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02.03.2015 20:40    |    Dortmunder 65    |    Kommentare (28)

Honda S800 – Oft als Meilenstein der Automobilgeschichte betitelt

 

Und ich muss sagen, in diesem Fall zu recht. Der S800 sollte die Tür auf den europäischen Markt für Honda weit aufreißen. Honda war bereits seit 1963 auf dem Motoradmarkt schon recht erfolgreich und wollte nun mit PKWs auch ein Stück vom Kuchen ab haben.

Und die Japaner handelten nach dem Motto, wer früh aufsteht macht gute Geschäfte, denn sie waren die Ersten aus dem Land der aufgehenden Sonne. In diesem Sinne scheute man auch nicht das Autobauerland Deutschland. 1966 nutzte man zunächst das bestehende Händlernetz der Motoradsparte und startete in Hamburg.

Der S800 war das Zugpferd und hatte den N360 und N600 im Gepäck und als Zugpferd begründete er zu gleich den sportlichen Ruf von Honda.

 

Der S800 (MK1) startete schon im Januar 66 in Japan und ist dort auch unter dem Namen Esuhachi bekannt. In Europa wurde er über Paris, London und Turin der breiten Masse und Fachleuten vorgestellt. Ende 1966 wie bereits erwähnt kam die Vorstellung in Hamburg und Ende März 1967 konnte man einen erwerben.

Wobei die Europäer ausschließlich MK 2 und 3 sein sollten, da der MK 2 schon im Mai 1966 in Produktion ging. In den drei Jahren die er in Deutschland erhältlich war, wurden in etwa 2500 Einheiten verkauft und es gab ihn als Coupe und Cabriolet.

 

Der Motor des S800 war und ist seine Stärke, denn für ein Wagen seiner Klasse und Größe war diese Konstruktion beeindruckend. Bisher kannte man solche Konstruktionen nur aus höherwertigen und leistungsstärkeren Klassen. Der Motor war so gut, dass er selbst Wagen mit größeren Volumen den Schneit abkaufte.

Der Alugussmotor zauberte aus 791 cm³ 67,2 PS / 50kW und auf den Liter hochgerechnet 84,9PS. Um ihn in dem Wagen zu bekommen wurde er um 45 Grad nach links geneigt in Längsrichtung eingebaut. Dies war nicht das besondere, sondern seine Haltbarkeit und Vollgastauglichkeit. Die Nadellagerung von Pleuel und Nockenwelle verringerten die Reibung enorm, somit konnte man den Schmieröldruck gering halten und recht einfach bewerkstelligen.

Die Höchstleistung lag bei etwa 7500U/min an und Honda behauptete, dass der Motor bis 10t belastet werden könne. Dies veranlasste die TH Braunschweig den Motor auf den Prüfstand zu setzen. Bei etwa 12000 U/min soll es einen lauten Knall gegeben haben und nicht etwa der Motor, sondern den Prüfstand hatte es zerlegt. So in etwa lautet eine Anekdote.

Der Motor beeindruckte so stark, dass die europäischen Autohersteller zu den Kunden zählten und sogar Porsche soll einen erworben haben.

 

Weiter zum S800 wobei ich Vormodelle und Prototypen mal außeracht lasse und beim MK 1 der ersten Monate einsetze, wer weiß was so angeboten wird.

Der 800S verfügt über ein voll synchronisiertes Vierganggetriebe, der Antrieb erfolgt über eine Kardanwelle auf das Differential und Zwischenwelle mit Ketten links und rechts. Der Wagen hat Einzelradaufhängung weil die Kettenkästen nicht nur als Ölbad dienten, sondern auch als Schwingen. Sie werden durch Schraubenfedern mit Teleskopstoßdämpfer (innenliegend) am Rahmen abgestützt. Fast 1000 Stück fanden den Weg an die Kunden. 752 Cabriolet Typcode AS800 Produktcode 516 und 752 Coupe Typcode AS800C Produktcode 525.

 

Der Mark 2 erhielt erstmal eine Starrachse mit Längslenkern und Panhardstab und nach 732 Einheiten (69 Coupes) bekam die Vorderachse Scheibenbremsen.

