrem ärgerlich, das Hotel war quasi schon in Sicht. Tat es aber nicht. Parkfläche vor der Tiefgarage, das Weibchen flitzt zur Rezeption, damit ein Mitarbeiter die Schleuse zur Tiefgarage öffnet, ich sitzte derweil in den Niagarafällen und warte. Bis zu dem moment nur auf der angezogenen Tierhaut nass, dann aber der klassische Fehler, ich gucke kurz nach unten. Prima Gefühl wenn einem so eine gefühlte Badewanne kalten Wassers in den Nacken läuft. Naja das Hotel hat ja ne Dusche. Lustig war der Tag trotzdem.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, Abreisetag. Nach dem ausgiebigen Frühstück flott unser Gepäck in Koffern, Topcase und Tankrucksack verstaut und anschliessend die Diva via Fahrstuhl wieder ans Tageslicht befördert. Hotel ausgecheckt, Gepäckgedönse ans Mopped, Murmelschoner auf und los geht die wilde Fahrt. Naja, die Fahrt. Wild war da anfangs gar nix, die ersten 60min steckten wir in irgendwelchem Innenstadtgewurschtel, Baustellen und Ampelstaus. Doch plötzlich war der Schalter umgelegt, die Bebauung verebbte und die Straße wurde breit, gut und frei. Auf Richtung Chemnitz und einmal übers Erzgebirge gehopst. 852 Meter über Meeresspiegel zeigte das Navi im Spitzenwert an. Hätte man durch Straßenführung und angrenzende Waldgebiete allerdings nicht gemerkt. Die Straßen waren leer und dieses mal im Topzustand, was ein anständiges Reisetempo erlaubte. Autobahnen hatte ich im Routenplanungsmenü vom Navi geblockt, was im ersten Moment für Zweiradfahrer verlockend klingt, schlussendlich aber dazu führte, dass wir durch Chemnitz und später auf der Strecke durch Leipzig mitten hindurch gelotst wurden. Im feinsten Berufsverkehr mit entsprechend hohem Reisetempo. Naja, man lernt für die Zukunft. Die Diva hat die Tour auf jeden Fall ohne auch nur einmal zu zucken mitgemacht und vor wenigen Tagen (also kurz nach dem Urlaub) trotz stolzer 92tkm auf Anhieb eine neue HU Plakette erstanden. Wird also wohl nicht die letzte Tour mit dem Reisedampfer gewesen sein.

 

 

 

Aus einmal dick wird zweimal nackt...

 

 

 

Freitag und Samstag nutzten wir dann, um mal die Füße auf die Couch zu legen, Reiseklamotten zu waschen und die Packrollen für die kommende Woche zu füllen. Auf dem Plan standen Harz von Sonntag bis Freitag und im Anschluss von Freitag bis Sonntag das 16. Hornet Home Forumstreffen auf der Burg Ludwigstein bei Witzenhausen. Dieses mal pro Person auf einem Mopped.

 

Sonntag Mittag also die aufregend weite Reise zum ersten Schlafdomizil angetreten. Bedeutete ergo eine knappe Stunde Fahrt :D Eigentlich wollten wir am Nachmittag noch eine kleine Runde drehen, da es aber schon auf der Hinfahrt zu regnen begann, haben wir das kurzerhand ausgesetzt und uns lieber die Plautzen im Schnitzelrestaurant vollgehauen, auch ein netter Zeitvertreib.

 

 

