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Sat Apr 14 15:02:10 CEST 2018    |    Dynamix    |    Kommentare (18)

Auch wenn es einige Hardliner nicht so wirklich wahrhaben wollen, so bieten "moderne" Autos doch ein paar Vorteile. Neben Dingen wie Airbags, ABS und Einspritzungen hat die moderne Technik auch weitere Vorteile. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung hat Computertechnik nämlich durchaus dazu beigetragen Autos zuverlässiger und vor allem wartungsfreundlicher zu machen.

 

Glaubt Ihr nicht? Ich beweise euch das Gegenteil ;) Im Gegensatz zu wirklich modernen Autos sind die ersten Gehversuche der Autoindustrie mehr oder weniger simpel. Stellt euch den Vergleich Telespiel gegen Playstation 4 vor und Ihr bekommt eine ungefähre Vorstellung von den Unterschieden.

 

Was bringt das jetzt dem durchschnittlichen Autoschrauber? Nun, Steuergeräte, Sensoren und der ganze andere Kram liefern nicht nur alle möglichen Werte die einem bei der Fehlersuche helfen können, sondern in einigen Fällen auch gleich einen eigenen Fehlercode der den Fehler entweder gleich ausspuckt oder zumindest eine Hilfestellung zur Fehlerbehebung gibt. Neuere Autos zeigen solche Fehlercodes nicht selten direkt im Display an.

 

aldl-cablealdl-cable

Die Autos der späten 80er/frühen 90er sind da etwas simpler gestrickt. Einen wirklich einheitlichen Standard für die Onboard Diagnose gab es erst 1996 und so haben die Hersteller da alle mehr oder weniger Ihr eigenes Süppchen gekocht. Was macht man als Autoenthusiast wenn man die Möglichkeit haben will Daten auszulesen? Richtig, man besorgt sich das entsprechende "Werkzeug". Je nach Auto gibt es da mehrere Möglichkeiten. Für so gut wie jedes OBD II Auto gibt es mittlerweile günstige Stecker, Sender, Software etc. pp mit der man Fehlercodes auslesen kann. Was macht man aber in einem Fall wie meinen? 1992 gab es noch kein OBD II und damit auch keine günstigen Auslesetools. Jetzt kann man sich ein zeitgenössisches Diagnosetool besorgen das die Außmaße eines ausgewachsenen Nachttisches hat. Aber auch hier gab es damals schon Alternativen! Snap On beispielsweise hatte einen relativ kompaktes Scantool im Angebot, leider sind die gebraucht noch sauteuer! Mit 400€ aufwärts kann man für so ein Tool je nach Angebot schon rechnen und dann muss dieses nicht unbedingt komplett sein. Aber auch hier gibt es eine günstige Alternative. Findige Köpfe haben es sich zur Aufgabe gemacht entsprechende Computerprogramme zu entwickeln. Diese dienen quasi als Grundgerüst welches mit den Daten des jeweiligen Steuergerätes gefüttert wird.

 

Da auch ich gerne die Möglichkeit hätte die beiden Caprice auslesen zu können habe ich angefangen zu recherchieren. Der Snap On Scanner fiel wie gesagt schon alleine wegen des Preises heraus, einen richtigen Werkstattcomputer mit allen Kabeln hätte ich weder meinem Bankberater, noch meiner besseren Hälfte erklären können. Da ich noch einen Laptop herumliegen habe den ich so nicht mehr benötige kam mir die Idee den als Diagnoselaptop zu missbrauchen, so wie es viele Hobbyschrauber bereits tun. Ok, die Hardware hätte ich damit schon mehr oder weniger komplett. Jetzt fehlte mir nur noch ein passendes Kabel welches auch in meinen Caprice passt. Bis einschließlich 1995 (teilweise sogar noch einschließlich 96!) kamen bei General Motors die 12 Pin ALDL Kabel zum Einsatz. Leider ist das ein Kabel das nicht mal eben an jeder Ecke herumliegt, schon gar nicht mit einem USB-Anschluss welches das Kabel kompatibel zu einem handelsüblichen Computer macht. Meine Recherche förderte genau 2 Anbieter zutage die überhaupt irgendwie in die Nähe von "seriös" kommen. Wer eBay mit dem Begriff "ALDL Cable" füttert stolpert schnell auf die Firma "Red Devil River". Die Jungs haben sogar eine Website, allerdings ist die optisch in einer Zeit hängen geblieben in der mein Caprice noch ein junger Gebrauchter war. Nichts was großes Vertrauen weckt. Das selbe gilt für die Website des Herstellers "OBD Diagnostics Inc." bei denen ich dann schlussendlich bestellt habe. Der Grund dafür war das ich hier die Option auf PayPal Zahlung hatte und deren Stecker war preislich minimal günstiger. Mit allem drum und dran hat das Kabel jetzt 80€ gekostet. Ziemlich happig für ein Kabel, aber was will man machen wenn die einzige Alternative mal eben 5 mal so viel kostet und man sich so ein Kabel nicht mal eben selber zusammenschustern kann? Da geht man dann entweder das Risiko ein oder lässt es bleiben.

