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Fahrerflucht aus dem Alltag

Alltägliches aus den Bereichen Fahrspaß und Fahrfrust. Fahrzeugtests. Meinungen. Kommentare.

31.12.2012 17:32    |    cAs9r    |    Kommentare (9)    |   Stichworte: Alltägliches, BMW, Coupé, E86, Test, Z4

In Zeiten hoher Ölpreise, hoher Steuern auf Kraftstoff und dem ständigen politischen Gerede über mögliche Mautgebühren vergeht dem Automobilenthusiasten schnell die Lust am Autofahren. Effizienz, Praktikabilität und Nachhaltigkeit werden zum Dogma der Kraftfahrzeugindustrie. Das muss nicht den Untergang der Freude am Fahren bedeuten, findet der Autor – im Gegenteil. Ein ungewöhnliches Essay pro körperliche Aktivität – und der Freude am Automobil. Meine Begleitung heute: Das BMW Z4 Coupé.

 

AußenansichtAußenansicht

 

Es ist ein verregneter Montagmorgen, ich sitze am Frühstückstisch vertieft in meine morgendliche Lektüre einer bekannten hessischen Tageszeitung; der Regen prasselt an die Fenster. Es ist kalt. Das Thermometer auf dem Balkon will nicht einmal die Fünf-Grad-Markierung erklimmen. Der Wind pfeift an den klappernden Jalousien entlang. Diese meteorologischen Widrigkeiten würden an dieser Stelle den sensiblen Mitteleuropäer vor eine scheinbar einfach zu lösende Aufgabe stellen: Das unsportliche, bequeme und verweichlichte Teufelchen auf meiner Schulter meint: „Nimm den Wagen, los! Es regnet, du erkältest dich doch so gerne“, währendhingegen die andere Seite streng davon abrät: „Der alltägliche Stau bringt dich zur Weißglut und du bist mit dem Auto nur marginal schneller unterwegs; beweg dich, das hat dir der Arzt auch empfohlen!“.

Ich beschließe den kurzen Arbeitsweg zu Fuß zu bewältigen. Ein unerwarteter Sieg des Guten. Als ehemaliger Leistungssportler ist es eine Schande, überhaupt über den Einsatz eines motorisierten Fahrzeugs nachzudenken, zumal die Wegstrecke lediglich zweitausend Meter beschreibt – etwa zweitausend Schritte. Der Regenschirm hält die Witterung zumindest etwas auf Abstand, eine Fußgängerampel gilt es auf meinem täglichen Fußweg zu passieren. Als ich die Straße überquere, schaltet sie auf rot. Der Bürgersteig führt durch ein kurzes Waldstück und eine befahrene Unterführung, die im Nass des Morgens die roten Rücklichter der stehenden Fahrzeuge reflektiert. Ich schlendere an genervten Müttern mit Kindern auf dem Rücksitz ihres geländegängigen Statussymbols vorbei, die Gebäudefassaden rechts und links der Straße lassen sie wie einen endlosen Tunnel wirken. Trotz des sehr dürftigem Wetters bin ich glücklich, keinen Pfifferling an kostbarem Benzin verschwendet zu haben. Tagsüber klart das Wetter auf, die Temperatur steigt auf über zehn Grad plus und die Sonne lugt zwischen den schnell über mich hinwegziehenden Wolken hervor. Langsam, doch kontinuierlich trocknet der nasse Asphalt und tauscht sein Dunkelblau gegen ein helles Grau ein. Unbeschwert ist der Weg nach Hause. Die Sonne geht unter. Der Himmel scheint förmlich zu brennen.

 

In der Tiefgarage ertönt ein dumpfes Grollen. Heißeres Röcheln und lüsternes Brabbeln erfüllt die Stille. Das schwere Metalltor schwingt knarzend auf und blau funkelnde Scheinwerfer durchbohren die einsetzende Dunkelheit.