Montag sah die Welt schon besser aus, ich hatte schon im voraus diverse Routen für den Urlaub gebastelt, so dass wir nach dem Frühstück nur noch die Wetterprognose checken mussten und dann in die Kombi springen. Verwöhnt von den bisher immer sehr präzisen Vorhersagen verzichteten wir auf den Transport von den Regenkombis, was sich später noch böse rächen sollte. Navi aufs Mopped, Mopped auf die Straße und dann ab dafür. Weibchen vorneweg und per Headset nur die Richtungsangaben durchgegeben. Die Strecken waren leer, die Straßen meist gut vom Zustand und man konnte wirklich viel Spaß haben. Der erste Tag führte uns Richtung Westharz um Goslar, in einigen Schleifen. 260 Kilometer und 4h 39min Nettofahrzeit entsprachen genau unseren Urlaubsvorstellungen, so konnte man mit Pausen, Essen etc genau einen Urlaubstag nutzen um zum späten Nachmittag bis frühen Abend wieder in der Unterkunft anzulanden und dort den Tag ausklingen lassen zu können. An Clausthal-Zellerfeld vorbei bis Richtung Hahnenklee hatten wir es schon geschafft, als bedrohlich dunkle Wolken aufzogen. Immer schön links der Strecke, ich hatte die Hoffnung, dass wir einfach davor wegfahren können. Bis unserer Strecke im gesamten einen Linksschlenker machte. Zonk. Keine drei Minuten später ergossen sich Sturzbäche auf uns. Ich glaube man hätte es nichtmal mehr geschafft, sich die Regenkombi anzuziehen aber wir hatten sie ja sowieso nicht dabei, denn dieses Wetter sollte gar nicht da sein. Die Lederkombis waren an sich auch regenerprobt, für DAS reichten sie allerdings nicht. Nach nur wenigen Minuten war die Suppe nicht nur auf sondern auch in der Kombi, das Wasser hätte man aus den Stiefeln kippen können. Selbst Natur und Kanalsysteme kamen mit soviel Wasser so schnell nicht klar, es stand Zentimeterhoch auf den Straßen und floss recht ansehnlich flott bergab. Murphys law, dass einen so etwas natürlich nahezu am westlichsten Punkt der Tour erwischt und man wieder komplett nach Osten zurück muss. Bis Goslar hangelten wir uns noch auf der geplanten Route durch, in den Kehren konnte man vom oberen Straßenlevel das untere Level nicht mehr erkennen, nichtmal Lichter von Autos, alles verschwand in einer allesverschlingenden Gischt. Tankstellenstop in Goslar und der Entschluss, den direkten Weg nach Hause zu wählen. Es war einfach schweinekalt in den nassen Klamotten und wir wollten ja den Rest vom Urlaub noch erleben. Also die Routenplanung im Navi abgebrochen und zu großen Teilen direkt über die B6n gen Häuschen, Dusche und trockene Klamotten. 120Km/h im Regen mit nassen Klamotten machen definitiv keinen Spaß und der Gedanke, dass man sich jetzt rund 1h Rückreise antun durfte, motivierte nicht unbedingt, aber an der Tankstelle warten und auf besseres Wetter hoffen, war keine wirkliche Option.

Abgesehen von drei meiner Kameras an den Motorrädern forderte der Tag trotz ekligstem Sauwetter aber keine Opfer. Ersteres ist allerdings doppelt Schade, a) aufgrund des Verlusts, auch wenn sich der finanzielle Schaden in Grenzen hält aber vor allem b) aufgrund der fehlenden Bilder, die Optik auf der Rückfahrt, wenn die Regenwolken aus den Wäldern und Bergen ziehen und über den Feldern einfach zerfallen ist schon phänomenal, das hätte ich mir gerne nochmal auf Video angeschaut.

 

 

Für den Dienstag war eigentlich ein Besuch in Jena angedacht, das Weibchen wollte dort eine Freundin treffen und ich hätte mich auf den Kyffhäuser gefreut. Geschätzte 5kg Zusatzgewicht in den Kombis in Form von Wasser wussten dieses Vorhaben aber leider gut zu verhindern. Also wurde der Tag zum abgammeln genutzt und die Katze des Hauses hatte auch immer einen Spielpartner parat, was ihr sichtlich Freude bereitete.

 

 

Bergfest, Mittwoch früh. Wetter gut, Kombis trocken, Moppeds nicht eingelaufen im Regen, passt.