 

US typisch bekam ich bereits nach einer halben Stunde die Bestellbestätigung incl. der Nachricht das meine Sendung bereits auf dem Weg wäre. Gut 2 Wochen später flatterte dann auch schon der Brief vom Zoll ein,also ab zum Zoll und das Teil abholen. Nach dem öffnen kommt ein ordentlich verarbeitetes Kabel zum Vorschein. So wie das Kabel aussieht ist es mit hoher Sicherheit "handgemacht", also nichts was jetzt nach Industriestandard aussieht :D Jetzt war testen angesagt. Es gibt im Netz ein Treiberpaket, für den Fall das der Rechner das Kabel nicht erkennen sollte. Freudig fahre ich also meinen Ersatzlaptop hoch den ich um Weihnachten herum für diesen Zweck neu aufgesetzt hatte (die Idee schwirrt mir halt schon länger im Kopf herum). Dabei stellte ich dann fest das der Rechner nicht mehr wirklich hochfahren wollte. Was war passiert? Scheinbar hat sich die alte Festplatte verabschiedet. Der Rechner findet das Betriebssystem nicht mehr und damit kann er auch nicht laufen. Mist! Gut, ich habe noch einen zweiten Laptop, probieren wir es mit dem bis der andere wieder läuft. Bei mir hat es 2 Anläufe gebraucht bis Windows die Treiber gefunden hat. Schaut auf jeden Fall in der Systemsteuerung nach über welchen Port das Kabel läuft, diese Info wird später noch einmal wichtig!

 

testertester

Ich war gespannt ob es das Kabel auch tatsächlich tut, auch dafür gibt es im Netz ein Tool mit dem man testen kann ob das Kabel in Ordnung ist und ob es mit dem Laptop kommuniziert. In meinem Falle war es der GM ALDL OBD 1 Interface Tester, dieser stammt von den gleichen Köpfen die auch WINALDL gemacht haben. Wie man auf dem Bild sehen kann hat alles wunderbar funktioniert :)

 

Jetzt braucht man nur noch die Software! Hier hat man etwas Auswahl, da es alleine für die GM OBD I Modelle fast 20 Programme gibt. Die Bekanntesten bzw. sind wohl TunerPro, TTS Datamaster sowie WinALDL. Ich habe mir testweise mal TunerPro sowie WinALDL installiert. In diesem Artikel werde ich mich auf TunerPro RT beschränken, da WinALDL bei mir war die Rohdaten geliefert hat, ansonsten für mich aber eher nutzlos war da weder die Dashboard noch die Aufnahmefunktion funktioniert hat. Vielleicht auch nur eine Sache der Einstellung. Für TunerPro braucht es noch die passenden Dateien für das jeweilige Auto, da gibt es aber auf der Webseite schon ein bisschen etwas. An dieser Stelle sei die RT Version empfohlen, diese ist ebenso kostenlos bietet aber mehr Funktionen. Der Wermutstropfen ist dieses nervige Fenster beim Start welches man erst nach 10 Sekunden schließen kann. Abhilfe schafft da nur seine Version für gut 40$ zu registrieren. In Anbetracht der Tatsache das da jemand sehr viel Zeit und Hirnschmalz investiert hat kann man das schon ruhig machen, auch wenn man es wie gesagt nicht muss.