Die Federung erfolgt vorn über Querlenker und Stoßdämpfer sowie längsliegende Drehstäbe welche am Rahmen befestigt sind. Die Sitze waren immer aus schwarzem Kunstleder und der Handlauf des Lenkrades Holzimitat ebenfalls aus Plaste, wobei der Rest aus Aluminium war. Die Zubehörliste war relativ kurz, Zigarettenanzünder, Sonnenblende Beifahrer, Kühlerblende, Stoßstangenhörner, Inspektionslampe, Kühlerblende und für das Cabrio zusätzlich Armstütze, Kunststoffhardtop, Abdeckplane sowie Kofferträger.

In Deutschland gab es ihn wohl in weiß, gelb oder rot und das Coupe später noch in schwarz und gold.

Der deutsche TÜV hatte natürlich mal was zu meckern, deshalb mussten vier zusätzliche Rückleuchten von Hella angebracht werden. Die runden Rückstrahler waren separat angebaut. Die Ausführung des japanischen Rücklichts, mit Blinkleuchten und in der Mitte integrierter Rückfahrleuchte + Rückstrahler, waren nur Zweikammerleuchten.

 

Honda ging beim MK 3 auf das Lichtproblem ein und änderte die Ausführung so, dass es für alle Länder passte. Die Rücklichteinheiten als Dreikammerleuchten, mit nebeneinander platzierten Rücklicht/Blinkleuchte + Bremslicht und Rückfahrleuchte und die im vorderen Grill platzierten Blinker waren länglich und größer. Der MK 3 Typcode AS800A Produktcode 531 u.542 kam Februar 68 zu den Händlern. Die versenkten Türgriffe und Öffner im Innenraum sind nicht gerade das Wichtigste an Änderungen am S800. Er bekam eine Zweikreisbremsanlage und einen Vergaser mit Beschleunigungspunkte. Bis dahin hatte er vier Keihin-Horizontal-Gleichdruckvergaser Typ CVB36N30A1.

Die Front- und Seitenscheiben waren nun aus Verbundglas und die Heizung konnte man auch als solche bezeichnen.

Neben England, Belgien, Italien, Niederlande und der Schweiz wollte Honda nun in die USA. Dafür kamen seitliche Blinker/Reflektoren an den Wagen, nur scheiterte er wohl an der Abgasnorm.

 

In allen Publikationen wird von dem enormen Fahrspaß berichtet und wie drehfreudig der Motor ist, allerdings sollen lange Fahrten auch Kraft kosten.

Meist wurden die einst als fabelhaft geltenden holländischen Koni-Stoßdämpfer nachgerüstet, um die klare Tendenz zum Untersteuern, das sich vor allem in schnell gefahrenen engen Kurven negativ bemerkbar machte, abzudämpfen. Als Komfortbetont kann man das Fahrwerk nicht bezeichnen und für Rückenkranke wohl nicht geeignet.

Für einen Sportwagen waren alle wichtigen Anzeigen vorhanden, Tacho, Wassertemperatur, Drehzahlmesser und Benzinuhr. Öltemperatur war ja nicht nötig:

Der Wagen ist mit rund 782 Kg recht schwer bei seiner Größe und dies liegt an der konservativen Konstruktion. Für Liebhaber aber heute ein glücklicher Umstand, da dies Instandsetzungen stark vereinfacht. Die Karosserie ist mit 22 Schrauben auf den stabilen Kastenrahmen befestigt.

 

Nun sollte man nicht glauben einen schönen und gut zu erhaltenen Klassiker zu bekommen. Selbst einfachste Teile sind schwer zu bekommen und in Deutschland soll es gerade noch 150 S800 geben, einschließlich der Teileträger.

Ob dies bei ehemals fast 1200 viel oder wenig ist kann ich nicht beurteilen.

Die ganze Produktion belief sich auf fast 26000 von denen 7200 nach Europa kamen. Laut Honda soll die Zahl in Deutschland wesentlich höher sein 113 Cabrios und 171 Coupes, davon etwa die Hälfte fahrbereit. In Japan soll es von den einst 12000 noch 2800 geben.

Eigentlich genügend, dass Honda die Nachproduktion von Verschleißteilen in Angriff nehmen könnte. Wohl ist es bei den Japanern halt nicht von Interesse ihr Erbe zu erhalten.