Auf Richtung Eichsfeld. Einige Leute aus dem Hornet Forum hatten dort schonmal eine schöne Runde gedreht und mir die Tourdaten gegeben. Eine nette Ecke und sehr geeignet für Anfänger, da die Kombination aus schönen Kurven, grandiosem Asphalt und meisten sehr weiter Einsehbarkeit des Streckenverlaufs viel Vertrauen schafft. Ausserdem ist man dort gefühlt fast alleine. Naja bis auf Kühe und sowas. Abgesehen davon, dass mich die Naviroute auf dem Rückweg lange Zeit erfolgreich um jede womöglich erreichbare Tankstelle herumlotste, verlief der Tag ohne Komplikationen. Wir kamen gegen 19Uhr zwar ziemlich erschöpft aber sehr zufrieden wieder am Ferienhaus an und es passte eigentlich alles, bis ich hinter mir beim einparken die Kombination aus "oh verdammte Scheisse" und *rumms* hörte. Was war passiert? Mopped sollte auf den befestigten weg über einen eigentlich flachen Bordstein, damit es nicht im Kies steht, Weibchen verliert dabei etwas das Gleichgewicht weil im Kopf zu unsicher hochgefahren, stellt zwar die Stelze noch raus, vergisst aber den leichten Höhenunterschied durch den Kantstein. Mopped kriegt mehr Schräglage als erwartet, sie erschrickt und schon lag das gute Stück im Kies. Abgebrochener Spiegel und vor allem angeknackstes Ego, sonst keine Schäden. Mit einem schönen eiskalten Jägermeister ließ sich der Frust aber spontan runterspülen und alles weiter sollte sich am nächsten Tag klären.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da wir ja auch mit den Hornet Leuten noch touren wollten, sollte schon ein neuer Spiegel an die Mopete, also Donnerstag früh den Hornet-Express-Delivery-Service aktiviert und spontan mit Rucksack nach MD zurück und wieder gen Harz, um mit einem neuen Spiegel aus der Halle die kleine Brüllkiste wieder startklar zu machen. Nach dem Mittag drehten wir dann noch eine recht ungeplante Runde durch den Harz bis an den Kyffhäuser. Die Kombination aus noch spürbarer Unsicherheit beim Weibchen und einem absoluten Kasper, der an der Nordauffahrt sein Genitalersatz in Fahrzeugform präsentieren musste und wie ein Bekloppter mehrfach rauf und runter bügelte, ohne sich darum zu scheren, welche der beiden Fahrspuren denn eigentlich für ihn vorgesehen wäre, brachte uns allerdings zu der Entscheidung den Kyffhäuser aussen vor zu lassen.

Aber ne leckere Bratwurst gabs :)

 

 

Freitag Vormittag siedelten wir dann um in Richtung Hornet Treffen, Ziel war eine 80qm Ferienwohnung in Lindewerra, nähe Witzenhausen. Die Fahrt dorthin war gut und machte Lust auf mehr. Vor Ort nur schnell die Klamotten abgeladen und dann mit Tankrucksack nochmal los zum nächsten Supermarkt, etwas Grundversorgung kaufen. Anschliessend dann hoch auf die Burg zum Treffen und erstmal angemeldet. Ein paar bekannte und viele neue Gesichter aber natürlich kam man ratz fatz ins Gespräch, gleiche Hobbys verbinden gut.