 

 

 

 

 

 

tunerpro-rttunerpro-rt

Wenn man die Software hat geht es an die Einrichtung. Hier wird es etwas komplizierter, da man für die jeweiligen Funktionen diverse Dateien als Basis benötigt. Diese Dateien haben die Endungen .bin, .xdf und .adx. Dies sind die wichtigsten Dateiformate mit denen TunerPro arbeitet. Die passenden Dateien findet man mit etwas Suche im Netz. Ich habe mir die passenden Dateien für meine B-Bodies beim Efi Board heruntergeladen. Wenn Ihr die Dateien ebenso für euren Caprice benötigt hier kurz die Dateinamen, dass sollte die Suche erleichtern:

 

$61-5.0-Auto.bin

61v2.xdf

61.adx

 

Für die Diagnose ist die XDF-Datei maßgeblich, der Rest wird benötigt falls Ihr vorhabt eure Steuergeräte neu zu programmieren. Falls Ihr dies vorhabt, ist darauf zu achten das Ihr ein Kabel habt welches diese Funktion unterstützt. Die meisten ALDL Kabel können dies nicht, was für mich nicht schlimm ist da ich wirklich nur auslesen möchte. Wer sich an die Reprogrammierung seiner Steuergeräte rantraut sollte wirklich wissen was er tut! Man hat dank TunerPro auch die Möglichkeit die Diagnosesessions aufzuzeichnen. Diese Dateien werden als XDL-Dateien gespeichert.

 

Wenn man jetzt die Dateien hat muss man diese nur noch in TunerPro laden. Für die Bin Datei geht Ihr dafür einfach nur auf den Reiter "File" und klickt auf "Open Bin". Der Rest des Einbindeprozederes sollte jeder hinbekommen der Windows einmal bedient hat ;)

 

tunerpro-preferences-data-acqtunerpro-preferences-data-acq

Für die XDF-Datei geht Ihr au den Reiter "XDF" (irgendwie logisch, oder?) und klickt auf "Select XDF". Um die ADX-Datei zu laden klickt Ihr auf den Reiter "Acquisition" und dann auf "Load Definition File". Jetzt habt Ihr alle Dateien in TunerPro eingebunden die ihr je brauchen werdet. Danach müssen noch ein paar Einstellungen vorgenommen werden damit TunerPro überhaupt Daten empfangen kann. Dazu klickt man auf den Reiter "Tools". Dort gibt es einen Menüpunkt namens "Preferences". Diesen einmal anklicken damit sich das Einstellungsfenster öffnet. Normalerweise sollte der Reiter "Data Acq./Emulation" bereits offen sein. Falls nicht, bitte einmal draufklicken. Jetzt solltet Ihr ein Fenster sehen auf dem Links ein Drop-Down Menü zu sehen ist neben dem "Interface Type" steht. Hier einmal bitte "Use Plug-in" wählen. Danach klickt ihr etwas weiter unten auf "Configure Plug-in Component". Hier wird der Com-Port wieder wichtig von dem wir vorhin sprachen. Geht sicher das euer Kabel eingesteckt ist und die Treiber erfolgreich installiert wurden. Ihr müsst im jetzt folgenden Fenster nämlich den Port angeben über den das Kabel läuft. Als "Port Type" gebt Ihr einfach "Standard Serial" an und bei "Port Number" eben den richtigen Com-Port. Auf beiden Laptops ist das der Com-Port 3, bei euch kann dies allerdings ein anderer sein.

 

com-port-preferencescom-port-preferences

Ist dies erledigt könnt Ihr zur Sicherheit den Testbutton oben anklicken. Jetzt sollte TunerPro eigentlich eine Bestätigungsmeldung ausgeben das alles ok ist. Falls nicht muss noch einmal geprüft werden ob Kabel und Treiber in Ordnung sind. Jetzt geht es dann so langsam ans eingemachte. Die wichtigsten Tools für die Diagnose sind das "Dashboard" und die "Data List Views". Diese kann man sich schon einmal aufrufen. Dies geht ganz einfach über die Buttonleiste unter den Reitern. Das Dashboard erkennt man schnell an dem roten Tachobutton, den Button für "Data List Views" findet man direkt rechts daneben. Jetzt sollte neben dem "Parameter Tree" (den Ihr nicht braucht wenn Ihr eure ECU nicht umprogrammieren wollt!) ein kleines Fenster erscheinen. Dieses vergrößert Ihr am besten entsprechend, macht das Ganze deutlich übersichtlicher! Jetzt habt Ihr einmal das Listenfenster und einmal das Dashboard geöffnet.