 

So, nun freue ich mich auf eure 800S Bilder, Anekdoten und Kommentare

 

Euer Dorti


02.03.2015 20:45    |    ToledoDriver82

So ein geiles Teil...hab die Tage erst wieder über den S600 und S800 was gelesen....super...ich find die kleinen Drehorgeln genial

 

Was die Teile angeht...das ist ja bis heute so was die alten Autos angeht;)


02.03.2015 20:55    |    bronx.1965

Zitat:

Nun sollte man nicht glauben einen schönen und gut zu erhaltenen Klassiker zu bekommen. Selbst einfachste Teile sind schwer zu bekommen und in Deutschland soll es gerade noch 150 S800 geben, einschließlich der Teileträger.

 

Ob dies bei ehemals fast 1200 viel oder wenig ist kann ich nicht beurteilen.

Ich auch nicht, aber ich finde es, gemessen an der ursprünglichen Einfuhrzahl, erstaunlich viel.

Ein klasse Artikel über ein Auto was irgendwie zu früh kam und nicht verstanden wurde, jedenfalls in Deutschland. Der legitime Nachfolger, MX 5, kam erst viel später aber genau richtig. Ein Meilenstein, rückblickend, war der S 800 allein schon wegen seines Hochdrehzahl-Motors. Sowas kannte man bis dato in D nur von Motorrädern oder aus dem Rennsport.

 

Danke für den interessanten Beitrag. ;)

 

Edit:

 

Zitat:

In allen Publikationen wird von dem enormen Fahrspaß berichtet und wie drehfreudig der Motor ist, allerdings sollen lange Fahrten auch Kraft kosten.

 

Meist wurden die einst als fabelhaft geltenden holländischen Koni-Stoßdämpfer nachgerüstet, um die klare Tendenz zum Untersteuern, das sich vor allem in schnell gefahrenen engen Kurven negativ bemerkbar machte

Und für die sehr gute Recherche! Aber das zeichnet deine Artikel stets aus.


02.03.2015 21:36    |    max.tom

Sehr gut Kokumentiert dorti:)

Honda war und iss immer eine sehr gute Marke :)


02.03.2015 22:23    |    legooldie

Hallo Dorti!

Du hast dich wieder mal selbst übertroffen.Ein ausgezeicneter Bericht über ein Fahrzeug das hier nicht so viele Leute kennen.

 

Gruß Lego


02.03.2015 22:31    |    Dortmunder 65

Danke für die Blumen, ich versuche halt eine gute Arbeit zu erbringen. Mir war der Wagen auch unbekannt und deshalb einen Artikel wert.

Besonders hat mir der Motor gefallen und die Bilder zu diesem runden es ab.


03.03.2015 11:02    |    Sunny Melon

Sehr schöner stimmiger Beitrag und noch schönere Bilder!

Das ist wieder so ein Auto wo ich mich auf der Straße auch gern nochmal umdrehe ....:cool:

 

LG Sunny


03.03.2015 13:02    |    andis hp

Wieder ein schön geschriebener Beitrag von dir. Mit vielen Fakten und Daten, die ich noch nicht kannte.

Und Mr. Pinguin war auch dabei...;)

 

Mfg

Andi


03.03.2015 13:22    |    ToledoDriver82

Diesen Artikel hatte ich kurz vor dem Blog erst gelesen;)


Bilder

03.03.2015 14:41    |    Dortmunder 65

Mal schaun ob ich den Artikel zu Hause lesbar vergrößern kann. :p

 

MRS. Pinguin :p:D


03.03.2015 15:14    |    ToledoDriver82

Das ist aber nicht der komplette Dorti;)


03.03.2015 17:25    |    mr. mountain

Mir war der Wagen bekannt, die Details und Stückzahlen allerdings nicht.

Ein tolles Auto, konzeptionell sicher an MG und andere Engländer jener Zeit angelehnt.

Wie oben schon geschrieben hat Mazda Jahre später den erfolgreicheren MX5 aufgelegt. :)


03.03.2015 17:59    |    Dortmunder 65

Toledo was ist das denn für ein Heft?:p

 

Mounti, schön von Dir zu lesen!:p

Wer hat schon zu jedem Wagen alles im Oberstübchen. :D


03.03.2015 18:04    |    ToledoDriver82

"classic cars" Dorti


03.03.2015 21:29    |    Andi2011

Moin,

 

tolles Teil!

Vom S800 stand immer ein Exemplar lange Zeit bei einem Honda Händler in Düsseldorf - platziert direkt neben dem S2000, für mich bis heute einer der geilsten und unterbewertetesten Roadster überhaupt, noch dazu mit einem super Motor!