InnenraumInnenraum Das Cockpit des Z4 Coupés ist in ein orangefarbenes Licht gehüllt, die Tachonadel könnte durch ihr filigranes Erscheinungsbild als avantgardistisches Kunstwerk durchgehen – die schlechte Ablesbarkeit der kleinen, separaten Doppel-Rundinstrumente nicht.

Die schwergängige, präzise Kupplung lässt das zweitürige Coupé sanft von der Leine, der Antriebsstrang heult leise vor sich hin. Ich reihe mich in den Verkehr ein, die anderen Verkehrsteilnehmer sind im Vergleich zum Nachfolger des legendären Z3-Coupés offensichtlich extrem hochbauend. Der Z4 liegt auf der Straße wie eine Flunder, die Form lässt den Luftwiderstand auf ein Minimum sinken. Auch die Klangkulisse passt perfekt zum bulligen Erscheinungsbild des seltenen Fahrzeugs, der leichteste Sechszylinder seiner Klasse – kryptisch N52B30 genannt – raunt sein Lied kernig-prägnant durch die anscheinend kaum vorhandene Schalldämmung in das tiefgelegene Greenhouse.

Ohne Verzögerung reagiert der freiatmende Reihenmotor auf Gasbefehle – großartig! Mit 265 PS aus drei Litern Hubraum als „Einstiegsmodell“ stellt das Z4 Coupé dem Käufer die Topmotorisierung des Z4 Roadsters als einzige Auswahl (neben der M-Version) zur Verfügung. Hier steige ich gerne ein. Die Modell-/Motorenpolitik ist wohl ein image-technischer Schachzug, der dafür sorgen soll, dass der formschöne Zweitürer nicht den unehrenhaften Ruhm der ersten Mercedes-Benz SLK-Baureihen erlangt und als schwachbrüstig motorisiertes Zahnarztgattinnengefährt stereotypisiert wird.

Denn in allen Lebenslagen bietet das optisch auffällige Fahrzeug genügend Drehmoment (315Nm von 2750-4000upm) und auch Leistung (195kW bei 6600upm), um forsch voranzukommen. Schaltfaules Fahren im fünften oder gar sechsten Gang mag möglich und auch effizient sein, doch getreu der Philosophie eines Saugmotors nimmt die Leistung linear mit steigender Drehzahl zu. Den Jüngern der modernen Turbogeneration, die den „Tritt ins Kreuz“ bei niedrigen Drehzahlen gewohnt sind, erscheint diese Charakteristik als träge und vergleichsweise unspektakulär. Doch genau hier liegt das Verständnisproblem, denn ein sportliches Fahrgefühl benötigt hohe Drehzahlen und eine gleichmäßige Leistungsentfaltung. Es ist ein akustischer, dynamischer und emotionaler Hochgenuss das Triebwerk über 5000 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute zu bringen.

Ich biege auf meine Lieblingslandstraße ein, viele Kurven, wenig Verkehr und einmal knapp einen Kilometer nur geradeaus, Temperaturen um zehn Grad Celsius - ideale Testbedingungen für das Z4 Coupé. Das Ortsschild passiere ich im zweiten Gang, nun ist der Z4 in seinem Revier - der kurvenreichen Landstraße. Der Sportbutton links des einfach zu führenden 6-Gang-Getriebes verändert die Gaspedal-Kennlinie und lässt den Motor noch aggressiver ansprechen, die Lenkkraftunterstützung der elektrischen Servolenkung wird verringert, doch das Feedback könnte dennoch etwas besser sein. Zweiter Gang, Dritter Gang... Viel zu schnell erreiche ich die zulässige Höchstgeschwindigkeit, doch die kurvenreiche Strecke würde sowieso nicht mehr zulassen. Das Einlenkverhalten ist sehr direkt, die Karosseriewankung kaum vorhanden. Der grandiose Sound beim Rausbeschleunigen beglückt den Fahrer nach jeder erfolgreich gemeisterten Kurve.