 

 

 

 

 

 

dashboarddashboard

Als Dashboard solltet Ihr ein leeres Fenster mit 6 Kästchen sehen. Keine Angst, dass ist normal! Ihr könnt nämlich jetzt jedem dieser Kästchen eine bestimmte Anzeige zuweisen. In der Listenansicht habt Ihr dann alle verfügbaren Infos die euer Auto hergibt auf einen Blick, je nachdem was euer Auto so alles unterstützt kann das Ganze sehr unübersichtlich werden ;) Hier findet Ihr auch die möglichen Fehlercodes! Keine Panik, diese sind immer vollständig gelistet. Sollte ein Fehler tatsächlich aktiv sein steht neben dem entsprechenden Fehlercode ein "Error" in roter Schrift. Heißt: Steht neben dem Fehlercode nur gähnende Leere ist dort auch kein Fehlercode. In dieser Ansicht kann man sich noch alles mögliche andere anzeigen lassen. Loop Status, Gemischanreicherung (Fett/Mager), Klimaanlagenstatus, Position des Gangwahlhebels und was weiß ich nicht noch alles. Zusätzlich könnt Ihr für eine bessere Fehlerdiagnose eine Art Videorekorder mitlaufen lassen mit denen Ihr die Werte aufzeichnen könnt die zu dem Zeitpunkt vom Auto gemessen werden. TunerPro bietet damit so ziemlich alle Fähigkeiten eines Diagnosetools :cool:

 

Wir machen an der Stelle mal einen kurzen Sprung:

 

 

Mein Ersatzlaptop läuft dank eines guten Kumpels wieder und ich habe etwas Zeit. Ergo: Laptop raus, Software installieren und ab zum Auto! Zuerst muss man natürlich den Stecker in die dafür vorgesehense Buchse stecken. Den ALDL Anschluss findet man beim Caprice unter dem Armaturenbrett von der Mitte aus gesehen etwas linksbündig zum Lenkrad hin. Sobald die Zündung eingeschaltet ist kann der Rechner theoretisch die Daten empfangen, wobei es sich im Falle einer vernünftigen Diagnose natürlich empfiehlt den Wagen auch einzuschalten ;) Wer die Software zum ersten mal verwendet dürfte jetzt trotzdem keine Daten sehen. Dafür muss man einfach nur auf den Button mit den zwei Pfeilen klicken und schon verbindet sich der Laptop mit dem Fahrzeug. Auf den Screenshots kann man ja schon sehen das Daten ankommen :cool:

 

Das war es im Groben und Ganzen auch schon! Wer eh schon einen Laptop hat bekommt so im günstigsten Fall für unter 100€ ein brauchbares Diagnosetool für seinen GM Youngtimer an die Hand.

 

lists-3lists-3listslists

 

Was man aus den Daten macht bleibt einem natürlich selber überlassen, jemand mit etwas Talent für Technik verlässt sich sowieso nicht alleine auf Fehlercodes. Fehlercodes geben nicht selten nur einen Hinweis auf den wahren Fehler, aber dieser Hinweis kann schon der Stupser in die richtige Richtung sein ;)

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Sat Apr 14 15:58:55 CEST 2018    |    Trottel2011

Nicht schlecht Herr Specht!

 

Ich habe mal geschaut was es für meinen V12 so Schönes gibt... Ein Schrank auf 4 Rollen. Möglichkeiten: Trimwerte und Ansaugtemperatur sowie Zündzeitpunkt Angaben. MEHR kann man da nicht auslesen. Klima geht über Bordcomputer (DAS hat die Kiste aber... :rolleyes:). Und ein paar Jahre später konnte man alles was überhaupt im Auto passiert auslesen. Raddrehzahlen, genaue Ansaugmenge, Einspritzungswerte usw. ...


Sat Apr 14 16:51:50 CEST 2018    |    Dynamix

Ob ich an Einspritzung und Zündung herankomme müsste ich mal schauen, wüsste aber nicht warum das nicht gehen sollte. Ist ja auch alles elektronisch gesteuert.