Für leibliches Wohl und technischen support war bestens gesorgt, so dass wir die Chance direkt nutzten und die 500er zum Werkstattzelt schafften. Die lief nämlich seit einigen Tagen etwas unwillig im unteren Drehzahlbereich. Ich tippte erst auf hängenden Choke, dies bestätigte sich aber nicht. Da es dunkel wurde, beschlossen wir die Bastelstunde auf den nächsten Tag nach der Ausfahrt zu verlegen und rollerten anschliessend die 10min in Richtung Mietunterkunft um den Abend ausklingen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag nach dem Frühstück ging es wieder hoch auf die Burg, die ersten Truppen – insgesamt waren es 6 oder 7 Touren zwischen denen man wählen konnte, wir nahmen die Einstiegsvariante – waren schon unterwegs oder gerade im Aufbruch. Gegen 12 Uhr setzte sich unser Trüppchen dann in Bewegung. Insgesamt gute 1,5h tourten wir mit (ich glaube) 12 Motorrädern durchs Umland der Burg. Damit wir nicht zuviel Staub von den Feldern ansetzten, bot das Wetter freundlicherweise mal wieder eine Gratisdusche an. Dieses mal wurden die Klamotten aber zum Glück nur von aussen nass. Ziel der Tour war der Parkplatz am hohen Meißner, wo sich alle Touren wieder trafen um das jährliche Gruppenbild zu machen und anschliessend im Korso nach Witzenhausen zum Marktplatz zu fahren. Bei nun ca. 100 Moppeds ein recht beeindruckender Anblick und wahrscheinlich auch akustisch recht präsent. Bis auf einen ultracleveren Autofahrer, der sich unbedingt in den Korso drängeln musste (um dann 200m später im Stau in der Rauchwolke des "man bedankt sich beim Treffen-Bäcker Burnouts" zu stehen :D ), funktionierte das mit Korso tatsächlich über die gesamte Strecke wunderbar. Am Marktplatz gab es dann noch lecker Kalorien in Eisform und anschliessend trudelten alle Teilnehmer selbstorganisiert Richtung Burg zurück. Dort konnten dann nahrungstechnische Defizite ausgeglichen, Benzin gequatscht oder bei Bedarf auch geschraubt werden. Wir nutzten die Chance um der 500er nochmal unters Kleidchen zu gucken, die Ideen gingen mittlerweile Richtung hängendes Schwimmernadelventil oder defekte Membranfeder. Letzteres war dann auch ein Volltreffer. Während sich der Springling des rechten Zylinders noch bei bester Gesundheit zeigte, lag sein linker Bruder in 3 Teilen traurig zusammengekauert unterm Vergaserdeckel. Samstag Abend, kurz nach 18Uhr. Scheiss Zeit für Ersatzteilbeschaffung. Wildes Telefonieren und durchfragen blieb dann schlussendlich auch erfolglos. Mittlerweile hatten die Jungs im Werkstattzelt aber aus den 3 Reststücken irgendein Provisorium zusammengetüddelt, was die Heimfahrt am Folgetag erstmal angenehmer gestalten sollte. Ich wurde kurzerhand zur Probefahrt abkommandiert, da das Weibchen mit Freizeitspielchen wie Tankweitwurf und co beschäftigt war. Siehe da, das Loch war zwar nicht weg, aber sie zog nun bereits ab etwa 2200rpm wieder sauber durch, statt wie vorher ab 3500-4000rpm. Damit kann man arbeiten.

Nach lustigem Abendprogramm und vielen netten Unterhaltungen trollten wir uns dann gegen Mitternacht in unser Quartier.

 

Am nächsten Morgen hiess es dann ja schon wieder aufsatteln, Packtaschen verzurren und Rucksack schultern. Es gibt zwar schlimmere Heimreisen, als mit dem Mopped einmal quer durch den Harz zu fahren, aber es ist halt immer etwas Wehmut dabei, wenn man weiss, dass der Urlaub zu Ende ist. Die Fahrt verlief problemlos und trocken, wir genehmigten uns sogar noch einen Abstecher zur Rappbodetalsperre für eine leckere Portion Gulaschnudeln. Wieder in heimatlichen Gefilden angelandet, war bald klar, dass es gut war, die Tour nicht noch deutlich weiter ausgedehnt zu haben. Zum frühen Abend hin zog es sich mächtig zu, der morgendliche Wetterbericht in der FeWo warnte schon vor Unwettern mit zum Teil Hagel, welche dann Richtung Osten ziehen. Sind wir scheinbar immer schön vor weg gefahren, aus dem Fenster heraus beobachtet sich so ein Sturm und Wolkenbruch auf jeden Fall viel schöner als live dabei auf dem Mopped, Vollwaschgänge hatten wir nun genug.

 

 

Nach Abgleich der Tankquittungen attestierte der Saisonkilometerzähler knapp 1700km für die Harz und Witzenhausen Woche, zusammengerechnet mit der Prag Tour trieb es den Zähler in diesem Urlaub sogar um fast 3000km nach oben. Da wir beide reichlich Spaß dabei hatten, ist eine Wiederholung definitiv nicht ausgeschlossen. Dann aber gerne ohne Vollwaschgang.

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Die Todesuhr

Saison 2017

Anhalten und absteigen. Reihenfolge beachten!

Was geht...?

Zitat

Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.

Mahatma Gandhi

In Farbe und bunt