 

Aber stop! Was ist mit dem Verbrauch? Nur soviel: Gemäß Datenblatt soll jener bei 8,7 Litern Superbenzin liegen. In der Realität liegt dieser Wert je nach Fahrstil knapp ein bis zwei Liter über der Werksangabe – sehr gemütliche Naturen kommen auch mit unter 9 Litern aus. Gemessen an der Motorisierung geht der gemäßigte Durst als in Ordnung durch. Öko-Fanatiker könnten einen mittleren Herzinfarkt erleiden und mit monatelangem Hungerstreik drohen, wenn sie den Momentanverbrauch bei konstant 250km/h, der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit des Z4 Coupés, erfahren würden. Deshalb bleibt der streng geheim. Nur soviel: Mehr als 250 Kilometer wären mit dem 55 Liter fassenden Tank nicht drin.

KofferraumKofferraumUnd ach ja, für unsere Praktikabilitätsexperten: Der Kofferraum ist für einen Sportwagen riesengroß. Eine Eishockeytasche oder Gepäck für einen Mann und eine Frau passen in das Staufach hinter Fahrer und Beifahrer.

Kinder müssen zu Hause bleiben, zumindest wenn der Kofferraum beladen ist. ;)


31.12.2012 18:44    |    316!RHCP

netter Bericht! Schön zu lesen!

mein Kumpel hat auch ein Z4 Coupe.

Kann wirklich nichts negatives zu dem Auto sagen!

der Motor macht echt Spaß und ist in der Höchstgeschwindigkeit schneller als mein TT 2.0TFSI mit 211PS! Vor allem ist der Sound deutlich besser als beim 2.0TFSI!

 

Ich finde das Auto macht auch heute noch optisch was her, obwohl es bekanntlich ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat!

 

Ehrlich gesagt glaube ich aber dass dieses Auto bei den Frauen überhaupt nicht ankommt :D Meine Freundin sagt jedesmal wie hässlich sie das Auto findet. Was sagt dein weiblicher Bekanntenkreis zu dem Auto?

 

Gruß

316!RHCP


31.12.2012 23:52    |    Celsi

Ein toller Artikel, interessant geschrieben. Und auch der 2. Kommentator ist ein TT 2.0 Fahrer mit einer Freundin, die das Z4 Coupe hasst, während ich es einfach toll finde. Sie nennt es "Zuhälterauto" (sorry) :(

Gut ausgestattete Exemplare, auch als Z4 M, mit unter 40 tkm, sind in mobile.de gerade zwar nicht preiswert, aber erschwinglich. Bei dieser Optik, bei diesem Motor, das wäre es mir fast wert. "Fast", weil ich den TT nun gerade fertig habe, ihn noch gar nicht satt habe und beim Verkauf keinesfalls das Geld dafür bekommen würde, das er wert ist. Aber der Z4 ... *sabber*. Ich hänge auf der Kippe, kann mich nicht entscheiden, aber Ausschlag gibt dann, dass die Freundin den Z4 nicht mag. Zu schade ...


01.01.2013 12:17    |    Habuda

Wirklich sehr schöner Bericht. Bestätigt mich das Z4 Coupé endlich zu kaufen. Dieses Jahr ist er fällig, garantiert!

 

Am Liebsten in Interlagosblaumetallic mit weißem Leder, ein Traum.


01.01.2013 12:34    |    Elchtest2010

ich finde den Blog auch sehr gut geschrieben, sehr gut ausformuliert und nicht auf die Schnelle dahingetippt ). Ich bin kein seeehr großer BMW Freund, es sei denn es sind ganz alte BMWs oder wir reden über Kombis - da finde ich auch die aktuellen Modelle ok.