Sat Apr 14 20:54:15 CEST 2018    |    RonPut

Da bin ich aber mal richtig froh das mein 96er Taurus bereits OBD2 hat. Da ist das wirklich viel einfacher. Mein 79er Dodge hatte auch schon eine Diagnose Buchse. Aber ich glaub da konnte man nur mit irgendwelchen Messgeräten ran.

 

Aber Respekt das du dir die Arbeit machst.


Sat Apr 14 20:56:50 CEST 2018    |    Dynamix

Ist es auch ;) Ich bin ja schon froh das ich die Möglichkeit mit dem ALDL Kabel überhaupt habe.


Mon Apr 16 18:13:05 CEST 2018    |    B@rnd

Das Intro entspricht genau meiner Meinung. Immer wenn ich mich mit Leuten über das "Autoschrauben" unterhalte, kommt regelmäßig das Argument "Bei den heutigen Autos kann man wegen der vielen Elektronik gar nichts mehr selbst machen. Das Gegenteil ist der Fall. Mir einen Youngtimer zuzulegen (und nicht einen klassischen Oldtimer) lag auch darin begründet, dass ich hier schon Fehler auslesen kann und - Internet sei Dank - auch schnell passende Lösungen finde.

 

Grüße

B@rnd

 

Mein Blog


Tue Apr 17 07:19:13 CEST 2018    |    Dynamix

Auf dieses Gequatsche gebe ich meistens nichts mehr. Kommt meist von Leuten die es noch nicht mal geschafft haben eine Glühbirne zu tauschen oder von Typen die mal irgendwann ein bisschen was rumgebastelt haben und dann den Anschluss verpasst haben. Merkwürdig das es immer noch Leute gibt die an modernen Fahrzeugen rumschrauben können und das doch obwohl die Kiste ja so voll mit böser Elektronik ist die ja gar nicht zu beherrschen ist und dazu alle 3 Minuten teure Reparaturen produziert. Der übliche Blödsinn halt.

 

Wenn ich mal so die letzten 10 Jahre überdenke hatte ich eigentlich nie ein ernstes Elektrik- oder Elektronikproblem. Wenn dann entweder nichts ernstes oder als Folge davon das jemand gepfuscht hat. Dafür sind mir in den letzten 10 Jahren sehr viele der ach so tollen und unzerstörbaren Mechanikteile an meinen Autos kaputt gegangen. Da war eigentlich schon so gut wie alles dabei. Bremsen, Abgasanlage, Teile des Motors, Nebenaggregate, Getriebe etc. pp.

 

Klar, manchmal gibt die Bordelektrik einen Fehler raus der keinen Sinn macht und dann wird auch wieder auf die ach so blöde Elektronik geschimpft aber wenn man sich auch nicht die Mühe macht die Meldung mal richtig zu interpretieren muss man eben damit leben das es nicht funktioniert.

 

Mein Peugeot war so ein tolles Beispiel. Die Lieblingsmeldung des Bordcomputers ist "Abgasentgiftung defekt". Jetzt denkt natürlich jeder sofort an einen defekten Kat oder ähnliches. War es aber nicht. Fehler auslesen brachte einen Fehlercode des Nockenwellensensors auf der Einlassseite hervor. Der war es aber auch nicht. Am Ende war es ein defektes Magnetventil der Nockenwellenverstellung welches dafür sorgte das sich die Nockenwelle nicht mehr richtig verstellen konnte. Daraus resultierte das der Nockenwellensensor, der seine Arbeit wunderbar gemacht hatte, einen Fehler registrierte. Durch die von der Norm abweichenden Steuerzeiten hatte man dann auch von der Norm abweichende Abgaswerte und dann schlägt der Bordcomputer alarm und wirft die Abgasmeldung.

 

Leider machen sich die wenigsten die Mühe über sowas mal nachzudenken. Da werden dann die Nockenwellensensoren getauscht, sich gewundert das es nicht funktioniert und dann wieder auf die Elektronik geschimpft. Klar gehen die Dinger auch schon mal kaputt, aber man kann Sensoren in der Regel auch ohne blindes tauschen testen ;)

 

Mir persönlich hat die ganze Auslesesache jetzt schon geholfen. Mir ist aufgefallen das die Ansaugluftwerte völlig unplausibel sind. Ergo ist der Sensor hin was auch erklären würde das er im Kaltzustand schon mal im Leerlauf abstirbt. Wäre ich wohl so nie drauf gekommen und ich hätte wohl eher in Richtung Lambdasonde angefangen.