 

Wie immer schön gemacht dorti!Daumen hoch!

 

Güße

Andi


03.03.2015 22:53    |    Dortmunder 65

Danke Andi, weißt du welche Farbe der 800 hatte?


04.03.2015 10:46    |    Andi2011

Zitat:

Danke Andi, weißt du welche Farbe der 800 hatte?

ja, silber.


04.03.2015 11:33    |    legooldie

Es hat mir keine Ruhe gelassen und habe einen Freund besucht der noch alte Model Bausätze hat.

Und tatsächlich,er hat den 800 in 2 Ausführungen von der Firma Tamiya in 1:24.

Der gelbe liegt noch original verpackt im Regal!



06.03.2015 13:57    |    VincentVEGA_

Ich kenne den Wagen aus den "Spirou und Fantasio" - Comics, das war ja einige Folgen lang das Vehikel der Protagonisten.

 

In der Tat sieht man sofort, dass der Wagen von einem Motorradhersteller kommt - eine kleine, leichte Fahrmaschine.


07.03.2015 21:12    |    andis hp

Sorry Dorti,

 

ja natürlich: Mrs.Pinguin! Ich hatte den Artikel gelesen, aber vergessen, das es sich hier um eine Dame handelt.;)

 

Mfg

Andi


14.03.2015 14:59    |    fivepointsix

Hey und Moin Dorti,

 

habe da mal was gefunden. Der kleine kam uns letztes Jahr am Nürburgring

vor die Linse.

 

Grüße aus dem Norden

 

fivepointsix



14.03.2015 16:15    |    Dortmunder 65

Danke für die Bilder, so muss das sein. Ein Auto muss bewegt werden!


13.11.2015 18:41    |    Trackback

Kommentiert auf: DeepBlueGalants Blog:

 

Exotisches aus dem Reich der aufgehenden Sonne III

 

[...] Danke für diesen schönen Artikel, besonders für den Galloper. Den hatte ich schon vergessen!

 

Was von mir zum Honda S800

[...]

 

Artikel lesen ...


16.11.2015 22:31    |    unpaved

Als der Honda damals vorgestellt wurde, habe ich noch die Zeitschrift Hobby gelesen und die hatten irgendwann einen Bericht zum Honda. Den fand ich toll, besser als all die UK Roadster, die zwar gut aussahen, aber selten funktionierten.

Als ich dann endlich 1972 den Führerschein hatte und mein erstes Auto kaufen wollte, waren meine Eltern überhaupt nicht vom Honda beeindruckt, die fanden diese Art Motorfahrzeuge einfach nur unsinnig. So kam ich dann zu eine VW 1200 Käfer statt zu einem richtigen Auto. Und bei meiner damaligen Freundin reichte es nur zum NSU Prinz 4. So viele verpasste Chancen :(

 

Bernhard


16.11.2015 22:40    |    fivepointsix

Moin, ja der kleine Sportwagen ist - auch von mir - verkannt worden. Die USA hat die

Corvette geschaffen - Opel den GT in den späten 60er Jahren - und Honda, ein tolles,

kleines Sportcoupè. Heute ist der kleine S 800 ein begehrtes Objekt. Leider war ich in

den 60er Jahren noch ein Kind.

 

fivepointsix


16.11.2015 22:52    |    Dortmunder 65

Nicht nur du:D:D:D


05.03.2017 21:36    |    raumschiffer

Toll,

 

hier habe ich noch einiges erfahren das ich auch nicht wußte.

Als Jugendlicher war ich schon von dem S600/S800 als Coupe und Cabrio angetan. Das Cabrio erinnert stark an damalige kleine Briten.

Leider habe ich keinen S... im Fundus nur einen N600 Touring, den hätte ich mir 2010 anlachen sollen! Chance vertan...

 

Die hatten soweit ich weis einen Motorradmotor und der Antrieb war über Kette. Waren sehr laut, aber nicht lahm > 135 km/h. Fanden auch Bewunderung durch mich. Warscheinlich war deshalb mein erster (Familien-) Wagen ein Fiat 500.


Bild

05.03.2017 22:04    |    max.tom

Schönes Teil finde ich :)


06.03.2017 20:53    |    Dortmunder 65

Man lässt oft gute Gelegenheiten vorbei rauschen.


Deine Antwort auf "Honda S800 - Der Startschuss"

DANKE

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