 

Der Z$ aber ist ein wirklich schönes Auto und fährt sich auch richtig gut ! Ich hatte ihn auch mal über ein Wochenende und muss sagen er macht wirklich Spass. Ich hatte ihn als Coupe und auch mit runden 200 PS. Es gibt ihn ja glaube ich noch als 330 und etwas mehr Leistung, ich fand die 200 PS aber mehr als ausreichend umd ziemlich flott voranzukommen. Ich finde gerade die Silhouette und die lange Schnauze richtig cool. Die Heckansicht wiederum ist "so lala" wie ( leider ) bei vielen BMWs. Beim aktuellen Modell finde ich das Design auch hinten richtig gut. Aber was solls ... auch die erste Version des Z4 ist ein tolles Auto was ich fahren würde und meine Frau gerne hätte :-)

 

@Celsi: der Wagen kostet gar nicht so viel ... gerade der erste Z4 mit 100.000-150.000 KM ist für das Auto welches man dafür bekommt sogar relativ günstig. Ich hatte vor ca 2 Jahren mal interessehalber geschaut ( eben weil meine Frau vielleicht einen wollte ), und da gab es das Coupe schon zwischen 12.000-15.000 EUR. Wie es aktuell aussieht weiß ich aber nicht.

 

Gruss

E


02.01.2013 11:11    |    cAs9r

Es gibt wie immer gespaltene Meinungen über das Z4 Coupé.

Auf dem Supermarktparkplatz drehen sich schon einige Köpfe nach dem sehr eleganten Fahrzeug um, die Blicke reichen dann von begeistert-lachend-staunend bis abfällig-neidisch-verärgert. Letzteres vielleicht deswegen, weil der Fahrer noch relativ jung ist und womöglich das Vorurteil vom "reichen Vater" geschürt werden könnte - also Neid oder mangelndes Urteilsvermögen.

 

Interessant ist auch, dass viele (das Gros) weibliche Bekannte überhaupt nichts am geschlossenen Z4 finden, dann aber über einen 6er, das 3er Coupé oder auch über einen Audi A5 schwärmen. Muss ich nicht verstehen, will ich auch nicht.

 

Preislich bewegt sich das Coupé im Bereich von 15.000 bis 25.000, je nach Zustand, Ausstattung, Baujahr. Bei einer Laufleistung von unter 50.000 km und einem neueren Baujahr (z.B. 2008) wäre ein Preis von über 22.000 gerechtfertigt, wenn denn die Ausstattung stimmt:

Hier gibt es meiner Meinung nach nur einige MUST-HAVEs:

- Xenon.

- M-Sportsitze.

- M-Lenkrad.

- PDC.

 

Alles andere (Navi, etc.) braucht es nicht wirklich. Das M-Fahrwerk ist straffer ausgelegt, der Unterschied zum Serienfahrwerk ist jedoch marginal.


02.01.2013 16:05    |    Goify

Ich möchte mal auf die Überschrift eingehen, die mir irgendwie was anderes versprach, was der gute Text nicht hielt:

Auch ich fahre meist mit dem Rad oder nehme den Bus, obwohl ich ein Auto habe. Gerade das Vorhandensein eines Autos sorgt dafür, dass ich noch viel lieber Rad fahre, denn ich könnte jederzeit mit dem PKW fahren, muss es aber nicht.

Wenn man Radfahren muss, weil man keine Alternativen hat, nervt einen das gewaltig.


02.01.2013 18:27    |    cAs9r

Das ist durchaus so gewünscht, Goify!

Der erste Teil des Textes hat selbstverständlich auch eine Bedeutung.


21.03.2013 18:30    |    lncognito

Schöner Bericht - ich habe dasselbe Gefühl, wenn ich aus meinem Alltagsauto in mein Spaßauto umsteigen darf, weil's das Wetter hergibt :D


21.08.2014 07:32    |    bmw318is-black

Hi,

 

der Innenraum sieht ja mal gut aus, haste folieren lassen?

Kannst du mir die Farbe (wahrscheinlich Carbon - Schwarz)

nennen und was das gekostet hat?

 

Gruß

Black


Deine Antwort auf "Warum der Autor das Autofahren liebt und (manchmal) trotzdem läuft…"

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