Tue Apr 17 08:12:56 CEST 2018    |    PIPD black

Ich denke, da muss man differenzieren. An den Brot- und Butterautos der 90-er oder Anfang 2000-er ist noch nicht so viel Elektronikbimbam.....das sind meist noch schlichte Sachen. Dass wovon der Stammtisch immer faselt, ist das Palaber der Qualitätsmedien, die die schwärzesten Teufel an die Wand malen. Gemeint sind dann die Teile von Oberklassefahrzeugen, die mit allerhand Schnickschnack ausgestattet waren, sind und werden.

Die üblichen Elektroteile wie Fensterheber o. ä. wird es wohl immer geben, aber irgendwelche Steuerungen für die Furzabsaugung auf der Rückbank dürfen wohl tatsächlich schwierig zu bekommen sein, wenn Premiumhersteller schon kurze Zeit nach Auslaufen einer Baureihe bestimmte Verkleidungsteile schon nicht mehr liefern können.

 

Und klar ist auch, je mehr Elektronik, desto mehr Lötverbindungen, Elkos, Widerstände etc. Das Zeug altert und ist irgendwann auf. Wenn es keinen Ersatz gibt, gibt es meistens Spezis, die sowas reparieren. Günstig ist das aber auch nicht.

 

@ElHeineken hat doch in seinem Blog mal den Austausch von Elkos beim NSX beschrieben. Alleine schon die richtigen zu finden, ist nicht einfach.

 

https://www.motor-talk.de/.../...toren-klimasteuergeraet-t5353892.html

 

https://www.motor-talk.de/.../...nsx-kondensatoren-radio-t5542987.html


Tue Apr 17 13:10:59 CEST 2018    |    Dynamix

Och, ich kenne auch genug Leute die schon bei den Autos der 90er und 2000er am motzen sind das da zu viel Elektronik dran ist. Ist auch wieder eine Generationenfrage. Wer mit dem Zeug aus den 60ern aufgewachsen ist hat schon Probleme mit den ersten Autos die Steuergeräte haben die auf dem Niveau eines C64 liegen.


Tue Apr 17 13:21:07 CEST 2018    |    PIPD black

Da hast du sicherlich recht. Gerade wenn man diesen Technikwandel bei den deutschen Modellen mitgemacht hat, dann kann man dieses Gemotze teilweise verstehen. Ich nenne jetzt explizit mal den Golf da als Negativbeispiel. Bis zum Golf 3 kannte man derlei Probleme nicht bis kaum. Klar defekte Motorsteuergeräte kamen da auch schon vor, aber das war es dann meistens.

 

Der Golf IV vermieste es einem dann aber schon direkt mit den elektrischen Fensterhebern oder defekten Türsteuergeräten, wodurch sich das Auto nicht verriegeln ließ und die Alarmanlage regelmäßig zum Auslösen brachte.

 

Oder der Warnblinkschalter im Passat, der dafür sorgt, dass man zwar noch links aber nicht mehr rechts blinken kann. Auf so einen Blödsinn muss man erstmal kommen. Kennt man die frühere Technik, denkt man an den Blinkerhebel oder an ein Relais......aber an den WBS?:confused:


Tue Apr 17 13:35:11 CEST 2018    |    Dynamix

Der VW Konzern ist jetzt aber auch nicht gerade das Paradebeispiel für Langzeithaltbarkeit ;) Nehmen wir doch mal den von dir ins Spiel gebrachten Golf III. Was hab ich an der Kiste innerhalb von 2,5 Jahren alles machen müssen. Da war mehr als genug dran und die Elektrik hat am wenigstens Probleme gemacht. Gut, war ja auch keine dran :D

 

Jetzt muss man sich aber auch mal im Hinterkopf behalten was da in den letzten Jahren alles an mechanischen Problemen durch die Medien gegeistert ist. Brechende Kolben, verreckende Turbolader, einfrierende Motoren, Steuerketten, Zylinderkopfschäden, miese ZKD an bestimmten Dieselmodellen, reihenweise verreckende AGR Ventile etc. pp.

 

Soll ja auch Hersteller geben die vernünftige Elektrik/Elektronik verbauen und da hört man auch nicht viele Beschwerden.


Tue Apr 17 13:47:12 CEST 2018    |    PIPD black

Ist ja alles richtig. Sollte ja auch nur als Beispiel für den Generationswechsel herhalten.

Die Japaner hatten schon Jahre vorher serienmäßig also in Masse elektrische Fensterheber, Spiegelverstellungen und Schiebedachsteuerungen verbaut.;)

 

Seit dem Golf IV ist ja abermals noch mehr Elektronik eingezogen. Ab dem Golf 8 dann 48-V-Stromnetz oder ab Golf VII die Hybrid- oder E-Technik. Dass man da dann irgendwann Manschetten kriegt, ist wohl nachvollziehbar.

 

Reparieren kann man alles irgendwie. Siehe ElHeinekens Blog. Ist immer nur die Frage nach dem Aufwand und der Verhältnismäßigkeit.


Tue Apr 17 13:50:05 CEST 2018    |    Dynamix

Wobei man ja gerade an diesem Artikel sieht das die dafür nötigen Werkzeuge irgendwann erschwinglich werden ;) Keiner muss sich für seinen Caprice zwangsläufig ein Tech II oder ähnliches kaufen, es geht halt auch mit einem normalen Computer, eine kostenlosen Software und einem 80€ Kabel. Es gibt immer jemanden der günstigere Lösungen für den Durchschnittsschrauber entwickelt. Gibt ja mittlerweile auch genug OBD II Tools für Hobbyisten, auch etwas was mit Einführung von OBD II keiner gedacht hätte ;)


Tue Apr 17 14:04:14 CEST 2018    |    PIPD black

Jepp. Hab mir für unsere Ford jetzt auch nen modifizierten ELM327 mit MS/HS-Can-Umschalter zugelegt. Hat zwar etwas gedauert und war auch teurer als der ganze Chinaschrott, soll aber aufgrund des echten Chips leistungsfähiger sein und stabil laufen. Vorallem auch mit den entsprechenden Programmen. Da scheitern die Kopien nämlich dran. Das Teil arbeitet dann per USB mit Schleppi.

 

Fürs Auslesen für unterwegs reicht ein billiger Wifi-Dongle fürs Schmierfone.


Tue Apr 17 14:08:35 CEST 2018    |    Dynamix

Jepp :)

 

Wenn meine Teile bis zum Wochenende ankommen werde ich auch zusehen das ich den Sensor gerade tausche und dann mal schauen was für Werte das Tool dann ausspuckt.


Tue Apr 17 16:54:24 CEST 2018    |    Zarrooo

Kommt mir alles ziemlich bekannt vor von meiner '91er Corvette. :) Schön geschrieben!


Sun Apr 29 14:12:46 CEST 2018    |    etwina

Zitat:

Die Japaner hatten schon Jahre vorher serienmäßig also in Masse elektrische Fensterheber, Spiegelverstellungen und Schiebedachsteuerungen verbaut.;)

 

Seit dem Golf IV ist ja abermals noch mehr Elektronik eingezogen.

Elektronik / Elektrik: Japaner haben seit je her mehr "Elektrik",d.h. elektrische Helferlein, ein Prius hat nur einen Bruchteil der "Elektronik" eines Golf. Bei Japanern gibts es einen Motor, der die Fenster hebt und senkt und einen Taster, die zwei Kontakte öffnet und schließt. 20 Kabel gehen von der Zentralelektrik in die Tür für ein durchschnittlich ausgestattetes Modell.

 

Nachteil: Ein haufen Kabel.

Vorteil: Mit einem Multimeter ist jeder Fehler in 5 Min gefunden.

 

Ein Golf IV hat ein Türsteuergerät, dass Drehmoment und Drehzahl des Fensterhebermotors überwacht, an den Bus angeschlossen ist, Fehler meldet, die Fensterheber samt Kindersicherung, die Zentralverriegelung, Türschlossüberwachung (egal ob Alarmanlage vorhanden oder nicht), die Seitenspiegelverstellung inkl. Beleuchtung aller Knöpfe "managed". In die Tür gehen 6 Kabel.

 

Vorteil: Dezentrale Architektur der Steuergeräte, weniger Kabel, modernes System, man hat der Welt gezeigt, was man kann.

Nachteil: ohne Diagnosestecker geht nichts.


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